Dugena Automatik Soprod 9035 v. 1990

Diskutiere Dugena Automatik Soprod 9035 v. 1990 im Vintage Uhren Forum im Bereich Uhrentypen; Eigentlich bin ich bei Käufen über die Kleinanzeigen der Bucht vorsichtig. Habe ich doch hier schon uhrentechnisch Schiffbruch erlitten. Diesmal...
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Gast52069

Gast
Eigentlich bin ich bei Käufen über die Kleinanzeigen der Bucht vorsichtig. Habe ich doch hier schon uhrentechnisch Schiffbruch erlitten.
Diesmal sollte es eine positive Erfahrung werden.
Gesucht habe ich eigentlich eine günstige Glashütte Spezichron. Fehlte mir doch in meiner Sammlung noch ein GUB 11-27.
Die habe ich dann auch gefunden. Anhand der Fotos zumindest optisch in gutem Zustand: kein abgegriffenes Gehäuse und eine völlig intakte Krone. Auch das Foto vom Werk erlaubte den Verdacht auch auf einen technisch guten Zustand.
Einziger Wermutstropfen: der Verkäufer bot diese GUB nur zusammen mit besagter Dugena an.
Also mitkaufen oder keine Glashütte.
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Der äußerst günstige Preis, für den man sonst nur eine Spezichron in weniger gutem Zustand bekäme, überzeugte mich dann doch.

Die Abwicklung lief problemlos und bereits nach 3 Tagen erhielt ich die sehr gut verpackten Uhren.
Der Verkäufer wies in seiner Anzeige darauf hin, dass die Gangreserveanzeige nicht funktionieren würde und auf 40 Std. hängen bliebe.

Das spornte mich an, sich auf die Fehlersuche zu machen und die Dugena wieder in einen technisch einwandfreien Zustand zu bringen.
20201227_171700.jpg

Leider machte die Uhr optisch einen nicht so guten Eindruck.
Das verchromte Messinggehäuse ist etwas zerkratzt, vor allem im Bereich der Einkerbungen zum Öffnen des aufgepressten Stahlbodens und zum Abheben der Lünette. Wird hier nämlich das Werk von vorn entnommen.
Zudem stellte ich fest, dass beide leicht zerkratzten Gläser eingeklebt wurden. Zwar sehr professionell, obwohl die Glasfalze an der Lünette und Boden genug Platz für eine Dichtung und ordentlich eingepresste Gläser bieten. Ausserdem waren die Zeiger völlig falsch gesetzt.
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Nachdem ich die beiden alten Gläser vorsichtig herauspressen konnte, was leider nicht ohne Bruch vonstatten ging, vermaß ich sehr gründlich die Durchmesser und bestellte sofort jeweils eine Dichtung und neue Gläser, vorne Saphir, hinten Mineral.
Das Merkwürdige daran, dass es sich beim Sichtboden um ein gewölbtes Glas handelt, da sonst der Automatikrotor schleifen, bzw. komplett blockiert würde.
Ich habe den Verdacht, dass es sich nicht um den Originalboden handelt.
Könnte sein, dass ein Vorbesitzer unbedingt einen Sichtboden haben wollte. Anfang der 90er Jahre eher die Ausnahme.
Zudem sollte wohl ein höherwertiger Eindruck erweckt werden, indem beim Wort "Stainless Steel Back", das "Back" weggeschliffen wurde. So könnte ein Laie denken dass das gesamte Gehäuse aus Stahl gefertigt sei. Übel und billig!

Parallel zu meiner Arbeit fragte ich hier im Dugena-Forum nach, ob jemand diese Referenz kennen würde. Gleichzeitig fragte ich auch bei Dugena an.
Von einem Forianer erhielt ich einen excellenten Einblick in die jüngere Dugena-Geschichte, für den ich mich hier noch einmal herzlich bedanken möchte!
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Die Revision des Basiswerkes, einem ETA 2892A2, verlief problemlos. Hier war technisch noch alles in Ordnung, bis auf einen fehlenden Stopphebel für die Unruh. Der wurde wohl schlichtweg vergessen wieder einzubauen. Ich spendierte dem Werk zusätzlich eine neue Zugfeder.
Auch einige Schrauben waren oberflächlich unschön zerkratzt. Hier polierte ich deren Köpfe und bläute sie thermisch.
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Beim aufgesetzten Modul von Soprod musste ich mich allerdings etwas wundern. Zunächst befürchtete ich, dass ich bei der Gangreserve auf Ersatzteile angewiesen sein würde, was bei einem seltenen Modul so gut wie unmöglich ist.
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Als ich das Zahnrad für die 24-Std.-Anzeige abnahm, erschienen darunter die 2 fehlenden Teile der Gangreserve!
Hier wurde also reichlich herumgebastelt!

Glücklicherweise wurden bei dieser Aktion keine Teile beschädigt. Ich musste nur ein aufgeklebtes Plättchen vom ringförmigen Stahlhebel entfernen. Denn das hat hier nichts zu suchen!
(der, welcher an dieser schönen Uhr "gebastelt" hat, liebt offenbar Klebstoff!)
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Nach der Revision des Basiswerkes mit guten Gangwerten konnte ich das jetzt wieder voll funktionsfähige Modul aufsetzen.
20210110_210241.jpg

(Ranfft)
Ich wollte ganz sicher gehen und unterzog dem gesamten Werk ausgiebige Funktionsprüfungen. Sowohl des Basiswerkes als auch der 24-Std.-Anzeige, welche sich übrigens unabhängig vom laufenden Werk stundenweise vorstellen lässt, durch die in die 1. Position gezogene Krone und eine Drehung im Uhrzeigersinn. Anders herum lässt sich wie beim Basiswerk das Datum verstellen.

Dann trafen auch die neuen Gläser samt Dichtungen ein, sodass ich diese einsetzen konnte. Das macht schon mal optisch einen besseren Eindruck als Klebenähte.
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Zur Fertigstellung traf dann auch eine Antwort von Dugena ein, über die ich mich sehr gefreut habe.
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Es muss sich um eine seltene Referenz handeln. Für diese Marke waren im Jahr 1990 1100 Deutsche Mark sehr viel.
Für meine damalige kleine Wohnung immerhin fast 3 Monatsmieten!
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Typische 90er-Abmessungen: 36 mm und mit gewölbten Glasboden ca. 12 mm hoch.
20210128_162208_resized.jpg

Eine nobel wirkende Dugena mit thermisch gebläuten Zeigern.
Sowas wird von dieser Marke nicht mehr gebaut!
 
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BSBV

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Hallo Hans.

Die Uhr ist echt toll geworden. Klasse Arbeit. Hat sich gelohnt, und ich habe dazu gelernt, denn das Candino für Dugena gefertigt hat, das war mir neu. Kommt aber mit meiner Einschätzung hin, und irgendwo mussten die Uhren ja dann gefertigt wurden sein.

Auf jeden Fall ein schönes Stück der Dugena-Zeit und dessen Fertigungsgeschichte.
 
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Gast52069

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Hallo Hans.

Die Uhr ist echt toll geworden. Klasse Arbeit. Hat sich gelohnt, und ich habe dazu gelernt, denn das Candino für Dugena gefertigt hat, das war mir neu. Kommt aber mit meiner Einschätzung hin, und irgendwo mussten die Uhren ja dann gefertigt wurden sein.

Auf jeden Fall ein schönes Stück der Dugena-Zeit und dessen Fertigungsgeschichte.
Vielen Dank!
Und mit 31 Jahren auf dem Buckel schon Vintage!
Ich kann's kaum glauben, war ich da doch schon 30 Jahre alt und bezeichnete Uhren von 1960 auch schon als Vintage!

Die Zeit rast! Umso schöner, dass ich mit diesem Exemplar wieder ein Stück meines jungen Erwachsensein erhalten konnte.

Schade das sich Dugena von höherwertigen Referenzen de facto verabschiedet hat.
 
BSBV

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Schade das sich Dugena von höherwertigen Referenzen de facto verabschiedet hat.

Das lag meiner Meinung nach daran, das zuerst Dugena die Uhr des normalen Mannes war. Also, die Uhr der Arbeiterklasse, ohne abwertend zu sein.

Eine Dugena-Uhr sollte sich Jeder leisten können. Das hatte sich in den Köpfen eingebrannt.
Die späteren Eigner hatten einfach den Anschluss verpasst, und ohne gute Werbung lief damals auch schon nichts.

Einige Modelle teurer herstellen lassen, und in die Schaufenster legen reicht(e) nicht.
 
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Gast52069

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Das lag meiner Meinung nach daran, das zuerst Dugena die Uhr des normalen Mannes war. Also, die Uhr der Arbeiterklasse, ohne abwertend zu sein.

Eine Dugena-Uhr sollte sich Jeder leisten können. Das hatte sich in den Köpfen eingebrannt.
Die späteren Eigner hatten einfach den Anschluss verpasst, und ohne gute Werbung lief damals auch schon nichts.

Einige Modelle teurer herstellen lassen, und in die Schaufenster legen reicht(e) nicht.
Das erinnert mich an Seiko. Für die war's auch sehr schwierig, außerhalb Japans vom billigen Kaufhausimage wegzukommen.
Heute bieten sie von Uhr für Jedermann bis sehr hochwertig eine breite Palette.
Das wäre Dugena nur schwer gelungen.

Heute werden Uhren mit dem Soprod 9035 ab 1290 Euro aufwärts angeboten.
In Deutschland von Otto Schlund (ehem. OSCO), aus der Schweiz von Baume et Mercier.

Aus der Liga hat sich Dugena wohl endgültig verabschiedet.
 
falko

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Dugena wird oft mißverstanden. Früher war Dugena eine Genossenschaft, die ihre Mitglieder im Fachhandel mit Uhren verschiedenster Preisklassen beliefert hat. Man achtete zwar immer auf ein gewisses Qualitätsniveau, hatte aber auch hochwertige Schweizer Uhren im Angebot. Diese waren immer Dugena-gelabelt, ansonsten oft aber baugleich mit Uhren bekannter Marken.
Heute ist Dugena nur noch eine Marke, die vom ehemaligen Bekanntheitsgrad zehrt. Leider ist das Image von Massenware geprägt und solche bietet man auch an.
Da der Uhren-Fachhandel ausstirbt, hat sich auch der Genossenschaftsgedanke erledigt.
 
Goldstadtjung

Goldstadtjung

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Hallo Hans,

meinen Respekt. Eine ganz phantastische Arbeit. Superklasse von Dir bebildert und beschrieben.

Eine schöne hochwertige Dugena. Danke fürs Zeigen.
 
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Gast52069

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Dugena wird oft mißverstanden. Früher war Dugena eine Genossenschaft, die ihre Mitglieder im Fachhandel mit Uhren verschiedenster Preisklassen beliefert hat. Man achtete zwar immer auf ein gewisses Qualitätsniveau, hatte aber auch hochwertige Schweizer Uhren im Angebot. Diese waren immer Dugena-gelabelt, ansonsten oft aber baugleich mit Uhren bekannter Marken.
Heute ist Dugena nur noch eine Marke, die vom ehemaligen Bekanntheitsgrad zehrt. Leider ist das Image von Massenware geprägt und solche bietet man auch an.
Da der Uhren-Fachhandel ausstirbt, hat sich auch der Genossenschaftsgedanke.
Ich hatte Anfang 1990 auf einem Flug nach Hong Kong Herrn Seeberger, dem damaligen Chef der Dugena, kurz kennengelernt. Dabei hatte ich den Eindruck das er höherwertigen Uhren unter dem Namen Dugena gegenüber nicht abgeneigt war.
Diese Referenz ist ein Beispiel dafür.
Nur leider verlief dann die Geschichte anders.
Das Image der Massenware wurde Dugena nicht los.
Denn ich glaube, dass auch 1990 kaum jemand bereit war, 1100 DM für diesen Namen zu bezahlen. Auch wenn da der Trend wieder stark zur Mechanik ging.
 
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Gast52069

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Hallo Hans,

meinen Respekt. Eine ganz phantastische Arbeit. Superklasse von Dir bebildert und beschrieben.

Eine schöne hochwertige Dugena. Danke fürs Zeigen.
Vielen Dank!
Ich befürchtete zu Anfang meiner Arbeit, dass ich aufgrund des augenscheinlich fehlenden Zahnkranzes, sowie des Messingrades für die Gangreserveanzeige, diese Uhr weiterhin ohne diese fertigstellen müsste. Denn für dieses Modul Ersatzteile zu finden ist so gut wie unmöglich.
Als ich dann aber die 24-Std.-Anzeige demontierte, fand ich besagte Teile "verbastelt" unter dem eigentlichen Rad der Anzeige!
Ich konnte mir ein ungläubiges Kopfschütteln nicht verkneifen!
Da hatte jemand nun wirklich keine Ahnung!
 
Gevril

Gevril

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Hallo miteinander,

hier ein weiterer Vertreter mit diesem Uhrwerk. Candino lieferte damals auch für Rivado und Alpina.

SANY0212.JPG
 
Thema:

Dugena Automatik Soprod 9035 v. 1990

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