Historische Preise von Taschenuhren

Diskutiere Historische Preise von Taschenuhren im Taschenuhren Forum im Bereich Uhrentypen; Liebes Forum, auf der suche nach Quellen bin ich hier gelandet: Gibt es ein Verzeichnis von historischen Preisen von Taschenuhren? Konkret...
S

spi_lei

Themenstarter
Dabei seit
07.07.2017
Beiträge
19
Liebes Forum,

auf der suche nach Quellen bin ich hier gelandet: Gibt es ein Verzeichnis von historischen Preisen von Taschenuhren?

Konkret interessiert mich, was eine Omega oder Longines Taschenuhr wohl gekostet haben könnte, die Mitte der 1880er im deutschen Kaiserreich verkauft wurde?

Danke für eure Hilfe!

spi
 
Taschenzwiebel

Taschenzwiebel

Dabei seit
26.07.2021
Beiträge
163
Ort
Kassel
Hi, evtl. hast Du bei den großen Herstellern Glück und die haben so etwas im Archiv. Es kann dann sein, dass Du dafür zahlen musst. Öfters habe ich schon Kopien von alten Verkaufsprospekten und Werbung online gesehen, aber dann nur zu spezifischen Modellen und nicht ganz so alt. Vielleicht weiß jemand anderes hier mehr.
 
Ruebennase

Ruebennase

Dabei seit
09.08.2013
Beiträge
2.765
Ort
Norddeutsche Tiefebene
Also 1880 wird sehr schwierig. Damals gab es meines Wissens nach keine Druckerzeugnisse für den Vertrieb. Die ältesten Prospekte/ Werbeblättchen mit mehreren Preisangaben die ich von der Konkurenz aus LeLocle kenne, sind so aus der Zeit um 1910. Man kann die Uhrmacherzeitung auf Werbung durchsuchen. Dort findet man manchmal auch Preisangaben aber dann sehr strukturlos. Longines hat tatsächlich viel digitalisiert. Eventuell können die Auskunft geben. Über das Omega Archiv weiß ich leider überhaupt nichts.

Grüße Rübe
 
S

spi_lei

Themenstarter
Dabei seit
07.07.2017
Beiträge
19
Danke Taschenzwiebel und Ruebennase!

tatsächlich wäre es nur schön, wenn ich Preise zu den genannten Marken kennen würde. Es reichen mir aber auch Preise anderer Marken in der Zeit von 1880 bis 1890. Ich frage mich einfach, wie lange musste wohl ein durchschnittlicher Arbeiter arbeiten gehen, um sich eine Taschenuhr zu leisten.

Ich habe schon Werte gefunden, wonach 1000 Backsteine 10 Reichsmark, ein Tag Arbeitskraft 60 Pfennig ohne den Einsatz eines Pferdes und 6 Mark mit Pferd gekostet haben. Für eine Einordnung zum Vergleich ganz hilfreich.
 
Taschenzwiebel

Taschenzwiebel

Dabei seit
26.07.2021
Beiträge
163
Ort
Kassel
Der Zeitraum 1880 rum ist ganz interessant, denn diese Zeit deckt sich mit der Industrialisierung, welche auch die Uhrenbranche erreicht hatte.
Dies äußerte sich in den sog. "Dollar-Watches" (siehe Wikipedia), welche schon für 2 bis 3 Euro zu bekommen waren. Die Arbeiter mussten ja schließlich ihre Arbeitszeit einhalten können, angesichts der Arbeitsbedingungen damals war das aber auch mehr Fluch als Segen...

Ob Omega und Longines solche Uhren gebaut haben, wage ich stark zu bezweifeln, ich weiß es aber nicht 100%ig.
Ich habe auch eine Dollar-Watch aus den 50ern von Westclox mit 0 jeweils. Das sind im Prinzip nur 2 Platinen, dazwischen findet man das komplette Räderwerk. Man kann die auch nicht auseinandernehmen geschweige denn reparieren, die waren als Wegwerfartikel gebaut, funktionierten aber trotzdem ausreichend gut und ich finde das Ding ziemlich genial.;-)
 
Zuletzt bearbeitet:
Spindel

Spindel

Dabei seit
14.12.2008
Beiträge
3.760
Ort
Leipzig
Die Firma Thiel um mal eine deutsche Firma zu nennen baute auch diese Billiguhren um diese Zeit herum.Das führte auch dazu das diese Uhren dann entsorgt wurden weil diese Blechschnipseluhren (ist nicht böse gemeint ) keiner repariert hat.Die waren auch damals preiswert und da lohnte keine Reparatur.Das führt dazu das der heutige Markt leergeräumt ist und man nur selten gut erhaltene Stücke bekommt.

Ich würde bei Omega oder Longines einfach mal anfragen.Ab und zu sieht man alte Werbung mit Preisangaben.

Firma Lange z.B. hat Produktions Bücher wo Ihre Uhren aufgeführt sind.Der Besitzer einer Lange kann dort den Eintrag bekommen.Natürlich machen die das auch nicht umsonst.

Gruß Roland
 
M

Matthias MUC

Dabei seit
09.07.2019
Beiträge
1.414
Wäre denn ein festgepinnter Sammelthread für alte Preisangaben zu alten Uhren sinnvoll? (Irgendwie mit einem "Mindestalter" oder einem Kriterium, ums Abrutschen in verbotene Wertfragen zu vermeiden). Da kann jede*r, der irgendwas passendes hat, seine Infos posten, ggf. Scans von alten Katalogseiten usw. - Die Umrechnung vom "Listenpreis dunnemals" in Kaufkraft v.a. bezogen auf die damaligen Einkommensunterschiede ist eh nochmal eine separate Baustelle. Meine geheimnisvolle alte mutmaßlich französische Spindeluhr von 1820 wäre wohl umgerechnet nach heutigen Maßstäben ein guter Premiumkleinwagen bis unterer Mittelklassewagen.....

lG Matthias
 
LaurenzH

LaurenzH

Dabei seit
18.08.2018
Beiträge
850
Ort
Siegen-Wittgenstein
Wäre denn ein festgepinnter Sammelthread für alte Preisangaben zu alten Uhren sinnvoll? (Irgendwie mit einem "Mindestalter" oder einem Kriterium, ums Abrutschen in verbotene Wertfragen zu vermeiden). Da kann jede*r, der irgendwas passendes hat, seine Infos posten, ggf. Scans von alten Katalogseiten usw. - Die Umrechnung vom "Listenpreis dunnemals" in Kaufkraft v.a. bezogen auf die damaligen Einkommensunterschiede ist eh nochmal eine separate Baustelle. Meine geheimnisvolle alte mutmaßlich französische Spindeluhr von 1820 wäre wohl umgerechnet nach heutigen Maßstäben ein guter Premiumkleinwagen bis unterer Mittelklassewagen.....

lG Matthias
Finde ich tatsächlich interessant, habe mir auch schon öfter Gedanken darüber gemacht, was die oder die Uhr zu der Zeit mal neu gekostet hat, oder was ich noch interessanter finde ist ein Vergleich der Kaufkraft, also wenn 1970 jemand eine Omega Speedmaster gekauft hat, welche damals 250 Mark gekostet hat wieviel wäre das Verhältnismäßig heute...

Aber diese Frage ist glaube ich auch nicht so einfach zu beantworten.
 
Ruebennase

Ruebennase

Dabei seit
09.08.2013
Beiträge
2.765
Ort
Norddeutsche Tiefebene
@LaurenzH Die Gedanken habe ich mir auch schon oft gemacht und bin zu dem Entschluss gekommen, dass es nicht möglich ist auch nur ansatzweise eine Analogie her zu stellen. Bis knapp ca.1800 war es einfach. Taschenuhren waren dem Hochadel vorbehalten. Dann diffundierte der Kundenkreis langsam in die Breite wobei eine Tragbare Uhr den Wohlhabenden vorbehalten war. Ein reines Luxusgut auch zum präsentieren. Ab 1870 gab es die ersten Entwicklungen der Proletarieruhr mit der Rosskopf die dann bis zu den one Dollar Uhren fortgesetzt wurde. Die Uhrzeit spielte im Leben der Menschen eine immer größere Rolle. Ab 1850 ca. sank der Preis für Taschenuhren bei vergleichbarer Qualität zunehmend. In dem von dem TS benannten Bereich um 1880/90 gab es eine sehr breite Bandbreite der Qualität von Uhren. Ich sortieren mal grob nach den häufigsten Hemmungen nach Preis: Rosskopf, Zylinder und Anker. Alles mehr oder weniger gut besteint, finessiert und natürlich in simplen und feinsten Edelmetall Gehäusen. Ich sehe da am ehesten eine Analogie zu Fahrzeugen in den 1960'ern auch vom Status. Vom Roller über Käfer zum S-Klasse Mercedes bis hin zu Edelexoten. Alles aber durchaus Dinge, die sich nicht jeder leisten und für die man sparen musste bzw. sich leisten wollte. Einzelne Preise helfen wenig weiter weil die Bezugsgrößen fehlen. Zahlen, wie viel Geld über die Lebenserhaltung hinaus den Menschen zur Verfügung stand, gibt es nicht. Auch die Gesellschaftsstruktur war vollkommen anders. Der Zeitwert Gold etc. ist ebenso eine schwierige Bezugsgröße wie Monatseinkommen oder Kaufkraft.
Gerade wenn Du Omega nimmst. Die haben kurz nach von der 7 Jewel Uhr bis zum 23 steigen Edel Serienmodell einiges im Programm gehabt. Longines sehe ich zu der Zeit etwas vor Omega wenn ich mittle. Die Firmen haben sich ja auch sehr unterschiedlich entwickelt. Was hat Ulysse Nardin für Uhren hergestellt und heute spielen sie kaum eine Rolle. Viele Chronometerbauer sind komplett verschwunden. Andere haben erst in den 1920'ern als Händler begonnen und sind heute die bekannteste Uhrenmarke. Somit ist mit der Omega Speedmaster, neben einer technisch aktuellen Uhr mit inhouse Werk, ein komplett neuer Wert inkl. 'neuem' Image und entstanden. Die moderne Uhrenwelt hat Preise, die nicht zwingend auf Herstellungskosten basieren. Marketing und Imagepflege war 1880 noch in den Kinderschuhen. Es gab weder Fernseher noch waren Hochglanzprospekte im Umlauf. Der durchschnittliche Kunde kannte keinen der Hersteller dort aus den schweizer Bergen. Wenn, dann stand der Name des Juweliers vor Ort auf dem Zifferblatt......was will man da vergleichen?
Ich nutze die Preise alter Prospekte daher nur um das Preis Gefüge zu dem Datum der Uhren zueinander zu nutzen. So hat mich vor Jahren überrascht, dass vergoldete Uhren ursprünglich preisgleich zu den Tulavarianten war. Das spiegelt der Gebrauchtmarkt so nicht wieder.

@Matthias MUC Ein Kleinwagen halte ich für etwas niedrig geschätzt 1820 und tippe auf obere Mittelklasse, aber wissen tue ich es nicht.

Natürlich lasse ich mich gerne davon überzeugen, dass es doch eine Möglichkeit gibt sich dieser spannenden Frage zu nähern

Grüße Rübe
 
Zuletzt bearbeitet:
CFG

CFG

Dabei seit
09.02.2019
Beiträge
6.731
Über Google Books kann man eingescannte Amtsblätter lesen, in manchen findet man Quartalsweise oder in anderen zeitlichen Abschnitten Brot-, Fleischpreise etc.
Beispielsweise in Amtsblättern bayerischer Kreise des 19. Jh. Statistische Sammlungen waren damals auch schon recht informativ. Exkurs: in manchen bayerischen Städten kamen damals mehr als die Hälfte der Kinder unehelich zur Welt (lag sicher auch an süddeutschen Heiratsbeschränkungen).
 
Cougarnaut

Cougarnaut

Dabei seit
03.12.2010
Beiträge
292
Ort
Bonn
Im Silber & Fleming Katalog von 1880 auf archive.org sind auch Taschenuhren mit Preisen zu finden.
 
Mueller27

Mueller27

Dabei seit
10.10.2010
Beiträge
12.838
Zum Vergleich eignet sich in der Regel der durchschnittliche Verdienst, weniger was nun andere Produkte gekostet haben.

1890 betrug der durchschnittliche Verdienst eines Arbeitnehmers in Industrie und Handel in Deutschland 60 Mark im Monat.

Und das ist der Durschnitt, also ein einfacher Arbeiter hatte deutlich weniger, kaum 30 Mark/Monat, aber auch ein höher qualifizierter Angestellter oder Beamte, wie etwa Lehrer, kamen kaum an die 100 Mark heran.

Auf dieser Basis lassen sich dann die Preise für Luxusartikel wie hochwertige Taschenuhren gut einschätzen.
 
Zuletzt bearbeitet:
T. Freelancer

T. Freelancer

Dabei seit
19.04.2009
Beiträge
18.261
Ort
OWL wo es am Höchsten ist
photo_2020-12-25_18-15-35.jpg
 
Taschenzwiebel

Taschenzwiebel

Dabei seit
26.07.2021
Beiträge
163
Ort
Kassel
Sehr interessant und aufschlussreich eure beiden letzten Posts :super:. Die hier angebotene sehr hochwertige TU kostete damals 226,00 Mark bei einem durschnittlichen Arbeiterverdienst von 30 Mark im Monat.
Das waren also 7 bis 8 Monatsgehälter eines Durchschnittsarbeiters.
Heute sind diese Differenzen nicht mehr so groß, eine vergleichbare Uhr ist für weniger Monatsgehälter (Mindestlohn 1500 Brutto) zu bekommen. Das liegt wohl einerseits daran, dass wir heute in einem Sozialstaat leben (im Gegensatz zu damals) und evtl. daran, dass die Herstellungsverfahren optimiert wurden bzw. effizienter geworden sind.
 
Unruhgeist

Unruhgeist

Dabei seit
17.06.2012
Beiträge
1.255
Na ja, das Kaliber 41 in Gold kann man schon ab etwa 3000,- kriegen wenn man etwas sucht.
Aber viel mehr interessiert mich die Verquickung von Sozialstaat und Luxusuhren. Wo kann ich denn da welche Anträge stellen um davon zu partizipieren?
 
T. Freelancer

T. Freelancer

Dabei seit
19.04.2009
Beiträge
18.261
Ort
OWL wo es am Höchsten ist
Darum geht es doch gar nicht; es geht dem Fragesteller um die Preise eines Neuuhrenkaufs vor etlichen Jahrzehnten. Also historische Preise. Und im Verlauf ging es um die Bewertung anhand einer Bestimmung der damaligen und heutigen Kaufkraft.
Im Übrigen: Du partizpierst schon.
 
Zuletzt bearbeitet:
Unruhgeist

Unruhgeist

Dabei seit
17.06.2012
Beiträge
1.255
Sekunde - die Thesen von Taschenzwiebel lassen sich in drei Teile gliedern:

  • Vergleichbarkeit der Arbeitsverdienste
  • Vergleichbarkeit der Uhren
  • Begründung der Differenzen Damals und Heute, unterteilt in die Thesen Sozialstaat und optimierte Herstellungsverfahren.

DU interessierst dich für die Vergleichbarkeit der Uhrwerke.

Ich interessiere mich für die Verquickung von Sozialstaat und Uhren.

Also geht es dir um einen anderen Teilbereich als mir.

Folglich gehe ich davon aus, dass der TS sowohl deine als auch meine Frage(n) beantworten wird. Wobei mir die Reihenfolge egal ist.
 
ANTARES1958

ANTARES1958

Dabei seit
08.01.2017
Beiträge
891
Vor allem wenn um "dieselbe" Uhr geht..... Damals und etwa 100 später. So habe ich das verstanden. Aber..., eben - aber! Heute kostet so eine Thiel Uhr, wenn die gut im Schuss ist und selten (immer häufiger der Fall) , schnell 500 -700 Euro und mehr - wo die damals fast jeder, der die Arbeit hatte diese sich leisten kann. Nicht anders die s.g. Luxus Uhren. Hier geht die ✂️ noch weiter auseinander.
 
Thema:

Historische Preise von Taschenuhren

Historische Preise von Taschenuhren - Ähnliche Themen

Kaufberatung Empfehlungen für hochwertige, aber bezahlbare Lepine-Taschenuhr mit Handaufzug, deutsche Fabrikate sinnvoll?: Hallo, ich spiele mit dem Gedanken, mir eine einigermaßen hochwertige Uhr zuzulegen, am liebsten eine Taschenuhr, ohne für meine Begriffe...
Uhrenbestimmung Omega Grand Prix 1900 - na klar vom Opa natürlich: Hallo liebe Taschenuhr-Expertengemeinde, nach meinem im Service-Unterforum wurde ich direkt auf dieses Unterforum verwiesen. Ich bin zwar sehr...
Kaufberatung Robuste Taschenuhr gesucht: Hallo liebe Taschenuhrfreunde, ich hab da so einige Fragen zu einer eventuellen Neuanschaffung. Das Problem ist folgendes: Im Sommer will/kann ich...
Longines H20 - 1884/1885 - Krone als Ersatzteil?: Liebes Uhrforum, ich besitze eine Taschenuhr von Longines, die etwa 136 Jahre alt ist. Laut Hersteller wurde sie zwischen 1884 und 1885...
Frühe Armbanduhr (oder Taschenuhr?) mit einem Moeris 16 linigen (?) Werk: Hallo, habe vor ca. einer Woche über Ebay Deutschland, aber aus Frankreich eine sehr grosse Armbanduhr mit einem 16 linigen Moeris Werk gekauft...
Oben