Ingersoll Yankee Dollarwatch von 1909

Diskutiere Ingersoll Yankee Dollarwatch von 1909 im Taschenuhren Forum im Bereich Vintage-Uhren; Hallo, heute stelle ich Euch eine Ingersoll Yankee vor, die Uhr, die den Namen "Dollarwatch" geprägt hat und auch als solche beworben wurde...
kater7

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Hallo,

heute stelle ich Euch eine Ingersoll Yankee vor, die Uhr, die den Namen "Dollarwatch" geprägt hat und
auch als solche beworben wurde. Am Anfang tatsächlich für nur einen Dollar beworben und verkauft
(das entsprach etwa dem Tageslohn eines amerikanischen Industriearbeiters), werben spätere
Prospekte mit Preisen um 1,50$ bis 1,75$ und auch ein deutsches Plakat für eine 5 Mark Uhr (Ingersoll)
ist im Netz zu finden. Trotz des geringen Preises wurde eine, für die damalige Zeit einmalige, Garantie
geboten (siehe Bild; der originale Garantieschein ist in den Rückdeckel eingelegt und gut erhalten), die
eine einwandfreie Funktion während eines Jahres versprach mit kostenloser Reparatur bei einem Mangel
oder Tausch gegen eine neue Uhr für nur 25Cent Zuzahlung!:super:
Obwohl riesige Stückzahlen (lt. Wikipedia etwa 3.500000 pro Jahr von "Waterbury Clock") und über
einen Zeitraum von über 20 Jahren produziert, sind heute nur noch recht wenige von diesen einstigen
"Wegwerfprodukten" vorhanden und eine, in dem hier gezeigten, originalen und voll funktionsfähigen
Zustand zu finden, ist schon fast wie ein 6er im Lotto, wurden doch diese Uhren im harten Alltag
verschlissen und nicht wie ihre wesentlich teureren Geschwister gehegt und gepflegt!

An "technischen Daten" zu dieser Uhr habe ich absolut nichts finden können und so sind hier auch nur
sehr wenige Fakten zu nennen: die Taschenuhr entspricht in ihrer Größe etwa der 16s bis 18s mit
einem Durchmesser von 51mm ohne Krone und einer Dicke von 15mm, wurde 1909 produziert, wird
über die Krone aufgezogen und die Zeiteinstellung erfolgt bei eingedrückter Krone (wie das sehr
einfach über Zahnräder gelöst wurde, ist im letzten, extrem vergrößerten Bild gut zu erkennen).
Anders als bei den berühmten Konkurrenten (Elgin, Hamilton, Illinois, Waltham, Rockford oder Hampden)
wurden diese Uhren ab Werk komplett mit Gehäuse ausgeliefert und nicht später "eingeschalt".
Rückdeckel und Glas mit Rand sind hier nur aufgepresst und nicht, wie sonst bei amerikanischen
Open Face Taschenuhren üblich, geschraubt.

Der heutige Zustand der Uhr: Gehäuse gebraucht mit einer kleinen Delle am Rückdeckel und sonst
recht wenige Gebrauchsspuren, im Rückdeckel ist der originale Garantieschein erhalten, Glas klar mit
einem kleinen Abplatzer (1Uhr), Zifferblatt sehr gut und ohne jegliche Beschädigung, Zeiger sehr gut
mit nur minimalem Verlust der blauen Farbe(?) im Zentrum, Krone ohne sichtbare Gebrauchsspuren und
Haltering sehr gut, Werk sauber, gut gewartet und ganggenau mit einer Gangabweichung deutlich
unter 1min pro Tag!

Kurz zur Geschichte von Ingersoll:
1880 in New York als Versandhandelsunternehmen "Robert H. Ingersoll & Brother" gegründet, begann
1892 die Produktion eigener Uhren. Nach Vorbild und unter Mithilfe von Henry Ford (ja, genau der, mit
dem T-Modell und dem schönen Spruch: der Kunde kann jede gewünschte Farbe bestellen, solange es
Schwarz ist...) wurde eine Uhrenproduktion im industriellem Maßstab aufgezogen und unter der
Verwendung von überwiegend gestanzten Teilen eine gleichbleibend gute Qualität gesichert, sowie eine
Tagesproduktion von etwa 8000 Uhren erreicht - die Geburtsstunde der "Dollarwatch", der Uhr für
"Jedermann"! Im Jahr 1921 ging das Unternehmen in Konkurs, 1922 wurden die "Überreste" des
Unternehmens und die Markenrechte für USA und Kanada von "Waterbury Clock" übernommen und
befinden sich heute noch im Besitz der "Timex Corp.", der Rechtsnachfolgerin der "Waterbury Watch Corp",
in die sich die "Waterbury Clock" umfirmierte.
Bevor jetzt die "Cina!China!" Proteste losgehen: ja, richtig, die Namensrechte für die restliche Welt,
mit Ausnahme von USA/Kanada, befinden sich heute im Besitz der "Ingersoll Ltd.", einer britischen
Tochter der Hong-Konger "Zeon Ltd", die sich wiederum im Besitz der "Herald Holdings Limited",
ebenfalls Hong-Kong, China befindet. Diese etwas verwirrende Konstellation dürfte mit einer früheren
Auslandsgründung von Ingersoll, der 1916 gegründeten "Ingersoll Company of Britania" zusammen-
hängen.
Die heutigen Ingersoll Uhren werden also mit Werken aus asiatischer Produktion versehen und werden
hier im UF oft kontrovers diskutiert, insbesondere regt es viele hier im UF auf, das sich auf die
Geschichte und Tradition der "alten" Firma Ingersoll berufen wird. Meiner bescheidenen Meinung nach
erfolgt dies jedoch nicht zu Unrecht, hatten sich doch die Brüder Ingersoll auf die Fahne geschrieben,
billige und trotzdem ansprechende Uhren für jedermann erschwinglich auf den Markt zu bringen und
dies in einer alltagstauglichen Qualität - dies ist der heutigen "Ingersoll Ltd." - zumindest im Segment
der Quarzuhren, gut gelungen. Der Anspruch hochwertige, mit zahlreichen Komplikationen versehene,
Sammler- und Liebhaberuhren herzustellen ist wohl zur Zeit noch etwas hochgegriffen...

Ich hoffe, Euch hat meine kleine Vorstellung gefallen und Ihr habt den diesmal etwas längeren Text ohne
einzuschlafen überstanden; über Kommentare und Ergänzungen, insbesondere zu den technischen
Datails, bin ich immer dankbar!

LG, Frank

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Gut zu sehen: das kleine, an der Krone befestigte Zahnrad greift in gedrücktem Zustand in das Getriebe
ein und die Zeiger können verstellt werden, wird die Krone losgelassen, rückt eine Feder das kleine Zahnrad
wieder aus! Dieses einfache System funktioniert auch nach 104 Jahren zuverlässig :super:
 
batery_99

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Hallo Frank,
Wieder einmal eine sehr gelungene Vorstellung:klatsch:
Auch wenn es diesmal eindeutig eine "Billiguhr" ist:D
Die von Dir gelieferten Infos, sowohl zu der Uhr, als auch zur Geschichte der Fa Ingersoll, machen einfach Spass zu lesen:super:
Wo holst Du nur solche Schätzchen her?
Ich glaube gerne, dass in der heutigen Zeit nur noch sehr wenige dieser ehemaligen "Billiguhren" existieren... Zumal auch noch in einem solchen Zustand.
Vielen Dank für's zeigen und die zusätzlichen Informationen.
Viele Grüße
Marco
 
ketap

ketap

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Sehr schöne kurzweilige Geschichte zu einer Uhr die für die Masse erschwinglich wurde und somit auch einen wichtigen Platz in der Geschichte der Uhr einnimmt.
Danke dafür.
 
kater7

kater7

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Wo holst Du nur solche Schätzchen her?
...ich bin eben eine "Nachteule" und wenn Frau und Kinder im Bett sind, habe ich noch Zeit zum Durchforsten des
Netzes, ich suche auch sehr viel in der Bucht, vor allem in den USA und GB (ich hatte bisher mit den dortigen
Verkäufern, egal ob privat oder gewerblich, wesentlich weniger Ärger als hier in D), viel Geduld und etwas Glück
gehören wie immer auch dazu...

Danke Euch beiden, Marco, Carlo, für die freundlichen Worte...

LG, Frank
 
BBouvier

BBouvier

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Danke sehr, für die Vorstellung, Kater!

Setzen wir mal den Verdienst eines heutigen Arbeiters ganz grob auf 2.000.-
bei 20 Arbeitstagen, dann kostete die Uhr heute 100.- Euros oder 200.- DM.

Man sollte nicht übersehen, dass der Dollar in den letzten hundert Jahren
97% seines Wertes verloren hat!

Beste Grüße!
.... ich habe mir grade eine REGENT mit ASIA-Unitas gekauft,
und die war insofern auch nicht teurer .....

BB
 
T

Tomcat1960

Gast
Großartig! So ein Schätzchen, zum Verbrauch bestimmt, nach über hundert Jahren in diesem Zustand zu finden, das ist unbezahlbar. Ich stehe auf Timex - nach meinen Unterlagen hat die Waterbury Watch Co. (ein Ableger der Waterbury Clock Co.) die Dollar-Taschenuhr für Ingersoll entwickelt und gebaut und damit jene Tradition eingeleitet, der Timex noch heute treu ist: preiswerte, robuste und genau gehende Uhren zu bauen.

Aus der "Yankee"-Watch machten die US-Soldaten übrigens die ersten Armbanduhren der Firma Waterbury (die damals Ingersoll-Waterbury Watch Co. hieß), und in dieser Form wurde sie bis in die Dreißigerjahre weitergebaut.

Viel Spaß mit diesem tollen Fund. Mein Neid sei Dir gewiss! Und danke für die Vorstellung - großes Tennis! (Nur das mit den Umbrüchen musst Du noch lernen :D)

Viele Grüße
Tomcat
 
kater7

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Ich stehe auf Timex - nach meinen Unterlagen hat die Waterbury Watch Co. (ein Ableger der Waterbury Clock Co.) die Dollar-Taschenuhr für Ingersoll entwickelt und gebaut und damit jene Tradition eingeleitet, der Timex noch heute treu ist: preiswerte, robuste und genau gehende Uhren zu bauen.
Ich habe nicht so genau herausgefunden ob die Dollarwatch von Waterbury Clock auch entwickelt oder nur dort gebaut wurde, auch
gibt es zeitlich etwas unterschiedliche Angaben im "Netz" zu den Namen Waterbury Clock und Waterbury Watch Co. Der Zusammen-
hang mit Timex besteht ohne jeden Zweifel.

--- Nachträglich hinzugefügt ---

Setzen wir mal den Verdienst eines heutigen Arbeiters ganz grob auf 2.000.-
bei 20 Arbeitstagen, dann kostete die Uhr heute 100.- Euros oder 200.- DM.
So in etwa habe ich das auch schon geschätzt - da ist meine Dollarwatch incl. Versand und Einfuhrumsatzsteuer
sogar noch billiger als damals :D

LG, Frank
 
batery_99

batery_99

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Angefixt durch die Vorstellung, habe ich auch eine Dollarwatch in meine Sammlung integriert. Verkaufsdatum war der 01.06.1930.
Das Modell heißt Ingersoll Radiolite und derzeit mein ständiger Begleiter an der Kette. Auch bei meinem Billigheimer ist der Gang sehr genau für das Alter (unter 1 Minute Nachgang pro Tag) :super:
Das Gehäuse war wohl mal vergoldet.
Das wirklich coole an der Uhr ist, dass man immer die "Papiere" dabei hat;-)
Viele Grüße
Marco
 
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kater7

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Hallo Marco,
sieht doch gut aus, Dein "Billigticker":super: Das spätere Baujahr ist offenbar mit anderer Zeigerform und
wohl mit Leuchtmasse ausgestattet? Nur eine (originale) Vergoldung an einer Dollarwatch :hmm: kann ich
mir jetzt nicht so recht vorstellen und ist so auf dem Bild auch nicht gut zu erkennen...
Sieht das Werk an Deiner Dollarwatch noch genauso aus wie bei meiner oder sind da Unterschiede zu sehen?

LG, Frank
 
batery_99

batery_99

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image.jpgHallo Frank,
Wie es ausschaut, sind die Unterschiede im Werk minimal...
Danke nochmal fürs anfixen:super:
LG
Marco
 
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