Ein Erbstück: Tissot Navigator Automatic Ref. 45500

Diskutiere Ein Erbstück: Tissot Navigator Automatic Ref. 45500 im Uhrenvorstellungen Forum im Bereich Uhrenvorstellungen; Hallo liebe Uhrenverrückte, nachdem ich mehrere Jahre stiller Mitleser dieses spannenden Forums war und die Lektüre vieler Posts dafür gesorgt...
#1
Leichtgewicht82

Leichtgewicht82

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Hallo liebe Uhrenverrückte,

nachdem ich mehrere Jahre stiller Mitleser dieses spannenden Forums war und die Lektüre vieler Posts dafür gesorgt hat, dass sich meine Uhrensammlung in dieser Zeit (zum Unmut meiner Freundin) doch etwas vergrößert hat, ist in mir der Entschluss gereift, etwas aktiver zu werden und einige Stücke zu präsentieren. Den Anfang macht eine Tissot Navigator Automatic Ref. 45500, die ich kürzlich geerbt habe.

Vielleicht noch ein paar Worte zu mir: Ich habe mir die ersten 34 Jahre meines Lebens nie viel aus Uhren gemacht. Zu Schulzeiten trug ich mal eine Swatch, die ich bei einer Meisterschaft gewonnen hatte, später folgte ein dezente Fossil und dann lange nichts, abgesehen von Pulsuhren beim Sport. Erst auf der Hochzeit meines besten Freundes im Jahr 2016 stellte ich mir morgens beim Anziehen meines Anzugs die Frage: "Was trägt Mann eigentlich als Schmuck?" Die Pulsuhr zum Anzug war dann nämlich auch nicht so das Wahre. Was folgte, war ein erfolgloses Experiment in Quarz, Victorinox Swiss Army 241549. Allerdings wurde ich nicht glücklich, nach einem Monat lief die Uhr 5 Minuten am Tag nach, zweimal wurde bisher das Werk auf Garantie getauscht.

Kurzum: eine Automatik musste her. Aus der einen wurden dann natürlich schnell mehrere Diver, u.a. von Seiko und Longines. Schon länger reifte daneben aber der Gedanke, einen schönen Automatik-Chronograph zu erwerben. Lange schlich ich um diverse Speermasters herum, ebenso weckten unterschiedliche Retro-Chronographen, die legendäre Modelle von Daytona bis Monaco zitierten, durchaus Begehrlichkeiten.

Bis mir kurioserweise das Schicksal einen Streich spielte:

Mein Großonkel, Jahrgang 1932, der einzige lebende Verwandte mütterlicherseits, lag in meiner Heimat nach kurzer Krankheit im Sterben. Ich ließ alles stehen und liegen und hatte das Glück, mich noch von ihm verabschieden zu können. Als klassisches Kind der Kriegs- und Wirtschaftswundergeneration, als Volksdeutscher aus Jugoslawien vertrieben, hat mein Großonkel zeit seines Lebens zwar recht spartanisch gewohnt, nichtsdestotrotz aber großzügig konsumiert. So lange ich mich zurückerinnern kann, besaß er eigentlich immer ein neues Motorrad, zeitweise zwei Motorboote an Rhein und Adria und auch immer fabrikneue Limousinen der Stuttgarter Marke mit dem Stern, die er dank eines großzügigen Werksangehörigenrabatts und einer im eigenen Portion Schlitzohrigkeit eigentlich immer gewinnbringend weiterverkaufen konnte. Die letzte, einen E270cdi W210, im Jahr 2011 dann auch an mich. Aber ich schweife ab...

Jedenfalls habe ich ihn aber nie mit Uhren in Verbindung gebracht und auch nie darauf geachtet. Umso größer war mein Erstaunen, als mir meine Mutter nach seinem Tod seine Uhren mit dem Worten übergab: "Du interessierst dich doch neuerdings für Uhren, oder? Vielleicht kannst du ja eine davon gebrauchen?" Zuerst zog sie zwei Uhren eines unter Kennern nicht wirklich gut beleumundeten Unternehmens mit Firmensitz in St. Veit in Kärnten hervor. Und dann kam noch ein altes schwarzes und mehrfach gebrochenes Lederband zum Vorschein, an dem eine relativ verschmutzte und vom Leben gezeichnete Uhr hing.

Zuerst sprangen mir die orangefarbenen Zeiger und dann die kleine Sekunde ins Auge, mein Herz begann etwas höher zu schlagen. Als ich dann noch den das alte Tissot-Logo erblickte, etwas verborgen unter den orangenen Zeigern auf der 12, fiel ich fast vom Stuhl. Und danach meiner Mutter um den Hals.

Ich hielt eine Tissot Navigator Automatic in den Händen, einen Chronographen, der just jene Designelemente und Funktionen beinhaltet, die mich in den vergangenen Monaten vielen Stunden im Internet und vor den Schaufenstern diverser Konzessionäre haben verbringen lassen. Es war einer dieser Momente im Leben, in denen Freud und Leid sehr nahe beieinander lagen.

Die Uhr lief sofort an und hält die Zeit noch ganz passabel, allerdings werde ich revisionieren lassen. Außen soll sie aber erst einmal nicht aufgearbeitet werden, sie soll die Spuren ihres bewegten Lebens mit stolz tragen. Und mich an meinen Großonkel erinnern.

Hier ein paar Daten zu der Uhr, die mit dem Lemania Kaliber 1343 ja durchaus auch eine Verwandtschaft mit bestimmten Omega Speedmaster aus den 70ern aufweist:

Tissot Navigator Automatic
  • Referenz: 45500
  • Baujahr: Nach 1973
  • Chronograph und zentraler 60-Minuten-Zähler
  • Aufzug: Automatik
  • Kaliber: Lemania 1341, 17 Steine, 28.800 Halbschwingungen/Minute
  • Gehäuse: Stahl, 41 x 15 mm
  • Armband: Leder, no name

Leider habe ich keinerlei Unterlagen zur Uhr, so dass hier nur die spärlichen Ergebnisse meiner Recherche stehen. Vielleicht kann der ein oder andere geneigte Leser ja noch etwas beitragen.

So, genug geschrieben. Ich lasse jetzt die Bilder sprechen. Da mein Großonkel bis zuletzt immer begeistert von den Roadtrips im Mercedes nach Kroatien und von den Bootstouren auf der Adria erzählt hat, habe ich das Setting der Fotos daran angelehnt.

Ich danke allen, die mir bis hier gefolgt sind.

Jan

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Mein Großonkel ist der kleine Fratz ganz links.

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Das Orange der Zeiger leuchtet auch nach über 40 Jahren noch schön. Allerdings wird im dunkeln deutlich, dass die Leuchtmasse deutlich an Kraft verloren hat. Daher verzichte ich auf Lume-Shots.

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Das Lederband ist vorerst eine Verlegenheitslösung, ich schwanke zwischen Rallyeband oder olivgrünem Nato-Strap.

image2-1x.jpeg
Das Glas hat im Laufe der Jahre etwas gelitten.

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Eine unsignierte Krone, relativ schwergängige Verstellung des Datums und gut funktionierende Drücker.

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Das Zifferblatt sieht nach all den Jahren noch sehr gut aus, meine Arme hingegen werden immer haariger.
 
Zuletzt bearbeitet:
#6
sigi

sigi

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Vielen Dank für die interessante Story.
Da hat sich doch das Warten gelohnt.
DieseTissot ist nicht so oft anzutreffen. Mit so einem gut erhaltenem Zifferblatt und Zeigern noch weniger.
Dein Ansatz das Gehäuse zu belassen und das Werk revisionieren zu lassen ist prima.
Wenn du sie uneingeschränkt tragen willst besprich das Thema Wasserdichtigkeit mit deinem Uhrmacher.
Den Sprung im Plexi auf 3 finde ich optisch nicht so tragisch, was die WD anbelangt ?
Ob ein neues Plexi mit dem alten Tachyring verwendbar ist?
Ich wünsche dir viel Spass mit einer der größten alten und recht seltenen Tissot Chronographen.
 
#7
T

tiktaktobi78

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Eine tolle Uhr und passend zu der Diskussion zum aktuellen Remake von Tissot! Ich schätze, da haben wir, was Designelemente und Funktionen angeht, den gleichen Geschmack: Chronos verbunden mit Pandadial und/oder orange Zeiger lassen mich auch immer wieder aufs neue in Schnappatmung verfallen.
Was den Zustand angeht: sooo gezeichnet ist die nun auch wieder nicht: da hab ich schon gerockteres gesehen... das Zifferblatt, Gehäuse und Zeiger siehen doch noch top aus, lediglich tauchen würde ich mit dem Plexiglas nicht mehr...
 
#8
H

Hakko

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Eine schöne Uhr mit einer schönen Geschichte. Haucht dem guten Stück neues Leben ein und ist ein tolles Andenken.
Viel Spass damit.
 
#9
pallasquarz

pallasquarz

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Hallo, diese Lemania Werke mit großem Minutenzähler sind schon klasse, auch was die Ablesbarkeit der abgelaufenen Minuten betrifft.
Du kannst ja versuchen, den Sprung im Plexi mit Polywatch etwas zu kaschieren.
Ansonsten sehr schöner Erhaltungszustand, da würde ich auch nur nach dem Werk sehen lassen. Und auch noch eine "moderne" Größe.
Viel Freude damit Christoph
 
#10
Parameter

Parameter

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Sehr schöne Vorstellung, die Uhr ist ein, wenn nicht der Klassiker von Tissot der 70iger Jahre.:super:
Ich würde sie auch äußerlich so lassen und nur das Werk warten lassen.
Und wenn ich mir anschaue wie die Preise steigen dann hast du Glück mit dem Erbstück gehabt.
 
#11
ETA2824

ETA2824

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Ganz tolles Erbstück! :super: Bin schon ein bischen neidisch.

Werksrevision und mit dem Uhrmacher abklären, ob ein neues Glas dran soll, nur schon wegen der Dichtigkeit. Den Rest wirklich so lassen, wie der ist. :-D
 
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