Revision Ein "OCHSENAUGE" von Schlenker & Kienzle ca. 1910

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Schlenker & Kienzle „Ochsenauge“ ca. 1910

Mal keine Jahresuhr, sondern ein „Ochsenauge“ von Schlenker & Kienzle, ca. 1910.

Das Baujahr dieser Uhr lässt sich ganz gut festlegen. Auf dem Werk ist eine Patent-Nummer des Deutschen Reiches geprägt (DRP 147023): Patent für ein neuartiges Schloss-Scheiben-Schlagwerk von E. Schlenker, eingetragen am 05. Dezember 1902. Also konnte die Uhr erst nach 1902 gebaut worden sein. Nach zu lesen bei DEPATISNET.COM unter der Nummer DE147023!

2591-Bildmarken.JPG

Der Name Ochsenauge kommt von der Bauart des Gehäuses, in dem das große Ziffernblatt dominiert. Dahinter verbirgt sich ein 14-Tage Amerikaner-Werk mit Schlag zur ½ Stunde und vollen Stunde auf eine Tonfeder.

2611-14-Tage-Amerikanerwerk.JPG

Solche Uhren waren sehr oft in Schulen, Büros, etc. im Einsatz, bevor sie durch zentrale Uhrenanlagen abgelöst wurden. Diese Uhr hing wohl in einem Büro eine Privatbrauerei in Bayern, wie mir der Besitzer erzählte. Der Gong war so laut, dass er zur 1/2 und vollen Stunde jeden Bürozeitungsschläfer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus seinem Tiefschlaf gerissen hat. Für die neue Nutzung im Wohnzimmer habe ist das deutlich gemindert:D.

Nach der Ausmusterung kam diese Uhr dann in den Besitz seines Großvaters und hing auch lange Zeit ohne Funktion im Keller (war ganz sicher zu laut;-)), bis sich der Besitzer erbarmte und mir diese Uhr vorstellte.

Nun, das Alter kann man schon vom vorhandenen Staub im Werk ableiten: Über 110 Jahre.

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2585-Draufsicht.JPG
2587-linke-Seite.JPG

Drei mal mussten die Werkteile durch das US-Bad laufen, bis sich der gröbste Schmutz gelöst hatte. Und dann die Handarbeit……. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen, oder?

2593-Platinen-vorher-nachhe.JPG
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Wie schon Oben mal kurz angerissen: Das Werk ist ein Amerikaner-Werk (die Platinen sind aus Messingblech – 2,5 mm – Gestanzt, die Triebe sind sog. Hohltriebe, die ebenfalls maschinell hergestellt werden konnten, die Zahnräder sind auch gestanzt. Also eine sehr günstige und Kosten sparende Produktionsmethode, die um 1870 das erste Mal in Deutschland auftauchte und aus Amerika kam. Deutsche Uhrmacher weigerten sich lange, solche „Billigwerke“ zu reparieren) mit einer Laufdauer von 14 Tagen.
Diese Federn waren der reine Horror bei der Reinigung, aber es musste sein!

2603-Sauber.JPG

Die Hemmung dieser Uhr ist eine Hakenhemmung mit Kurzpendel (16 cm). Eigentlich eine ungünstige Kombination, da ja die Hakenhemmung (eine Rückführende Hemmung) besser für lange Pendel geeignet ist. So konnte ich auch bei dieser Uhr feststellen, dass bei voll Aufgezogenem Werk ein Vorgang zu bemerken war und bei fast Abgelaufener Feder – so nach 12 – 14 Tagen – ein Nachgang.

2606-Rueckseite.JPG

Eine richtige „Arbeitgeber-Uhr“. Hat man die Uhr beim Aufziehen richtig eingestellt, wurde sie über die 14 Tage immer langsamer und man musste länger Arbeiten.

Übrigens ist bei dieser Uhr die Schlagwerk-Feder um einiges stärker ausgelegt als die Gangfeder. Das sorgt dafür, dass immer das Uhrwerk im Fall der Fälle VOR dem Schlagwerk zum Stillstand kommt und somit nach dem aufziehen der Stundenschlag noch stimmt.

Nach Überprüfen und polieren der Zapfen und Reinigen der Lager (erstaunlich: Alles war in Ordnung – Staub schütz?!?!) - wurde das Werk wieder zusammengesetzt und der Probelauf am Galgen konnte beginnen. Der Abfall der Hakenhemmung war einfach zu justieren, da die Ankergabel zügig auf der Ankerwelle befestigt war. Länger dauerten die Justage des Ganges. Aber meine alte Greiner leistete auch hier gute Dienste.

Nun zum Gehäuse: Kein besonderes Material, ein heimisches Weichholz dass zum Glück noch keine Bewohner hatte. Hier waren diverse Lack- und Firnisse aufgetragen und zuletzt alles gründlich mit einem dunklen Schelllack veredelt. Also erst einmal die Lünette und das Glas entfernt und dann das Gehäuse mit einem mit Spiritus getränktem Lappen abgerieben. Das nahm schon mal den schmutz und Staub runter und verhalf dem Schelllack wieder zu Glanz. Mehr sollte hier auch nicht gemacht werden. Schwieriger war da schon die aus dünnem Messingblech bestehende Lünette. Die war wohl mit Schwefelleber Brüniert und dann auch ein paar Mal mit diversen Farben überzogen worden. Dass alles wieder runter zu bekommen war eine Tagesarbeit, die ich meinem besten Freund nicht wünschen möchte. Aber jetzt glänzt sie (die Lünette) wieder und das konvexe Glas habe ich mit etwas Rodico zusätzlich befestigt, da die 5 Blechnasen für das 24 cm Glas mir zu „labberig“ erschienen.

Und so sieht die Uhr jetzt aus. Die Arbeit hat sich bestimmt gelohnt.
2665-Fertig.JPG
 
B

Bertel

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moin Rolf-Dieter,

da haste aber wieder ein schönes altes Schätzchen zum leben erweckt.

Toller Bericht

Bertel
 
Alberich

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Hallo Rolf-Dieter,

herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Restaurierung!
Wieder einmal ein schönes Stück Zeitgeschichte zu Leben erweckt. :super:


Viele Grüße!

Matthias
 
Spindel

Spindel

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Hallo,
wie immer klasse Arbeit von Dir:super:
Schade mit dem Blatt.Das ist immer wie eingebrand.:-(
Gruß Roland
 
Der Stromer

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Ja, dass ist das große Problem bei Großuhren aus dieser Zeit. Das eigentliche Ziffernblatt ist aus Zelluloid und im Prinzip nicht rettbar (jedenfalls ist mir nichts bekannt, was man - außer Neu - da machen könnte) oben drüber zum Glück Glas. Also so lassen. Aber das Alter steckt sowas leicht weg8-).
 
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Ein "OCHSENAUGE" von Schlenker & Kienzle ca. 1910

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