Kaminuhr ZentRa - brauche Hilfe

Diskutiere Kaminuhr ZentRa - brauche Hilfe im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Hallo zusammen, ich versuche gerade, eine Kaminuhr wieder herzustellen. Das Schlagwerk funktioniert, nur das Uhrwerk läuft nicht. Rein optisch...
HiJoe

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Hallo zusammen,

ich versuche gerade, eine Kaminuhr wieder herzustellen. Das Schlagwerk funktioniert, nur das Uhrwerk läuft nicht. Rein optisch sieht alles ganz gut aus, ich hoffe, es ist nur das Öl verharzt. Nun komme ich aber beim Auseinandermontieren schon nicht weiter.

Hier mal ein Foto vom Werk:
IMGP7667_k.jpg
Auf der Rückseite steht FHS Germany 67.


Frage 1: Ich will vom dem Werk die Frontplatte abnehmen. Dafür müsste ich aber doch die Teile 1 und 2 im folgenden Bild abnehmen, oder?
IMGP7681_k_2.jpg
Teil 1 scheint das Schlagwerk mit dem Uhrwerk zu koppeln, Teil 2 sitzt auf der Achse des Minutenrads und treibt u.a. das Wechselrad an. Wie gehen die Teile ab? Mit Gewalt nach vorne rausziehen? Oder ganz anders?


Und dann noch Frage 2: Wie reguliert man das Werk? Auf der Rückseite ist eine Art Unruhe:
IMGP7669_k.jpg
Da sehe ich auch ein '+' und ein '-'. Aber wo muss man denn da drehen?


Ich bin für jeden Tip dankbar ;-) !


P.S.: mal eine dumme Vermutung: sollte man vielleicht besser die Rückplatte abnehmen?
 
SINNlich

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Respekt, daran etwas selbst zu machen. Ich täte es nicht. Bei dem Werk handelt es sich um ein Schwebeankerwerk. Die Unruh kannst Du regulieren, indem Du den darüber liegenden Reif nach lins oder rechts drehst. Eine Nut rastet in die Löcher ein. Pro Loch ca. eine Minute. Rechts schneller, links langsamer. Damit veränderst Du den Durchmesser des Unruhreifens.

Grüße

Axel
 
HiJoe

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Respekt, daran etwas selbst zu machen. Ich täte es nicht.
Nun, auf den ersten Blick sieht das Werk einigermaßen überschaubar aus. Ich bin aber sicher, dass es noch so seine Tücken hat. Überholt werden muss es jedenfalls, denn das Uhrwerk läuft ja nicht.

Die Unruh kannst Du regulieren, indem Du den darüber liegenden Reif nach lins oder rechts drehst. Eine Nut rastet in die Löcher ein. Pro Loch ca. eine Minute. Rechts schneller, links langsamer
Ahh, Danke, ich glaube, ich sehe, was Du meinst.
 
HiJoe

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So, ich habe mal versucht, etwas Ordnung ins Chaos zu bringen.

Gang- und Läutwerk bestehen nur aus je 6-7 "Zahnrädern".

Hier mal eine Übersicht, zunächst ein Bild von der Rückseite:
IMGP7668_k_1.jpg

Die Achsen haben folgende Bedeutung. Leider kenne ich nicht den Fachbegriff für jedes Zahnrad, das möge man mir nachsehen.

Gangwerk, schwarze Nummern, in der Reihenfolge des Antriebs:
1. Federhaus fürs Gangwerk
2. Großbodenrad
3. Minutenrad, da liegen die Zeiger drauf
4. Zwischenrad
5. Noch ein Zwischenrad
6. Ankerrad (der Anker liegt über der 6, diese schwarze Schraube)

Läutwerk, rote Nummer, in der Reihenfolge des Antriebs:
1. Federhaus fürs Läutwerk
2. großes Zahnrad (Großbodenrad?)
3. Zahnrad mit Sternscheibe, um die Klöppel hoch zu heben
4. Zahnrad, welches das Läutwerk auf der Ziffernblattseite mit dem Gangwerk koppelt
5. Zwischenrad
6. Flügelrad, hat wohl die Funktion, das Läutwerk blockieren und damit ausschalten zu können (Moment, vielleicht hat es auch die Funktion, die Geschwindigkeit des Läutens zu regulieren, von wegen Luftreibung und so? Kann es etwa sein, dass eine Kaminuhr im Welraum schneller läutet? Ist ja auch egal, da könnte man eh nichts hören :lol:)

Achsen der Klöppel, grüne Nummern:
1. Achse für den Doppelklöppel
2. Achse für den Einerklöppel

Vermischtes, blaue Nummern
1. bis 4. Abstandshalter, um Vorder- und Hinterplatte miteinander zu verschrauben
5. Achse für den schwarzen Hebel, welcher für das Läutwerk die Stunden zählt (siehe Foto unten)


Hier das ganze von vorne:
IMGP7667_k_1.jpg

Nun weiß ich leider immer noch nicht, wie man am geschicktesten das Werk öffnet :confused: Wie bekomme ich nur auf der Ziffernblattseite die störenden Teile runter (siehe mein erstes Posting)? Oder doch von hinten öffnen?
 
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Comtoiser

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Hallo Hi Joe,

die von Dir so genannten "störende Teile" brauchst Du vorerst nicht zu entfernen, kannst Du später machen, wenn Du die Platinen demontiert hast.
Aber viel, viel wichtiger ist im Moment die Frage, ob Du die Zugfedern, und zwar vom Gehwerk und vom Schlagwerk entspannt hast. Musst Du unbedingt machen, sonst kann beim abrupten entspannen einiges (Zahnräder, Lagerzapfen) beschädigt werden!

Gruß
Jürgen.
 
HiJoe

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Hallo Hi Joe,

die von Dir so genannten "störende Teile" brauchst Du vorerst nicht zu entfernen, kannst Du später machen, wenn Du die Platinen demontiert hast.
Aber viel, viel wichtiger ist im Moment die Frage, ob Du die Zugfedern, und zwar vom Gehwerk und vom Schlagwerk entspannt hast. Musst Du unbedingt machen, sonst kann beim abrupten entspannen einiges (Zahnräder, Lagerzapfen) beschädigt werden!
@Jürgen: Danke, die Zugfedern sind entspannt! Kannst Du mir einen Tip geben, ob ich die hintere oder vordere Platine abheben soll? :confused: Bei der vorderen stören aber die oben genannten Teile. Die hintere also?

Ich will auf jeden Fall vermeiden, dass mir gleich alle Zahnräder entgegenfallen, da ich mir deren Position noch ansehen will.
 
HiJoe

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So, ich musste voran kommen. Habe das Werk dann von hinten geöffnet, ging ganz gut.
Aber ich habe immer noch das Problem, dass ich die zwei letzten Räder nicht von der Platine ab bekomme:

IMGP7688_k.jpg

Weiß da irgend jemand, wie das geht? Ich wollte eigentlich die gute Uhr heute noch ticken lassen, na, das wird dann wohl nichts mehr.
 
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Also, beide Teile sitzen auf einem Konus. Teil 1: Das Zahnrad mit einer Hand gegen Verdrehung halten, und mit der anderen Hand und einer Zange, außen auf der Kurvenscheibe angesetzt lösen. Dabei darauf achten, dass diese nicht beschädigt wird. In der Regel sitzen die Scheiben nicht allzu fest.

Teil 2: Hierbei die Platine mittels zweier Leisten (Flachstahl) auf Schraubstockbacken unterbauen, und durch leichte Schläge auf die Minutenwelle lösen. Dabei empfiehlt sich vorher eine Mutter, meist M2, aufzuschrauben, um das Gewinde nicht zu beschädigen.

Viel Erfolg!

Gruß
Jürgen.
 
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Also, beide Teile sitzen auf einem Konus. Teil 1: Das Zahnrad mit einer Hand gegen Verdrehung halten, und mit der anderen Hand und einer Zange, außen auf der Kurvenscheibe angesetzt lösen. Dabei darauf achten, dass diese nicht beschädigt wird. In der Regel sitzen die Scheiben nicht allzu fest.

Teil 2: Hierbei die Platine mittels zweier Leisten (Flachstahl) auf Schraubstockbacken unterbauen, und durch leichte Schläge auf die Minutenwelle lösen. Dabei empfiehlt sich vorher eine Mutter, meist M2, aufzuschrauben, um das Gewinde nicht zu beschädigen.
Jürgen, schon mal vielen Dank!

Wenn ich die Teile ab habe, bekomme ich die auch wieder drauf? An genau die richtige Stelle? Ich muss die ja wohl eindrücken. Stoppen die an der richtigen Stelle von selber? Oder wie ist das?

(Ich überlege schon, ob ich die Teile einfach drin lassen sollte und "drumherum" reinige. Das wäre natürlich Pfusch, aber immer noch besser, als wenn ich sie nicht mehr drauf bekäme.)

Ach, und noch'ne Frage :D Ölt man bei diesen Uhren auch die Zahnräder selber? Bei Armbanduhren ist das ja absolut tödlich. Aber hier war altes Öl auf den Zahnrädern. :confused:
 
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Die Konen haben keinen Anschlag. Du musst sie nur passend zum Schlagwerks-Auslösehebel setzen, sonst ist die Funktion nicht mehr gegeben. Ist aber kein so großes Problem, und leicht im Einbauzustand des Hebels zu sehen. Am besten ein passendes Röhrchen aufsetzen, und mit leichten,
gefühlvollen Schlägen in die richtige Position bringen (zwischendurch probieren).

Die Zähne der Räder werden grundsätzlich auch bei Großuhren nicht geölt. Wenn bei Dir altes Öl auf den Rädern zu sehen war, geschah dies aus reiner Unkenntnis.

Gruß
Jürgen.
 
HiJoe

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Die Konen haben keinen Anschlag. Du musst sie nur passend zum Schlagwerks-Auslösehebel setzen, sonst ist die Funktion nicht mehr gegeben.

Ok, die Kurvenscheibe ist ab, hat aber leider am Rand ein paar "Kratzer" duch die Zange bekommen, ich hoffe, das stört nicht weiter, ansonsten muss ich ein wenig feilen.
Das andere Teil kommt dann später dran.

Ich bin mal gespannt, ob ich das Werk wieder hin bekomme. Na ja, ansonsten werde ich hier vom Fehlschlag berichten. 8-)


Die Zähne der Räder werden grundsätzlich auch bei Großuhren nicht geölt. Wenn bei Dir altes Öl auf den Rädern zu sehen war, geschah dies aus reiner Unkenntnis.
Die Triebe waren voll mit schwarzem Fett. Vielleicht lief die Uhr deswegen nicht mehr?
 
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ZWISCHENBERICHT ... UND NEUE FRAGEN


So, ich habe eben nur mal das Gangwerk ins Gehäuse eingebaut, und was soll ich sagen, nach einigen Mühen tickt die Uhr wenigstens wieder. Zuerst wollte sie gar nicht, dann habe ich ein paar Achsen geölt, da lief sie an.

Gleich wieder 2 Fragen:
1. Hat jemand einen Tip oder Trick parat, wie man die ganzen Zahnräder etc. wieder zwischen die zwei Platinen bekommt? Selbst für die 7 Achsen/Räder das Gangwerks habe ich über eine Stunde gebraucht ! Wie soll das gehen, wenn noch das Schlagwerk dazu kommt?

2. Was muss man Ölen? Speziell folgende Fragen:
- werden die Lager, wie bei Armbanduhren, nur von hinten geölt, oder muss Öl auf die ganze Auflagefläche innen der Achsen
- wird bei Kaminuhren auch die Achse des Ankers geölt (wird bei Armbanduhren ja nicht) ?
- werden die Zähne der Unruhe und die Hebestifte des Ankers geölt?
- ich gehe mal davon aus, dass die Unruhe selber nirgends geölt wird, oder?



Tja, leider schon wieder ziemlich viele Fragen. Ohne Eure Hilfe bin ich definitiv aufgeschmissen! Habe auch die Suchfunktion benutzt, aber über Großuhren nicht so viel gefunden.
 
SINNlich

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Moin Joe,

Wenn Du schon dabei bist, würde ich mal das Lagerspiel prüfen. Normalerweise werden bei so alten Uhren neue Lagerbuchsen eingestanzt, weil die alten ausgeleiert sind. In jedem Fall hat die Fettschmiere den Gang gehemmt. Auch bei Großuhren ist sparsames Ölen angesagt. Soweit ich weiß, werden nur die Achsen geölt.

Grüße

Axel
 
uri3047

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HiJoe : Hallo,zu Frage 1 kann nur sagen mit Gedult , Spucke und vieeeel Gefühl .Warum haste das Schlagwerk nicht gleich mit eingebaut ? bedenke, da hat jedes Rad eine bestimmte Stellung (haste`s Dir gemerkt ) wenn nicht wirds sehr schwer.

Frage 2 bei Großuhren werden alle Zapfen geölt (Öl -Nr.3,Zugferden mit Öl-nr 4)
beim Ankerrad werden die Zahnflanken und beim Anker die Stifte (in diesem Falle) oder der Ankerhaken bzw Paletten geölt !

Auf keinen Fall die Zähne der Räder Ölen ! Ach so hast Du die Federhäuser geöffnet ?
 
Der Stromer

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ZWISCHENBERICHT ... UND NEUE FRAGEN


So, ich habe eben nur mal das Gangwerk ins Gehäuse eingebaut, und was soll ich sagen, nach einigen Mühen tickt die Uhr wenigstens wieder. Zuerst wollte sie gar nicht, dann habe ich ein paar Achsen geölt, da lief sie an.

Gleich wieder 2 Fragen:
1. Hat jemand einen Tip oder Trick parat, wie man die ganzen Zahnräder etc. wieder zwischen die zwei Platinen bekommt? Selbst für die 7 Achsen/Räder das Gangwerks habe ich über eine Stunde gebraucht ! Wie soll das gehen, wenn noch das Schlagwerk dazu kommt?

2. Was muss man Ölen? Speziell folgende Fragen:
- werden die Lager, wie bei Armbanduhren, nur von hinten geölt, oder muss Öl auf die ganze Auflagefläche innen der Achsen
- wird bei Kaminuhren auch die Achse des Ankers geölt (wird bei Armbanduhren ja nicht) ?
- werden die Zähne der Unruhe und die Hebestifte des Ankers geölt?
- ich gehe mal davon aus, dass die Unruhe selber nirgends geölt wird, oder?



Tja, leider schon wieder ziemlich viele Fragen. Ohne Eure Hilfe bin ich definitiv aufgeschmissen! Habe auch die Suchfunktion benutzt, aber über Großuhren nicht so viel gefunden.
Hallo Joe,
Bin zwar neu hier, habe aber mit solchen Uhren schon einige Erfahrung sammeln können / dürfen. Der Erste und wichtigste Punkt wurde ja schon erwähnt: Immer die Zugfedern entspannen, nicht nur wegen der Zahnräder und Zapfen, auch wegen der Finger (viel Aua!).

Zu Deiner 1. Frage: Schau Dir mal die Achsen der Wellen an. Zuerst mit den längsten beginnen und die in die Platine einsetzen (lose), die die Pfeiler trägt. Ich habe mir dazu ein Holz gebaut, mit verschiedenen Bohrungen drin, da bringe ich die Zeigerwelle drin unter und das Werk liegt ziemlich Plan auf. Dann die zweite Platine vorsichtig draufsetzen. Wenn die langen Wellen jetzt oben raus gucken, die zwei Muttern auf der Seite der Federhäuser leicht aufdrehen (ja nicht anziehen, nur leicht), damit Dir die Platine nicht wieder abgeht. Nun kannst Du einzeln die Wellenzapfen mit einer Pinzette in die Lager einrücken, von den Federhäusern aus bis zum Ankerrad. Mit ein wenig Übung geht das so in 20 - 30 Minuten über den Tisch. Nicht ablenken lassen, Frau und Kinder aussperren :)!

Frage 2.) Ölen musst Du alle Lagerstellen von den Platinen her. Ich benutze dazu Öl 3 und 4. Die Ankerwellenlager natürlich auch. Aber bitte immer dran denken, sehr sparsam mit dem Öl. Nicht die Platinen runterlaufen lassen. Das Öl muss in den Lagersenkungen bleiben und darf da nicht raus. Die Zähne brauchen kein Öl, wobei ich die Erfahrung gemacht habe, dass weiße Vaseline auf die Zähne der Federhäuser auch nicht schadet (auch hier sehr sparsam!) und die Klinke samt Sperrrad der Federhäuser fette ich leicht vor dem Zusammenbau.
Die Zähne des Ankers und die Hebestifte nicht Ölen oder max. mit Nr 1. Auch hier: Weniger ist mehr!

Wozu das Windrad da ist? Na, Du bist schon auf den Trichter gekommen. Das dient nicht zum Festsetzen, sondern dem gleichmäßigen Lauf des Schlagwerkes. Beobachte das Windrad mal, wenn das Schlagwerk läuft. Dann siehst Du, wie sich der Durchmesser vergrößert und verkleinert. Übrigens, in der Luftleere ist das Windrad natürlich wirkungslos :)!

Für Deine nächste Großuhr einen Tipp: Die Teile, die Du da Abgeschlagen hast, kannst Du, vorausgesetzt, Dein Ultraschallbad oder Reinigungsmaschine ist groß genug, ruhig dran lassen. Die Teile drehen sich mit recht viel Kraft, da macht ein bisschen Schmutz, der übrig bleiben kann, nicht viel aus.

Die Lager auf Spiel überprüfen ist immer angesagt. Aber ich habe neulich ein Gustav Becker Standuhr von 1862 in den Händen gehabt. Und was soll ich sagen? Nicht ein Lager eingelaufen und die Zapfen haben geblinkt wie neu (aber erst nach dem Reinigen und Nachpolieren :))

Das Schlagwerk dieses Werkes ist übrigens ein "Rechenwerk" und hat den großen Vorteil, dass es immer die richtigen Schläge ausführt. Der Hebel 5 fällt auf die Scheibe 3 und der Mitnehmer 4 zählt den Rechen (der mit den vielen Zähnen) wieder in die Ausgangsstellung zurück. Wichtig hier ist nur, dass die Sternscheibe, die den oder die Hebel für die Hämmer betätigt, VOR Beginn des Schlages so eingestellt ist, dass der / die Mitnehmer nicht aufliegen. Sonst kann es passieren, dass das Anlaufen bei geringer Federleistung nicht mehr klappt.

Ach, noch etwas: Hin und wieder ließt man so Sachen wie z.B. "Wenn Sie das Schlagen der Uhr stört, einfach das Schlagwerk nicht aufziehen" Leider geben auch Uhrmacher solchen Unsinn von sich. Das sollte man (frau) nie machen. Denn bei einer unglücklichen Position des Rechenhebels 5 kann dieser gegen die Scheibenposition (3) zwischen 12 Uhr und 1 Uhr laufen und dann blockiert das gesamte Werk ziemlich unsanft.

So, und jetzt wünsche ich Dir eine ruhige Hand und viel Spass.
 
HiJoe

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OK, allen recht herzlichen Dank für die vielen Tips! Hier werden sie geholfen!

Dann werde ich mich mal dran geben. Zum Glück ist das hier kein Westminster Schlagwerk. ;-) Ansonsten habe ich mir leider die Stellung der Zahnräder vom Schlagwerk NICHT genau gemerkt. Insbesondere die Stellung von diesem Anlaufrad weiss ich nicht, das hat ja so einen kleinen Stift. Muss der nach "unten" zeigen :confused:

Na ja, ich baue erst mal alles zusammen und muss danach wahrscheinlich noch einige Räder nachträglich verdrehen, fürchte ich. Man lernt eben nur durch Schmerzen. Ansonsten macht mir diese "Großuhr" bisher echt Spass. :D
FALLS die nochmal richtig läuft, bekommt die olle ZentRa bei mir einen Ehrenplatz!

--- Nachträglich hinzugefügt ---


4 Stunden später:

OK, das Gehwerk und das Schlagwerk sind wieder zusammengesetzt! :D
Musste mit Erschrecken feststellen, dass ich den Anker verbogen hatte. :-( Habe ich aber zurück biegen können *PUHH*.

Na ja, das Gehwerk läuft, das Schlagwerk dreht sich auch, nur GEKOPPELT sind die beiden noch nicht, von wegen Rechen und Schöpfer und so. ;-) Die Experten ahnen jetzt wahrscheinlich schon, dass da noch Frickelsarbeit auf mich zu kommt.

Na, schaun mer mal.
 
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Der Stromer

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OK, allen recht herzlichen Dank für die vielen Tips! Hier werden sie geholfen!

Dann werde ich mich mal dran geben. Zum Glück ist das hier kein Westminster Schlagwerk. ;-) Ansonsten habe ich mir leider die Stellung der Zahnräder vom Schlagwerk NICHT genau gemerkt. Insbesondere die Stellung von diesem Anlaufrad weiss ich nicht, das hat ja so einen kleinen Stift. Muss der nach "unten" zeigen :confused:

Na ja, ich baue erst mal alles zusammen und muss danach wahrscheinlich noch einige Räder nachträglich verdrehen, fürchte ich. Man lernt eben nur durch Schmerzen. Ansonsten macht mir diese "Großuhr" bisher echt Spass. :D
FALLS die nochmal richtig läuft, bekommt die olle ZentRa bei mir einen Ehrenplatz!

--- Nachträglich hinzugefügt ---


4 Stunden später:

OK, das Gehwerk und das Schlagwerk sind wieder zusammengesetzt! :D
Musste mit Erschrecken feststellen, dass ich den Anker verbogen hatte. :-( Habe ich aber zurück biegen können *PUHH*.

Na ja, das Gehwerk läuft, das Schlagwerk dreht sich auch, nur GEKOPPELT sind die beiden noch nicht, von wegen Rechen und Schöpfer und so. ;-) Die Experten ahnen jetzt wahrscheinlich schon, dass da noch Frickelsarbeit auf mich zu kommt.

Na, schaun mer mal.
Hm, Joe. Das Schlagwerk ist, wie schon gesagt ein "Rechenwerk" und wenn die Scheiben und Räder (die mit den Sperrstiften) in der richtigen Weise eingebaut wurden, gibt es im Prinzip auch kein Problem, anders als bei den Schlagwerken mir sog. Schluss- oder Schlossscheibe. Ich hab Dir mal diesen Link hier Uhrentechnik:  Rechenschlagwerk reingesetzt. Da wird das "Rechenwerk" beschrieben und auch eine Animation läuft ab. Da kannst Du dann sehr genau sehen, wie die Sperren zueinander stehen müssen / sollen.
Wenn Du mal von Deinem Bild 2 ausgehst, ist die Nummer 2 die "Kopplung" zwischen Werk und Schlag. Wenn Du genau hinguckst, wirst Du sehen, dass die beiden Nasen unterschiedlich lang sind. Die kurze Nase löst den 1/2 Stundenschlag (der Rechen wird nur um 1 Position bewegt und fällt nicht auf die Staffelscheibe. Die lange Nase hebt den Rechen ganz nach oben und läßt danach ihn danach wieder fallen, so das der Rechen auf die Staffelscheibe fällt. Durch den Mitnehmer Schöpfer) wird dann so lange der Rechen wieder bewegt, bis er in seiner Endposition angekommen ist und das Schlagwerk still setzt. Achten musst Du aber darauf, dass ca. 6 - 3 Minuten VOR Auslösung des Schlages ein sog. Freilauf erfolgt, ein 1/2 Umdrehung des Antriebrades vom Windrad. Erst dann ist die richtige Funktion gewährleistet. Und auch wichtig: nach diesem Freilauf muß der Mitnehmer für den Hammer ca. in der Mitte zwischen den Zähnen der Sternscheibe (im Beispiel das Stiftrad) stehen. Um das allerdings zu korrigieren, wenn beim Zusammenbau nicht auf die Stellung der beiden Räder (das ist das Einzige) geachtet wurde, muß eine Platine nochmal vorsichtig (nur 2 Muttern lösen) um einige Zähne verstellt werden. Auf mehr brauchst Du nicht achten. Wichtig ist aber auch, dass Du den Winkel zwischen Rechen und Staffelhebel nicht verändert hast (bei vielen Werken läßt sich das machen, da beide nicht fest verbunden sind).

Wenn Du da nicht weiterkommst, schreib mir gerne eine Mail. Ich versuche dann, Dir zu helfen. Ist alles kein Hexenwerk, sonder nur Mechanik!

Ach, noch was: Keine Panik, wenn der Minutenzeiger z.B. um 1/4 oder 3/4 das Schlagwerk auslöst. Dieser Zeiger sitzt ja auf einem Rechteck. Also nochmal Abheben und um 90° versetzen, bis es wieder stimmt. Wenn der dann noch ein paar Minuten vor oder nach geht, einfach mit Gefühl in der Nabe verdrehen, bis es stimmt (Rechteck-Uhrmacherfeile in den Schraubstock einspannen und den Minutenzeiger vorsichtig verdrehen. Ja nicht auf der Minutenwelle machen!!!!). Der Stundenzeiger ist unkritisch, da der sowieso nur durch Reibung auf dem Stundenrohr gehalten wird.
 
HiJoe

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Und auch wichtig: nach diesem Freilauf muß der Mitnehmer für den Hammer ca. in der Mitte zwischen den Zähnen der Sternscheibe (im Beispiel das Stiftrad) stehen.
So, ich hatte die Uhr gestern komplett zusammengebaut, leider mit Fehler :-(.

Mir war klar, dass die Mitnehmer der Hämmer zwischen den Zähnen der Sternscheibe sitzen müssen. Um das zu bewerkstelligen, habe ich Oberkluger aber nicht das Zahnrad mit der Sternscheibe verdreht, sondern den Schöpfer (den hatte ich ja abgenommen) dahingehend justiert. Ich habe also die Räder des Schlagwerks OHNE Schöpfer in die richtige Position gedreht, und dann den Schöpfer in seiner "Sperrposition" aufgesteckt. Zuerst war ich happy. Aber dann, nach einigen Schlägen, hing plötzlich doch der 1er Hammer in der Luft, der vorher richtig stand. Ich denke, der Schöpfer hat sich im laufenden Betrieb wieder verdreht, er schlägt ja auch immer recht unsanft gegen diesen schwarzen Hebel an.

Mal eine dumme Frage: mir ist aufgefallen, dass die Welle, auf die der Schöpfer gesteckt wird, so zwei kleine Rillen hat. Sorgen die etwa dafür, dass der Schöpfer da an einer bestimmten Position "einrastet"? Dann wäre er also gar nicht frei verdrehbar? Oder muss ich ihn nur noch stärker andrücken? :confused: :confused: :confused:

Ich sehe schon, dass ich doch die Platine wieder öffnen muss, oh Graus!

Wenn Du da nicht weiterkommst, schreib mir gerne eine Mail. Ich versuche dann, Dir zu helfen. Ist alles kein Hexenwerk, sonder nur Mechanik!
Vielen Dank! Das werde ich im Falle eines Falles bestimmt machen!


Ach ja, und noch eine Frage:
Der Stromer schrieb:
Ach, noch etwas: Hin und wieder ließt man so Sachen wie z.B. "Wenn Sie das Schlagen der Uhr stört, einfach das Schlagwerk nicht aufziehen" Leider geben auch Uhrmacher solchen Unsinn von sich. Das sollte man (frau) nie machen. Denn bei einer unglücklichen Position des Rechenhebels 5 kann dieser gegen die Scheibenposition (3) zwischen 12 Uhr und 1 Uhr laufen und dann blockiert das gesamte Werk ziemlich unsanft.
Das leuchtet mir einer. Aber kann man das Schlagwerk dann überhaupt irgendwie abstellen? Hinten an der Uhr ist ein Hebel, mit dem kann man wohl den Windfang und damit das Schlagwerk blockieren. Aber auch dann sollte doch das passieren, was Du oben beschrieben hast?
 
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Der Stromer

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So, ich hatte die Uhr gestern komplett zusammengebaut, leider mit Fehler :-(.

Mir war klar, dass die Mitnehmer der Hämmer zwischen den Zähnen der Sternscheibe sitzen müssen. Um das zu bewerkstelligen, habe ich Oberkluger aber nicht das Zahnrad mit der Sternscheibe verdreht, sondern den Schöpfer (den hatte ich ja abgenommen) dahingehend justiert. Ich habe also die Räder des Schlagwerks OHNE Schöpfer in die richtige Position gedreht, und dann den Schöpfer in seiner "Sperrposition" aufgesteckt. Zuerst war ich happy. Aber dann, nach einigen Schlägen, hing plötzlich doch der 1er Hammer in der Luft, der vorher richtig stand. Ich denke, der Schöpfer hat sich im laufenden Betrieb wieder verdreht, er schlägt ja auch immer recht unsanft gegen diesen schwarzen Hebel an.

Mal eine dumme Frage: mir ist aufgefallen, dass die Welle, auf die der Schöpfer gesteckt wird, so zwei kleine Rillen hat. Sorgen die etwa dafür, dass der Schöpfer da an einer bestimmten Position "einrastet"? Dann wäre er also gar nicht frei verdrehbar? Oder muss ich ihn nur noch stärker andrücken? :confused: :confused: :confused:

Ich sehe schon, dass ich doch die Platine wieder öffnen muss, oh Graus!



Vielen Dank! Das werde ich im Falle eines Falles bestimmt machen!


Ach ja, und noch eine Frage:


Das leuchtet mir einer. Aber kann man das Schlagwerk dann überhaupt irgendwie abstellen? Hinten an der Uhr ist ein Hebel, mit dem kann man wohl den Windfang und damit das Schlagwerk blockieren. Aber auch dann sollte doch das passieren, was Du oben beschrieben hast?
Gehe einfach so vor: Gangwerk anhalten, Stunde auf 1 stellen (der Rechen ist in seiner höchsten Position) und dann das Windrad festsetzen. Jetzt passiert nichts mehr und wenn gewünscht, einfach das Windrad wieder freisetzen. Gangwerk wieder in Gang bringen. Ob der Hebel, den Du meist, das Schlagwerk feststellt, kann ich so nicht sagen, ist auch nicht wahrscheinlich. Meist sind diese Hebel zum manuellen Auslösen des Schlages, wenn man (frau) den Schlag nicht mit den Zeigern stellen will (braucht man (frau) auch garnicht, denn Rechenwerke schlagen automatisch die richtige Stunde nach den Zeigerstellungen). M.E. sind diese Hebel ein Relikt aus den Zeiten, als Schlagwerke noch über Schloss- oder Schlussscheiben gesteuert wurden. Da waren sie wichtig.

Zum Schöpfer: Der hat eine feste Position, die er auch behalten muß. Die Rillen sind die Markierung. Die sollen überein stimmen. :-(
 
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HiJoe

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So, ich schon wieder, musste den Thread nochmal hoch holen, denn: es klappt nicht! :-(

Habe das Werk komplett wieder zusammengebaut, alles wirklich gut an seinem Platz, von Hand drehen sich auch alle Räder leicht, ABER: sowohl das Gehwerk als auch das Schlagwerk sind total träge. Die Unruhe tickt so grade eben mal, superkleine Amplitude, das Schlagwerk kommt schon ins Stocken, wenn es nur einen Hammer hebt, wird dabei total langsam.


Es ist so, als ob kaum Kraft in den Werken vom Federhaus "nach oben" transportiert würde. Was jetzt? Irgendwas habe ich falsch gemacht. Die Federn scheinen mir OK und kraftvoll. Das Schlagwerk war ja auch VOR meiner "Reparatur" in Ordnung, nicht so langsam wie jetzt.

Da drängt sich mir ein Verdacht auf: habe ich vielleicht falsch geölt? Ich habe da so ein ganz billiges Uhrenöl, das habe ich genommen. Sollte ich evtl. doch mal Koch ausprobieren? Wenn ja, welche Nummer für was? Oder kann es noch was ganz anderes sein?


Ich sehe schon, dass ich alles nochmal komplett abbauen muss. :-(


KLEINER NACHTRAG: so, ich habe gerade mal an einer Achse des Gehwerks (da bin ich dran gekommen) etwas MoS2 Fett (für Autos) rangemacht (ich weiss, ist nicht das richtige, nur mal zum Ausprobieren), und jetzt läuft das Gehwerk einen ticken besser als vorher. Also wirklich eine Frage des Öls oder Fetts???
 
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