Ein unerwartetes Erbstück: Vostok

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McMoneysack91

McMoneysack91

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Liebe Leser,

Diese Uhrvorstellung ist etwas ganz Besonderes für mich. Und nein, es gab keinen Trauerfall in der Familie, der mich zum unerwarteten Erben des folgenden Stückes machte. Beim Aufräumen des Elternhauses hat meine Mutter mich auf eine unordentliche Schublade aufmerksam gemacht, in der noch eine Uhr meines Vaters "rumfliegen" müsste. Beim Wort Uhr sind mir natürlich wieder alle Leitungen durchgebrannt und ich bin hingestürmt wie ein Kind am 25. Dezember zum Weihnachtsbaum. Ich wühlte und wühlte und fand tatsächlich eine schöne (ich schätze) vergoldete Uhr, mit sehr hohem Dome-Glas. Auf dem Zifferblatt stand in kyrillischer Schrift "Vostok" und unterhalb "17 Steine". Ich wusste, ich habe eine mechanische Uhr vor mir.

Apropos 25. Dezember. Es sei angemerkt, dass die Sowjetunion am 25. Dezember 1991, genau 33 Tage nach meinem Geburtstag zerfiel. Somit durfte ich, geboren auf dem heutigen Gebiet der Ukraine, die letzten Wochen dieser Staatsform, wenn auch nicht ganz bewusst, miterleben. Daher fühle ich mich dieser Uhr auf einer zusätzlichen Ebene verbunden.

Dass ich den Thread Erbstück nannte bedeutet keineswegs, dass ich diese Uhr nun konkludent meinem Eigentum überschreibe; nach dem Motto "Wer's findet, darf's behalten." Vielmehr wies Mutter mich darauf hin, dass Vater diese Uhr von wiederum seinem Vater als Geschenk bekam. Ironischerweise ist Vater vor 3 Tagen in die Ukraine geflogen, um meinen Froßvater zu besuchen. Hätte ich die Uhr ein Stückchen früher gefunden, hätte Vater sie mitnehmen können und sie hätte für wunderbare Konversationen voller Erinnerungen gesorgt. Aber wir stehen ja im Genuss des world wide web. Ich habe sie darüber informiert. :)

Auch wenn viele dieses "Gealterte" an einer Uhr schätzen, so sind sich alle 3 Generationen einig, dass die Uhr eine optische Auffrischung gebrauchen könnte. Ich werde mich mit gemeinsamer Zustimmung vorsichtig daran machen, ihr wieder einige Lebensgeister einzuhauchen.

Nun möchte ich nicht all zu sentimental werden und gebe einige Details sowie etwas fürs Auge zum Besten.

Hersteller: Vostok (Modell unbekannt)
Uhrwerk: Mechanisch Handaufzug (17 Steine)
Gehäusematerial: Messing (vermutlich vergoldet)
Gehäusedurchmesser: 34 mm
Gehäusedicke: 10 mm
Ansatzbreite: 18 mm
Gehäuseboden: Verschraubt (zum Glück)
Armband: Federgliederband (nennt man das so?) nicht original.
 

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Königswelle

Königswelle

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Etwas mitgenommen, deine Vostok, aber bei einem Familienerbstück sieht man über derartige Kleingkeiten natürlich gerne hinweg.

Im Inneren dürfte ein Vostok 2409 ticken, ein robustes und durchaus nicht schlechte Werk, das man häufig antreffen kann, was nicht von Nachteilist, falls man mal Ersatzteile braucht. Ein neues Plexiglas und eine neue Krone wäre überlegenswert, wenn die Vostok wieder mal ans Handgelenk soll (meiner Meinung nach sollte sie ;-)) und ich persönlich würde das Band ersetzen. Diese Fixoflex-Bänder mag ich nicht sonderlich und ich habe auch die Junghans meines Opas von einem solchen befreit. Fürs Andenken reicht die Uhr alleine auch so. ;-) Aber das ist natürlich Geschmackssache.
 
Boston72

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Man sieht ihr, ihr bewegtes Leben an.
Danke fürs zeigen und wertschätzen eines Familienerbstückes.
Die Uhr erinnert mich ein wenig an die von Butch. ;-)
 
McMoneysack91

McMoneysack91

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In der Tat würde ich die Uhr ganz gerne wieder Handgelenktauglich machen. Und meine erste Amtshandlung ist sie, wie schon richtig formuliert wurde, von dem Band zu befreien und ihr ein würdiges zu verleihen.

Die Kratzer auf dem Glas sehen dank der Auflösung etwas brutaler aus, als sie es wirklich sind. Ich denke, da kann ich ohne das Glas wechseln zu müssen etwas abhelfen. Die dunklen Flecken stammen eher vom Zifferblatt. Dies ist für mich allerdings bereits bekanntes Gebiet. Ich bin bei bereits mehreren "verschmutzten" Zifferblättern mit einem weichen hölzernen Zahnstocher erfolgreich gewesen. Ich denke, dass ich mich auch hier dieser Methode bedienen kann.

Mehr Sorgen macht mir das Uhrwerk. Ich habe sie nun mehrmals voll aufgezogen und leerlaufen lassen. Der Sekundenzeiger läuft die komplette Runde schön gleichmäßig ab. Aber wenn man die Uhrzeit stellen will, so entdeckt man Unregelmäßigkeiten in der Leichtigkeit. Einige Stunden lassen sich butterweich drehen, im Bereich 6-10 z.B. jedoch werden die Zeiger schon etwas sturer. Ich kann mir vorstellen, dass die Öle im Werk längst verharzt oder zäh geworden sind. Eine gleichbleibende Ganggenauigkeit kann man unter solchen Umständen natürlich vergessen. Katastrophal ist das nun nicht. Als Dress Watch müsste sie ohnehin nur einige Stunden lang die Zeit anzeigen müssen und auch das nicht zwangsweise in MI6-Operationsmanier.

Ich stelle hier mal eine radikale Frage: Ohne das Uhrwerk komplett zerlegen zu müssen - kann man an den Außenstellen ein zwei vorsichtige Tröpfchen WD40 o.Ä. hineingeben? Ich hörte von der reinigenden Wirkung von WD40 und dass es selbst in unwegsamste Rillen vordringt. Mein Menschenverstand (ohne jegliche Uhrmacherkenntnis) sagt, dass man damit evtl. die uralten Öle lösen kann und schonmal zumindest WD40 in den Innereien des Uhrwerks hat.

Sollte obige Frage nicht allzu absurd erscheinen, treibe ich es spätestens jetzt ad absurdum. Könnte man nach der reinigenden WD40 Ölung ein für Uhrwerke übliches Öl an die Außenränder geben und es quasi in das Werk hineinlaufen lassen? Das klingt nach einer Flutung, aber ich rede wirklich von vorsichtigen Tröpfchen.
 
pallasquarz

pallasquarz

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Hallo, was unkonventionelle Schmierung betrifft, sei Dir folgendes Thema empfohlen

Seiko 7S26 - Traktor Challenge

Ich kann da nichts beitragen, denke aber, wenn Du die Uhr öfter tragen willst, wäre ein Gang zum Uhrmacher sinnvoll, einmal richtig geölt und überholt, hast Du dann bestimmt ein Jahrzehnt Ruhe.

ZB Reinigung ist extrem heikel und man kommt da ia nicht recht weit, der Weg zur "Verschlimmbesserung" ist nur kurz.
Wenn es alter Dreck ist, kannst Du auch ganz vorsichtig mit einem Wattestäbchen und wenig Feuchtigkeit arbeiten, immer im Bewußtsein, daß die dünne Klarlackschicht auch schnell abgerieben wird.
Wünsche Dir viel Erfolg und lass das Ergebnis gerne sehen
Christoph
 
Aeternitas

Aeternitas

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Ich denke, dass da ein 2209 Vostok drin ist. Vorsicht beim Zeigerstellen, wenn es schwerer geht. Dieses Kaliber hat einen federnden Eingriff des Wechselrades. Wenn da etwas nicht stimmt oder verkantet ist, dann ist schnell ein Zahnrad kaputt.
 
McMoneysack91

McMoneysack91

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Vielen Dank für die Unterstützung. Tatsächlich ist dieses Projekt ein reines "spaßeshalber vorsichtig versuchen". Die Uhr ist auch wie gesagt nicht für meinen Besitz oder mein Tragen gedacht. Ich plane sie nach der Schönheits-OP wieder Vater zu geben. Tragen wird er sie denke ich nicht.

Er trägt eigentlich eher zeitgemäße Uhren und dann eher Sports-Watch Stil. Im Moment trägt er eine Rolex Datejust als Ausgeh-Uhr und einen Chronographen als Everyday-Uhr. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er zu einer Handaufzug-Uhr aus der Mitte des letzten Jahrhunderts als zuverlässigen Zeitmesser greifen wird. Ich kann mir denken, dass die hier besagte Uhr eher einen schönen, sichtbaren Platz in seiner Vitrine bekommen wird. Sie ans Laufen zu kriegen war eher ein Gag-Gedanke von uns,

Daher gilt meine Priorität zuerst der kosmetischen WIederbelebung. Das technische wird ein nice-to-have Feature.
 
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