Genauigkeit von mechanischen Uhren

Diskutiere Genauigkeit von mechanischen Uhren im Uhrencafé Forum im Bereich Uhrencafé; Hallo zusammen, nun auch von mir 'mal ein paar Fragen. Ich hatte nun meine erste mechanische Uhr (J.Springs) über die Feiertage täglich...
#1
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Bernhard

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Hallo zusammen,

nun auch von mir 'mal ein paar Fragen.

Ich hatte nun meine erste mechanische Uhr (J.Springs) über die Feiertage täglich getragen. Die durchschnittliche Gangabweichung war dabei ziemlich genau +16 Sekunden pro Tag.

Für eine Uhr dieser Preisklasse ist das sicher in Ordnung und für die Freizeit auch, aber im Berufsleben wäre eine derartige Abweichung für mich nicht brauchbar. Da müsste ich entweder die Uhr spätestens jeden zweiten Tag stellen oder bei jedem Blick auf die Uhr anfangen zu rechnen ("also, wenn ich sie am 23.12. um 09:00 Uhr so eigestellt habe, dass sie 23 Sekunden nach ging und sie am 07.01. 17:18:22 anzeigt, wieviel Uhr ist es dann tatsächlich?"). Die Uhr würde mir damit nicht das Leben erleichtern -- wozu ich sie ja kaufe --, sondern es im Gegenteil komplizierter machen. Nicht mein Ding.
Theoretisch müsste man die Uhr ja nun einfach nur so regulieren, dass sie pro Tag 16 Sekunden langsamer läuft, und alles wäre in Ordnung. Dass sie dann heute mal ein paar Sekunden vorgeht und morgen ein paar Sekunden nach, wäre mir ziemlich egal; so pünktlich fangen auch bei uns die Meetings nicht an. Hauptsache, ich könnte mich darauf verlassen, dass sie über einen längeren Zeitraum (sagen wir mal, drei Monate) nie mehr als, sagen wir mal, 15 Sekunden in die eine oder andere Richtung abweicht. Da würde mir, nebenbei bemerkt, auch ein "offiziell zertifizierter Chronometer" nicht weiterhelfen, denn auch diese Zertifikate beziehen sich ja immer nur auf einen Tag, nicht aber auf die Gangabweichung über einen längeren Zeitraum.

Jetzt die Fragen:
- Wenn die Theorie mit der Praxis identisch wäre, wäre das Thema "Ganggenauigkeit von mechanischen Uhren" ja keins. Wo also weicht sie ab? Ist es schlicht nicht oder nur mit sehr viel Aufwand und Glück möglich, eine Uhr so genau einzustellen (also z.B. exakt 16 Sekunden langsamer zu machen)?
- Gibt es Uhren, die man regulieren kann, ohne sie zu öffnen? Z.B. über die Krone - je Umdrehung 1 Sekunde pro Tag schneller bzw. langsamer?
- Ich könnte mir auch einen Mechanismus vorstellen, der die Uhr generell leicht vorgehen lässt und dann immer zu einer bestimmten Zeit eine definierte Anzahl von "Ticks" wartet. Im Prinzip also so wie früher die Bahnhofsuhren. Gibt es so etwas?
- Angenommen, ich möchte eine mechanische Uhr kaufen, die die oben erwähnten Anforderungen garantiert erfüllt (in einem Zeitraum von drei Monaten nie eine grössere Abweichung als +/- 15 Sekunden von der tatsächlichen Zeit). Ist das überhaupt realistisch oder kann man das gleich vergessen? Wie wäre das Vorgehen? Was wären Kandidaten?

Ich freue mich auf interessane Informationen...

Gruss
Bernhard.

P.S.: Meine Quarzuhr schafft es nicht einmal zwischen zwei Batteriewechseln, 16 Sekunden vorzugehen. Und das liegt nicht daran, dass ich die Batterie so häufig wechseln muss... Und ja, mir ist klar, dass ich hier Äpfel mit Birnen vergleiche...
 
#2
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MikeB

Guest
Eine Uhr weicht immer ab, das liegt in der Natur der Sache, auch eine Atomuhr hat Fehler.
Bei einer rein mechanischen Uhr kommt es auf sehr viele Faktoren an, auch was du damit machst und wie du sie trägst: trägst du sie den ganzen Tag und legst sie in der Nacht ab, trägst du sie nur am Wochenende, oder nur in der Freizeit, im Sommer geht sie normalerweise etwas langsamer als im Winter usw..

Die Chronometerprüfung schreibt in 5 verschiedenen Lagen bei verschiedenen Temperaturen eine Ganggenauigkeit von -4/+6 Sekunden am Tage vor. (Ich weiß, es gehört noch ein wenig mehr dazu, aber ich habe keine Lust einen Roman zu schreiben, steinigt mich nicht)
Ich habe z.B. eine Uhr die in 2 Wochen, wenn ich sie ganztägig trage, keine messbare Gangabweichung hat, aber wenn ich sie nicht trage (=ganztags, 24 Stunden, ich schlafe auch mit Uhr und dass seit etwa 40 Jahren) läuft sie 2 Sekunden zu schnell innerhalb 24 Stunden.
Du siehst, deine Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. An Quarzwerte wirst du nie kommen, und viele lügen sich in Punkte Ganggenauigkeit in die eigene Tasche.

Mal eine dumme Frage, warum brauchst du eine solch genaue Uhr. Ich stelle ein mal in der Woche und vergleiche den Gang täglich mit dem Funkwecker, dann weiß ich um wieviel sie heute vorgeht. Ist doch eine saubere Sache.

Kleine Anmerkung, auch ein Funkwecker hat Gangabweichung, er stellt sich normalerweiße 1 mal innerhalb 24 Stunden nach dem Funksignal. Hast du mehrere zur Hand läst sich durchaus ungenauigkeit feststellen.
 
#4
eastwest

eastwest

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Bedenkenswert dabei auch die Hinweise zum Nachts-Tragen! :twisted:

eastwest
 
#6
B

Bernhard

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Ja, schon klar, dass äussere Einflüsse sich auf die Gangabweichung auswirken. Deshalb wäre es für mich ja auch in Ordnung, wenn die Uhr mal ein paar Sekunden vor oder nach geht, so lange sie im Mittel und bei ungefähr gleichbleibender Nutzungsweise genau bleibt.

Anders als in dem von jjb verlinkten Artikel beschrieben hatte ich übrigens den Eindruck, dass meine J.Springs bei heftiger Schüttelei (z.B. 1 Stunde Joggen) nicht langsamer, sondern schneller als sonst ging. War aber natürlich kein wissenschaftlich exakter Versuch.

Zum Thema "nachts tragen": Ich gehe davon aus, dass eine Stunde Sport meine Uhr in jeder Hinsicht stärker beansprucht als eine Nacht im Bett. Daher habe ich sie immer schon nachts getragen, ohne mir darüber Gedanken zu machen. Und natürlich habe ich ein Stahlband, da das dauerhaft wasser- und reissfeste Lederband noch nicht erfunden ist...

@MikeB: Ich muss so viel Zeug im Kopf haben, da möchte ich mich eben nicht damit belasten müssen, mir nun jeden Tag aufs Neue auch noch merken zu müssen, wie falsch meine Uhr heute geht. Es wäre jetzt interessant zu wissen, wie Du zu Deiner genauen Uhr gekommen bist. Reine Glückssache? Oder Methode? Eine Uhr, die in zwei Wochen keine Abweichung zeigt, würde meine Anforderung (maximal +/- 15 Sekunden über mindestens 3 Monate hinweg) ja leicht erfüllen.

Gruss
Bernhard
 
#7
M

MikeB

Guest
Ja, es war reine Glückssache, ist eine Guinand von Herrn Sinn. Ich habe selbst mit dem Uhrmacher darüber gesprochen und er sagte es ist einfach Glücksache gewesen. Die Regulierung passt halt zu meinem Trageverhalten. Man kann grundsätzlich eine Uhr, entsprechende Qualität vorausgestzt, so einregulieren, ist halt Geduld notwendig.
Allerdings, wenn ich das Trageverhalten ändere, z.B. im Frühling wieder Motorrad fahre, dann kann es zu Gangveränderungen kommen. Das muss man halt einfach austesten.
Für dich wäre vielleicht eine Quarzuhr dann die bessere Wahl.
 
#8
SINNlich

SINNlich

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Zitat: "Ich muss so viel Zeug im Kopf haben, da möchte ich mich eben nicht damit belasten müssen, mir nun jeden Tag aufs Neue auch noch merken zu müssen, wie falsch meine Uhr heute geht."

Lieber Bernhard, Du scheinst ein vielbeschäftigter und sehr aktiver Mensch zu sein. Die Hälfte von Deinem Engagement in diesen Thread würde aber reichen, um die Gangabweichungen Deiner in der Toleranz laufenden Uhr manuell kompensieren zu können. Lass die Uhr reglieren und Du bist auf der sicheren Seite. Aber ich garantiere Dir, dass sie die Zeit auf Dauer bei der Belastung nicht hält. Sie wird also ohnehin langsamer. Bei starken Erschütterungen wird sie auch mal flotter. Meine neue China-Werk-Uhr legte innerhalb von zwei Wochen gute 30 Sekunden zu! Sie hat jetzt gut eine Minute Vorlauf am Tag.
Ich rate Dir in Sport und Alltag zu einer Quartzuhr. Und wenn Du mal einen Augenblick der Muße hast, dann leg Dir eine mechanische Uhr um.
Ich wage mal zu behaupten, dass jeder der Spezis hier mit Uhren von unschlagbaren Gangwerten seine Schätze nicht jeden Tag über Jahre trägt und sie sehr liebevoll behandelt. Abgesehen davon: Mit der Routine wächst die Toleranz.

Grüße

Axel
 
#9
SINNlich

SINNlich

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@ MikeB

Ich trage eine Sinn 144 GMT auch beim Motorradfahren. Nach der Revision lief sie + 3 Sekunden. Nach intensivem Fahren hat sie jetzt 40 Sekunden Vorlauf. Kein Wunder bei Erschütterungen, Regen, Sturm und Hitze. Mein Uhrmacher empfiehlt, beim Biken auf das Tragen mechanischer Uhren zu verzichten.

Die Bikerhand zum Gruß

Axel
 
#10
eastwest

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SINNlich hat gesagt.:
Meine neue China-Werk-Uhr legte innerhalb von zwei Wochen gute 30 Sekunden zu! Sie hat jetzt gut eine Minute Vorlauf am Tag.
Also DIE würde ich nicht als Maßstab nehmen.

SINNlich hat gesagt.:
Mein Uhrmacher empfiehlt, beim Biken auf das Tragen mechanischer Uhren zu verzichten.
Da empfehle ich lieber, ne Extrauhr anzuschaffen. Ich habe zB. meinen Tchibo-Chinaticker fürs Skifahren, und beim Freiluftfahren auf zwei Rädern nehme ich immer meine Seiko 007 am Kautschukband (Promaster täte es auch). Wenn die wirklich mal leidet, gibt es eben ne neue.

eastwest
 
#11
J

jazzcrab

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Ich möchte Axel Recht geben. Bei Deinem Anforderungsprofil wärest du mit einer Quarzuhr erheblich besser bedient. Das darf ich hier sagen als jemand, der genau aus diesem Grund ca. 50 Quarzuhren und nur eine Automatikuhr besitzt (die letztere "for fun" und weil ich diese spezielle Uhr geil finde). So wirst Du kaum einen Chemiker finden, der eine Automatikuhr trägt - auch weil die Geräte der modernen Spektroskopie oft starke Magentfelder erzeugen; aus demselben Grund trage ich auch meistens Quarzuhren und die Automatikuhr nur dann, wenn ich weiß, dass ich an dem Tag nicht in die Nähe solcher Geräte gelange.
 
#13
S

sven

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Nö, egtl nicht. Jedenfalls hat es meinen bisher 40€ Quarzern nix ausgemacht, wenn ich nen Tag an Generatoren, Spulen und eMotoren rumgeschraubt hab.. Diesel mögen sie nicht wirklich... :roll:
 
#14
astoria

astoria

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hmm, naja, ich dachte wegen den elektrischen impulsen in den quarzuhren! da sind elektromagnetische felder vielleicht nicht so der hit, besonders wenn sich das ganze dann vielleicht sogar induziert!

und bei mechanischen uhren hat man eben gute alte zahnräder!
 
#15
eastwest

eastwest

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astoria hat gesagt.:
und bei mechanischen uhren hat man eben gute alte zahnräder!
Aber ganz, ganz kleine, und dazu noch kleine Federchen und und und. Und nur, wenn alles ganz genau geht, stimmt die Ganggenauigkeit. So, und jetzt magnetisierst Du Deine gut einregulierte Uhr .........

eastwest
 
#17
B

Bernhard

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@SINNlich:
Du scheinst ein vielbeschäftigter und sehr aktiver Mensch zu sein.
Ja, da hast Du nicht so ganz unrecht...

Die Hälfte von Deinem Engagement in diesen Thread würde aber reichen, um die Gangabweichungen Deiner in der Toleranz laufenden Uhr manuell kompensieren zu können.
Genau. Deswegen auch meine Frage, ob es mechanische Uhren gibt, die man regulieren kann, ohne sie zu öffnen.

Generell scheint es aber ja eher danach auszusehen, dass ich bei Quarz bleiben sollte...

Gruss
Bernhard
 
#18
eastwest

eastwest

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Bernhard hat gesagt.:
Generell scheint es aber ja eher danach auszusehen, dass ich bei Quarz bleiben sollte...
Die Mischung macht's. :wink:

eastwest, Mechanik- und Quarz-Uhrträger
 
#19
J

jazzcrab

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Man kann es vielleicht so formulieren: Automatik-Uhren haben einen gewissen Charme. Man kann Ihnen meist sozusagen bei der Arbeit zugucken (ist sowieso die Lieblingsbeschäftigung vieler Leute inklusive meiner eigenen Person ;-) ), aber einen wirklichen (anderen) Grund für die Bevorzugung von Atuomatikuhren gibt es m. E. nicht. Ich persönlich bin mit meinen Quarzuhren immer (mit einer Ausnahme) gut gefahren, selbst wenn die Uhren billig waren (ich habe allerdings auch Quarzuhren, die >1000 EUR gekostet haben).
 
#20
SINNlich

SINNlich

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@eastwest

Also, ein Forumsmitglied hat zwei dieser China-Ticker und die laufen 10 bzw. 13 Sekunden vor. Ungenauigkeiten durch Erschütterungen und Magnetfelder kommen auch bei Schweizer-Uhren vor. Zur Entmagnetisierung von mechanischen Uhren - und niemals für Quartzer bitteschön - habe ich eine Entmagnetisierungsdrossel (bin ein alter HiFinist). Aber da muss man schon wie jazzcrab an Geräten mit starkem Magnetfeld arbeiten, um Gangabweichungen zu provozieren. Grundsätzlich macht meine Sinn alles mit. Aber beim Motorradfahren werde ich in Zukunft lieber Quartz-Modelle tragen.

Grüße

Axel
 
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