Eine Jahresuhr von Konrad Mauch aus 1951

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Der Stromer

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Mal wieder etwas vom „Stromer“: Drehpendeluhr KOMA (Konrad Mach) aus 1951.
Diese Uhr sollte repariert werden, den, wen wunderts, sie zeigte nur 2-mal in 24 Stunden die „richtige“ Uhrzeit an.
Mein Sprachfehler hatte wieder zugeschlagen und so war die Uhr dann auf meinem Tisch gelandet. Recht erschrocken (darob habe ich sogar vergessen, Bilder zu machen) schaute ich mir die Uhr genauer an, von der der Besitzer der Meinung war, sie stammt aus 1932 – das steht nämlich auf der Rückseite des Messingsockels in einer Widmung.
Leider musste ich den Besitzer enttäuschen: Der Sockel war wohl aus dem Jahr 1932, das Werk allerdings wurde erste 1951 hergestellt. Nachdem dieser Schock dann überwunden war, sollte die Uhr doch repariert werden. Nun ja. Ans Werk gemacht und folgende Probleme gesehen: Sockel, Säulen, Stuhl und Werk waren wohl aus einer Ersatzteilkiste zusammengesucht worden und dann auf einem Flohmarkt als „Dachbodenfund“ verkauft worden.
Die Analyse ergab dann folgendes:
1.) Wie gehabt, total verölt.
2.) Pendelfeder aus Bronze, zu kurz und verbogen
3.) Unterer Beschlag fehlt
4.) Ankerpaletten total verstellt
5.) Minuten-Zeiger nicht vorhanden
6.) Zeigerreibung nicht vorhanden
7.) Und die Zugfeder war ebenfalls falsch und viel zu stark.
Was ein Glück (für die Uhr), dass sie nie gelaufen ist. Denn die Zugfeder, die Jemand in Erwartung, damit die Uhr zum zeigen der Zeit zu bringen, war ein Stück aus einem alten Grammophon: Breite: 20 mm, Klingen-dicke 1,1 mm und die Länge daher gerade mal 75 cm. Wenn sich das Werk mit dieser Feder bewegt hätte, Die Zähne der Räder wären regelrecht zerrieben worden.
Trotzdem machte ich mich ans Werk um des Werkes willen. Alles gründlich reinigen. Die Beulen im Sockel waren nicht zu beseitigen. Denn der ist von Innen mit Bleiblech ausgeschlagen. Ein Ausbeulen kam also nicht in Frage. Die Poliererei war sehr Nervig, hatte doch Jemand (wie auch hier im Forum manches Mal zu lesen) das Messing mit Bremsenreiniger behandelt. Ihr lieben Leute! Bremsenreiniger enthält Salzsäure! Und die greift nicht nur Schmutz an und beseitigt ihn, sondern auch Messing wird stark angegriffen und verfärbt sich. Das ist allein mit Polieren nicht weg zu bekommen. Also nochmal: Bremsenreiniger hat bei Uhrwerken nichts zu suchen. Es sei denn, das Werk soll zerstört werden.
Mit viel Mühen kann sich jetzt das Werk wiedersehen lassen, auch das Pendel dankt der Poliererei mit neuem Glanz. Jetzt die Räder und Wellen mit Zapfen überprüft. Ein Rad sah etwas komisch aus. Es war nach außen gebogen. Aber ich erinnerte mich an KOMA und die Probleme dieser Drehpendeluhren. Bereits bei der Produktion fielen die nicht erreichbaren Laufzeiten negativ auf. Und da wurde dann schnell das Federhaus größer gemacht und eine stärkere Feder verbaut. Aber das Federhaus (von 18 auf 20 mm Höhe) brauchte soviel Platz, dass das 2te Rad nun am Federhaus kratzte. Lösung: den Zahnkranz etwas nach außen umbiegen. Heute würde man das berechtigter Weiße wohl Pfusch nennen.
Als nächstes dann das Federhaus gereinigt, die vorhandene Feder an die Wand gehängt (ein ganz schönes Sammelsurium von falschen und defekten Federn habe ich da schon) und gegen eine neue mit den (fast) richtigen Abmessungen eingesetzt, die Paletten am Anker grob voreingestellt, die Pendelfeder ersetzt – hier wurde auch die obere Lagerung ersetzt, da die vorhandene ein Einstellen des Abfalles nicht zugelassen hat – der Block war waagrecht angeordnet (original Konrad Mauch) und die Hemmung richtig justiert.
Nachdem also bis dahin alles geklappt hat, ging es an die nicht vorhandene Zeigerreibung. Bei KOMA wurde diese durch eine Verengung (Laterne) des Viertelrohres erzeugt und nicht durch Federn, wie sonst üblich. Aber das Vorhandene Viertelrohr war zu lang. Also auch hier musste angepasst werden. Und auch der neue Minutenzeiger saß zu locker auf dem Vierkant. Eine Auftragslötung auf dem Vierkant mit Silberlot brachte es dann: Der Minutenzeiger wackelte nicht mehr und der Vorsteckstift erzeugte auch genug Anpressdruck. Der Minutenzeiger ließ sich nun Zügig verstellen, ohne dass die Hemmung durch rasselte.
Und nun: Die Uhr scheint sich auch zu freuen. Sie zeigt wieder die Zeit und man könnte fast meinen, es gehört alles so zusammen, wie es jetzt dasteht.
Ob sich das alles gelohnt hat? Für einen Uhrmacher, der sein Geschäft mit seiner Hände Arbeit unterhalten muss, und dabei auch noch seine Mahlzeiten erwirtschaftet, sicher nicht. Aber als Rentner habe ich eins (noch) im Überfluss: Zeit!

5405-Fertig.jpg
 
Perpendikel

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Hallo Rolf-Dieter,

ein schöner Beitrag. Diese Uhr hätte keine Chance gehabt wieder die Zeit anzuzeigen ohne Dein Zutun. Da spielt die Zeit keine Rolle, denn der Weg ist das Ziel. Die Uhr ist übrigens genau so alt wie ich. Ich bin allerdings der Meinung, das man "Zeit" nicht im Überfluss haben kann! Zeit muss man genießen......

Liebe Grüße von Peter
 
EMESUhren

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Hallo Rolf Dieter

Schön das wieder ein Stück Schwarzwälder- Schwenninger Uhrengeschichte weiter die Zeit anzeigt:klatsch:

Tolle Arbeit :super: Schöne KOMA Uhr
 
XS-Freund

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Super, Rolf-Dieter, wie immer!
Dieses Mal war es aber mal so ein richtiger Totalschaden.
Was mir an der Optik dieser Uhr recht gut gefällt, ist das Zifferblatt. Mal was anderes...

Danke für den Beitrag und Grüße
Stephan
 
Der Stromer

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Hi,

Jetzt bin ich mal wieder so: Ziffernblatt ist ja auch nicht von KOMA :)
 
Quickly

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Servus Rolf-Dieter,
auch von mir vielen Dank für deinen interessanten Beitrag!
Auch wenn der Sockel und das Ziffernblatt nicht einer original Koma Jahresuhr entsprechen, ich finde es sehr schön, dass sie wieder richtig läuft und dazu auch noch sehr gut aussieht. Solche Uhren können nur zum Laufen gebracht werden, wenn „Hobby-Uhrmacher“ wie du sich dieser annehmen. Bei einem Uhrmacher welcher seinen Lebensunterhalt damit bestreiten muss würden die wenigsten Kunden den Reparaturpreis bezahlen wollen.
Mach weiter so!

Viele Grüße
Willi
 
XELOR

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Tolle Uhr und klasse Arbeit - wie man es von dir gewohnt ist!

Das Grün muss man allerdings mögen.... ;-)
 
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