Ein Historiker ACS-77 hat keine Lust...

Diskutiere Ein Historiker ACS-77 hat keine Lust... im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhrentypen; Na gut. Ich habe diese Uhr - ja, es handelt sich wirklich um eine Uhr - eigentlich ganz günstig erworben. Der Verkäufer hat zwar geschrieben...

Der Stromer

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Na gut. Ich habe diese Uhr - ja, es handelt sich wirklich um eine Uhr - eigentlich ganz günstig erworben. Der Verkäufer hat zwar geschrieben, funktioniert, aber wer alles glaubt, was im Netz geschrieben wird...

0364-Und-sie-zählt-doch-die.jpg

Also es handelt sich hier um eine der ersten Funk-Uhren, die für relativ kleines Geld das DCF-77 Signal per Z80 (der war auch in einigen damaligen Computern das Herz) und vielen diskreten Bauteilen in eine lesbares Datum und sekundengenaue Uhrzeit umsetzte.
Der Name: ACS-77 Renkforce. Unter dem Namen Renkforce wurde diese Uhr ab ca. 1983 als Bausatz und als Fertiguhr über einige Elektronik-Versender angeboten. ACS-77 bedeutet übrigens Atomic Clock System und 77 die Frequenz für das DCF-77. Wie man hört, ist sie in einer Auflage von ca. 4000 Mal hergestellt und verkauft worden. Es gab 2 Nachfolgemodelle, die hatten dann schon Kunststoffgehäuse, bei meiner steckt alles in einem Holzverschlag.

0368-Im-Holzgehäuse.jpg

Der Hersteller, die Firma Auerswald GmbH & Co. Kg, hat wohl selber nicht so recht daran geglaubt, dass diese Funkuhr mal ein echter Nostalgischer Renner werden wird.

0372-Passt-gut-da-hin.jpg

So. Da war also der Karton mit der Uhr.
Ausgepackt und kontrolliert, ob alles noch dran war. Man weiß ja nie... Dann die spannende Sekunde: Stecker in die Steckdose und .... Man ahnt es schon: NICHTS!
Nun ja. Siehe oben, ich hatte eigentlich nichts anderes erwartet.

0366-ACS-funktioniert.jpg

Zum Glück findet man im Netz noch ausführliche Unterlagen, Bedienungsanleitung samt Programmier-Anweisungen für die beiden Netzausgänge und so weiter. Auch Fehlerbeschreibung gibt es und damit sollte es auch mir möglich sein, dieser doch schon historischen Uhr wieder Leben ein zu hauchen.

Gesagt, getan. insgesamt 5 Stunden mit Schaltplänen und Lötkolben umeinand, insgesamt 7 Elkos ersetzt (definitiv waren wohl 2 defekt) und dann wieder Strom:

ACS-77 wird schon mal angezeigt. Auch im LW-Empfangsteil war noch ein Elko zu wechseln und dann, nach 120 Sekunden Wartezeit die Anzeige von Datum und Uhrzeit. ACS-77 lebt wieder!

0375-Kondensatoren.jpg

Noch ein bisschen den Staub der vergangenen Jahrzehnte von den Widerständen und ICs gewischt und alles wieder ins Gehäuse.

0369-Es-wird.jpg
0372-Passt-gut-da-hin.jpg

Das ist jetzt MEINE Atom-Uhr! Ganz privat :D

0371-Neuer-Platz.jpg

Unterlagen gibt es hier: www.acs-77.de

Ps.: Dieses Wandbord ist noch nicht fertig! Ich bin Rentner und nicht auf der Flucht:shock:. In einigen tagen werden hier meine Magnetpendler unter gebracht. Die Drehpendler kommen dann ins Wohnzimmer.
 

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Der Stromer

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Ach was, fällt garnienich auf! Habe eine Kriechstromverbindung zum Südlink geschaffen, also immer Saft da :lol:.

Ne, das Gerät braucht so um die 11 Watt. Ich glaube, das kann ich als kleiner Rentner gerade noch so verkraften. Braunkohle brauchts da nicht viel mehr als z. B. BMW oder VW, gelle!
 

Schraubendreher

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Hallo Rolf-Dieter,

ein toller Bericht und eine tolle Uhr. Ich kann mich von irgendwoher an dieses Gehäuse mit der halbtransparenten Front erinnern, ich bin mir aber nicht mehr ganz sicher. Kann sein, dass so eine in der Uhrmacherschule in Hamburg stand. Oder in den Physiksammlung meines Gymnasiums. Wer weiß... :roll:

Meine Respekt für Deine Reparaturkenntnisse, ich bin was Elektronik angeht bekanntlich nicht sonderlich begabt. Sollte mir mal etwas in der Art begegnen, würde ich mich hilfesuchend an Dich wenden.

Bis dann:
der Schraubendreher
 

Ralle912

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Hallo Rolf-Dieter,

prima dass Du diesem Stück Elektronik wieder Leben eingehaucht hast.

Ich finde es faszinierend, dass die Uhr mit Jahren beginnend mit 20xx klar kommt. Mich hätte nicht gewundert wenn die Entwickler damals 1983 nur auf 19xx vorbereitet gewesen wären und gedacht hätten "länger als 10 Jahre läuft das Ding eh nirgens...". Und wenn dann heute per DCF-77 irgendwas mit 2020 ankommt, dann flippt die Software aus und hängt sich auf. Aber nee, scheint zu funktionieren!
 

Matthias MUC

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Schönes Stück Elektronikgeschichte!
Ich hab irgendwann in den frühen 1980ern mal meine erste elrad (wer erinnert sich noch) gekauft, weil da eine mit soweit ich mich erinnere sogar nur mit stinknormalen TTL- oder CMOS-Gattern ohne Prozessor(?) aufgebaute DCF77-Uhr ein Monsterprojekt war. Vielleicht find ich das Heft noch..... kann aber auch sein, daß die elrad- und die Auerswald-Uhr verwandt sind? Von Auerswald hatte ich noch bei meinen Eltern mal eine kleine Analog-Telefonanlage, um ein zweites Telefon postkonform in meinen Bastelkeller zu bekommen.....
 

Der Stromer

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@Ralle912 :
Also eigentlich sind das zwei Uhren-Systeme, die da ihr Werk verrichten. Die Elektronik, die das DCF-77 Signal dekodiert und mit Hilfe des Z80 und eines recht aufwändigem Programm zur Anzeige bringt und eine zweite, echte Quarzuhr, die, wie damals vor immerhin 37 Jahren üblich noch fast komplett diskret aufgebaut ist. Diese Uhr hat einen eigenen Uhrchip und der "kann" Schaltjahre und natürlich auch 2020. Wenn das DCF-77 Signal ausfällt, schaltet die Logik automatisch auf diese Quarzuhr um und die Anzeige läuft weiter. Einzig bei der Uhr sind dann in allen Digits die Kommas zu sehen, bei normalem Betrieb (DCF-77) sind das nur 2 Kommata. Man hat sich damals schon was gedacht dabei.

Die Z80-Uhr kann noch sehr komplex genutzt werden: Zum Beispiel können zwei externe Geräte mit zwei Steckdosen geschaltet werden und zwar auf die Sekunde genau. Jeder Ausgang kann mit 20 Schaltvorgängen belegt werden. Das ist schon was! Der einzige Nachteil: Fällt der Strom aus, ist auch die Programmierung weg. War halt eine Uhr für Freaks würde man heute sagen. Abhilfe schafften da aber eine zusätzliche "Notstromversorgung" mit NiCd-Akkus 7 x 1,2 Volt, die die Programmfunktionen für mindestens 1 Stunde an Leben erhielten. Wenn dann der Strom aus der Dose wieder da war, zählte das gute Stück wie vor die Zeit.

Diesen "Notstrom" werde ich wohl nicht einbauen. Stromausfälle gibts ja nicht mehr - wie Funklöcher, wie unser Ministerpräsident behauptet - und wenn, eine kurze Verschnaufpause sei auch diesem historischen gerät mal gegönnt.

Und noch ein Gimmick hat dieses Atomic Clock System 77: Es gibt einen Ausgang, der alle Stunde die Anzahl der Stunden als Signal abgibt. Da werde ich demnächst einen Gong anschalten und über einen Steckdosenausgang das mit Nachtabschaltung versehen :super: .
Und wenn ich möchte, kann ich über die eingebaute ASCII Schnittstelle mit 300 Baud noch Nebenuhren über Telefonleitungen (Datenklo) versorgen :ok:.

Das Teil war eben ein Teil für Hobbyisten! Der Empfänger ist über eine 2 Meter lange Abgeschirmte Leitung mit der Uhr verbunden und es gibt genaue Anweisungen, wie und wo diese Antenne am Besten angebracht wird.

Eines allerdings habe ich nachträglich sofort nach der Reparatur eingebaut: Eine Netzsicherung! Die war wirklich nicht vorgesehen.

@Matthias MUC: Ja, dieses Gerät wurde ab 1983 von einigen Elektronik-Läden in der Republik verkauft. Und - ich erinnere mich genau - in der Elektor war diese Uhr auch vorgestellt und besprochen worden. In den Verkauf kam das als Bausatz für Fortgeschrittene und als Fertigmodell für Faulpelze :lol:unter dem Namen "Renckforce".
Auch in Schule ist es als Demonstrationsobjekt gezeigt worden. Machte schon was her: Eine Uhr ohne Feder und Zahnräder, aber jedes IC und jeder Widerstand war zu sehen.
 
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