Grosse 'Roamer'-Taschenuhr im Railroad-Stil der USA (ca. 1950) mit dem Werk MST 407

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Heute möchte ich euch eine Taschenuhr der Marke ‚Roamer‘ zeigen,die ich vor ein paar Monaten in den USA gekauft habe. Es ist nicht meine erste. Meine andere ‚Roamer‘-TU habe ich schon hier vorgestellt:
https://uhrforum.de/klare-kante-roamer-taschenuhr-im-geometrischen-art-deco-stil-bauhaus-ca-1940-mst-293-a-t226580

Insgesamt habe ich sogar drei Taschenuhren aus dem Hause ‚Meyer & Stüdeli‘, die dritte ist eine ‚Pilgrim‘, die auch bald einmal eine kurze Vorstellung bekommen soll.
Über die Firma ‚Meyer & Stüdeli‘, bzw. ‚Roamer‘ muss ich hier nicht mehr viel schreiben, denn ich habe schon in der Vorstellung meiner ersten ‚Roamer‘ eine kurze Zusammenfassung der Firmengechichte gegeben.

Auch meine neue Uhr ist ein Prachtstück. Zumindest alle wesentlichen Komponenten, Gehäuse, Zifferblatt und das hauseigene Kaliber MST 407, kommen aus dem Hause ‚Roamer. Die Uhr folgt einem ganz anderen Gestaltungsprinzip als meine andere Roamer. Trotzdem sind sie fast gleich alt, meine erste Roamer schätze ich auf etwa 1940, diese hier ist wohl etwas jünger, vom Ende der ‚40er oder der ersten Hälfte der ‚50er.

cc1.png

Sie ist mit 52,7 mm Durchmesser sehr gross und mit 15,2 mm auch recht dick, mit 82 g ist sie nicht gerade ein Leichtgewicht. Das Aussehen folgt dem Stil der ‚Railroad‘-Uhren der USA. Dort waren schon im 19. Jahrhundert strenge Vorschriften für die Zulassung einer Uhr als Dienstuhr für die Eisenbahn erlassen worden, die bis in die 1940er Jahre hinein galten und immer wieder angepasst wurden. Diese betrafen Eigenschaften des Werkes, aber auch des Zifferblattes, der Zeiger und des Gehäuses. So bildete sich im Lauf der Zeit ein spezifischer US-‚Railroad‘-Stil heraus.

Bild3.png

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Leider habe ich vergessen, auf meinen ersten Bildern die Krone wieder einzudrücken, die ich zum Stellen der Zeiger herausgezogen hatte. Wenn ich das sage, weiss der ‚Railroad‘-Spezialist sofort, dass diese Uhr keine echte ‚Railroad‘-Uhr ist. Die zugelassenen Werken, die ‚Railroad-Grades‘, durften nicht durch Kroneziehen umgeschaltet werden können, sie mussten neben dem Zifferblatt einen kleinen Stellhebel (Lever) haben, den man ziehen musste, um die Uhr zu stellen. Um das tun zu können, hatten die ‚Railroad‘-Uhren vorn und hinten Schraubdeckel, die man leicht abnehmen konnte. Schraubdeckel hat auch die Roamer.

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Das Zifferblatt besteht aus weissem Emaille. Die Stunden sind- typisch bei ‚Railroad‘-Uhren sehr gross in fetten arabischen Zahlen angeschrieben, weiter aussen folgt eine sogenannte Eisenbahnminuterie, die aussen und innen durch eine schwarze Linie abgegrenzt ist. Ganz aussen sind alle Minuten mit kleinen arabischen Zahlen ausgeschrieben, jede fünfte Minute etwas grösser und rot, die übrigen kleiner und schwarz. Ein Zifferblatt mit solchen ausgeschriebenen Minuten nennt man nach dem Erfinder ‚Montgomery-Dial‘. Bei einem echten ‚Montgomery-Dial‘ wäre allerdings die Stunde Sechs ebenfalls innerhalb des kleinen Sekundenzifferblattes angeschrieben. Diese fehlt hier, so konnte man sich wohl Abgaben an den Inhaber der Urheberrechte sparen.

Das Sekundenzifferblatt ist leicht vertieft. Innen auf dem Zifferblatt steht unterhalb der Zwölf die Marke ‚Roamer‘, darunter ‚17 Jewels‘, oberhalb des Sekundenzifferblattes steht ‚ANTI MAGNETIC‘, ganz unten, sehr klein am Rand steht ‚Swiss‘.
Die Zeiger sind gebläute Stahlzeiger in der üblichen ‚Railroad‘-Form mit einem kräftigen Paar aus Birnenzeiger und Lanzettenzeiger (Spade and Whip).

Bild5.png

Das Gehäuse besteht aus verchromtem Nickel. Der vordere und hintere Schraubdeckel haben einen schmalen umlaufenden Münzrand, um leichter geöffnet werden zu können, ansonsten ist das Gehäuse glatt, bis auf die Fläche des Rückendeckels, die durch einen einfachen, feinen Parallelschliff seidenmatt ist. Die Innenseite des hinteren Deckels ist perliert, es ist Text eingraviert, den ich hier auf dem Foto wiedergeben wollte, das leider miserabel geworden ist (falls ich es morgen rechtzeitig schaffe, wechsle ich das Foto gegen ein neues). Innen im Deckel steht: ‚Nickel chromiumplated‘, Roamer Watch Co‘ und die beiden Nummern ‚3652 1‘ und ‚471‘.

Bild6.png

Die Uhr ist halslos, das breite Pendant umschliesst seitlich die extrem grosse und an den Seiten tief geriefte Krone. Auch der Bügel ist sehr kräftig.

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Das in der Uhr enthaltene Werk ist das MST 407, das von hinten wohl kaum vom MST 291 zu unterscheiden ist. Es ist ein schönes und solides Werk, das silberfarben vernickelt ist, die Platinen und Kloben haben einen einfachen feinen Parallelschliff. Das Palettenanker-Werk hat 17 Jewels, die hinteren Lagersteine stecken in goldfarbenen gepressten Chatons. Die monometallische Schraubenunruh hat eine weisse Flachspirale.

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Die Gravuren in meinem Werk:
Unter der Unruh das MST-Symbol (in einem Dreieck mit gerundeten Seiten die Buchstaben M, darunter S und T, darunter die Kaliber-Nummer 407).
Auf der Federhausbrücke steht ‚Seventeen 17 Jewels‘, ‚Unadjusted‘, auf der Räderwerksbrücke ‚Roamer Watch Co‘, ‚Swiss‘ und auf dem Unruhkloben, ausser der Regulierskala, noch der Importcode ‚FXU‘

cx3.png

Wer sich mit MST-Uhrwerken beschäftigen will, sollte diese Seite kennen, auf der alle bekannten Kaliber gelistet und fast alle abgebildet sind:
MST

Das MST 407 ist etwas mysteriös, ohne die gepunzte Kalibernummer unter der Unruh hätte ich das Werk als MST 291 bestimmt. Beide Werke sind mit 18 Lignes quasi gleich gross (40,xx mm).

Hier die Abbildung des MST 291: http://mirius.co.uk/Calibre.htm?291,MST
Vom MST 407 gibt es bei Mirius nur eine Abbildung der Werksvorderseite, es werden keine Uhren gezeigt, die das Kaliber enthalten: http://mirius.co.uk/Calibre.htm?407,MST
Hier die Seite im Ranfft-Uhrwerksarchiv mit dem MST 407: bidfun-db Archiv: Uhrwerke: MST 407

Weil meine beiden ‚Roamer‘-Taschenuhren ähnliche Werke in sich tragen, lohnt sich ein kurzer Vergleich.
Auf diesen beiden Fotos der Vorderseite sieht man den Grössenunterschied der beiden Uhren.

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Hier sieht man die beiden Werke im Vergleich.

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axax3.png

Das kleinere MST 293 hat 16 Lignes (35,6 mm), das grössere MST 407 misst 18 Lignes (40,61 mm). Der augenfälligste Unterschied zwischen den beiden Werken ist die Befestigung des Ankers. Das grosse MST 407 hat einen Ankerkloben, der vom Aussenrand des Werkes ausgeht, das kleinere MST 293 hat eine Ankerbrücke, die weit vom Rand entfernt ist.

Forenkollege @Badener, unser unersetzlicher Uhrwerkkenner, hat einmal ein Bild des MST 291 aus dem Paulson in einem Thread gepostet: https://uhrforum.de/attachments/1273174d1451587984-roamer-taschenuhr-mst_291.jpg

Demnach sieht es so aus, als habe das MST 291 eine ähnliche Ankerbrücke wie das kleine MST 293. Die gleich grossen und mutmasslich zum Verwechseln ähnlichen Werke MST 291 und MST 407 wären demnach daran zu erkennen, dass das MST 291 eine Ankerbrücke hat und das MST 407 einen ganz anders geformten Ankerkloben.
Weitere Unterscheidungsmerkmale finden sich aber auch auf der Zifferblattseite der beiden Werke.

So, das war es wieder mal. Bleibt nur noch nachzutragen, wie sehr ich mich an meiner ‚Roamer-Railway-Uhr freue. Sie ist in wunderbarem Erhaltungszustand, auch technisch. Man hat fast den Eindruck, eine neue Uhr in Händen zu haben.
Ich hoffe, euch gefällt sie auch.
Gruss Andi
 
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alexm441051

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Hallo.

Was bedeutet MST?
Gruß.
Alex.
 
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Hallo Alex,
wie Hans schon sagte... Die Abkürzung MST leitet sich von Meyer & Stüdeli ab. Alle Kaliber der Firma tragen diese Bezeichnung. Das MST-Symbol ist normalerweise (aber nicht immer) in das Werk gepunzt, entweder unter der Unruh, oder auf der Zifferblattseite, dort steht dann auch die Kalibernummer:
https://watch-wiki.org/index.php?title=Datei:MST_Bildmarke.jpg
Gruss Andi
 
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