Uhrenbestimmung Eine Kalos von HOGA? mit Fragen, auch zum Werk!

Diskutiere Eine Kalos von HOGA? mit Fragen, auch zum Werk! im Vintage Uhren Forum im Bereich Uhrentypen; Liebe Freunde alter Uhren, neulich fand ich im Netz diese Uhr.. Ihr in typischer Manier der frühen bis Mitte der 50er Jahre zweifarbig...
Faisaval

Faisaval

Themenstarter
Dabei seit
31.08.2013
Beiträge
4.778
Liebe Freunde alter Uhren,

neulich fand ich im Netz diese Uhr..

IMG_20200523_092419.jpg


Ihr in typischer Manier der frühen bis Mitte der 50er Jahre zweifarbig gehaltenes, stark strukturiertes ZB sowie das Dauphine-Zeigerspiel und die Ausformung der Stundenindizes einschließlich der als einzige Zahl geschriebene „12“, waren mir sofort in Auge gefallen. Und so konnte ich nicht umhin, sie für einen niedrigen zweistelligen Eurobetrag zu ersteigern.

3074993

Das verchromte Gehäuse dagegen hat deutliche Gebrauchs- und Abnutzungsspuren und zeigt, dass sie gut und gerne getragen wurde.

Mit einem Durchmesser von 37 mm und einer Bauhöhe von knapp 9 mm kann sie für die damalige Zeit (ca. frühe bis Mitte der 50er Jahre) als durchaus groß bezeichnet werden.

Ihr Name „KALOS“ war mir bisher noch nicht untergekommen.

Interessant ist auch die Beschriftung unterhalb des Namenszuges:

Kalos 17 Rubis MOD. 600.JPG


Die Bezeichnung „Mod. 600“ dürfte wohl für den Namen des Uhrenmodells stehen.

Am unteren Zifferblattrand lässt die Beschriftung „Swiss made“ unmissverständlich auf die Herkunft dieser Uhr schließen.

Das verchromte Gehäuse hat im Vergleich zum ZB deutliche Gebrauchs- und Abnutzungsspuren und zeigt, dass die Uhr über die Jahrzehnte gut und gerne getragen und dabei nicht geschont wurde.
Der gepresste Edelstahl-Bodendeckel ist noch gut erhalten und weist außenseitig lediglich die Namensgravur „Kalos“ auf.

IMG_20200522_164737.jpg


Deckelinnenseitig lassen sich zwei Nummern-Gravuren "859 20" und "2321"sowie die Gravur „FOND ACIER INOXIDABLE“ erkennen.

Deckelinnenseite Kalos.jpg


Nun wollte ich zur Marke „Kalos“ natürlich mehr erfahren und machte mich auf die Suche.

Während ich im Pritchard zu „Kalos“ keinen Eintrag finden konnte, erhielt ich bei Mikrolisk immerhin folgende Angaben:

Kalos - HOGA SA, Tramelan, Schweiz, registriert am 12.09.1949

Kalos - Dr. Alexander Jenny, Zürich, Schweiz, registriert am 10.04.1961


Aufgrund Ihres Designs, als typisches Kind der 50er Jahre einordnend, möchte ich sie eher dem Hause HOGA SA zuschreiben.

Zu "HOGA" selbst fand ich dies:

Die HOGA SA (Hoga Watch Ltd.) enstand aus einer im Jahre 1912 von dem Uhrmacher Paul Choffat in Tramelan (Schweiz) gegründeten Uhrencomptoirs.
Ursprünglich als Kollektivgesellschaft organisiert, übernahm Choffat nach einigen Jahren Leitung komplett und entwickelte die Firma zu einem Unternehmen, welches seine Haupttätigkeit auf die Konzeption und den Vertrieb von Armbanduhren konzentrierte. Dabei verfügte das Unternehmen über eine eigene Abteilung zur Herstellung von Uhrengehäusen sowie über eine Zapfendreherei. Im Jahre 1923 errang das Unternehmen erste Aufmerksamkeit mit seinen wasserdichten und stoßgesicherten Uhren und reichte bereits 1926 eine mechanische Uhr mit digitaler Anzeige zum Patent ein.

Im Jahre 1930 meldete das Unternehmen „HOGA“ (zusammengesetzt aus ‚HO“rlogerie „GA“rantie‘) als Markennamen an, mit dem Ziel die Marke HOGA auch auf dem internationalen Markt zu etablieren.

hoga werbung 1948.jpeg

(HOGA-Werbeanzeige von 1938)

Im Jahre 1943, nach dem Tod des Firmengründers, wurde dessen Sohn Jämes Choffat neuer Firmenchef und führte das Unternehmen unter dem Namen „Montres Hoga Watch, Jämes Choffat, Tramelan succ. de Paul Choffat“ weiter.
Im Jahre 1947 erfolgte die Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft und verlagerte 1949 seinen Firmensitz nach Tramelan-Dessus.
Weitere Markennamen wie „HOGA TRAMELAN und „CLEARTIMER“ wurden im Jahre 1956 registriert und zur gleichen Zeit vom Unternehmen eine Stiftung zu Gunsten der Belegschaft ins Leben gerufen.
In dieser Zeit spezialisierte sich das Unternehmen auf die Konzeption und den Vertrieb von Armbanduhren mit Komplikationen, Chronographen und Modeuhren.
Besonders die mechanischen Uhren mit digitaler Anzeige zählten dabei zu ihren Verkaufsschlagern.
Die steigende Konkurrenz, nicht zuletzt auch aus Fernost, führte jedoch dazu, dass das Unternehmen 1972 sich gezwungen sah eine Fusion mit den Firmen A.Reymond SA (ARSA) und „Béguelin & Cie. SA (DAMAS)“ einzugehen und später unter dem Dach der ASUAG seine Eigenständigkeit endgültig zu verlieren.

Wie gesagt, den Hinweis, dass meine Kalos aus dem Hause HOGA stammen könnte, fand ich einzig bei Mikrolisk. Anderweitige Hinweise hierzu konnte ich im Netz nicht entdecken.
Es fiel mir jedoch auf, dass ähnliche Kalos-Armbanduhrenmodelle im Netz fast ausschließlich auf italienischen sowie osteuropäischen Seiten zu finden sind. Eventuell ein Indiz dafür, dass die Marke „Kalos“ vornehmlich für den italienischen und osteuropäischen Markt produziert wurde.

Betrachtet man nun das Uhrwerk...

Lorenz 57.jpg

so lassen sich auf den ersten Blick folgende Gravuren auf dem Werk erkennen: „LORENZ 57, SWISS, 17 RUBIS“

Der Name LORENZ hatte ich bis dato noch nie auf einem Uhrwerk gelesen. Handelt es sich etwa um ein Kaliber mit Namen LORENZ 57 eines eigenständigen Uhrwerkherstellers? Jedoch zeigt das Uhrwerk unverkennbar Ähnlichkeiten zu Uhrwerken des Hauses FHF, wie z. B. das Kaliber FHF 30.
Und siehe da …..

FHF 26.jpg


unterhalb des Unruhklobens ist die Gravur „26“ und das Logo von FHF zu erkennen. Also doch ein Uhrwerk aus dem Hause FHF.
Doch zeigt sich bei RR unter der Bezeichnung FHF 26 ein Uhrwerk mit ganz anderer Brückenformation.

Ranfft FHF 26.JPG


Vielleicht handelt es sich beim Werk meiner Kalos um eine Kaliber-Variante des Kalibers FHF 26, welche nur in besagter Region (Italien bzw. Osteuropa) vertrieben wurde, ähnlich wie die des Kalibers FHF 30, welche z. B. in Rolex- und Tudor-Uhrenmodellen der frühen 40er Jahre zu finden sind, die ausschließlich für den kanadischen Markt gedacht waren.
Das sind natürlich alles nur Vermutungen!
Auch erklärt dies nicht die Namensgravur „LORENZ“, die umso rätselhafter erscheint, da sie auch mit dem Namen „Kalos“ so gar nicht in Verbindung zu bringen ist. Vielleicht handelt es sich bei LORENZ um einen Export-Vertriebshändler für schweizer Uhrwerke und sonstiger Uhrenteile.
Und vielleicht wurden ja die Uhrenbestandteile aus der Schweiz importiert und die Uhr erst in der Empfängerregion assembliert.

Vielleicht habt Ihr ja noch weiterführende Hinweise und Ideen zum Uhrwerk, zur Gravur LORENZ und zur Marke Kalos.

IMG_20200523_093416.jpg


Auf jeden Fall würde es mich freuen von Euch zu hören und Eure Meinung zu erfahren.

Bis dahin...
 
Zuletzt bearbeitet:
Weckerfreund

Weckerfreund

Dabei seit
03.10.2013
Beiträge
2.524
Hallo Valentin,

im Indicateur steht in der Tat:

Hoga SA Tramelan 12.09.1949 - Rue du Crêt-Georges 18 - Gründer 1912 Willy und Paul Choffat-

Unter den vielen Marken dieser Gesellschaft ist unter anderem auch Kalos aufgeführt.

Hier mal ein Hoga Armbandwecker:

3075071

Natürlich kann ich auch mit einem Kalos Armbandwecker dienen:

3075072
3075073
Dieser ist mit der sehr seltenen Tonfeder im Bodendeckel ausgestattet. Das AS-Werk ist unsigniert.

Ich habe diese Uhr aus Italien erwerben können, was ja die Verwendung des Markennamens in diesen Regionen stützt.

Viele Grüße

Andreas
 
Faisaval

Faisaval

Themenstarter
Dabei seit
31.08.2013
Beiträge
4.778
Hallo Andreas,

vielen lieben Dank für Deine Ausführungen nebst den sehr interessanten Armbandweckern (mit seltener innen liegender Tonfeder) und der damit verbundenen Bestätigung, dass die Marke Kalos tatsächlich aus dem Hause HOGA stammt.:klatsch:
Interessant auch Deine Info, dass nicht nur Paul, sondern wohl auch sein Bruder Willy Choffat Begründer des Unternehmens war.
Ebenfalls interessant Dein Beispiel zum Kaliber FHF 26.
Bei Ranfft wiederum ist das Kaliber FHF 150 ff. aufelistet, welches der Kaliber-Variante FHF 26 in Deiner gezeigten Anzeige formal sehr nahe kommt.
3075155

Sieht fast so aus, als gibt es hier noch mehr Kaliber-Variationen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Weckerfreund

Weckerfreund

Dabei seit
03.10.2013
Beiträge
2.524
Also irgendwie scheint das Räderwerk immer gleich zu sein, nur die Brücken sind anders.

Mikrolisk hat bzgl. der Quellen für die Schweizer Uhrenmarken natürlich den Pritchard, den Du ja auch hast, und halt den Indicateur Suisse de l'horlogerie (Schweizer Uhrenanzeiger) verwendet. Den gab es wohl jährlich. Ich habe die Ausgabe von 1962, die alles vor der Quarzkrise abdeckt.

Im Register stehen die Uhrenmarken und die Handelsmarken drin samt Nr., Gründungsjahr, Ort und den angemeldeten Gründern. In diesem Fall eben die beiden Brüder (oder Vater und Sohn). Daneben ist nach den Orten eine Aufführung der Firmen samt Adressen und Telefonnummern (die einen aber wohl nicht mehr weiterbringen).

Viele Grüße

Andreas
 
660feet

660feet

Dabei seit
02.06.2011
Beiträge
1.150
Betrachtet man nun das Uhrwerk... so lassen sich auf den ersten Blick folgende Gravuren auf dem Werk erkennen: „LORENZ 57, SWISS, 17 RUBIS“

Der Name LORENZ hatte ich bis dato noch nie auf einem Uhrwerk gelesen. Handelt es sich etwa um ein Kaliber mit Namen LORENZ 57 eines eigenständigen Uhrwerkherstellers? Jedoch zeigt das Uhrwerk unverkennbar Ähnlichkeiten zu Uhrwerken des Hauses FHF, wie z. B. das Kaliber FHF 30.

Und siehe da ….. unterhalb des Unruhklobens ist die Gravur „26“ und das Logo von FHF zu erkennen. Also doch ein Uhrwerk aus dem Hause FHF.
Doch zeigt sich bei RR unter der Bezeichnung FHF 26 ein Uhrwerk mit ganz anderer Brückenformation.

Auch erklärt dies nicht die Namensgravur „LORENZ“, die umso rätselhafter erscheint, da sie auch mit dem Namen „Kalos“ so gar nicht in Verbindung zu bringen ist. Vielleicht handelt es sich bei LORENZ um einen Export-Vertriebshändler für schweizer Uhrwerke und sonstiger Uhrenteile.
Und vielleicht wurden ja die Uhrenbestandteile aus der Schweiz importiert und die Uhr erst in der Empfängerregion assembliert.

Vielleicht habt Ihr ja noch weiterführende Hinweise und Ideen zum Uhrwerk, zur Gravur LORENZ und zur Marke Kalos.

Hallo Valentin,
eine schöne Uhr hast Du da geangelt! Sie fällt in die Gruppe der "übergroßen" Handaufzugsuhren mit kleiner Sekunde, die in den Nachkriegsjahren zwischen 1945 und 1955 in Mode waren. Sie werden auf ebay meistens mit dem Zusatz "übergroß", "oversize", "big size" oder "Jumbo" angeboten und kommen auch heute noch häufig aus Italien. Das markanteste Merkmal dieser Uhren ist wie gesagt, dass sie für die damalige Zeit mit ca. 36 - 38 mm sehr groß waren. Außerdem sind sie bauartbedingt in der Regel sehr flach (ca. 8 - 10 mm). Durch den schmalen Glasrand wirken sie noch etwas größer und sind damit auch heute noch sehr gut tragbar.

Ein solches Modell gab es auch unter dem Namen Lorenz und auch hier wurde ein FHF Kaliber 26 verwendet:

file.php


Quelle: OROLOGIKO • Leggi argomento - lorenz

Natürlich stammt dieses Foto auch wieder aus Italien... ;-) Bis auf die Vergoldung dürfte das Werk mit dem der Kalos/Hoga identisch sein.

Dazu passt auch, dass unter dem Namen Lorenz eine - Du ahnst es - italienische Uhrenmarke am 26.02.1951 in Mailand registriert wurde:
Mikrolisk - The horological trade mark index

Meiner Meinung nach wurde dieses Werk also wahrscheinlich in der ersten Hälfte der 50er-Jahre auf Bestellung produziert, ist dann aber aus irgendwelchen Gründen nicht in eine Lorenz gewandert, sondern in eine Kalos eingebaut worden. Einschaler dürften diese Marken ja beide gewesen sein. Es ist natürlich auch nicht auszuschließen, dass das Werk Deiner Uhr irgendwann ersetzt wurde oder die Kalos/Hoga zu einem späteren Zeitpunkt aus vorhandenen Rest-Lagerbeständen assembliert wurde. Wir wissen es nicht... ;-)

Gruß, 660feet
 
Faisaval

Faisaval

Themenstarter
Dabei seit
31.08.2013
Beiträge
4.778
Hallo Andreas, hallo 660feet.
Vielen Dank für Eure interessanten und erhellenden Ausführungen und Links. Und ich denke eine der drei Varianten, wie Du 66ofeet sie aufführst, dürfte wohl bei meiner Uhr zutreffen. Welche der drei, werden wir wohl nie erfahren. Ist aber auch nicht weiter tragisch, denn die Uhr ist für mich stimmig und aufgrund ihrer Größe absolut tragbar.
 
Thema:

Eine Kalos von HOGA? mit Fragen, auch zum Werk!

Eine Kalos von HOGA? mit Fragen, auch zum Werk! - Ähnliche Themen

un-DOGMA-tisch: Liebe Freunde alter Zeitmesser, heute möchte ich Euch eine Uhr zeigen, die nicht nur durch Ihr Äußeres, sondern gerade auch durch Ihren Namen...
Venus von Schwarz-Etienne: Seit einiger Zeit interessieren mich Vintage-Uhren der Marke Venus. Aufmerksam wurde ich darauf, als ich nach Uhren mit den berüchtigten...
Uhrenbestimmung Kunststoffgehäuse der besonderen Art - Herkunft immer noch unbekannt!: Liebe Freunde der alten Uhrentechnik, als ich vor Jahren eine Armbanduhr der Marke Rone Sportsmans entdeckte, war mir vor allem ihr merkwürdiges...
Ein bisschen Bi schadet nie 😉 DAVOSA Ternos schwarz Bicolor Ref. 161.555.65: Davosa ist eine Schweizer Uhren Marke, die von der Manufaktur Fabrique d’horlogerie Hasler & Co SA in Tramelan ( Tramelan ist eine politische...
Eine 'Trib' von Tribaudeau: Für französische Zeitmesser interessiere ich mich ja schon geraume Zeit, aber nicht zuletzt meine letztjährige Reise in die Region Franche-Comté...
Oben