Gibt´s hier auch Hobbyköche?

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Spaceman

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Ich weiss!
Ich bin selten ungeschickt:-D Nach einigen frustierenden Versuchen (Entweder Steine oder Pampe) habe ich den Backautomaten gekauft.
Die Technik verhindert bei mir zuverlässig das Pfuschen:lol:
 
DRE-DAH

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...
Was mir aufgefallen ist: Brot wird schneller trocken als gekauftes und schimmelt schneller. ...
Das liegt nicht unbedingt an Konservierungsstoffen. Kaufbrot (je nach Sorte) wird auch mit Sauerteig gebacken. Und die Säure von diesem sorgt auch für bessere Haltbarkeit im Vergleich zu reinem Hefe-Brot.

Welchen Backautomaten, der jahrelang seinen Dienst verreichtet, habt Ihr denn? Ich sage mal keinen Hersteller, aber der erste hat bei mir nach 2 Jahren die Hufe von sich gestreckt, der 2. nach 6 Monaten. Seither backe ich wieder im Backofen. So ganz mit ohne Loch unten drin ... ;-)
 
Spaceman

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Mit Sauerteig habe ich auch schon experimentiert.
Panasonic SD-ZB512. Sind grob geschätzt so um die 700 Brote durchgelaufen. Backe auch manchmal für Kollegen mit.
Brot mit Loch. ;)
 
Christian. R

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"Ich bin aus der Not heraus geboren....."

So etwa würde ich unser Abendessen gestern beschreiben.

Kürbis.
Schon wieder.
Aber so ein Kürbis ist nun einmal recht groß.
Zu groß für zwei Personen und nur ein Abendessen.
"Mach Kürbissuppe daraus und froste die für kalte Tage ein", sagt dann natürlich diese innere Stimme augenblicklich zu einem.
Aber da liegt ja noch die Suppe vom letzten Kürbis auf Eis :hmm:

So also kam es dann zur "Notgeburt" des "Kürbisspießes mit scharfer Wurst"

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Die Chorizo hatte ich noch vorrätig.
Obwohl aus Spanien, ist sie doch auch in Frankreich eine sehr beliebte Wurst, so dass man sie dort auch in guten Qualitäten kaufen kann.

Ich hab es mir sehr einfach gemacht bei diesem Abendessen.
Wurtsradeln und Kürbisstücke hab ich schlichterweise auf einen Holzspies gesteckt und dann in den Backofen geschoben.
Das Fett der Wurst genügt, um die Sache nicht anbrennen zu lassen.

Dann hab ich Tomatenmark in etwas Olivenöl angeröstet und stückige Tomaten beigefügt.
Gewürzt wurde mit Salz, Pfeffer und meiner griechischen Lieblingsgewürzmischung.

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Da wir beim Thema "was ist drin in unserem Essen" sind.
Aufmerksamen Lesern des Fadens wird nicht entgangen sein, dass ich bereits lange die Chemie in unseren Lebensmitteln ankreide und mehr als einen Beitrag zum Thema geschrieben habe.
Aber da sind wir wohl alle zu unaufmerksam gewesen.
Wir haben die Lebensmittelindustrie jahrelang machen lassen, ohne besonders darüber nachzudenken, was Begriffe wie "Verdickungsmittel", "Stabilisatoren" "Emulgatoren" usw. bedeuten.
Die sind weiß Gott nicht nur in unserem täglichen Brot zu finden, sondern auch in vielen anderen Lebensmitteln, Kosmetika, Reinigungsmitteln usw., die wir täglich bedenkenlos konsumieren.
Substanzen, die in der Medizin als Abführmittel eingesetzt werden, Abfallprodukte der Aluminiumherstellung, etc. etc., alles wird munter und "zum Wohle" seiner Gesundheit im Menschen verklappt.
Na :prost: Mahlzeit.
Es würde möglicherweise schon unter das Politikverbot hier fallen, sich damit weitergehend auseinanderzusetzen. Darum lasse ich es lieber ;-)

Auch deshalb, weil ich mich selbst ja auch nicht davon frei machen kann, manchmal zu Fertigprodukten zu greifen, obwohl ich als Rentner genügend Zeit hätte, die Dinge selbst zu machen.
Was ich mir zu Gute halte, ist, dass ich inzwischen sehr genau auf das Kleingedruckte auf den Verpackungen achte und so wenigstens die schlimmsten "Abfallprodukte" vermeide.

Trotzdem: "Asche auf mein Haupt"*
Es gab gestern teilweise "Convenience".

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DRE-DAH

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Schweinekrustenbraten Sous vide mit Brotkuchen und Dunkelbier-Kümmel-Jus

Schweinenuss mit Schwarte heute um 9:00 gewürzt (Salz, Pfeffer, Knoblauchpulver - nur das Fleisch, nicht die Schwarte), vakuumiert und ins Wasserbad für 9,5h bei 65°C verfrachtet.
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Heute zur HomeOffice-Mittagspause Gemüse (Karotten, Zwiebeln, Lauch) geschnippelt, schnell angeröstet, gewürzt (Kümmel!), mit Pilzfond und Dunkelbier abgelöscht und auskochen lassen. Dann abgefiltert und einreduziert:
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Lauch fein geschnippelt, mit Knoblauch angedünstet, mit Milch abgelöscht, gewürzt mit Salz, Pfeffer, Muskat, klein gewürfelte Brotreste dazu gegeben und alles schön weich ziehen gelassen. Dann 3 Eier dazu und die nicht all zu stark komprimierte Masse in eine gusseiserne Pfanne gegeben und diese im Ofen für eine 3/4h bei 180°C zu einem Brotkuchen (alias serviettenlosen Ofen-Serviettenknödel) gebacken. Hier der Roh-Zustand:
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Dann erstmal den Koch motiviert ...
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... und mich gleich an den Krautsalat gemacht:
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Nachdem der Brotkuchen fertig war, den Ofen auf 220° hoch gedreht und das Schweinderl aus dem Sous-Vide-Bad befreit und in die Sauna gegeben:
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Die Bratenflüssigkeit aus dem Sous-vide-Beutel zum bereits reduzierten Soßenansatz gegeben und mit Butter aufmontiert und etwas Stärke abgebunden:
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Braten aus dem Ofen ...
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... anschneiden ...
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... aufgrund der Zartheit und der Saftigkeit gibts noch ein Bild ...
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... und auf dem Teller mit dem Brotkuchen und der verdammt schmackofatzigen Soße angerichtet.
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Dazu den Salat (fürs Gewissen, die Farbe und die verdauungsfördernde Wirkung, u.a. aufgrund des enthaltenen Kümmels):
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Ich hab echt schon Schweinebraten in Schuhsohlenkonsistenz hingebracht, aber der heute war weich und zart (ohne die "Zerfalligkeit" von Pulled Pork zu haben) und die meisten Würfelchen der Kruste waren knusprig und würzig. Ja, dauert, aber gart über Stunden vor sich hin, ohne dass man eingreifen muss. Das Resultat überzeugt aber auf ganzer Linie.

So, jetzt bin ich fertig, Küche ist geputzt, Ofen pyrolysiert gerade noch und ich gehe nun zum Verdauungsschlaf über.

Gehabt Euch wohl!!!
 
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Boston72

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Mir sind heute irgendwie die Bilder abhanden gekommen, daher muss die Beschreibung reichen.

In meiner Pfanne habe ich einen Schuss Olivenöl erhitzt.
Der zuvor kleingeschnittene Zwiebel wurde dann darin gebraten. Zwischenzeitlich wurde auch Knofel klein gehackt und zum Zwiebel, der schon etwas Farbe genommen hat, gegeben.
Den Duft, der augenblicklich die Küche erfüllte brauche ich wohl niemanden beschreiben.

Kurz darauf kam noch ein halber Esslöffel geräuchertes Paprikapulver dazu, beim durchrühren bekam das ganze eine herrliche Farbe und kurz darauf setzte das Paprikapulver seinen unglaublichen Duft frei.

Das ganze habe ich mit einem Viertel Liter Gemüsebrühe abgelöscht, nach dem aufkochen habe ich die Hitze reduziert und 250ml Schlagobers untergerührt.
Jetzt wird noch der aufgetaute Blattspinat ausgedrückt und klein geschnitten, eine gute Hand voll, das kommt jetzt zur Sauce.

Das ganze köchelte vor sich hin, nach und nach habe ich zwei Sorten Cheddar dazugegeben, mild und kräftig, insgesamt etwa 25 dag.
Etwas Meersalz und Chilipulver dazu und alles langsam köcheln lassen.

Da der Käse mittlerweile geschmolzen ist mischt sich auch noch dieser Duft dazu, die Mischung riecht echt köstlich.

Nach kurzer Zeit ist die Sauce richtig schön sämig und hat durch das Paprikapulver und dem reifen Cheddar eine schöne satte Farbe bekommen.

Die Spätzle habe ich schon Vormittag gemacht und auskühlen lassen.
In einer zweiten Pfanne wird wieder etwas Olivenöl erhitzt und da kommen jetzt die Spätzle hinein und werden etwas gebraten.

Dann kommen sie in die Sauce und das Ganze wird gut verrührt.

Jetzt ziehen die Spätzle noch zwei, drei Minuten in der Käse/Spinat Sauce.

Dann kommt es aufs Teller, etwas Weißbrot dazu und wirklich sehr einfach und köstlich.

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Christian. R

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Besser etwas zu spät, als gar nicht. Beaujolais Nouveau 2021

Viel Zeit für Topf und Pfanne war gestern nicht, da es an der Zeit war, den Stollen zu backen.
Der hätte auch bereits fertig sein müssen, aber, aber, aber....

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Im Gegensatz zu den Stollen aus Hefeteig, wird dieser hier mit Schichtkäse (Topfen) und Backpulver hergestellt.
Das Rezept ist noch von meiner Mutter, die es ihrerseits so in ihrer Oberschlesischen Heimat kennenlernte.
Ich dachte, dass ich es im letzten Jahr eingestellt hatte, habe es aber jetzt nicht mehr gefunden :hmm:

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Da der gestrige Tag ein wenig vollgestopft mit sonstigen Terminen war, gab es zum neuen Wein, den 2. Mont d'Or, den ich aus Frankreich mitgebracht hatte.

Dazu etwas Wurst, die ja schließlich auch aufgegessen werden musste.

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Die Chorizo hab in etwas Rotwein ausgelassen. Weil sie warm einfach besser als roh ist.

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Ja.
Alles weitere war dann Käse

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Bitte entschuldigt, dass ich etwas kurz gehalten bin, auch heute ist es hier ein wenig turbulent.
Ist eben kurz vor dem ersten Advent. ;-)

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mini

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Lieber Roland,

ich bin etwas überrascht, dass Du dem Hype um Beaujolais Primeur/Nouveau erlegen bist.
Du, der Grandseigneur des Slow-Food, Zeremonienmeister des kulinarischen Geniessens und Bewahrer aussterbender Rezepte verknieselt sich mit einer turbo-vergorenen, in Rekordzeit ausgebauter und schnellstmöglich in alle Lande verschüttelten, dann auch noch meist ohne Liegezeit verkonsumierten, hochgepushten „Weinrarität“?
Das kann doch wohl nicht wahr sein… ;-)

Lass ´ ihn Dir schmecken.

Schönes WE an alle Hobbyköche.
Mathias
 
Christian. R

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Lieber Mathias,

gut 20 Jahre lang hab ich mit vielen französischen und deutschen Freunden Ende November getanzt, gut gegessen und eine "Bonne Fête" ausgelassen gefeiert.
Ich war anfangs auch skeptisch, ob des Anlasses, habe mich aber trotz allem immer wieder hinreißen lassen, ausgelassen mit zu feiern, wenn der "Nouveau" begrüßt wurde.
Angesicht des "närrischen" Treibens, das in manchen Gegenden Deutschlands zur Tradition gehört und an dem man Altes Kölsch aus Plastikbechern im Schneegestöber "auf der Gass" trinkt, fand ich dass immer ganz in Ordnung und eher stilvoll.
Warum also nicht daran festhalten und den alten Freunden nicht noch einmal im Sinn zuprosten??

:prost:

 
Christian. R

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Du, der Grandseigneur des Slow-Food, Zeremonienmeister des kulinarischen Geniessens und Bewahrer aussterbender Rezepte.......

Das klingt ja wirklich alles lieb und freundlich, doch ist es wirklich so????
Es ist eine alte Geschichte und ich glaube, dass ich sie hier auch schon einmal eingestellt hatte.

Ich esse gerne Bratwurst

Wenn ich mich so in meinem Bekanntenkreis umschaue, muss ich vergnügt feststellen, dass fast jeder da so seine Macke hat.
Das klingt jetzt erst einmal bedenklich, ist aber nicht unter pathologischen Aspekten zu betrachten.
Die Macken, die ich meine, sind eher leibenswert als gefährlich.
Sie sind für niemanden bedrohlich, oder gar für eine psychiatrische Behandlung reif.


Ich kenne zum Beispiel jemanden, der von jedem Glas Wein, egal welcher Güte, oder Farbe Kopfschmerzen bekommt.
Da er das weiß, trinkt er eben keinen Wein.
Das ist an sich sehr vernünftig, führte aber hier und da schon zu irritierten Blicken bei manchem Oberkellner, der einfach nicht verstand, dass jemand sein Zweisternefünfgangmenue mit einem Glas Pils einleitet und in der Regel auch damit beendet.

Ein anderer raucht nicht, bis auf eine einzige Ausnahme.
Immer wenn er bei seinem „Lieblingswirt“ einkehrt, bekommt er zum Abschluss des Abends eine Zigarre präsentiert.
Kein Mensch kann sich noch daran erinnern, woher dieses Zeremoniell stammt und wann es begonnen hat, aber jedes Mal raucht mein Freund „seine“ Zigarre (nicht einmal eine wirklich gute) tapfer bis auf den Stumpen aus.

Mir als Raucher hat dieser Wirt übrigens noch nie eine Zigarre angeboten, obwohl ich immer bei ihm esse, wenn ich gerade in der Nähe bin.

Es gibt Leute in meinem Bekanntenkreis, die nie etwas essen würden in dem eine Zwiebel erkennbar ist, oder bei dem Knoblauch verarbeitet wurde.
Sie tun das nicht aus Gründen der Unverträglichkeit, sie mögen einfach keine Zwiebeln oder Knoblauch.
Das allerdings hält sie nicht davon ab, Zwiebeln und Knoblauch, die sich in Würsten verstecken, zu akzeptieren und beherzt in ein Hausmacherleberwurstbrot, oder eine Knoblauchmettwurst zu beißen.

Jeder der mal nachdenkt, wird solche schrulligen Kerle in seinem Umfeld kennen und lieb gewonnen haben, denn es sind oft nicht die Schlechtesten, die sich ihre Macken leisten können.

Meine Macke heißt „Bratwurst“.

Es geht mir dabei nicht um ein bestimmtes Würstchen, quasi die „Überwurst“ beim „berühmtesten Bratwurstmaxe“ der Nation, nein ich meine alles, was an Wurst auf dem Rost, oder in der Pfanne gebraten wird und auf welchem Geschirr auch immer zum verzehr angeboten wird.
Der Reihen nach.

Ich stamme aus einer Gegend in der das private „grillen“ mit Freunden im Garten in den sechziger Jahren noch nicht erfunden war.
Daher war Bratwurstessen auf wenige Male im Jahr beschränkt.

Manchmal gab es sie bei uns daheim, meistens montags, wenn die Schlachter die Ware frisch anboten.
Es waren lange Frischwürste mit feinem Brät, die zunächst gebrüht werden mussten, um dann in Mehl gewendet goldbraun in der Pfanne zubereitet wurden. Ich liebte meine Mutter für die Bratwursttage.

Dann gab es unser Schützenfest.
Zwei paradiesische Tage für mich. Im Gegensatz zu meinen Schulfreunden setzte ich mein Taschengeld und die Extrataler von Oma und Opa nicht in Brause, Karussellfahrten, oder an der Schießbude um, sondern am Bratwurststand des Metzgers aus dem Ort.
Samstag und Sonntag gab es wenigstens zwei, bei guter Kassenlage auch mal drei Bratwürste für mich.
Noch heute kann ich den betörenden Duft der auf einem Holzkohlegrill knusprig gebratenen dicken Wüste nicht vergessen.

Später betrieb ein Ausflugslokal in der Nähe unseres Dorfes im Sommer an den Sonn- und Feiertagen einen Bratwurststand.
Klar!! Mindestens eine, besser zwei wurden von mir, dem personifizierten Stammkunden, pro Öffnungstag weggeputzt.

Egal, ob Schulausflug, oder Schullandheim, Einkaufsfahrt mit Mutter in die Stadt, wo immer ich eine „Bratwurstbude“ kannte, oder entdeckte, ich musste eine Wurst essen.
Trotzdem bleib mein Wunsch nach der „täglichen Bratwurst“ so lange ungestillt, wie ich an mein Dorf gebunden war.

Glücklicherweise brauchten wir Kinder damals nur rund 15 Jahre um erwachsen zu werden.
Dann war Schluss mit Volksschule und Begin der Lehre.

1970 gab es noch so viel Lehrstellen (nicht Ausbildungsplätze) und so wenig Kinder, dass jeder werden konnte was er wollte (ob er wollte oder nicht).
Ich wollte Speisewagekoch bei der Bundesbahn, oder Starkstromelektriker bei der Bundespost werden und erhielt auch prompt einen Ausbildungsplatz als Verkäufer für Herrenmode bei HERTIE, einem Kaufhausunternehmen, das es schon lange nicht mehr gibt.

Obwohl meine Mutter diese Entscheidung für mich gefällt hatte, konnte ich ihr nicht böse sein, weil gleich um die Ecke mehrere Bratwurstbuden zu finden waren und so mein kullinarisches Fortkommen gesichert schien.
Wer weiß, ob ich in der Fernschnellzugküche, oder am Hochspannungskabel hängend, täglich mindestens eine Bratwurst bekommen hätte.

So aber war die Sache gerettet.
Statt in der Firmenkantine Dampfgegartes zu mampfen, bekam ich nun täglich, bis auf sonntags, meine Bratwurst.

Damals kostete eine Bratwurst incl. Senf und eine halben Scheibe Toastbrot 1,00 DM.
Mein firmensubventionierter Kantienenpamps hätte mich 1,50 pro Tag gekostet und so konnte ich rein rechnerisch entweder jeden zweiten Tag zwei Bratwürste verputzen, oder hier und da meiner Freundin ein Eis spendieren, selbst ein Bier trinken, oder ein paar Liter Extrasprit für meine Zündapp tanken. Es galt ja immerhin mit rund 100,- DM Lehrgeld im Monat über die Runden zu kommen.

Der gesunden Kochkunst meiner Mutter ist es zu verdanken, dass ich trotz meiner recht einseitigen Ernährung nicht an Skorbut erkrankte und mein Wachstum nicht gehemmt wurde.

Nach drei Jahren Lehre, die inzwischen zur Ausbildung wurde, hatte ich meinen Kaufmannsgehilfenbrief in der Tasche und Flausen im Kopf.
Zur Bundeswehr musste ich nicht, weil ich aufgrund einer früheren Unfallverletzung nicht „wehrdiensttauglich“ war.

Die damals noch 1 ½ Jahre dauernde Kampfsaufausbildung bei der Haarnetztruppe konnte ich für mein berufliches Weiterkommen nutzen und so tatsächlich schon ein Jahr nach meinem Verkäuferdasein in Braunschweig, in ein Ausbildungsprogramm zum stellvertretenden Abteilungsleiter bei HERTIE rutschen.

Dafür musste ich aber meine geliebte Bratwurstbude in Braunschweig aufgeben, denn im ersten Halbjahr meiner Ausbildung ging es nach Bremen. 800,- DM Salär und eine von der Firma bezahlte Bude machten den Umzug leicht.
Schlecht war, dass ich ein durchaus verwöhnter Bengel von 18 ½ Jahren war, der sich nicht einmal die Schuhe selber putzen konnte (oder wollte).

Die Zeit war hart.
Wir arbeiteten sechs Tage in der Woche, hatten nebenbei auch noch jede Menge Unterricht und mussten für die Zwischenprüfung büffeln.
Dazu kam, dass fast alle die zusammen mit mir in dem Ausbildungskurs waren, zu ersten Mal ganz auf sich allein gestellt in einer fremden Stadt lebten.
Jeder entwickelte da seine eigene Methode mit den Herausforderungen fertig zu werden.

Manche arbeiteten sehr hart, andere suchten sich neue Freundinnen in der Stadt, einige tranken viel Bier und ich tat alles zusammen.
Meine Grundnahrungsmittelversorgung hing aber nach wie vor von der Erreichbarkeit einer Bratwurstbude ab.
Glücklicherweise gab es unweit des Geschäftes zwei davon. Dort konnte man sogar wählen, ob man die Wurst am Rost, oder in der Pfanne gegart essen wollte.
Ich nahm mal die, mal die und erweiterte mein Standardernährungsprogramm damit um 100%.

Die Jahre vergingen, die Städte wechselten, ich lernet gutes Essen zu schätzen und sogar selbst zuzubereiten, aber meiner Vorliebe für Bratwurst bin ich bis heute treu geblieben.
Selbst bei Auslandsaufenthalten war ich nicht nur auf der Suche nach Kultur und Erholung, sondern auch auf der nach einer landestypischen Bratwurst.

Ich will an dieser Stelle nun nicht über die „Bratwurstgeheimplätze“ in Europa fabulieren.
Fast überall gibt es gute Bratwürste, aber überall werden schlechte Bratwürste produziert.
Es ginge auch zu weit, zu behaupten, dass man die Esskultur einer Gegend an der Qualität der Bratwürste festmachen kann.
Und doch, ein Fünkchen Wahrheit mag da schon drinstecken.
Die Bratwurst ist ein Frischprodukt.
Gute Bratwürste kommen nicht aus einer Dauerwurstfrischhalteverpackung.
Sie dürfen nur wenige Stunden vor dem Verzehr durch die kundigen Hände eines Schlachters gegangen sein.
Leider findet man solche Delikatessen immer seltener, weshalb es sich schon lohnt nach einer guten Bratwurst Ausschau zu halten.

Fakt ist, dass ich in meinem Leben deutlich mehr schlechte, als gute Bratwürste vertilgt habe. Meistens ist die reichhaltige Salzbeigabe bei der Herstellung das Hauptübel.
Vom falschen Umgang mit Gewürzen, bis hin zum unprofessionellen Braten, oder Grillen reichen die weiteren Fehlerquellen.
Aber ich gebe zu bedenken, dass diese Fehler in der Gastronomie gang und gäbe sind.

So viele schlechte Erfahrungen ich mit verhunzten Bratwürsten gemacht habe, so viele habe ich auch mit ungenießbaren Restaurantessen gemacht.
Selbst in guten Gaststuben wurden mir versalzene Pfifferlinge, zerkochte Fische, verpamstes Beilagengemüse, lederartige Steaks und vieles unappetitliche mehr serviert.
Die Verklappungsmentalität deutscher Fleisch- und Wurstproduzenten funktioniert ja leider nicht nur in einer Bratwurstpelle, man kann ihre Produkte auch mit Panade bedecken und als Schweineschnitzel nach „Wiener Art“ verwerten.
Allerdings verschmerzt man es leichter eine schlechte Bratwurst bezahlt zu haben, als ein schlechtes Mittagessen im Gasthof.

Seltsamerweise esse ich daheim so gut wie nie Bratwurst.
Auch im Gasthaus bestelle ich sie nur selten und wenn dann nur im Bayrischen, oder in der Pfalz. Sogar auf privaten Grillfesten mit Freunden meide ich nach Möglichkeit die Wurst.
Richtiger Bratwurstgenuss stellt sich für mich nur an der Bude ein.
Die darf gern auch an einem zugigen Bahnhof stehen, oder an einer viel befahrenen Bundesstraße auf Kundschaft lauern.

Ich teile meinen Genuss eben gern mit Unbekannten
Dabei kann man der Bratwurstbude durchaus einen sozial verbindenden Status zugestehen.
Vergleichbares findet man wohl nur noch in einem klassischen britischen Pub.

Mir fällt auf Anhieb kein Ort ein, an dem die Grenzen zwischen den „Welten“ so fließend sind und so viel Friedfertigkeit herrscht wie an der Bratwurstbude.
Hier trifft man auf Banker und Punker die friedfertig nebeneinander stehen und in die Wurst beißen.

Polizisten stehen neben den Kleinganoven vom Kiez, Hells Angels neben dem Vater mit Kleinkind im Buggy, Rollstuhlfahrer neben Mountenbikern, ja selbst Menschen im Smoking und großer Abendrobe scheuen sich nicht, spät nachts noch eine katervorbeugende Bratwurst zu essen, wenn die Canapés nach dem Opernbesuch zu „elegant“ ausgefallen waren.

Auch nörgelt niemand an einer Bratwurstbude und wenn die Schlange der Wartenden noch so lang ist.
Hier steht jeder geduldig an seinem Platz und wartet bis ihm seine Wurst überreicht wird
Wer je vor einer großen Arena auf den Auftritt von Tom Petty gewartet hat, weiß, dass der Lindwurm vor der Bratwurstbude länger ist als der Karnevalsumzug in Köln. Aber auch hier herrscht einträchtiges „Nacheinander“ ohne Maulerei und Gedränge.

Eine Zeit lang meinte man ja, dass die Bratwurstbude keine Zukunft hat.
Aus aller Welt kamen die Stehimbissbuden in unser Land um der Bratwurst den Gar aus zu machen.
Das war die Zeit des „Großen Bratwurstbudensterbens“ in den achtziger/ neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Aber es ist anders gekommen. Die Bratwurstbude, und mit ihr die Bratwurst, hat überlebt.
Ja man hat sogar den Eindruck, dass sich junge, dynamische Bratwurstbudenbesitzer mit kreativen Konzepten ihren ehemaligen Platz in der Wirtschaftsszene wieder zurück erobert haben.
Selbst in den so teuren Innenstädten etablieren sich wieder Buden, an denen man in illustrer Gesellschaft seine Bratwurst essen kann um somit Abwechslung in den Fast Food- Alltag zu bringen.

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princedenmark

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Oh wow, ziemlich viele Beiträge hier, vielen Dank dafür, sieht alles echt lecker aus.
Der Däne an sich neigt ja zur Hygge (so denkt zumindest der Deutsche über den Dänen...) und ist der glücklichste Bürger überhaupt. Dem ist nicht so, ich habe die Woche nicht mal die Zeit gehabt, den Kochfaden im Uhrforum zu lesen, bei mir in der Kita brennt die Hütte mehr als bei mir die Pfannen. So liegen geplante Beiträge auf Eis, Kommentare zu Beiträgen sind nur im Kopf, aber nicht im Faden.

Schade ist das und trotzdem blieb heute die Küche nicht ganz kalt, aber in Notzeiten greife ich gerne auf einfache aber schmackhafte Dinge zurück:

Im Ursprung habe ich das glaube ich mit jungen Jahren von Siebeck aus einem in der Zeit veröffentlichen Rezept, über die Jahre ist da, wie so oft, was ganz eigenes draus entstanden.

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Lammhack anbraten, Zucchini, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Mozzarella salzen (und wenn die Menge genügend erscheint, nochmal nachlegen!) und pfeffern, mit viel Olivenöl übergießen und simpel im Ofen abschieben.

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Der Schlonz muss natürlich mit Baguette oder anderem geeigneten Trägermaterial aufgenommen werden. Keine Grande Cuisine aber die muss es ja nicht immer sein.

Da noch Reste da waren gab es auch überbackene Aubergine mit Tomaten, Tapenade, Basilikum, Tahine und geröstetem Sesam. Meiner Frau hat das sehr gut geschmeckt, ich war nicht ganz überzeugt, also hat sie darauf bestanden, Fotos für den "Spielplatz", wie sie es nennt, zu machen.

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Der Rest erinnert doch sehr an das letzte Jahr, wir teilen uns die Betreuung des Kindes neben der Arbeit auf, ich möchte es nicht missen. Genauso wie den Cappuchino vor dem Einkauf auf dem Wochenmarkt.

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Allen Hobbyköchen einen schönen und besinnlichen Start in den Advent!
 
Christian. R

Christian. R

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aber in Notzeiten greife ich gerne auf einfache aber schmackhafte Dinge zurück:
das eint Dänen und Friesen in gewisser Weise.


Ja verd...., es war immer noch Kürbis da!!!

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Die endgültige Aufarbeitung des anscheinend unendlichen Themas erfolgte jetzt als... :hmm:

"Risotto la Montanara"*

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Natürlich darf auch hier die, ebenfalls noch vorhandene Chorizo, nicht fehlen.

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Und, da Berge ja auch leicht etwas mit Vulkanismus zu tun haben können, kam einfach noch etwas Paperonata auf die Teller

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*"Risotto la Montanara"

Dazu muss man wissen, dass die höchste Erhebung des ostfriesischen Festlandes, der immerhin 19 Meter hohe Kugelberg nahe der Gemeinde Uplengen, für manchen hier bereits das Alpenvorland ankündigt. ;)

Nein im Ernst.
Der Bergriff "Montanara" ist natürlich scherzhaft gemeint.
Klingt aber gut, oder??

Nicht ratlos werden, wenn man etwas nicht, oder wie im Fall des Kürbissen, zu viel hat.
"Was kochen wir heute??"
Diese Frage sollte nicht nur an die eigene Fantasie gerichtet sein, sondern auch einen ökonomischen Hintergrund haben.
Die wertvollsten Lebensmittel sind die, die am Ende auch ihrem ursprünklichen Zwecke dienten: Aufgegessene Lebensmittel zu sein.
Allein dieser Gedanke ist schon ein guter Grund, sich mit dem Kochen auseinander zu setzen.

Na ja.

Ich wünsche Euch allen einen friedfertigen und leckeren 1. Adventssonntag

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princedenmark

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Dein Stollen sieht super aus, auch das Rezept ohne Hefe weckt großes Interesse. Bei uns hat der Großvater früher die gesamte Weihnachtsbäckerei übernommen mit Schmalznüssen und allem drum und dran. Leider hatte sich keiner die Mühe gemacht die Rezept zu sichern bevor er starb. Ob Du wohl auch ein Foto vom Innenleben des Stollens einstellen kannst? Oder frage ich da schon zu spät nach?
 
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