Uhrenbestimmung erneut Union Hologère - Alter?

Diskutiere erneut Union Hologère - Alter? im Taschenuhren Forum im Bereich Vintage-Uhren; Liebe Vintage-Taschenuhren-Liebhaber, hoffentlich ist es als absoluter Neuling nicht unangebracht, Euch gleich mit mehreren Fragen bezüglich...

Siebte Stunde

Themenstarter
Dabei seit
14.06.2017
Beiträge
11
Ort
an der Mosel
Liebe Vintage-Taschenuhren-Liebhaber,

hoffentlich ist es als absoluter Neuling nicht unangebracht, Euch gleich mit mehreren Fragen bezüglich eines kürzlich erhaltenen Erbstückes meines Großvaters zu bombardieren. Einiges, nein, vieles, ... nein, eigentlich alles, was ich bisher zu der Taschenuhr berichten kann, habe ich anhand dieses tollen Forums herausgefunden und bin auch nur deshalb in der Lage, einige Auskünfte zu geben. Daher schon mal ein großes Dankeschön an die Leute, die sich die Zeit nehmen, anderen zu helfen! Großartig!

Ich habe mich SOFORT in diese wunderwunderschöne Uhr verliebt und wusste direkt, dass wenn es irgendwie möglich sein sollte, ich diese gerne wieder laufen sehen (und vor allem ticken hören!) möchte. Sie sah topp aus, lediglich war der Gehäusedeckel von seinem Rahmen gelöst. Zögerlich habe ich ganz wenig an der Krone gedreht (ich bin unerfahren und wollte nichts kaputt machen), doch es hat sich nichts getan.

Nach langem Googeln bin ich hier gelandet und habe gelesen und gelesen und gesucht und auch einige Infos gefunden und habe auch herausgefunden, dass Fragen stellen hier ohne Bilder des Uhrwerkes nur Kaffeesatzlesen sein soll. Also habe ich mich nach etlichen Hemmungen getraut, die Uhr zu öffnen, um das Uhrwerk zu sehen. Und stellt euch vor, in dem Moment, als ich es endlich hinbekommen habe, die Uhr zu öffnen, gab es einen Ruck und ich konnte die Unruh sehen. Sie bewegte sich ... es tickte los! Die Uhr läuft noch! Mein Erstaunen war riesig und meine Freude grenzenlos. Nun habe ich hier gelesen, dass eine Revision unumgänglich ist, um die Uhr weiterhin hegen und pflegen zu können und ich bin schnurstracks zu einem ansässigen Uhrmachermeister und habe gefragt, was mich das kosten würde.

Auf ca. € 120 - 140 plus nochmal etwa € 60 für die Reparatur des abgefallenen Gehäusedeckels belief sich der Kostenvoranschlag. Da ich wirklich keine Ahnung habe und nicht wusste, ob dieser Preis gerechtfertigt ist, bin ich noch zu einem Juwelier, der auch Uhrmacher ist. Dieser hat mir den Deckel wieder hergerichtet, sie sich angesehen, etwas gereinigt und geölt und meinte, die Uhr sei in einem ausgezeichneten Zustand, sie würde wunderbar schwingen und eine Revision sei überhaupt kein bisschen nötig. Für die Reparatur des Gehäuses und das drüber sehen hat er € 25,- genommen. Hm. Was für ein Unterschied!
Nun läuft und tickt das wunderschöne Stück und ich liebe diese Uhr.

Hier erstmal die herausgefundenen Details (wobei ich mir bei manchem nicht sicher bin):

- Es ist ein Zylinderuhrwerk mit 6 Lagersteinen
- Diese Art von Taschenuhren bezeichnet man als Lepine
- Sie misst einen Durchmesser von knapp 4 cm
- Sie besitzt eine schweizer, sowie eine deutsche Silberpunze, was wohl darauf hindeutet, wenn ich das richtig verstanden habe, dass sie in der Schweiz produziert und nach Deutschland importiert wurde. Oder es ist ein Schweizer Uhrwerk und deutsches Silber?
- Die Firma Union Horlogère gab es unter dem Namen laut Wiki bis 1917, danach nannten sie sich Alpina. U.H. befindet sich auf dem Uhrwerk und ist wahrscheinlich die Abkürzung für Union Horlogère (meine Vermutung)?
- Schaue ich mir die verschiedenen Bilder und Beiträge von verschiedenen Uhren dieses Herstellers hier im Forum an, komme ich zu dem Schluss, dass diese Uhr noch älter sein muss, als mein Großvater, der 1923 geboren wurde und eventuell gehörte diese Uhr vielleicht meinem Urgroßvater?
- Laut der Website Mikrolist (die ich dann auch durch euch finden durfte, danke!) wurde die Taschenuhr zwischen 1890 und 1910 gebaut. (?) Aber leider kann ich einige der allgemeinen Merkmale nicht ausfüllen in dem Formular, weil ich keine Ahnung habe. Ist die Angabe trotz meiner fehlenden Parameter (bezüglich Unruh, Stoßsicherung, Spirale,...) aussagekräftig?
- Laut Uhrmacher sei die Uhr um 1920/30 entstanden.

Vermutungsfazit: Die wunderschöne Taschenuhr stammt aus der Zeit 1889 herum.

Soviel zu meinen eigenen Recherchen, bitte gerne um Berichtigungen und nun zu meinen Fragen:

- Wie alt ist die Uhr nun wirklich? Opas Uhr oder gar Uropas Uhr?
- Im Deckel sind die Zahl '89 und kleine Zeichen winzig reingeritzt. Wie ich vermute, könnte das eine persönliche Signatur eines Uhrmachers sein, der vielleicht mal eine Reparatur vorgenommen hat?
- Was bedeuten die Zahlen & Zeichen im Deckel unter dem Wort Galloné? Haben die was mit dem Herstellungsalter zu tun?
- Was bedeutet die Punze K&M oder KEM?
- Und was ist das kleine Punzending darunter? Ich kann das nicht erkennen.
- Im Uhrwerk ist noch ein gestempeltes winziges A zu erkennen. Weiß jemand, was das bedeutet? Ist das die Signatur des Uhrmachers, der das Werk zusammengebaut hat?

- Wie oft muss oder sollte man solch eine Revision machen lassen? Soll ich sie trotzdem machen lassen, obwohl es eigentlich nicht so nötig ist (laut Uhrmacher)?
- Was ist besser: die Uhr immer schön am Laufen halten oder sie lieber schonen und auch mal stehen bleiben lassen?
- Sie läuft mit nur kleiner Abweichung nach (ca. 2 Minuten nach ca. 24 Stunden),ich bin begeistert! Das ist völlig im Rahmen oder sogar gut, oder?
- Wie oft zieht man diese Uhren auf? Also täglich immer morgens oder so? Und immer bis zum Anschlag? Und muss ich immer den Deckel zum Uhrwerk öffnen, nachdem sie stehen geblieben ist, damit sie wieder läuft? Ich dachte nämlich zuerst, sie sei doch kaputt, nachdem sie nach dem ersten Aufziehen wieder stehen geblieben ist, bis ich bemerkte, dass ich aus Angst, was zu beschädigen, auf zögerliche Weise zu wenig aufgezogen habe. (Ich hatte Angst, diesen "Stopp! Bis hierhin und nicht weiter-Aufziehpunkt nicht zu bemerken und sie zu überdrehen). Doch sie läuft wieder, nachdem ich den Deckel nochmal geöffnet habe. Ich liebe diese Uhr und möchte sie so lange wie irgendwie möglich im Originalzustand bewahren. Aber dann beim nächsten Mal stehenbleiben lief sie kurz nach Andrehen der Krone doch wieder los, ohne den Uhrwerksdeckel öffnen zu müssen.
- Welche zeitlichen Abweichungen sind für solche alte Taschenuhren denn "normal"? Oder anders gefragt, wann sollten Teile ausgetauscht werden, weil sie sich abgenutzt haben? Ich weiß einfach nicht, ob ich präventiv was machen soll, damit die Uhr mir so lange wie möglich funktionierend erhalten bleibt oder ob ich warten soll, bis etwas kaputt geht. ???
- Leider ist der Stundenzeiger angeknickt und an der Knickstelle befindet sich ein klein wenig Grünspan, aber nur ein wenig. Ist das bedenklich? Anscheinend gibt es diese im Louis XV-Stil-Stundenzeiger (HAB ich hier viel herausbekommen, super!) noch, aber würdet ihr das ersetzen oder so lassen, bis es vielleicht irgendwann von selber abfällt?
- Der Staubdeckel: Ich habe nun schon recht viele dieser Uhren mit den unterschiedlichsten Deckel im Netz gesichtet. Bedeuten diese Gravurdeckel irgendwas? Oder zeugen sie von dem modischen Zeitgeist? Konnte man sich die selber aussuchen damals?
- Letzte Frage: Ist sie nicht wunderschön?

So. Jetzt habe ich Euch ganz schön zugeballert mit Buchstaben und hoffe, die ein oder andere Frage kann der ein oder die andere beantworten und hoffe auf Eure Hilfe. Recht vielen Dank fürs Lesen dieses ultralangen Beitrags und wer es tatsächlich bis hierher geschafft hat: ein noch größeres Dankeschön!

Herzliche Grüße,
die Siebte Stunde
 

Anhänge

  • 20170609_171351[1].jpg
    20170609_171351[1].jpg
    740,2 KB · Aufrufe: 41
  • 20170615_113103[1].jpg
    20170615_113103[1].jpg
    455,7 KB · Aufrufe: 51
  • 20170609_171932[1].jpg
    20170609_171932[1].jpg
    408,5 KB · Aufrufe: 58
  • 20170609_172048[1].jpg
    20170609_172048[1].jpg
    388,2 KB · Aufrufe: 42
  • 20170609_172916[1].jpg
    20170609_172916[1].jpg
    666,9 KB · Aufrufe: 40
Zuletzt bearbeitet:

Rata

Dabei seit
15.11.2010
Beiträge
4.776
Ort
Im wilden Süden Deutschlands
Hallo Siebte Stunde,

erst einmal willkommen im Forum:-).

Eine schöne Uhr, deine Union Horlogère. Ich denke, dass diese bereits deinem Urgroßvater gehört haben muss, deine Vermutung, dass die Taschenuhr im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts gefertigt worden ist, teile ich. Dem Uhrmacherzeichen nach ist sie also auch schon ziemlich früh gewartet / repariert worden.

Der große und der kleine Auerhahn über bzw. unter dem 0.800er Feinsilber-Stempel ist laut Hallmarkwiki zwischen 1893 und 1934 verwendet worden => Hallmarkwiki. Die Uhr und das Gehäuse wurden also IMHO in der Schweiz produziert und nach Deutschland importiert. K & M dürfte die Punze des Gehäuseherstellers sein, den ich aber leider nicht identifizeren kann. Den einzigen Hinweis zur Punze finde ich auf einer englischen Silbermarkenseite, die auf eine Kelly Marshall & Co. in Birmingham führt, und das mit Einschränkung "möglicherweise":

Englische Silbermarken "K"

Aber das wäre schon seltsam, ein englisches Gehäuse mit schweizer und deutschen Silberpunzen...:hmm:

Das Uhrwerk ist jedenfalls aus der Schweiz, es müsste das Langendorf 550 sein:

Langendorf 550 - Ranfft.de

Offenbar ist das Kaliber sogar bis in die 1920er gebaut worden, obwohl da Zylinderwerke schon ziemlich veraltet waren:shock:.

Zum Gravurdeckel: In die Wappenschilder des Deckels konnten Initialen oder Heraldika als Widmung oder Eigentumskennzeichnung eingraviert werden. Das Detail gab es, wie du bereits geschrieben hast, bei den Gehäusen sehr vieler Taschenuhren.

Zum Begriff "Galonné": Es ist die französische Bezeichnung für für Walzgold. Und explizit bezieht er sich hier auf einen auf das Silbergehäuse aufgewalzten Goldrand, überweise und auch in deinem Fall aus Rotgold. Der bei deiner Uhr noch sehr schön erhalten und nicht abgerieben worden ist:-).

Zum Aufziehen (aber nur meine persönliche Meinung): Einmal pro Tag, bei so alten Stücken wie dein Exemplar vorsichtshalber nicht ganz auf Anschlag. Wenn ich eine Handaufzugsuhr trage, mache ich das persönlich abends, bevor ich zu Bett gehe. Die Ausnahme ist meine alte Kommunionsuhr, die ich, bevor ich zur Arbeit gehe, aus der Schatulle nehme und aufziehe. Aber das ist nur meine persönliche Ansicht und kein Dogma.

Zur Gangabweichung: 2 Minuten pro Tag sind für ein Zylinderwerk dieses Alters völlig in Ordnung. Bei einem Kaliber aus dieser Zeit mit Ankergang wäre das zu viel.

Zum Stundenzeiger: Wenn du einen baugleichen Zeiger findest, austauschen lassen. Auch wenn du die Uhr nicht oft tragen wirst, ist die Gefahr, dass sich das Bruchstück im Falle eines Falles im Zeigerspiel verklemmt und dadurch Schäden an Blatt und Uhrwerk verursacht werden, einfach zu groß. Vielleicht kann dir dein Juwelier / Uhrmacher ein Exemplar besorgen und montieren, also einfach mal fragen.

Und ja: Die UH ist einfach schön, ein wunderbar erhaltenes Stück, aus allen Blickwinkeln betrachtet:klatsch:!

Viele Grüße, Otto
 
Zuletzt bearbeitet:

Siebte Stunde

Themenstarter
Dabei seit
14.06.2017
Beiträge
11
Ort
an der Mosel
Woah, super! Herzlichen Dank schonmal für die detaillreiche Ausführung, Otto! :super:

Und da purzeln dann auch schon direkt die nächsten Fragen nach:
Also sind diese schweizer Punzen ein großer UND ein kleiner Auerhahn. Schaue ich mir die Seite deines Links an, dann steht ja da, dass es den großen erst ab 1893 gibt, was aber zu der eingeritzen '89 im Widerspruch stehen würde. *grübel*
Ich hab nochmal ein Blid angehängt mit den eingeritzten Zahlen (konnte man auf dem anderen ja gar nicht sehen) - vielleicht vertue ich mich ja auch mit der Deutung dieser?

Dass mit dem K&M eine englische Punze gemeint sein soll, kann ich mir beim besten Willen auch nicht vorstellen. Was ich auf Mikrolisk noch gefunden habe, wäre das hier: K & M (mit Anker) Kramer & Moser Biel, Schweiz; reg. 1882
was von der Zeit ja super passen würde, aber es ist halt kein Anker zu sehen. ??? Könte das trotzdem sein?


Das von dir verlinkte Uhrwerk sieht dem in meiner Taschenuhr schon seeeehr ähnlich, nur ein paar Schräubchen sitzen anders. Macht das was aus, wenn es nicht 100%ig so aussieht, wie bei meiner? Allerdings lässt sich das Baujahr dann leider auf die Weise auch nicht näher eingrenzen. Schade.
Nun muss ich mir dieses "Kaliber" merken. Macht es Sinn, nach solchen Taschenuhren Ausschau zu halten und sie aufzukaufen, um Ersatzteile für den Fall der Fälle bereit zu haben? Auch wegen des Stundenzeigers?
Wobei ich das sehr schwierig finde, weil sich etliche dieser Uhren äußerlich mal mehr, mal weniger ähnlich sehen, aber wenn ich genauer hinschaue, dann ist doch oft einiges anders, aber dann kommt es vor allem auf dieses KALIBER an. Muss ich mir genau einprägen,wie das auschaut. Aber ich denke, ich werde mit der Zeit schon den Blick dafür bekommen, oder? Also die Zeiger erkenne ich mittlerweile schonmal. ;-)

Danke auch für die Hinweise bezüglich der Handhabung, die werde ich beherzigen. Ich merke schon, ich glaube, ich muss wirklich lernen, wie diese Uhr aufgebaut ist, wie sie funktioniert und ich muss mir eine zum Zerlegen besorgen. Das lässt mir sonst alles keine Ruh :shock: Bin ich jetzt infiziert?

Einen schönen Abend,
Nicole
 

Anhänge

  • 20170615_181843[1].jpg
    20170615_181843[1].jpg
    741,9 KB · Aufrufe: 32

Rata

Dabei seit
15.11.2010
Beiträge
4.776
Ort
Im wilden Süden Deutschlands
Hallo Nicole,

nur kurz, da ich auf dem Sprung bin: Ist gern geschehen:-D. Was die '89 angeht: Es gibt ja nicht nur das Jahr 1889, sondern auch 1989;-). Bei dem gepflegten Zustand der Taschenuhr ist es mehr als gut möglich, dass dein Opa diese ab und zu mal durchchecken lies.

Was das Uhrwerk angeht: Bei der offenbar langen Bauzeit dürfte die eine oder andere Kleinigkeit geändert worden sein. Und bei manchen Uhrwerken sehen die Brückenformen innerhalb der gleichen Baureihe oft total anders aus, Beispiele findest du hier:

AS 1130 - Wehrmachtskaliber - Wieviele Ausführungen gibt es denn nun?.

So, aber jetzt muss ich los:-).

Viele Grüße, Otto
 

Ruebennase

Dabei seit
09.08.2013
Beiträge
2.331
Ort
Norddeutsche Tiefebene
Ich möchte als erstes die letze Frage beantworten: Ja, sie ist wunderschön die Uhr deines (Ur)Großvaters. Ich bin wie Otto auch der Meinung das die Uhr aus der Zeit kurz vor der Jahrhundertwende stammt. Dazu paßt das Gesamtbild der Uhr und auch die "alte" U.H. Punziering. Der Stil der Uhr entspricht nicht der Mode um 1910/20. Meines Wissens nach wurde der schweizer Auerhahn (groß und klein) bereits seit 1882 verwendet, was allerdings vor dem Herstellungsjahr der Uhr liegt. Sowie die Reichssilberstempel bindend 1888 https://watch-wiki.org/index.php?title=Kontrollstempel

Das Uhrmacherzeichen mit 489 hat vermutlich überhaupt nichts mit irgend einem Jahr zu tun. Wer weiß schon was sich der Uhrmacher über die Uhr/Reparatur erzählen wollte, wenn er die Uhr noch einmal in die Hand bekommt. Da gibt es keine "allgemeine Uhrmacher Geheimsprache" sondern jeder hat es gehalten wie er wollte.

Grüße Rübe

Grüße Rübe
 

Siebte Stunde

Themenstarter
Dabei seit
14.06.2017
Beiträge
11
Ort
an der Mosel
Guten Morgen allerseits,

Bei dem gepflegten Zustand der Taschenuhr ist es mehr als gut möglich, dass dein Opa diese ab und zu mal durchchecken lies.
Da musste ich leicht schmunzeln. Ich kenne/(kannte) meinen Opa doch, NIE & NIMMER hat er diese Uhr 1989 durchchecken lassen, dafür lege ich ohne zu zögern meine Hand ins Feuer! Als ich sie im Nachlass entdeckte, konnte ich mich an die Uhr erinnern, die habe ich als kleines Kind mal gesehen und ich erinnere mich auch, ihn danach gefragt zu haben, aber was er mir antwortete, weiß ich leider nicht mehr. Nachfragen bei meiner Mutter ergaben, dass auch sie gelacht hat, als ich sie fragte, ob Opa die Uhr vielleicht mal hat reparieren lassen. Das ist ausgeschlossen.
Meiner Oma hätte ich es zugetraut, dass sie die Uhr heimlich hätte reparieren lassen, ohne dass Opa was davon mitbekommen hätte. Also wer weiß?

Jedenfalls bin ich unendlich dankbar (auch @Rübe!) für die vielen Links, die haben schon sehr weitergeholfen. Wenn man so nach und nach die ganzen richtigen Worte und Bezeichnungen erfährt, das hilft weiter zu recherchieren, was mir großen Spaß bereitet.

Es muss wohl reichen, sie irgendwann um die Jahrhundertwende zu datieren. Und mittlerweile weiß ich nun auch, dass sie wohl eine Gangreserve von 38 Stunden hat.

Was diese Zahlen & Zeichen unter Galonné zu bedeuten haben, weiß niemand?
Und die dringlichste Frage: Wann ist eine Revision tatsächlich erforderlich?

Danke, Otto und Rübe für die Zeit (ticktackticktack), die ihr meinem Faden und der Fragen geschenkt habt! Ich weiß das sehr zu schätzen!
 

Badener

Dabei seit
27.07.2010
Beiträge
6.005
Ort
Eurasburg
Hallo,

die Zahlen unter Galonné sind irgendwelche Produktionsnummern des Herstellers (z. B. Gehäusenummer, Produktionsbatch,...), zu denen es mit Sicherheit keinerlei Unterlagen gibt.

Eine Revision würde ich persönlich bei einer Uhr mit Zylinderwerk nur machen lassen, wenn ich diese auch ab und zu benutzen würde. Sonst einfach liegen lassen und daran erfreuen. Eine Revision für 25 Euro, wie du sie oben beschrieben hast, ist m. E. eher kontraproduktiv. Da wurde wahrscheinlich einfach neues Öl aufgebracht, ohne das Werk zu reinigen. Das funktioniert eine Weile ganz gut, aber Rückstände von altem Dreck, Abrieb etc. bilden zusammen mit neuem Öl ein prima Schmiermittel, dass die Lagerzapfen beschädigt, wenn die Uhr regelmäßig läuft.
Also wenn schon Revision, dann richtig!

Gruß

Badener
 

Rata

Dabei seit
15.11.2010
Beiträge
4.776
Ort
Im wilden Süden Deutschlands
Hallo Nicole,

nach Badeners' Antwort habe ich deinen ersten Post nochmals ganz genau durchgelesen und gebe ihm Recht: Eigentlich sollte so ein altes Uhrwerk nach wer weiß wie langer Zeit doch völlig demontiert, gründlich gereinigt und frisch mit neuem Schmierstoff versorgt werden, wenn die Uhr öfters eingesetzt werden soll. Etwaiger Schmutz an den Lagerstellen und neues Öl bilden eine unheilige Allianz, wirken wie Schleifpaste und bewirken über kurz oder lang den Exitus des Werks. Bei einer kompletten Grundüberholung können jedoch schon die vom ersten Uhrmacher avisierten 120 Euro zusammen kommen.

Also mein Tipp ist: Eher vorerst mal nicht so oft benutzen, etwas Geld zusammensparen und das Uhrwerk gründlich überholen lassen. Dabei auch den beschädigten Zeiger ersetzen lassen, das ginge ja in einem Aufwasch:-).

Zum Uhrmacherzeichen: Wie Rübennase schreibt, kann das nach einem völlig anderen Schema als nach dem Datum gestaltet sein, da jeder Uhrmacher in diesem Punkt sein eigenes Süppchen kochen kann.

Zur "Familiengeschichte der Uhrenpflege": Dass dein Opa nicht danach geschaut hat, erstaunt mich zwar, aber vielleicht hat deine Oma ihm tatsächlich heimlich eine Grundübeholung "untergejubelt", damit das hübsche Ding länger überleben kann;-).

Zu den Zahlen unter dem "Galonné"-Schriftzug hat dir Badener bereits alles gesagt, besser könnte ich es nicht:-).

Ich wünsche dir einen schönen Freitag Nachmittag und einen guten Einstieg ins Wochenende.

Viele Grüße, Otto
 

Siebte Stunde

Themenstarter
Dabei seit
14.06.2017
Beiträge
11
Ort
an der Mosel
Danke für die weiteren Erläuterungen zu den Zahlen, Zeichen, Produktionsnummern, u.ä.

Eine Revision für 25 Euro, wie du sie oben beschrieben hast, ist m. E. eher kontraproduktiv.
Das war ja auch keine Revision, sondern der Preis für die Reparatur des Staub-/Gehäuse-/Gravurdeckelchens, welches sich aus dem Rahmen gelöst hatte.
Da wurde wahrscheinlich einfach neues Öl aufgebracht, ohne das Werk zu reinigen. Das funktioniert eine Weile ganz gut, aber Rückstände von altem Dreck, Abrieb etc. bilden zusammen mit neuem Öl ein prima Schmiermittel, dass die Lagerzapfen beschädigt, wenn die Uhr regelmäßig läuft.

Ach du Schreck ... ja, das hatte er auch gesagt, dass er sie etwas gereinigt und neues Öl drauf gemacht hat ... Oh jehmineh!

Also mein Tipp ist: Eher vorerst mal nicht so oft benutzen, etwas Geld zusammensparen und das Uhrwerk gründlich überholen lassen. Dabei auch den beschädigten Zeiger ersetzen lassen, das ginge ja in einem Aufwasch

Das werde ich beherzigen! Und nun verstehe ich auch die Frage des Uhrmachers, ob ich sie denn "öfter mal tragen" möchte. Ich habe das missverstanden und gedacht, sie tragen würde bedeuten, sie auszuführen und mit mit herumzuschleppen, aber nun bin ich mir sicher, dass er damit gemeint hat, sie aufzuziehen und ticken zu lassen. :oops: Okay, ich werde nun sparen (weil ich auch schon eine weitere Taschenuhr zur Reparatur abgegeben habe, die ich bei Gelegenheit vorstellen werde, wenn ich endlich mal Informationen dazu herausbekommen habe) und noch zwei weitere Armbanduhren meiner Oma reparieren lassen möchte. Das geht alles nur nach und nach.

Noch ein paar letzte Fragen seien mir gestattet: Macht es Sinn, nach solchen Taschenuhren mit dem Kaliber Langendorf 550 Ausschau zu halten, um vielleicht ein kleines Arsenal an Ersatzteilen auf Lager zu haben, falls mal etwas ersetzt werden muss? Weil es wäre doch toll, wenn ich die Uhr meinem Sohn irgendwann mal vererben könnte und noch toller, wenn sie dann immer noch funktionieren würde und ich noch Originalersatzteile dazu legen könnte. Was meint ihr? Oder wird es alle diese winzig kleinen Einzelteile, aus denen sich die Uhr zusammensetzt, immer in der Uhrmacherszene zum Erwerb geben, weil es quasi "Standard-Teile" sind? Weil ich habe den Eindruck, noch kommt man relativ gut an sowas ran, aber wer weiß, wie lange das so sein wird?

Ein schönes Wochenende Euch allen!
 

Ruebennase

Dabei seit
09.08.2013
Beiträge
2.331
Ort
Norddeutsche Tiefebene
Hallo Nicole,
ich persönlich würde mir ohne aktuellen Grund keine Ersatzwerke zu legen da die Uhr deines Großvaters läuft. Es ist gut, dass Du den Rat des Badeners Dir zu Herzen nimmst, denn ich hatte mit Schecken gesehen, dass ich es vergaß zu erwähnen. Den Uhrmacher, den Du gefunden hast, scheint ein Guter zu sein. 25 Euro für ein Schanier, da kann man nicht meckern und die richtigen Fragen hat er auch gestellt. Wenn er die Uhr zerlegt und gereinigt hat, sieht er genau, wie es um Zapfen und Lager bestellt ist. Wenn tatsächlich die feinen Zapfen in den präzisen Lagern zu lange im Mikrodreck aus hartem Öl und Staub sich gedreht und verformt haben, dann kann man immer noch agieren. Ist alles tacko wirst Du bei "guter Pflege" und stoßfreiem Umgang noch Jahrzehnte Freude an Opa's Uhr haben. Sicherlich, wie Otto erwähnte, es ist kein Chronometer sondern eine der etwas einfacheren Uhren mit Zylinderhemmung kurz vor 1900, aber mir persönlich reicht die Genauigkeit der Uhren auch für den täglichen Gebrauch.
Das klassische Verschleißteil bei guter Pflege ist die Zugfeder, für die es im Moment noch problemlos Ersatz gibt und da hilft die alte Feder eines alten Werkes auch nicht so recht. Den Zustand der Zapfen kannst Du einem Ersatzwerk von Außen in keinster Weise an sehen. Hinzu kommst, dass oftmals Werke, die über Jahrzehnte gebaut wurden, etwas modifiziert worden sind bzw. in etwas unterschiedlichen Größen produziert wurden, so dass es keine Garantie gibt, dass die Ersatzteile 1:1 passen. Allerdings weiß ich nicht, ob das sich auch speziell beim Lanco 550 so verhält.

Grüße Rübe
 
Zuletzt bearbeitet:

Siebte Stunde

Themenstarter
Dabei seit
14.06.2017
Beiträge
11
Ort
an der Mosel
Ein herzliches Dankeschön an Euch alle, die Ihr mir sehr geholfen habt! Nun bin ich um einiges schlauer und kann mit dem nächsten Ührchen beginnen, Euch mit Fragen zu bewerfen. ;-)

Nur noch eins zur Erläuterung: Es wurde nicht das Scharnier repariert, sondern ... ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll ... der silberne Gravur-Deckel hatte sich aus dem ... Galonné-Gehäusering (?nennt man das so?) herausgelöst und der musste wieder ... hineingedengelt (?) werden. Sowas in der Art, ich hoffe, das war verständlich.

Einen schönen Sonntag Euch urigen Uhrenverrückten!
 
Thema:

erneut Union Hologère - Alter?

erneut Union Hologère - Alter? - Ähnliche Themen

Alte Goldene Taschenuhr aus Nachlass 18k 3 Deckel: Hallo liebe Uhrenfreunde! Aus dem Nachlass meines Vaters ist eine goldene Taschenuhr aufgetaucht. Ich habe leider keinerlei Ahnung von Uhren...
Die gute alte von Opa ;-): Moin Freunde :winken: Ich will euch heute mal meine erste mechanische Uhr zeigen. Als ich 6 Jahre alt war ist mein Großvater verstorben. Ich muss...
Doxa Eisenbahner-Taschenuhr: Hallo liebe Spezialisten für Taschenuhren, Meine -Doxa- Eisenbahner-Taschenuhr macht mir Sorgen. Es handelt sich um ein Model von ca. 1908-1910 ...
Billodes oder nicht ...: Ich habe heute aus einem Nachlaß drei TaschenUhren bekommen. Eine der Uhren ist eine TU der Marke "Tunnel" die wohl, lt. Stempel "GF", von Georges...
Uhrenbestimmung Glocken-Union: Vorstellung Familienerbstück: Liebe Uhren-Experten, mit meinem ersten Post in diesem Forum will ich euch die Taschenuhr vorstellen, die mein Interesse an Uhren geweckt hat...
Oben