Revision Jahresuhr Kern & Sohn Miniatur M IV zum Leben erweckt.

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Der Stromer

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Endlich mal wieder eine Jahresuhr…..

Eigentlich ein einfacher Fall, diese schöne Jahresuhr. Modell M IV von KERN & Söhne.
3590-Der-Patient.JPG

Nur die Pendelfeder gerissen, lautete die Diagnose.
3588-Rueckseite.JPG
3589-Mit-den-Resten-der-Pen.JPG

Nun, eine Pendelfeder geht niemals IN der Uhr kaputt. Fast immer liegt ein anderer Fehler vor, der dann dazu führt, dass versucht wird an den dingen, die man sieht oder an die man leicht dran kommt, zu drehen und zu manipulieren.

Bei der Pendelfeder führt das dann (fast) immer zum Bruch der Selben. So auch hier.

Also der übliche Werdegang einer Revision war angesagt: Demontieren, im US-Bad reinigen, Zapfen prüfen und Polieren, eben so die Lager einer genauen Inspektion unterziehen und mit Glättahlen fein Nachbearbeiten.
3596-Saubere-Sachen.JPG
3597-Raeder-gesetzt.JPG

Feder aus dem Federhaus und da war dann die eigentliche Ursache des Stehenbleibens! Eine total verklebte Feder, die sogar noch bei Auswinden heftige Probleme machte, fast so, als wollte sie ums Verrecken nicht gereinigt werden. Aber mein Federwinder und ich haben uns durchgesetzt!

Hier auch mal zwei Bilder der Zeigerreibung.
Zeigerreibung.JPG
Zeigerwerk.JPG

Dann alles noch vor der Montage mit Wachs konserviert, damit der Messingglanz nicht so bald wieder verschwindet und montiert.
3598-Zusammen.JPG

Auch die Justagen waren bei dieser Uhr sehr schnell gemacht. Fast so, als freue sich die Uhr.

Und nachdem sie wieder auf dem Sockel stand, lief die Uhr los, als könnte sie es nicht erwarten, wieder die Zeit zu Zählen.
3603-Fertig.JPG
 
MAP254

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Guten Morgen Rolf-Dieter,
wieder einiges erledigt in der letzten Zeit, nicht wahr ;-)
Das du nicht schon schreiend davonläufst, wenn wieder einer mit einer defekten Jahresuhr vor der Tür steht :-)
Liebe Grüße
Manfred
 
Uhr-Enkel

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Andererseits macht diese Jahresuhr optisch einiges her. Der Besitzer dürfte ganz schön happy sein, daß das gute Stück wieder funktioniert.

Diese Gold-Türkis-Kombination erinnert mich irgendwie an 4711. :oops:
 
uri3047

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Hallo Stromer! was schon immer fragen wollte,wie behandelst Du die Ankerpaletten ? und was für ein Wachs (Messing) trägst Du auf ?

gruß uri
 
Der Stromer

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@ manfred: Nö, die machen mir immernoch Freude. Schlimm sind nur die "Puzzle-Uhren". Da könnte ich graue Haare....
@ 4711? Das ist gut :) :)
@ Die Paletten sind bei Jahresuhren eigentlich nicht das Problem, bei 8 - 16 "Schaltungen" pro Minute. Poliert werden die mit Polierrot und einer mäßig schnell laufenden Filzscheibe mit 15mm Durchmesser das geht ganz gut. Das Wachs ist dieses hier: Renaissance Micro-Cristalline Wax Polish. Habe ich von diesem Anbieter: RENAISSANCE WAX 65ml FOR JEWELRY ANTIQUES FURNITURE COINS CAR CLOCKS GUNS KNIFE | eBay Trotz USA noch der günstigste!
 
uri3047

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Hallo Stromer,mit dem behandeln der Ankerpaletten meinte ich die Hebeflächen,welche ja bei vielen Grahamhemmunge eingelaufen sind!

grüße von uri
 
Der Stromer

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uri,
eingelaufene Hebeflächen bei Jahresuhren habe ich noch nicht gehabt. Nur etwas "angegammelt" von Flugrost und Staub mit Fett. Es passiert nicht viel bei 8 - 16 ticks in der Minute. Zumal das Pendel auch keine große Kraft auf die Hemmung bringen kann.

Das sieht bei Uhren mit Schwerkraftpendel schon ganz anders aus. Da hilft dann nur der Flachschleifer mit Ölstein.
 
Regulateur301

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Hallo Herr Stromer,
ja, die Uhr ist wirklich sehr sehr hübsch !
In meinem Besitz befindest sich ein ähnliches Modell der Marke "Kundo",
so um 1960 hergestellt und ebenso klein (10 Halbschwingungen pro Minute).
Es verhält sich ja so, dass Jahresuhren aller Art stets als 400 Tage-Uhren angepriesen werden.
Meine Uhr läuft trotz vernünftiger Gangenauigkeit aber nur 6 oder 7 Monate.
Ist das normal bei solch kleinen Uhren und man solle die Angabe "Läuft 400 Tage" einfach nicht so ernst nehmen
oder stimmt da was nicht mit dem Werk?
Müssen Uhren solcher Bauart grundsätzlich immer ein ganzes Jahr hindurch laufen ?
Haben Sie da vielleicht eine Experten-Erfahrung für mich ?

Vielen Dank im Voraus und herzl. Grüße aus Leipzig
 
Der Stromer

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Hallo, Herr Regulateur.
Folgendes zu Jahresuhren.
Uhren mit einer Gangreserve von 1 Jahr und mehr gibt es schon seit ca. 300 Jahren. Allerdings die mit einem Drehpendel und der uns jetzt bekannten Form erst seit 1881. August Schatz hat diese Uhr mit Grahamhemmung zur Serienreife entwickelt. Es kursieren Gerüchte, dass diese Uhrenart auf einem Patent des Anton Harder basieren. Das ist definitiv falsch. Anton Harder hatte ein Patent eines Amerikanischen Uhrmachers für ein Werk (ohne Pendel) für sehr lange Laufzeit. Dieses Patent führte aber nicht zu einer funktionierenden Uhr. Soweit die Geschichte.

Ob die Uhren der "Gebrüder Wintermantel & Cie", kurz GW&Cie (Cie war der besagte August Schatz) schon 400 Tage Gangreserve hatten, weiß ich nicht. Aber diese Uhren liefen schon mindestens 300 Tage, denn so wurden sie in der Uhrmacherzeitung beworben. Die Patente zu dieser Uhrenart waren damals im Besitz eines Holländischen Uhrengroßisten, der dafür Schatz Maschinen zur Herstellung von eben solchen Uhren finanzierte. Um 1900 herum konnte oder wollte der Niederländer DeGruyter die Patentgebühren nicht mehr zahlen und ab dann stellte fast jede Deutsche Uhrenfabrik, die etwas auf sich hielt, eben Uhren dieses Typ her. Der Vorteil war ja, die lange Gangreserve. Für mechanische Uhren in dieser Preisklasse schon sehr beachtlich. Ein riesiger Markt für diese Uhren war Übersee und England.

Unter den "Neuherstellern" tummelten sich dann aber auch Firmen, die es mit der Gangreserve nicht so genau nahmen. Es gab dann "Semester-Uhr" mit 1/2 Jahren Gangreserve, Uhren mit 30 Tagen (Grivolas und andere) und auch missglückte Uhren wurden auf den Markt geworfen, welche statt der versprochenen 400 Tage nur 200 oder 300 Tage Gang hatten und schon während der Produktion aufwändig mit stärkeren Federn und anderen Übersetzungen "Nachgerüstet" wurden.

August Schatz & Söhne stellte sogar eine Serie von 1000-Tage Uhren her, die sich aber auf dem Markt nicht durchsetzen konnten. Das war so um 1950 herum. Aber so weit mir bekannt, waren die etablierten Firmen sehr wohl in der Lage, mit guter Qualität erzeugte Produkte mit einer Laufzeit von 300 Tagen oder eben 400 Tagen (August Schatz & Söhne, Jahresuhrenfabrik) zu verkaufen und auch zu garantieren.

Zu Deiner Uhr:
Eigentlich sollte auch Deine Uhr mindestens 360 Tage laufen. Woran es liegt, dass sie das nicht tut? Ich bin kein Hellseher und mein Kater hat meine Kristallkugel hinter den Schrank verräumt. Nur so viel: Jahresuhren oder auch die Drehpendeluhren sind und waren schon immer ein Nischenprodukt der Uhrmacherkunst. Von GB stammt der Ausspruch "...wir werden uns doch nicht unseren guten Namen durch dieses Spielzeug beschädigen lassen..." das war zu Anton Harder, der in Freiburg versuchte, seine Idee einer Uhr mit großer Gangreserve bauen zu lassen, oder auch dieses Zitat (nicht wörtlich, da müsste ich erst suchen) aus der Deutschen Uhrmacherzeitung: Mit diesen Uhren braucht sich der ernsthafte Uhrmacher nicht zu beschäftigen. Sie (die Uhren) werden nicht lange überleben. Auch heute noch kann man Uhrmacher, die eben Jahresuhren können, an 2 Händen abzählen. Was ich an Jahresuhrleichen schon auf meinem Tisch hatte, die sehr lange Zeit in Uhrmacherwerkstätten auf ihre Instandsetzung gewartet haben, bevor der Besitzer/in meine Seite entdeckte! Und von daher zu Deiner Uhr: Ich weiß es nicht, was da ein Vorreparateur schon alles versucht hat. Neue Gangfeder? Hemmung "Nachgestellt"? Pendelfeder ersetzt? In fast allen Fällen wurde jedoch versucht, Jahresuhren mit dem Können von normalen, mechanischen Uhren wieder zum Zählen der Zeit zu bringen. Und das geht fast immer schief.

Ich möchte noch betonen, dass ich kein Uhrmacher bin, aber mich jetzt seit ca. 15 Jahren mit dieser Uhrenart beschäftige und wie ich meine, mit gutem Erfolg. Und noch etwas, damit hier kein falscher Zungenschlag entstehen kann: Uhrmacher, die sich eingehend und ernsthaft mit Jahresuhren beschäftigen, können diese auch reparieren und zu einem langen Gang verhelfen. Batteriewechsler werden das nie lernen.

Und zu der Mähr, Anton Harder hätte die Drehpendeluhr "erfunden": Anton Harder war ein Gutsverwalter in Ransen bei Steinau an der Oder. Ein technisch versierter Landwirt, der sicherlich seine Landwirtschaftlichen Maschinen instand halten konnte, aber keine Uhren entwickeln und Konstruieren. Jedoch war Harder im Besitz eines Patentes für ein Uhrwerk mit langer Laufdauer. Dieses Patent stammt allerdings aus USA. Dort wurden um 1840 - 1860 3 Patente von 3 Uhrmachern registriert, die eben solche Werke entwickelt hatten (gingen aber nie in Produktion und verfielen dann). Wie Harder zu einem dieser Patente kan? Man weiß es nicht. Fakt ist aber, dass nach dem Harder-Patent in der k&k Monarchie um 1870 herum ein Patent auf den Namen Anton Harder in Österreich eingetragen wurde, dass sehr nach dem existierenden Amerikanischen Patent aussieht. Das zweite Patent, von dem sehr oft die Rede ist, das gehörte Harder nach dem Ableben des Entwicklers Jehlen, da die Witwe Jehlen es Harder übertragen hatte. Allerdings, auch das kann man nachschauen, betraf dieses Patent ein Kugeldrehpendel für Wanduhren, welches für Tischuhren, wie sie Schatz entwickelt hat, unbrauchbar war.
Dann gab es da noch den Hofuhrmacher Huber in München (gibt es heute noch, Juwelier und Hofuhrmacher). Der hat sich um 1905 herum ein Drehpendel mit Temperaturkompensation patentieren lassen. Huber hat von verschiedenen Herstellern sog. Rohwerke gekauft und Uhren unter seinem Namen mit seinem Kompensationsdrehpendel vertrieben. Absolut nicht verwerfliches. Aber halt eben kein Hersteller von Drehpendeluhren.
 
Regulateur301

Regulateur301

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Vielen vielen Dank für Ihre interessanten Ausführungen, Herr Stromer ! :-)
Es ist wirklich gut, hier so einen Experten wie Sie zu finden !
Evtl. liegt es ja am Aufziehen der Feder ?? Sollte ich vielleicht die Aufzugsfeder soweit
"festbrummen" bis es nicht mehr weitergeht, um So die gesamte Resource der
Spannkraft auszuschöpfen? Meine Befürchtung ist dann aber immer, dass diese
mal reißt.............
Wie halten Sie es mit Ihren Jahresuhren ? Ziehen Sie grundsätzlich voll auf ???
Ich denke aber, dies wirkt sich auch negativ auf die Ganggenauigkeit aus, da
die Spannkraft der Feder dann Anfangs so hoch ist, dass die Uhr vorgeht
und man ständig "hinterherregulieren" müsste.

Danke und liebe Grüße..................
 
Der Stromer

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Hi.
Also, auch ein Regulator wird es nicht fertig bringen, ein Stahlband von z.B. 14 x 30 mm und einer Klingendicke mit 0,46 mm zu zerreißen:D.
Daher: Die Federn immer bis zum Ende aufziehen, aber bitte nicht mit Gewalt bis zum letzten Knack! Und wenn die Uhr in Ordnung ist, werden Sie es erst gegen Ende der Federkraft merken, dass die Uhr zu langsam wird. Aber: Das sind keine Chronometer! Und wie bei allen mechanischen Uhren muss man halt mit den kleinen Unzulänglichkeiten der Hemmungen rechnen. Die Uhr "Sekundengenau" über 400 Tage = 9600 Stunden oder 576000 Minuten regulieren zu wollen, ist selbstreden Blödsinn, zumal alleine schon das Zeigerspiel garkein Ablesen von Sekunden zulässt. Aber eine gut regulierte Jahresuhr bringt es ohne weiteres auf 2 - 5 Minuten im Jahr. Versuchen sie das mal mit einer mechanischen Armbanduhr oder so:ok:
 
Regulateur301

Regulateur301

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Super ! Dann mache ich das so !
Vielen Dank für den guten Rat....
Nur 2 - 5 Minuten pro JAHR, das wären ja traumhaft niedrige
Gangabweichungen ! Muss ich mal im Auge behalten ;-)

Liebe Grüße vom Regulateur......................
 
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