Für Selberschrauber: Bausatz Tischuhr Mechanika M2 von Müller & Sattler

Diskutiere Für Selberschrauber: Bausatz Tischuhr Mechanika M2 von Müller & Sattler im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; Liebe Uhrenbegeisterte. Mechanische Uhren, denen man beim Arbeiten zusehen kann, haben mich schon als Kind begeistert. Dies war daher der erste...
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Peter.B

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Liebe Uhrenbegeisterte.

Mechanische Uhren, denen man beim Arbeiten zusehen kann, haben mich schon als Kind begeistert. Dies war daher der erste Punkt auf meiner Anforderungsliste für eine neue Tischuhr. Die Größe sollte ungefähr einem DIN A 4 Blatt entsprechen, das Äußere schlicht und modern sein. Ein Schlagwerk wollte ich nicht.

Bei diesen Vorstellungen wird die Auswahl recht übersichtlich. Zum einen gibt es von Jaeger LeCoultre seit Jahrzehnten die Baureihe Atmos. Da diese Uhren nicht aufgezogen werden, sondern die nötige Energie aus Temperaturschwankungen beziehen, stellen sie höchste Anforderungen an die Konstruktion und Fertigung der Mechanik, um mit geringsten Verlusten zuverlässig die Zeit anzuzeigen. Für Mechanikliebhaber sind sie eine Augenweide und auch Genauigkeitsfanatiker kommen (fast) auf ihre Kosten, da eine mittlere, tägliche Abweichung von weniger als 3 s/d erreichbar ist.

Dennoch sind diese Uhren im täglichen Zusammenleben nicht ganz ohne Eigensinn. Das nur an einem dünnen Draht aufgehängte Drehpendel verlangt nach einem erschütterungsfreien Aufstellort. Der Unwillen über jedes Berühren oder Öffnen des Gehäuses wird mit deutlichem Pendeln kund getan. Ob dies zu Beschädigungen führen kann, weiß ich nicht; Unbehagen löst es aus. Und wenn man die Uhr nur beim Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit stellt, kommen in den dazwischen liegenden sechs Monaten Abweichungen von einigen Minuten zusammen.

Als Alternative gibt es die Uhren von Sattler aus München. Sie weisen klassische Uhrwerke auf, die alle ein oder zwei Wochen aufgezogen werden müssen und einige verfügen über ein Schlagwerk. Preislich unterscheiden sie sich nicht wesentlich von denen aus Le Sentier. Das ändert sich drastisch, wenn man eine Bausatzuhr wählt. Bei genauem Hinsehen findet man Gründe, für diese Preisgestaltung. Mein Eindruck ist aber, dass an wichtigen, insbesondere genauigkeitsrelevanten Punkten nicht gespart wurde.

Bei der Uhr M2 kann man zwischen verschiedenen Holzarten für das Gehäuse und verschiedenen Zifferblättern wählen. Darüber hinaus, gibt es tunig kits, die bei der M2 aber nur Äußerlichkeiten betreffen, wie z. B. polierte Schrauben oder Zifferblatt mit Durchbruch. Bei den ebenfalls als Bausatz erhältlichen Pendeluhren kann man außerdem auch Teile des Uhrwerks verbessern.

Ein Grund, diesen Bausatz in die engere Auswahl zu nehmen, war das Fehlen zu ölender Lager. Steinlager in Armbanduhren erfordern spezielles Öl in der richtigen Menge. Ob die von jedem Uhrmacher immer appliziert wird, müsste man mal untersuchen. Als Hobbyschrauber hat mich jedoch beruhigt, dass bei der M2 nur das Scharnier für die Fronttür und das Gesperr, das ein Entspannen der Zugfeder verhindert, geölt werden müssen. Beide Lagerstellen wirken sich nur sehr mittelbar auf den Gang der aus. Die Lagerung der Wellen geschieht mit Kugellagern, die nur montiert werden. Die filigrane Hemmungsbaugruppe wird bereits montiert, geölt und justiert geliefert. All dies kann man bereits vor dem Kauf herausfinden, da die sehr gute Beschreibung der Montage und Uhrentechnik auf der Seite uhrenbausatz.de als pdf-Datei zu finden ist.

Für die Montage hatte ich drei Abschnitte geplant.


Auspacken und Gehäusebau


Der große Karton kam am verabredeten Tag an. Bereits das Öffnen macht Freude: Alles sehr gut und übersichtlich verpackt und beschriftet. Schon hier spürt man, dass Uhrmacher sorgfältig und systematisch arbeitende Menschen sind.

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Die drei Tabletts mit Pack- und Kontrollliste

Für die Montage hatte ich mir den Esstisch reserviert, um viel Platz zu haben. Vom Stamm-Discounter hatte ich eine große Anti-Rutsch-Matte bevorratet, auf der alle Teile ohne Angst vor Beschädigungen abgelegt werden konnten.

Das bereits schwarz lackierte Gehäuse wird mit Inbusschrauben zusammengeschraubt. Die Glasscheiben werden in entsprechende Nuten eingelegt. Das Türscharnier wird durch einen Stahlbolzen gebildet, der in bereits montierte Messinghülsen gesteckt wird. Dies ist eine der Stellen, die geölt werden müssen. Mit der bebilderten Anleitung ist dies alles keine Herausforderung.

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Räder- und Zeigerwerk


Als nächstes kommen die Arbeiten für Feinmechaniker. Die Kugellager werden in die untere Platine gelegt und die Wellen hineingesteckt. Das Handhaben der Teile ist unproblematisch, da alles eine sehr angenehme Größe besitzt. Ich habe puderfreie Einmalhandschuhe angezogen und dann fast alle Teile direkt mit den Fingern montiert. Die mitgelieferte Pinzette kam nur bei den kleinen Schrauben zum Einsatz.

Einen Vergleich mit der Unruh und dem Ankerrad aus einem Armbanduhrenwerk zeigt das folgende Bild. Zu sehen sind auch die anderen, jeweils einzeln verpackten und beschrifteten Räder. Das links liegende, bereits fertige Federhaus könnte von den Dimensionen auch ein großes Kinderspielzeug antreiben.

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Bei der Montage des Wechselradpfostens und der oberen Platine ist ein wenig handwerkliches Geschick – oder zwei Paar zusätzliche Hände – gefragt. Mit Rodico bzw. einer Seitenlage des Uhrwerks gelingt dies aber auch.

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Rodico um den Pfosten oben zu fixieren, damit er von unten verschraubt werden kann

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Einfädeln aller Kugellager, die beim Drehen der oberen Platine sonst gerne herunterfallen

Mit der Montage des Zeigerwerks ist der feinmechanische Teil abgeschlossen. Wie das Bild zeigt, gibt es für den Minutenzeiger ein Gegengewicht (silbern). Stellt man das Werk senkrecht, reicht bereits das vom Gegengewicht auf die Welle ausgeübte Moment aus, um die Räder in Bewegung zu setzen. Für Leichtgängigkeit ist also gesorgt.

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Die Herausforderung: Montage der Hemmungsbaugruppe


Die für den Gang entscheidende Baugruppe ist bereits fertig montiert, geölt und reguliert. Ein Papierstreifen blockiert die Unruh für den Transport. Wie alle anderen Teile ist die Baugruppe einem Plastiktütchen verpackt.

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Diese Baugruppe muss aus der Tüte befreit, auf der oberen Platine eingefädelt und mit zwei Zylinderkopfschrauben M2 x 4 befestigt werden. Und das alles, ohne durch Unachtsamkeit irgendwo gegenzustoßen und Schäden anzurichten. Ist dies geschafft, legt sich die Anspannung und die Feder kann ein ganz klein wenig aufgezogen werden: Die Uhr beginnt zu ticken. Selbstbewusst, kernig. Diese Uhr will sich nicht verstecken, sondern markant ihren Platz ausfüllen. Auch akustisch.

Ein kurzer Test mit dem timegrapher zeigt, dass auch bei der Reglage in München gute Arbeit geleistet wurde. Bei fast entspannter Feder ergibt sich ein Gang von -3 s/d, ein Abfallfehler von 0,2 ms und eine Amplitude von 235 °. Da in diesem Bauzustand die empfindliche Hemmung völlig frei liegt, verzichte ich auf weitere Messungen.

Die folgenden Arbeiten dienen dann schon fast wieder zur Entspannung. Montage des Zifferblattes und der Zeiger, Einsetzen und Verschrauben des Uhrwerks im Gehäuse.


Das Werk ist vollbracht


12.JPG13.jpg


Noch ein paar Anmerkungen


Das Zusammenbauen macht Freude, da die Teile alle präzise gefertigt sind. Das beginnt bei der Einfräsung für den Gleitfilz beim Gehäusefuß und endet bei der massiven Lünette. Alle größeren Teile sind einzeln verpackt und in nummerierten Fächern abgelegt, so dass sie problemlos gefunden werden können. Die mitgelieferten Inbusschlüssel sind von guter Qualität und nicht mit denen nordischer Möbelhäuser zu vergleichen. Und nun besitze ich auch einen Inbusschlüssel Schlüsselweite 0,9 mm, der zum Anziehen der Madenschraube M2 x 2 im Minutenzeiger benötigt wird.

Statt der mitgelieferten zwei Schraubendreher mit Stahlklingen habe ich welche mit Kupferklingen verwendet, um ein Zerkratzen der Schrauben zu vermeiden. Insbesondere bei den vier Zylinderkopfschrauben M2 x 4 am Zifferblatt würden mich solche Macken ärgern. Da ich bei den frei zugänglichen Uhrmacherwerkzeugverkäufern nichts Passendes finden konnte, habe ich „funkenfreie“ aus dem normalen Werkzeughandel verwendet und die Klinge für die Zylinderkopfschrauben zugeschliffen. Sehr hilfreich war dabei, dass mir die Fa. Müller & Sattler vorab zwei Exemplare zum Ausprobieren zugesandt hatte.

Bei der Schrauberei war es auch beruhigend zu wissen, dass bei Zweifelsfällen kompetente und freundliche Uhrmacher in München am Telefon Auskunft geben. So lief die Uhr, nachdem ich die Hemmung montiert und die Feder leicht gespannt hatte. Darf man dann die Zeiger montieren? Insbesondere den Sekundenzeiger? Das Buch zur Uhr schwieg sich darüber aus, aber ein Uhrmacher gab grünes Licht und auch noch paar detaillierte Hinweise. Einen guten Eindruck hinterlässt auch die Tatsache, dass auf die Uhr eine Garantie von drei Jahren gewährt wird.

Wo so viel Licht ist, gibt es natürlich auch Schatten. Auf den „Umbausatz Feinpolierter Schraubensatz“ für über 200 Taler hatte ich verzichtet, da davon nur vier kleine Schrauben zur Befestigung des Zifferblattes direkt sichtbar sind. Vielleicht war der Verzicht ein Fehler, denn die vier Rändelmuttern, die die Vorderplatine halten, können mit der Qualität der anderen Bauteile nicht mithalten. Und Pedanten könnten auch leichte Ungenauigkeiten in der Beschreibung bemerken.

Ein Hobby-(Uhren-)Schrauber kommt sich bei dem Bausatz wie im Schlaraffenland vor. Fast alles ist perfekt. Den Satz, den der Werbetext zur Uhr enthält, „Die Montage ist auch für ungeübte Hände in kurzer Zeit sehr leicht möglich.“ würde ich so jedoch nicht unterschreiben. Wer noch nie schwedische Möbel zusammengeschraubt und am Fahrrad und Mofa gebastelt hat, hat wahrscheinlich ohnehin kein Interesse an dem Bausatz. Wenn doch, würde ich empfehlen, einen ganzen Tag freizuhalten und einen handwerklich begabten Freund einzuladen.

Daten

Maße 32 x 22,5 x 13,5 cm (H x B x T)
Schweizer Ankerhemmung mit 11 Rubinen
Frequenz 18 000 a/h
Hebewinkel 52 °
Incabloc Stoßsicherung
Nivarox-Flachspirale mit Endkurve

Räderwerk 10 Kugellager
Gangdauer 7 Tage



Gruß

Peter
 
U

uhr_10

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Zunächst einmal freue ich mich, dass die Kaufberatung wirksam war :-) Obwohl sie in "alternativlos" endete :???:, aber auch das ist ein Ergebnis...

Von meiner Seite herzlichen Dank für die detaillierte Schilderung! Es bleibt nur die Frage, wie lange hast du, als offensichtlich feinmotorisch Begabter, gebraucht - viel weniger als einen Tag?
 
P

Peter.B

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@uhr_10

Hallo!

Für die drei Abschnitte hatte ich den Esstisch drei halbe Tage reserviert, um jede Menge Zeit zu haben. Zum einen, um alles mindestens drei Mal zu lesen und in Zeitlupe auszuprobieren und um auch ein paar Schnappschüsse machen zu können. Gebraucht habe ich ca. zwei Stunden für das Auspacken und das Gehäuse, drei für das Räderwerk und zwei für den Rest ==>> ein Tag ist eher üppig bemessen.

Gruß

Peter
 
Paulchen

Paulchen

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Eine schöne, schlichte Uhr im passenden Gehäuse.
Ich wünsche dir lange Freude an der Sattler.
Ich hoffe, sie kommt im Regal ausreichend zur Geltung.
 
Trymon

Trymon

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Eine sehr schöne Uhr, ein wenig hat sich bei mir ein Gefühl des will ich auch haben breit gemacht.
Leider ist das Gefühl dann verflogen als ich einen Blick auf den Preis geworfen habe. Wünsche dir aber Freude an der Uhr. Wirst du aber wohl auch haben, immerhin hast du sie ja selbst zusammen gebaut. Das ist doch etwas anderes als ein Fertigprodukt.
Verhält sich wohl genau so wie Essen gehen zu selber Kochen. Letzteres macht mehr Freude. :)
 
countrytom

countrytom

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Howdy,

toll zu lesender Bericht, gut Fotos danke dafür.

Gruß Thommy
 
uhr83

uhr83

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Glückwunsch zur M2:super:
Uhr und Vorstellung gefallen mir wirklich sehr gut.

Einfädeln aller Kugellager, die beim Drehen der oberen Platine sonst gerne herunterfallen
Du hättest die Kugellager auch auf die Achsen legen können, das vereinfacht die Sache ungemein.
 
EnabranTain

EnabranTain

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Vielen Dank für den tollen Bericht und die guten Fotos dazu!

Hat mir viel Freude gemacht ihn zu lesen.

Dir wünsche ich viel Freude mit der M2!
 
derTeichfloh

derTeichfloh

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Hallo,

Danke für die Vorstellung. Ist wirklich einfach und sauber.
... aber der Preis...
für diese Qualität angemessen. Für mich allerdings nicht (er)tragbar.

Wer was für´s kleine Geld oder für den Anfang sucht, kann auch nach Uhren in meiner Signatur suchen. Kosten ca. ein Zehntel.

Gruß,
derTeichfloh
 
wafa

wafa

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Sehr schöne Baudokumentation !
Fürs Gebotene ist der Bausatz durchaus vertretbar bepreist (verglichen mit JLC, Matthew Norman oder Swiza).
Viel Spaß mit dem Schmuckstück :-D
Walter
 
Micha-W.

Micha-W.

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Hi Peter!

Toll! Mein Neid schleicht Dir hinterher. :-D

Würdest Du mir mal einen gefallen tun und die Uhr "durch alle Gläser" fotografieren? Mich interessiert, wieviel Freude man nachher an der Mechanik hat.

Hast Du irgendwo mal aufgeschnappt, was Sattler später für die Wartung nimmt? Oder machst Du das dann selbst? Und noch 'ne Frage: Auf den ersten Blick habe ich keine "Schmankerl" aus deren Preisliste entdeckt. Ist da was nachträglich geplant?

Merci für die Antworten...
 
P

Peter.B

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@all

Vielen Dank für Euer Interesse, Glückwünsche und Kommentare :-)



@uhr83

Ja, man kann die Kugellager auf die Achsen legen und dann quasi von unten einfädeln. Das ganze Werk auf die Seite zu legen und dann sehend zu fädeln war für mich der beste Weg.

@Micha-W.

Hallo Micha!

Sattler bietet die Wartung an, Preise kenn ich nicht. Da ich höchsten Respekt vor stoßgesichert gelagerten Unruhen habe, wird die Uhr dann wohl nach München gehen.

Die "Schmankerl" habe ich mir verkniffen, da sie mir zum Teil nicht gefallen (Zifferblatt mit "Lochfraß") und ich das Geld lieber anderswo ausgebe. Bei der M1 wäre das anders, da man dort "bessere", sprich aufwendigere Uhrentechnik bekommen kann.

Fotos an einem der nächsten Wochenenden, wenn die Zeit und das Licht da ist. Den Blick von der Seite zeigt im wesentlichen schon das 8. Bild. Von hinten ist nur die schwarze Platine zu sehen. Wenn man den Blick auf die Unruh haben möchte, muss man ein anderes Zifferblatt bestellen.


Gruß

Peter
 
uhrenrulli

uhrenrulli

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Sehr gut beschrieben, dazu die passenden Fotos.
Ich wünsche dir lange Freude mit dieser tollen Uhr.
 
P

Peter.B

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@Micha-W.

Hallo Micha!

Endlich das versprochene Foto - das Werk ist technisch schön und sauber gemacht, aber nicht spektakulär.

DSC_8840 b.jpg

@uhrenrulli

Danke - ich glaube, Sattler spricht irgendwo von 300 Jahren möglicher Gebrauchsdauer ....
 
Zuletzt bearbeitet:
Paulepanther

Paulepanther

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Hallo Peter,
eine sehr schöne Vorstellung! Da kribbeln auch mir die Finger!
Sollte ich auf die Idee kommen, mir solchen schönen Bausatz zu kaufen, bricht bei mir zu Hause eine weibliche Revolution aus!:)
 
Sam Lang

Sam Lang

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Hallo Peter,

sehr schöne Uhr. Danke für den anschaulichen Bericht und die schönen Bilder. Wieder etwas dazugelernt, danke :klatsch:

Grüsse, Sam
 
P

Peter.B

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Liebe Uhrenbegeisterte.

Danke für Eure Antworten!

Über manche Aspekte macht man sich häufig erst im Nachhinein Gedanken. So kam mir nicht in den Sinn, dass die Uhr anders als perfekt laufen könnte. Inzwischen weiß ich, dass es drei Jahre Garantie gibt. Aber eine gewisse Spannung bleibt dennoch.

In den ersten Wochen lief auch „irgendetwas“ nicht ganz rund. Insgesamt ging das Werk deutlich vor, aber darüber hinaus war irgendwo der Wurm drin. In den ersten Tagen nach dem Aufziehen schien der Effekt ausgeprägter zu sein als gegen Ende der Woche. Ich hatte das Spiel im Räderwerk im Verdacht. Dann stellte ich fest, dass der Minutenzeiger „Zeit verlor“. Wenn ich ihn mittags passend zum Sekundenzeiger genau auf die 12 Uhr Markierung stellte war er einen Tag später etwa eine halbe Minute zu spät. Gegen Ende der Woche war dieser Effekt nicht vorhanden. Nach dieser Beobachtung war die Fehleranalyse einfach, denn es konnte nur die Reibkupplung am Minutenrad sein.

DSC_8885_b.JPG

Ein Telefonat mit Herrn Kohler in Gräfelfing bestätigte meine Vermutung. Das Angebot, die Feder selber etwas nachzubiegen, lehnte ich dankend ab, da ich nicht mehr kaputt als heile machen wollte. Ich bekam dann umgehend das obige Rad zum Austausch.

Der Einbau war insofern eine Erfahrung, da ja die Bauteile nun nicht mehr fein säuberlich verpackt und beschriftet vorlagen, sondern bei der zunächst nötigen Demontage des Werkes Stück für Stück ausgebaut und abgelegt werden mussten. Die größte Herausforderung war dabei das Abziehen des Sekundenzeigers, der mit einer langen, geschlitzten Nabe recht stramm auf den Welle sitzt. Lösen der Schraubverbindungen, Austausch des Minutenrades und erneuter Zusammenbau verliefen problemlos.

Die Uhr hatte ich vorher schon in zwei Etappen ins Langsame reguliert. Dabei hat der timegrapher sehr geholfen, dessen Mikrofon man an die geöffnete Tür klemmen kann. Die Uhr tickt so kräftig, dass sich ein unverrauschtes Messsignal ergibt.

Bei einer Uhr mit vielen Tagen Gangreserve überrascht nicht, dass sich der Gang von Tag zu Tag ändert, da die ablaufende Feder eine immer geringere Kraft für den Antrieb zu Verfügung stellt. Das folgende Bild zeigt Messwerte des Gangs für 10 Tage. Insofern gibt es hier doch eine Stelle, an der die konstruktiven Unterschiede zwischen dem Bausatz Mechanika M2 im Vergleich zu den Tischuhren von Sattler sich auf die Genauigkeit auswirken, denn die 15-Tage-Sattler-Uhren besitzen ein Stahlseil mit Schnecke, um die nachlassende Federkraft zu kompensieren. Für den täglichen Gebrauch sind die Fehler der M2 belanglos. Zumal diese Uhr bauartbedingt keinen Sekundenstop besitzt und alle 8 Tage aufgezogen werden muss. Wenn man auf größte Genauigkeit Wert legt, ist eine Uhr mit Gewichtsantrieb und dann üblicherweise Pendel die richtige Wahl.

Grafik-Fenster Nummer 1 b.png


Gruß

Peter
 
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Pommes

Gast
Also, "das Angebot, die Feder selber etwas nachzubiegen" finde ich schon sehr anmaßend von Seiten der Firma Sattler.
 
Micha-W.

Micha-W.

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Hi Peter!

Nur zunächst aus Neugier: Welchen Timegrapher hast Du denn und wie hast Du dann gemessen?

Den Rat, die Feder zu biegen, verstehe ich noch nicht ganz? Hätte Dir das die Demontage gespart? Dann könnte ich den Vorschlag verstehen.

Dass es zu den Sattler-Uhren Unterschiede gibt, hätte ich durchaus erwartet. Ist verständlich.

Übrigens bin ich sauer auf Dich. :hammer: Seit Deinem Thread hier bin ich so oft auf deren Homepage. Ich vermute, dass ich im Winter "am Dransten" bin und dann auch anfange. :-D Mal sehen...
 
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Peter.B

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Hallo Micha!

Ich habe den 1900 verwendet, die Tür geöffnet und diese statt einer Armbanduhr in das Mikro geklemmt. Geht überraschend gut. Denn die Uhr ist wirklich eine Tischuhr (um nicht zu sagen Großuhr), die kräftig schlägt. Und so im Raum nicht nur optisch, sondern auch akustisch präsent ist.

Das Nachbiegen der Feder wäre nach dem Zusammenbau eine weitere, nicht so ganz kleine Herausforderung gewesen: Die Uhr nicht nur montieren, sondern auch den Fehler finden und beheben. Wenn ich zurzeit mehr Muße hätte und auch das passende Werkzeug, hätte ich das vielleicht getan. So habe ich lieber ein paar Tage auf das Paket gewartet und das Rad ausgetauscht.

Und wenn ich Dich angesteckt habe, bitte ich um Nachsicht. Aber da, wo die Uhr hinpasst, ist sie schon ein tolles Teil. Und falls Du ernsthaft über sie nachdenkst, würde ich mal nachfragen, wie man sich bei Sattler die Zukunft dieses Modells vorstellt.

Gruß,

Peter
 
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