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Sascha Vogt
Themenstarter
- Dabei seit
- 13.02.2018
- Beiträge
- 18
Hallo liebe Forenmitglieder & Uhrenfreunde!
Es war vielleicht im November 2017, das Jahr war so gut wie gelaufen, und es war gut gelaufen, als ich mich mit einem schicken neuen Ticker für meine kleine Sammlung selbst belohnen wollte. Vom Budget her war ich relativ offen. Wie das so ist hab ich mich dann mal umgeschaut, was es "so gibt".
Da ich für meinen Begriff mal "etwas mehr" Geld ausgeben wollte, sollte es natürlich auch was tolles und exquisites sein. Zuerst ist mir von Perrelet eine Uhr ins Auge gesprungen. Nach ein wenig Recherche habe ich dann aber festgestellt, dass mein Favorit wohl nicht sehr wertbeständig ist. Fällt dann weg aus diesem Grund. Dann bin ich auf die Skeletten Heuer 01 gestoßen. Auch schön, aber meine Alltagsuhr ist schon eine Heuer, und zwei von einer Marke wollte ich dann nicht. Weiter gesucht, und nen schönen Omega Chrono Liquidmetall gefunden. Ok, dafür dann 5.5k ?? Da passte jetzt (für mein Gefühl) das Preis/Leistungsverhältnis nicht ganz. Auch gut, vielleicht muss ich mehr Geld ausgeben. Mal geschaut was es so um die 10k gibt. Ne schöne Breguet Marine gefunden. Ja, schon eher. Tolles Teil. Für 10k aber sehr schlicht. Zwischendrin noch über ne Glashütte Pano Lunar gestolpert. Auch schön, Glashütte hab ich aber schon was. Letzten Endes bei Hublot und zw. 10-15k gelandet. Für mich schon ziemlich viel Geld, und das musste die Obergrenze sein. Zuerst mal etwas mit der Marke beschäftigt, dem Werterhalt und der Qualität. Soweit alles i.O. Dann hab ich aber gesehen, das es wohl doch größtenteils nur Eta Werke sind, und doch nicht wie gedacht in diesem Preisrahmen Manufakturwerke. Für mich zählt beim Kauf einer Uhr (die ich auch als Werterhaltungsanlage sehe) eben diese Dinge. An diesem Punkt machte sich dann doch Enttäuschung breit. Vielleicht habe ich da auch was falsch verstanden, jedenfalls war ich nicht bereit für einen Namen und ein gepimptes Eta Werk so viel Geld auszugeben, um dann doch nur etwas zu haben das nicht wirklich einmalig ist. (Einmalig im Sinne von sehr begrenzt)
Zu meinem Selbstbelohnungsdrang hat sich also noch Frust gesellt. Frust darüber nicht das passende zu finden in einem von mir finanzierbaren Preisrahmen.
Ok, an der Stelle sollte man jetzt wissen das ich zu dem gekommen bin was ich habe weil ich in solchen Fällen immer dachte: Selbst ist der Mann. Der Plan war geboren mir eine eigene Uhr zu machen. Aber keinen Bausatz. Malen nach Zahlen ist ja jetzt nicht wirklich kreativ. Beschäftigungstherapie trifft es doch eher. Zu tun hab ich eigentlich genug. Deshalb wollte ich was ganz eigenes, Auflage: 1 Stück!
Ich hatte schon ziemlich schnell ein genaues Bild im Kopf, was ich denn haben wollte:
1. Edles und Aufwendiges Design
2. Gelbgold 18ct
3. Glasboden
4. Dezentrale Anzeige von Stunde und Minute
5. Bis auf's Werk, Zeiger, Glas, Schrauben und Band muss alles selbst gemacht sein.
Soweit der Plan.
Die erste Hürde war für mich auch zugleich die schwierigste: Werk bekommen. Erst mal geschaut was es da so tolles gibt. Und zumindest bei meinen Bezugsquellen war die Ausbeute eher mager. An dieser Stelle drohte mein Plan schon zu scheitern. Schnell war mir bewusst das ich an "tolle" Werke mit irgend welchem "SchnickSchnack" nicht heran komme. Gut, eigentlich reicht es mir ja auch wenn die Uhr die Zeit zeigt. Dann könnte ich (genau wie die anderen auch) einfach auf ein Eta Werk zurück greifen. Da gibts ja schöne, und gut sind die zweifellos auch!
Also hab ich mir ein schönes Eta 2824-2 besorgt, mit blauen Schrauben und Perldekor. Ok, jetzt kann's dann endlich los gehen mit dem Zeichnen. Zum Glück gibts ja für die Eta Werke auch technische Zeichnungen, sodass ich also nicht erst aufwendig alles vermessen musste, sondern eben gleich alle für mich wichtigen Abmessungen parat hatte.
Als Durchmesser der Uhr habe ich mich für 45mm entschieden, ohne die Bandhörner. Ich dachte das sei ne schicke Herrengröße. Gesamthöhe sollte so ca. 1.5cm sein. Das Zifferblatt sollte so ausschauen wie von Hand graviert. Leider ist das aber eine Kunst für sich, und der bin ich nicht habhaft. Aber als Goldschmied und CAD Designer bin ich glaub ich ganz passabel. Die Vorgehensweise war eigentlich die das ich die Uhr quasi um das Werk herum designt habe. Alles in Allem hat alleine das Zeichnen am PC rund 4 Wochen in Anspruch genommen. Da waren ziemlich viele Dinge an die ich nicht gedacht habe im Vorfeld, aber dann beim zeichnen gemerkt habe. Das hat dann dazu geführt das ich mit gut 10 Jahren Erfahrung im CAD Schmuckdesign die Uhr mehr als nur ein Mal komplett gezeichnet habe. Ziel war natürlich auch alle Teile selbst her zu stellen. Das geht hier über nen 3d Drucker und dann über das "Lost Wax Casting" Auch das Zifferblatt wurde am PC gestaltet, ausgedruckt und abgegossen. Darauf bin ich irgendwie besonders stolz!
Wie unten in der Explosionszeichnung gut zu sehen ist, besteht die Uhr aus vielen Einzelteilen. Die Bandhörner wurden verlötet. Alle anderen Teile halten mit Schrauben zusammen. In jedes Loch musste ein Gewinde gedreht werden von Hand. Wo so viele Teile in- und aufeinander passen müssen darf kein 1/10tel Differenz sein. Sonst passt es nicht, oder schaut doof aus. Die gesamte Herstellung hat gut vier Monate gedauert. Und auch nicht alle Teile waren beim ersten Mal ok. Ich wollte ja natürlich keine Abstriche bei der Qualität machen, und so wurde eben gnadenlos aussortiert was nicht schön war. Das Gewicht der Uhr alleine beträgt mehr als 100 Gr. 18ct (750) Gelbgold. Das Zifferblatt und die Zahlen sind aus 925 Silber.
Möglich war das natürlich nur, weil ich schon irgendwie in der Materie drin bin. Zwar nicht als Uhrmacher, aber Schmuck machen ist schon meine Welt. Und gerade solche aufwendigen Sachen bei denen ich später immer das Gefühl habe, dabei 3 oder mehr Schlaganfälle erlitten zu haben bis es gepasst hat und fertig ist. Der "Kick" hierbei war, das 3d gezeichnete, 3d gedruckte und abgegossene Teile auf's 1/10tel auf vorgefertigte Teile passen müssen. Denn Glas und Schrauben hab ich ja nicht selbst gemacht. Und das Kugellager vom Rotor muss ja in den eigenen Rotor passen, und auch rund laufen. Unterm Strich muss ich sagen hätte ich mir für diese Investition auch locker können eine Hublot zulegen. Ich verstehe auch das für andere Menschen die Hublot, oder was auch immer für dieses Geld die erste Wahl gewesen wäre. Dennoch habe ich nach knapp 4 Monaten Arbeit jetzt wo ich sie endlich in der Hand halten kann ein tiefes Gefühl der Befriedigung und das Suchen nach einem neuen Ticker hat für mich ein schönes Ende genommen. Ganz nebenbei das mir meine Arbeit auch einfach super viel Spass macht. Eigentlich habe ich jetzt genau was ich wollte, wie ich es wollte. Es steht mein Name drauf. Und egal wo ich hin komme, das Ding, hat KEINER!!!
Daher soll's auch an dieser Stelle nicht verwundern wenn ich sage: Unverkäuflich!
Habt Ihr allerdings Fragen zu Herstellung, oder dem Design, oder wollt einfach mal ein wenig über meine neue Uhr Diskutieren bin ich gern dazu bereit.
Ich freue mich auf Rückmeldung von Euch Uhrenkennern. Geht nicht zu hart mit mir ins Gericht, ist meine erste Uhr
LG
Sascha Vogt
Es war vielleicht im November 2017, das Jahr war so gut wie gelaufen, und es war gut gelaufen, als ich mich mit einem schicken neuen Ticker für meine kleine Sammlung selbst belohnen wollte. Vom Budget her war ich relativ offen. Wie das so ist hab ich mich dann mal umgeschaut, was es "so gibt".
Da ich für meinen Begriff mal "etwas mehr" Geld ausgeben wollte, sollte es natürlich auch was tolles und exquisites sein. Zuerst ist mir von Perrelet eine Uhr ins Auge gesprungen. Nach ein wenig Recherche habe ich dann aber festgestellt, dass mein Favorit wohl nicht sehr wertbeständig ist. Fällt dann weg aus diesem Grund. Dann bin ich auf die Skeletten Heuer 01 gestoßen. Auch schön, aber meine Alltagsuhr ist schon eine Heuer, und zwei von einer Marke wollte ich dann nicht. Weiter gesucht, und nen schönen Omega Chrono Liquidmetall gefunden. Ok, dafür dann 5.5k ?? Da passte jetzt (für mein Gefühl) das Preis/Leistungsverhältnis nicht ganz. Auch gut, vielleicht muss ich mehr Geld ausgeben. Mal geschaut was es so um die 10k gibt. Ne schöne Breguet Marine gefunden. Ja, schon eher. Tolles Teil. Für 10k aber sehr schlicht. Zwischendrin noch über ne Glashütte Pano Lunar gestolpert. Auch schön, Glashütte hab ich aber schon was. Letzten Endes bei Hublot und zw. 10-15k gelandet. Für mich schon ziemlich viel Geld, und das musste die Obergrenze sein. Zuerst mal etwas mit der Marke beschäftigt, dem Werterhalt und der Qualität. Soweit alles i.O. Dann hab ich aber gesehen, das es wohl doch größtenteils nur Eta Werke sind, und doch nicht wie gedacht in diesem Preisrahmen Manufakturwerke. Für mich zählt beim Kauf einer Uhr (die ich auch als Werterhaltungsanlage sehe) eben diese Dinge. An diesem Punkt machte sich dann doch Enttäuschung breit. Vielleicht habe ich da auch was falsch verstanden, jedenfalls war ich nicht bereit für einen Namen und ein gepimptes Eta Werk so viel Geld auszugeben, um dann doch nur etwas zu haben das nicht wirklich einmalig ist. (Einmalig im Sinne von sehr begrenzt)
Zu meinem Selbstbelohnungsdrang hat sich also noch Frust gesellt. Frust darüber nicht das passende zu finden in einem von mir finanzierbaren Preisrahmen.
Ok, an der Stelle sollte man jetzt wissen das ich zu dem gekommen bin was ich habe weil ich in solchen Fällen immer dachte: Selbst ist der Mann. Der Plan war geboren mir eine eigene Uhr zu machen. Aber keinen Bausatz. Malen nach Zahlen ist ja jetzt nicht wirklich kreativ. Beschäftigungstherapie trifft es doch eher. Zu tun hab ich eigentlich genug. Deshalb wollte ich was ganz eigenes, Auflage: 1 Stück!
Ich hatte schon ziemlich schnell ein genaues Bild im Kopf, was ich denn haben wollte:
1. Edles und Aufwendiges Design
2. Gelbgold 18ct
3. Glasboden
4. Dezentrale Anzeige von Stunde und Minute
5. Bis auf's Werk, Zeiger, Glas, Schrauben und Band muss alles selbst gemacht sein.
Soweit der Plan.
Die erste Hürde war für mich auch zugleich die schwierigste: Werk bekommen. Erst mal geschaut was es da so tolles gibt. Und zumindest bei meinen Bezugsquellen war die Ausbeute eher mager. An dieser Stelle drohte mein Plan schon zu scheitern. Schnell war mir bewusst das ich an "tolle" Werke mit irgend welchem "SchnickSchnack" nicht heran komme. Gut, eigentlich reicht es mir ja auch wenn die Uhr die Zeit zeigt. Dann könnte ich (genau wie die anderen auch) einfach auf ein Eta Werk zurück greifen. Da gibts ja schöne, und gut sind die zweifellos auch!
Also hab ich mir ein schönes Eta 2824-2 besorgt, mit blauen Schrauben und Perldekor. Ok, jetzt kann's dann endlich los gehen mit dem Zeichnen. Zum Glück gibts ja für die Eta Werke auch technische Zeichnungen, sodass ich also nicht erst aufwendig alles vermessen musste, sondern eben gleich alle für mich wichtigen Abmessungen parat hatte.
Als Durchmesser der Uhr habe ich mich für 45mm entschieden, ohne die Bandhörner. Ich dachte das sei ne schicke Herrengröße. Gesamthöhe sollte so ca. 1.5cm sein. Das Zifferblatt sollte so ausschauen wie von Hand graviert. Leider ist das aber eine Kunst für sich, und der bin ich nicht habhaft. Aber als Goldschmied und CAD Designer bin ich glaub ich ganz passabel. Die Vorgehensweise war eigentlich die das ich die Uhr quasi um das Werk herum designt habe. Alles in Allem hat alleine das Zeichnen am PC rund 4 Wochen in Anspruch genommen. Da waren ziemlich viele Dinge an die ich nicht gedacht habe im Vorfeld, aber dann beim zeichnen gemerkt habe. Das hat dann dazu geführt das ich mit gut 10 Jahren Erfahrung im CAD Schmuckdesign die Uhr mehr als nur ein Mal komplett gezeichnet habe. Ziel war natürlich auch alle Teile selbst her zu stellen. Das geht hier über nen 3d Drucker und dann über das "Lost Wax Casting" Auch das Zifferblatt wurde am PC gestaltet, ausgedruckt und abgegossen. Darauf bin ich irgendwie besonders stolz!
Wie unten in der Explosionszeichnung gut zu sehen ist, besteht die Uhr aus vielen Einzelteilen. Die Bandhörner wurden verlötet. Alle anderen Teile halten mit Schrauben zusammen. In jedes Loch musste ein Gewinde gedreht werden von Hand. Wo so viele Teile in- und aufeinander passen müssen darf kein 1/10tel Differenz sein. Sonst passt es nicht, oder schaut doof aus. Die gesamte Herstellung hat gut vier Monate gedauert. Und auch nicht alle Teile waren beim ersten Mal ok. Ich wollte ja natürlich keine Abstriche bei der Qualität machen, und so wurde eben gnadenlos aussortiert was nicht schön war. Das Gewicht der Uhr alleine beträgt mehr als 100 Gr. 18ct (750) Gelbgold. Das Zifferblatt und die Zahlen sind aus 925 Silber.
Möglich war das natürlich nur, weil ich schon irgendwie in der Materie drin bin. Zwar nicht als Uhrmacher, aber Schmuck machen ist schon meine Welt. Und gerade solche aufwendigen Sachen bei denen ich später immer das Gefühl habe, dabei 3 oder mehr Schlaganfälle erlitten zu haben bis es gepasst hat und fertig ist. Der "Kick" hierbei war, das 3d gezeichnete, 3d gedruckte und abgegossene Teile auf's 1/10tel auf vorgefertigte Teile passen müssen. Denn Glas und Schrauben hab ich ja nicht selbst gemacht. Und das Kugellager vom Rotor muss ja in den eigenen Rotor passen, und auch rund laufen. Unterm Strich muss ich sagen hätte ich mir für diese Investition auch locker können eine Hublot zulegen. Ich verstehe auch das für andere Menschen die Hublot, oder was auch immer für dieses Geld die erste Wahl gewesen wäre. Dennoch habe ich nach knapp 4 Monaten Arbeit jetzt wo ich sie endlich in der Hand halten kann ein tiefes Gefühl der Befriedigung und das Suchen nach einem neuen Ticker hat für mich ein schönes Ende genommen. Ganz nebenbei das mir meine Arbeit auch einfach super viel Spass macht. Eigentlich habe ich jetzt genau was ich wollte, wie ich es wollte. Es steht mein Name drauf. Und egal wo ich hin komme, das Ding, hat KEINER!!!
Daher soll's auch an dieser Stelle nicht verwundern wenn ich sage: Unverkäuflich!
Habt Ihr allerdings Fragen zu Herstellung, oder dem Design, oder wollt einfach mal ein wenig über meine neue Uhr Diskutieren bin ich gern dazu bereit.
Ich freue mich auf Rückmeldung von Euch Uhrenkennern. Geht nicht zu hart mit mir ins Gericht, ist meine erste Uhr

LG
Sascha Vogt