Eine Chronomaster kommt selten allein. Szenen einer Ehe. (The Citizen Drillinge)

Diskutiere Eine Chronomaster kommt selten allein. Szenen einer Ehe. (The Citizen Drillinge) im Uhrenvorstellungen Forum im Bereich Uhren-Forum; Vorwort. Im ersten Post beschreibe ich wie ich zu den Uhren gekommen bin und zeige Wristshots. Danach gebe ich die technischen Daten an und...
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denohh

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Vorwort.
Im ersten Post beschreibe ich wie ich zu den Uhren gekommen bin und zeige Wristshots.
Danach gebe ich die technischen Daten an und beschreibe die generelle Verarbeitung der Uhren mit ein paar Fotos.
Im zweiten Post gebe ich die persönlichen Eindrücke nach einiger Tragezeit wieder und zeige natürlich noch mehr Fotos.
Habe mich bemüht es kurzweilig zu halten, es fiel mir bei drei Uhren jedoch nicht so leicht.
Auch bin ich bei den Fotos noch ein Anfänger. Aber mit der Zeit wird es sicher besser werden.
Wer das eine oder andere also nicht lesen mag, weiß jetzt bis wohin er vorspulen kann ;)


Hintergrund:
Diese Geschichte setzt an zum Jahresanfang 2021, nachdem ich mir zum Jahresende 2020 zwei mechanische Uhren gekauft hatte (Doxa Sub 300 limited, Tudor 76214 Day Date).


Dramatis Personae:
I: Ich
F: Die Ehefrau
3: Ich in der dritten Person

1. Akt. 1. Szene.
F: Was schaust du dir da an?
I: Uhren.
F: Hast du nicht gerade schon welche gekauft.
I: Ja, schon. Dennoch.
F: Wieviele Uhren hast du denn?
I: Vier.
F: Und du brauchst mehr?
I: Brauchen ist ein hartes Wort.
F: Trägst du denn alle deine aktuellen Uhren überhaupt.
I: Klar. Sind ja extra für unterschiedliche Anlässe gekauft worden.
F: Acha.

1. Akt. 2. Szene.
3: Naja, eigentlich trägst du deine Uhren seit Corona sehr selten.
I: Es sind halt mechanische Uhren. Uhrenbeweger mag ich nicht. Und regelmäßig stellen/aufziehen ist mir bei dem aktuellen Corona-Kinderstress zu viel.
3: Wenn du ehrlich bist, dann hast du auch vor Corona selten die getragene Uhr gewechselt.
I: Ja, es fehlt halt die Zeit für das stellen/aufziehen. Es wäre schön wenn man die Uhren ohne großen Stress einfach nach Bedarf/Kleidung passend mitnehmen könnte.
3: Wie wäre es mit Quarz?
I: Das wäre eine Option. Die Grand Seiko, welche ich vor ein paar Monaten in den Händen hatte, waren schon sehr schnieke.
3: Und die Chronomaster nicht zu vergessen.
I: Ja, die sehen auch lecker aus. Ich durchsuche mal den Markt.

1. Akt. 3. Szene.
F: Schatz, du hast ein Paket.
I: Super.
F: So wie du dich freust, ist es bestimmt eine Uhr.
I: Korrekt.

Die erste Chronomaster AQ4020-54W löst ein solches Freudengefühl aus, dass sie nicht lange alleine bleibt.

rot wrist.JPEG


2. Akt. 1. Szene. Eine Woche später.
F: Schatz, du hast schon wieder ein Paket bekommen.
I: Yessss, das ging schnell.
F: Schon wieder eine Uhr?
I: Ja. Ich sortiere meine kleine Sammlung um.
F: Hast du denn schon eine von deinen alten verkauft?
I: Noch nicht. Aber das braucht Zeit. Ich will die Uhren ja schließlich nicht verschenken.
F: Acha.

citizen schwarz wrist.jpg


2. Akt. 2. Szene.
I: Jetzt habe ich eine rote und eine schwarze Uhr. Etwas Helles in weiß oder silber wäre nett um das abzurunden.
3: Die mit dem weißen Washi-Papierzifferblatt hat dich doch überhaupt erst so richtig mit der Chronomaster angefixt.
I: Ja, die ist natürlich klasse. Aber die Grand Seiko SBGX341 is auch super.
3: Wäre ein anderer Stil und du hättest ein 9F Werk.
I: Aber kein Washiblatt.
3: Ja. Aber alle drei von einem Hersteller? Und dann auch noch das gleiche Werk?
I: Na gut. Ich mache mal einen Kaufberatungs-Faden im UF auf.
3: Und hörst dann am Ende eh nicht auf die Ratschläge?!
I: Ja, ja. Ist schon gut. Ich schließe den Beratungsfaden direkt wieder und bestelle die Chronomaster.


3. Akt. 1. Szene. Drei Wochen später. Die Versöhnung.
F: Schatz, du hast schon wieder ein Paket.
I: Das ist schön.
F: Lass mich raten. Wieder eine Uhr?
I: Ja. Aber bedenke, ich habe ja schon eine andere verkauft.
F: War es das also jetzt?
I: Jein. Eine ist noch aus Japan zu mir unterwegs. Aber ich habe ja auch schon eine verkauft und ich bin dabei eine weitere abzugeben.
F: Acha.
I: Hier übrigens eine goldene Halskette für dich.
F: Du bist der beste Ehemann, den Frau sich wünschen kann :)


weiß wrist.JPG



Nun sind alle drei regelmäßig am Arm und ich könnte nicht glücklicher sein.
Nicht nur jede Woche oder jeden Tag, sondern einfach jederzeit die passende Uhr zur Kleidung und zum Anlass aussuchen zu können ist einfach ein befreiendes Gefühl. Das ist auch der Grund warum zu den Chronomastern auch zwei Tunas mit dem 7C46 Werk und eine Citizen JP2000 kürzlich zu mir gefunden haben.


Technische Daten:
Allen gemeinsam: Das Werk
Kaliber A060.
Ecodrive.
SPY +/- 5 Sek (also Abweichung pro Jahr ;) )
Ewiger Kalender bis 2100 (inkl. Monat und Schaltjahranzeige per Sekundenzeiger).
Lässiger Datumswechel pünktlich um Mitternacht.
Unabhängig verstellbarer Stundenzeiger (GMT-like).
Warnung bei niedrigem Ladestand.
Versteckte Energiereserveanzeige über Sekundenzeiger.
Antimagnetisch.
Automatische Zeigerkorrektur.
Saphirglas mit Entspiegelung (vermute einseitig, da ich bei zweien in praller Sonne schon die Spiegelung der Indizes auf der Innenseite des Glases erlebt habe).
Wasserdichtigkeit: 10 ATM
Garantie hierzulande: 2 Jahre. In Japan: 10 Jahre.
Reparatur über Citizen-DE nach Japan.

AQ4020-54W
Gehäusedurchmesser: 37.5mm
Gehäusehöhe: 10.6mm
Gewicht mit Band: 80g
Material: Supertitan, Duratect Platinum hartbeschichtet.
Limitiert auf 400 Stück weltweit.
Glas nicht gewölbt.
Listpreis: 363.000 Yen.

AQ4054-01E
Gehäusedurchmesser: 39mm
Gehäusehöhe: 11.6mm
Gewicht mit Lederband: 73g
Material: Edelstahl, Duratect DLC hartbeschichtet.
Limitiert auf 300 Stück weltweit.
Glas doppelt gewöblt.
Listpreis: 363.000 Yen.

AQ4030-51A
Gehäusedurchmesser: 40mm
Gehäusehöhe: 12.5mm
Gewicht mit Band: 87g
Material: Supertitan, Duratect Alpha hartbeschichtet.
Unlimitiert, aber Verfügbarkeit ausserhalb JDM laut Händler-Auskunft begrenzt.
Glas doppelt gewöblt.
Listpreis: 407.000 Yen.

Zur Verarbeitung generell:
Die ist einfach allererste Sahne. Am besten beschreibe ich es vermutlich wie folgt. Meine 3,5 fach Bergeon Lupe reicht nicht aus um die Details in der Verarbeitung ausreichend zu würdigen. Das menschliche Auge allein ist gar absolut überfordert. Und auf Fotos kann ich das als Fotolaie selbst mit Makrolinse nur unzureichend einfangen.
Schaut euch alleine das Datumsfenster an. Der Ecodrive-Aufbau bedingt, dass die Datumsscheibe sehr tief in der Uhr sitzt. Dennoch ist das Datum durch die großen Zahlen hervorragend ablesbar. Der Rahmen um das Datum ist folglich auch tief in das Gehäuse gezogen. Bis zur Datumsscheibe. Und das Rahmenfenster ist innen matt, außen sind die Facetten auf Hochglanz poliert und oben am Rahmen sind sogar Rillen eingearbeitet. Kann man das ohne Lupe erkennen? Niemals. Warum macht man das trotzdem? Vermutlich weil man es kann.

Foto Datum.png

Den Datumssprung darf man eigentlich auch nicht verpassen:


Dann wäre da der Citizen Schriftzug bei der roten Uhr. Sieht mit dem bloßen Auge nach einem schlichten applizierten Schriftzug aus. Bis einem auffällt, dass er mal golden erscheint, mal schwarz und dann wieder silbrig glänzt. Wie sie das geschafft haben? Den Schriftzug besteht aus einer rillenartigen, auf Hochglanz polierten Struktur. Mit dem Auge nicht zu erkennen. Der optische Effekt ist jedoch super.

Cititzen Logo gold.jpg
citizen logo schw.jpg
Citizen logo silber.jpg

Sind die Uhren perfekt verarbeitet? Natürlich nicht. Auch Citizen kocht nur mit Wasser. Mit einer Makrolinse kommen auch bei diesen Uhren Unsauberkeiten zutage. Aber dem Preisniveau ist die Verarbeitungsqualität sicher mehr als nur angemessen.
Kleine Anekdote zur Verarbeitung. @buzze1 ist aufgefallen, dass sein Sekundenzeiger im Kunstlicht bei genauem Hinschauen "unsauber" ausschaut und er hat angefragt, ob dies bei meinen Uhren auch so sei. Mit grellem Kunstlicht und Zuhilfenahme einer Lupe konnte ich den Effekt auch bei meinen beiden Uhren mit diesem Sekundenzeiger nachvollziehen. Sie sind jedoch nicht etwa unsauber gefertigt. Vielmehr sind die Sekundenzeiger und zwar nur die Sekundenzeiger, mit einer Art Körnung versehen. Unter Kunstlicht funkelt es wie Diamantenstaub. Auf dem letzten Foto der roten Uhr ist es mit gelungen, dies im Tageslicht einzufangen. Da einzig die Sekundenzeiger nicht facettiert sind und nur hier dieser Effekt verwendet wurde, will man damit vermutlich die Ablesbarkeit erhöhen.


Zum Werk:
Ja, es ist ein Quarz-Werk. Manche werden sich sicherlich niemals damit anfreunden können und das ist auch in Ordnung. Es ist in meinen Augen jedoch technisch fortschrittlicher, robuster, langlebiger, präziser, wartungsärmer. Diese hochwertigen Quarz-Werke sind wie mechanische Werke aufgebaut. Sie sind regulierbar, können repariert und wenn alle Stricke reissen, auch ersetzt werden. Die Kosten dafür halten sich in Grenzen.
Wer meint nur in mechanischen Werken eine Seele zu erkennen, den kann ich ein Stück weit verstehen. Bin diesem Archaischen auch sehr positiv zugewandt und bereit einen Mehrpreis dafür zu bezahlen. Nur sollte man dieses subjektive Empfinden nicht mit falschen Fakten begründen wollen ;) Und speziell dieses Werk hier mit seinen 23 Juwelen und aufwändiger Finissieung stellt so manches mechanische Gegenstück in den Schatten.

a060 werk.jpg
Foto von Deployant.com geliehen.

Was ist an den 5 Sekunden Abweichung pro Jahr dran? Kann ich natürlich nach nicht mal drei Monaten schlecht beurteilen. Die Zwischenmessungen sagen:
  • Die Rote läuft nach 11 Wochen ca. 1 Sek vor.
  • Die Schwarze läuft nach 10 Wochen ca. 2 Sek vor.
  • Die Weiße läuft nach 7 Wochen ca. + 0,5 Sek.

Also laufen alle bei gelegentlichem Tragen etwas vor. Zwei wären, sollte sich das so fortsetzen, innerhalb der vorgegebenen Toleranz.
Bei mechanischen Uhren finde ich es sehr spannend die Genauigkeit regelmäßig zu beobachten und genau zu dokumentieren. Wann habe ich die Uhr gestellt, wann getragen, wie habe ich sie abgelegt. Alle diese "Tätigkeiten" fallen nun natürlich weg. Das ist befreiend und schade zugleich. Zum Glück habe ich ja noch mechanische Uhren in der Sammlung.
 
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denohh

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Vergleich der Dreien und kurzes Fazit.

Die Elegante: AQ4020-54W
Sie war meine erste Wahl und wäre, wenn ich nur eine behalten dürfte, auch diejenige, die bleiben würde. Hatte also richtig gewählt. Sie ist klar die eleganteste der dreien. Das Zifferblatt ist dunkel genug um unauffällig bei formellen Anlässen durchzugehen, aber dennoch ein Blickfang mit seinen Farbwechseln und der Struktur. Die schmalere Lünette macht die Uhr, bei gleichem Zifferblatt-Durchmesser wohlgemerkt, generell schicker.
Darüber hinaus demonstriert das quadratische Muster des ZB eindrucksvoll wie symmetrisch und präzise Citizen die Platzierung sämtlicher Elemente vorgenommen hat. Wie Querstreifen die Bauchfalten optisch in den Vordergrund rücken, so würde dieses Zifferblatt jeden Fehler eiskalt bloßstellen. Es gibt aber keine. Die Struktur soll übrigens die Geometrie von Tokios Bauweise mit seinen säulenartigen Gebäuden widerspiegeln, die rote Farbe die darüber aufgehende Sonne. Während ich die Idee dahinter zwar verstehe, so locken mich beide Beschreibungen jetzt nicht besonders. Es ist aber interessant die Inspiration hinter dem Design zu zu erfahren.
Das Titanarmband vervollständigt mit seinen abwechselnd matten und polierten Flächen die Uhr ideal. Das feste erste Mittelglied des Bandes macht die Uhr optisch um ein paar Millimeter länger. So wirkt sie auf meinem 18cm Arm trotz offiziellen 37,5cm Durchmesser niemals verloren oder zu klein. Selbst wenn ich sie direkt nach einer 49,5mm Seiko Tuna umschnalle. Das war bei der Tudor mit ihrem 36mm Oystergehäuse leider der Fall und der Grund für den Verkauf. Das Band hat keine Schnellverstellung. Mit den zwei halben Gliedern finde ich jedoch eine gute Länge. Zumal das leichte Titan hier ideal ist. So rutscht die Uhr auch bei einer lockeren Einstellung niemals am Arm herum. Es ist einfach kaum Gewicht da. Ein Nachteil für einige, die ihre Uhr gerne immer spüren. Ich könnte mir jedoch nichts schöneres und bequemeres vorstellen.

Nun zu den Dingen, die ich evtl. ändern würde. Die Krone ist unsigniert und poliert. Verstehe ich beides nicht, denn Citizen kann wunderbare Kronen herstellen (siehe die schwarze Uhr). Da es auch bei der nochmals teureren AQ4030 so ist, vermute ich einfach, dass keine signierte Krone in der passenden Größe hergestellt wird. Das ist schade.
Die Beschichtung dieser Uhr ist ungleich der AQ4030. Letztere hat die konkurrenzlos harte Duratect Alpha Beschichtung, diese hier die, im Marktvergleich immer noch hervorragende, Duratect Platinum. Die Farbgebung wirkt dadurch aber tatsächlich anders. Heller und edler, auch wenn ich das auf Fotos nicht einfangen kann. Optisch ist das ganz große Klasse, auch wenn der Orangenhauteffekt von poliertem Grade 5 Titan unter einer Lupe nicht ganz versteckt werden kann. Ich habe es auch bereits geschafft die erste "Macke" in die Seitenfläche zu machen. Ganz altmodisch, mit einer traditionellen Stahlkrone einer anderen Uhr. "Macke" ist jetzt bewusst übertrieben. Diese ist mit dem bloßen Auge nur bei richtigem Lichteinfall als Mikroswirl zu erkennen und ohne Lupe eigentlich nicht zu finden. Aber unfehlbar ist die Beschichtung nicht.

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Die Subtile: AQ4054-01E
Ich fand die Uhr auf den ersten blick zwar schön, es haben mir jedoch irgendwie die Details gefehlt, die mir den letzten Kick geben. Bis ich die Uhr auf Tiktamirs-Youtube-Kanal gesehen habe. Wahnsinn wieviel Detailliebe in einer schlichten schwarzen Uhr stecken kann. Das Gehäuse wirkt auf den ersten Blick einfach und liest sich im Vergleich zu den anderen beiden langweilig: schwarz beschichteter, schnöder Edelstahl. Tatsächlich ist es jedoch das am aufwändigsten verarbeitete Gehäuse. Die Hörner sind formschöner gebogen, die Krone signiert und versenkt. Die Lünette ist nicht einfach abfallend, sondern ein dreidimensionales Gebilde, welches durch polierte Akzente wunderbar in Szene gesetzt wird und einen dazu animiert die Uhr ständig im Profil anschauen zu wollen. Wobei der Blick dann weiter über das gewölbte Glas wandert. Und dann das Zifferblatt. Das ist pure Kunst. Mal scheint es schlicht schwarz glänzend lackiert, bis man beim richtigen Lichteinfall die vertikale Fächerstruktur sieht, welche unterschiedlich gebürstet wirkt. Wenn man dann noch eine Lupe zur Hilfe nimmt, ja, erst dann erkennt man, dass das Zifferblatt vollständig von einem konzentrischen Kreismuster durchsetzt ist. Ob das ein rein optischer Perfektionismus ist oder der Lichtdurchlässigkeit für das EcoDrive dient, ich weiß es nicht. In jedem Fall ist mir etwas derartiges noch nicht untergekommen. Die glänzende Rehaut mit den arabischen Ziffern und die breiten Zeiger mit reichlich Lume sorgen für einen sportlichen Charakter mit sehr guter Ablesbarkeit bei Tag und Nacht.
Trotz der betonten Sportlichkeit kann die Uhr zu einem Anzug durchgehen. Sie ist eben sehr subtil und wird vom Hersteller sogar an einem, leider etwas quitschigen, Krokodillederband geliefert. Das finde ich in Kombination mit der beschichteten Faltschließe sehr schön. Noch variabler finde ich sie jedoch an dem von mir montierten Nautic Tropic Band von Kaufmann. Die originale Schließe konnte ich sogar weiterverwenden.
Wer sich jetzt fragt warum ich bei dieser Lobeshymne die rote AQ4020-54W bevorzugen würde, der fragt sich das zurecht. Ich denke es liegt einfach an der Kombination von dem leichten Titan inkl. Titanband, dem größeren Bling-Faktor, gepaart mit dem ungewöhnlichen roten Blatt. Also eine rein subjektive Geschichte.

Was ich an dieser Uhr nicht mag? Wenig. Die Zeiger sind nicht so hochwertig wie bei den anderen beiden, eher einfach und eindimensional gefertigt. Sie passen zum sportlichen Charakter der Uhr haben jedoch zwei Nachteile. Zum einem sind sie trotz mehr Lume bei wenig Licht schlechter ablesbar, da die spiegelnden Facetten fehlen. Zum anderen merkt man bei Markovergrößerung, dass die Zeiger etwas unsauber gefertigt sind und hier eben keine Poliermaschine wie bei den anderen angesetzt wurde. Mit dem Auge kann man das nicht erkennen und so freue ich mich beim Tragen eher darüber, dass nicht alle drei Uhren dieselben Zeiger haben.

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Die Auffällige: AQ4030-51A
Die Chronomaster, welche als erstes mein Interesse an der Reihe geweckt hat, aber erst als letzte den Weg zu mir fand. Das liegt einfach an der Summe der Eigenschaften, welche mir auf den Bildern und Videos weniger gefallen haben. Da wäre zum einen die Größe. Die Uhr hat dieselbe Zifferblattgröße wie die anderen zwei, die Lünette ist jedoch breiter, die Uhr dadurch in jeder Dimension größer. Ich mag einfach keine sinnlos breiten Lünetten. Sie machen Uhren zweifellos sportlicher, nehmen Ihnen aber auch die Eleganz. Dann kommt bei hellen Zifferblättern die schlechtere Ablesbarkeit. Ja, man kann die Uhrzeit, wenn es wie hier vernünftig gemacht ist, gut ablesen. Der Kontrast ist dennoch immer schlechter. Dann kommt der fehlende Lume auf den Indexen. Es sind zwar Lumepunkte auf der Rehaut gesetzt, das hat mir auf den Fotos jedoch noch weniger gefallen als der fehlende Lume der Indizes. In Summe hat das den Ausschlag dafür gegeben, dass ich die anderen beiden vorher bestellt habe und bei diese noch lange in mich gehen musste, bevor ich auf den Bestellknopf gedrückt habe. Warum ich nun dennoch äußerst glücklich mit ihr bin, erkläre ich euch gerne.
Die Uhr ist einfach ein optischer Schmaus. Sie funkelt aus jeder Pore und zieht so immer die Aufmerksamkeit auf sich. Dazu ist sie mit dem handgemachten Tosa Washi Papierblatt auch klar die Interessanteste der drei Uhren. Wer Washi Papier nicht kennt, es handelt sich um eine der dünnsten Papiersorten der Welt, welche in Japan auch weiterhin traditionell von Hand hergestellt wird. Für die AQ4030 wird Tosa-washi von Osaki Paper Co. verwendet. Tosa Washi stammt aus der Kochi Präfektur, blickt auf eine 1000-Jährige Geschichte zurück und ist bewiesener Maßen schon dem Kaiser Japans als Tribut überreicht worden. Das Washi für die Citizen wird von der Firmeneigentümerin der Osaki Paper Co. in nun 4. Generation höchstpersönlich gefertigt. Selbst wer sich nicht für Papier interessiert, bei der Geschichte kann man nur in Ehrfurcht den Hut ziehen. Über dem Papier wird als UV-Schutz und Trägerschicht eine durchsichtige Kunststoffschicht angebracht, auf die wiederum die Indizes und Schriftzüge angebracht werden. Dies verursacht einen Effekt, bei dem die Indizes über dem Zifferblatt zu schweben scheinen. Für besseren Kontrast sind die Indizes mit schwarzer Farbe statt weißem Lume gefüllt. Eine weise Entscheidung, die ich ehrlicher Weise auch gerne auf den Zeigern gesehen hätte. Das Blatt zeigt im Innenraum bei gedimmtem Licht am besten seine einmalige Struktur. In Sonnenlicht funkelt und schimmert es weiß/silber und es wirkt als hätten sich Eiskristalle darauf abgesetzt. Die Rehaut ist in silber gehalten und passt sich so dem Blatt tatsächlich besser an als es dies in Weiß getan hätte. Die Lumedots auf der Rehaut haben mich auf Bildern nicht überzeugt. Um so erfreuter bin ich, dass sie mir in Natura sogar gefallen, statt lediglich nicht zu stören. Zu perfekt sind sie gearbeitet und gesetzt, als dass ich sie kritisieren könnte. Und immer wenn man meint irgendwas an Ihnen würde schief aussehen, so ist es lediglich die Wölbung des Glases, welche hier einen Streich spielt.
Was bleibt also von meinen ursprünglichen Vorbehalten übrig? Nicht viel. Ja, die Uhr büßt durch die breite Lünette an Eleganz ein. Ja, der niedrige Kontrast sorgt dafür, dass sie in dunkler Umgebung schlechter ablesbar ist. All das nimmt der Uhr jedoch nichts von ihrem optischen Reiz und dem Gesprächsstoff, den sie liefert. Der einzige Makel ist für mich folgender. Der untere Chronomaster Schriftzug ist wohl nicht direkt auf die durchsichtige Trägerschicht gedruckt, sondern als ganzes auf Folie gedruckt und dann auf die Trägerschicht geklebt worden. Bei ungünstigem Licht kann man diesen Effekt sehen. Kein Weltuntergang, aber bei einer ansonsten so perfekten Uhr doch erwähnenswert.

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Fazit:
Ich hoffe ihr hattet Spaß am lesen und bestaunen dieser kleinen Kunstwerke. Ich finde der Vergleich zeigt auch schön auf, dass technische Merkmale eben nicht die ganze Geschichte einer Uhr erzählen können. Die Weiße ist die technisch beste der Dreien. Die Schwarze die optisch aufwändigste. Dennoch würde ich die Rote beiden vorziehen. Zum Glück darf ich jedoch alle drei behalten :)
 
cosmonaut

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Großartige Uhren! Vielen Dank für die tolle Vorstellung :super: Mein Favorit ist die Weiße :)
 
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Großartig, tolle Vortellung, tolle Bilder und tolle Uhren!!! Viel Freude mit Deinem Trio!
 
Clouseau

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Glückwünsche zu den Neuerwerben! Tolle Uhren mit Liebe und Leidenschaft ebenso toll vorgestellt. Habe lange zwischen einer neuen, blauen Chronomaster und einer gebrauchten Seamaster geschwankt. Bei mir ist alles es dann aber die Omega SMP "Electric Blue" in Titan geworden. Scheinbar zum Glück für mich, denn hätte ich mich für die Chronomaster entschieden wäre das möglicherweise teuer geworden. Zumindest wenn sie mich ähnlich angefixt hätten wie Dich. Hast ja eine Mörder-Schlagzahl an den Tag gelegt. Welche mussten denn jetzt gehen, so unter uns Klosterschwestern....😉

Weiter viel Freude mit Deinen Neuzugängen und einer der verständnisvollsten Ehefrauen.
 
Dr.Hossa

Dr.Hossa

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Man spürt beim Lesen förmlich deine Begeisterung für die drei.
Vielen Dank für deine Mühe. Sie hat sich gelohnt und versüßt mir etwas die Wartezeit auf meine AQ4030. Den von dir genannten Verfügbarkeitsengpass außerhalb Japans kann ich also bei der Lieferzeit in meinem Fall leider unterschreiben.
 
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I.v.e

I.v.e

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Vielen Dank für die tolle Vorstellung inkl. Vergleich und Erfahrung. So etwas lese ich gerne. 😊
Lange schon halte ich immer wieder Ausschau nach „The Citizen“ Modellen. Die Faszination ist ungebrochen, allerdings fehlte mir immer wieder der Mut zuzuschlagen.

Auch, weil ich vielleicht mein Herz an Grand Seiko verloren habe. Die zwei Japaner verstehen es wie kein anderer Hersteller, Quarztechnik in solch einem Level zu verbauen. Trotzdem können sie nicht unterschiedlicher sein. The Citizen und Grand Seiko sind auf einem top Niveau was die Verarbeitung betrifft und trotzdem unterscheiden sich beide völlig in ihrem Kern. Die The Citizen ist der moderne unter den beiden, hochmoderner Antrieb (Werk), nachhaltiges Energiekonzept und die tolle Beschichtung. All das vermisst man bei GS, es scheint, als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Wenn man allerdings einen Blick unter die Fassade wirft, sieht die Sache schon etwas anders aus. Grand Seikos bestreben und Philosophie besteht darin, ein Werk zu entwickeln, dass im wesentlichen einem mechanischen Werk ähnelt und mit wenig Elektronik ausgestattet ist. Der Aufbau ist etwas einfacher, was die Leistung natürlich nicht beeinflusst. Meine 4 GS‘s 9F z.B. laufen alle innerhalb der 10s p.a. und zwei sogar unter 5s p.a.

Ob, wie und was man gut findet, kann ja der Käufer selbst festlegen und das Gute daran, man macht mit beiden Herstellern nichts falsch! Der Eine steht halt auf Oldtimer, der Andere auf Elektroautos - Leistungsfähig sind beide 😉

Ich hoffe, ich bin jetzt nicht so weit vom Weg abgekommen 🙄
Auf jeden Fall wünsche ich dir noch ganz viel Freude mit den Dreien und die Schwarze kannst du mir einpacken - die ist echt Mega! 👌🏼👏🏼🍻
 
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Dr.Hossa

Dr.Hossa

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Glückwünsche zu den Neuerwerben! Tolle Uhren mit Liebe und Leidenschaft ebenso toll vorgestellt. Habe lange zwischen einer neuen, blauen Chronomaster und einer gebrauchten Seamaster geschwankt. Bei mir ist alles es dann aber die Omega SMP "Electric Blue" in Titan geworden.
Lustig. Die SMP 300 und die AQ4030 sind vermutlich auf absehbare Zeit die einzigen Uhren, die ein Habenwollen-Gefühl bei mir erzeugen.
Ich hab aber mit der blauen Chronomaster angefangen und werde dann in Zukunft die Omega daneben platzieren.
 
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Torero72

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Großartige Lektüre über drei großartige Uhren! Vielen Dank für all die Zeit und Leidenschagt, die Du in diese herausragende Vorstellung gesteckt hast!
 
Morty

Morty

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Coole Vorstellung! Ich musste mich schlapp lachen bei Deinen Dialogen :-) Habe das auch meiner Ehefrau gezeigt... Wir alle kennen ja die "Schatz, da ist ein Paket für Dich..."-Situation.
Von den gezeigten Modellen gefällt mir die Rote klar am Besten. Wirklich nicht leicht in der Farbe eine schöne, dressige Uhr hin zu bekommen. Viel Freude an Deinen Schätzen von Citizen! Eine Marke, die hier durchaus öfter vorkommen dürfte.
 
D

denohh

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Vielen Dank Leute für die vielen Kommentare. Darüber freut man sich als Verfasser immer sehr :)


@Clouseau
Die SMP ist natürlich klasse. Für eine Chronomaster ist aber immer Platz ;-)
Ich habe die erst letztes Jahr verklebt importierte Tudor Day Date in Weißgold ziehen lassen müssen. Sie war leider die entscheidenden Millimeter zu klein.
Daneben habe ich meinen JLC Master Compressor Diving Chrono sehr schweren Herzens abgegeben. Die Kompatibilität mit den Hemdärmeln war leider bescheiden und für gelegentliches Tragen war sie mir dann zu schade. Sie ist aber in die guten Hände eines Forumsmitglieds gekommen und eine neue JLC ist fest eingeplant. Weiß nur noch nicht welche :hmm:

@Dr.Hossa
Vorfreude ist doch die schönste Freude. Das Warten wird sich lohnen.

@I.v.e
Vielen Dank für deine Ausführungen :super: Deine GS-Begeisterung teile ich. Bei Quarz dachte ich mir, wenn schon modern, dann aber richtig. Stehe jedoch schon auf der Warteliste für eine SBGA413 8-)

@Morty
Ja, da macht Corona uns einen Strich durch die Rechnung. Lasse es sonst ins Büro schicken um diese Situationen zu vermeiden :D
 
Uhrenman

Uhrenman

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S-H
Eine kurzweilige, unterhaltsame Vorstellung dreier wirklich schöner Uhren 👍

Ich wünsche dir ganz viel Spaß mit jeder einzelnen.
Vor allem das Rausfinden der ganzen Unterschiede im Detail macht bestimmt Spaß 🤓

Danke für die tolle Arbeit 👍
 
Uhren_Freund

Uhren_Freund

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🇩🇪 Unruh
Da hast du dir ja richtig Mühe gegeben, danke fürs Vorstellen und deinen Erfahrungsbericht. 👍

Viel Freude weiterhin mit deinem Trio.
 
Locki

Locki

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Glückwunsch :super: Tolle Uhren und umfangreiche Vorstellung mit klasse Bildern. Trio würde eigentlich langen aber was sage Ich Süchtling da. Weiterhin viel Freude damit.
 
nerdy4watches

nerdy4watches

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@denohh: Recht herzlichen Dank für deinen tollen, ausführlichen und dabei so kurzweiligen Bericht. Das Lesen hat mir riesig viel Spaß bereitet und bei den Dialogen musste ich dauerschmunzeln - so vertraut, das Ganze.

Ach ja, die drei Chronomaster, die sind natürlich einfach superb!!!
 
D

Dille

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Sehr präsente Uhren für den Durchmesser. Bei der schwarzen wäre ich mal neugierig, wie sie an meinem Handgelenk wirken würde.
 
Sir Unreal

Sir Unreal

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Tolle, lustige, aufschlussreiche Vorstellung. Ich musste zwischendurch zu meiner AQ4054-01E greifen, um zu schauen, was du entdeckt hast, ich aber noch nicht kenne oder nicht bewusst wahrgenommen habe.

Deine Makroaufnahmen sind super. Mach mal welche von der Schwarzen (oder eigentlich von allen) mit einem harten, schräg einfallenden Spotlicht. Da kommt der Regenbogenschimmer rüber. Und natürlich sehr ausgeprägt die Mikrostruktur. Wobei ich mich gerade darüber wundere, dass du es konzentrische Kreisstruktur schreibst, ich dort aber nur Diagonalen erkennen konnte.
 
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denohh

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@Sir Unreal
Deine Bilder sind klasse. Ich versuche mal die Tage mehr Bilder zu machen.
Will einen Knick in meiner Optik nicht ausschließen, aber ich würde eigentlich meine Hand ins Feuer legen, dass es Kreise sind. Hier mal ein altes Bild vergrößert.
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Thema:

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