Es muß nicht immer Stimmgabel sein: Bulova Automatic, 23 Steine, Cal. 11ANAC, Bj. 1970

Diskutiere Es muß nicht immer Stimmgabel sein: Bulova Automatic, 23 Steine, Cal. 11ANAC, Bj. 1970 im Vintage Uhren Forum im Bereich Uhrentypen; Auf meinem Streifzug durch die Angebote dieses Forums stieß ich letzte Woche auf diese "Sommer"-Uhr. Mein erster Gedanke war: Warum steht die hier...

apple1984

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Auf meinem Streifzug durch die Angebote dieses Forums stieß
ich letzte Woche auf diese "Sommer"-Uhr. Mein erster Gedanke war:
Warum steht die hier noch zum Verkauf? Sieht doch ganz nett aus.
Zu teuer? Nö, für eine Bulova legt man doch, ordentlicher Zustand
vorausgesetzt, z.T. 3stellige Belege hin. Habe einfach mal angefragt, wo
denn die nächste Preissenkung liegen würde und nach langen, harten
Verhandlungen sind wir dann einig geworden. ;-) Vielen Dank, Gerd.

Super sicher verpackt kam sie am Dienstag morgen an. Der Zustand
konnte als sofort tragbar eingestuft werden und bei näherer Betrachtung
machte sich zufriedenes Grinsen breit, das bis jetzt anhält.
Signierte Krone und Schließe, Armband scheint auch original zu
sein - doch dazu später noch eine Anmerkung.

Bevor die Uhr eintraf habe ich mich natürlich über die Firma Bulova ausreichend
informiert und kann somit die erste amerikanische Uhr in meiner Sammlung
vermelden. Zwar sind die Einflüsse sehr europäisch, wenn ich die Herkunft
von Joseph Bulova bedenke. Die Tatsache, dass die Werke z.T. in der
Schweiz hergestellt und in US eingeschalt wurden, rechtfertigen natürlich
eine Erwähnung auf dem Zifferblatt. Auffällig geworden im wahrsten Sinne
des Wortes und im kollektiven Gedächtnis hängen geblieben ist die Firma allerdings
mit der Accutron Stimmgabeluhr ohne Zifferblatt - auch Spaceview genannt.

Wenn eine Uhr in Edelstahl auf meinem Werktisch aufschlägt, ziehe ich natürlich
sofort Vergleiche mit den Produkten eines gewissen japanischen Herstellers,
die den Hauptanteil meiner Uhrensammlung ausmacht. Und ich muss sagen:
Hut ab, hält jedem Vergleich mit einer Seiko stand. Das Material, deren
Bearbeitung sowie die Passgenauigkeit der verwendeten Teile sind über
jeden Zweifel erhaben. Die halbversenkte Krone schließt dermaßen genau
mit der angeschrägten Aussparung ab, das man Absicht unterstellen muss.
Einfach wertig gemacht.

Beim eigenwillig geformte Gehäuse mit den hoch eingeschnittenen Bandaufnahmen
fallen zuerst die zwei unterschiedlichen Oberflächenbehandlungen auf.
Der Korpus fein rundgeschliffen, die abfallenden Flanken hochglanzpoliert,
die Stegausschnitte und die Unterseite der Uhr ebenfalls. Das Band war auf den
Außenbahnen mattiert und in der Mitte auf Hochglanz getrimmt, hat mir aber
bei näherer Betrachtung nicht gefallen, da der direkte Abschluß zu den Hörnchen
ja nun in matter Ausführung vorliegt. Flugs das Schleifflies herausgekramt und
angeglichen.

Die Hochglanzlünette umschließt ein angephastes Plexi ohne Wölbung und
gibt den Blick auf das sehr zurückhaltend gestaltete Zifferblatt frei. Die leicht
senkrechte Linierung auf dem mattweißen Zifferblatt vermittelt einen Hauch
von Eleganz. Randnah platziert die blauen, Doppel-Indices. Leider nur gedruckt,
dafür aber nach 43 Jahre noch satt in der Farbe. Die ebenfalls blau
eingefärbten Schwertzeiger mit freistehenden grauen Hälsen in klassischer
Längen- und Breitenproportion. Vorbildlich. Der blaue Sekundenzeiger ist
vielleicht einen halben Millimeter zu kurz - dann wäre er perfekt. Beleuchtung
ist vorgesehen in den Zeigern und am äußeren Ende der Stundenmarkierungen.
Die haben allerdings nach 40 Jahren ausgeleuchtet.

Die Beschriftung auf dem Zifferblatt angenehm zurückgenommen; einzig
die Bulova Stimmgabel ist als Applique chromschimmernd aufgesetzt und somit natürlich
der Eyecatcher. Die offene Minuterie liegt nur in 5 Abteilungen vor, obwohl
der Sekundenzeiger dieses Automatikwerkes durchaus auch halbe Einheiten
anzeigen könnte.

Das Schweizer Werk ist natürlich das Highlight des Ensembles. In einer Edelstahluhr
erwartet man gewiss nicht dieses gelbgoldglänzende Automatikwerk mit freigestelltem
Rotor. Dort hat sich der gute Joseph mit dem Anfangsbuchstaben seines Nachnamens
verewigt. Also die erste Form. Ab 1976 wurde der Rotor ähnlich wie bei Mido mit
einem Schlitz versehen. Die Finissierung des Werkes läßt in dieser Preisklasse keine Wünsche offen:
Bis auf wenige Ausnahmen wurde in irgendeiner Form Hand (oder besser die Maschine) angelegt
und die Oberflächen bearbeitet. Ist nicht alles Gold was glänzt: Einige Räder im Werk wurden
nicht mit dem Edelmetall verziert. Vermutlich die oft benutzten wie z.B. die Aufzugsräder u.ä.

Das Laufgeräusch dieses schon zu den Schnellschwingern zählenden Werkes ist
angenehm leise. Die werkseitige Gangreserve von 40 Stunden werde ich als
Dauerwechselträger nie ausloten können. Die macht bei Automaten auch sonst keinen Sinn.
Der übliche Einuhrträger, der die Uhr vielleicht des nächtens absetzt, wird kaum
an die Grenzen der Reserve anlangen, es sei denn, er ist bettlägerig oder
sonstwie zur Unbeweglichkeit gezwungen.

Der Rotor schwingt absolut lautlos, das begleitende Aufszugsgeräusch ist ebenfalls
kaum auszumachen. Schönes Detail: Mit dem Ende der Ausschwingphase bleibt die
Aufzugseinheit rastend stehen. Es ist also davon auszugehen, das wenig Bewegung
des Trägers keine Aktion nach sich zieht. 23 Steine sind gegenüber der üblichen
17er Ausführung schon Luxus, hat allerdings Einfluß auf die Gangwerte.
Denn die sind wirklich top: Seit gestern Nachmittag -13 Sekunden. Vorteil des nur
4,55 mm hohen Werkes (inkl. Rotor und Zentralsekunde wohlgemerkt) ist die ziemlich
flache Gehäusebauhöhe von knapp 10 Millimetern.

Also merke: Da, wo eine Bulova Forke 'drauf ist, ist noch lange kein
Stimmgabelwerk 'drin. ;-) Es könnte eine goldige Überraschung warten.

Ein wenig jammern möchte ich dennoch: Eine Datumsanzeige hätte ich mir schon
gewünscht - obwohl andererseits die Platzierung wiederum die absolut schlüssige
Symmetrie des Blattes beeinflußen würde. Wirklich unzufrieden bin ich mit dem
Abschluss des Armbandes: Haben die wirklich so kurze Anstöße in den 70ern
verbaut? Nicht schön gelöst, wenngleich die Übergänge vom Band zum Gehäuse
sonst gefällig aussehen. Vielleicht ist es aber auch nur die Aufforderung, mich nach einer
adäquaten Lederbefestigung umzusehen.

Die Fakten: 38 x 42 mm die Abmessungen bei einer Bauhöhe von genau
10,38 mm. Zweiteiliges Gehäuse mit 29er Plexi, verschraubter Boden
mit Doppel-Dichtung, gefaltetes Metallarmband mit langer Schließe.
Gelbvergoldetes Automatikwerk mit 23 Steinen und zusätzlichem Handaufzug.
Gewicht: 78 Gramm. Aufarbeitung: Glas, Bodendeckel, Gehäuse, Krone, Band, Schließe.

Bin äußerst zufrieden mit der Anschaffung. Obwohl die Ähnlichkeit mit einigen Modellen von
Omega und Tissot aus der Zeit unübersehbar ist, ist die Bulova eine eigenständige
Bereicherung in der Fraktion "Clean und Cold". Und meine Lieblingsfarbe kommt auch noch vor…

Die Quellen:
https://uhrforum.de/bulova-sommeruhr-weisses-zifferblatt-manufakturwerk-t130503
https://uhrforum.de/geschichte-der-uhrenmarke-bulova-t43653
bidfun-db Archiv: Uhrwerke: Bulova 11ANACB
Bulova 1971 Ambassador | myBulova.com
The History of Bulova
The Watch Guy: Bulova Serial Number Table & Manufacture Dates
Uhrmachermeister Buse,[Mainz] BY Chronollection.de
Vintage Bulova Adverts | myBulova.com
Vintage Bulova Watch Search | myBulova.com
 

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uhrzeittier

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Wow, für Deinen Besuch mit einer neuen "Alten" im Vintage-Bereich hast Du Dich ja wieder mächtig ins Zeug gelegt! Vielen Dank zunächst dafür und die tollen Fotos von dem Schmuckstück!

Und jetzt lese ich in Ruhe...;-) (und lerne, dass die Bulova-Werke aus der Schweiz kommen)
 
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Schnupperfuss

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Hallo Apple
Wieder eine sehr Informelle Vorstellung einer schönen Uhrenmarke und einer sehr Schönen und Interessanten Uhr.Herzlichen Glückwunsch.


Gruß Harald
 

Badener

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Eine wunderschöne Uhr mit einem tollen Manufakturwerk. Und die blauen Akzente auf dem ZB geben ihr das gewisse Etwas. Ich mag Bulovas ausgesprochen gerne. Neben dem Aussehen, der Verarbeitung und den guten Werken lassen sie sich auch noch einfach datieren.

Viel Freude mit der Schönheit!

Gruß
Badener
 

apple1984

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@Uhrzeittier: Danke Marco, immer nur fertig gekaufte Uhren ist auf Dauer langweilig.
Ah, du machst es so wie ich: Erst gucken, dann lesen...

@Schnupperfuss: Danke Harald, Bulova Uhren werden hier im Vintageforum doch recht selten gezeigt.

@Badener: Danke dir... das Werk ist wirklich mal was anderes und legt Gangwerte an den Tag,
die schon wirklich beeindruckend sind. Wahrscheinlich hat die doch jemand gewartet.

Ganz vergessen: Der übliche Wristshot...
 

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Tomcat1960

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Sandoz Automatic 2103.JPG

Ich sah den Sekundenzeiger und musste sie haben :D Auch das Band ist übrigens original :super:

Grüße
Tomcat
 

Ford_Prefect

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Eine sehr schöne Uhr, die man aber durchaus auch im Winter tragen kann. Die Kombination blau-weiß gefällt mir eh sehr gut. Schade, dass man diese im Vintage-Bereich eher selten findet.

Ich wünsche Dir viel Freude mit der Schönheit.

Viele Grüße
Fred
 

Zeitwandler

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An der Uhr kommt gerade auch nicht vorbei , irgendwie sehe ich gerade doppelt :D. -"Komisch das ich die im Marktplatz gar nicht gesehen hatte" ;-). Wirklich klasse Teil die Zeiger sind der Hammer genau mein Jagdgebiet. Glückwunsch :super:
 

Rata

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Im wilden Süden Deutschlands
Hallo, Markus,

eine sehr schöne Vorstellung einer ungewöhnlichen Uhr mit, wie von dir gewohnt, sehr guten Fotos von det Janze:super:. Das Zifferblatt ist meiner ganz persönlichen Meinung nach fast schon etwas zu steril, aber das Gesamtensemble mit der nicht alltäglichen Gehäuseform sehr gelungen. Und dass die "Bulova" kein Datum hat, stört mich nicht, eher im Gegenteil...;-) Ich wünsche dir jedenfalls noch viel Freude an der QNicht-Stimmgabel-Bulova", und danke fürs Zeigen:-).

Viele Grüße, Otto
 

Aeternitas

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Ah...mal eine mechanische Lady :-)
Das Werk der Uhr ist cool- wenn ich mich richtig erinnere (dieser Zahlencode der Kaliber ist ja etwas anstrengend) hatte ich das Teil auch schon in der Hand und bin fast am Autonatikaufzug gescheitert...etwas eigen das Ganze- dafür schön flach.

Die Uhr selbst ist nicht ganz mein Fall- wirkt für ihre 38 mm recht klein.
 

apple1984

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Um der leidigen Frage endlich mal auf den Grund zu gehen, wie denn Bulova Werke
zeitlich einzuordnen sind, habe ich mich auf die Suche begeben, um Licht in das Dunkel zu bringen:

DSC_4703.JPG

Um dieses Kaliber 11ANAC handelt es sich und wurde grob auf 1970 eingestuft.
Das muss nicht sein, denn auf dem Rotor ist neben der allgemeinen Seriennummer rechts
über "SWISS" ein N0 (N-Null) eingraviert. Das bedeutet nach dieser Liste...

The Watch Guy: Bulova Serial Number Table & Manufacture Dates

… 1970 als Herstellungsjahr. Das Leben kann so einfach sein. VG von Marcus

P.S: Zusatzinfo vom werten Mitglied "ominus", dem Christian:
http://ranfft.de/cgi-bin/bidfun-db.cgi?0g&ranfft&0&2usau&1278514808
Damit der Besitzer nicht das Objekt der Begierde öffnen muss, steht es zur Sicherheit
noch auf dem Bodendeckel.
 
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ominus

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Vielen Dank Marcus für deine Mühe,das ist wirklich sehr nett von dir.
 
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Es muß nicht immer Stimmgabel sein: Bulova Automatic, 23 Steine, Cal. 11ANAC, Bj. 1970

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