Dürrstein-Chronograph oder was?

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Nachdem ich mir einen Stauffer-Chronographen zugelegt habe und die Stauffer Uhrwerke dieser Chronographen zielsicher erkenne, bin ich bei meinem Internetfischen an der Bucht auf ein Stück dieser Sorte gestoßen, bei dem ich mir nicht sicher war. Es war auch ein sehr fein ausgearbeitetes Werk ohne Signatur, aber nicht typisch für Stauffer.
Deshalb habe ich bei pocket-watch nachgeschaut und musste gar nicht lange suchen, denn schon bei dem Buchstaben „d“ für Dürrstein wurde ich fündig. PocketWatch - Technik Taschenuhren-Kaliber Drrstein
Auch bei „mikrolisk“ habe ich einen Dürrstein-Chronographen entdeckt, leider unsigniert wie bei meiner Uhr. http://www.mikrolisk.de/content/horologium.fotos/lugrin_werk.jpg
Im Internet habe ich dann noch einige signierte Dürrstein-Chronographen bei einer Bildersuche entdeckt.
Dann habe ich mich noch über die Person „Dürrstein“ informiert. index
Da der Preis für meinen Chronographen lange Zeit sehr niedrig lag, habe ich mein Maximalangebot abgegeben und den Zuschlag erhalten.
Was bedeutet nun „Dürrstein“?
Er war ein Uhrenhändler im großen Stil, der vor allem in der Schweiz hochwertige Uhren eingekauft hat und sie unter seinem Label z.B. nach England weiterverkauft hat. Da er auch Lange-Uhren vertrieben hat, werden die Uhren mit seiner Signatur gerne als Lange-Uhren gehandelt, was natürlich oftmals, wie auch in meinem Fall nicht stimmt.
Auf dem Werk meiner Uhr konnte ich keine Signatur erkennen. Nur in den Silberdeckeln ist in einem vertieften Rechteck ein erhabenes A . G zu sehen.
Darunter finde ich bei „Mikrolisk“ nur diese Schweizer Firma: Montres Valgine/Ali Guenand Les Breleux, Schweiz Mikrolisk - was Feines für die Tasche... - Das Informationsportal rund um die Taschenuhr!
Ihr wird nachgesagt, dass sie für große Schweizer Uhrenmarken (Longines) Uhren produziert hat.
 

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holger 57

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Harz
Hallo Uhrenfreak,
einen schönen silbernen Taschenchrono zeigst Du da.
Leider kann ich Deinen Argumentationen bei der Recherche nicht folgen.
Das Werk, das Gehäuse und sicher auch die Uhr wurden in der Schweiz hergestellt.
Ich sehe allerdings keine Verbindung zu Dürrstein als Großhändler.
Die Buchstaben A.G. würde ich dem Gehäusehersteller zuordnen - während ich Ali Guenat & Fils nach den Infos im Pritchard als Werkhersteller bezeichnen würde.
Die englische Beschriftung auf dem Unruhkloben und die Feingehaltsmenge 935 deuten für mich auf ein Lieferland, in dem diese Bezeichnungen/Feingehalt gängig war.
Gruß Holger
 
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Hallo Holger,

ja das sehe ich auch so. Nur gibt es mindestens 5 Taschenuhrchronos im Internet zu finden, die mit Dürrstein gezeichnet sind und genau das selbe Uhrwerk besitzen. Deshalb muss der Hersteller dieser Uhren ein und dieselbe Firma sein und Dürrstein hat sie auch von dort bezogen, mit seinem Label versehen und weiterverkauft. Deshalb habe ich gehofft, dass über die Buchstaben A.G der eigentliche Hersteller zu finden sei. Auch fällt mir auf, dass die Gehäuse bzw. die Zifferblätter dieser Uhren sich sehr ähnlich sind. Deshalb vermute ich, dass Gehäuse und Werk aus einem Haus stammen.
Bisher hat sich wohl noch kein Besitzer solcher Uhren die Mühe gemacht nach dem eigentlichen Hersteller zu forschen, denn "Dürrstein" klingt wertvoller als "A.G"

Gruß Willy
 
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moskau

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Hallo!

Vielleicht sollte ich vorrausschicken, dass ich von Chronographen weniger verstehe, wie ein Veganer von der argentinischen Rinderzucht.

Aber der Chronographenspezialist Hans Weil, der sich lange Zeit ausgesprochen kompetent in die Materie eingearbeitet hat, ordnet dieses Werk offensichtlich A.Lugrin(Lemania) zu.
Siehe hier - zweites Werk von oben.

Die Marke 'A.G.' ist mit Sicherheit lediglich der Gehäusehersteller.

Dass die Uhr, wie Holger schon andeutet und nachvollziehbar argumentiert, für den englischen Markt konzipiert war, ist wohl offensichtlich. Nicht nur der Bezeichnungen und des Silbergehalts wegen - auch die Gehäuseform ist durchaus britisch.

Wie auch immer - eine wirklich schöne Uhr in grossartiger Erhaltung.
Meinen Glückwusch!

Grüße, Harald

Nachtrag:

..."Dürrstein" klingt wertvoller als "A.G"
Warum Dürrstein generell ein klingender Name für Wertvolles sein soll, ist mir ein wenig rätselhaft (nimmt man die 'Union Glashütte/Sa' Produkte bis Mitte der 20er und die vertriebenen Lange Uhren mal aus).
Für mich steht dieser Händler sonst in erster Linie für eingeschalte schweizer Massenware - der - sagen wir mal, unteren bis Mittelklasse
(Das wohl prominenteste Beispiel sind die 'Glocken-mit-was-weiss-ich-wieviel-Sternen', ein oberflächliches Glashütte look-a-like schweizer Herkunft, deren technisches Niveau sich zu wirklichen Glashütter Uhren verhält, wie das literarische eines Strafzettels zur Lyrik von Gottfried Benn.
Schliesslich war es ja auch irgendwann Konzept des Händlers, 'bezahlbare' Uhren in einer wirtschaftlich nicht gerade rosigen Zeit anzubieten.)
 
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Uhrenfreak

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Hallo Harald!

Auch als Veganer hast Du wieder das richtige Rezept für den Sonntagsbraten gefunden. :klatsch:
Deine Antwort ist überzeugend und gut belegt. Dass die Uhr für den englischen Markt bestimmt war, ist mir schon klar. Das kann man an der Silberstempelung erkennen. Auch habe ich die Uhr an der englischen Bucht ersteigert und 935siger Silber ist ziemlich britisch.

Auf dem Silberdeckel erkennt man per Hand eingeritzte Ziffern. Sie könnten die Jahreszahl 1887 bedeuten. Das wäre wohl theoretisch möglich, aber eher unwahrscheinlich. Denn die Ausführung des Werkes wirkt perfekter als die bei der von Dir gezeigten Lugrin-Uhr. Deshalb wird sie doch wohl eher aus einer späteren Produktion stammen. Was meint Ihr dazu?

Hallo Holger, Du hast ja gleich gesagt, dass das „A.G“ eher nicht für den Werkshersteller steht, sondern das Logo für den Gehäusebauer sein muss. Vielleicht bekommen wir den ja auch noch raus. Dank für Deine Antwort und Dein Lob.:-P

Übrigens hat meine als einzige der im Internet zu findenden Chronographen dieser Art (Lugrin) solch einen Kronendrücker. Die anderen besitzen noch einen erhabenen Mittelstift innerhalb der Krone.

Gruß Willy
 
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Tüdlüdü

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Hallo Willy,

das Kompliment mit dem schönen Chronographen gebe ich gerne zurück :-) Ich hatte diesen Thread schon vor meiner Anmeldung hier entdeckt aber leider einen zu engen Fokus auf das Uhrwerk und einfach zu selektiv gelesen. Gerne helfe ich dir bei der Herkunftsbestimmung.

Du musst überhaupt nicht orakeln, deine Lösung sind die Hallmarks - also die englischen Silberpunzen. Ich habe die im Museumspraktikum kennengelernt und sie dürften sich nicht von denen anderer Silberwaren des Königreiches unterscheiden. Ich habe mich zwar nie weiter mit ihnen beschäftigt, jedoch sollte es dir mit entsprechenden Tabellen möglich sein die Verkaufs- oder Importregion und das Jahr der Inverkehrbringung zu bestimmen. Außerdem auch, ob das Gehäuse heimischer Produktion entstammt oder auch ein Importprodukt ist, ab ca. Mitte des 19. Jahrhunderts existierten Regelungen u. a. für die Kennzeichnung von importierten Feinsilberwaren. Da müsste dein Schmuckstück zeitlich locker reinpassen :-)

Gruß,
Alexander
 
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pet.sch

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....Du musst überhaupt nicht orakeln, deine Lösung sind die Hallmarks - also die englischen Silberpunzen. ....... jedoch sollte es dir mit entsprechenden Tabellen möglich sein die Verkaufs- oder Importregion und das Jahr der Inverkehrbringung zu bestimmen. Außerdem auch, ob das Gehäuse heimischer Produktion entstammt oder auch ein Importprodukt ist, ab ca. Mitte des 19. Jahrhunderts existierten Regelungen u. a. für die Kennzeichnung von importierten Feinsilberwaren. Da müsste dein Schmuckstück zeitlich locker reinpassen :-)
Hallo Alexander,
da passt es rein, aber dass ist leider nur die Theorie. Die Regelungen existierten, wurden aber damals in England reihenweise von Uhrenimporteuren umgangen. In einem bestimmten Zeitraum sollten die importierten Silbergehäuse außer den englischen Hallmarks ein F tragen (wahrscheinlich für "foreign"). Später war es ein Zeichen, etwa wie ein umgekehrtes Omega.
Trotz dieser Regelungenund Vorschriften findet man massenweise in England damals eingeführte Uhren mit schweizer Gehäusen, die keine solche Punzen tragen, sondern wie es mir hier auch aussieht, nur einen Feingehaltsstempel und das schweizer Silberzeichen für Silber über 875er, den Bären. Oder mit dem Wort "finesilver"

Gruß
Peter
 
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Tüdlüdü

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Trotz dieser Regelungenund Vorschriften findet man massenweise in England damals eingeführte Uhren mit schweizer Gehäusen, die keine solche Punzen tragen, sondern wie es mir hier auch aussieht, nur einen Feingehaltsstempel und das schweizer Silberzeichen für Silber über 875er, den Bären. Oder mit dem Wort "finesilver"

Gruß
Peter
Ist nicht nur bei Uhren so :-)

Der Bär ist mir anfangs nicht so aufgefallen, dann ist die Herkunft geklärt. Und jetzt müsste man einen Blick in die alten Rechtsvorschriften bekommen, ob ein Importstempel bei bereits im Ausland gepunzten (also offenkundig importierten) Gütern nicht unterlassen werden konnte. Zur Gängigkeit dieser Praxis:
There may also be additional marks from the country of origin such as a bear rampant (standing on his back legs), and 0.935 (a Swiss standard for silver purity) which you can see in the case back of my grandfather's Rolex on my Rolex page. A Swiss law which came in to force in 1880 required that items made from precious metals should be tested and have Swiss hallmarks, and these are seen on items imported between 1880 and 1907. Most imported gold and silver watches after 1907 have only the British hallmarks. It appears that once the law requiring imported watches to have UK hallmarks was enforced, the Swiss makers stopped submitting them for Swiss hallmarking. There was no sense in paying to have items hallmarked twice.
Quelle

Der letzte Satz impliziert, dass man auf eigene Hallmarks wohl gerne verzichtet hat.

Für Willys Uhr ist eigentlich nur relevant:
- Kein Billmark (Herrscherprofil), also nicht vor 1890 importiert. Lugrins Patent CH-359 für die Chronographenfunktion ist von 1893.
- A.G wird das Sponsormark sein.
- das letzte Hallmark rechts scheint mir nicht ein zweiter Bär, sondern der "Sterling-Löwe" zu sein.
- die Punze in der Mitte: Ich kann nicht erkennen ob das ein Buchstabe ist und welcher (ja ich habe schlechte Augen, den Bären habe ich ja auch gleich mit einem Löwen verwechselt). Die Eingrenzung dürfte nun aber leichter fallen, da man ein Zeitfenster von 14 Jahren der jeweiligen Offices abprüfen muss.
 
Uhrenfreak

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Vielen Dank Alexander, dass du für diesen alten Faden so viel Arbeit und Zeit investierst. Eigentlich sollte es doch mehr um deinen Chrono gehen.
Trotzdem zeige ich hier ein etwas besseres Bild der Punzen:

DSC00536.jpg

Gruß Willy
 
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Tüdlüdü

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Hallo Willy,
das macht mir keine Arbeit, das reine Verfassen meines letzten Eintrags hat mehr Zeit in Anspruch genommen. Und natürlich habe ich selbst etwas davon. Je mehr sich über eure Chronographen herausfinden lässt, umso einfacher wird die Recherche für meinen eigenen. Das ungefähre Produktionsdatum wäre schon etwas. Bei dem Patent ist mir dann auch gleich beschämender Weise ein Fehler in der Angabe unterlaufen, das Patent ist von 1889 (Quelle: Hans Weil - Eintrag Lemania. Das tut der Sache keinen Abbruch, war aber vorschnell geschrieben - ich hätte mir wohl doch ein-zwei Minuten mehr Zeit für das Verfassen gönnen sollen.

Zu deinen Photos, ich kann nach wie vor nichts erkennen. Probiere es mal selbst mit der Lupe. Ich meine in der unteren Reihe zunächst den Bären, dann was in der Mitte und rechts den schreitenden Löwen zu erkennen. Und wenn sich in der Mitte tatsächlich ein Buchstabe befindet hast du einen vielversprechenden Hinweis für deine Schnipseljagd.
Gruß, Alexander
 
Uhrenfreak

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Hallo Alexander,

ja ich hatte vorhin nur ein altes Foto herausgesucht, das wirklich nicht viel hergibt.
Deshalb habe ich die Uhr aus dem Schmetterlingsschaukasten befreit und habe neue Bilder gemacht.

DSC07133.jpg

DSC07125.jpg

Gruß Willy
 
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Tüdlüdü

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Hallo Willy,
damit können auch meine Augen etwas anfangen. Ich schaue mal was sich dazu finden lässt, gib mir nur ein paar Tage Zeit, werde die Woche gut zu tun haben und da müssen Schnitzeljagden hinten anstehen.
 
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