Goldhaube? Laco Sport Vintage der 50er / 60er Jahre

Diskutiere Goldhaube? Laco Sport Vintage der 50er / 60er Jahre im Vintage Uhren Forum im Bereich Uhrentypen; Geboten habe ich, weil ich ein "Ersatzteillager" brauchte. Und was ist? Die Uhr ist besser als überhaupt geahnt: vonwegen "Ersatzteillager". Die...
hiltibrant

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Geboten habe ich, weil ich ein "Ersatzteillager" brauchte. Und was ist? Die Uhr ist besser als überhaupt geahnt: vonwegen "Ersatzteillager". Die wird eines der Schmuckstücke der 50er und 60er werden - demnächst also in DIESEM Faden.

Doch zu meiner Frage "Goldhaube oder nicht?" Die folgenden Fotos stellen den Urzustand dar.

05laco_sport2.jpg
06laco_sport2.jpg
07laco_sport2.jpg

Ich weiß (lass mich aber gerne korrigieren), dass als „Rolled Gold“ ein Hybridmaterial bezeichnet wird, das aus einer Goldschicht besteht, die mechanisch mit einer oder beiden Seiten eines Grundmetalls (hier wahrscheinlich Messing) verbunden oder wärmeverschmolzen ist. Bei Uhren z.B. wird die Goldhaube auf den Korpus der Uhr aufgelötet und kann eine Stärke von bis zu 250 µ haben – wohingegen sog. „Gold Plaque“ meist nur 10 bzw. 20 µ hat und elektrolytisch aufgebracht wird.

Nur: woran erkenne ich das bei meiner LACO?

Sind die Unterseiten der Hörner (s. Bild 3), die irgendwie eine relativ dicke "Ummantelung" auf der sichtbaren Seite vermuten lassen, schon das Kennzeichen? Oder einige Macken im Gehäuse, die ziemlich tief sind trotzdem immer noch Gold? Oder der Kanten - "Abrieb", der nicht typisch berieben aussieht? Oder die (unübliche) Bodensignatur "Rolled Gold"?

Was meint ihr?
 
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pallasquarz

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Guten Abend, zunächst Glückwunsch zur schönen Laco Sport.
Welche Maße hat die denn? Sind das 16er Anstöße? Läuft sie oder braucht sie eine Wartung/Reinigung?
Habe von der Materie keine Ahnung, denke aber, das wird dasselbe wie Walzgold sein

https://goldschmiede-plaar.de/2012/07/27/was-ist-double-gold/

In dem Artikel steht, daß zur Auflage auch die Trägerschicht zählt, so daß Du Dir wohl keine "goldene Nase" verdient hast ;-)
Die Abnutzung an stark beanspruchten Stellen (Hörner, um die Krone) ist wohl typisch, das habe ich bei einigen Golduhren bei meinen Käufen auch schon so gesehen.

Grüsse Christoph
 
hiltibrant

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In der Vergangenheit haben die Zeiger wohl mal neue LM bekommen: der Unterschied zu den Indizes ist doch ziemlich deutlich und wird noch angepasst:

04laco_sport2.jpg

Das Werk lief bei den ersten Kronenumdrehungen sofort an. Aber eine Revi ist sicher nicht verklehrt :D.

Die 16 mm Anstöße sind fest verlötet, der Durchmesser der Uhr ist mit knapp 34 mm für die damalige Zeit typisch.

Ungewöhnlich ist die Werkbefestigung mit zwei (!) Werkrungen: ein massiver Distanzring verhindert ein Wackeln, ein leichter (billiger) Blechring mit aufgebogenen Blechlaschen drückt das Werk nach dem Verschrauben des Bodens in Richtung Glas:

09laco_sport2.jpg

Leider habe ich nicht die Kenntnisse (z.B. eines Member Badener), um das ungepunzte Werk zu bestimmen - da muss ich passen oder raten: AS vielleicht?
 
falko

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Hättest Du Enicar statt AS vermutet, wärst Du auf der richtigen Fährte gewesen. Das Durowe 422 hat nämlich seinen Ursprung in der Schweiz.
Ansonsten Glückwunsch zur Laco Sport. Diese Uhren gehörten schon vor dem Kriege zum besten und robustesten, was die deutsche Uhrenindustrie lieferte. Die Besonderheit lag in der Kombination wasserdichtes Edelstahlgehäuse, stoßgesicherte Unruh (bruchsicher) und festen Bandanstössen. Nach dem Krieg hat Laco die Serie weiter gebaut, wobei man Anfang der 1950er Jahre dem Luxusbedürfnis der Bevölkerung mit vergoldeten Gehäusen Rechnung trug und damit einen Teil der Robustheit aufgab.
 
Rata

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Hallo Rolf-Jürgen,

das Werk ist wie die Uhr in Pforzheim gefertigt worden, es müsste ein DuRoWe 422 sein:

DuRoWe 422 - Uhrwerksarchiv.de

Ein typisches Ührchen der 1950er, deren Vergoldung (ich denke wie Christoph, dass das Gehäuse im Walzgold-Doublé-Verfahren beschichtet worden ist) trotz des offenbar harten Lebens immer noch recht gut erhalten ist.

Viele Grüße, Otto
 
hiltibrant

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Na, das sind doch mal Informationen vom Feinsten - DANKE euch beiden :super:

Die andere LACO Sport, für die die obige eigentlich gedacht war, beherbergt ein völlg verhunztes Durowe 430:

laco_sport_zbseite.jpg

Dessen Brücke hat jedoch eine andere, modernere Form - weshalb ich nicht auf die Verwandtschaft gekommen bin.
 
G

Gast36883

Gast
Rolled Gold wird hier zutreffend beschrieben: http://www.beyars.com/lexikon/lexikon_3097.html
Die Goldschicht ist relativ dick und der Abrieb ist an den Hörnern deutlich zu sehen, diese schwarzen Kanten (siehe Pfeil) sind die Übergänge zu noch vergoldeter Fläche zu den bereits komplett nicht mehr vergoldeten Kanten.

Laco.JPG

Schön das du die Kleine wieder etwas aufhübschen möchtest, als Ersatzteillager natürlich viel zu schade :super:
 
Weckerfreund

Weckerfreund

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Hallo,

schöne Uhr!

Die Vergoldungsdicken werden am besten durch den Wert "Mikron" wieder gegeben. Das ist die Golddicke auf der Trägerschicht. Rolled Gold sollte ungefähr 20 Mikron entsprechen. Gold filled entspricht ca. 80 Mikron. Da nähern wir uns langsam der "Goldhaube". Diese Uhren haben aber oft einen Edelstahl Korpus. Man sieht dann sehr gut, wie dick die Vergoldung ist.

Hier mal eine Constellation mit "Goldhaube". Da sind die Kanten "intakt".
P1100051.JPG
P1100050.JPG

Hier 80 Mikron:
601.JPG

Das entspricht gold filled:
Deckel aussen.jpg

Je niedriger beim gold filled der Feingehalt ist, desto härter die Goldschicht. Daher gibt es in den USA, wo es die meisten gold filled Uhren gab, häufig die 10k Legierung. Wie man sieht, war die Goldschicht so dick, dass man sie gravieren konnte.

Ein menschliches Haar hat eine Dicke von 50-120 Mikron.

Vergoldungen von Uhren werden teilweise gestempelt mit Plaqué 5, Plaqué 10 und Plaqué 20. Oft auch EP 5 oder EP 10 (electro plated). Die Russen hatten AU 10 usw.

Dann gibt es noch alle möglichen Bezeichnungen (siehe oben in dem Lexikon - Amerikaner, Doublé, Walzgold...). Letztlich war das Ganze ein ziemliches Geschwurbel, da ja etwas Edles suggeriert werden sollte, aber leider nur Messing/Bronze oder Stahl drunter war.

Viele Grüße

Andreas
 
pallasquarz

pallasquarz

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Hallo, das sind schon interessante Ausführungen, vielen Dank Andreas.
Damit man dann auch ein geläufiges Maß hat:
1 Micron = 1 micro meter = 1/1000 mm = 0,001 mm

Grüsse Christoph
 
hiltibrant

hiltibrant

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Vielen Dank für eure ausführlichen Erklärungen und die Erkenntnis, dass außer einem ziemlichen Wirrwarr der Bezeichnungen "gold filled" doch eine der dickeren Auflagen (80 µ) ist - wie man übrigens an den folgenden Makros noch besser erkennen kann:

10laco_sport2.jpg
11laco_sport2.jpg
12laco_sport2.jpg
13laco_sport2.jpg

Die Goldschicht hat die fettesten Einschläge überstanden, sogar die Delle am Horn (letztes Bild), nur nicht die Abnutzung an den Kanten. Denn die sieht eher nach "Abbruch" als nach "Abrieb" aus :D.

Vielleicht hat daran ja auch noch der Trageschweiß aller Vorbesitzer der letzten 60 - 70 Jahre genagt.
 
Weckerfreund

Weckerfreund

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Hallo hiltibrant,

in dieser Vergrößerung sieht man deutlich, dass es sich um eine recht dicke Goldauflage handelt. Eigentlich müsste man jetzt noch wissen, was für einen Feingehalt das gerollte Gold hatte. Wenn es eine Hochgoldlegierung ist (18k = 750er), dann erklärt sich der Goldverlust an den Kanten durch die Weichheit. Die Amis haben mit dem 10kt Gold eine viel höhere Standfestigkeit erreicht. Die Goldfarbe haben sie trotzdem ganz gut hinbekommen.

Ich ja mal gespannt, was aus Deiner Laco wird.

Viele Grüße

Andreas
 
hiltibrant

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Ich ja mal gespannt, was aus Deiner Laco wird.

HIER ist sie nun zum vorösterlichen Sonntagsspaziergang bereit: mit frisch revidiertem Werk und neuem Plexi - aber ansonsten im Urzustand ihrer fast 70 Jahre.

Über die Gangwerte mit durchschnittlich +10 s/d und einer Amplitude von <230° gibt's nichts zu meckern.

Ich wundere mich nach solchen Revisionen jedes Mal wieder über die alten Pforzheimer Werke. Nicht nur die Schweizer können / konnten nämlich Genauigkeit und Zuverlässigkeit - wobei allerdings eine (wenigstens minimale) Pflege Voraussetzung ist.

Was will z.B. ein ETA nach fast 70 Jahren intensiver Nutzung (die das Gehäuse der LACO eindeutig belegt) eigentlich besser machen? Meine etwa genauso alten Tudor und Rolex laufen nicht besser, auch wenn sie in einer anderen Liga spielen.

Insofern:
die Aufarbeitung war für mich nicht nur lehrreich in Sachen "Goldhaube", sondern hat mir auch Spaß gemacht :D.
 
pallasquarz

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Hallo Rolf Jürgen, ist sehr schön geworden :super:
Wenn das Blatt und die Zeiger iO sind, kann man mit einem beriebenen oder leicht strapazierten Gehäuse gut leben.
Es ist schade und zT ärgerlich, daß diese Uhren heute von vielen Uhrenträgern der jüngeren Generation so belächelt werden.
Bei all dem Diver-Einheitsbrei, den man so viel gezeigt bekommt, wird übersehen, was es damals für eine Vielfalt an ZBern, Zeigern und Gehäuseformen gab. Und mehr als die Zeit ablesen, kann man auch nicht.
Viel Freude damit, König Midas ;-)

Grüsse Christoph
 
G

Gast36883

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Die ist wirklich sehr schön geworden und der Goldabrieb, der in den stark vergrößerten Bildern so unschön aussieht, sollte in Natura kaum zu sehen sein. Ist doch alles in allem gut tragbar so ein Ührchen. +10s/Tag ist gut einreguliert, alles was genauer läuft dürfte eh unter Glückstreffer bei einem einfachen Rückerzeiger laufen ......
 
hiltibrant

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@Christoph
So dämlich, wie der sich der Sage nach angestellt hat, möchte ich dann doch nicht sein ;-). Auch ist die LACO ja nicht zu Gold geworden, sondern eher wegen ihrer Substanz geblieben. Ansonsten bin ich ganz bei dir: für das Tragen von Gold in Uhrengestalt muss man ein bestimmtes Alter sprich: Reife erreicht haben.

Kommt Zeit, kommt Reife, kommt Gold - da bin ich sicher.

@kater7
kater7 schrieb:
... alles in allem gut tragbar...
Sie wird zwar allein aufgrund der Größe meiner Vintagesammlung nicht besonders häufig Wristtime bekommen, aber zu "besonderen Anlässen" schon: du gehst an der Vitrine der 50er und 60er vorbei und spontan -zack- überkommt es dich...

Von welchem Goldabrieb sprichst du?
1951202d1521969375t-die-uhren-der-50er-60er-jahre-02laco_sport2.jpg


Der an den Kanten tendiert aus 30 cm Tragentfernung doch gegen Null - jedenfalls mit Brille ;-). Mehr Bilder im Vorstellungsthread.

Die +10s/d sind übrigens ein Mittelwert am Arm / in Ruhe über 24 Stunden, wobei die Zeitwaage, die ja nur Momentaufnahmen protokolliert, je nach Lage doch Unterschiede zeigt.

Aber:

"Grau ist alle Theorie – entscheidend is am Arm" (frei nach Adi Preißler).
 
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Don Jorge

Don Jorge

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Molwanien
Also Laco-Freund kann ich da nur mit der Zunge schnalzen. Wunderschöne Uhr! Freut mich, dass du sie wieder zum Leben erweckt hast!
 
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