Glastausch bei Revision vorgenommen, obwohl nicht gewollt

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surfi

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Hallo liebe Forumsmitglieder,

ich bräuchte bitte mal eure Ratschläge.
Ich hatte eine Oebra Handaufzug (ein Erbstück meines Vaters) hier beim ortsansässigen Juwelier und Uhrmacher zur Revision und Repartur abgegeben. Die Uhr hatte seit einiger Zeit ständig einen Nachlauf.
Die Revisonskosten von 145 EUR überstiegen wohl den Wert der Uhr, aber das war mir egal. Zudem wohl auch noch nie eine Revision durchgeführt wurde.
Das Plexiglas hatte zwar zwei leichte Kratzer, aber weil es sehr flach war und ich gerne so viel wie möglich im Original an der Uhr belassen wollte, war vereinabart, dass das Glas NICHT getauscht werden sollte.
Am Samstag habe ich die Uhr dann abgeholt.
Mit ist direkt die etwas an der Haptik aufgefallen, ich konnte das zuerst nicht einordnen, dachte es läge daran, dass die Uhr nun vielleicht nach einer leichten Aufarbeitung besonders glänzte.
Nunja, im Auto viel mir schon das höhere Glas auf. Nix mehr mit ultra falchem 70er-Look.
Ich bin dann direkt zurück und fragte, ob das denn noch das originle Glas sein, es sähe anders aus und zudem wären auch keine Kratzer mehr zu sehen.
Die Dame sagte mir, bei einem Glastausch würde das alte Glas bei Abholung auf jeden Fall vom Uhrmacher beigelegt werden. Also sei kein Tausch vorgenommen worden (Stand übrigens auch nicht auf der Rechnung).
Nun war ich etwas verunsichert und bin erstmal nach Hause gefahren und habe mir die Uhr etwas näher angeschaut.

Ich trage die Uhr wirklich häufig und bilde mir das neue Glas nicht ein, zudem es auch höher bzw. stärker gewölbt ist. Die Uhr wirkt am Handgelenk anders.

Bevor ich jetzt am Dienstag nochmal Kontakt dem Laden wg Reklamation aufnehme, meine (laienhafte) Frage:
Kann es sein, dass ein Uhrenglas nicht richtig "drin" ist bzw. nicht tief genug wieder eingesetzt wurde und daher zu hoch erscheint?
Vielleicht wurde das Glas (Plexi) ja poliert und beim Zusammenbau eben nicht tief genug wieder eingesetzt?

Klar kann man sagen, freu Dich doch über das vermutlich neue Glas. Aber wenn ich den alten Look bewusst beibehalten wollte und das noch bei Abgabe im Laden vermerkt wurde, sollte das doch beachtet werden.

Danke vorab für eine Antwort.
Gruss
surfi
 

Karl Toffee

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Hallo,
ich hatte vor Jahren leider eine ähnliche Erfahrung machen müssen. Es handelte sich um die Uhr meines verstorbenen Onkels.
Hatte die Uhr zum ortsansässigen Juwelier mit Uhrmacher gebracht mit der Bitte um Revision. Ausschliesslich Revision des Werkes und sonst nichts. Keinen Kronentausch und kein Austausch des Glases.
Was bekomme ich zurück. Eine Uhr mit einer neuen, unpassenden Krone und ein komplett neues Glas. Ich war vielleicht geladen (und bin es eigentlich immer noch). Nach der Frage nach den originalen Teilen wurde nur gesagt, die haben wir nicht mehr. Ausser verbal mein Missfallen zu äußern, konnte ich nichts machen. Rabatt oder sonstwas konnten mir die Teile und den Zustand der Uhr auch nicht mehr wiederbringen. Nach ein paar Jahren hatte ich dort nochmals eine Uhr abgegeben, welche auch verhunzt wurde. Das wars dann. Den Laden gibts mitlerweile nicht mehr. Wundert mich nicht wirklich.
Um zum Thema zurückzukommen und basierend auf deiner Beschreibung halte ich es für durchaus wahrscheinlich dass das Glas gewechselt wurde. Auch wenn etwas anderes behauptet wird (Vermutung). Genau wie ich damals der Idiot war, bist du wahrscheinlich in der gleich Situation jetzt. Was extrem ärgerlich ist auf Grund der mit der Uhr verbindenen Emotionen und Historie der Uhr.
Tut mir leid, dass ich nichts positiveres beitragen kann.
 

surfi

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Hallo Karl,

danke dir für die Antwort, also wohl kein Einzelfall...leider. Am Montag passte es zeitlich nicht, aber Dienstag werde ich dort nochmal vorstellig....
 

Schraubendreher

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Hallo Surfi,

bei einer Grundüberholung einer alten Uhr gehören Ersatz von verkratzem Glas und verschlissener Krone standardmäßig dazu. Da hat der Uhrmacher es vielleicht einfach zu gut gemeint oder den Auftrag nicht richtig gelesen.
Ein Plexiglas kann man eigentlich nicht zu hoch einsetzen, dann würde es nicht halten. Dir wurde ein neues Glas eingesetzt und zwar in einer anderen, höheren Glasform. Das ist natürlich nicht so schön, aber unter Umständen war das alte Glas nicht original und zu niedrig? Vielleicht hat der Uhrmacher ein Glas aufgebaut, wie es die Uhr ursprünglich mal hatte als sie neu war? Oder es gab technische Gründe für das höhere Glas.
Vielleicht hast Du aber auch ein Hw-Glas bekommen statt eines N-Glases. Bring die Uhr wieder hin, wenn Dich das stört (ich halte es für eine Petitesse) und versuche das Ganze mit dem Uhrmacher persönlich zu besprechen.

Bis dann:
der Schraubendreher
 

Snaporaz

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(ich halte es für eine Petitesse)

Das ist ja das Problem - was der Uhrmacher für eine Kleinigkeit hält, ist dem emotional involvierten Uhrenbesitzer mehr als wichtig. Mir ist auf diese Art die Freude an mehr als einer Uhr abhanden gekommen, die nach dem Service nicht wiederzuerkennen war. Spitzenreiter war eine Favre-Leuba in 750er Rotgold, die mit einer hellgelben Krone wiederkam. Da kriege ich jetzt noch einen dicken Hals. Meine Reklamation führte dann zu einem Tausch in eine weniger helle Krone, das Original war verschwunden.
 

surfi

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Danke Schraubendreher für die Antwort. Ja, ich werde auf jeden Fall das Gespräch Anfang der Woche suchen. Das habe gerade schon per Mail angekündigt. Wie Du schon sagst, diesmal direkt mit dem Uhrmacher.
Grüße surfi
 

hermannH

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Hallo

Ich hatte dieser Tage eine Longines Automatik aus den 60ern mit Manufakturwerk in der Werkstatt. Nach der Restaurierung waren die Gangwerte im eingebauten Zustand katastrophal. Das Werk ausgebaut hingegen sehr gut. Natürlich schaut man als erstes auf die Zeiger. Und siehe da, Glas viel zu flach - Sekundenzeiger hat trotz gut eingestellter Zeiger am Glas gestreift. Also neues Glas montiert. Das Problem, die Sondergröße die Longines damals verbaut hatte, gibt es nicht mehr.

Gruß hermann
 

Schraubendreher

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Moin.

Beispielsweise könnte durch ein eingelaufenes Minutenradlager das Zeigerwerk im aufgezogenen Zustand etwas schief stehen. Dann kommen die Zeiger auf einer Seite des Zifferblattes höher und man benötigt ein höheres Glas, damit sie nicht steifen. Das Minutenradlager zu ersetzen ist oft nicht möglich und auch nicht immer nötig, zumal sehr aufwendig (= teuer) und auch nicht ohne Risiko. Abhilfe ist hier ein höheres Glas.
Das ist eine alte Uhr. Oft ist es nicht mehr möglich so alte Uhren in genau den Zustand zu versetzen, den sie im neuen Zustand hatten. Alles weitere ist Spekulation, da bleibt nur das Gespräch mit dem Uhrmacher.

Falls das neue Glas technische Gründe hat, hätte man das natürlich kommunizieren sollen. Die Praxis zeigt aber auch, dass 90% der Kunden mit alten Uhren so einen Glaswechsel gar nicht bemerken oder es ihnen völlig egal ist. Vintagesammler wie Du, nie bei einer vergessenen Uhrenmarke auf den originalen Erhalt wert legen, sind die absolute Ausnahme.

Bis dann:
der Schraubendreher
 

watchhans

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Wenn mit der Werkstatt abgesprochen wurde, daß ein altes Glas belassen werden soll und nicht ein wichtiger Grund, der die Funktion der Uhr (siehe Nr.8 und Nr.9) maßgeblich beeinträchtigt, muss sich die Werkstatt an die Absprache halten.
So sieht´s rechtlich aus.
Aber da wir alle nur Menschen sind und Fehler oder Mißverständnisse passieren, könnte man sich darauf einigen, ein möglichst dem Original entsprechendes Glas einzusetzen, falls o.g. Punkt nicht zutrifft.
Es kann aber auch manchmal passieren, daß die Werkstatt etwas versemmelt und bei der Arbeit an der Uhr etwas zu Bruch geht.
Schlimm wäre es in so einem Fall, wenn man einen "Arbeitsunfall" dem Kunden gegenüber verschweigt und so tut, als wenn nix wäre.
Da ist Offenheit und eine aufrichtige Entschuldigung der beste Weg.
Ich habe vor vielen Jahren auch erlebt, daß bei einer Omega Seamaster mit Rotgoldhaube während der Revision bei wohl Norddeutschlands renommiertester Uhrmacherwerkstatt die alte rotgoldfarbene Originalkrone von 1962 durch eine moderne, gelbgoldene Omega-Krone ersetzt wurde.
Ich habe mich darüber natürlich sehr aufgeregt, insbesondere da mir die alte Krone nicht mehr ausgehändigt wurde.
Es wäre leider keine Rotgoldene lieferbar, sagte man mir zur Entschuldigung.

Es bedurfte erst einer Revision in meiner eigenen Werkstatt, wobei ich die gelbgoldene- durch eine rotgoldene Omega-Krone ersetzt habe.
(dabei wurde mir klar, daß original Omega-Teile exorbitant teuer sind:shock:, also bitte nicht beschweren!)

Eine klare Kommunikation ist unerläßlich, um Ärger und Mißverständnisse zu vermeiden.
Nicht nur beim Uhrmacher :super:
 

Matthias MUC

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Ist es generell denn eher üblich oder eher die Ausnahme, bei Reparaturen oder Revisionen von alten Uhren die defekten Teile mitzubekommen? Mein Haus- und Hof-Uhrmacher mit Herz und Händchen für "Alteisen" legt die defekten / ersetzten Originalteile grundsätzlich bei.
 

hermannH

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Ist es generell denn eher üblich oder eher die Ausnahme, bei Reparaturen oder Revisionen von alten Uhren die defekten Teile mitzubekommen?

Das kann ich nicht sagen, aber in meiner Werkstatt wird das so gemacht. Schon alleine deswegen, das sich der Kunde beim Zahlen leichter tut, wenn er die alten Teile sieht. Immer wieder kommt es dabei auch zu guten Gesprächen.

Gruß hermann
 

surfi

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Kurzer Zwischenstand: Der Inhaber des Geschäftes hat sich bei mir per Mail gemeldet, und mitgeteilt, die Sache intern zu recherchieren und sich dann zu melden, um die weitere Vorgehensweise zu klären.

Ich glaube das "Problem" ist - wie schon angesprochen- die jeweilige Sichtweise. Auf der einen Seite der Uhrmacher, der einfach seinen Job macht und keinerlei Bindung zur Uhr hat ( warum und woher auch) und auf der anderen Seite der Eigentümer, für den die Uhr einen oft eben sehr ideellen Wert darstellt.

Unabhängig davon finde ich es sehr befremdlich- wie oben mehrfach berichtet- ,dass Goldkronen ausgetauscht werden und verschwinden.
 
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hermannH

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Unabhängig davon finde ich es sehr befremdlich- wie oben mehrfach berichtet- ,dass Goldkronen ausgetauscht werden und verschwinden

Um den im Raum stehenden Verdacht gleich zu entkräften, die allermeisten Kronen sind nur vergoldet, oder haben eine feine Goldhaube. Es rentiert sich niemals, diese zu Geld zu machen. Dafür sind die Goldmengen einfach zu gering. Abgesehen vom guten Ruf der verloren geht.
WD Kronen haben eine Dichtung verbaut, die von einem vernieteten Plättchen gehalten wird. Diese Dichtung ist nach etlichen Jahren oft defekt und dichtet nicht mehr.
Dann muss die ganze Krone getauscht werden. Ist der gleiche Farbton dann nicht mehr lieferbar, hat man ein Problem. In der Regel kann man das aber mit dem Kunden gemeinam besprechen, und meist eine alternative Lösung finden.

Gruß hermann
 

Natal-Rasch-Eid

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Welchen Wert hat denn so eine defekte (Gold)Krone fuer den Kunden?
Die Frage ist an surfi gerichtet.
 

sirtaifun

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Kronen können aber auch in Wunschfarbe vergoldet werden - klar kostet halt was extra aber habe ich auch schon machen lassen.
Alternativ kann die Dichtung getauscht werden Uhrmacher machen das aber ungern (soll kein Vorwurf sein ich verstehe die Gründe).
 

AHVintage

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Ist bei Kronen mit Dichtung sehr fragwürdig, da die Dichtung die Galvanik oft nicht unbeschadet übersteht.

Frank
 

sirtaifun

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st bei Kronen mit Dichtung sehr fragwürdig, da die Dichtung die Galvanik oft nicht unbeschadet übersteht.
Also war bisher nie ein Problem und wie schon geschrieben kann die Dichtung entfernt werden ist wohl bei einer neuen Krone auch gar keine Sache.
 

surfi

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Welchen Wert hat denn so eine defekte (Gold)Krone fuer den Kunden?
Die Frage ist an surfi gerichtet.

Das muss sicher jeder für sich entscheiden. Ich glaubte aus den Reaktionen von watchhans und snaporaz herausgehört zu haben, dass sich beide das Beilegen nach dem Austausch gewünscht hätten. Für mich wäre es eine faire Geste, um den notwendigen Austausch zu belegen. Einen Wert hat die Krone, wenn sie tatsächlich defekt ist, vermutlich nicht mehr.
Gruss
surfi
 

Schraubendreher

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Hallo sirtaifun,

in den meisten Fällen kann bei den Standardkronen die Dichtung nicht ersetzt werden, da sie durch ein Plättchen gehalten wird, das in die Krone eingenietet ist. Der Schlitz ist zu schmal und man bekommt die Dichtung nicht raus und keine neue Dichtung rein. Zum Beispiel bei den alten Omega-Kronen. Es gibt ein paar Ausnahmen (Chopard Happy Sport), aber dann muss man erst mal eine passende Ersatzdichtung bekommen. Die Dichtungen im Standardsortiment passen in der Regel nicht.
Eine Galvanik übersteht die Kronendichtung aber meist. Und der Uhrmacher gibt dann einfach keine Garantie auf WD und gut.

Bis dann:
 
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