Eine Jahresuhr "GB" wiederbelebt

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Der Stromer

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So, da wollte ich doch auch mal eine GB-Jahresuhr zerlegen und wenn möglich auch wieder zusammensetzen. Man ahnt es schon: Es ist gelungen!

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So stand diese Uhr mal vor mir.


Bevor ich mich jetzt mit den technischen Einzelheiten befasse, erst mal ein klein wenig Geschichte über Jahresuhren, die Uhrenfabriken in Schlesien und von Säckingen nach Triberg. Wie, hätte alles nichts mit Jahresuhren zu tun? Na, lasst Euch mal überraschen!

Angefangen hat die ganze Jahresuhrengeschichte in USA. Dort, in den Fabriken der Uhrenindustrie um Philadelphia herum hat es mindestens 4 kluge Uhrmacher gegeben, die sich Gedanken machten, wie ein mechanisches Uhrwerk mit einer Gangreserve von, na sagen wir mal, 30 - 300 Tagen beschaffen sein müsste. 4 Patente wurden eingetragen, aber nie realisiert.
Und jetzt wird es Deutsch. Irgendwie sind 2 von diesen 4 bekannten Patenten in den Besitz eines Herrn Anton Harder, Gutsverwalter in Ransen bei Steinau / Oder gekommen. Śzinawa, zu deutsch Steinau an der Oder) ist eine Kleinstadt im Powiat Lubiński der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Irgend wann ist also Herr Harder - einige Zeitgenossen haben ihn zum Uhrmacher gemacht. Dem widersprach aber sein Ur- Ur- Urenkel, der dort in Steinau ein kleines Museum für A. Harder aufgebaut hat. Anton Harder war kein Uhrmacher, wohl aber ein mechanisch sehr begabter Gutsverwalter, nach Freiburg / Schlesien zur Firma Gustav Becker gekommen.

Zitat aus „Uhren Hanse“:
Gustav Becker ist Geboren zu Gels (Schlesien) am 2. Mai 1819, erlernte die Uhrmacherei. Um sein Wissen als Uhrmacher zu erweitern, ging er als Geselle nach Frankfurt/M, La Chaux-de-Fonds, Dresden, München, Berlin und Wien.
Etablierte sich 1845 in Gels als Uhrmacher, verlegte dann aber 1847 sein Geschäft nach Freiburg in Schlesien, das ihn aber nicht zufriedenstellte. Am 02.05.1850 begann er nebenher Regulateure herzustellen. 1852 zeigte er die Uhren bereits auf der Industrieausstellung in Breslau. Nachdem er 1854 von der Postverwaltung den Auftrag erhalten hatte, zahlreiche Regulateure als Bürouhren zu liefern, stieg die Produktion rasch an. Sein Unternehmen hatte so großen Erfolg, dass im Jahre 1885 bereits das 500.000. Werk aus seinem Etablissement hervorging. Im Jahre 1875 wurde er zum Königl. Kommissionsrat ernannt und seine Werke wurden mit der MEDAILLE d'OR (Goldmedaille) ausgezeichnet. Becker starb am 14. September 1885.
Nach Gustav Beckers Tod übernahm Sohn Paul Albert Becker (1850-1923) die Führung des Unternehmens. 1892 wurde die millionste Uhr hergestellt.
1890 gründete er bereits ein Zweigwerk in Braunau / Böhmen*. Ähnlich wie in Glashütte hatten auch in Freiburg und Umgebung Mitarbeiter aus den Beckerschen Betrieben eigene Firmen gegründet, um ebenfalls Uhren herzustellen. Im Laufe der Jahre entstand ein heftiger Konkurrenzkampf, der die Existenz aller bedrohte. So kam es 1898 zu Verhandlungen, die am 01.10.1899 zum Abschluss kamen.
Die Betriebe gründeten eine Aktiengesellschaft** unter dem Namen: Vereinigte Uhrenfabriken Aktiengesellschaft, vormals*** Gustav Becker (VFU-AG) mit 2,7 Mio RM Kapital. Als es 1925/26 zu schweren wirtschaftlichen Rückschlägen kam, wurde am 01.07.1926 eine Interessengemeinschaft zwischen der Firma Junghans, der Hamburg-Amerikanischen Uhrenfabrik und den Vereinigten Freiburger Uhrenfabrik gegründet****. Diese drei Firmen signierten allerdings ihre Uhren nach wie vor mit ihrem eigenen Markenzeichen.
Am 01.07.1930 kam es dann zur Fusionierung unter dem neuen Namen Uhrenfabriken Gebrüder Junghans AG.* Aber auch diese verzweifelte Maßnahme bedeutete keine Rettung. In dem Krisenjahr 1932 blieb Junghans nichts anderes übrig, als die Freiburger Betriebe stillzulegen.
Zitat Ende.

Diesen Text habe ich der Seite der „Uhrenhanse“ entnommen. Der Verfasser war Erich Ermert. Für die Richtigkeit kann ich keine Gewähr übernehmen!

Anmerkungen vom Stromer:
* Braunau war als Montagewerk in der k.u.k. Monarchie gegründet. Auf fertige Uhren wurden sehr hohe Zölle erhoben, auf Einzelteile nicht. So wurden in den Strukturarmen Grenzgebieten Arbeitsplätze geschaffen und der Staat erhielt Steuern.
** Federführend war der größte Geldgeber der Uhrenfabriken in und um Freiburg herum, die Breslauer Bank. Diese wiederum handelte auf Geheiß der Berliner Bank und die hatte die Order, die Arbeitsplätze in der Region zu erhalten. Die Kaiserliche Administration wollte unbedingt Unruhen verhindern.
*** In den meisten Texten über die VFU AG fehlt ein ganz wichtiger Teil. Der vollständige Name der VFU AG war "Vereinigte Freiburger Uhrenfabriken Inklusive vormals Gustav Becker Aktien Gesellschaft". Die Hamburg-Amerikanische-Uhrenfabrik HAU - der Eigentümer war Paul Landenberger, ehemals Prokurist bei Junghans und verheiratet mit Frieda Junghans wurde mit der Leitung der Geschäfte der VFU AG betraut.
**** Ab 1926 wurde eine Interessengemeinschaft VFU AG, HAU und Junghans ins Leben gerufen um die immer noch bestehenden finanziellen Probleme endlich zu lösen, was aber nicht gelang. Diese drei Firmen stellten Uhren aller Art her und signierten diese mit ihren alten Firmenmarken. Die VFU AG prägte das GB und auch die Goldmedaille. Junghans brachte ebenfalls Uhren mit dem Junghans-Stern auf den Markt. Aber Junghans war in Schlesien durch seine restriktive Personalpolitik in Verruf geraten und die Schlesier boykottierten Junghans-Uhren, so dass Junghans von einer Prägung bald wieder Abstand nahm. 1926 übernahm Junghans die HAU Handstreichartig und auch die VFU AG wurde in den Junghanskonzern integriert. Zum teil noch originale handschriftlich Dokument zu den Vorgängen dieser als "Fusion" betitelten Übernahme - die übrigens mit dem Freitod Paul Landenberger endete - liegen seit kurzem im Museum der Stadt Schwenningen vor.
Das letzte Kapitel der VFU AG bahnte sich 1934 (nach anderen Quellen 1932) an. Unter Kontrolle deutscher Firmen ging es mit dem Abbau und Verbringung von wichtigen Unterlagen und wertvollen Maschinen unter der Leitung von Junghans nach Schramberg von statten. Die Beschäftigten der VFU AG standen nach einem Wochenende vor leeren Werkshallen.


Doch wieder zurück zur den Jahresuhren.
Anton Harder kam also nach Freiburg (das genaue Datum ist unbekannt, es könnte so um 1865 - 75 gewesen sein) zur Firma Gustav Becker und stellte seine Patente vor. Seiner Frage, ob man (GB) nach diesen Patenten lange laufende Uhren bauen könnte, beschied Gustav Becker mit folgendem Satz "...wir (GB) beschädigen mit diesem Spielzeug doch nicht unseren guten Namen...". Anton Harder ging darauf zur Uhrenfabrik A. Willmann & Co. Diese Uhrenfabrik wurde von ehemaligen GB-Mitarbeitern 1872 gegründet. Willmann erklärte sich bereit, 340 Uhrwerke mit verschiedenen Hemmungen auf Kosten von A. Harder her zu stellen. Keines dieser Werke konnte befriedigen. Teilweise existieren noch Werke von Willmann. Im Museum in Steinau sollen sich welche befinden und ich selbst habe 2019 ein Werk mit Zylinderhemmung beim Uhrmacher meines Vertrauens in der Hand gehabt. Diese 340 Werke haben aber den Gutsverwalter fast sein gesamtes Vermögen gekostet, obwohl nicht bekannt ist, welchen Preis Harder damals zahlen musste.
Nach diesen niederschlagenden Erfahrungen hörte Harder von einem Uhrmacher, der ein Patent für ein regulierbares Pendel, dass auch für seine Werke passen sollte. Der Uhrmacher war in Säckingen beheimatet, er hieß Jehlen oder Jählen. Wie die Gespräche ausgegangen sind, ist mir unbekannt. Nachdem Jehlen verstorben ist, erwarb A. Harder das Paten des Pendels von der Witwe Jehlen. Durch die Firma Siedle - Messinggussteile für Uhren - hörte A. Harder von der jungen Uhrenfabrik Gerson Wintermantel & Cie. in Triberg, die Aufträge suchten. Dort nahm sich der Uhrmacher August Schatz, einer der Teilhaber, dem Problem an und stellte 1881 die erste serienreife Jahresuhr mit Drehpendel vor.

Damit hier kein Missverständnis aufkommt: Bereits etliche Jahre früher gab es Wanduhren mit einer Laufdauer von einem und mehr Jahren. Aber diese Uhren waren sehr teuer und als Wohnraumuhr nicht geeignet. Die Jahresuhren von G.W. & Cie - später dann "Jahresuhrenfabrik", etc. Zeichneten sich durch ihre Robustheit und Einfachheit aus.


Aber wieder zurück zur Arbeit:
Als Serien-Nummer ist auf der hier zu reparierenden Uhr 2464496 geprägt worden. Nach der Seriennummern-Liste sollte die Uhr also ca. 1925 entstanden sein, wobei man anmerken muss, dass ab 1900 diese Listen mit Vorsicht zu genießen sind.

Gut. Also die Firma Gustav Becker kann diese Uhr nicht hergestellt haben, aber wohl die VFU AG zusammen mit der HAU und Junghans. Wobei auch hier wieder zu sagen ist, die HAU hat nie eine Jahresuhr hergestellt. Bleibt also Junghans. Junghans hatte aber eine eigene Marke von guter Qualität, die "Governor". Aber mit dieser guten Uhr von Junghans hat die mit GB gemarkte nicht das mindeste zu tun, wie ich gleich näher erläutern werde.

Die Uhr, die jetzt also als Standuhr auf meinem Tisch das Laufen wieder lernen sollte, ist eine Uhr aus verschiedenen Materialien zusammen gebaut. Der Sockel ist Eisenblech, relativ dünn vermessingt und mit Schwefelleber gebräunt. Der Spiegel des Sockel ist ein Messingblech 0,3 mm. Zur Verstärkung eine Holzscheibe, eine Pappscheibe, 2 Blechplatten. Die Säulen sind ebenfalls aus Eisen vermessingt. Die Krone und die Lünette am Ziffernblatt - man ahnt es schon - auch Eisenblech vermessingt. Das Ziffernblatt Eisenblech Emailiert mit aufgedruckten Zahlen. Der Werkkäfig ist aus Messing, aber im Gegensatz zu anderen Marken nur 1.3 mm Dick. Gut, soweit das Äußere.
Wie üblich, die Uhr war zur Standuhr degradiert und der schärfste feind des Uhrmachers ist der Uhrmacher, der vor ihm... na ja. Also. Hier waren alle Lager ersetzt worden. Wirklich ALLE. Eine Arbeit, die sich der betreffende hätte sicherlich sparen können, was aber eigentlich auch wieder nicht so schlimm gewesen wäre, hätte der nur etwas akkurater gearbeitet! Von den 12 ersetzen waren 5 schief eingeschlagen und mussten erneut ersetzt werden. weiter 4 waren zu lang (die Zapfen der Wellen liefen IM Lager wie bei einer Holzstollenuhr) und mussten nach gearbeitet werden.


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Das Excenterlager zur Anpassung der Eingrifftiefe der Ankerklauen -( wer dreht den nur da dran! Was oder wie soll sich denn dieses Lager verstellen???) War natürlich verdreht und damit der Eingriff für die Katz.
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Als Pendelfeder wurde eine Bronzefeder verbaut, die Ankerklauen waren so verstellt, dass beide Seiten - Ein- und Ausgangsklaue - immer AUF den Zahn vielen.
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Das Federhaus hatte sich wohl mal selbstständig gemacht, waren doch ein paar Zähne verbogen. Und natürlich, wie konnte es anders sein, wohl in der letzten Verzweiflung die Gangfeder gegen eine Starke ausgetauscht.

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Da wurde mal frisch drauflos geschlagen...


Also: Frisch ans Werk. Wollte doch mal sehen, ob diese alte Dame...

Als Erstes alles demontiert und zwei Mal durch US-Bad. 2 Lager sind mir da raus gefallen, Arbeit gespart. Dann die Lager entsprechen bearbeitet und das Ganze Poliert und gewachst. Die Zapfen überprüft und oh Wunder, die waren alle noch in Ordnung. Nur der Anker, da gefiel mir etwas nicht. Bin aber vorerst nicht drauf gekommen. Vorsicht bei den Klauen. Die standen so tief, dass die Gefahr bestand, dass die Spitzen Zähne beschädigt werden konnten.

Beim Öffnen des Federhauses grinste mich also die falsche, weil zu Starke, Feder an. Drin sein sollte eine Feder mit folgenden Werten: Breite = 19 mm; Klinge = 0,41 mm; Durchmesser = 38 mm. Reingepfriemelt wurde 19; 0,52 mm; ?? Der Zuschneider hat dann einfach diese zu starke Feder um einiges gekürzt,, damit sie ins Haus passt. Natürlich auf Kosten der Windungen. Und die nun zum Aufziehen notwendige Kraftanstrengung hat auch gleich das Auge verbogen. Nicht mehr lange und es wäre ausgerissen.
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Sieht schon seltsam aus...


Irgendwie wollte die Uhr aber keine neue Feder. Hier auf dem Markt war so eine nicht zu finden. Mein Lieferant in USA hatte noch eine HOROLOVAR. Ich hab sie geordert und gewartet. 1 Woche, 2 Wochen. 4 Wochen. In Amerika angefragt, was wir machen können, anscheinend Sendung im Bermudadreieck... Chris schickt eine Neue auf den Weg mit Paketnachweis. Nachweis ist prima. Innerhalb von 3 tagen aus Illinois bis zum Frankfurter Flughafen und dann... NICHTS!! Postbachsendeantrag gestellt und... Gewartet. 5 Tage vor Weihnachten Klingelingeling, die Post ist da. Die Feder ist tatsächlich angekommen und wie es zu erwarten war, natürlich die Erste. Hat wirklich 9 Wochen gebraucht und lag die ganze Zeit im Hauptzollamt in Gießen. Wo um Himmelswillen liegt Gießen? Und warum haben die ein Hauptzollamt? Trotzdem, ich bin relativ zufrieden und 3 Tage später kommt dann auch die zweite Sendung und gleichzeitig ein Brief von der Post: Wir bedauern sehr, dass wir ihnen mitteilen... blablabla. Für den Verlust könne die Deutsche Post aber nicht aufkommen, da die Sendung nicht per Einschreiben, oder Paket versendet wurde... Blablabla. Na gut. Chris ne Mail geschrieben, Feder 1 ist als 2 angekommen und ich behalte die. Kosten mit Porto so um die $50. Es ist ja Weihnachten und man gönnt sich ja sonst nichts, gelle!

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Hinten schon sauber, vorne noch die alte Feder.

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So. Jetzt noch schnell mal die Pendelfeder neu und dann... DENKSTE! Jetzt sehe ich auch,was mir da schon vorher so komisch vor gekommen ist. Der Ankerstab ist zu kurz. Die Gabel sitzt am obersten Ende, runter geht nicht mehr, dann schleift sie auf der Platine.

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Ankerstab zu kurz. Ersetzen geht nicht, da hart gelötet.

Alles wieder auseinander und genau geguckt: Ja, tatsächlich. Der Ankerstab wurde um ca. 7 mm gekürzt. Normal kann man den jetzt aus seinem Loch mit etwas Gewalt raus holen. Hier nicht. Super feine Goldschmiedearbeit: Der Ankerstab ist mit seiner Fassung hart verlötet - Messinglot. Keine Chance. Mail nach USA: Hast du noch einen kompletten Anker für GB... Nein, leider! Bauf. Und nun?

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Ging leider nicht anders. Aber zum Glück von Vorne nicht zu sehen.

Man sieht es, die Notlösung: Eine andere, längere Gabel aus dem Fundus, schräg auf geklemmt. Nicht schön, aber es funktioniert, Drehung ist bei ca. 280°.
Noch ein Wort zum Pendel. Bei dieser Uhr wurde ein Kugelpendel verwendet. Schon der US-Drehpendeluhrenpabst Ch. Terwilliger beschrieb das Ding so: "...Das Pendel ist nicht gut durchdacht..." Recht hat er. Bei diesem Pendel wird die Hülse im Innern verstellt.

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Die Hülse in der Mitte muss verstellt werden. Rchts die obere Pendelfeder-Aufhängung. 3° Einstellung!


Zum Drehen muss das Pendel immer aus gehangen werden, sonst ist die Pendelfeder sofort wieder hinüber. Und das Verstellen oder besser Einstellungsversuche sind nervtötend. So ungenau ist dieser Mechanismus. Ebenso kniffelig ist der Pendelfeder-Schutz. Jetzt ist mir auch klar, warum es keine Uhr gibt, wo dieses Teil noch im Original vorhanden ist. Man bekommt die Pendelfeder nicht ohne Demontage eingehangen! Und die Einstellung des "Abfall" erst: Auf dem oberen Halter eine Skala mit 5 Teilstrichen und einer Verstellmöglichkeit von max. 3°.

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Auf dem Prüfstand.

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Ein schöner Rücken kann auch entzücken... Aber deutlich zu sehen, die Blechkrone!

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Der graue Kasten ermöglicht mir die relativ schnelle und genaue Justage der Beats.



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Habe Fertig!


Aber sonst eine tolle Uhr, die jetzt wieder die Zeit zählt. Obwohl sie nie die Firma Gustav Becker gesehen hat.

Und zum guten Ende muss ich noch den hier los werden:
In den alten Firmengebäuden der VFU AG in Freiburg / Schlesien wurde nach dem WKII auf Befehl der Kommunistischen Regierung der Volksrepublik Polen durch die Firma "Metron" wieder eine Uhrenproduktion auf gebaut. Neben etlichen Produkten wurden unter anderem auch Hausuhren, Wanduhren, Regulatoren, etc. hergestellt. UND Jahresuhren! Diese gingen aber zu fast 100 % ins Ausland, nach USA. Der real existierende Kapitalismus finanziert über Uhren den real existierenden Kommunismus! Nach Zeugenaussagen liefen diese Deals mit den USA bis in die 80er Jahre. Und heute? Nun, da ist mir doch neulich eine Uhr aufgefallen: Super schön, poliertes Messing, Glanz und Schein auch da, wo keine Hausfrau oder Uhrmacher Putzt zu einem Preis, oha! Und ein Kenner der Szene, darauf angesprochen, grinst vor sich hin und meint, tja, die Polen sind halt gute Mechaniker. Die stellen diese Uhren in Heimarbeit in der Garage her. In Deutschland werden diese Plagiate meist in Antik-Läden an der Polnischen Grenze vertickt. Und die haben reißenden Absatz.
 

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Hallo Rolf-Dieter,

das ist wieder ein sehr schöner Bericht von Dir. Sowohl der Abriss über die Geschichte der Drehpendel-Jahresuhren in Deutschland als auch der eigentliche Reparaturbericht. Vor allem die Historie der Firma Gustav Becker und ihrer Nachfolger fand ich sehr interesssant, man hat ja immer wieder mit schöner Regelmäßigkeit GB-Uhren auf dem Tisch.

Und auch hier bestätigt sich wieder einmal der alte Spruch vom größten Feind des Uhrmachers. Wenn man nicht selbst alte Uhren repariert, kann man vermutlich gar nicht glauben, was einem in den Uhrwerken so an „kreativer Uhrmacherei“ begegnet. Es freut mich ungemein, dass Du das alte Schätzchen trotz allem wieder zum Laufen bekommen hast.
Und hast Du nicht mal daran gedacht, den zu kurzen Ankerstab auszubohren und zu ersetzen?

Vielen Dank für den schönen Bericht. Es ist eine Freude ihn zu lesen.
Der Schraubendreher
 

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Dran gedacht natürlich schon. Aber ich muss zu meinem eigenen Leidwesen beichten, dass ich (noch) keine entsprechend Werkzeugmaschine besitze in der ich den Anker entsprechend einspannen kann:oops:. Bin halt nur ein Hobbyschrauber.

Zu dem Uhren vom Gustav Becker; die Uhren, die diese Firma für die Schlesische Postverwaltung hergestellt hat und später auch die Hausuhren waren und sind von bester Qualität und auch heute noch - ich bin ein glücklicher Besitzer eines Zweigewichters mit Seilaufzug von GB, ca. 1877 - verblüfft mich immer wieder, wie gut Lager, Zapfen und überhaupt das Getriebe in Schuss ist. Meine Uhr werde ich demnächst mal hier vorstellen, ist noch ein bisschen Arbeit dran, denn die fast 150 Jahre haben ihre Spuren am Holz des Kasten hinterlassen. Zum Glück lebt da keiner mehr:ok:. Widerstand gegen eine Entmietung ist also nicht zu erwarten!

Aber, wie schon angedeutet: GB würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, das solche Blechuhren, wie die hier vorgestellte Drehpendeluhr IHM zugeschrieben werden!
 
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