Uhrenbestimmung Fragen zur Restaurierung Bing Werke Nürnberg

Diskutiere Fragen zur Restaurierung Bing Werke Nürnberg im Taschenuhren Forum im Bereich Vintage-Uhren; Hallo zusammen, vielen Dank für die Aufnahme. Und vielen Dank für die Zahlreichen Informationen und Möglichkeiten, den Wissensdurst zu stillen...

Tommog1312

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Hallo zusammen, vielen Dank für die Aufnahme. Und vielen Dank für die Zahlreichen Informationen und Möglichkeiten, den Wissensdurst zu stillen.
Ich habe von meinem Großvater (BJ1896) ein paar Taschenuhren gerettet und hab zu dieser ein paar Fragen. Dank des Links zur Bildmarkensuche hab ich es als Werk der Bing Werke in Nürnberg identifizieren können. Die Uhr ist in einem erbärmlichen Zustand und ich frage mich, ob eine Rettungsaktion im Verhältnis zum Aufwand stehen würde. Die Uhr läuft nicht, aber der verbleiben Stundenzeiger lässt sich drehen. Die Korrosion ist sicher weit vorgedrungen. Es fehlen Minutenzeiger und Glas, aber das seht ihr ja selbst.
Was meint ihr? Soll ich die zur Revision geben?

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Beste Grüße in die Runde.
 

Matthias MUC

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Klappert irgendwas wie "lose Teilchen"? Wenn nicht: wenn Du vorsichtig dieses Gefussel vom Sekundenzeiger entfernen kannst (Katzenhaare?), schwingt dann die Unruh frei und, wenn Du die Uhr leicht anschüttelst, schafft vielleicht sogar zwei, drei Ticks, die Unruh und schwingt aus und bleibt nicht stehen wie wenn irgendwas auf der Bremse steht? Dann ist Hoffnung, daß "nur" Eisenteile rostig sind. (Kronrad, Sperrad, Aufzugsfeder rostig, gebrochen, jedenfalls auszutauschen). Wenn Du einen Uhrmacher mit Herz für "Altmetall" hast, kann er sich das ja mal anschauen und mit vorsichtiger Teilzerlegung, v.a. Blick unters Zifferblatt, schauen, wie arg es wirklich ist (kostenpflichtiger Kostenvoranschlag für ein solides Gefühl, welcher Aufwand wirklich dabei ist). Dann kannst Du immer noch entscheiden.
Zum Seltenheits"wert" dieser Uhr kann ich nichts sagen, Bing war eigentlich nicht als Uhrenhersteller bekannt. Vielleicht erkennt jemand einen Originalhersteller des Werks? 15 Steine-Ankerwerk war jedenfalls was besseres, und die zahlreichen kleinen eingeritzten Uhrmachersignaturen (Deckelinnenseiten) zeigen, daß die Uhr zumindest ein paar mal bei der Revision war = früher halbwegs gepflegt getragen wurde. Es muß Dir was wert sein (Ideeler Wert, Familienerbstück), denn kostenmäßig dürfte das wie sehr oft bei Uhren diesen Alters ein "wirtschaftlicher Totalschaden" sein. Zum Entsorgen (Silbergehäuse einschmelzen und Werk in den Schrott) wäre sie aber auf jeden Fall definitiv zu schade!

ZB ist relativ schön (Emaille mit Rissen, aber nichts abgeplatzt), Glas dürfte kein Hexenwerk sein, und einen passenden Zeiger finden, dürfte auch kein großes Problem sein. (ggf. beide tauschen, damit sie optisch zusammenpassen).

lG Matthias
 

Ruebennase

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Rost frisst sich leider in die Stahlteile und führt oftmals zu irreversibelen Schäden. Hier ist vermutlich der gesamte Aufzugsbereich auch innen betroffen. Der Unruhebereich sieht ja noch ganz gut aus was allerdings täuschen kann. Rein optisch bekommst Du vermutlich die Sperräder und Klinke wesentlich ansehnlicher hin durch ein Essigessenzbad und eine Politur. Ich würde versuchen das Werk aus zu bauen um zu schauen wie der Aufzugsbereich unter dem Zifferblatt aus schaut und dann weiter planen. Das Gehäuse kannst Du dann schon mal reinigen.
Ich bin leider nicht gut im Werke zu ordnen, aber gesehen habe ich das schweizer Werk schon einmal. Es wird trotzdem mehr Glück als Verstand erfordern ein exact gleich großes für Austauschteile zu finden.
Mein Rat ist soweit Du es Dir zutraust in der Bestandsaufnahme zu gehen und dann zu entscheiden was Geschehen kann. Eine Reparatur ist sicherlich der Idealfall aber wenn Teile angefertigt werden müssen dann ist es sicherlich eine Überlegung wert erst einmal ein Dekoerinnerungsstueck zu schaffen und beim surfen in der Bucht immer ein Auge auf ein Ersatzteilspender zu haben. Ich hoffe jemand kann das Werk zu ordnen.

Grüße Rübe
 

pet.sch

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Ich würde bei der Marke eher auf Saxonia , also Albrecht Költzsch aus Dresden tippen. Ich wüsste gar nicht, dass Bing (Blechspielzeug) überhaupt irgendwelche Uhren gebaut oder verkauft hat. Wobei Saxonia dann wohl auch nur der Wiederverkäufer war, denn das hier ist ja ein schweizer Produkt.

Gruß
Peter
 

Ruebennase

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@pet.sch Ja, das schaut schon sehr nach der Germania aus und wäre passig. Der Großhändler hat ja im recht großen Stil schweizer Uhren mit seinem Label bauen lassen. Mit Saxonia hat man zumindest in der Bucht fast immer Treffer, aber das Werk habe ich bewusst dort noch nicht gesehen.

Grüße Rübe
 

Tommog1312

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Hallo zusammen,
erstmal ganz herzlichen Dank für all die Antworten und Hinweise. Ich werde, wie von Ruebennase vorgeschlagen das Werk ausbauen und mich vorsichtig vorarbeiten. Werde die Schritte dokumentieren und gegebenenfalls nochmals um Rat fragen. Für Hinweise zum Werk bin ich aber weiterhin dankbar. Movado ist schon mal ein guter Hinweis. Schaut ganz danach aus, aber wieso wurden oder werden Werke dann eigentlich nicht vom Hersteller gekennzeichnet? Bei Armbanduhren hab ich ja schon mitbekommen, dass gewisse Standardwerke von anderen Manufakturen verfeinert werden. War das in dem damaligen Umfeld auch schon Usus? Die Einzelteile wurde doch von "Spezialisten" nach Baugruppen hergestellt, oder? Das war/ist doch in Glashütte auch so? Entschuldigt bitte mein dilettantischen Fragen, aber wie gesagt, ich fange erst an, mich mit der spannenden Materie zu beschäftigen.

Beste Grüße
 

pet.sch

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..aber wieso wurden oder werden Werke dann eigentlich nicht vom Hersteller gekennzeichnet? Bei Armbanduhren hab ich ja schon mitbekommen, dass gewisse Standardwerke von anderen Manufakturen verfeinert werden. War das in dem damaligen Umfeld auch schon Usus?

Hallo Tommog,
sogar schon vor 250 Jahren gab es große Fabriken, bzw. Uhrmacheransammlungen, die Roh- oder fertige Werke geliefert haben, die dann oft unter anderen Namen verkauft wurden.
Am interessantesten fand ich die Geschichte des Philosophen und Schriftstellers Voltaire. Der hat in Ferney (Frankreich an der schweizer Grenze) um 1770 eine Uhrmacherkolonie gegründet, in der zu besten Zeiten 1200 ! Uhrmacher beschäftigt gewesen sein sollen. Der berühmte Uhrmacher Lépine war zeitweise der Leiter dieser Uhrmacherei. Es gibt zwar auch ein paar Uhren, die mit Ferney bezeichnet sind, aber die meisten Werke wurden wohl ohne Namen an andere Uhrmacher verkauft und dann unter ihrem Namen weiterverkauft.

Natürlich gab es auch 100 Jahre später noch große Uhrenfabriken, die Uhrwerke für andere herstellten. Zum Beispiel FHF in Fontainemelone. Ich glaube fast 50 % der goldenen Taschenuhren aus der Zeit haben FHF-Werke, tragen aber einen anderen Namen, wenn sie überhaupt signiert sind.

Es zählte damals der Name des regionalen Uhrmachers, der die Uhr verkaufte, mehr als der eigentliche Hersteller. Selbst Nobelhersteller bauten schon damals die Werke oft nicht komplett selbst, sondern bedienten sich anderer Hersteller. Eine Fabrik, die massenweise sehr gute Werke für andere lieferte , war z.B. LeCoultre. Kunden bei LeCoultre waren Patek, Vacheron und auch die Glashütter Uhrenfabriken (für die komplizierten Uhren) und viele andere.

Gruß
Peter
 
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Tommog1312

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Hallo Tommog,
sogar schon vor 250 Jahren gab es große Fabriken, bzw. Uhrmacheransammlungen, die Roh- oder fertige Werke geliefert haben, die dann oft unter anderen Namen verkauft wurden.
Am interessantesten fand ich die Geschichte des Philosophen und Schriftstellers Voltaire. Der hat in Ferney (Frankreich an der schweizer Grenze) um 1770 eine Uhrmacherkolonie gegründet, in der zu besten Zeiten 1200 ! Uhrmacher beschäftigt gewesen sein sollen. Der berühmte Uhrmacher Lépine war zeitweise der Leiter dieser Uhrmacherei. Es gibt zwar auch ein paar Uhren, die mit Ferney bezeichnet sind, aber die meisten Werke wurden wohl ohne Namen an andere Uhrmacher verkauft und dann unter ihrem Namen weiterverkauft.

Natürlich gab es auch 100 Jahre später noch große Uhrenfabriken, die Uhrwerke für andere herstellten. Zum Beispiel FHF in Fontainemelone. Ich glaube fast 50 % der goldenen Taschenuhren aus der Zeit haben FHF-Werke, tragen aber einen anderen Namen, wenn sie überhaupt signiert sind.

Es zählte damals der Name des regionalen Uhrmachers, der die Uhr verkaufte, mehr als der eigentliche Hersteller. Selbst Nobelhersteller bauten schon damals die Werke oft nicht komplett selbst, sondern bedienten sich anderer Hersteller. Eine Fabrik, die massenweise sehr gute Werke für andere lieferte , war z.B. LeCoultre. Kunden bei LeCoultre waren Patek, Vacheron und auch die Glashütter Uhrenfabriken (für die komplizierten Uhren) und viele andere.

Gruß
Peter
Vielen Dank Peter, für diese Informationen. 1200 Werker zur damaligen zeit sind ja mal unvorstellbar . Was mich immer mehr in Beschlag nimmt, ist die Frage nach den Methoden der Herstellung. Wie um alles in der Welt haben die denn überhaupt diese keine Schrauben und Gewinde hergestellt? Dass heut Erodieren eine gängige Methode ist, hab ich ja verstanden, aber damals??? Nachdem ich letztes Jahr in Athen war und dort den Mechanismus von Antikithera bestaunen konnte, ist meine Ehrfurcht fast grenzenlos.

Grüße

Tom
 
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Fragen zur Restaurierung Bing Werke Nürnberg

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