Faszination Uhr - oder warum sammelt ihr Wanduhren?

Diskutiere Faszination Uhr - oder warum sammelt ihr Wanduhren? im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; Hallo, vor etwa einem Jahr habe ich in einem Geschäft (Innenausstatter) einen wiener Regulator hängen sehen - das Gehäuse war ein Schmuckstück...
S

supercat

Themenstarter
Dabei seit
10.11.2014
Beiträge
18
Hallo,

vor etwa einem Jahr habe ich in einem Geschäft (Innenausstatter) einen wiener Regulator hängen sehen - das Gehäuse war ein Schmuckstück - die Buchstaben GB auf dem Zifferblatt sagten mir zu der Zeit natürlich noch nichts. Aber es war beeindruckend welche Ruhe das Pendel in unserer heutigen so schnelllebigen Zeit ausstrahlte.

Vor zwei Monaten habe ich eine ähnliche Uhr bei einem Bekannten gesehen, und von da an hatte es mich gepackt.

Die Würde oder Schönheit des Gehäuses ist eine Sache, gute Tischler gab es auch schon jahrhunderte davor. Aber das Uhrwerk und dessen Genauigkeit bis zum heutigen Tag. Wenn man sich vor Augen führt, das Strom erst 1866 entwickelt wurde und es mit Sicherheit nochmal 5-10 Jahre gedauert hat, das die nötige Infrastruktur den Strom fast überall hingebracht hat und er permanent verfügbar war. Wie in aller Welt sind die filigranen Einzelteile von Uhrwerken vor 1866 produziert worden???

Manchmal denke ich....wenn die Uhr reden könnte oder schreiben, die könnte eine ganze Wand mit Büchern füllen. Angenommen hergestellt 1865, dann kam der Frankreich Krieg, anschließend zog man um nach Baden-Würtemberg direkt an die französische Grenze als der 1. Weltkrieg ausbrach. Nach 4 schrecklichen Jahren zog man dann um nach Ostpreußen. 1939 schickte uns der geisteskranke Hitler in den nächsten Krieg. Nach 6 Jahren musste die Familie fliehen vor der näherrückenden roten Armee. Wahrscheinlich übers zugefrorene Haff mit Sack und Pack auf einem Pferdewagen.

Und all diese Widrigkeiten hat die Uhr überlebt. Jede Wette, das sämtliche heute produzierten Uhren unter gleichen Bedingungen in 150 Jahren nicht mehr funktionieren.

Andreas
 
Der Stromer

Der Stromer

Dabei seit
14.03.2011
Beiträge
1.833
Ort
92272 Hiltersdorf
Hallo Andreas.

Also, das mit dem elektrischen Licht ist so eine Sache: Glühbrine so ab 1881. 1894 erst waren ca. 10.000 elektrische Beleuchtungen in Berlin (bei über 1 mio. Beleuchtungkörper) installiert und bis weit in die 1930er Jahre hinein gabe es keine Flächendeckende Versorgung mit elektrischer Energie. Manche Ortschaften erhielten das "Elektrische" sogar erst nach dem WKII! Kann man sich heute garnicht mehr vorstellen, wie das mit Petroleum und Kerzen war (und ohne Fernseher:shock:).

1866 hat Werner Siemens (noch nicht von) das Dynamo-Prinzip entdeckt. Der wichtigste Baustein für die Nutzung der Elektrizität.

"Strom" selbst kannten schon die alten Griechen. Bernstein kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Elektron". Denn die Griechen wusten schon, dass man durch Reiben mit Wolle hohe Spannungen und Funken erzeugen konnte. Dienste aber eher der Volksbelustigung.

Uhren (Räderuhren) hat man schon Jahrhunderte vorher entwickelt und betrieben. Zum Beispiel in Luzern die erste Turmuhr um 1385! Und Peter Henlein baute seine erste Deutsche, es gab schon früher tragbare Uhren z.B. in Frankreich, am Körper tragbare Uhr ca. 1512. Henlein war übrigens kein Uhrmacher, sondern Schlossermeister, wie fast alle "Uhrmacher" im Mittelalter.

Und zu Deiner Uhr: Es läßt sich nur schwer nachvollziehen, dass auf diesen Trecks von Ostpreusen nach Westen die Flüchtlinge auch Uhren mitgeschleppt haben. Und wenn, dass diese dann am unbekannten Zielort auch noch in Tackt waren:-(. Ich denke mal, das nackte Leben war wichtiger.

Und noch etwas: Nur sehr wenige Uhrenhersteller (Lenzkirch unter Aderen) heben eine eigene Gehäuseschreinerei gehabt. Noch nicht einmal Gustav Becker hat eigene Gehäuse gebaut. Das (wie auch die Ziffernblätter etc.) wurden nach Geschmack der Kunden zugekauft.
Da diese Schreinerein meist vom Möbelbau gelebt haben, verstanden sie ihr Handwerk natürlich sehr gut. Und Qualität bei Uhren wurde bis in die 1890er groß geschrieben. Erst dann kamen die "Amerikaner-Werke" - Dünne, gestanzte Platinen, Laternentriebe, und maschinelle Montage - in Mode. Vorreiter dieser Billigproduktion war Junghans, der dann in den 1920er auch Pfeilkreuz (HAU - Hamburg-Amerika-Uhrenfabrik) auf sehr spektakuläre Art und Weise übernommen hat. Heute wäre das eine "Feindliche" Übernahme, zumal der Besitzer der HAU mit den Junghänsen verwandt war:shock:.
 
Zuletzt bearbeitet:
S

supercat

Themenstarter
Dabei seit
10.11.2014
Beiträge
18
Hallo

es ist mir bewusst das schon den Griechen bekannt war das Reibung mit bestimmten Materialien eine elektrische Entladung hervorbringt, die aber wohl kaum länger als den Bruchteil einer Sekunde angehalten hat. Was ich meinte war eine kontinuierlich anhaltende Spannung, dessen Grundlage 1866 geschaffen wurde. An eine Beleuchtung mittels Glühbirne wurde zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gedacht. Dessen Entwicklung hat dann eben nochmals 15 Jahre gedauert. Wichtig ist aber, das ersteinmal die Grundlage geschaffen war.

Ich wunderte mit nur, welchen Mitteln die filigranen Zahnräder erstellt wurden, was mir übrigens keiner hier beantworten konnte.

Und das die Uhr bei der Flucht mit genommen worden ist, habe ich erstens anhand von alten Filmaufnahmen selbst sehen können und zweitens ist es wohl leicht denkbar, denn diese Wiener Regulatoren haben mit Sicherheit mehrere Monatslöhne, für einige viellleicht einen Jahreslohn verschlungen. Und alles was im Westen zu Geld gemacht werden konnte, wurde mitgenommen.

Andreas
 
Der Stromer

Der Stromer

Dabei seit
14.03.2011
Beiträge
1.833
Ort
92272 Hiltersdorf
Hi.

Du schreibst:
Ich wunderte mit nur, welchen Mitteln die filigranen Zahnräder erstellt wurden, was mir übrigens keiner hier beantworten konnte.
Nun, mit einem Hammer, um das Material in ein Blech um zu wandeln. Zirkel, um den Umkreis anreißen zu können, eine Schere (oder Säge bei dickerem Material) zum Ausschneiden und Feilen, Bohrmaschine (Handbetrieben). Berechnungen mit Stift und Schiefertafel - Papier war zu teuer. Noch bis 1820 herum im Schwarzwald von Holzbauern in Heimarbeit so gemacht. Später wurden solche Teile in Messing gegossen und per Hand nachbearbeitet. Maschinelle Fertigung wohl erst um 1840 mit ersten Anfängen, es waren die Amerikaner, die diese Art der Fertigung entwickelten, aber ich kann mich auch in der jahreszahl irren (ist menschlich, gelle?)

Zur Elektrizität: Um 1866 wurde das Dynamoprinzip entdeckt und entwickelt. Hauptgrund war eine konstante Stromversorgung zu haben, um die elektrischen Telegrafen und Beleuchtungen (Bogenlampen etc.) zu betreiben. Motorprinzip kam dann auch bald 1875 - aus dem Dynamo entwickelt. Ich habe mit modernen Beleuchtungsmitteln NICHT die Glühlampe gemeint, bei der ich übrigens auch die Jahreszahl (1881) geschrieben habe. Bitte nicht die Buchstaben des Geschriebenen umdrehen, ja!

Und: man konnte auch schon etliche Jährchen früher Elektrische Energie speichern: Leidener Flasche um 1745.

Uhren übers zugefrorene Haff geschlept? Und dann noch auf die "Wilhelm Gustlof" oder ein Torpedoboot? Oder gar eines der 5 U-Boote, die an der Evakuierung beteiligt waren? Warst Du dabei? Nein, sicher nicht. Diese Dinge kamen, wenn schon auf der Flucht mitgenommen, aus Böhmen, Schlesien, etc. Aber nicht aus Ostpreusen im Winter 44 / 45. Und an "Zu Geld machen" hat auf der Flucht sicher kaum einer wirklich gedacht. Nur als Familienschatz wurden solche Dinge (es war ja meist das Einzige, was vom Hausstand transportabel und übrig geblieben war) mit geschleppt. Das dann später solche Sachen gegen Lebensmitteln verhökert werden mussten (bei den eigenen Landsleuten, die davon meist noch schamlos profitiert haben), ist eine andere, traurige Geschichte.

Aber das hat wohl in einem Uhrenforum nichts zu suchen. Lassen wir das.

Glaube nicht allen Filmen, die es darüber gibt. Auch Zelluloid lügt!
 
S

supercat

Themenstarter
Dabei seit
10.11.2014
Beiträge
18
Nicht aus Ostpreussen? Natürlich war ich nicht dabei, aber mein Onkel, heute 91. Damals in der 6. Armee und mit einem der letzten Versorgungsflüge aus dieser aussichtslosen Hölle geflohen, in Gerdauen bei Königsberg notgelandet und dort nach langem Lazarettaufenthalt von einer Familie aufgenommen worden. 2 Jahre später floh er mit der der Familie über die Danziger Bucht und gelang mit Hilfe Richtung Westen aufgebrochener Wehrmachtsverbände nach Pommern. Zu der jüngsten Tochter der Familie (damals 3 oder 4 Jahre alt) hat er heute noch Kontakt.
 
R

Ramses300

Dabei seit
21.10.2012
Beiträge
163
Und: man konnte auch schon etliche Jährchen früher Elektrische Energie speichern: Leidener Flasche um 1745.
Bevor es das dynamoelektrische Prinzip ermöglichte, elektrische Energie leicht und vor allem wirtschaftlich zur Verfügung zu stellen, waren elektrochemische Elemente DIE Stromquelle schlechthin.
Der berühmte Sir Humphry Davy machte damit seine Experimente, entdeckte u.a. die Alkalimetalle, die man ohne Elektrizität kaum elementar darstellen kann.

Das dynamoelektrische Prinzip (m.E. wird das oft falsch interpretiert) besagt eigentlich nur, daß man bei einem Generator keine Batterie oder separate Energiequelle für die Magnetisierung benötigt, die wiederum nötig ist, um eine Erregung zu bewerkstelligen.
Und genau das hat Herr Siemens entdeckt.
 
SINNlich

SINNlich

Dabei seit
11.09.2006
Beiträge
4.759
Ort
Ostfriesland
Das wirft die Frage der Häufung von Wanduhren in den Haushalten der ostpreußischen Landbevölkerung auf.

Was kostete eine gute Wanduhr? War sie für den durchschnittlichen ostpreußischen Bauer erschwinglich, der 1945 den Panjewagen packen musste?

Und schon haben wir wieder den Bogen zum Thema "Uhren" geschlagen.

In Ostfriesland jedenfalls, war es ein Zeichen von beginnendem Wohlstand, eine Wanduhr zu besitzen. Darum ein "Muss" ab dem beginnenden 20. Jahrhundert.

Die Moorkolonisten hatten übrigens bis weit in die 50er Jahre keinen elektrischen Strom. Eine Wasserleitung gab es im relativ wohlhabenden Brookmerland erst ab 1964, weil zu der Zeit ein Wasserwerk gebaut wurde. Bis dahin bediente man sich aus den Pütten und Zisternen.

Meine Frau hat die "Klok" ihrer Großmutter jedenfalls liebevoll bewahrt, auch wenn sie sehr simpel ist. Bei uns hängen eine französische aus dem Art Deco und zwei Schmeckenbecher-Pendeluhren.

Munter!

Axel
 
Zuletzt bearbeitet:
Thema:

Faszination Uhr - oder warum sammelt ihr Wanduhren?

Faszination Uhr - oder warum sammelt ihr Wanduhren? - Ähnliche Themen

  • [Verkauf] Buch ,,Faszination Russische Uhren” von Michael Ceyp

    [Verkauf] Buch ,,Faszination Russische Uhren” von Michael Ceyp: Verkaufe wegen Sammlungsauflösung das o. g. Buch in sehr gutem Zustand. Preis: VHB 14€ zzgl. 2,20€ Deutsche Post Buchversand! Hinweis...
  • Details, Details. Welches Detail macht für Euch die Faszination einer bestimmten Uhr aus?

    Details, Details. Welches Detail macht für Euch die Faszination einer bestimmten Uhr aus?: Liebe Mitinsassen, wenn ich so durch alle Fäden stöbere, finde ich immer wieder sehr schöne Bemerkungen, wie „..die Uhr musst Du mal in der...
  • Faszination mechanische Uhr

    Faszination mechanische Uhr: Ich frage mich, warum mich und viele andere Menschen, mechanische Uhren so faszinieren? Sie sind viel teurer als quarzbetriebene Uhren und dabei...
  • [Erledigt] Buch: Faszination Sowjetische Uhren (von Ceyp/Pachnike) - neuwertig/unbenutzt

    [Erledigt] Buch: Faszination Sowjetische Uhren (von Ceyp/Pachnike) - neuwertig/unbenutzt: Aus meinem Bestand biete ich eine neuwertige und unbenutzte Doublette an. Michael Ceyp und Klaus Pachnicke Faszination Sowjetische Uhren: Frühe...
  • [Verkauf] Buch: Faszination Sowjetische Uhren (von Ceyp/Pachnike) - neuwertig/unbenutzt

    [Verkauf] Buch: Faszination Sowjetische Uhren (von Ceyp/Pachnike) - neuwertig/unbenutzt: Aus meinem Bestand biete ich eine neuwertige und unbenutzte Doublette an. Michael Ceyp und Klaus Pachnicke Faszination Sowjetische Uhren: Frühe...
  • Ähnliche Themen

    Oben