Eine JUNGHANS ATO mit Mittelsekunde im Schneckengang...

Diskutiere Eine JUNGHANS ATO mit Mittelsekunde im Schneckengang... im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; Ja, diese Uhr hat den Weg zu mir gefunden, weil sie (die Uhr) einfach nicht mehr die Zeit anzeigen wollte. Es handelt sich dabei um eine Uhr mit...
Der Stromer

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Ja, diese Uhr hat den Weg zu mir gefunden, weil sie (die Uhr) einfach nicht mehr die Zeit anzeigen wollte. Es handelt sich dabei um eine Uhr mit 1/2 Sekundenpendel und Mittelsekunde als Wanduhr. Eigentlich ein schönes Teil. Nur, dieses schöne Teil wollte einfach nicht mehr die Zeit genau zählen, sie ging nach dem Mond und noch ungenauer.

Diese Uhr stammt aus dem Jahr 1968 und hat schon Transistorsteuerung mit 2-Spulen-Antrieb, wie ihn vorher schon KUNDO entwickelt hat. Nur die Schaltung ist (aus patentrechtlichen Gründen) etwas anders. Der GE-Transistor und ein Kondensator stecken in einem kleinen Gehäuse recht oben bei der Batteriekammer.

0317-Transistor-im-Gehäuse.jpg
Oben rechts das kleine Gehäuse mit GE-Transistor und Kondensator daneben das von Oben zugängliche Batteriefach für eine Batterie LR20.

Ich hatte von Anfang an einen Verdacht. Um den zu bestätigen musste die Uhr nicht einmal zerlegt werden. Einen Schraubendreher an den Stabmagneten gehalten und schon war alles klar: Der war so taub wie ein blindes Huhn :ok:.

0315-Beschreibung.jpg
Hier der frisch aufgemotzte Stabmagnet. Unten die Feinstellung der Uhr mittels eines Magneten.

Die Crux bei dieser Konstruktion ist aber, dass sich die Herren Junghänse keine Gedanken darüber gemacht haben, ob - und wenn ja - wie dieser Magnet ausgebaut werden kann.

Also an die Demontage! Zuerst die Zierring am Ziffernblatt abgezogen. Dieser Ring ist nur gesteckt und geht sehr leicht ab. Jetzt müssen die Zeiger runter: Zuerst der Minutenzeiger, gehalten von einer Zeigermutter. Dann der Stundenzeiger, mit Reibung aus dem Rohr gehalten und erst dann kommt der Sekundenzeiger - 155 mm lang - dran. Alle Zeiger sind sehr gut ausgewuchtet. Die kleinen Gegengewichte sind aber nur geklebt:motz:! Also Obacht beim hantieren damit. Darunter am Ziffernblatt bei 12 und 6 je eine Schraube, die halten das Ziffernblatt. Darunter dann eine Scheibe aus Eisenblech, die mit 4 Schrauben auf dem Werkträger befestigt ist. Auch die muss runter. Und noch immer kommt man nicht an das Pendel ran. Auch das Werk muss abgenommen werden! Hier Vorsicht. Denn um das Spiel der Räder so gering wie möglich zu halten, sind zwei Federn aus Stahldraht so angebracht, dass die Übersetzung und auch das große Sekundenrad immer auf Spannung gehalten werden und somit auch immer das Spiel vermieden wird. Diese Einstellung muss bei der Montage wieder genau so hergestellt werden, sonst kann es passieren, das der Sekundenzeiger zwischen 7 und 11 bis zu einer Sekunde verliert. Hm. Über diese Methode kann man denken, was man will.

0314-Werk-mit-Sekundenrad.jpg
Noch nicht gereinigt, aber man sieht gut die kleinen Drahtfedern. Die eine hält das Sekundenrad (das große) gerade mit soviel Reibung fest, dass immer nur eine Flanke der Zähne im Eingriff ist und damit das Zahnspiel gut ausgeschaltet wird. Die zweite Feder gibt der Rückhaltung der Fortschaltklinke etwas mehr Schmackes. So kann da nichts aus versehen 2 Zähne Schalten.
Natürlich wurde auch das Werk gereinigt und frisch geölt, Waschen, Legen, Föhnen also.

0318-Obacht-auf-kleine-Fede.jpg
Zur Dokumentation für den Zusammenbau :ok: Man(n) ist ja nicht mehr der Jüngste :D

So, jetzt muss noch links die Spulenattrappe abgenommen werden und dann erst kann das Pendel samt Pendelfeder aus gehangen werden. Der Stabmagnet ist mit einer Madenschraube von hinten festgeschraubt. Durch die lange Zeit klemmte der Magnet dann zu guter Letzt noch, aber sanfte Gewalt bewegte ihn zu Aufgabe.

0315-Beschreibung.jpg
Erst nach Abnahme der Attrappe kann man das Pendel samt Feder aushängen.



Zur Sicherheit dann noch die Zugkraft fest gestellt: ca. 70 Gramm. Ein BW-Kompass half bei der Feststellung, wo sich die magnetischen Pole befinden.

Und dann: Vorsicht! Magnetisch! Nach 4 Durchgängen (das Problem der Löschung des Thyristors ist gelöst :klatsch:) hat der Stabmagnet wieder eine Zugkraft von ca. 550 Gramm! :super: Und nun das Ganze Rückwärts.

0316-Pendelausschlag-in-Ord.jpg
Probelauf, Ausschlag ist wie neu!



0322-Fertig.jpg
Eine langwierige Prozedur war dann die Reglage. Durch das langsame langsamer werden der Uhr wurden die beiden Gewichte so hoch gestellt, dass sie aus dem Gewinde heraus waren. Na ja. Ich hab ja Zeit.

0325-Fertig.jpg
Und so sieht diese Uhr jetzt aus. Die Sekunde steht natürlich genau auf dem Index, nur der Fotoapparat war da andere Meinung:shock:.
 

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Quickly

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Der Stromer schrieb:
Hier Vorsicht. Denn um das Spiel der Räder so gering wie möglich zu halten, sind zwei Federn aus Stahldraht so angebracht, dass die Übersetzung und auch das große Sekundenrad immer auf Spannung gehalten werden und somit auch immer das Spiel vermieden wird.


Servus Rolf-Dieter,
danke fürs Zeigen einer Junghans ATO mit Transistorsteuerung, so eine hatte ich noch nicht gesehen und besitze auch keine. Aber ich habe zwei ATO`s mit Mittelsekunde.

Bei einer habe ich schnell mal das Ziffernblatt abgenommen um zu sehen wie das mit dem Spiel vom großen Sekundenrad bei meinen zwei ATO`s gelöst ist.
Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Junghans so etwas in Serie gebaut hat. Bei meinen Uhren wurde das mit einer Flitterscheibe gelöst und funktioniert sehr gut.
Noch mal ganz nebenbei: Im März 2010 habe ich das letzte mal die Batterie gewechselt, eine Monozelle, sie zeigt jetzt immer noch 1,3 V auf dem Batterietester an, vermutlich läuft sie noch ein paar weitere Jahre.


RIMG0523.JPG

Viele Grüße in die Oberpfalz
Willi
 
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Der Stromer

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Hallo, Willi.

Ja, Hatot hat da handwerklich gearbeitet und gleich was richtiges konstruiert. Der Herr Lavet war halt ein "richtiger" Ingenieur :ok: Junghans hat es billig gemacht, Kaufleute waren da am Sagen.
Zur Batterie: Wenn alles stimmt mit den Kontakten der Uhren (natürlich nicht die mit Transistor) wird die Batterie, die verbaut ist, sich ganz sicher selbst auffressen als durch die Stromentnahme den Geist aufgeben. Pro Pendel-Periode 1 x für 6 ms einen Strom von ca. 80 mA, da reicht eine LR20 theoretisch 100 Jahre.
 
Mäusemanne

Mäusemanne

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Hallo Stromer,

mein Respekt ! Wie gewohnt hast du das Problem an der Wurzel gepackt und die Uhr wieder prima hingekriegt. Vor Allem dein Bericht über dein Magnetisier-Gerät hat mich sehr beeindruckt !

Ganz ähnliche Probleme hab ich immer wieder mal mit Zündmagneten an alten Motorrädern. Da das aber nicht so oft vorkommt, hab ich das bisher immer mit einer aus Alteisen und alten Elektrokabeln individuell gebastelten Spule und mehreren in Serie geschalteten Autobatterien gelöst. Geschaltet wird da durch kurzes Antippen mit einem Starthilfekabel. Klar, der Perfektionist kriegt da das kalte Grausen, funktioniert aber gut und dauerhaft .... Und kost nix :-)

Bei meiner Kundo Magnetpendeluhr hab ich da aber eine ganz einfache und billige (Schwabe ;-) ) Lösung gefunden:
Einfach an die Innenseite des Stabmagneten ein kleines Neodym-Scheibchen gepappt und fertig.
Läuft seit Monaten konstant !

Gruß, Manne
 
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