E. Lauffer Schwenningen Uhr bleibt nach 15-20 Minuten stehen

Diskutiere E. Lauffer Schwenningen Uhr bleibt nach 15-20 Minuten stehen im Uhrenwerkstatt Forum im Bereich Uhren-Forum; Guten Tag, vorab würde ich gerne sagen, dass ich mich mit Uhren noch nicht sonderlich gut auskenne und daher hier gerne ein paar Tipps haben...
  • E. Lauffer Schwenningen Uhr bleibt nach 15-20 Minuten stehen Beitrag #1
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Herr Rau

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Guten Tag,

vorab würde ich gerne sagen, dass ich mich mit Uhren noch nicht sonderlich gut auskenne und daher hier gerne ein paar Tipps haben möchte.
Meine Nachbarin besitzt eine alte E. Lauffer Schwenningen Stand/Pendeluhr mit 2 Gewichten.
Diese lief das letzte Mal vor ca. 7-8 Jahren und hörte dann auf, als ihr Mann das Brett im Uhrenkasten "begradigt" hat.
Nun hatte sie mich mal gefragt, ob ich mir die Uhr mal anschauen bzw. ob man sie wieder ans laufen kriegen könnte.
Die Uhr lief anfangs tatsächlich gar nicht, nachdem man die Gewichte an die Ketten gehangen hat.
Ich habe dann das Brett mit dem Uhrwerk einmal aus dem Uhrenkasten entnommen und das Ziffernblatt und das Pendel abgenommen.
Nachdem ich mir erstmal die generelle Funktionsweise einer so alten Uhr angeschaut habe, konnte ich zumindest sehen, dass die beiden Kreisläufe für die Uhrzeit selber und den "Gong" nahezu getrennt funktionieren.
Die Seite für den Schlag ließ sich mit den Händen anfangs gar nicht bewegen. Ich habe daraufhin das komplette Uhrwerk so gut es ging von dem alten Fett (?) befreit und alle Zahnräder und Laufbuchsen mit neuem Öl versehen.
Daraufhin war sie dann auch wieder gangbar und ließ sich mit etwas Fingerkraft am größten Zahnrad auch bewegen. Der Schlag funktioniert seitdem auch wieder.
Soweit so gut.
Daraufhin habe ich sie einfach testweise mal wieder in das Gehäuse gestellt und das Pendel angehangen.
Erstaunlicherweise lief sie dann auch für rund 15-20 Minuten wieder, wurde aber zunehmend minimal langsamer und blieb dann halt stehen.
Der Gongschlag löst aber wunderbar Stündlich und Halbstündlich (1x) aus und funktioniert somit tadellos. Da muss man eigentlich nichts mehr dran machen.
Dann habe ich mir mal das Pendel beim schwingen genau angesehen und festgestellt, dass wenn es nach rechts schwenkt, etwas hakt bzw. irgendein Wiederstand zu sehen ist.
Erneut habe ich also das Uhrwerk ausgebaut und mir den Anker genauer angeschaut. Dort habe ich gesehen, dass sowohl diese Verlängerung, an der das Pendel hängt, etwas schief ist, als auch diese kleinen Blättchen, die das erste obere Zahnrad antreiben.
Vermutlich war da auch schonmal der Mann meiner Nachbarin dran (Es fehlt bspw. eine kleine Schraube zur Fixierung dieser kleinen Blättchen in ihrem Sitz)
Ich habe jetzt laienhaft mal etwas rumprobiert diese Blättchen zu justieren, dass es möglichst wenig an dem ersten Zahnrad hakt und die Verlängerung zwischen Pendel und Anker möglichst mittig zwischen die zwei Anschläge gestellt (das kann man durch leichtes drücken anscheinend verstellen).
Nach etlichem rumprobieren lief sie dann zwischenzeitlich mal nur 5 Minuten, mit einer etwas anderen Einstellung jener Komponenten dann auch mal über eine halbe Stunde aber am Ende bleibt sie dann leider doch stehen.
Nur wenn man sie ohne Pendel laufen lässt, dann läuft sie dauerhaft (natürlich viel zu schnell).
Ich meine mir einzubilden, dass nach wie vor leichte Reibung vorhanden ist, wenn man den Anker händisch von rechts nach links schwenkt, aber ich kriege es irgendwie nicht viel besser hin.
Nun wäre die Frage, was ich noch machen kann? So lange rumprobieren bis es doch klappt, oder gibt es da vielleicht irgendwelche Tricks, wie man diese Blättchen, welche in das Zahnrad greifen, perfekt einstellt?
Tut mir leid, dass ich die jeweiligen Fachbegriffe noch nicht weiß, ich hoffe ihr wisst, was mit den jeweiligen Teilen gemeint ist.
Ansonsten kann ich später auch gerne noch Bilder hochladen.

Mit freundlichen Grüßen,
Rau
 
  • E. Lauffer Schwenningen Uhr bleibt nach 15-20 Minuten stehen Beitrag #2
10-nach-10

10-nach-10

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Eine Uhr muß man nicht "so gut es geht" reinigen, sondern richtig. Was Du als "Fett" beschreibst, ist ganz offenkundig verharztes oder verschmutztes Großuhrenöl. Es ist klebrig und erhöht den Widerstand im Getriebe, den die Gewichte oder Federn irgendwann nicht mehr überwinden können: Die Uhr bleibt stehen. Das "Fett" gehört gründlich entfernt: Uhrwerk vollständig demontieren, reinigen (besonders die Lager), montieren, ölen - das ist das Mindeste.

Ansonsten: Manipulationen am "Brett" (Werkschlitten) können zu einem Abfallfehler führen; die Uhr tickt nicht mehr gleichmäßig, sondern sie "humpelt". Daß das Pendel offenbar auf einen Widerstand stößt, wie Du beschreibst, deutet darauf hin. Und das muß, auch um schwerwiegernde Schäden an der Hemmung abzuwenden, behoben werden. Die allermeisten Uhrwerke besitzen eine Mechanik, um das auszugleichen - damit man das nicht am Uhrgehäuse korrigieren muß, das im schlimmsten Fall dann schief im Raum steht.

Offenbar hast Du schon an den Ankerpaletten herumgedoktert. Das war - entschuldige bitte - weniger schlau, denn die Uhr lief ja vorher. Die Ursache dafür, daß sie stehenblieb, muß also woanders liegen. Jetzt bleibt wirklich nichts anderes übrig, alles von grundauf zu machen, das Einstellen der Hemmung ist dann der letzte Schritt.

Das alles ist kein Hexenwerk und kann mit ein bißchen Übung auch vom Laien vollbracht werden - je nachdem. Sobald man sich aber überfordert fühlt: Uhrmacher haben ihren Beruf nicht grundlos 3 Jahre lang lernen müssen ;-).

PS: Wie kommt man darauf, jemanden ein kaputte Uhr anzuvertrauen, der von sich selbst sagt:

dass ich mich mit Uhren noch nicht sonderlich gut auskenne

? :hmm:
 
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  • E. Lauffer Schwenningen Uhr bleibt nach 15-20 Minuten stehen Beitrag #3
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Herr Rau

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Vielen Dank für die Tipps.

PS: Wie kommt man darauf, jemanden ein kaputte Uhr anzuvertrauen, der von sich selbst sagt:

Zunächst einmal hierzu: Eigentlich steht diese Uhr nur rum, meine Nachbarin meinte einfach mal während eines Gespräches, dass es schön wäre, wenn diese funktionieren würde aber sie sei jetzt auch nicht so wichtig, dass sie dafür beim Uhrmacher (was natürlich ganz klar die beste Anlaufstelle wäre) Geld ausgeben würde.
Ich habe dann einfach mal gesagt, ich könne es mir ja mal anschauen. Normalerweise schraube ich an Fahrzeugen herum und nicht an solch filigranen Uhren.
Mittlerweile stört es aber mein Ego, dass sie noch nicht vollständig wieder läuft und ich würde es irgendwie auch nur ungerne aufgeben. Wenn ich einmal mit soetwas angefangen habe, dann muss es auch kompletiert werden.

Eine Uhr muß man nicht "so gut es geht" reinigen, sondern richtig. Was Du als "Fett" beschreibst, ist ganz offenkundig verharztes oder verschmutztes Großuhrenöl. Es ist klebrig und erhöht den Widerstand im Getriebe, den die Gewichte oder Federn irgendwann nicht mehr überwinden können: Die Uhr bleibt stehen. Das "Fett" gehört gründlich entfernt: Uhrwerk vollständig demontieren, reinigen (besonders die Lager), montieren, ölen - das ist das Mindeste.

Alles klar, dann wird es wohl einfach altes Öl sein, mich hat nur die hellgrüne, klumpige Masse etwas irritiert. Reinigen werde ich sie aber nochmals richtig.

Ansonsten: Manipulationen am "Brett" (Werkschlitten) können zu einem Abfallfehler führen; die Uhr tickt nicht mehr gleichmäßig, sondern sie "humpelt". Daß das Pendel offenbar auf einen Widerstand stößt, wie Du beschreibst, deutet darauf hin. Und das muß, auch um schwerwiegernde Schäden an der Hemmung abzuwenden, behoben werden. Die allermeisten Uhrwerke besitzen eine Mechanik, um das auszugleichen - damit man das nicht am Uhrgehäuse korrigieren muß, das im schlimmsten Fall dann schief im Raum steht.

Ja, das wird es vermutlich sein. Zumal sie ja auch vorher lief. Wie gesagt, ich habe das Brett nicht verändert - dieser Fehler wurde vor ca. 8 Jahren gemacht und nachdem sie nicht mehr lief, wurde sie auch nicht mehr angefasst.
Mir ist aber aufgefallen, dass man dieses "humpeln" durch einstellen der "Ankerpaletten" fast wegkriegt. Also vermutlich auch hier eine Einstellungssache.
Stimmt es diesbezüglich eigentlich, dass das Uhrwerk hundertprozentig gerade stehen muss oder ist das nicht so schlimm, wenn es ein paar Grad schräg steht?

Offenbar hast Du schon an den Ankerpaletten herumgedoktert. Das war - entschuldige bitte - weniger schlau, denn die Uhr lief ja vorher. Die Ursache dafür, daß sie stehenblieb, muß also woanders liegen. Jetzt bleibt wirklich nichts anderes übrig, alles von grundauf zu machen, das Einstellen der Hemmung ist dann der letzte Schritt.

Das alles ist kein Hexenwerk und kann mit ein bißchen Übung auch vom Laien vollbracht werden - je nachdem. Sobald man sich aber überfordert fühlt: Uhrmacher haben ihren Beruf nicht grundlos 3 Jahre lang lernen müssen ;-).

Genau, an dem Anker selber und an den Ankerpaletten habe ich mich bis jetzt versucht. Aber wie gesagt, das hatte mein Nachbar anscheinend schon vor mir irgendwie probiert, da bei einem Ankerpalet schon eine kleine Schraube fehlt - hält aber trotzdem auch mit einer seinen Platz. Vorher lief die Uhr jedoch gar nicht, da konnte man höchstens das Pendel kurz anstoßen aber ist dann auch gleich wieder stehen geblieben. Jetzt läuft sie immerhin 20 Minuten, was natürlich auch nicht viel mehr bringt.
Was ich jetzt aber nicht verstehe, warum ich alles von Grund auf neu machen soll? Am Werk selber habe ich ja nichts verändert, lediglich an der Hämmung. Und da hatte eigentlich auch meine Frage drauf abgezielt.
Gibts da irgendwelche Tricks wie man diese Ankerplättchen einsetzt? Weil das mach ich jetzt halt nach Augenmaß bzw. ob halt nach Anbau der Welle/Hämmung irgendetwas hakelig ist.
Falls nicht, muss ich halt einfach so lange rumprobieren bis es klappt. Natürlich wie gesagt mit gründlicherer Reinigung vorher.

Gruß, Rau.
 
  • E. Lauffer Schwenningen Uhr bleibt nach 15-20 Minuten stehen Beitrag #4
hermannH

hermannH

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Hallo

Jede Maschine die eine Überholung und Restaurierung abgenutzter Teile braucht, wird stehen bleiben oder zumindest nicht innerhalb normaler Parameter laufen.
Eine Reinigung alleine verschlimmert das Ganze nur, da die abgenutzten Teile danach nur noch schneller abnutzen.
Wenn deiner Nachbarin etwas an der Uhr liegt, ab zum Fachmann/frau damit.

Gruß hermann
 
  • E. Lauffer Schwenningen Uhr bleibt nach 15-20 Minuten stehen Beitrag #5
G

Gast110610

Gast
Hallo hermann; die Überraschung war nicht schlecht, dich hier im Uhrforum begrüssen zu dürfen; bin seit kurzem auch Mitglied und würde mich über einen regen Meinungsaustausch freuen. Engagieren sich hier auch Uhrmacherkollegen, bei denen man sich gezielt Rat und Tat holen kann oder sind hier vor allem Uhrenfans vertreten. Jedenfalls wünsche ich Dir immer gutes Gelingen und freue mich wieder etwas von Dir zu hören.
MfG Giacumin ( Windfang)
 
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