Eigene Uhrenbiographie und Citizen CB1070-56L

Diskutiere Eigene Uhrenbiographie und Citizen CB1070-56L im Uhrenvorstellungen Forum im Bereich Uhren-Forum; Hallo liebe Uhrenfreundinnen und -freunde, heute möchte ich mich euch mitsamt meiner Uhrenhistorie und meiner derzeitigen Alltagsuhr vorstellen...

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Hallo liebe Uhrenfreundinnen und -freunde,

heute möchte ich mich euch mitsamt meiner Uhrenhistorie und meiner derzeitigen Alltagsuhr vorstellen. Dies ist meine erste Vorstellung hier im Uhrforum und so erlaube ich mir, etwas weiter auszuholen. Wer sich nur für die im Titel genannte Uhr interessiert, der möge zu Abschnitt 3 springen.

Gliederung:
1. Vorgeschichte: Casio G-Shock und Tissot PR 50 Titanium
2. Certina DS First Ceramic Titanium
3. Citizen CB1070-56L
4. Ausblick


1. Vorgeschichte: Casio G-Shock und Tissot PR 50 Titanium

Die erste Uhr, an die ich mich noch gut erinnern kann, war eine Casio G-Shock, die ich als Kind zu Weihnachten bekam. Das Gehäuse war schwarz und besaß einen metallenen "Überrollbügel" mit weinroten Stoßdämpfern über dem Display, dazu ein passendes weinrotes Textilband mit Dornschließe. Ich musste mich zunächst in den ganzen Menüs zurechtfinden und habe fleißig an den vier Knöpfen herumgedrückt, bis die Bedienung in Fleisch und Blut übergangen ist. Die Uhr leistete mir lange Jahre treue Dienste, auch wenn das Band mit der Zeit abgewetzt aussah und der Überrollbügel verloren ging. Die Uhr selbst verschwand irgendwann, nachdem sie nicht mehr gebraucht wurde, in einem Karton und ist mittlerweile nicht mehr auffindbar, so dass ich leider nicht mit einem Foto dienen kann.

Im Jahre 2004 als älterer Schüler war ich der Meinung, ich bräuchte nun eine erwachsenere Uhr. So nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und betrat den Laden eines Juweliers, der eine schöne Tissot im Schaufenster hatte. Es war eine "PR 50 Titanium", die zum 150-jährigen Firmenjubiläum im Vorjahr von Tissot aufgelegt worden war und die es mir angetan hatte. Ein schlichtes weißes Ziffernblatt, Saphirglas, durch das Titan eine unglaublich leichte Uhr und mit 200,- € für mich erschwinglich. So entschied ich mich für diese Uhr und sie war fortan mein treuer Begleiter. Was soll ich sagen: ich bin nach wie vor restlos begeistert! Das Quarzwerk hat eine Genauigkeit von -1s/Monat, was selbst für Quarzuhren außergewöhnlich ist. Das Saphirglas hat bis heute keinen Kratzer, auch wenn das Band und das Gehäuse mittlerweile natürlich ziemlich benutzt aussehen. Ich habe die Uhr aber auch nie geschont. Mit 10 Bar Wasserdichte ist sie absolut alltagstauglich und so machte sie alle Freizeitaktivitäten mit.

Tissot1.jpg

2. Certina DS First Ceramic Titanium

Irgendwann Ende 2015 oder Anfang 2016 sah ich im Internet eine Anzeige für eine Einzeigeruhr. Die Idee hinter der Uhr fand ich so interessant, dass ich etwas recherchierte und auf das Uhrforum stieß. Die Meinung über die besagte Einzeigeruhr war bescheiden, aber ich war unterbewusst mit dem hoch infektiösen Uhrenvirus angesteckt worden. Es keimte nach über elf Jahren Monogamie mit meiner Tissot der Gedanke auf, eine neue Uhr anzuschaffen. Die Idee war geboren, und so fing ich an zu suchen. Zunächst weiter bei Einzeigeruhren, die Alltagstauglichkeit ist jedoch begrenzt. Während der Suche hatte ich nebenbei mein Anforderungsprofil geschärft. Die Uhr sollte
- aus Titan sein,
- mit Saphirglas ausgestattet sein,
- ein Metallband (natürlich auch aus Titan) besitzen,
- ein Quarzwerk haben,
- keine Ziffern, sondern nur Striche als Indizes verwenden,
- kein Chronograph sein,
- mit Leuchtmasse belegte Zeiger und Indizes aufweisen,
- eine Wasserdichte von mindestens 10 Bar haben,
- das Datum anzeigen.

Wie ihr schnell feststellen werdet, sind meine Anforderungen stark von meiner Tissot abgeleitet. Dies kam nicht von ungefähr, war ich doch total zufrieden gewesen. Die Frage nach Quarz oder Automatik beantwortete ich unemotional: die höhere Ganggenauigkeit von Quarzwerken ist für mich immer noch ausschlaggebend. Im Alltag brauche ich einen verlässlichen Zeitmesser und habe keine Lust, jede Woche die Uhrzeit neu zu justieren. Bis dato hatte ich dies zweimal im Jahr getan, immer zur Zeitumstellung, was bei der erwähnten Präzision der Tissot völlig ausreichend war. Die nächste Uhr sollte jedoch präsenter sein als die zierliche Tissot und so blieb ich letztlich bei Taucheruhren hängen. Da ich kein Portfolio an Uhren aufbauen wollte, sondern einen Daily Rocker, der außerdem für alle Anlässe geeignet ist, musste der Diver zusätzlich noch als Dresser taugen.

Schließlich fiel meine Wahl auf eine Certina DS First Ceramic Titanium, Referenznummer C014.410.44.081.00. Die Uhr erfüllte alle oben genannten Kriterien und war zudem unverschämt gutaussehend! Der perfekte Dressdiver, wie ich fand. Das fünfgliedrige Titanband mit abwechselnd polierten und matten Gliedern entspricht exakt meinen Vorstellungen von einem idealen Uhrband.
Meine Bilder von der Uhr seht ihr weiter unten. Die Uhr wurde auch hier im Marktplatz einmal angeboten, weitere Bilder sind daher unter folgendem Link zu finden: https://uhrforum.de/certina-ds-first-ceramic-titanium-gent-c014-410-44-081-00-a-t244119

Die folgenden Daten der Uhr habe ich nicht selbst erhoben, sondern dem Internet und der obigen Verkaufsbeschreibung entnommen. Ich will sie trotzdem hier aufführen, damit die Uhr vollständig vorgestellt wird. Alle Angaben ohne Gewähr.
- Gehäusedurchmesser: 41mm
- Gehäusehöhe: 11,3mm
- Gewicht (inkl. Band): 96 Gramm
- Wasserdichte: 20 Bar
- Werk: ETA Quarzwerk 955.112
- Verschraubte Krone
- Gewölbtes Saphirglas

Bei der unverbindlichen Preisempfehlung (UPE) der Uhr musste ich schlucken. Sie war im oberen dreistelligen Bereich angesiedelt. Soviel Geld für eine Uhr in die Hand zu nehmen, war für mich zu diesem Zeitpunkt nicht denkbar. Der Preis beim großen südamerikanischen Fluss, bei dem ich für andere Gebrauchsgüter ohnehin Stammkunde bin, klang schon besser. So begann ich, den Preis zu beobachten. Und dieser trat scheinbar zum freien Fall an. Derweil war ich am Hadern: sollte ich bei einem offiziellen Certina-Händler kaufen oder im Internet und dafür auf die Herstellergarantie verzichten? Ama*** habe ich als äußert kulanten Händler kennengelernt und hatte daher wenige Hemmungen, dort zu bestellen. Im Zweifelsfall würde ja die gesetzliche Gewährleistung greifen und die Garantie war auch nicht länger als zwei Jahre. Also im Grunde nichts verloren.
Immer noch den Online-Preis beobachtend, wurden meine Augen immer größer, als sich der Preis für die Uhr bei ca. 50% der UPE stabilisierte. Fünfzig Prozent? Kann das sein? Für Neuware? Ich traute meinen Augen nicht. Dieses Schnäppchen schrie danach, mitgenommen zu werden. Also bestellte ich und harrte der Dinge, die da kamen.

Ein paar Tage später war das heißersehnte Paket bei mir angekommen und ich öffnete mit angehaltenem Atem die Box. Wow! Da war es, das Schätzchen, in Schutzfolien eingehüllt. Vorsichtig entfernte ich die Folien und legte die Uhr ein erstes Mal an. "Besser als auf den Fotos", dachte ich. Ich beäugte die Uhr eine Zeit lang, klebte die Folien wieder auf die Uhr und legte sie zurück in die Box. Einen Tag später wiederholte ich die Prozedur und wusste, diese Uhr werde ich behalten.

Soweit, so gut. Ab jetzt beginnt der traurige Teil meiner Beziehung mit dieser Uhr. Die Tage, bis ich Zeit fand, einen Uhrmache aufzusuchen, um das Band kürzen zu lassen, vergingen quälend langsam. Aber dann stand ich endlich im Laden des örtlichen Uhrmachers. Wobei er im Grunde kein gelernter Uhrmacher ist, wie ich später erfuhr. Er verkauft nur Modeuhren und -schmuck, sonst nichts. Es war einer dieser typischen Läden, in denen man für fünf Euro einen Batteriewechsel bekommt. Ich fragte noch, um ganz sicher zu gehen: "Beim Bandkürzen entstehen aber keine Kratzer auf der Uhr oder dem Band?!", was der Ladenbesitzer ganz selbstbewusst bestätigte. Eine Stunde später nahm ich die Uhr entgegen und entdeckte sofort Riefen überall auf der Seite des Bandes. Es sah so aus, als hätte er die Uhr beim Einspannen auf Schmirgelpapier abgelegt. Argh!
Zuhause suchte ich im Uhrforum, wie man diese hässlichen Riefen beseitigen könnte. Aber jede Methode, sei es Polierpaste oder ein blauer Radiergummi, halfen nichts. Die Kratzer waren drin. (Ihr könnt die länglichen Kratzer unten auf einem Bild erkennen.) Ich versuchte, mich zu beruhigen, indem ich mir sagte, dass sowieso im Laufe der Zeit Kratzer ins Titan kämen. Ich kannte das ja von meiner Tissot. Aber so wirklich tröstete mich das nicht. Ich verbuchte die Erfahrung unter "wieder was gelernt" und schwor mir, niemals mehr einem offensichtlichen Pfuscher eine hochwertige Uhr anzuvertrauen.

Jetzt war die Uhr zum Tragen bereit und immerhin sah man die vorhandenen Kratzer nicht, wenn man frontal auf die Uhr guckte. Voller Stolz trug ich sie nun täglich. Zwei weitere Ereignisse sollten mir jedoch den Spaß an der Uhr ordentlich vermiesen. Erstens fand ich heraus, dass jede Berührung mit Metall massive Schäden am Finish der matten Oberflächen verursacht, die sich in Form von blank polierten Stellen äußern. Zweitens schaffte ich es irgendwie, einen Kratzer ins Saphirglas zu bekommen. Wie bitte??? In elf Jahren mit meiner Tissot ist mir das nicht gelungen und jetzt sollte nach einigen Wochen meine Certina einen Kratzer im Glas haben? Mir war das unerklärlich. Ich vermute heute, dass das gewölbte Glas der Certina durch seine Exponiertheit empfindlicher ist als das flache Glas der Tissot. Trotzdem hatte ich dem Saphirglas mehr zugetraut.

Abgesehen von diesen unerfreulichen Ereignissen trug ich die Uhr mit Freude monatelang. Jedoch ist dies noch nicht das Ende der Geschichte. Mitte dieses Jahres (2017), also etwa 16 Monate nach Kauf, wachte ich eines Morgens auf und die Uhr ging ca. fünf Stunden nach. "Batterie schon leer?" war mein erster Gedanke, doch der Sekundenzeiger sprang nach wie vor im Sekundentakt. Eine schwache Batterie wird ja in der Regel durch einen in größeren Zeitintervallen hüpfenden Sekundenzeiger angedeutet. Also Uhr gestellt und weiter beobachtet. Nach kurzer Zeit ging die Uhr wieder nach, dieses Mal ca. 10 Minuten. Ich suchte einen offiziellen Certina Händler auf und schilderte ihm die Situation. Er meinte nur, dass dies kein Problem der Batterie sei und ich mich an den Verkäufer der Uhr wenden soll. Ich hatte ein mieses Bauchgefühl und kontaktierte A. deswegen. Ich beschrieb das genaue Verhalten und auch, dass ich mit einem Certina Händler gesprochen hatte. Die Reaktion von A. kam schnell und lautete sinngemäß etwa so: "Es tut uns leid, dass Sie mit dem Produkt nicht zufrieden sind. Bitte beachten Sie, dass wir an Uhren keine Reparaturen durchführen können. Schicken Sie uns die Ware zurück und wir erstatten Ihnen den Kaufpreis."

Wieder musste ich mit mir ringen. Das Risiko eingehen und die Uhr behalten, auch wenn vielleicht eine Reparatur nach Ablauf der Gewährleistung erforderlich sein sollte? Oder auf Nummer Sicher gehen und die Uhr weggeben, in dem Bewusstsein, dass ich diese eigentlich wunderschöne Uhr für diesen Preis nicht mehr bekommen würde?

Ich entschied mich für letzteres und trennte mich von der Uhr. A. überwies mir den vollen Kaufpreis zurück. Wahnsinn, das nenne ich Kundenfreundlichkeit! Nun stand ich da, hatte meine Tissot am Arm und war wieder auf der Suche. Bevor ich nun zur Vorstellung meiner aktuellen Uhr übergehe, möchte ich diesen Abschnitt mit einigen Gedanken zur Certina schließen.

Die Uhr hat mich vom Aussehen her begeistert! Ich kann mich immer noch kaum sattsehen, wenn ich Bilder von ihr angucke. Würde ich die Uhr wieder kaufen? Ich weiß es nicht. Erstens störte mich die empfindliche Oberfläche. Ich weiß, Titan ist hier eine Mimose und Kratzer in Titan "verblassen" mit der Zeit. Trotzdem zeigen Hersteller wie Citizen, wie man den Werkstoff robuster macht (siehe unten). Hier wurde die Certina, vor allem wenn man die Preisempfehlung im Auge behält, meinen Erwartungen nicht gerecht.
Zweitens las ich hier im Forum ein Argument bezüglich Taucheruhren, das ich einleuchtend fand. Wenn man sich eine Taucheruhr nach Hause holt, dann entweder eine mechanische mit Aufzugsautomatik oder eine Quarzuhr mit Solarantrieb. Denn prinzipiell muss bei jedem Batteriewechsel die Dichtheit überprüft werden, was bei dem Certina-Händler vor Ort, den ich konsultiert habe, 90,- EUR kostet. Ich weiß nicht, wie lange eine Batterie hält, aber wenn mann von Dreijahreszyklen ausgeht, dürften einen die Wartungskosten eines batteriebetriebenen Divers über die Jahre hinweg mehr kosten als die Revisionen bei Automatik oder Solaruhr. Dieser Gedankengang war auch bei der Entscheidung für die nächste Uhr präsent, was mich zu meiner jetzigen Citizen führt.

Wen ich mit meinen negativen Erfahrungen nicht abgeschreckt habe, der findet die besagte Certina immer noch bei A. für einen tollen Preis. Auf der offiziellen Certina Webseite (https://www.certina.com/de) ist sie dagegen schon gar nicht mehr zu finden.

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3. Citizen CB1070-56L

Nach der ganzen Vorrede ist die Geschichte zur Citizen schnell erzählt. Das Anforderungsprofil ist identisch geblieben. Wiederum durch das Forum lernte ich die Eco-Drive Technologie von Citizen kennen und erfuhr, dass die Technik mittlerweile sehr ausgereift ist. Eine Uhr, die durch Solarenergie angetrieben wird und daher vielleicht nie oder nur nach sehr langer Zeit (10-20 Jahren) einen Batteriewechsel benötigt, sagte mir durchaus zu. Also drehte ich die Webseite von Citizen (www.citizenwatch.eu) auf links und durchforstete sämtliche Uhren. Ein Chronograph sollte es nicht sein, die haben mir bei Citizen zu überladene Ziffernblätter. Mir fielen aber einige Funkuhren auf. Eine Uhr, die ich gar nicht mehr stellen muss und die auch das Datum am Monatsende stets korrekt umstellt, kann man sicherlich als Rundum-Sorglos-Uhr bezeichnen. Für mich ist das umso reizvoller, da ich täglich mit der S-Bahn zur Arbeit fahre und quasi immer auf den letzten Drücker das Haus verlasse. Da entscheiden 30 Sekunden über Bahn bekommen oder verpassen. So werde ich hier optimal durch die Uhr unterstützt. Die Weltzeitfunktion mit Empfänger für Funksignale aus mehreren Kontinenten (Europa, USA, China, Japan) sagte mir ebenfalls zu, schließlich ist man ja gelegentlich auch mal unterwegs. Also wurde es eine im Design schlicht gehaltene CB1070-56L.

Bei Citizen steht L für "blau" und E für "schwarz". Die blaue Variante habe ich meiner Frau zu verdanken. Zunächst tendierte ich zu Schwarz, aber im Geschäft konnte ich beide begutachten und die blaue wirkt auf mich gefälliger. Es handelt sich auch um ein sehr dezentes Dunkelblau, dass gar nicht wirklich als Blau auffällt. Die Bilder werden es zeigen. Nur in der prallen Sonne nimmt man das Blau wirklich als solches wahr.

Auch dieses Mal stellte sich wieder die Frage, Internet oder Händler vor Ort? Obwohl ich mit dem kulanten Verhalten von A. top zufrieden war, entschied ich mich nun für einen Kauf beim Citizen Konzessionär. Der Händler war sehr freundlich und ich konnte die Uhr anprobieren. Außerdem ist das Bandkürzen im Preis vor Ort enthalten. Trotzdem ist es kaum zu glauben, dass auch hier wieder der Preis bei A. 28% unter dem empfohlenen Verkaufspreis liegt. Aber mit dem guten Gefühl, den lokalen Händler unterstützt und bei Bedarf einen Ansprechpartner an der Hand zu haben, bin ich mit der Uhr von dannen gezogen.

Hier sind die technischen Daten:
- Referenznummer: CB1070-56L
- Gehäusedurchmesser: 42mm
- Gehäusehöhe: 9,3mm
- Gewicht (inkl. Band): 80 Gramm (drei Bandglieder entnommen)
- Wasserdichte: 10 Bar
- Werk: Quarzwerk H149
- Saphirglas entspiegelt
- Link: https://www.citizenwatch.eu/produkt/cb1070-56l/

Ich möchte euch kurz die wichtigsten Funktionen der Uhr erläutern. auf der Lünette finden sich 26 Drei-Buchstaben-Kürzel, die für 26 Zeitzonen stehen. Ich hatte mich gefragt, wie es zu genau diesen Kürzeln kommt, bis mir aufgefallen ist, dass die IATA-Flughafen-Codes verwendet werden (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_IATA-Flughafen-Codes). So steht beispielsweise DXB für Dubai, LAX für Los Angeles und PDL für Ponta Delgada auf den Azoren.
Für ein besseres Verständnis der Zeitzonen sei die Grafik empfohlen, die es in dem Wikipedia-Artikel zum Stichwort "Zeitzonen" gibt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitzone#/media/File:Standard_World_Time_Zones.png)
Lesenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Artikel über die koordinierte Weltzeit (Universal Time, Coordinated = UTC, https://de.wikipedia.org/wiki/Koordinierte_Weltzeit)

Die Referenzzeitzone ist die des Londoner Stadtteils Greenwich, durch den der nullte Längengrad verläuft. Weltweit sind mehr als 24 Zeitzonen in Verwendung, woraus folgt, dass manche Zeitzonen nicht eine ganzzahligen Stundenverschiebung zur UTC haben, sondern zusätzlich noch um 15 oder 30 Minuten verschoben sind. Auf der vorgestellten Citizen sind das die Zeitzonen
DEL = Delhi, Indien, +5,5h Verschiebung zur UTC,
ADL = Adelaide, Australien, +9,5h Verschiebung zur UTC.
Bei allen übrigen Zeitzonen muss nur der Stundenzeiger umgestellt werden, Minuten- und Sekundenzeiger sind nicht betroffen. Die Einstellung der Zeitzone gelingt wie folgt: Einmaliges Herausziehen der Krone aktiviert die Zoneneinstellung, der Sekundenzeiger dient als Anzeige. In unserer Zeitzone zeigt er also auf PAR. Durch Drehen der Krone kann nun der Sekundenzeiger bewegt und auf eine andere Zone eingestellt werden. Der Stundenzeiger ist vom Minutenzeiger mechanisch entkoppelt, so dass er bei Wahl einer neuen Zeitzone sofort in die neue Position fährt und die gewählte Zeit anzeigt, auch ohne die Krone wieder hineinzudrücken. Nur wenn eine der Zonen DEL oder ADL gewählt wird, stellt sich zunächst der Stundenzeiger und beim Hineindrücken der Krone stellt sich der Minutenzeiger. Sekunden- und Minutenzeiger sind mechanisch gekoppelt, so dass der Sekundenzeiger 30 Runden dreht, bis der Minutenzeiger die halbe Stunde Differenz eingestellt hat.

Der Mechanismus zur Zoneneinstellung ist meiner Meinung nach geschickt gelöst, dadurch kann man auch mal eine Zeitzone abfragen, wenn man nur kurz wissen will, wie spät es woanders auf der Welt ist. Bei einer normalen Mechanik würde man in diesem Fall ja den Minutenzeiger etliche Runden drehen lassen, das ist hier nicht der Fall. Das Datum stellt sich übrigens auch immer instantan korrekt ein. Wenn man also eine Zeitzone wählt, in der es schon nach Mitternacht ist, dann schiebt sich das Datum auch um einen Tag weiter.

Mit dem Knopf unterhalb der Krone lässt sich kontrollieren, ob das letzte Zeitsignal, welches einmal alle 24 Stunden jeweils nachts empfangen wird, auch korrekt empfangen wurde. In diesem Fall zeigt der Sekundenzeiger auf das OK im Ziffernblatt. Außerdem zeigt der Sekundenzeiger auf Knopfdruck an, wenn die Batterieladung schwach ist, indem er 15 Sekunden gegen den Uhrzeigersinn läuft.

Ich bin sehr zufrieden mit der Uhr! Das Band trägt sich phantastisch, es ist bequem und Titan ist ohnehin ein Hautschmeichler. Die bei Citizen "Duratect" genannte Veredelung von Titan ist nicht nur ein Werbespruch. Nach fünf Wochen Tragezeit sieht das Band bis auf unbedeutende Spuren wie am ersten Tag aus. Meine Certina sah nach demselben Zeitraum viel schlimmer aus.
Da ich die Uhr im November erworben habe, dauerte es einige Tage, bis die Batterie ausreichend geladen war. Ich hatte sie immer wieder ans Fensterbrett gelegt. Wenn es einen Sonnentag gibt, ist die Uhr auch schnell fit, aber im Winter hat man davon nicht immer so viele. Insgesamt ist das aber kein Problem. Subjektiv scheint es mir, dass die Uhr sehr genügsam ist, was Energie anbetrifft.

Einen Kritikpunkt habe ich aber doch. Die Schließe hat nur zwei Bohrungen zur Feinverstellung. So etwas macht einem echt das Leben schwer! Muss das sein, verdammt nochmal? Die Uhr sitzt bei mir jetzt recht locker, was aufgrund des geringen Gewichts der Uhr nicht so schlimm ist. Trotzdem würde ich mir sie etwas enger stellen, wenn es ginge. Nehme ich aber ein Glied heraus und stelle die Feinverstellung auf das äußere Loch, sitzt die Uhr zu stramm.
Achja, was auch immer gerne bei Quarzuhren diskutiert wird: Der Sekundenzeiger trifft nicht immer die Sekundenstriche, aber das stört mich nicht. Relevanter ist, ob der Minutenzeiger den Index trifft, wenn der Sekundenzeiger auf Sekunde 60 steht. Das ist auch nicht immer der Fall, manchmal ist der Minutenzeiger etwas zu schnell und ist schon bei Sekunde 50 auf dem Strich. Aber das kann ich verkraften. Es ist definitiv nicht so, dass der Minutenzeiger bei Sekunde 60 genau zwischen zwei Indizes steht und so das Ablesen der aktuellen Minute schwierig wird.
Der Nightshot zeigt etwa die Leuchtkraft der Zeiger und Indizes. Sie haut einen nicht um. Bei Dämmerung sieht man nichts. Aber wenn sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, kann man die Uhrzeit auch am Ende der Nacht noch gut ablesen.
Zuletzt muss ich sagen, dass die Uhr aus optischen Gesichtspunkten der Certina nicht das Wasser reichen kann.

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4. Ausblick

Wie geht es nun weiter? Zunächst hoffe ich, dass ich mit der Citizen eine ähnliche Erfolgsgeschichte begründen werde wie mit meiner heißgeliebten Tissot. Wenn dem so ist, habe ich für sehr lange Zeit einen zuverlässigen Zeitmesser, der für zukünftige Uhren auch als Referenz dienen kann.
Damit deute ich schon an, was meine Frau mit folgender Frage treffend zusammengefasst hat: "Wieso guckst du schon wieder nach Uhren? Du hast dir doch gerade eine gekauft."
Ich befürchte, mit der Citizen wird mein Hunger nicht gestillt sein. Es besteht kein akuter Handlungsbedarf, aber in meinem Kopf schwirren einige Ideen umher. Dazu muss ich sagen, dass das Uhrforum schlimme Entwicklungen zutage fördert. Je mehr man sich mit Uhren beschäftigt, desto mehr Uhren fangen an, einem zu gefallen. Gleichzeitig scheint es aber nicht die perfekte Uhr zu geben, die alle Wünsche vereint, so dass man immer wieder neu auf die Suche geht. Außerdem werden Prinzipien über Bord geworfen, die bislang als feste Leitlinie bei der Uhrenwahl dienten. Bei mir sind das folgende:
* Die Genauigkeit eine Quarzuhr ist elementar. Jetzt: Ein schleichender Sekundenzeiger und das Werkeln der Mechanik sind faszinierend.
* Arabische Ziffern auf auf dem Ziffernblatt gehen gar nicht. Jetzt: Fliegeruhren sind richtig cool, vor allem mit lumineszierenden Ziffern.
* Ein Chronograph ist absolut unnötig. Jetzt: Darf schon sein, wenn die Totalisatoren dezent auf dem Ziffernblatt untergebracht sind.
Ich habe einige Ideen im Kopf und werde deshalb vermutlich demnächst noch ein Thema hier im Forum starten.

Ich freue mich auf eure Rückmeldungen und Anmerkungen zu meiner Uhrenbiographie. Besonders würden mich auch eure Erfahrungen zu den oben genannten (oder ähnlichen) Uhren interessieren.

Bis demnächst,

Sebastian
 
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1_Hajo

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Hallo Sebastian,

eine sehr gelungene Vorstellung hast du da geschrieben, vielen Dank.

Ich selber hatte in den letzten etwa 15 Jahren nur Solar-Funk Uhren von Casio getragen, alles Andere hat die Baustellen nicht überlebt. Seit etwa 10 Jahren arbeite ich im Büro, so dass ich mich Ende 2015 für den Kauf einer etwas gefälligeren Uhr entschlossen hatte. Innerhalb von 5 Minuten Suche im Netzt habe ich mich für die gleiche Uhr, aber mit schwarzen Ziffernblatt entschieden und in der nächsten Mittagspause auch gekauft. Heute, angesteckt durch das Forum, sind noch einige Uhren dazugekommen, die Attesa trage ich jedoch noch immer sehr gerne.

Guten Rutsch uns neue Jahr

Hajo
 

TS70

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Herzlichen Dank für die ausführliche Uhrenbiographie. Ich habe selbst einen insgesamt ähnlichen Weg hinter mir und würde mal tippen, daß das noch ein Weilchen so weiter geht. ;-)
 

Clockoholic

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Vielen Dank für die Uhrenbiographie, die ich mit Interesse gelesen habe. Das mit der Certina finde ich so schräg wie schade, aber das mit dem Quarzdiver hat schon was, diese ewigen Dichtigkeitskontrollen läppern mit der Zeit was zusammen...
Der Uhrenvirus scheint sich bei Dir gerade einzunisten - ich fürchte, Du wirst Deiner besseren Hälfte künftig noch das eine oder andere zu erklären haben :-)
 

undercover

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Grüßt euch,

vielen Dank für die freundlichen Kommentare. Ich bin mittlerweile schon intensiv auf der Suche nach der nächsten Uhr. Meine Frau ahnt bereits Schreckliches.

Mittlerweile habe ich mit einem Messschieber die CB1070-56L vermessen. Hier sind die Daten:
Durchmesser: 38,8mm
Höhe: 9,5mm
Horn zu Horn: 46,6mm
Bandanstoßbreite: 20,1mm

Die Angabe oben mit Durchmesser 42mm habe ich von der Citizen Homepage. Ich frage mich, wie die das gemessen haben. Die Angabe kam mir im Nachhinein merkwürdig vor und tatsächlich: der runde Teil der Uhr hat einen Durchmesser von 38,8mm. Leider kann ich meinen Beitrag oben nicht mehr editieren.
Mein Handgelenkumfang beträgt übrigens 16cm.

Unten habe ich noch ein Foto angefügt, welches das Band und die erwähnten zwei Löcher in der Schließe zeigt.


Citizen6.jpg
 
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