Ein kleiner Schatz im Doppelpack: NAMDOR

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MaJoLa

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Liebe Kollegen,

es gibt ja so einige unter Euch, die haben im Laufe der Jahre echte Highlights an Land gezogen. Sei es als Marke, Modelle die sich in seltenen Versionen präsentieren, oder auch Uhren, die in technischer Hinsicht was Besonderes sind.

Was sich aber vergleichsweise selten findet, sind Exemplare in ihren Original Schachteln oder Schatullen. Und je älter eine Uhr ist, desto schwieriger wird es, ein kleines Esemble, bestehend aus beidem, im Original zu finden.

Longines, Omega, Vacheron oder Rolex.............mir ist noch nichts begegnet, was sich in die 20er oder 30er datieren ließe und mit der originalen Schatulle daherkam.

Wenn überhaupt, dann treten vorwiegend die Uhren aus USA in dieser Konstellation auf.
Mein geschätzter Kollege Martin (DRGM), hat einige Stücke mit den passenden Schatullen hervorragend präsentiert und in Szene gesetzt.

Das es mir nun gelungen ist, eine Uhrenmarke an Land zu ziehen, die an sich schon was sehr seltenes darstellt, kann man als Glücksfall bezeichnen. Aber in der original Schachtel und aus der Zeit 1929/1930..............das ist wirklich der berühmte Sechser im Lotto.

Da sitze ich dann Abends zu Haus und mache das, was ich jeden Abend mache, bevor ich zu Bett gehe. Nämlich abtauchen in die Bucht. Und als das Zigarettchen so vor sich hindampft und ich durch die Seiten blättere, lese ich doch etwas aus dem Augenwinkel, was ich um haaresbreite weggeblättert hätte: 20er Jahre oder 1920. Das interessierte mich. War doch das entsprechende Objekt aus einiger Entfernung fotografisch so eingefangen worden, daß es einfach nicht auffiel.

Angeklickt stand da im Text eine Marke, von der ich im Leben nie was gehört habe: NAMDOR.
Nun waren auch die Bilder relativ ansprechend. Nicht der erste Preis, aber doch so gut, daß man sich einen Eindruck verschaffen konnte.

Der Markenname wirkte auf mich befremdlich. Irgendwie konstruiert. Etwa Ein Wald und Wiesenhersteller? Aber eine Uhr in einer Schatulle, die denselben Namen trug.........das war doch außergewöhnlich und interessant.

Wie so oft, war da natürlich Mikrolisk der erste Anlauf. Und......jawoll, da taucht dann Namdor auf.
Eine Marke, die dem schweizer Unternehmen Pierre Bernard aus La Chaux de Fonds gehörte und welcher diese 1924 registrieren ließ.

Leider war es das aber auch schon. Mehr habe zumindest ich nicht herausfinden können.

Die Bilder vermittelten - wie gesagt- einen ordentlichen Eindruck und so versuchte ich mein Glück und schaffte den Zuschlag.

Nach vorheriger, zweimaliger Nachfrage, die Gangenauigkeit betreffend, bekam ich dann die Antwort: Auf 24Std ca. 4 Min. Abweichung. Damit konnte ich prima leben. Hieß jetzt nur noch Abwarten, bis die Post kommt.

Gut verpackt und unversehrt traf die Namdor ca. 4 Tage später dann bei mir ein.

Die Uhr selbst präsentierte sich mir mit 30mm DM. Ein vergleichsweise schweres, verchromtes Messinggehäuse mit dem original Glas, welches in recht starker Ausführung daherkommt.

Eine "Untersuchung" der bestens erhaltenen Lume mittels Lupe ergab, die Masse muss original sein. Die Oberflächenstruktur lässt eigentlich keinen anderen Schluss zu. Und wie steht es mit der Leuchtkraft? Eine LED schafft es, sie noch für die kurze Dauer von 2 Sek. zum Strahlen zu bringen.
Dann bricht die Helligkeit schlagartig ein und veraschiedet sich nach ca. 20 Sek. komplett. Nach ca. 90 Jahren darf sie das auch.

Während Kunstlicht die Lume im angenehmen Creme erscheinen lässt,


zaubert das Tageslicht einen ebenfalls angenehmen Grünton hervor.


Der Silberton des Blattes verleiht der Namdor eine gewisse Eleganz und zeigt sich in der Fläche als Optik einer Schallplatte.


Als Antrieb dient ein AS 554 Kaliber, welches mit "nur" 6 Steinen ausgestattet ist. Es dürfte aber auch mit 15 Steine ausgeliefert worden sein.
Dennoch vermittelt das Gefühl des Aufziehens wie auch das Ticken in akustischer Hinsicht, einen durchaus wertigen Eindruck.


Im Deckelinneren findet sich im dreiteiligen Gehäuse noch eine Bezeichnung, die mir noch nicht ganz klar ist: Shrine Watch.

Ich habe bislang kaum Uhren dieser Zeit gesehen, deren kissenförmige Gehäuse so reichhaltig verziert sind. Bei eckigen und tonneauförmigen Gehäusen, ist dies keine Thema. Als verzierte Kissenform, kenne ich das so vor allem von amerikanischen Uhren. Vielleicht waren solche Stücke auch drüben einfach gängiger und beliebter.

Oben rechts, Anzeige von Leon Fressard 1928 mit 2 ähnlichen Gehäusen. Wie die Namdor, waren auch diese Gehäuse schon mit Federstegen ausgestattet:


Allerdings habe ich die Vermutung, daß dieses Modell eventuell tatsächlich für den US Markt gefertigt sein könnte. Und das aus folgenden Gründen:

1. Das soeben angesprochene Gehäuse.

2. Der Verkauf in einer Schatulle, wie ich es in ähnlicher Form nur von US Uhren gesehen habe.

3. Shrine Watch war unter anderem eine Importmarke von William Vulcan in New York. (Allerings gibt Mikrolisk auch Dlugatsch & Cie in Biel an, als Fertigung von Uhren, registr. 1921)

4. Das nur 6 steinige Werk, um die Exportzölle gering zu halten. ( hier stütze ich mich auf eine Aussage vom Bifora Freundeskreis durch meinen alten Uhrmacher, Bifora habe genau aus diesen Gründen für seine Exportuhren nur 7 Steine verbaut)

5. Das Armband. Es ähnelt in seiner Machart sehr dem Band meiner Hamilton. Insgesamt schon wertiger gefertigt, als man es von unseren Uhren kennt. Auffällig auch, die ins Band eingenähte erste Schlaufe unter der Schließe. Und das es sich um das Originalband handelt, scheint mir wahrschenlich, da diese Uhr offenbar nicht häufig getragen wurde.

All diese Punkte sind allerdings reine Spekulation meinerseits.

Komm ich nun zur Schatulle.

Ich kann nicht sagen, ob diese in Sachen Fertigung dem damaligen Standard entsprach, da ich keine Vergleichsmöglichkeiten hab. Rein handwerklich gesehen, hat sie schon ein Defizit.
Das gute Stück scheint aus hart gepresster Pappe zu bestehen, welches mit scheinbar bedrucktem, nicht ganz glattem Papier überzogen wurde. Die Seiten sowie die Oberkante des Deckels wurden dann mit den überstehenden Endstücken beklebt.
Das ist nicht übermäßig gelungen, war aber wohl auch nicht besser machbar. Der Eindruck wäre besser, hätte man zu Überdeckung auch hier den gelben Stoff aufgebracht.

Problematisch ist das desulate, eingerissene Stück rechts unten. Das ganze wurde offenbar mit einem bunt bedruckten Klebestreifen fixiert.




Nach langer Überlegung und um weitere Beschädigungen zu vermeiden, habe ich den Stoff einfach nachgeklebt, was recht tricki war, da er sich schon auf der ganzen Länge gelöst hatte.

Insgesamt ist der Zustand, gemessen am Alter, aber noch sehr gut.

Sicherlich ist auch dieses Kästchen nicht gemacht, um 90 Jahre fast unbeschadet zu überstehen. Vielfach blieben solche Verpackungen auf der Strecke. Waren irgendwann kaputt, uninteressant oder sonstiges, was für diese Teile den sicheren Tod bedeutete.

Man kann nun lange spekulieren, welche Umstände dazu geführt haben, daß die Namdor als kleines Esemble so gut überlebt hat.










Von einem bin ich aber überzeugt: Sie wurde nur wenig getragen und mit viel Respekt behandelt.
Für den Besitzer war sie mit Sicherheit mehr, als NUR eine gewöhnliche Uhr.

Er würde sich bestimmt freuen, daß sie in gute Hände gekommen ist und weiterhin gewertschätzt wird.

Vielen Dank für Euer Interesse. Vielleicht wird ja noch das eine oder andere Geheimnis gelüftet. Mich würde es freuen. Und wenn die Namdor zu Dikussionen anregt, wunderbar.
 
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batery_99

batery_99

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Glückwunsch zu diesem wirklich außergewöhnlich schönen Ührchen:klatsch:.
Der Zustand ist ja wirklich erste Sahne.
Durch ihre Größe ist die Uhr ja sehr gut tragbar und passt perfekt an Dein Handgelenk.
Viel Spaß beim gelegentlichen Ausführen der alten Dame:super:.
Viele Grüße
Marco
 
zapferl

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Aaargh, jetzt weiß ich wer mich überboten hat! Die Welt (oder besser die Bucht) ist ein Dorf. :face:

Im Ernst, bei Dir ist sie mit sowas von absoluter Sicherheit in den richtigen Händen gelandet. Schon weil es sonst diese wunderbare Vorstellung nicht gegeben hätte!

Ich denke auch dass sie eine kleine Amerikanerin ist. Glückwunsch zu diesem genialen Paket!

Gruß
Danny
 
Townes

Townes

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Selten war ein Thread-Titel passender: Glückwunsch zum doppelten Schätzchen! Tolles Paket! Beim Betrachten deiner Fotos, ohne deinen Text gelesen zu haben, hatte ich sofort die Assoziation mit den USA.
 
falko

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Eind wirklich schöne und intereressante Uhr, Glückwunsch! Sechs Steine sind auch ungewöhnlich. Möglicherweise ist der Hebelstein hier aus Metall.
 
pallasquarz

pallasquarz

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Guten Abend, bedankt für die Vorstellung dieses interessanten Ensembles :super: und viel Freude mit dem Schmuckstück.
Auch wenn dieser Stil und diese Epoche nicht mein Interessengebiet sind, bleibt es interessant und lehrreich, darüber zu erfahren.
Grüsse Christoph
 
Fish of Steel

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Zum Niederknien :klatsch:
Gratuliere zu diesem Ensemble :prost:
 
Faisaval

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Hallo Markus. Wunderbar Deine Vorstellung. Und eine Uhr, die Ihres Gleichen sucht. Ein wahrer Schatz in ebensolcher Kiste. Bestens recherchiert und kurzweilig geschrieben. Klasse! Und vielen Dank fürs dran Teilhaben lassen.
 
tiktak66

tiktak66

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... da, wo's schön ist
Hallo mein Lieber Namensvetter,

da hast du aber eine Granate hervorgeholt. Bilder hattest du mir ja schon im Vorfeld gezeigt, aber jetzt im Kontext und mit den recherchierten Hintergrundinformationen wird die Sache so richtig rund.

Und bei der Beschreibung deiner Ebay-Stöberei, da hab' ich selbst mich so richtig wiedererkannt. :D

Möge sie dir noch lange Freude bereiten.
 
MaJoLa

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@Marco
Vielen Dank. Freut mich, daß sie bei Dir so gut angekommen ist und Du hier vorbeigeschaut hast.

@Danny
na, da hab ich doch schon fast ein schlechtes Gewissen. Ich find irgendwo immer schade, bei solchen Stücken gegen einen alten Kollegen antreten zu müssen.
Andererseits ist es für den "Unterlegenden" aber auch immer etwas beruhigender, wenn man weiß, wo sie gelandet ist. Auch an Dich meinen herzlichsten Dank.

@Townes
Mensch, Du lebst ja auch noch. Gefühlte Ewigkeiten her, daß wir uns im UF begegnet sind. Um so mehr freue ich mich über Dein positives Feedback und sage vielen Dank.

@Gerd
Ein dickes Danke auch an Dich. Interessanter Hinweis bzgl.des Hebelsteins.

@Fish of Steel
Freut mich, daß die Namdor auch bei Dir so gut angekommen ist.

@valentin, Markus und Timo
Euch 3 kann ich ja getrost zusammenfassen. :D
Meinen herzlichsten Dank für Eure Antworten zur Namdor. Habe mich sehr gefreut und sehe, es war schon richtig, daß Ihr mich zu der Vorstellung quasi "genötigt" habt. Und Dir Markus, auch noch mal Danke für die Bestimmung des AS Kalibers.
 
Speedmaster Tobias

Speedmaster Tobias

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Tolle Uhr, gefällt mir sehr gut. Und eine gute und informative Vorstellung hast du geschrieben.
Vielen Dank dafür,
Speedmaster Tobias
 
ducmanni

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Hallo Markus,
toller Bericht und eine wunderbare Uhr. Gratulation zum Fang. Viel Spaß mit der Uhr👍🥁🥁
 
Townes

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@Townes
Mensch, Du lebst ja auch noch. Gefühlte Ewigkeiten her, daß wir uns im UF begegnet sind. Um so mehr freue ich mich über Dein positives Feedback und sage vielen Dank.
Hallo Markus! Ja, ich war 34 Monate abstinent, bin aber seit Oktober 19 wieder relativ regelmäßig hier. ;-)
 
buchenhain

buchenhain

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@MaJoLa: Toller Bericht zu einer herrlichen Uhr. Auch meinerseits, Gratulation zu diesem Fund.
Gruß Michael
 
MaJoLa

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@manni
hab ich Dich doch neugierig gemacht. Das freut mich sehr, daß Dir das Esemble so gut gefallen hat. Sei vielmals bedankt.

@Michael
natürlich auch an Dich meinen Dank für's reinschauen. Sehr schön, daß Du an der Vorstellung Freude hattest.


Es ist übrigens gar nicht sooo abwegig, daß das Gehäuse möglicherweise von Leon Fresard gefertigt wurde. Zoome ich die oben gezeigte Anzeige entsprechend, passt die Namdor genau auf das links gezeigte. Auch bei mir sind Federstege verbaut mit einem Unterschied: Mein Blattauschnitt ist rund und entspricht nicht, wie oben, der Gehäuseform. Wer weiß :roll:
 
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