Glashütte Original Spezimat Kal. 10-30 – (Neu)beginn des Luxus - Revision und Vorstellung

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watchhans

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Uhren aus Glashütte waren schon immer etwas elitär, was sicher nicht nur der excellenten Qualität geschuldet war und wieder ist.
Kostete doch eine massiv 18 Karat goldene Savonnette von Lange & Söhne zu Kaiserzeiten soviel wie ein Einfamilienhaus.

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Soviel musste man 1994 nicht ausgeben, um in den Genuß einer Uhr aus Glashütte zu kommen.
Kostete doch diese Referenz gerade mal 495,- DM. Das war in dem Jahr auch nicht gerade wenig, zahlte ich doch zu der Zeit für meine 40 qm-Junggesellenbude in ruhiger und guter Lage in einer norddeutschen Großstadt genaus so viel an monatlicher Miete inklusive Nebenkosten.
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Was den Aufbau dieses Kalibers betrifft, ist man von Luxus aber noch etwas entfernt. Wurde es noch zu DDR-Zeiten entwickelt, aber erst später, nach einem kurzen Gastspiel der France Ebauches, unter der Eigentümerschaft der Treuhand, gebaut und eingeschalt.
Konstruktiv im Vergleich zu den Vorgängern, der Spezimatik und der Spezichron, behielt man selbstverständlich die 3/4-Platine bei, dazu kam noch ein Sekundenstopphebel und, als kleiner „Luxus“, ein Sonnenschliff auf dem Automatik-Wechselrad sowie ein Streifenschliff auf der oberen Abdeckung und Rotor hinzu.
Lediglich eine sehr kleine Anzahl dieses Kalibers wurde nicht dekoriert.
Dieses Werk wurde im 2. Quartal 1993 produziert.

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Absolut kein Luxus sind das vernietete Kron- und Kronzwischenrad, notorisch für Verschleiß und schlimmstenfalls sogar dem Abbrechen eines der Zähne bei nicht regelmäßig durchgeführter Wartung und penibler Schmierung.
Eine gute Lösung ist die Sperrung der Aufzugsfeder durch 2 Sperrklinken. Eine kleine am unteren Rad des Wechselrades und eine weitere am Kronrad. Ist doch durch deren Lage der Kraftaufwand für die Sperrung der Feder geringer, als eine Sperrklinke direkt am Sperrrad oberhalb des Federhauses. Die kleinere Klinke erinnert an das Spezimatik.
Da 2 Räder vernietet sind, könnte man auch die Befestigung des Rades auf dem Federhaus (rot markiert) als vernietet betrachten. Es handelt sich aber um eine normale Verschraubung mit dem Federkern.

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Das Wechselrad für den einseitigen Automatikaufzug besteht aus 4 Rädern. Davon sind die 2 Planetenräder derart winzig (ca.1,5mm), daß man höllisch aufpassen muss, diese nicht durch eine Unachtsamkeit zu verlieren. Sind doch diese elementär für die Drehung des unteren Rades in die Aufzugsrichtung. Da dieses Rad sehr leicht laufen sollte, werde ich die Teile tauchschmieren.

2019-11-20 19.18.18.jpg

Unter der 3/4-Brücke findet man 5 Räder, das (hier schon entnommene) Federhaus und den Stopphebel. Das Minutenrad befindet sich dezentral, ähnlich wie beim ETA 2824, bzw. 2892.
A propos 2892: da GO leider keine Ersatzteile an nicht lizensierte Händler liefert, muss man sich bezüglich einer neuen Aufzugsfeder mit einer passenden für das 2892 behelfen. Die Abmessungen sind fast identisch. Bis auf das 3/10mm größere Federhaus der Glashütte und einem etwas größeren Federkern.

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Auch der Blick unters ZB erinnert teilweise an ETA-Kaliber, wie z.b. die Datumschnellschaltung.
Der Rasthebel für die Datumscheibe ist besser dimensioniert und poliert als bei vielen anderen Kalibern.

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Alles gereinigt und epilamisiert, fertig für den Zusammenbau. Die Unruhe- und brücke habe ich für das Richten der Unruhfeder vorübergehend auf die Hauptplatine montiert.

Im Moment warte ich noch auf eine neue Glasdichtung und ein Saphirglas. Denn das alte Mineralglas war am Rand etwas zerkratzt.

Fortsetzung folgt......
 
timeinside

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Danke für das teilen der Vorstellung und Revision dieser zeitlosen Schönheit. Freue mich auf die Fortsetzung. :)
 
Schwanni

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Ich finde deine Arbeit ebenfalls sehr spannend und bin gespannt auf die Fortsetzung :super:
 
sifu

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Danke für den interessanten Bericht! Der Zeitraum zwischen der Wende und der Gründung von GO scheint in uhrentechnischer Hinsicht immer etwas kurz wegzukommen, also umso besser, wenn Du Dich des 10-30 detailliert annimmst. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.
 
GT8

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Vielen lieben Dank für die wertvollen Einblicke und deine Mühe...
Bin sehr gespannt wie es weitergeht :klatsch:
 
watchhans

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Jetzt muss ich leider einige enttäuschen: detaillierte Fotos vom Zusammenbau habe ich keine gemacht. Es ist aber im Prinzip genau umgekehrt, wie schon oben gezeigt.
Das Werk läuft schon seit einigen Tagen, ist erstmal auf einen Abfallfehler von 0 - 0,2 ms und ca. +9 Sek./Tag reguliert worden.
Da sich die Öle aber in den nächsten weiteren Tagen noch mehr verteilen werden, wird die endgültige Reglage noch erfolgen.
Die Excenterschraube für die Feinreglage sitzt bombenfest. Da musste ich höllisch aufpassen, nicht mit dem Schraubendreher abzurutschen und die Politur zu zerkratzen oder gar den Unruhkloben versehentlich leicht nach unten zu verbiegen.
Das erste wäre traurig; das zweite wäre: :shock::motz::wand::hammer:
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Das Werk läuft erstmal in einer staubdichten Verpackung.
Leider ist das neue Glas- und die dichtung noch nicht bei mir eingetroffen. Erst dann kann ich es wieder einschalen. Bis dahin wird es von mir jeden Tag einmal aufgezogen. Wichtig dafür war die penible Schmierung der vernieteten Räder sowie die einwandfreie Tauchschmierung des mit dem Sonnenschliff verzierten Automatik-Wechselrades. Denn das dreht sich beim Handaufzug ohne das Gewicht des Rotors mit. Wichtig war auch die richtige Ölung einer kleinen Buchse, in der sich dieses Wechselrad dreht und mit der es mit der Automatikbrücke verschraubt ist. Das ist der sichtbare, kleine graue Rand um die Schraube herum.
2776806
Zum Einlaufen des Werkes gehört natürlich auch das aufgelegte Stundenrad und die damit verbundene Datumschaltung.
Ist doch der Kraftaufwand für das Weiterschalten des Datums nicht unerheblich.
Unterm ZB sieht es fast aus wie ein ETA 2824. Dazu zählt auch das Datum-Zwischenrad, welches genau wie beim ETA durch die Abdeckplatte für die Datumraste gehalten wird (zw. dem 20. u. 24.). Auch das Datumschaltrad (27. - 29.) ist fast identisch.
Das Kugellager des Rotors wird nach der Reinigung mit einer sehr geringen Menge Moebius 9010 geölt. Das garantiert einen superleichten Lauf für die nächsten Jahre.

Sobald alles wieder am Handgelenk tragbar ist, werde ich weitere Fotos einstellen.
 
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watchhans

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Danke für den interessanten Bericht! Der Zeitraum zwischen der Wende und der Gründung von GO scheint in uhrentechnischer Hinsicht immer etwas kurz wegzukommen, also umso besser, wenn Du Dich des 10-30 detailliert annimmst. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.
Das müssen in Glashütte turbulente Jahre gewesen sein. Waren zwar die während der DDR-Zeit entwickelten Werke nicht schlecht, so müssen doch die produktionstechnischen Verhältnisse relativ veraltet gewesen sein. Man sieht es auch noch anhand der Feinbearbeitung der Brücken und Platinen bei meinem Werk. Das hat noch Spezimatic- und Spezichron-Standard.
Da die Treuhand natürlich immer versucht hat, Betriebe möglichst schnell unter den Hammer zu bringen, entstand auch das kurze Gastspiel der France Ebauches als Eigentümer der GUB.
Während bei Lange & Söhne die Verhältnisse sehr schnell durch den Urenkel als neuen Eigentümer und der tatkräftigen Unterstützung durch Herrn Blümlein von der IWC geklärt waren, dümpelte die GUB GmbH erstmal weiter vor sich hin.
Nach kurzer Eigentümerschaft der Franzosen ging der Betrieb wieder zur Treuhand zurück.
Erst durch den Kaufmann Pfeiffer, der die GUB erstand und sich vehemment für sie einsetzte, erstmal in neue Produktionsmaschinen investierte, kam der Erfolg unter dem dann neuen Namen Glashütte Original. Denn qualifiziertes Personal mit dem entsprechenden Know-how gab es in Glashütte schon lange.
Das 10-30 ist so ein typisches Glashütter Kaliber, welches geschichtlich "zwischen den Türen" produziert wurde. Entwickelt aber noch unter DDR-Regie und als "sozialistisches Pendant" zum Schweizer ETA-Standard gedacht. Denn es hat ETA-Abmessungen.
 
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acur

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ganz tolle Vorstellung der UHR !!!
Erst durch den Kaufmann Pfeiffer, der die GUB erstand und sich vehemment für sie einsetzte, erstmal in neue Produktionsmaschinen investierte, kam der Erfolg unter dem dann neuen Namen Glashütte Original. Denn qualifiziertes Personal mit dem entsprechenden Know-how gab es in Glashütte schon lange.
... zum Gück ist es so gekommen und auch die Entwicklung von "Glashütte Original" zu einem, in den Produkten, recht selbstständigen Hersteller, ist sehr schön.
Es ist halt kein "Labelladen" ala "Union Glashütte".
 
watchhans

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ganz tolle Vorstellung der UHR !!!

... zum Gück ist es so gekommen und auch die Entwicklung von "Glashütte Original" zu einem, in den Produkten, recht selbstständigen Hersteller, ist sehr schön.
Es ist halt kein "Labelladen" ala "Union Glashütte".
Vielen Dank!
Mal ein bischen mehr, als nur ein Wristshot.
Das 10-30 wurde in seiner ursprünglichen Form dann sehr schnell nicht mehr hergestellt. Aber die Grundkonstruktion und einige Merkmale findet man heute noch.
 
timepiece1

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Finde ich immer sehr interessant, einen kleinen Einblick in die Uhrmacherei zu erhalten. Vielen Dank fürs Mitnehmen. :super:
 
watchhans

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Wie versprochen möchte ich jetzt natürlich auch die fertig revidierte Uhr nicht vorenthalten.
Nachdem ich durch einen unserer Sprache nicht mächtigen Hermes-Fahrer:roll: das neue Glas- und die Dichtung erheblich verspätet :motz:bekommen habe, konnte ich heute die Uhr endlich einschalen:super:

2791531
Das gründlich gereinigte und neu geölte und gefettete Kaliber GUB 10-30. Den Rotor musste ich auch etwas nachbearbeiten, da das Gewicht zu dicht über die Platine gleitete und gefahr lief, daran zu kratzen. Leider konnte ich auch die alte, wahrscheinlich noch originale Aufzugsfeder nichht mehr verwenden. Sie zeigte in ihrer Struktur deutlich spürbare Wellen und lag auch nict mehr flach auf. Also musste ich eine neue einsetzen. Die des ETA 2892A2 hat fast die gleichen Abmessungen und kann als Ersatz verwendet werden.
Laut Empfehlung eines mit diesem Kaliber erfahrenen Uhrmachermeister habe ich alle Schrauben höchst vorsichtig angezogen.
Bei diesem Kaliber scheint da sehr schnell nach fest, ab zu kommen:shock:

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Die Zwiebelkrone und auch das vergoldete Gehäuse zeigen schon einige Tragespuren.

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Der aufgedrückte Stahlboden ist recht einfach mit Lasergravur beschriftet.

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Ich habe der Uhr ein neues Saphir- statt Mineralglas gegönnt. Dazu gehört natürlich auch eine neue Glasdichtung.

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Eine angenehm zu tragende Dress-Uhr mit einem Durchmesser von ca. 37 und einer Höhe von ca. 8 mm trägt sie nicht auf.
1994 kostete sie 495,- DM. Damals sehr viel Geld für eine vergoldete Messinguhr mit aufgedrücktem, einfachen Stahlboden.
Das Kaliber GUB 10-30 ist, bis auf seine Schwachstelle, dem Hand- und Automatikaufzug, ein sehr guter Entwurf gewesen.
Wenn man bedenkt das dieses Kaliber noch unter DDR-Regie entwickelt wurde und im Falle das die Geschichte anders verlaufen wäre auch als "sozialistisches" Gegenstück zum Schweizer ETA-2824-2 gebaut worden wäre, hätte es sicher auch im Westen Abnehmer gefunden. Denn die Abmessungen stimmen mit dem ETA überein.
Noch heute dient die Basiskonstruktion als Vorbild für die Dreizeiger-Automatik von Glashütte Original.
 
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uwe733

uwe733

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Sehr interessant, vielen Dank fürs Teilhabenlassen an dieser Revision bzw. Restauration!
Viele Grüße aus Berlin, Uwe
 
Parameter

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Na das ist mal eine tolle Vorstellung, nicht nur der Uhr sondern auch des Kalibers und Deiner Arbeit. :klatsch:
Das hier gezeigte beweist einmal mehr wie schön es ist wenn Dinge langlebig sind und immer wieder repariert bzw. neu zum Leben erweckt werden können.
 
watchhans

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Na das ist mal eine tolle Vorstellung, nicht nur der Uhr sondern auch des Kalibers und Deiner Arbeit. :klatsch:
Das hier gezeigte beweist einmal mehr wie schön es ist wenn Dinge langlebig sind und immer wieder repariert bzw. neu zum Leben erweckt werden können.
Vielen Dank!
Nicht umsonst läuft die astronomische Uhr auf dem Markusplatz in Venedig jetzt schon seit über 500 Jahren.
Nun, ich glaube zwar nicht, dass diese so lange überleben wird :hmm: , aber zumindest sorge ich dafür, dass sie ihren Dienst anstandslos die nächsten Jahre verrichten kann und die Abnutzung reduziere. Denn gerade der Handaufzug/Automatikbereich ist bei diesem Kaliber sehr oft der Grund, warum sie so manch Eigentümer in einer Schublade verschwinden lässt, weil der nicht mehr funktioniert. Der muss nämlich regelmässig penibel gereinigt, kontrolliert und wieder richtig geölt und gefettet werden. Sonst ist ein Aufziehen mit der Hand, ohne das man Gefahr läuft eines der vernieteten Räder zu beschädigen, kaum möglich. Und wenn davon eins bricht wird´s richtig teuer:shock:
 
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watchhans

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Ich liebe diese Art von Fachtexten und lerne auf unterhaltsame Art Dinge, die mir sonst verborgen blieben.
Herzlichen Dank,
Christoph
Da nich für! :prost:
Ich ertappe mich manchmal, wenn ich mir eine Uhr kaufe (obwohl ich mir das oft verkneife; ich hab´ einfach zuviele:lol:),
ob ich sie selbst überholen kann:hmm:. Immer gut zu wissen, wie´s "unter der Haube" aussieht.
 
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