Eigenbau Unitas 6498

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Jakob Bo

Jakob Bo

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Hallo Liebe Mitforianer,
länger bin ich schon Mitglied des Uhrenforums, habe jedoch bisher nie einen eigenen Beitrag verfasst sondern lediglich andere konsumiert.
Das soll sich nun ändern.
Ich würde euch gerne ein paar meiner Uhren vorstellen und möchte mit einem für mich sehr besonderen Unikat anfangen.

Aber fangen wir von vorne an:
Im Zuge meiner Ausbildung zum Uhrmacher von 2018 bis 2021 habe ich viele Stunden an dem renommierten Unitas 6498 gearbeitet.
Es bietet sich für den Einstieg in diesen tollen Beruf hervorragend an, da es enorm simpel, robust und verhältnismäßig groß ist.
Das 6498-1 in seiner normalen Ausführung würde ich jedoch nicht als schönes Uhrwerk bezeichnen. Zum einen ist da die Rhodiumbeschichtung, zum andere die unschöne Oberflächenbearbeitung (Hammerschlag, Gestrahlt, etc...).

Serien 6498
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https://www.picclickimg.com/d/l400/...-Unitas-6498-Uhrwerk-17-Jewels-SWISS-MADE.jpg

Aber wie gesagt zum Üben ist es ein tolles Uhrwerk. Seien es einfache Arbeiten wie das Verstellen von Höhenspielen, Flachrichten von Zahnrädern, das sachgerechte Schmieren eines mechanischen Uhrwerks oder komplexere Arbeiten wie das Abzählen einer neuen Spirale mit dem einhergehenden statischen und dynamischen Auswuchten.
All das ist am 6498 einfach zu vermitteln und verhältnismäßig einfach zu erlernen.
So entwickelte sich über die Zeit eine gewisse Zuneigung und ich lernte das Werk zu schätzen, wenngleich da immer noch die Optik blieb.

Als im Frühjahr die beginnende Corona-Pandemie über Deutschland einherbrach und die Menschen anfingen wie wild zu Puzzeln, Lesen und sich selbst und die Natur über Fahrradfahren und Achtsamkeitsübungen neu zu entdecken war auch ich auf der Suche nach einer Tätigkeit, die mir die etwas trostlose Zeit erträglicher machen sollte.
Also wurde auf Ebay bei einer Auktion eine günstige Taschenuhr mit 6498 gekauft. Die Taschenuhr interessierte mich nicht besonders, das Werk war das Objekt der Begierde.
Im gesamten Corona Winter arbeitete ich an dem Uhrwerk.
Ich habe es von Hand skelettiert.
Dazu habe ich die Grundform direkt auf die Platinen und Globen aufgezeichnet und mit einer Bügelsäge ausgesägt.

Für die feinere Formgebung stieg ich auf Echappementfeilen sowie eine Saphierfeile für die Anglage um.
Das Oberflächen Finish habe ich zunächst geschliffen und final mittels Sandstrahlens erzeugt, die Kanten mussten danach wieder Anglist und neu poliert werden.
Alle Schraubenköpfe wurden abgedreht (da mit Nickel beschichtet) und anschließen mittels Hitze gebläut. Gleiches habe ich mit dem Gesperr unternommen.

Das neue Gehäuse, Zeiger und Zifferblatt habe ich bei Ebay erstanden. Das Gehäuse war komplett poliert, dies gefiel mir nicht besonders, daher wurden Seiten sowie Lünette mit einem Strichschliff versehen.


Hier sieht man die erste Grobe Bearbeitung des Uhrwerks
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Nach einigen Wochen sah das Werk dann so aus:
Die Grundform rauszuarbeiten ging verhältnismäßig schnell, auch das Bläuen der Schrauben und des Gesperrs war einfach. Man erkennt auf dem Bild, dass anfänglich ein einfacher Strichschliff auf dem Werk war, die kanten sind ebenfalls noch nicht gebrochen.

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Darauf hin habe ich mich an der Anglage versucht, dies war deutlich zeitintensiver als gedacht, auch das Frustpotential ist hoch, da man nicht abrutschen darf, sonst muss das Finish erneut aufgebracht werden (Bei dem anfänglichen Strichschliff war das schnell gemacht, als ich mich jedoch final für ein sandgestrahltes Finish entschloss stieg der Arbeitsaufwand gefühlt exponentiell).

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Die folgenden Bilder zeigen das Werk mit grob vorpollierten Kanten:

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Nach weiteren Wochen ist hier die finale Uhr:

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Hier noch ein paar aktuelle aufnahmen:

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-M-

-M-

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Grüße dich,

Tolle Arbeit, und ein schöner Geschmack.

Sowohl von vorne als auch von hinten ein Eindruck der überzeugt.

Viel Spaß an dieser tollen Uhr.

Alles Gute für dich,

-M-
 
Christian Lindenau

Christian Lindenau

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Hallo Liebe Mitforianer,
länger bin ich schon Mitglied des Uhrenforums, habe jedoch bisher nie einen eigenen Beitrag verfasst sondern lediglich andere konsumiert.
Das soll sich nun ändern.
Ich würde euch gerne ein paar meiner Uhren vorstellen und möchte mit einem für mich sehr besonderen Unikat anfangen.

Aber fangen wir von vorne an:
Im Zuge meiner Ausbildung zum Uhrmacher von 2018 bis 2021 habe ich viele Stunden an dem renommierten Unitas 6498 gearbeitet.
Es bietet sich für den Einstieg in diesen tollen Beruf hervorragend an, da es enorm simpel, robust und verhältnismäßig groß ist.
Das 6498-1 in seiner normalen Ausführung würde ich jedoch nicht als schönes Uhrwerk bezeichnen. Zum einen ist da die Rhodiumbeschichtung, zum andere die unschöne Oberflächenbearbeitung (Hammerschlag, Gestrahlt, etc...).

Serien 6498
Anhang anzeigen 4133978
https://www.picclickimg.com/d/l400/...-Unitas-6498-Uhrwerk-17-Jewels-SWISS-MADE.jpg

Aber wie gesagt zum Üben ist es ein tolles Uhrwerk. Seien es einfache Arbeiten wie das Verstellen von Höhenspielen, Flachrichten von Zahnrädern, das sachgerechte Schmieren eines mechanischen Uhrwerks oder komplexere Arbeiten wie das Abzählen einer neuen Spirale mit dem einhergehenden statischen und dynamischen Auswuchten.
All das ist am 6498 einfach zu vermitteln und verhältnismäßig einfach zu erlernen.
So entwickelte sich über die Zeit eine gewisse Zuneigung und ich lernte das Werk zu schätzen, wenngleich da immer noch die Optik blieb.

Als im Frühjahr die beginnende Corona-Pandemie über Deutschland einherbrach und die Menschen anfingen wie wild zu Puzzeln, Lesen und sich selbst und die Natur über Fahrradfahren und Achtsamkeitsübungen neu zu entdecken war auch ich auf der Suche nach einer Tätigkeit, die mir die etwas trostlose Zeit erträglicher machen sollte.
Also wurde auf Ebay bei einer Auktion eine günstige Taschenuhr mit 6498 gekauft. Die Taschenuhr interessierte mich nicht besonders, das Werk war das Objekt der Begierde.
Im gesamten Corona Winter arbeitete ich an dem Uhrwerk.
Ich habe es von Hand skelettiert.
Dazu habe ich die Grundform direkt auf die Platinen und Globen aufgezeichnet und mit einer Bügelsäge ausgesägt.

Für die feinere Formgebung stieg ich auf Echappementfeilen sowie eine Saphierfeile für die Anglage um.
Das Oberflächen Finish habe ich zunächst geschliffen und final mittels Sandstrahlens erzeugt, die Kanten mussten danach wieder Anglist und neu poliert werden.
Alle Schraubenköpfe wurden abgedreht (da mit Nickel beschichtet) und anschließen mittels Hitze gebläut. Gleiches habe ich mit dem Gesperr unternommen.

Das neue Gehäuse, Zeiger und Zifferblatt habe ich bei Ebay erstanden. Das Gehäuse war komplett poliert, dies gefiel mir nicht besonders, daher wurden Seiten sowie Lünette mit einem Strichschliff versehen.


Hier sieht man die erste Grobe Bearbeitung des Uhrwerks
Anhang anzeigen 4133906

Nach einigen Wochen sah das Werk dann so aus:
Die Grundform rauszuarbeiten ging verhältnismäßig schnell, auch das Bläuen der Schrauben und des Gesperrs war einfach. Man erkennt auf dem Bild, dass anfänglich ein einfacher Strichschliff auf dem Werk war, die kanten sind ebenfalls noch nicht gebrochen.

Anhang anzeigen 4133952

Darauf hin habe ich mich an der Anglage versucht, dies war deutlich zeitintensiver als gedacht, auch das Frustpotential ist hoch, da man nicht abrutschen darf, sonst muss das Finish erneut aufgebracht werden (Bei dem anfänglichen Strichschliff war das schnell gemacht, als ich mich jedoch final für ein sandgestrahltes Finish entschloss stieg der Arbeitsaufwand gefühlt exponentiell).

Anhang anzeigen 4133931

Die folgenden Bilder zeigen das Werk mit grob vorpollierten Kanten:

Anhang anzeigen 4133913Anhang anzeigen 4133914

Nach weiteren Wochen ist hier die finale Uhr:

Anhang anzeigen 4133930Anhang anzeigen 4133935

Hier noch ein paar aktuelle aufnahmen:

Anhang anzeigen 4133932Anhang anzeigen 4133925Anhang anzeigen 4133926Anhang anzeigen 4133927Anhang anzeigen 4133928
Hallo, ich habe vor ein paar Monaten erstmals von Unitas 6498 gehört bei einer Uhrenvorstellung. Dieses Werk wurde von Schweizer
Spitzenwerkbauern ETA mit entwickelt, für Taschenuhren. Ich möchte hier keine Werbung machen, dass Geheimnis bei welcher Marke
ich von dem Unitas gehört bleibt bei mir.

Optisch ist für mich, abgesehen von der Präzision und Ganggenauigkeit, dieses Werk der absolute Hammer und sollte in keiner
Sammlung von Uhren Enthusiasten fehlen...
 
Unmilitary

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Glückwunsch, tolle Arbeit, das Werk hast du sehr geschmackvoll veredelt und der Rest gefällt mir auch sehr gut. Vielen Dank für die Vorstellung!
 
Jakob Bo

Jakob Bo

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Tolle Arbeit :klatsch:
ein eleganteres Armband würde der schönen Uhr besser stehen.
Ja da hast du Recht, das dachte ich am Anfang auch aber aufgrund der Größe finde ich, dass auch dieses Band ihr recht gut steht (das ganze wirkt in Natura selbstverständlich nochmal ganz anders :) )
 
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Jakob Bo

Jakob Bo

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Hallo, ich habe vor ein paar Monaten erstmals von Unitas 6498 gehört bei einer Uhrenvorstellung. Dieses Werk wurde von Schweizer
Spitzenwerkbauern ETA mit entwickelt, für Taschenuhren. Ich möchte hier keine Werbung machen, dass Geheimnis bei welcher Marke
ich von dem Unitas gehört bleibt bei mir.

Optisch ist für mich, abgesehen von der Präzision und Ganggenauigkeit, dieses Werk der absolute Hammer und sollte in keiner
Sammlung von Uhren Enthusiasten fehlen...
Ja das sollte auch nicht falsch rüberkommen. Das Werk ist toll, es macht Spaß damit zu Arbeiten und ist grundsolide und somit perfekt für den alltäglichen Gebrauch (was man von wenigen mechanischen Uhrwerken wirklich behaupten kann).
In punkto Ganggenauigkeit kann ich dir sagen, dass man das Werk mit etwas Liebe locker in den Chronometerbereich bekommt.
 
Paulchen

Paulchen

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Ja da hast du Recht, das dachte ich am Anfang auch aber aufgrund der Größe finde ich, dass auch dieses Band ihr recht gut steht (das ganze wirkt in Natura selbstverständlich nochmal ganz anders :) )


Ich wurde es mal mit Krokoprägung versuchen, passt IMHO besser zur Uhr.
Ansonsten kann ich nur sagen - CHAPEAU :super:
 
Sedi

Sedi

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Ui -- sehr, sehr tolle Arbeit! Das Unitas in allen Ausführungen ist ja mein erklärtes Lieblingswerk. Hab 4 Uhren mit dem Werk. Einfach schön, das Ticken zu hören.
Als ich im Text "skelettiert" las, hatte ich natürlich gehofft, auch von vorne das Werk zu sehen, also eine komplett skelettierte Uhr. Bin ja großer Fan von Skelettuhren, aber ist natürlich nicht jedermanns Sache.
Vielen Dank für die Vorstellung! Ich hoffe, man wird künftig vielleicht noch mehr von dir lesen.
 
MTBTier

MTBTier

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Das nenne ich mal eine richtige Uhrenvorstellung! Ich bin begeistert!
Du kannst fertigen, was viele Uhreninteressierte (einschließlich mir) nur konsumieren können.

Die Aufbereitung des Unitas-Werks ist dir wirklich super gelungen. Mir gefällt vor allem die Idee des gebläuten Sperr- und Kronrads. Das würde ich auch gern einmal bei einer Serienuhr sehen.

Gehäuse, Zifferblatt und Armband sind eine untypische Kombination aus Sportlichkeit und klassischem Design, harmonieren aber für mich bereits auf den ersten Blick als stimmiges Design abseits des Uhreneinheitsbreis. Da hast du auch ein gutes Händchen bewiesen.

Viel Freude weiterhin an deinem Beruf bzw. mit deiner Berufung.
 
Melosine

Melosine

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Glückwunsch zum wirklich wunderschönen Eigenbau. Erinnert mich an die Uhren von Moser.
 
kk26

kk26

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Super, kann da nur sagen Hut ab vor so einer Leistung. Ist jetzt ein tolles Schätzchen geworden.
 
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