Heldin der Arbeit: Timex Automatic Day-Date, cal. M 33

Diskutiere Heldin der Arbeit: Timex Automatic Day-Date, cal. M 33 im Uhrenvorstellungen Forum im Bereich Uhrenvorstellungen; So sehr ich mich über jede Uhrvorstellung freue - und hier gibt es wahrlich öfters literarische Meisterwerke zu bestaunen - so sehr bedaure ich...
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Tomcat1960

Guest
So sehr ich mich über jede Uhrvorstellung freue - und hier gibt es wahrlich öfters literarische Meisterwerke zu bestaunen - so sehr bedaure ich, dass "Brot- und Butter"-Uhren ein eher unbesungenes Dasein fristen. Dabei gibt es hier durchaus "zeitgeistige" Schätze zu heben - die großen Stückzahlen, in denen sie gebaut wurden, gestatteten rasche Reaktionen auch auf eher kurzfristige Modetrends und die verbauten "Billigwerke" sind meist besser als ihr Ruf.

Ihre "Modernität" wurde meist ihr Verhängnis - Trend vorbei, Uhr weg. Deshalb liegt mir so an diesen Geschöpfen: sie haben nicht nur meist ein schweres Leben in wenig verständigen Händen, sie sind auch aus anderen Gründen ausgestorben. Erstens kümmert man sich nicht wirklich um sie. Sie sind für den Verbrauch bestimmt, Uhrmacher rollen mit den Augen, wenn man eine zu ihnen bringt, murmeln dann was von "keine Ersatzteile zu kriegen" und "eine neue Uhr wäre billiger." Zweitens entwickeln sich Menschen geschmacklich weiter - da diese Uhren in ihrem Design häufig Modetrends folgen, passen sie eben irgendwann nicht mehr. Drittens, wenn man mal eine erhalten möchte, stellt man fest, dass die Aussage des Uhrmachers ("keine Ersatzteile") kein leeres Gerede ist: im Schadfalle tauschte man eben das ganze Werk oder, besser noch, gleich die ganze Uhr. Wer also heute so ein Schätzchen hebt und erhalten möchte, der wird irgendwann eine zweite schlachten müssen, um die eine zu erhalten. Wie sich das auf den Bestand auswirkt, mag sich jeder selbst ausmalen.

Timex Day Date Automatic 0105.jpg

Die Uhr, die Gegenstand dieser Vorstellung ist, ist so ein Kandidat: gekauft, um geschlachtet zu werden. Warum es nicht dazu gekommen ist, beschreibe ich weiter unten. Zunächst aber bitte ich Euch, mir ganz kurz auf einen Abstecher in die recht interessante Geschichte der Firma Timex zu folgen. (Quellen: s. u., 1, 2, 3)

Gegründet wurde die Firma in den 1850er Jahren in Waterbury, Connecticut. Das Städtchen liegt im Tal des Naugatuck River, und das war zu jener Zeit gewissermaßen das "Val de Joux" Nordamerikas, das "Uhrmachertal" der Vereinigten Staaten. Die "Waterbury Clock Co." baute preisgünstige Kamin- und Tischuhren für die amerikanische Arbeiterschicht. Um 1880 gründete sie einen Ableger, die "Waterbury Watch Co.", die noch im gleichen Jahr eine günstige Taschenuhr auf den Markt brachte. Um 1900 herum - die Firma hieß mittlerweile "New England Watch Co." - brachte man die "Yankee"-Taschenuhr auf den Markt, welche in den Kaufhäusern der Ingersoll-Kette zum Preis von "weniger als einem Dollar" (genau gesagt: zu 99 Cent) verkauft wurde und somit erstmals die Massen auch mobil mit genauer Zeit versorgte. In nur zwanzig Jahren wurden mehr als vierzig Millionen Stück verkauft - jeder hatte eine, "von Mark Twain bis zum Bergarbeiter". Ingersoll wollte diesen Umsatzrenner auch weiterhin exklusiv vermarkten und erwarb deshalb im Jahre 1914 die New England Watch Co, die fortan unter dem Namen "Ingersoll-Waterbury Co." Uhren baute.

Die Yankee-Uhr war so erfolgreich, dass das US-Militär im Jahre 1917 "I.W.C." ;-) aufforderte, eine Armbanduhrenversion zu entwickeln und zu fertigen. "Nach dem Krieg haben die heimkehrenden Veteranen an diesem praktischen Zeitmesser festgehalten."(1)

1933 erwarb die Ingersoll-Waterbury Watch Co eine Exklusiv-Lizenz zur Verwendung der "Mickey Mouse" in einer Armbanduhr - der ersten Armbanduhr, die ein Comic-Motiv ans Handgelenk brachte. Der zweite Weltkrieg machte die "US Time Co." (wie die Firma seit 1944 hieß) zu einem der wichtigsten Rüstungslieferanten der Alliierten und ermöglichte nicht nur den Umzug in ein neues, größeres Stammwerk in Middlebury, Conn. (Das alte Werk in Waterbury beherbergt heute das "Timex Museum", in dem nicht nur die Geschichte von Timex, sondern die der gesamten Uhrenindustrie der Vereinigten Staaten gepflegt wird.) Joachim Lehmkuhl, ein norwegischer Immigrant und seit 1942 Vorstandsvorsitzender der US Time Co. plante schon für das Nachkriegsgeschäft, und die im Krieg erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten in Materialwissenschaft, Fertigungswirtschaft, Automatisierung und Logistik waren zentrale Bestandteile dieser Planung.

So gelang es der Firma nach Kriegsende rasch, sich wieder auf die zivile Produktion günstiger Uhren umzustellen und 1950 begann man mit der aggressiven Vermarktung dieser Uhren unter dem neuen Markennamen "Timex". (Den Markennamen erwarb die US Time Co. von der schweizerischen Firma Timor in La-Chaux-Des-Fonds, vermutlich schon 1949.) Neu waren die Vertriebswege - erstmals konnte man Uhren nicht mehr nur im Uhren- oder Schmuckfachhandel oder in den Schmuck- und Uhrenabteilungen der Kaufhäuser erwerben, sondern ebenso in Drugstores, Tabakläden, Tankstellen und sogar Postämtern - und die Marketingstrategie: man bewarb die Uhren in Zeitungen, Zeitschriften, im Radio und im neuen Medium Fernsehen. Legendär sind die Werbespots, bei denen eine Timex am Schläger des Baseball-Asses Mickey Mantle ein Spiel überstehen musste, oder in denen eine Timex, an einen Pfeil geschnallt, auf eine Zielscheibe geschossen wurde. Die Älteren unter uns erinnern sich auch noch daran, wie jeder Timex-Spot im Fernsehen endete: wie ein Schlagring auf eine Faust geschnallt, zerschlug sie eine Glasscheibe.

Timex hatte drei Punkte für sich: erstens waren die Uhren preisgünstig und trafen den Zeitgeschmack. Zweitens waren sie wirklich robust, ausgelegt dafür, die Garantiezeit schadensfrei zu überstehen. Und drittens hatte Timex eine "No questions asked"-Garantie: ging die Uhr in der Garantiezeit kaputt, wurde sie ausgetauscht. Ohne Fragen. All das sprach sich rasch herum und mehr als eine Milliarde Timex-Uhren wurden verkauft - Grund genug, das Unternehmen 1969 erneut umzubenennen, in "Timex Corp." 1959 hatte Timex übrigens die DuRoWe gekauft, hauptsächlich um Zugriff auf das elektromechanische Kaliber 861 zu bekommen (Timex-Bezeichnung M67) und weil Timex keineswegs nur Uhren mit Stiftankerwerk baute - Seiko, Bifora und eben DuRoWe lieferten Steinankerwerke zu, die in höherpreisigen Timex-Uhren verbaut wurden.

Als einzige größere amerikanische Uhrenmarke entging Timex dem Kahlschlag, den die (vornehmlich japanische) Konkurrenz in den Siebzigerjahren anrichtete und bleibt ihrer Tradition - innovative, trendbewusste und günstige Uhren - bis heute treu.

Danke, dass Ihr mir durch diesen Abriss der Timex-Geschichte gefolgt seid. Eine meiner letzten Vorstellungen befasste sich ja mit einem Drückeberger, der die letzten vierzig Jahre in irgendeiner Kiste oder Schublade zugebracht hat und entsprechend unwillig war, das zu tun, wofür er gebaut wurde. Hier kommt nun eine echte Arbeiterin, die in Ehren alt geworden ist und ihren Lebensabend mit mir verbringen wird. Ihre Geschichte beginnt eigentlich mit einer anderen Uhr, nämlich dieser hier:

Timex Volvo.jpg

Unzweifelhaft ebenfalls eine Timex Day-Date Automatic, trägt sie das Volvo-Emblem, wurde also wohl mal als 100.000-km-Uhr ausgegeben. Ich fand sie in der spanischen Bucht und sie passte mit ihrem blauen, ungewöhnlich geformten Gesicht und ihrem echten Stahlgehäuse nebst Mineralverglasung genau in mein Beuteschema. Noch dazu hatte sie das technisch hoch interessante Manufakturkaliber M33, welches nicht nur über einen genial einfachen Exzentermechanismus beidseitigen Aufzug zulässt, sondern auch Automatik- und Handaufzug über ein ins Sperrad integriertes Planetengetriebe perfekt entkoppelt.* Dass die Krone sich löste, machte mir nicht so viel aus, immerhin lief sie, wenn auch sehr schnell (+ 20 min/d). Ich hatte sie dann eine Weile im Uhrenbeweger, nahm sie dann heraus, um sie ablaufen zu lassen. Das verzieh mir die kleine Zicke nicht - sie ist seitdem tot.

Von einem Forumsuhrmacher dahingehend beraten, dass eine Revision nicht nur nicht sinnvoll, sondern komplett unmöglich sei, machte ich mich auf die Suche nach einem Ersatzwerk. Erstaunlicherweise fand sich auch schnell eine Uhr mit passendem M 33 - wie üblich waren die Bilder schlecht, der Text war Marke "Uhr läuft. Gebrauchsspuren" und ich beschloss, nicht zu viel zu riskieren. Es langte trotzdem, und ein paar Tage später kam sie bei mir an. Was für ein Anblick! Die Verchromung auf der Unterseite weitgehend zerstört, die Vorderseite der Krone abgewetzt, und das Armband war drauf und dran, ein Parlament zu wählen. Aber sie lief nach ein paar Umdrehungen der Krone sauber an, das zufriedene Surren des Rotors erinnert an ein PUW 1562, und sie hielt die Zeit. Und wie sie das tat: als ich sie nach sechs Stunden wieder eines Blickes würdigte, lief sie noch immer, und sie hatte den Vorlauf von 20 Sekunden, den ich ihr beim Stellen mitgegeben hatte, genau gehalten.

Neugierig geworden, zog ich sie vollends auf. Nach vierzig Stunden lief sie noch immer, und eine Abweichung konnte ich nicht feststellen. Tag und Datum funktionierten auch zu meiner vollsten Zufriedenheit. Jetzt sah ich sie mir näher an: das stahlgraue Zifferblatt mit quer verlaufendem Schliff ist makellos, die verchromten Klötzchen-Indizes blitzeblank - ebenso wie die Zeiger, deren weiße Mittellinien in den Druck der Indizes übergehen. Auch die Bedruckung ist ohne Fehl und Tadel - auch und besonders an der Umrandung der Kalenderausschnitte, wo es getrennte Fenster für Tag und Datum gibt.

Timex D Face 1.jpg

Zum ersten Mal bekam ich ein schlechtes Gewissen, weil ich sie ausweiden wollte.

Timex DD Back 1.jpg
Timex DD Crown 2.jpg
Timex DD Crown 1.jpg

Als ich so dasaß und sie studierte, begann sie, ihre Geschichte zu erzählen: ihre ersten zwanzig, dreißig Jahre brachte sie offenbar am Handgelenk eines Handwerksgesellen zu, ein Lackierer vielleicht, denn das beinahe lebendig gewordene Lederarmband war heftig mit Farbtupfern gesprenkelt. Tagaus, tagein war sie am Arm - aha, deshalb die abgenutzte Verchromung - und ob ihr Glas mal gewechselt wurde, wer weiß? Jedenfalls sieht das Glas gut aus, und die (sichtbaren) Macken am Gehäuse halten sich in Grenzen. Erneut befiel mich das schlechte Gewissen: da hat diese Uhr ihrem Herrn treu gedient, ist sich dabei immer treu geblieben und läuft weiterhin so gut wie es eine Uhr nur kann - und Du willst sie einfach schlachten?

Timex Daydate Automatic 3004.jpg

Ganz plötzlich fiel mir ein Zitat meines Lieblingsschriftstellers ein: "Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast." (4)

Foto 2.jpg

Timex DD Relaxed klein.jpg

Nein, ich kann es nicht. Ich kann sie nicht schlachten. Sie hat sich ihren Ruhestand redlich verdient, und sie darf ihn bei mir genießen. Damit sie das noch recht lange tut, werde ich sie vermutlich bei Gelegenheit mal einem Freund geben, der sie durchsieht, aber damit hat es sich dann auch.

Vielen Dank für Euer Interesse!

Viele Grüße
Tomcat

*Der automatische Aufzug wirkt auf das Sonnenrad, der Handaufzug treibt den Außenring. Die Planetenräder sind mit dem Sperrad verbunden und drehen dieses, was einen störungsfreien Aufzug bewirkt. Eine geniale Konstruktion, die m.W. so nie wieder verwendet wurde.


Genutzte Quellen:
(1) Webseite der Timnex Deutschland, www.timex.de/Timex-Story
(2) M. Horlbeck, Lexikon der Uhrenmarken, HEEL-Verlag, Königswinter 2009
(3) H. Hampel, Automatic-Uhren aus Deutschland, Frankreich, England, Japan, Russland, USA, Callwey-Verlag, München 1996
(4) Antoine de Saint-Éxupéry, "Der kleine Prinz", Karl-Rauch-Verlag, Düsseldorf 1950/2000
 
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#2
iToddel

iToddel

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Hallo Tomcat,

schön das diese schicke Timex ihren Ruhestand bei dir geniessen darf.
Das hast du genau richtig gemacht, es wäre einfach zu schade gewesen das gute Stück zu schlachten.

Gefällt mir im übrigen sehr gut die Uhr ;-)

Danke auch für die spannenden Hintergrundinfos zur Timex-Geschichte :super:
Sehr Interessant. Ich hatte Uhren von Timex bisher gar nicht wirklich auf dem Schirm... Vielleicht sollte ich das mal ändern ;-)

Viele Grüße,
Thorsten
 
#3
Doerthe

Doerthe

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Hallo Tomcat,
was für eine erfreuliche Schilderung, auch diese sog. Billiguhren gehören in die Zeitgeschichte und es sind so einige Schätze darunter zu finden.
Und die Stiftankerwerke, wenn denn diese Uhren damit bestückt sind, laufen zum Teil mit einer erstaunlichen Ganggenauigkeit, nein, so etwas zerstört man einfach nicht.
Deine Timex gefällt mir ausgesprochen gut, sie hat ein tolles Design, auch wenn sie rückwärtig ein wenig arge Patina trägt, so sieht sie von vorne und das ist die Seite, die zu sehen ist, sehr passabel aus, diese Uhr würde auch den Weg an meinen Arm finden, herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für die so aufschlußreiche Reise durch die Zeit der Fa. Timex.
 
#4
hansvonholstein

hansvonholstein

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Moinsen Tomcat -

Danke für diese schöne Vorstellung, vor allem für die Hintergrundinfo! :klatsch:

Mein Papa hatte eine TIMEX, die ich leider beim Toben verloren habe. :wand:

An den Fernsehspot erinnere ich mich noch sehr gut, was durchaus auf mein hohes Alter Rückschlüsse zuläßt. Auch die entsprechende Printwerbung habe ich noch vor Augen. Ich versuche morgen mal eine zu scannen ...

Das Buch, aus dem Du zitiertst, habe ich vor über 20 Jahren mal gesammelt - in allen mir verfügbaren Sprachen. Wer immer ins Ausland fuhr, hatte mir mindestens eines mitzubringen. Sogar die ausländischen Vertretungen in HH und B habe ich damals, z.T. mit Erfolg ageschrieben. Aber seit es das www gibt, hat das für mich alles seinen Reiz verloren. Zumal mir ein paar Bände "abhanden gekommen" sind. Seitdem . . . :-(

HANS
 
#5
Ragnarök

Ragnarök

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Servus Tomcat,

grossartig :klatsch:! Danke für diese wunderbare "Gnadenhof-Story". Ich habe sie mit viel Freude gelesen!

Besten Gruss

Boy
 
#6
Hangover

Hangover

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Hallo Tomcat,

vielen Dank für diese tolle Geschichte und die hervorragend recherchierten Infos zur Timex-Historie. :super:

Genau solche Vorstellungen lese ich mit viel Genuss und Hochachtung vor der sich dahinter verbergenden Arbeit.

Als der besagte Werbespot ausgestrahlt wurde, war ich gerade in der Grundschule und kann mich noch sehr gut daran erinnern. Für mich war damals eine Timex das Ziel meiner Begierden, nur leider unerschwinglich.

Im Rückblick bin ich mir nicht sicher, ob nicht gerade dieser Spot ein frühes Interesse an Uhren in mir erweckt hat. :oops:

Auf jeden Fall verdient es die Timex am Leben erhalten zu werden. Schön, dass jemand solche alten Schätzchen in Ehren hält. :klatsch:
 
#7
T

Tomcat1960

Guest
@ iToddel: danke für Deinen Kommentar, Thorsten. Timex-Uhren sind für mich der Beweis, dass Qualität nicht teuer sein muss. Häufig kann man gut gehende Exemplare für einstellige Euro-Beträge abfischen, und Leute wie Uhrenfritz stellen ja immer wieder unter Beweis, dass man die Werke durchaus instandsetzen kann - auch wenn's manchmal schwer wird.

@ Doerthe: ja, mit der Patina ist das so eine Sache. Aber Du hast Recht: von oben wirkt sie nur mild gerockt und genau diese Patina war es ja, die mir die Uhr ihre Geschichte erzählen ließ. Ich weiß ja dank Dir, wer zu welchem Preis Neuverchromungen macht, aber ich finde, sie trägt die Spuren ihres Lebens mit Würde und habe deshalb dagegen entschieden. Sie bleibt, wie sie ist. Übrigens ist da noch ein Detail mit der Krone interessant: diese ist nur an der Vorderseite abgenutzt, auf den Flanken trägt sie noch jeden hundertstel Millimeter Chrom. Für mich der Beweis, dass sie wohl wirklich viel getragen und wenig abgelegt wurde ;-)

@ hansvonholstein: besonderen Dank für Deine Erzählung bezüglich des "Kleinen Prinzen". Meine jüngere Tochter liebt das Buch über alles und kennt es auswendig. Es in allen möglichen Sprachen zu sammeln, finde ich lustig und würde es heute durchaus genau so machen. Das www hat nichts an dem sinnlichen Erlebnis eines Buches geändert, finde ich ;-) Wenn Du eine alte Timex-Anzeige in Deinem Fundus hast, gehört die hierher - einen Timex-Club gibt es ja noch nicht. (Hm, mal sehen: vielleicht gründe ich einen?)

@ Ragnarök: danke, Du hast verstanden, worüber ich schreibe ;-) Bleibt nur das Problem, dass ich immer noch ein M33 suche :wand:

@ Hangover: ja, der Timex-Werbespot war beeindruckend. Und Timex war m.W. die einzige Uhrenmarke, die im Fernsehen beworben wurde. Jedenfalls ist mir (auch aus jüngerer Zeit) keine TV-Werbung für Uhren präsent - außer halt für Timex. Und, ja, ich glaube auch, dass mein Interesse an Uhren mit diesen Spots geweckt wurde.

Ich trage die Schöne übrigens auch heute:

Timex Day Date Automatic 0205.jpg

Ruhestand muss nicht "Uhrenkiste" bedeuten... ;-)

Grüße
Tomcat
 
#8
Lebel

Lebel

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Danke schön, sehr sehr schöne Uhrenvorstellung.
Wirklich toll, gerade mit dem historischen Überblick.

Sie ist wirklich zu Schade zum Schlachten, schön das du sie erhalten wirst.

Ich habe auch noch eine Timex, ein Damenmodell mit Fix-o-Flexband, das eigentlich meiner Mutter gehört.
Ich habe sie ihr abgeschwatzt, weil die Uhr seit Jahren in einer Schmuckkiste herumlag.
Die müsste ich auch mal reinigen lassen und somit erhalten.
Natürlich wird die auch nie weggegeben, auch wenn ich sie selber wohl nie tragen werde.
 
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#9
Novacane

Novacane

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:klatsch:

Tolle Vorstellung, tolle Geschichte!
Solche Vorstellungen liebe ich, gerade wenn es, wie Du sagst "Brot-und-Butter-Uhren" sind,
so haben die doch auch (oder gerade) was zu erzählen.

Schön auch, dass Du die Uhr sein lässt und nicht "schlachtest".

Ich wünsche Dir noch viel Freude an Ihr.

Gruß
Novacane
 
#10
MAP254

MAP254

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Hallo Tomcat,
danke für die informative Geschichte, ich habe sie wirklich gern gelesen. Das Problem bei den sog. "Brot- und Butteruhren" ist ja dieses, das sie kaum in einem vernünftigen Zustand zu finden sind - und wie von dir bewiesen, eine Opferuhr brauchst.
Ich wünsche dir viel Vergnügen und der Timex viel Wristtime.
Liebe Grüße
Manfred
 
#11
Kaliber 66

Kaliber 66

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Prima Vorstellung, die TIMEXen gibt es ja in erstaunlicher Vielfalt und auch ich nehm oefter mal eine mit. Jede waere zuviel, aber diese Uhren sind erfahrungsgemaess nicht schlecht.
Trag sie mit Stolz, Rolex kann jeder, Timex nur die, die sich trauen ;-)
 
#12
falko

falko

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Vielen Dank für diese tolle und informative Uhrenvorstellung! Nachzutragen wäre eventuell noch, dass die Firma 1942 von den norwegischen Nazi-Flüchtlingen Lehmkuhl und Olsen gekauft wurde und sich nach meinen Informationen noch immer in Familienbesitz befindet, was imho auch ein Grund dafür ist, dass die Marke alle Krisen überstanden hat. Olsen ist wohl hauptsächlich Reeder, so dass die Einnahmen aus dem Uhrengeschäft nur eine untergeordnete Rolle spielen. Timex hatte um 1960 etwa 45!% Marktanteil in den USA, was u.a. auf die erweiterten Vertriebswege zurückzuführen war. Olsen stellt während des Krieges Zünder her, die dabei gewonnenen Erfahrungen übertrug er auf Uhren, die dadurch besonders einfach und robust konstruiert waren. Nicht immer waren Timex Uhren technisch simpel konstruiert. Ich besitze eine Uhr aus dem Jahre 1978 in Edelstahlausführung mit quarzsynchronisiertem Unruhmotor, die auch heute noch sehr präzise läuft. Sie war schon bei ihrem Erscheinen gegenüber den Quarzuhren mit Schrittschaltmotoren technisch eigentlich veraltet, aber Timex nutzte noch bis Anfang 1980 die in Fernost gefertigten elektromechanischen Werke und fügte dieser Basis einen Quarz zu. Mit einem Preis von gut 140 DM war diese Uhr dennoch für Timex-Verhältnisse ausgesprochen teuer.
 
#13
hansen

hansen

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Hut ab - solche Vorstellungen mit den ganzen Infos und dazu noch super Fotos ,

da werden manche Uhren aber neidisch , um die du dich nicht kümmerst :super:

Unbedingt so weiter machen :klatsch::klatsch::klatsch:

Grüße Wulf
 
#15
T

Tomcat1960

Guest
@ Lebel: vielen Dank! Die Uhr Deiner Mutter magst Du nicht mehr selbst tragen, aber falls Du mal eine Tochter hast, versieht sich die vielleicht in die alte Dame? Meine ältere Tochter trägt jetzt eine alte "Lanco Sport", die sie mir abgeschwatzt hat, mit großer Freude im Alltag. Ist doch schön, wenn so eine alte Uhr noch regelmäßig Ausgang bekommt...

@ Novacane: danke auch Dir. Ich denke auch, dass die "Brot-und-Butter"-Uhren viel mehr zu erzählen haben als die Vertreter der Uhren-High-Society (von Ausnahmen abgesehen). Wer trägt schon die gute Rolex oder Omega, wenn er am Auto schraubt oder eine Heizung zu montieren hat? Genau das macht für mich den Reiz dieser Alltagsuhren aus.

@ MAP254: danke, und: Du sagst es. Eine zu finden, ist kein Problem. Eine zu finden, die auch noch einwandfrei läuft, schon eher. Wenn sie dann noch tragbar sein soll, wird die Luft schon recht dünn. Ich vergleiche das gern mit Autos: einen Mercedes oder BMW aus den Siebzigern in gutem Zustand zu finden, ist nicht schwer, aber, Hand auf's Herz, wann hast Du zum letzten Mal einen gut erhaltenen Ford Fiesta I oder Opel Kadett D gesehen? Dabei gibt es bei genau diesen Autos immer den "Aha"-Effekt: "So einen hatte ich auch mal!" Das passiert Dir mit Ford und Opel weit öfter als mit Mercedes oder BMW. Vielleicht auch deswegen, weil es inzwischen viel, viel mehr Siebziger-Benz und -BMW gibt als Opel oder Ford. (Mein Nachbar hat sich einen alten Granada zugelegt, den er hegt und pflegt. Ich sage da immer: Hut ab, Benz und BMW kann jeder (mit genügend Geld) - aber einen alten Ford zu erhalten, das ist wahrer Enthusiasmus. ;-))

@ Kaliber66: danke auch Dir, und ganz besonderen Dank für den Link zu Deiner alten Vorstellung aus 2010. Dort schreibst Du, die Krone verstelle den Tag - hmm, tut sie bei meiner nicht, und auch Ranfft schreibt davon nichts. (Das M 33 hat für den Tag gar keine Schnellverstellung, das M 109 immerhin die Möglichkeit, den Tag zwischen 20 und 1 Uhr zu verstellen.)

@ falko: danke, und ganz besonderen Dank für Deine Ergänzungen. Dass Olsen und Lehmkuhl die Firma tatsächlich gekauft haben, hat sich meiner Recherche entzogen - ich fand nur, dass das Unternehmen bis heute "in Privatbesitz" ist. Aber Du hast natürlich vollkommen Recht: dieser Umstand ist vermutlich ausschlaggebend dafür, dass Timex die Fährnisse der Zeitläufte so gut überstanden hat. Zeigst Du Deine elektromechanische Timex auch mal her? Ich habe auch eine, die allerdings im Moment nicht läuft, vielleicht ist auch nur die Batterie leer ;-)

@ hansen: Dir auch vielen Dank. Dem Neid werde ich zumindest in meiner Uhrenfamilie mit der Zeit abhelfen, es gibt da durchaus einige Schätze, die eine größere Präsentation als im "Welche Vintage-Uhr tragt Ihr heute"-Thread verdient haben. Stay tuned!

Viele Grüße,

Tomcat
 
#16
falko

falko

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Hier meine Timex Quartz mit quarzsynchronisiertem Unruhmotor (Kaliber 66, Quarzfrequenz 49152 Hz, Unruhfrequenz 3 Hz = 21600 A/h, drei Schritte des Sekundenzeigers pro Sekunde), Edelstahlgehäuse von Timex France und originalem Stahlband. Der Preis dieser Uhr lag Ende der 1970er Jahre im Bereich 140-150 DM, was für Timex-Verhältnisse sehr hoch war und die Verbreitung einschränkte. Ausserdem war das Werk technisch veraltet, da sich der Schrittmotor allgemein durchgesetzt hatte. Timex nutze aber wohl aus wirtschaftlichen Gründen die seit den 1960er Jahren in Fernost gebauten elektromechanischen Werke als Basis.
 

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#18
dingodog

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You made my day :)
Die Überschrift war nicht sooo verlockend, aber einen Blick riskierte ich doch - Na die Zwiebel ist aber grottenhässlich - der erste Gedanke.
Aber was steht denn da so riesig viel Text? Neugierig geworden las ich weiter. Au, spannend...aha...wieder was gelernt und den Horizont erweitert.
Und dann die Erinnerung: Ja, in meinen Jugendjahren hatte Timex einen sehr robusten, guten Ruf - und das ist noch immer der gleiche Hersteller? Nicht so wie bei Grundig oder Revox...
Leider lösen die jetztigen Timexmodelle keinen zwingenden Kaufreflex aus, aber mit dem Gedanken an ein Explorermodell habe ich schon mehrfach gespielt - aber noch ne Quarzer...ich weiss nicht.
Jetzt nach diesem deinem Artikel habe ich beschlossen bei Gelegenheit doch eine zu kaufen. Wenn die Firma so zäh war, haben sie eine kleine Spende von mir verdient - auf dass sie noch lange tolle Uhren bauen mögen.
Und zu deiner vorgestellten: Ich gönne ihr einen schönen Lebensabend und danke für´s Zeigen; so hässlich ist sie ja garnicht, man muss nur genauer hinschauen :)
Und ein extra Danke dafür, dass du für die sonst so vernachlässigten "Wegwerfuhren" oder Alltagsuhren eine Lanze gebrochen hast!!
 
#19
ominus

ominus

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Herzlichen Glückwunsch,tolle Uhr.

Ich liebe es wenn eine Uhr bzw. Marke eine Geschichte hat.

Danke für deine sehr informative Vorstellung,das war :super:
 
#20
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Eine sehr schöne Vorstellung. Meinen Glückwunsch zur Uhr und vielen Dank fürs zeigen. Einfach gut!
 
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Heldin der Arbeit: Timex Automatic Day-Date, cal. M 33

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