'Herma', digitale Scheibenuhr der '70er aus Frankreich mit FE (Cupillard) 233-69-A RD

Diskutiere 'Herma', digitale Scheibenuhr der '70er aus Frankreich mit FE (Cupillard) 233-69-A RD im Vintage-Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; In den 1970er Jahren waren mechanische Digitaluhren, bei denen die Zeit auf rotierenden Scheiben angezeigt wird, für kurze Zeit sehr in Mode...
andi2

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In den 1970er Jahren waren mechanische Digitaluhren, bei denen die Zeit auf rotierenden Scheiben angezeigt wird, für kurze Zeit sehr in Mode. Viele Hersteller hatten diesen Uhrentyp im Angebot und es gab einige Werke, die mit einem Scheibenmodul ausgestattet wurden. Beim Design ging man bis an die Grenzen, viele Uhren wirken futuristisch, manche geradezu bizarr. Technisch waren die Scheibenuhren der '70er nicht sehr innovativ, denn neu war die Idee damals nicht. Armbanduhren mit digitaler Scheibenanzeige hatten eine erste Blütezeit schon in den 1930er Jahren.

Ich habe eine Schwäche für Scheibenuhren und so konnte ich diese 'Herma' nicht liegenlassen.

Bild1.png

Anders als bei den meisten Scheibenuhren der '70er sind die drei Fenster im Zifferblatt für Stunde, Minute und Datum nicht nebeneinander angeordnet, sondern in der Mitte übereinander, wie das bei den Uhren der '30er der Fall war. Das Zifferblatt ist braun und zeigt je nach Kippwinkel einen goldenen irisierenden Schimmer. Es ist denkbar schlicht gehalten und weiss bedruckt: dort steht nur 'Herma', sonst nichts.

Bild4.png

Das fassförmige Gehäuse hat schon deutliche Kratzer und besteht leider aus verchromtem Messing. Deshalb konnte ich nicht viel tun. Das Plexiglas, das von hinten eingelegt ist und auch nicht besser aussah, konnte ich wieder ganz glatt polieren.

Bild2.png

Bild3.png

Aber ein schönes, gut zur Uhr passendes Band kann da viel kaschieren. Ich habe mich für ein einreihiges Band aus flachen Elementen entschieden, das einen quasi identischen senkrechten Streifenschliff hat, wie die Oberseite des Gehäuses.

Bild5.png

Die Scheibenanzeige ist vergleichsweise einfach gemacht. Die meisten Scheibenuhren hatten nämlich eine springende Stunde (jump hour), d.h. die Stundenscheibe hat keinen eigenen Antrieb, sondern wird nur einmal pro Stunde durch eine Schaltung am Minutenrohr oder an der Minutenscheibe weitergeschaltet.
Hier ist das nicht so, die Stundenscheibe läuft langsam im Uhrzeigersinn, wie es auch ein Stundenzeiger tun würde, ebenso natürlich die Minutenscheibe.
Dass es sich um eine kontinuierlich laufende Stundenscheibe handelt, sieht man schon am grossen bogenförmigen Stundenfenster, in dem zu jeder Zeit mindestens zwei Stunden sichtbar sind
Die Scheiben sind konzentrisch angeordnet, es gibt keine Sekundenanzeige. Das wäre bei dem verwendeten Werk, dem FE 233-69 A RD, auch unmöglich, denn dieses hat eine klassische Räderwerksanordnung mit kleiner, dezentraler Sekunde auf der Sechs-Uhr-Position. Der Sekundenzapfen wird von den Scheiben verdeckt und kann deshalb nicht genutzt werden. Das Datumsmodul ist das gleiche wie bei der analogen Version des Werkes (FE 233-69). Beim Datum, das schleichend schaltet, gibt es keine Schnellverstellung, aber halbschnelles Verstellen durch Vor- und Zurückdrehen über die Mitternachtsstunde ist möglich.
Das in den '70er Jahren auch sonst recht altmodische Werk hat 17 Jewels, die Ringunruh schwingt mit 18'000 A/h. Es gibt eine weisse Flachspirale und - als einzige moderne Zugabe- einen beweglichen Spiralklötzchenträger und eine Antishock-Stosssicherung.

Bild7.png

Bild8.png

Bild9.png


Ich habe schon zwei andere Uhren mit Werken der Werksfamilie Cupillard / FE 233:
Eine 'Hero' mit FE 233-66:
https://uhrforum.de/meine-hero-mit-fe-233-66-aus-den-70ern-zeitlos-minimalistisch-schoen-t223523

Und eine 'Melissa' mit FE 233-60:
https://uhrforum.de/zweimal-melissa-japy-f-fuer-unic-iveco-1-ausgefallen-vergoldet-kissen-fe-233-60-a-t226036


Die Uhr hat einen Schraubboden aus Edelstahl, auf dem 'Dustproof / Stainless Steel Back / Antimagnetic' eingestanzt ist. Ausserdem gibt es ein Zeichen des Gehäuseherstellers, das wie ein Baumstumpf mit Wurzeln aussieht.
Kann jemand von euch diese Bildmarke zuordnen?

Bild6.png

Natürlich wollte ich auch etwas über die Marke 'Herma' wissen und habe im Internet recherchiert. Die Informationen sind spärlich. Ich habe nur einen einzigen Artikel in einem Nachbarforum mit nennenswerten Informationen gefunden:
Forum Horloger, forum sur les montres • Renseignements montre Herma
Ausserdem gibt es eine kurze Zusammenfassung der Firmengeschichte in Watch-Wiki:
https://watch-wiki.org/index.php?title=Pétolat_Frères_&_Anguenot

Man kann es natürlich auch dort lesen, ich fasse die Firmengeschichte trotzdem einmal kurz zusammen. Alles und auch die Fotos stammen von dem User 'ChP' im 'Forum Horlogerie-Suisse':

'Herma' wurde von den Brüdern Anguenot im Jahr 1881 im französischen Villers-Le-Lac gegründet. Im Jahr 1969 wurde ein Zusammenschluss der Marken Herma, Finhor, Lov und Cupillard-Rieme gebildet. 1970 kam es zu einer Neugruppierung, bzw. zu einer Übernahme in die neue Gruppe FRAMELEC (Herma, Lov,Finhor, Esperanto, Sohexor, Blind, Cupillard-Rieme)

'Herma' feierte 1981 das 100jährige Jubiläum.

Herma.Marke.jpg

Im gleichen Jahr wurde die Framelec in die Gruppe Matra-Horlogerie übernommen (Herma, Finhor, Cupillard-Rième, Lov, Yema, Jaz, Esperanto, Uti, Bayard, Cial, Sormel, Sodexhor, Blind).
Die Quarzkrise hatte der Herma stark zugesetzt. Als Antwort auf die Herausforderung wurde (ca. 1981) eine neue Fabrik in Morteau eröffnet mit über 400 Mitarbeitern und einem Ausstoss von fast 2 Millionen Uhren pro Jahr. Zwei neue, selbst entwickelte Quarzkaliber wurden schon in einem Prospekt anlässlich des Jubiläums 1981 erwähnt.

Aber alles war umsonst. Das kleine Imperium ging unter und die Marke 'Herma' verschwand irgendwann um das Jahr 2000 herum.

Herma.Fabrik.jpg
BILD: Links: Stammhaus von ‚Montres Herma‘ in Villers-Le-Lac. Rechts: Die neue Fabrik in Morteau und drei Generationen der Gründerfamilie Anguenot, damals mit Sitz in der Firmenleitung, v.l.n.r Robert Anguenot, Jean Anguenot, Robert Anguenot Junior. Bilder von User ChP im Forum Horlogerie-Suisse (siehe oben zitierten Artikel)

So, das ist nun alles, was ich zu Herma und der Uhr sagen kann. Ich hoffe, es war nicht zu langweilig…

Gruss Andi
 
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Rata

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Hallo Andi:

Ich hoffe, es war nicht zu langweilig…
Diese Bemerkung ist wohl nur rhetorischer Natur;-). Eine schön gemachte und informative Vorstellung einer hübschen Scheibenuhr.:super:. Mir gefallen zwar Scheibenuhren generell nicht so besonders, aber deine "Herma" sticht durch das ungewöhnliche Uhrwerk darin und die Blattgestaltung aus der "grauen Masse" ihrer Kolleginen hervor. Die Kratzer und Macken im Gehäuse, zu dessen Hersteller ich leider auch keine Informationen habe, sind IMHO nicht so schlimm, eben Spuren eines doch recht langen Lebens. Und die Farbe des Blattes ist in der Tat sehr schön, ein Blickfang:-).

Ich wünsche dir noch viel Freude an deiner "Herma" und danke fürs Zeigen.

Viele Grüße, Otto
 
andi2

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Hallo Otto,
danke für den Zuspruch! Mit dem ersten und letzten Satz in einer solchen Vorstellung quäle ich mich immer am meisten ab. Deshalb wird er dann oft etwas floskelhaft...
Eine solche Scheibenuhr mit dem FE 233 wollte ich mir schon länger angeln, aber es brauchte eine Weile, bis etwas passendes vorbeigeschwommen kam, denn ich wollte eine senkrechte, symmetrische Anordnung der Fenster. Nun hat es endlich geklappt. Die Uhr läuft prima und ist ganz unkompliziert, ich habe sie insgesamt schon mehrere Wochen lang getragen.
Die französischen Scheibenuhren halte ich insgesamt für empfehlenswert. Es wurden meist recht hochwertige Steinankerwerke verwendet, was ja bei Scheibenuhren oft nicht der Fall ist.
Gruss Andi
 
ChocoElvis

ChocoElvis

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Hi,

schöner informativer Beitrag. Danke dafür.

ich find Scheibenuhren an sich super-klasse und war schon oft nahe dran, mir so eine zuzulegen, allerdings finde ich das Zeit-Ablesen bei so einer Uhr recht anstrengend, weshalb für mich persönlich das Tragen so einer Uhr leider nicht praktikabel erscheint... ich bin halt eben nicht jemand, der eine Uhr ausschliesslich als Armschmuck trägt und für die Uhrzeit aufs Handy guckt, sondern auf die Armbanduhr, dafür trag ich sie ;-)
 
andi2

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Hallo Elvis,
bei mir ist es genauso. Ich lese die Zeit immer von der Uhr ab, ein Handy trage ich meist nicht bei mir (auch deshalb, weil ich klarmachen will, dass ich nicht jederzeit erreichbar bin, sonst ruft alle 5 Minuten irgendein Trottel an...).
Die Ablesbarkeit ist bei Scheibenuhren wirklich suboptimal. Ich bin nun auch schon in einem Alter, wo die Alterssichtigkeit zugeschlagen hat. Zum Glück bin ich aber auch kurzsichtig, das gleicht sich dann im Nahbereich aus. Ohne Brille kann ich immer noch sehr scharf nahe Gegenstände erkennen. Wenn ich aber durch die Brille hindurch auf die Scheibenuhr schaue, kann ich die Zeit nicht mehr ablesen, mein Arm ist leider nicht lang genug. Gleitsicht hilft mir da übrigens gar nicht.
Naja, bis jetzt geht es auch bei den Scheibenuhren, aber die waren eindeutig nicht auf ein älteres Publikum gemünzt...
Gruss Andi
 
ChocoElvis

ChocoElvis

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Hi,

naja, ich geh zwar auch schon langsam auf die 50 zu, hab aber noch (wieder) fast 100% Sehkraft, daran liegt es bei mir eher nicht ;-)
Ich bin Zeiger und digitale Zahlen gewohnt. Alles andere macht das Zeitablesen (mal eben schnell auf die Uhr gucken) für mich zum Denk- und Rechenspielchen und da hab ich keinen Bock drauf :-D
Weshalb z.B. eine Binär-Uhr oder auch so eine zweifellos interessante Scheibenuhr nicht an meinen Arm kommt... und nur für den Kasten oder die Vitrine ist so ein Teil imho zu schade.

Ich hatte testhalber mal so eine Mode-Scheibenuhr von Esprit, in der Bucht geschossen für nen 5er... auch ein schickes Teil mit Metallband, aber ich konnte praktisch leider nichts damit anfangen, also flog sie wieder zurück in die Bucht...
Seitdem sind diese Art Uhren für mich nur noch zum Angucken interessant.
 
Thema:

'Herma', digitale Scheibenuhr der '70er aus Frankreich mit FE (Cupillard) 233-69-A RD

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