Genauigkeit/Einstellung von Jahresuhren

Diskutiere Genauigkeit/Einstellung von Jahresuhren im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; Moin, ich weiß nicht ob es dieses Thema hier schon einmal gab, die "Suche" hat jedenfalls nichts Eindeutiges ergeben :-( Ich habe in den...
collector

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Moin,

ich weiß nicht ob es dieses Thema hier schon einmal gab,
die "Suche" hat jedenfalls nichts Eindeutiges ergeben :-(

Ich habe in den letzten Wochen so ein "Schätzchen" von Kundo wieder zum Leben erweckt.
Das Übliche: Das Werk sah aus als hätte es in Frittenfett gebadet, völlig verölt und die Pendelfeder war
verdrillt und geknickt ohne Ende.

Also alles schön gereinigt, Pendelfeder besorgt (0,058 Horolovar), gefummelt, gemessen, geflucht, justiert...
und dann lief das gute Stück wieder.
Zuerst mit einer Abweichung von ca. 15 Min./Tag zu langsam aber nach und nach und diversen Versuchen
liege ich jetzt bei ca. 15 Sek. "-" pro Woche oder IMO so um die 2-3 Pendeldrehungen/Woche zu wenig.

Meine Fragen dazu:

- Welche Genaugkeit wäre/ist "normal" für die Art von Uhren?
Auf einer anderen Jahresuhr von mir sind "Strichmarkierungen" in ca. 20° Unterteilung auf dem "Stellrad" vom Pendel.
- Was bedeuten diese? -> Ein Strich = +/- 1 Minute pro Woche, Monat... (pro Tag scheidet aus, pro Woche m.E. auch)?

Zum Justieren des Pendels allgemein:

Ich mache es immer so, dass ich, wenn ich einstelle, die Uhr etwa 2 Stunden danach laufen lasse bevor ich die Zeit einstelle
damit es wieder "normal" läuft und dann, bei dieser Feinjustage nach 1 Woche schaue wie die Genaugkeit ist.
Richtig so, oder wie macht Ihr Fachleute das?

Greetz
collector
 
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Nebu

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Hallo collector und willkommen im Forum (bist ja noch "recht neu"),

bei Torsionspendeluhren verweisen wir/ich gerne auf den Stromer der hat sich das Thema auf seine Stirn geschrieben.

und wenn wir alle zusammen ganz laut rufen, wird er auch bald hier sein...


Grüße, Nebu
 
collector

collector

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Danke Nebu,

von Stromer hatte ich auch schon viel gelesen...

Egtl. wollte ich mich hier auch wesentlich mehr beteiligen als ich das bisher geschafft habe :oops:
...aber die Zeit..es gibt so Phasen da bräuchte der Tag 48 Stunden *grml*
 
Der Stromer

Der Stromer

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Moin,

ich weiß nicht ob es dieses Thema hier schon einmal gab,
die "Suche" hat jedenfalls nichts Eindeutiges ergeben :-(

Ich habe in den letzten Wochen so ein "Schätzchen" von Kundo wieder zum Leben erweckt.
Das Übliche: Das Werk sah aus als hätte es in Frittenfett gebadet, völlig verölt und die Pendelfeder war
verdrillt und geknickt ohne Ende.

Also alles schön gereinigt, Pendelfeder besorgt (0,058 Horolovar), gefummelt, gemessen, geflucht, justiert...
und dann lief das gute Stück wieder.
Zuerst mit einer Abweichung von ca. 15 Min./Tag zu langsam aber nach und nach und diversen Versuchen
liege ich jetzt bei ca. 15 Sek. "-" pro Woche oder IMO so um die 2-3 Pendeldrehungen/Woche zu wenig.

Meine Fragen dazu:

- Welche Genaugkeit wäre/ist "normal" für die Art von Uhren?
Auf einer anderen Jahresuhr von mir sind "Strichmarkierungen" in ca. 20° Unterteilung auf dem "Stellrad" vom Pendel.
- Was bedeuten diese? -> Ein Strich = +/- 1 Minute pro Woche, Monat... (pro Tag scheidet aus, pro Woche m.E. auch)?

Zum Justieren des Pendels allgemein:

Ich mache es immer so, dass ich, wenn ich einstelle, die Uhr etwa 2 Stunden danach laufen lasse bevor ich die Zeit einstelle
damit es wieder "normal" läuft und dann, bei dieser Feinjustage nach 1 Woche schaue wie die Genaugkeit ist.
Richtig so, oder wie macht Ihr Fachleute das?

Greetz
collector
:-P Hallo hier im Forum und Grüß Gott aus Oberbayern8-)

Tja, Jahresuhren. Da brauchst halt a weng Geduld, gelle? :D
Nein, ohne Scherz: Fangen wir mal an.
Das Drehpendel braucht, je nach der Auslenkung, mehr oder weniger Zeit, bis es "seinen" Gang wiedergefunden hat. Das ist aber nur kritisch, wenn der Eingriff noch nicht stimmt (die Uhr pendelt aus). Sonst spielt es keine große Rolle.
Vorgehen: Drehpendel auf mittleren Durchmesser einstellen, dann das Drehpendel Anwerfen - max 3/4 Umdrehung in eine Richtung und dann mit der Stoppuhr zählen, wieviele Halbdrehungen das Pendel in der Minute (ich zähle immer über 2 Minuten) macht. Gängige Werte sind 8, 10 und 16 pro Minute. Kommt da beim Ablesen ein krummer Wert raus (1.06 = zu langsam, 0,58 = zu schnell), mit der Rändelschraube des Drehpendel Nachstellen.

Wenn man die Anzahl der Halbdrehungen nicht weiß, hilft folgendes: Werk LEICHT aufziehen, Minutenzeiger auf Voll stellen, mit dem Finger den Ankerstift so oft hin- und her bewegen, bis der Minutenzeiger 5 Minuten weiter ist. Die Anzahl der Bewegungen durch 5 Dividieren und Du hast den "Beat", eben 8, 10 oder 16 (8 meist bei großen Uhren, 10 bei Medium und 16 bei Midget - als Anhaltspunkt).

So.
Wenn Du jetzt also z.B. bei Deiner KUNDO 10 gezählt hast und die Stoppuhr genau 1,00 zeigt, "sollte" die Uhr genau gehen. Ist sie trotzdem zu schnell, liegt "Galoppieren" vor, der Anker springt um 1 oder auch 2 Zähne über das Ankerrad, Eingriff ist zu gering:???:. Oder das Ankerrad läuft nicht rund:shock:
Ist das Drehpendel zu schnell, trotz größtem Umfang, ist die Pendelfeder falsch.
Eine Justage durch die Rändelschraube am Pendel bringt max. +- 4 Minuten pro Stunde von ganz groß bis ganz klein. Wenn Markierungen auf dieser Rändelschraube sind, so sagt jeder Teilstrich ca. 4 SEKUNDEN in 24 Stunden aus. Das sind ca. - Werte, keine festen Angaben. Teilweise sind ja an den Jahresuhren auch falsche Drehpendel montiert und schon stimmen diese Werte nicht mehr:shock: Kommt übrigens sehr häufig vor.

Feststellen der Genauigkeit: Gangwert z.B. genau um 20:00 Uhr notieren. Am nächsten Tag wieder um 20:00 Uhr ablesen. +1 Minute heist dann ca. 15 Teilstriche im Uhrzeigersinn. Aber bitte: keine Gewähr:shock:

Übrigens: Ein Kürzen der Pendelfeder, um die Uhr schneller zu machen, bringt fast garnichts. 6,5mm kürzer sind ca. 4 Sekunden in 24 Stunden und sieht mit Verlaub besch.... aus:???: und hat noch den Effekt, dass die Feststelleinrichtung (Transportsicherung) vollkommen unwirksam wird.

:shock: Übrigens, zu meiner ersten Bemerkung zur Geduld: Ich habe gerade eine HERMLE 921-001 auf dem Tisch, bei der ich wohl zum xten mal den Anker ausgebaut habe, weil mein "Vorbastler" gemeint hat, da könne man (er) ja mal dran schrauben...... Verstellbare Ankerpaletten sind der Horror:???: Wenn da jemand dran geschraubt hat. Aber jetzt läuft sie:super:

So und jetzt geht die Diskussion gleich wieder los:D:D:D:
Die Rändelschraube IM UHRZEIGERSINN (rechts) und die Uhr läuft langsamer. Entgegen dem Uhrzeigersinn (links) = schneller :D:D Das zum links und recht Drehen:D:D:D

Genauigkeit von Jahresuhren im Allgemeinen: Sehr genau. Abweichungen von +-1 Minute im Monat sind ohne weiteres zu erreichen. Festen Stand und keine zu starken Temperaturschwankungen vorausgesetzt. Das Toppt m.E. jede normale Pendeluhr. Nur kann / wird sich dieser Fehler dann über 12 Monate summieren (normale mechanische Uhren werden in 8 tagen ober max. 31 Tagen aufgezogen und dann stellt der Aufzieher auch automatisch die Uhrzeit nach).

--- Nachträglich hinzugefügt ---

:shock: Ich habs gehört. Bitte das nächste Mal etwas leiser.:D
 
collector

collector

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Danke für Deine viiiiieeeelen Info’s Stromer :-)

Einiges hatte ich in den letzten Jahren, bevor ich auf Euer Forum gestoßen bin, zum Teil im höchst frustrierenden „learning bei doing“ Versuchen, selbst herausgefunden.

Hier einige meiner „Erfahrungen“ welche ich in Bezug auf Pendelfedern gemacht habe (ohne Anspruch auf Allgemeingültig-/Richtigkeit ;-)):
- ein Kürzen der Pendelfeder bringt nur minimal etwas, also volle Zustimmung.
- Öl ist eine feine Sache solange niemand damit den Anker oder Mitnehmer „ertränkt“.
- geringe Verdrillungen oder kleine „Macken“ der Pendelfeder zwischen Mitnehmer und Pendel werden meist toleriert und lassen sich ausregulieren.
- geringste Verformungen der Pendelfeder zwischen oberer Befestigung und Mitnehmer sind tödlich, da läuft nichts mehr.
- darauf achten, dass sich der Mitnehmer zur Feder im genauen 90° Winkel befindet.
- der Abstand zwischen oberer Befestigung und Mitnehmer ist wichtig, geringe Abweichungen von +/- 1mm lassen sich aber regulieren.
- die Höhe des Mitnehmers wo dieser eingreift liegt i.d.R. bei 75% der Länge des Ankerstifts (vom Anker aus gesehen).

Sry schon einmal dafür falls ich nicht die richtigen Begriffe für die Teile benutze, bin halt Laie.:oops:

Das was Du bzgl. der Verstellung der Rändelschraube schreibst stimmt.

Ich ertappe mich auch ab und zu dabei, dass ich in die falsche Richtung drehe wenn’s mal schnell gehen soll. Liegt wohl an unserer „Denke“, dass wir immer „rechtsrum“ mit „auf“, „schneller“ etc. interpretieren.
Wenn +/- auf der Schraube steht ist ja alles „easy“, eigentlich, bei „A“ und „R“ wird es schon komplizierter, wer merkt sich schon „Avancé / Retardé“ es sei denn, man denkt bei „A“ an „arriba“ -> Speedy Gonzalez -> also die „Rennmaus“-> schnell.

Faszinierende Eselsbrücke gelle :D :D

Wie geschrieben, die Grobjustierung war durch und ich „friemele“ gerade „sportlich“.
Mit meinen ca. 15Sek./Woche liege ich ja dann, wenn ich das richtig sehe, im „grünen Bereich“, mal schauen ob noch mehr geht.:hmm:
Zum Justieren stelle ich übrigens die Uhren immer auf den Kamin bei mir (natürlich nur wenn der nicht im Betrieb ist :lol:), ruhiger und standfester geht es egtl. nicht und man kommt überall hervorragend ran.

Eine andere Jahresuhr (die mit dem Pendel im Avatar) läuft seit einem halben Jahr mit einer Abweichung von knapp 1 Minute in 2 Monaten, was dann ja wohl ein 1A Wert seien müsste *freu*.
(Die fasse ich aber bis zum nächsten Aufziehen auch nicht mehr an, auch wenn sich der Staub auf dem Dom sammelt :D).

Nochmals Danke „Stromer“ und, sooooo laut waren wir doch gar nicht:-D.

Greetz
collector
 

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