Inbetriebnahme einer alten Elektromechanischen Uhr

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Rundumeli

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Guten Abend allerseits. Ich habe eine kleine Frage und denke, dass mir hier sicher jemand ein zwei Tipps geben kann. Beim Aufräumen in der Werkstatt meines Grossvaters habe ich folgende Uhr gefunden mit der Gravur im Werk "Favag S.A. neuchatel suisse No 246". Sie hat einen Durchmesser von 45cm.

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Mir gefällt diese sehr und würde sie gerne inbetriebnehmen, aber wie....? Ich bin kein Uhrmacher, aber schon seit langen interessiert an Uhren und als Hobbymechaniker und gelernter Elektroniker bastele ich ab und zu auch gerne.

Trotzdem kann ich mir nicht erklären, wie diese zu betreiben ist. Und ich würde sehr ungerne die beiden Spulen nicht durchbrennen, zumal der Kupferdraht noch ein Seiden umspannter ist. Hat jemand Tipps? ich glaube nicht, dass sie eine Synchronuhr ist, sondern eher durch ein getaktetes Signal betrieben wird.

Grüsse aus der Schweiz

Simon
 
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Rundumeli

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Vielleicht fruchtet meine Recherche heute ja doch noch. Kann es sein, dass dies eine sogenannte Nebenuhr ist? Dieser Artikel hier Link zeigt es eigentlich ziemlich gut. Als Elektroniker gibt es für mich ja keine einfachere Aufgabe als das, solch einen Hauptuhrimpuls zu generieren. Da müsste ich einfach wissen welche Spannung es benötigt, welche Pulsdauer, Pulsinterval, Polaritätswechsel ja oder nein. Der Spulenwiderstand liegt bei 15.4 kΩ
 
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Schraubendreher

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Hallo Simon,

icht denke, dass Du mit einer Nebenuhr richtig liegst. Ich habe allerdings keine Erfahrung mit der Reparatur oder der Signaleinspeisung solcher Uhren. Und leider kann ich von der Mechanik nicht genug erkennen um zu spekulieren welche Art von Impuls die Uhr benötigen würde. Einzelne gleichpolige Impulse oder wechselnde Impulse bei einer Art Klappanker. Es gibt da -zig verschiedene Antriebsarten und das ist ein ganz eigenes Thema innerhalb der Uhrmacherei.

Sorry dass ich da nicht weiterhelfen kann. Vielleicht findet sich ja noch jemand.
Der Schraubendreher
 
Rainer Nienaber

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Zum Betrieb einer nebenuhr, um die es sich hier handelt, brauchst Du eine Mutteruhr, die zu jeder vollen Minute einen kurzen Stromimpuls abgibt, um das nebenuhrwerk zu schalten. Und zwar immer +/- vertauscht.
 
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Rundumeli

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Danke für die Antworten. Wie gesagt, eine Schaltung zu bauen um eine Mutteruhr zu simulieren ist nicht mein Problem, sofern ich die benötigten Parsmeter dazu weiss. Giebt es typische Spannungen, die verwendet wurden?
 
kahlo

kahlo

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Mit 12V sollte die Uhr eigentlich schalten, wenn sie den üblichen Nebenuhren ähnlich ist. Das kann man probieren, ohne dass etwas kaputt geht. Einfach an die Kontakte gehen. Nach jedem Schaltvorgang muss die Spannungsquelle umgepolt werden.
Im Dauerbetrieb sollte der Puls etwa 0,5s dauern.

Ich habe mir die Ansteuerung selbst gebaut:
Vorher-Nachher. Zeigt Eure "wiederbelebten" Schätze
TN Tochteruhr - back to life

Grüsse,
Kahlo.
 
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Rundumeli

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Ich habe so eben mal ausprobiert. Bis 20V tut die Uhr keinen wank. Bei 26 V merkt man, dass sie was tun möchte, aber noch nicht kann. Das Uhrwerk selber beurteile ich als sehr freigängig. Demnach urteile ich, dass die Uhr für höhere Spannung gebaut wurde.

Ich werde am Abend noch höhere Spannungen testen, mein Labornetztgerät kann nur bis 26V.
 
kahlo

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Der Spulenwiderstand ist bei mir 600 Ohm. Wenn deine 15,4 kOhm richtig sind, muss da wohl mehr Spannung ran. Aber Vorsicht: Für die Widerstandsmessung an hohen Induktivitäten (und die hast du) sind normale Multimeter nicht geeignet. Besser wäre eine Gleichspannung anzulegen, den Stromfluss zu messen und ein wenig zu rechnen.

Grüsse,
Kahlo.
 
sirtaifun

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Kurbelinduktor ist das Stichwort
 
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Rundumeli

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Nunja, so gross wird die Induktivität nicht sein, oder anders ausgedrückt so gravierend wird der Messfehler nicht sein. Auf jedenfall nicht gleich mehrere Grössenordnungen. Aber falls es hilft führe ich sehr gerne eine 4 Leitermessung durch.

Und wie soll mir ein Kurbelinduktor helfen? Das Werk braucht soviel ich beurteilen kann 1puls pro minute und nicht 25 Hz
 
sirtaifun

sirtaifun

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Den brauchst Du zur Widerstandsbestimmung der Spule mit der kleinen Batterie vom Multimeter wird das nix die Induktivität "schluckt" das weg.
 
kahlo

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In meinem Fall ist die Induktivität 32H. Ein Multimeter misst da Mist (ein um ein Vielfaches höheren Widerstand). Also: Multimeter in Reihe mit der Spule und Spannungsquelle schalten, Strom messen, Ohmsches Gesetz anwenden. Ganz ohne kurbeln ;-).
 
sirtaifun

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Also Leute ihr seid nicht vom Fach oder? Der Kurbelinduktor (gibts auch mittlerweile ohne Kurbel(ei)) zeigt den Ohmwert direkt an - also strippen vom Induktor an Spule, einschalten, Ohmwert ablesen, fertig ist die Laube.
 
Der Stromer

Der Stromer

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Mal was Handfestes!

Das ist eine Nebenuhr der Firma LAVAG S.A. aus Neuchalet / Schweiz. Vorgänger war die Firma Peyer, Favarger & Cie, eben da. Zwei Ausführungen gibt es: eine mit 30 Triebzähnen und eine neuere mit nur 5 Zähnen. Bei dieser Ausführung musste noch eine Übersetzung zwischen Triebrad und Minutenrad des Werkes geschaltet werden. Beiden Werken gemeinsam ist, das sie wie die meisten Nebenuhrwerke auch mit "Polgewendeten" Impulsen betätigt werden. Polwende-Impules sind KEIN Wechselstrom! Bei der Polwende wird ein Rechteck-Impuls + nach - erzeugt und an die Spulen gelegt und danach ein Impuls - nach +. In der Zeit zwischen den Impulsen herrscht Ruhe im Draht. Dann bewegt sich das Schaltrad und damit auch das Zeigerwerk. Die Schweizer Hersteller haben meist mit Induktoren zur Stromerzeugung gearbeitet. Durch ein Gewicht in der Hauptuhr wurde über ein Mechanismus der Anker des (speziellen) Induktors um 90° verdreht = 1. Impuls (Spannung ca. 90 Volt) die zweite Drehung ebenfalls 90° und so weiter. Nach zu lesen im Buch von Johannes Zacharias "Elektrotechnik für Uhrmacher" 1908.

Ps.: Ein "Induktor" (induziert Strom) ist ein Gerät zur Stromerzeugung. Früher in alten Telefonen zur Erzeugung vom Rufstrom, (der in der Zentrale alle Glocken schrillen ließ). Je nach Polzahl des Ankers entstehen Impulse bestimmter Frequenz. MESSEN kann man mit diesem Gerät z.B. den Isolationswiderstand und es ermöglicht, Erdschlüsse usw. fest zu stellen aber nur, wenn man auch ein Voltmeter in den Stromkreislauf einschaltet. Wird heute nicht mehr verwendet. Und der Name "Kurbelinduktor" eben, weil an dem Ding eine Kurbel angebracht war, damit der Anker überhaupt in Bewegung gesetzt werden konnte.

Zum Betrieb dieser, über 100 Jahre alten Nebenuhr würde ich einen Nebenuhrimpulsgenerator benutzen. Der kann so geschaltet werden, wie es der Antrieb erfordert. Allerdings erscheinen mir die vom TS gemessenen 15,4 K Ohm als zu hoch. 600 Ohm sind für Spulen, die über 100 Jahre alt sind von der Technik her realistisch. Und an den TS: Überprüfe bitte den Magneten. Das ist das Stück hinter den beiden Spulen. Der muss recht kräftig sein, Norden ist da, wo das Schaltrad ist.

Pps.: Induktivität scheint hier ein neues Modewort zu werden. Die Induktivität einer Spule wird hier ohne Sinn in die Diskussion geworfen. Ganz kurz: Die Induktivität einer Spule kommt immer beim ABSCHALTEN eines an der Spule angelegten Stromes zum tragen und ist in diesem Fall hier eher unerwünscht, da sie einen Rückwärts gerichteten Strom in die Stromerzeuger der Uhrenanlagen sendet. Die Induktivität ist auch bei Spannungen über 30 Volt schädlich, da dann die Kontakte durch den Abschaltfunken beschädigt werden.

Und wieder der alte, aber immer noch gültige Satz: Wer viel misst, misst meist viel Mist. Wer etwas messen möchte, muss erst wissen, was er messen möchte.
 
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