Erfahrungsbericht Uhrmacherseminar

Diskutiere Erfahrungsbericht Uhrmacherseminar im Uhrencafé Forum im Bereich Uhrencafé; Hallo, Ich wurde gebeten mal ein paar Eindrücke des Uhrmacherseminars bei Uli Kriescher wiederzugeben. Leider bin ich nicht der besten...
#1
Axel66

Axel66

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Hallo,

Ich wurde gebeten mal ein paar Eindrücke des Uhrmacherseminars bei Uli Kriescher wiederzugeben.

Leider bin ich nicht der besten Schreiberlinge einer aber nun denn.

An einem Sonntag im September letzten Jahres, es war das verregnete Wochenende als der GP in Spa ausgetragen wurde, machte ich voller Erwartungen auf den Weg nach Würselen. Ich möchte nicht verschweigen, daß ich dabei auch etwas mulmiges Gefühl hatte, bin ich doch eher als Grobmotoriker bekannt.

Nachdem ich dann angekommen war ging es nach einem Begrüßungskaffee (wußte gar nicht, daß der Koffeinsud gegen zittrige Finger helfen soll) auch flugs ans Werk..

Zunächst wurde das Funktionsprinzip einer Uhr anhand eines Kleinuhrenmodells erläutert.

Danach konnten wir an eben jenem Kleinuhrenmodell erstmals Hand anlegen. Bereits hier wurde deutlich, daß ein systematisches Ablegen der demontierten Teile nicht von Nachteil ist. Während der ganzen Zeit erklärte Uli Kriescher verständlich nochmals die Funktion jedes Einzelteils und stellte auch immer Bezüge zu Taschen- und Armbanduhren her.

Hiernach sollte das eigentliche Seminarsprojekt, Zerlegen, Reinigen und Schmieren sowie natürlich Wiederzusammenbau einer Armbanduhr (ein Teilnehmer entschied sich für eine Taschenuhr) mit dem großzügig dimensionierten Handaufzugswerk ETA/Unitas 6497-2.

Hierzu gab es vorab eine kleine Einweisung in die Werkzeuge und den Arbeitsplatz des Uhrmachers. Wie während der ganzen Zeit fehlte es auch hier nicht an Anekdoten aus dem Uhrmacheralltag.

Nachdem das vorher am Kleinuhrenmodell erlernte Funktionsprinzip auf die Taschen/armbanduhr übertragen und das Spezifische dieser Uhrenart hervor gehoben wurde, ging es dann an das Objekt der Begierde. Da es sich ja um die eigene Uhr (Bestand der Seminargebühr) handelte war man peinlichst darum bemüht ja keine Spuren zu hinterlassen.

Nach dem Öffnen wurden die Krone samt Welle entnommen, das Federhaus entspannt, die Zeiger abgehoben und das ZB entfernt.

Irgendwann zwischendurch gingen wir Mittagessen, wo uns Uli von den Nachwuchsproblemen im Uhrmacherhandwerk berichtete.

Ich schweife ab? Sorry! Beim Zerlegen der Uhr ging es weiter mit dem Räderwerk und dannach die Hemmung. Allerdings ließen wir es beim Entfernen des Unruhklobens bewenden und ließen Unruhe samt Spirale unangetastet. Na ja fast: einem Teilnehmer passierte es, daß er die Spirale verhedderte, so daß Uli unfreiwillig sein Geschick unter Beweis stellen konnte7mußte.
Aus Zeitgründen und wohl auch damit uns keine Einzelteile im Übereifer um die Ohren flogen ließen wir auch das Federhaus und das Gesperr unangetastet.

Normalerweise würde man jetzt die Teile um Ultraschall reinigen, was bei unseren Neuuhren nicht nötig war. Wir gingen wieder an den Zusammenbau, der die wohl größte herausvorderung darstellte. Oft war ich der Verzweiflung nahe, aber am Ende rutschten dann doch alle Zapfen in die Lager und bekam auch die Unruheinheit wieder mit dem Anker in Eingriff. Allerdings hat mich erstaunt, daß ich als Berufshektiker auf einmal immer entspannter wurde und irgendwie traurig war als der Zusammenbau vollbracht war - aber natürlich auch stolz wie Oskar!

Die Lagerstellen wurden dann geölt, an einigen Stellen Fett aufgebracht und unsere Fingerabdrücke mit Rodico, der grünen, knetartigen Reinigungsmasse entfernt.

Ich weiß leider nicht mehr, ob wir dann gleich das ZB montiert und die Zeiger gesetzt haben oder ob wir erst zur Zeitwaage gingen. Aber ich weiß noch ganz genau, wieviel Spaß es machte die Uhr auf der Zeitwaage dann einzuregeln. Ich hatte mein Exemplar auf ca. +3 s/d eingeregelt, weil Uli erklärte, daß die Uhr am Arm wohl eher verliert (in den Wochen danach hat sich das bewahrheitet, ich habe jetzt aber die Uhr schon lange nicht mehr getragen). Zu guter Letzt wurde wieder alles verschloßen (natürlich nicht ohne das Glas nochmal zu reinigen und der Tag war auch schon Zuende.

Bitte seid mir (besonders die Fachleute) nicht böse, falls ich jetzt im nachhinein vielleicht ein paar Dinge durcheinander gebracht habe oder die falschen Begriffe verwandt habe. Ebenso bitte ich Rechtschreibfehler und schlechten Stil zu entschuldigen.

Auf alle Fälle hatte sich die Sache 100%ig gelohnt und denke ich werde dieses oder nächstes Jahr wahrscheinlich mal irgenwo einen zweitägigen Kurs buchen um das ganze aufzufrischen und zu erweitern.
Für absolute Einsteiger finde ich den Kurs von Uli optimal, da einem nicht zuviel auf einmal abverlagt wird, der Preis sehr moderat ist, und man, wenn die Anfahrt nicht zu lange ist ohne Übernachtung auskommt (ist vielleicht auch für Familienväter ein entscheidender Punkt).

So, bevor ich jetzt schließe, hier noch ein Foto der Uhr (bitte nicht durch das Label abschrecken lassen):



Vielen Dank für's Lesen,

Axel
 
#2
eastwest

eastwest

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Danke für den ausführlichen Bericht. Habe mir von ihm und einem anderen auch schon 'mal die Homepages angeschaut; aber sind beide von mir recht weit entfernt und im Moment auch zeitlich nicht drin. Aber irgendwann....

Hofft eastwest
 
#3
U

unnnamed

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Danke Axel,

schöner Bericht. Wollte schon immer wissen wie genau es auf solchen
Seminaren zugeht. Ist für den Laien sicherlich eine ganz nette Sache.
Gibts sowas auch zum Thema Großuhren irgendwo?
 
#4
striehl

striehl

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Hey Axel,

danke für den Bericht, bald bist Du ja in einer ganzen Menge verschiedener Handwerkstechniken versiert - multifunktional sozusagen. Da bekommt man ja richticg Lust auch mal mit zu machen.
 
#5
H

HolgerS

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Hallo Axel,

der Bericht ist prima, sehr interessant! Danke fürs Schreiben! :D



Mmmhhh, wo war das, in Würselen? Tja, leider auch nicht gerade um die Ecke von hier...aber mal im Hinterkopf behalten, das scheint doch sehr interessant zu sein! :-D
 
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