Horizontal-Tischuhr J. Wüsthoff

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husky

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Obwohl dieser Typ von Uhren nicht zu meinem unmittelbaren Sammelgebiet gehört, hat mich dieses Teil sehr angesprochen.
Ich bekam den Zuschlag für ein "Wrack", wie es ein befreundeter Uhrmacher bezeichnete.
Neben der Signatur "Johann Wüsthof Hall" fand ich besonders, weil wohl einmalig die gravierten Inschriften auf den Abdeckscheiben für den Stunden-
und den Viertelstunden-Selbstschlag. Dort steht geschrieben: "Die Stunden man hier merken mag" und "Hier zeiget es den fiertel Schlag".
Bevor ich zu der Beschreibung der Einzelheiten dieser frühen Uhr komme, erst einmal einige Bilder.
Wüst 1.jpg.jpg

Wüst 2.jpg.jpg


Wüst 4.jpg.jpg


Wüst 5.jpg.jpg


Wüst 7.jpg.jpg






Was meint ihr dazu - gerne kommentieren.
Mit freundlichen Sammlergrüßen
Michael

Wüst 8.jpg.jpg
 
D

Dille

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Ist die original aus dem 17. jh.?

Obwohl: Die Schraubenköpfe sprechen eher dagegen
 
Zuletzt bearbeitet:
Oelfinger

Oelfinger

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Ich finde die Ketten bei solchen Uhren immer faszinierend. Als Handwerker weiß ich, wieviel Arbeit darin stecken muß.
 
Nippon-Fan

Nippon-Fan

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Wow, das ist mal ein interessantes Teil!

Wünschen tue ich mir, dass du uns noch erklärst wie sie im einzelnen funktioniert und was sie alles kann.

Hoffen und ganz feste die Daumen drücken für dich tue ich, dass du sie wieder richtig gut ans Laufen bekommst, weil die echt klasse ist :super:

Schöne Grüße!
Markus
 
husky

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Hallo, bei der Übernahme der Uhr war zum Beispiel ein Pfeiler abgerissen, danach stellte sich heraus, dass die Aufzugsfeder mehrfach gebrochen war, die Feder selbst war aus dem Federhaus heraus gerissen worden ..... und ..... und...

K4 014.jpg


K4 022.jpg


K4 044.jpg

Aber mit viel Sachverstand hat ein befreundeter Uhrmacher ein Problem nach dem anderen gelöst und die Uhr wieder in Ordnung gebracht.

Jetzt läuft sie wieder ca. 25 Stunden und schlägt die Viertelstunden und die vollen Stunden.

Nun wieder die Beschreibung, wie sie aufmerksame Leser (Taschenuhrforum) von mir gewohnt sind:
Horizontaluhr von Johann Wüsthof(f)

Hall, Württemberg tätig um 1650
Uhrmacher, Kupferstecher und Graveur

Gehäuse:
rundes Messinggehäuse mit Resten von Vergoldung, Wandung fein graviert mit Ornamentband mit Rankenwerk, Fleur-de-Lis und reliefierten Löwen-Masquerons, stilistisch der Renaissance verhaftete Tischuhr, abklappbarer Standring mit eingebauter Glocke, auf vier Füßen, verziert mit Akanthusblättern und Fleur-de-Lis sowie reliefierten Löwen-Masquerons,

Zifferblatt:
verziert mit denselben Motiven, mit römischen Ziffern, ein großer Stundenzeiger, dezentral kleine Anzeige mit römischen Viertelstunden und kleinem Minutenzeiger

Werk:
Platine mit Resten von Vergoldung, verziert mit aufgelegtem, durchbrochen und graviert gearbeitetem Blumen- und Rankenwerk, Unruhkloben durchbrochen und graviert mit Blumen- und Rankenwerk, eine Feder für den Stundenschlag, eine weitere für den Viertelschlag, jeweils mit einem floral verzierten Hammer, Schlossscheiben-Schlagwerk für die vollen Stunden, mit Inschrift "Die Stunden man hier merken mag", Schlagwerk für die Viertelstunden mit Inschrift "Hier zeiget es Den fiertel Schlag", Spindelwerk läuft über Kette und Schnecke, Uhrmachergravur und Ortsangabe "Johann Wüsthof Hall"

Maße:
Höhe 12 cm, Durchmesser von den Füßen aus 15 cm

Wer gut aufgepasst hat, hat bemerkt, dass es keine Unruhfeder gibt. Die Uhr wurde gefertigt, als diese Erfindung noch bevor stand!

Weitere Fragen und Anmerkungen sind gern gesehen.
Mit freundlichen Sammlergrüßen
Michael
 
Der Stromer

Der Stromer

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Wohl Dem, der einen Uhrmacher seines Vertrauens hat... Eine wirkliche Seltenheit! Schön, dass sie wieder am "Leben" ist und die Zeit wie vor hunderten von Jahren zählen kann.
 
D

Dille

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Mich würde interessieren, ob die Uhr tatsächlich aus dem 17. Jh. ist oder eine Neuschöpfung des Historismus, also um 1870. Zumindest sehe ich industrielle Gewindebohrungen, aber das deutet erst mal nur auf Reparaturen hin.
Die Gravur des Gehäuses ist sehr gleichmäßig.
 
husky

husky

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Hallo,
> Dille - hilf mir mal bei der Suche nach "industriellen Bohrungen" - da hast du einen besseren Blick!
Mein Uhrmacher hat jeweils nur nichtmetrische Gewinde gefunden mit der Ausnahme bei einem Sicherungsplättchen,
welches inzwischen aber entfernt wurde, damit die Signatur wieder komplett lesbar wurde. Aber bei Uhren in diesem Alter sind
eine Menge an Reparaturen erfolgt: siehe Klöppel der Schlagwerke u.a.
Die Qualität der Gravuren ist sicherlich besser als es heute möglich wäre, heute würde man wohl eine Ätztechnik einsetzen.

Interessant und sonst bisher nur auf Wanduhren oder sehr frühen Stutzuhren zu sehen ist das separate Minutenblatt
in einer Viertelstundeneinteilung. Dort kann der entsprechende Schlag sehr gut erwartet und verfolgt werden.

Danke für das bisherige Interesse.
Mit freundlichen Sammlergrüssen
Michael
 
Canis Coeli

Canis Coeli

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Ich kann nur in sprachloser Bewunderung verharren. Ein unschätzbares Teil aus der Vergangenheit, für wen die wohl gefertigt sein und was sie wohl gesehen haben mag ...

Doch, eine Frage hätte ich: wie funktioniert eine Unruh ohne Feder?
 
D

Dille

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@husky: Wahrscheinlich habe ich keinen besseren Blick, sondern mich nur unklar ausgedrückt. Früher (in England bis 1800, in Deutschland bis 1820) wurden Gewinde überwiegend noch von Hand geschnitten, wahrscheinlich ist das bei der Uhr auch der Fall, das erkennt man eigentlich sofort und ist ein guter Indikator für die Herstellungszeit

In jedem Fall ein wunderschönes Stück!
 
husky

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Hallo,
ein Vergleich der Löwenköpfe (Bilder im Anschluß) zeigt, dass es sich um
individuelle Gravuren handelt. Zu vermuten ist, dass der Uhrmacher mit seinen Kenntnissen
und seinem Können diese selbst angefertigt hat.
Beginnen möchte ich mit dem Zifferblatt-Löwen
2643355

Danach die vier Löwenköpfe auf dem Gehäuserand

2643358

Zwei der vier Füße zeigen wiederum Löwenköpfe

2643361

Bei genauer Betrachtung kann man die Fähigkeiten des Graveurs erkennen.
Viel Spaß beim Betrachten.
Mit freundlichen Sammlergrüssen
Michael
 
U

uhr_10

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Wahnsinn, die könnte mir auch gefallen :-)
und Danke für's Zeigen :klatsch::klatsch:
 
Canis Coeli

Canis Coeli

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Hallo,
ein Vergleich der Löwenköpfe (Bilder im Anschluß) zeigt, dass es sich um
individuelle Gravuren handelt. Zu vermuten ist, dass der Uhrmacher mit seinen Kenntnissen
und seinem Können diese selbst angefertigt hat.
Beginnen möchte ich mit dem Zifferblatt-Löwen
Anhang anzeigen 2643355

Danach die vier Löwenköpfe auf dem Gehäuserand

Anhang anzeigen 2643358

Zwei der vier Füße zeigen wiederum Löwenköpfe

Anhang anzeigen 2643361

Bei genauer Betrachtung kann man die Fähigkeiten des Graveurs erkennen.
Viel Spaß beim Betrachten.
Mit freundlichen Sammlergrüssen
Michael
Also, wenn ich das richtig sehe, dann ist der erste Löwe (der auf dem ZB) nicht nur graviert, sondern sogar getrieben. Das wäre der Fall, wenn das Relief höher ist als der Rest auf dem Blatt rundherum. Kann mich auch täuschen, aber genau so schaut es aus.

Wahnsinn, was für ein Museumsstück hast du da ...
 
Der Stromer

Der Stromer

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Ich würde fast wetten, dass diese Teile Messingguss sind. Ist die Rückseite des Kopfes z.B. rau und nicht hochglänzend, ist es Guß. Wahrscheinlich dann die Vorderseite "Geputzt", also die Erhebungen mit Stichel nach gearbeitet. Denn Messing Treiben geht nur ganz bedingt, dazu ist die Legierung zu Spröde, im Gegensatz zu Kupfer, Silber oder Gold..

Ganz tolles Museumsteil, dass Du uns da vorgestellt hast.
 
husky

husky

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@ Rolf-Dieter: kann durchaus sein. Ich habe noch das nachfolgende Bild von der Partie des Zifferblattes von der Rückseite.
Extra auseinander bauen wollte ich nicht. Vielleicht kannst Du so mehr erkennen. Dort erscheint vorderseitig der Löwe.

2644782

Mit freundlichen Sammlergrüßen
Michael
 
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