Eigentlich nur ein Beifang : Anker Automatic mit PUW 1261

Diskutiere Eigentlich nur ein Beifang : Anker Automatic mit PUW 1261 im Anleitungen & Revisionen Forum im Bereich Uhrenwerkstatt; Ich habe letztens zwei Uhren gekauft, weil mir eine davon gut gefallen hat und das war nicht diese: Die andere war in einem ähnlichen Zustand...

DreizeigerFan

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Ich habe letztens zwei Uhren gekauft, weil mir eine davon gut gefallen hat und das war nicht diese:
01-vorher-1.jpg

02-vorher.jpg

Die andere war in einem ähnlichen Zustand. Nur aus Neugier habe ich die Anker geöffnet, um zu sehen welches Werk drin ist.
03-PUW1261.jpg

Komischerweise ist keine Kalibernummer vorhanden auf den ersten Blick dachte ich PUW 1261 oder 1361. Nach etwas schütteln lief sie mit niedriger Amplitude. Da geht doch was. Das Werk ist von hinten mit zwei Schrauben befestigt und muss nach vorne ausgeschalt werden. Also muss das Glas raus.
04-Glas-abheben.jpg

Nach dem ausschalen habe ich den Rotor entfernt. im Bild unten ist schon die Schraube des Plättchens, das den Rotor hält entfernt.
05-Rotor-ab.jpg

Das Zifferblatt ist mit zwei seitlichen Schrauben gesichert. Nachdem man sie gelöst hat, kann man es abnehmen. Das gibt den Blick auf die ZB Seite des Werks frei.
06-ZB-Seite.jpg

Jetzt bin ich mir einigermaßen sicher, dass es ein PUW1261 ist, weil beim 1361 die Feder die das Datumsschaltrad an den Datumsring drückt unter dem Rad ist. Ich entferne die Abdeckung der Datumsklinke.
07-Datumsklinke.jpg

Schnell die Feder und Klinke entnehmen, damit das nicht fliegen geht. Aber Zeit für ein Foto muss schon sein. Dann die Abdeckung gegenüber der Datumsklinke entfernen.
08-Klinke-raus.jpg

Dann kann die Datumsscheibe entfernt werden.
09-Datumscheibe-runter.jpg

Danach habe ich das Werk umgedreht und die drei Schrauben für die Brücke der Automatik-Einheit entfernt.
10-Automatic.jpg

In der Brücke befindet sich die Feder für die Klinke der Automatik, die beim automatischen Aufzug diesen für PUWs charakteristischen satten Sound erzeugt.
11-Automatik-Klinke.jpg

Die Einzelteile der Automatik-Einheit sind recht übersichtlich.
12-Automatic-Räder.jpg

Das kleine Rädchen neben der Rotorachse wird je nach Bewegungsrichtung des Rotors gegen das eine oder andere Rad geschoben. Damit drehen die Räder immer in die selbe Richtung. Ein zurückdrehen verhindert die Klinke unten, die die Feder in der Brücke gegen das Rad drückt. Ich entferne die die Achse des Rotors. Darunter liegt das Lager des Sekundenrads.
13-Rotorachse.jpg

Jetzt kommt die Unruh raus.
14-Unruh-raus.jpg

Danach der Anker und die Decksteine.
15-Anker-Decksteine.jpg

Dann entferne ich die Brücke in der das Kronrad (das hier ein Rechtsgewinde hat) und die Klinke liegt.
16-Kronrad-Klinke.jpg

Nun hat man freien Blick auf das Räderwerk.
17-Räder.jpg

Das kleine Rad unten koppelt die Automatik mit den Federhaus. Bei Handaufzug gleitet es nach rechts aus dem Eingriff. Dadurch ist der Handaufzug für eine Automatikuhr recht geschmeidig.
Das Federhaus ist bei den PUWs recht ungewöhnlich, man kann es öffnen indem man den Deckel (das obere Rad) gegen den Uhrzeigersinn dreht und abhebt.
18-Federhaus.jpg

Das Minutenrad muss noch einen Moment drin bleiben, weil auf ihm von der anderen Seite noch das Minutenrohr klemmt. Das habe ich als nächstes entfernt und dabei festgestellt, dass es dann doch nicht so doll klemmt.
20-Minutenrohr.jpg

So jetzt habe ich 20 Bilder voll, da ist erst einmal Pause. Falls ich das jemals wieder zusammen bekomme, werde ich berichten.
 
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DreizeigerFan

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So, dann machen wir mal weiter mit dem entfernen der Winkelhebelfeder.
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Von der Stellwelle war nicht mehr viel übrig. Aber sie hatte noch ein klein wenig Gewinde.
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Ich entferne die Lagersteine. Bei PUWs mit Incabloc sichere ich immer die Feder mit etwas Rodico. Wenn man das nicht macht verbringt man ganz sicher einige Zeit damit die Feder wieder einzusetzen.
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Während die Teile des Uhrwerks im Ultraschallbad sind poliere ich das Gehäuse etwas, presse einen Tubus ein und suche nach einer Krone.
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Dann winde ich die Feder wieder ein.
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Bevor ich die Unruh, die ich zum Reinigen wieder eingebaut habe entferne setze ich die geölten Lagersteine wieder ein.
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Dann wird das Minutenrad eingebaut.
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In die Brücke setze ich das Sperrrad wieder ein.
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Das Sekundenrad hat es leider hinter sich weil der Zapfen für den Zeiger abgebrochen ist.
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Ich habe eine Weile gesucht und dann nur ein stark verbogenes Rad in den Resten eines PUW 460 gefunden. Da ich nichts anderes greifbar hatte, habe ich es vorsichtig glatt geklopft. Dabei ist es wichtig das Rad zwar zu glätten aber nicht zu stauchen, da es dann etwas größer wird und potentiell klemmt. Man möge mir bitte nachsehen, das es vom Zustand nicht mit den anderen Teilen des Werks mithalten kann.
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Auf dem Bild fehlt noch das kleine Rad, das die Automatik mit dem Federhaus koppelt. Vor dem Aufsetzen der Brücke (was übrigens einfacher geht als man bei einer so großen Brücke erwarten sollte), sollte man sich unbedingt vergewissern, das die Schraube für den Winkelhebel in der Platine ist. Das verliert man von dieser Seite leicht aus den Augen und muss dann später alles wieder zerlegen.
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Es kostet dann etwas Zeit die vier geschraubten Decksteine zu ölen und einzubauen. Möglicherweise hätte ich das vor dem Zusammenbau machen sollen, weil die Räder ohne Decksteine sehr viel Höhenluft haben. Ich bin mir dann immer nicht so ganz sicher, ob die Höhenluft reicht, dass ein Zapfen aus dem Lager rutscht bevor man die Decksteine eingebaut hat.
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Als nächstes wird der Anker eingebaut.
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Nach Einbau der Unruh lief die Uhr.
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Ich habe sie dann längere Zeit auf der Zeitwaage beobachtet, weil ich Sorge hatte, dass das Sekundenrad nicht rund läuft, konnte aber keinen Unterschied sehen.
An die Reste der Stellwelle konnte ich tatsächlich noch eine Verlängerung schrauben. Leider war sie zu dick, so dass die Welle nicht weit genug in das Werk geschoben werden konnte. Also habe ich die Welle in einen Akkuschrauber gespannt und mit Schleifpapier im Durchmesser reduziert. Das Ergebnis sah dann so aus.
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Weiter geht es auf der anderen Seite.
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Ich baue die Winkelhebelfeder wieder ein, setze das etwas verengte Minutenrohr und baue Wechselrad und Zeigerstellrad ein.
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Danach baue ich die Brücke über dem Wechselrad und die beiden Räder der Datumsmechanik ein.
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Das Schaltrad des Datums kann etwas in die Feder darüber gleiten, damit die Nocke des Rads beim zurückstellen über einen Zapfen der Datumsscheibe rutschen kann.
Ich lege die Datumsscheibe auf.
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Dann schraube ich die kleine Brücke unten, die die Datumsscheibe hält fest und baue die Datumsklinke mit Feder ein.
3391791
Jetzt sind mal wieder 20 Bilder voll. Ich hoffe, dass die Feder nicht bis zum nächsten Beitrag, in dem die Brücke darüber kommt, fliegen geht.
 
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DreizeigerFan

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Gut, dann wollen wir mal schnell die Brücke über die Datumsklinke schrauben. Ich habe für das Bild unten die Uhr nach den Schalten des Datums etwas zurück gestellt. Da bekommt man einen Eindruck, wie das Schaltrad über einen Zapfen der Datumsscheibe gleitet.
3391798r
Ich drehe das Werk um und baue die Achse für den Rotor ein.
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Die Räder der Automatik habe ich im folgenden Bild neben das Uhrwerk gelegt. Oben ist das etwas größere. Es treibt das Kupplungsrad, das unter der Brücke liegt. Die beiden anderen sind gleich groß. Aber nur das in der Mitte hat einen verzahnten Trieb, um das größere Rand anzutreiben.
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Dann wollen wir das mal auf die Brücke legen.
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Als nächstes setze ich die Feder für die Klinke der Automatik ein.
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Dann setze ich die Brücke auf. Dabei halte ich die Brücke auf das Uhrwerk und schiebe mit einer Stecknadel die Feder hinter die Klinke.
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Durch die Löcher in den Brücken links oben kann man die Klinke für die Automatik mit Feder und darüber die Sperrklinke mit Feder sehen.
Jetzt ist es Zeit das Zifferblatt zu befestigen.
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Man sollte dabei nicht, wie im Bild oben das Stundenrad mit Feder vergessen. Das Datum ist so Ok, weil es gerade geschaltet wird. Das passiert bei diesem Werk sehr langsam. Also nochmal das Zifferblatt (mit Stundenrad und Feder).
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Jetzt ist auch das Datum weiter geschaltet. Ich suche einen passenden Sekundenzeiger und setze die Zeiger.
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Die Leuchtmasse habe ich nicht erneuert. Insbesondere die unterschiedliche Farbe in den beiden Zeigern passt meiner Meinung nach gut zum Gesamtzustand und Alter der Uhr. Jetzt wird es Zeit die Stellwelle zu kürzen.
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Beim ersten Versuch ist sie noch etwas zu lang.
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Das sieht schon besser aus.
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Jetzt habe ich vergessen ein Bild des Werks mit Rotor zu machen .....
Falls sich jemand gefragt hat, welches die Uhr war, mit der zusammen ich diese gekauft habe.
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Das Glas habe ich etwas poliert. Aber einige tiefe Einschläge sind noch vorhanden. Ich wollte ja beim Schleifen noch etwas vom Glas übrig lassen.
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Heute morgen musste ich das Glas nochmal abheben und etwas am Sekundenzeiger biegen, weil das kurze Ende des Zeigers Kontakt mit dem Minutenzeiger hatte und die Uhr deshalb stehen geblieben ist. Das kam nicht ganz unerwartet, weil ich gestern Abend schon gehört habe, dass sich das Geräusch der Uhr kurz ändert wenn das Ende des Sekundenzeigers über den Minutenzeiger läuft.

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende,
Christian
 
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Baumeister

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Ja, der Sound der PUW Autorotor-Werke ist super. Und gereinigt mit neuem Öl laufen die auch wieder problemlos viele Jahre.

Die Anker wird dank Deines Einsatzes sicher wieder schick.
 

thehunt

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Ich hab vor Jahren mal eine alte Ankra mit PUW 1561 gefischt, in meinem jugendlichen Leichtsinn hätte ich die beinah wieder verkauft...
Was ein Glück das nicht.

Wenn ich mir deine Mühe ansehe, einfach toll!
Danke für die bebilderte reise ins Innere der Zeit!

Chapeau!
 

Aeternitas

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Sehr schön. Ich hätte vor Zerlegung erst mal nach einem Sekundenrad geschaut, da es doch offensichtlich defekt war.
Diese Anker ist mit Sicherheit eines der meistproduzierten deutschen Uhren der 60er Jahre- habe ich schon häufig gesehen und selbst zwei davon.
Schön, dass die Uhr in Deine Hände kam...:super:
 

DreizeigerFan

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Vielen Dank für die freundlichen Reaktionen.
Ich habe die Uhr nach der Montage nicht einreguliert, weil sie einigermaßen im normalen Bereich lag. In den drei Tagen seit Samstag hatte sie einen Nachgang von etwa 13 Sekunden pro Tag. Auf der Zeitwaage zeigt sie über die verschiedenen Lagen etwa 40 Sekunden Abweichung pro Tag. Das halte ich mal bei einer einfachen Uhr aus den frühen 60er Jahren für ziemlich normal. Mir ist etwas unklar, wie ich die Amplituden deuten soll. Man munkelt ja, dass die PUWs einen absurd kleinen Hebewinkel haben. Dann wären die Werte real deutlich kleiner als die hier angezeigten.
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watchhans

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Sehr schöne, klassische Uhr. Sowas kommt nie aus der Mode!
Und eine gute Arbeit! Sicher macht man ein altes Herz nicht wieder jung, aber für den täglichen Bedarf reichen die Gangwerte aus.
Die Automatikkaliber der PUW waren spitze. Und wenn die nicht aufgrund der Quarzkrise aufgeben mussten, gäbe es heutzutage, was erschwingliche, mechanische Uhren betrifft, ein deutsches Pendant zu Seiko.
Denn die Basiskonstruktion eines PUW 1561 oder 1661 mit den neuesten Materialien, einem kugelgelagertem Rotor und Sekundenstopp wäre topaktuell!
 

Rainer Nienaber

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Denn die Basiskonstruktion eines PUW 1561 oder 1661 mit den neuesten Materialien, einem kugelgelagertem Rotor und Sekundenstopp wäre topaktuell!

Als bekennender PUW Fan kann ich da nur zustimmen.
Der Ausreißer in der Lage ZBl. unten kann eigentlich nur am Unruhzapfen oder am Lager liegen. Mach das Lager noch mal sauber und öl das richtig. Also nicht zu viel.
 
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