Uhrenbestimmung Freischwinger/Regulator Altersbestimmung, Marke

Diskutiere Freischwinger/Regulator Altersbestimmung, Marke im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; Guten Tag Zusammen, uns ist ein alter Regulator/Freischwinger zuteil geworden und ich recherchiere seit dem relativ erfolglos Herkunft und Alter...

CAPITA

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Guten Tag Zusammen,

uns ist ein alter Regulator/Freischwinger zuteil geworden und ich recherchiere seit dem relativ erfolglos Herkunft und Alter. Vielleicht gibt es hier Experten, die den einen oder anderen Hinweis geben können.

Als auffällig oder wenigstens ungewöhnlich empfinde ich die beiden Vögel auf Ziffernblatt und Pendel, die für meinen Geschmack recht „deutsch“ daher schauen. Für Störche haben sie zu kurze Beine und für Adler einen zu langen Schnabel. Was das wohl für Federvieh sein soll? Vielleicht lasse ich mich hier aber auch davon leiten, dass –nach Aussage der Verwandtschaft- ganz früher mal oben drauf noch ein Adler gesessen haben soll, der aus irgend einem gewichtigen Grund den „Horst“ verlassen musste.

Immerhin habe ich bei genauerer Betrachtung herausgefunden, wie einfach das Werk dem Gehäuse zu entnehmen ist und konnte so auch einen Blick auf die Rückseite werfen. Dann ist mir aufgefallen, dass hier wenig mit Gewinden und viel mit konischen Stiften für formschlüssige Verbindungen gearbeitet wurde. Das macht es auch leicht, Zeiger und Ziffernblatt zu entfernen.

Außer der Prägung „DRGM“ im Bodenblech und einem winzigen, eingeschlagenen Logo auf der Rückseite konnte ich aber keinerlei Schriftzüge oder Zahlen finden. Dass „DRGM“ eine Schutzmarke darstellt (Deutsches Reichs-Gebrauchsmuster) hat mir Wikipedia verraten. Damit ist wenigstens der Herstellungszeitraum zwischen 1891 und 1945 einigermaßen eingegrenzt. Zumindest das Werk ist also etwa 100 Jahre alt.

Bei meinen Internetrecherchen habe ich aber weder das Motiv der beiden Vögel noch das kleine Logo irgendwo gefunden. Deshalb will ich nun hier eine Anzahl aussagekräftiger Bilder posten, auf denen der eine oder andere Experte hoffentlich etwas erkennt.

Ich bedanke mich im Voraus für Hinweise.
 

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Schraubendreher

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Hallo CAPITA,

ein paar Bilder des Uhrwerkes wären zur Datierung notwendig. Von hinten, den Seiten und eines von oben ins Werk hinein. Und bitte scharf und gut ausgeleuchtet.

Bis dann:
der Schraubendreher
 

CAPITA

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Hallo Schraubendreher,
vielen Dank für Dein Interersse. Hier noch ein paar Bilder.
Beim ersten (von vorne) liegt nur ein Block Klebezettel unter dem Dorn für den Pendel, damit das Werk beim Fotografieren nicht auf dem Gong-Hämmerchen liegt. Und die Pendelmechnik habe ich lieber auch abgebaut, damit sie nicht verbogen wird. Auf dem zweiten Bid ist unten links das Logo eingeschlagen und auf dem letzten nochmals in groß.
Vielen Dank für die Mühen!
 

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milou

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Bin echt auf die Antwort vom Schraubendreher gespannt. Ich habe dieses Zeichen noch nie gesehen.
Klar ist, dass eine gründliche Reinigung dem Werk nicht schaden würde ;-)
 

pet.sch

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Hallo Capita,
ich würde sagen, die Uhr ist um 1900/1910 gebaut worden. Noch Gründerzeitstil des Gehäuses, aber schon Jugendstil in den Zifferblatt- und Pendelverzierungen. Allein vom Werk mit den Laternentrieben her würde ich schon sagen : Fertigung in einer der Uhrenfabriken im Schwarzwald. In diesem speziellen Fall sogar bestimmt aus dem Schwarzwald, vor 1910, aber dazu später mehr.

Das Motiv mit den beiden Vögeln ist ganz selten. Ich habe schon wahrscheinlich "tausende" Regulatoren im Laufe von zig Jahren gesehen, aber kann mich nicht erinnern, dass die Vögel schon mal darunter waren.
Leider haben die Motive auf Pendel und Zifferblatt nur äußerst selten mal etwas mit der Uhrenfabrik zu tun, sondern das war fast immer nur eine Verzierung. "fast immer" schreibe ich, weil ich einmal eine Uhr von Gustav Becker gesehen habe, die ein GB als Verzierung hatte. Aber auch das ist bei GB äußerst selten. Und hier habe ich auch keinen Zusammenhang der Vögel mit der Fabrik gefunden. . Ich musste sofort an einen Marabu denken, aber beim Bildervergleich sieht man, dass der eigentlich längere Beine hat.

Aber nicht nur die Motive sind selten, auch eine Uhr dieser Fabrik bekommt man nicht so häufig zu sehen. Obwohl es eine deutsche Fabrik war, bekommt man die Uhren in Deutschland eigentlich sogar fast nie zusehen. Und das kommt wahrscheinlich daher, dass die Fabrik aus Furtwangen wohl hauptsächlich ins Ausland geliefert hat. Der Name klingt auch nicht Deutsch, denn es handelt sich um die Union Clock & Co aus Furtwangen.
Gegründet 1871, aber da noch unter anderem Namen. Dann verschiedene Besitzer und 1884/85 übernahmen englische Geschäftsleute die Fabrik und änderten den Namen auf Union Clock & Co. Im Jahre 1910 kam dann aber das endgültige Aus durch Konkurs.

Gruß
Peter

PS: rein zufällig wird gerade heute im Weckerthread auch ein Wecker der Union Clock & Co vorgestellt -> Der Weckerfaden
 
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Schraubendreher

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Hallo Capita,

zur Uhr hat Peter schon einiges gesagt. Union Clock Furtwangen sagt mir nichts, aber das muss nichts bedeuten. Damals gab es eine Unmenge an kleinen Uhrenproduzenten, die heute weitgehend vergessen sind. Und das Thema ist nicht mein Interessengebiet. Deshalb lasse ich das mal unkommentiert stehen.

Das Werk ist ein sogenanntes „Amerikanerwerk“. Das sind Uhrwerke sehr einfacher Qualität nach amerikanischem Vorbild. Aus den USA kamen zu dieser Zeit deutlich günstigere Werke als die klassischen Uhrwerke, mit denen die deutsche Uhrenindustrie groß geworden ist. Mit diesen Werken konnten Großuhren deutlich günstiger angeboten werden, was die Werkhersteller zwang zu reagieren. Werke und Gehäuse wurden traditionell nämlich von verschiedenen Firmen gebaut. Diese Werke sind das Resultat. Schnell zu produzieren aus möglichst wenig Material. Deshalb die Ausschnitte in den Werksplatinen, die sparen Messing. Ansonsten Stanzteile und Drahthebel, die zum Einstellen der Uhr einfach in Form gebogen wurden.
Kurz gesagt: Billigware.
Verkauft wurden die Uhren über die Gehäuse und die Kunden interessierte nicht, was im Inneren tickt. Manche Dinge ändern sich nie. ;)

Das Gute ist: diese Werke sind recht servicefreundlich und jeder Uhrmacher, der Großuhren macht, kann sie reparieren. Und eine Grundüberholung hat dieses Werk dringend notwendig, so verschmutzt es ist. Danach ist es fit für viele Jahre und könnte problemlos noch die nächsten 100 Jahre Lebenszeit schaffen.

Zu den Vögeln kann ich leider auch nichts sagen, das Motiv sieht mir ein bisschen expressionistisch aus. Vielleicht habe sie gar kein reales Vorbild. Oder es sollen Raben oder Krähen in einer unnatürlichen Pose sein. Ich weiß es leider auch nicht.
Auf jeden Fall ist das einen schöne Uhr und gut erhalten. Halte sie in Ehren und pflege sie, dann können sich noch Deine Enkel an ihr erfreuen.

Bis dann:
der Schraubendreher

Edit: schau Dir mal mein Profilbild an. Das ist ein zerlegtes Amerikanerwerk.
 
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Der Stromer

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Schnell mal zwischendurch:
Union Clock Co. GmbH vorher Villingen & Trenkle (1883 - 1885) davor gegründet als Villingen & Fehrenbach 1882 als Uhrengehäusemacher gegründet von August Weisser in 1871 in Furtwangen. Ab 1905 dann in Donaueschingen und 1908 in Straßburg. Villingen & Trenkle wurden 1885 von der Londoner Handelsfirma Merzbach Comp. übernommen und in "Union Clock Co." umbenannt. Hergestellt wurden unter der Union Clock Co. Uhren mit Amerikaner-Werken, Wecker, und so weiter.

Zur Marke: Die beiden Piepmätze auf dem Pendel haben tatsächlich nichts mit der Marke zu tun. Aber die Marke auf dem Werk ist stilisiert "U C C" für Union Clock Comp.
Zum Alter der Uhr: 1910 ist schon sehr gut, denn die Firma wurde bereits 1911 liquidiert, die Uhr sollte also spätestens dann entstanden sein.

Teilweise aus "Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850 - 1980 3. Auflage H.H. Schmid".
 

CAPITA

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Hallo Uhrenfreunde,

DONNERWETTER! Jetzt bin ich aber wirklich überrascht, was Ihr herausgefunden habt. 1000 Dank dafür, wirklich sehr interessante Informationen!

Das macht mir Mut, ein weiteres Detail zu posten, dass ich bisher für unwichtig oder zufällig erachtet hatte: Auf der Rückseite ist nämlich noch eine Signatur mit Bleistift zu erkennen. Nicht mehr besonders deutlich, aber mit kräftiger Kontrasterhöhung wird es lesbarer. Altdeutsche Schreibschrift, wie ich meine, vielleicht ein Name? Meine (selige) Großmutter schrieb noch so.
Das erste Bild zeigt die Position des Schriftzuges auf der Rückwand. Auf dem zweiten ist es im 90° gedreht und kontrastverstärkt. Kann das jemand lesen? Vielleicht erkennt da sogar jemand etwas.

In jedem Fall werde ich die Uhr bei einem lokalen Uhrmacher vorstellen und die Kosten für eine Reinigung erfragen. Das will ich dann doch nicht selber machen. Obwohl das sicher interessant wäre, denn das Amerikaner-Werk in des Schraubendrehers Profilbild sieht eigentlich recht übersichtlich aus, zumindest für ein Uhrwerk. Gibt es für solche Reinigungen preisliche Orientierungswerte/Erfahrungen?

Vielen Dank für Eure Mühen!
 

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CAPITA

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... wie löscht man im Forum eine versehentlich angelegte Antwort (nämlich diese hier)?
 
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