Galvanik Roamer Rockshell Mark I (vergoldet und gebraucht) neu verchromen

Diskutiere Galvanik Roamer Rockshell Mark I (vergoldet und gebraucht) neu verchromen im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Hi, ein neues Galvanik Projekt ist fertig geworden. Eine sehr gebrauchte Roamer Rockshell Mark I ist das Objekt zur Bearbeitung. Bild vorher...

ticker45

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Hi, ein neues Galvanik Projekt ist fertig geworden.
Eine sehr gebrauchte Roamer Rockshell Mark I ist das Objekt zur Bearbeitung.
Bild vorher:
Roamer-Mark-I-Vorher01.jpg


Das Uhrwerk ist ein Roamer 471, welche mir der Uhrmacher gereinigt und justiert hat, macht einen guten Eindruck.
Dieses Uhrwerk MST 471 wurde von 1969 - 1973 gebaut. 21600 Schwingungen mit einer Gangreserve von 43 Std.
Ein entkoppelter Handaufzug ist auch vorhanden. Ich finde eine gute Maschine :-).

Das Gehäuse und das Metallarmband sind sehr gebraucht und in Tombak (Eine Art Messing) gefertigt.
Danach wurde das Gehäuse und Armband vergoldet. Da sie gute Dienste leistet, wurde sie sehr geliebt :-).

Für mich ein gutes Opfer meine Poliertechnik und Galvanik auf die Probe zu stellen.
Statt einer neuen Vergoldung wird einen Verchromung aufgebracht.

Mein Ziel ist es nicht die Uhr wie neu aussehen zu lassen, sondern sie wieder tragbar zu machen.

Roamer-Mark-I-Vorher02.jpg


Solche Gebrauchspuren können nicht wieder hergestellt werden.

Als erstes kommt die Polierung:
Gehäuse: 240,350,450,600,800,1000,1500,2000,3000 Körnung, Politurpaste: Rot,Grün,Blau,Orange.
Armband: Bandschleifmaschine 240 Körnung grob vorschleifen. Bis auf 1000 Körnung manuell nachschleifen.
Polierbock grobe Baumwollscheibe, Polierpaste weiß Universal. Danach Microfaser Scheibe trocken für Hochglanz

Ergebnis:

Roamer-Mark-I-poliert01.jpg


Siehe eigentlich wie neu vergoldet aus, aber Tombak verfärbt sich sehr schnell braun, wegen dem hohen Kupfer Anteil.
Alte Beschichtung war, Vergoldung auf Nickelschicht.

Im nächsten Schritt habe ich das Gehäuse mit Palladium beschichtet. Das dient als Sperrschicht und ist einen gute Grundlage für Chrom.
Weiter Vorteil ist, das Chrom III nicht so gelb abscheidet. Die Gefahr bei Tombak ist immer, das es durch die Galvanische Schicht durch diffundiert.
Damit ist die Gefahr das hinter her ein Gelbschimmer beibt.
Palladium Schichtdicke ca 10 Mikrometer.

Roamer-Mark-I-nachher02.jpg


Um die Kosten in Grenzen zu halten und das sehr gebrauchte Armband in tragbaren Zustand zu versetzen,
habe ich mich für die gleiche Grundlage und Sperrschicht (Nickel) eintschieden.
Das Armband und die Schließe wurden zweimal mit Glanznickel dick beschichtet.

Jetzt konnte ich alle Teile neu verschromen.
Chrom III (ungiftig und für privat Gebrauch).
Für eine helle Abscheidung habe ich 10% Salzsäure (10%tige) zugemischt.
Das Elektrolyte auf 60 Grad erwärmt.
Die Abscheidung war sehr hoch, das ich mit der Spannung auf 1,4 - 1,8 Volt runter gehen musste.
Erst nach einer gwisssen Schichtdicke konnte ich auf 1,8 Volt hoch gehen.


Das Gehäuse habe ich mit ca 10 Mikrometer Chrom III beschichtet.
Bei Armband zeigt sich, das die Kombination Tombak und Nickel, immer einen Gelbschimmer ergibt.
Aber eine Beschichtung mit Palldium lohnt sich bei dem Armband nicht.
Somit hat auch die Chromschicht am Armband einen leichten Gelbschimmer behalten.

Hier das Endergebnis des Projekts. Ich finde das wieder eine gut tragbare Roamer Mark I entstanden ist.
Bin auch euere Kommentare gespannt. Für Roamer Liebhaber sicher ein Frevel :-).

Roamer-Mark-I-Chrom.jpg


Roamer-Mark-I-nachher01.jpg
 
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CFG

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Interessant, vielen Dank und schön, dass so Uhren wieder besser tragbar werden.
 

Harpye

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Du gehoerst zu den Harten, oder? Chrom machen hier nicht mehr viele die ich kenn weil die Nebenwirkungen bzw die Sicherheitsvorgaben so hoch sind..
 

Fridspeed

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Wenn man die Möglichkeit hat zu verchromen, ist das einfach genial. So wird doch aus einer Uhr, die man wegen ihrer Optik nicht tragen möchte, wieder eine Uhr, die man gerne trägt.
Ich habe selber galvanische Versuche zum vergolden und versilbern angestellt. Es ist sehr viel Arbeit. Besonders die aufwendige Vorarbeit muss sorgfältig ausgeführt werden. Die Ergebnisse waren hin und wieder optisch nicht schlecht und für die Vitrine gut aber nicht zum Tragen. Die Schicht wird im Handbetrieb zu dünn. Ich lasse Gehäuse professionell bearbeiten. Dies ist nicht gerade günstig, erspart aber die sehr mühevolle Vorarbeit und hält nachher auch beim täglichen Gebrauch. Immerhin bringst du mich auf die Idee, die eine oder andere Uhr mit Vergoldung einschließlich Band, die nicht mehr gut erhalten ist, wieder aufarbeiten zu lassen. Diese Uhren verkümmern bei mir bisher als Ersatzteilspender.
 

ticker45

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Du gehoerst zu den Harten, oder? Chrom machen hier nicht mehr viele die ich kenn weil die Nebenwirkungen bzw die Sicherheitsvorgaben so hoch sind..
Hi Harpye, Chrom 3 ist nicht Chrom 6. Ich nutze Chrom 3, was Umwelt-technisch unbedenklich ist. Das muss man hier schon unterscheiden. Früher habe ich die Gehäuse ebenfalls verchromen lassen, dort wurde Chrom 6 eingesetzt. Es scheidet wesentlich heller ab. Chrom 3 ist auch in der Indutrie gerade im kommen, da Chrom 6 irgend wann verboten werden wird. Die Kunst ist es eine etwa genau so helle Abscheidung hin zu bekommen. Vor 1 Jahr wurden meine Versuche auch sehr Gelb. Jetzt habe ich die optimale Verarbeitung für die Tampon Gakvanik gefunden. Optimale ist der Schichtaubau, mit einer Sperrschicht in Palladium als Grundlage für Chrom 3. Chrom 3 ist halt sehr empfindlich gegen Verunreinigungen. Das heißt sauber arbeiten. Je besser die Grundlage desto besser die Chromdekoschicht.
Übrigens Chrom 3 nehmen wir mit der Nahrung auf. Gruss Andreas
 

ticker45

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Wenn man die Möglichkeit hat zu verchromen, ist das einfach genial. So wird doch aus einer Uhr, die man wegen ihrer Optik nicht tragen möchte, wieder eine Uhr, die man gerne trägt.
Ich habe selber galvanische Versuche zum vergolden und versilbern angestellt. Es ist sehr viel Arbeit. Besonders die aufwendige Vorarbeit muss sorgfältig ausgeführt werden. Die Ergebnisse waren hin und wieder optisch nicht schlecht und für die Vitrine gut aber nicht zum Tragen. Die Schicht wird im Handbetrieb zu dünn. Ich lasse Gehäuse professionell bearbeiten. Dies ist nicht gerade günstig, erspart aber die sehr mühevolle Vorarbeit und hält nachher auch beim täglichen Gebrauch. Immerhin bringst du mich auf die Idee, die eine oder andere Uhr mit Vergoldung einschließlich Band, die nicht mehr gut erhalten ist, wieder aufarbeiten zu lassen. Diese Uhren verkümmern bei mir bisher als Ersatzteilspender.
Welche Galvanik setzt Du ein ?
 

Fridspeed

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Welche Galvanik setzt Du ein ?
Eine Kleingalvanik, die ich im Fachhandel gekauft habe. Dabei ich ein Handgerät, dass ich teilweise benutze. Ansonsten ins kleine Becken und anschließen. Was sich so kurz und vielleicht einfach anhört ist eine Wissenschaft für sich. Nicht zu viel, nicht zu wenig, die richtige Spannung, die richtigen Elektroden usw. Ich habe einmal ein Gehäuse zu neu vergolden in eine Goldschmiede gegeben, der eine bessere Anlage als ich hatte und nach m. M. auch mehr Erfahrung. Das Ergebnis war enttäuschend und nicht besser, als wenn ich es selber gemacht hätte.
 

ticker45

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Eine Kleingalvanik, die ich im Fachhandel gekauft habe. Dabei ich ein Handgerät, dass ich teilweise benutze. Ansonsten ins kleine Becken und anschließen. Was sich so kurz und vielleicht einfach anhört ist eine Wissenschaft für sich. Nicht zu viel, nicht zu wenig, die richtige Spannung, die richtigen Elektroden usw. Ich habe einmal ein Gehäuse zu neu vergolden in eine Goldschmiede gegeben, der eine bessere Anlage als ich hatte und nach m. M. auch mehr Erfahrung. Das Ergebnis war enttäuschend und nicht besser, als wenn ich es selber gemacht hätte.
Ich nutze nur eine Tampon Galvanik. Vergolden ist einfach, hier benötigt man weniger Erfahrung.
Wichtig ist die Polierarbeit, der Glanz kommt vom polieren und nicht von der Galvanik.
Gold Elektrolyt mit 8 Gramm Gold pro Liter ist optimal für Gehäuse, Abscheidung bei 3,5 Volt und 30 Grad Ekekrolyte Temp ca 1 Mikrometer pro Minute. Damit kannst Du Profi Vergoldung erstellen..
Wichtig ist noch das Netzteil es sollte bis 15 Volt und 25 Ampere liefern, oft ist das Netzteil zu klein um eine stabile Stromdichte zu erzeugen.
Ja Erfahrung ist gut, ich habe jetzt ca 90 Gehäuse beschichtet. Vergolden ist enfacher, da die Haftung gut ist, es auch Verschutzungen verzeiht. Als Elektrode nehme ich Platin, das ist für Gold optimal.
Es macht aber auch Spass andere Beschichtung zu probieren, auch wenn es nicht immer gleich klappt. Viel Erfolg.
 
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Fridspeed

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Ich nutze nur eine Tampon Galvanik. Vergolden ist einfach, hier benötigt man weniger Erfahrung.
Wichtig ist die Polierarbeit, der Glanz kommt vom polieren und nicht von der Galvanik.
Gold Elektrolyt mit 8 Gramm Gold pro Liter ist optimal für Gehäuse, Abscheidung bei 3,5 Volt und 30 Grad Ekekrolyte Temp ca 1 Mikrometer pro Minute. Damit kannst Du Profi Vergoldung erstellen..
Wichtig ist noch das Netzteil es sollte bis 15 Volt und 25 Ampere liefern, oft ist das Netzteil zu klein um eine stabile Stromdichte zu erzeugen.
Ja Erfahrung ist gut, ich habe jetzt ca 90 Gehäuse beschichtet. Vergolden ist enfacher, da die Haftung gut ist, es auch Verschutzungen verzeiht. Als Elektrode nehme ich Platin, das ist für Gokd optimal.
Es macht aber auch Spass andere Beschichtung zu probieren, auch epwenn esxnicht immer gleich klappt. Viel Erfolg.
Super, das du daran Spaß hast und auch sehr gute Ergebnisse erreichst!👍
Es kann nur etwas werden, wenn man ständig übt und sich verbessert. Mir macht es keinen Spaß! Die Vorarbeit ist sehr aufwendig und muß man auch erst einmal können. Der Erfolg liegt zu 90% in einer sorgfältigen Vorarbeit.
Eine nicht gut gewordene Beschichtung bekommt man wieder hin, abgeschliffene oder polierte Kanten am Gehäuse sind dagegen für immer fort. Ich habe es schon einige Jahre diese Arbeiten selber nicht mehr gemacht. Obwohl ich hier die Lünette einer TU liegen habe, wo die Vergoldung erneuert werden müßte. Die wollte ich nicht in Auftrag geben. Liegt aber noch, da ich kein Elektrolyt zur Rot - Vergoldung vorrätig habe.
Nur wenn man sich an diesen Arbeiten einmal versucht hat, kann man ermessen wieviel sorgfältige Arbeit und Routine dahinter steckt, damit man ein Gehäuse gut hin bekommt. Die Testvorschläge in den Broschüren, wo man mit dem Stab einmal z.B. ein 2 - Cent - Stück vergoldet, sind gegen ein Gehäuse neu vergolden absolute Spielerei.
 

Harpye

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+1 hab seinerzeit Nickel Kupfer und Silber gemacht.. die Ergebnisse waren wie Du beschreibst eine klare Lern- und Übungssache. Hab auch eher Spass an der Funktion denn am Glanz.. immer wenn die Funktion gegeben ist, machts der Glanz oder überzogener Ehrgeiz dort möglichst gut zu sein, wieder kaput Ich bin grade dran meine Wohnwand zu ölen/ finishen, weil wir Osterruhe verordnet bekommen haben und ich so nicht an die Schleifmaschine komm um meinen Drehstahl für die Kronendichtung herzstellen. Das vorschleifen Strukturieren, die von Ort zu Ort unterschiedliche Saugfaehigkeit des Untergrundes.. erinnert mich stark an die ersten Galvanikversuche...
 
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