Drumherum kaufen? Ist dieser Ausdruck korrekt oder eher Wunschdenken?

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clocktime

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Einige melden immer wieder, man solle nicht "drumherum kaufen", wenn das Ziel der Besitz einer bestimmten Uhr ist. Wenn man bereits weiss, dass man genau diese eine Uhr möchte, mag das stimmen.
Was ist aber, wenn man (zunächst?) ganz andere Intentionen mit dem Uhrenkauf hat? Man schaut sich z.B. eine DJ41 an und ist trotzdem hinterher mit der Tissot Gentleman glücklich und zufrieden.

Als ich mit der Uhrensammlerei angefangen habe, gab es hier ein oder zwei Zeitgenossen, die mir empfahlen, direkt eine Rolex zu kaufen, und nicht "erst mal was anderes". Ihr Fehlschluss war aber, dass ich Rolex gar nicht im Visier hatte.
Zu dem Zeitpunkt hatte ich eine uralte Citizen Automatic und zwei laufende Quarzer (beides Chronographen), ein dritter Quarzer war kaputt. Als aktuelle Automatik-Uhr fand eine Jacques Lemans Derby Automatic in der Box; die Jacques Lemans Liverpool Diver Automatic folgte auf einer Tour in Österreich. Kurz danach kaufte ich die Certina DJ-1 Titanium Automatic mit blauem ZB, meine erste Schweizer Automatik, da mir Certina schon immer gefallen hatte.

Na schön, wenn ich schon anfange, Uhren zu sammeln, darf das nicht zu sehr ausufern. Also musste ich mir ein paar Regeln aufstellen nebst der, dass mir die Uhr gefallen muss. Von diesen Regeln musste eine Uhr mindestens 80% erfüllen, besser mehr. Das bewahrte mich davor, zuviel Geld in verschiedene Uhrenmarken und -varianten zu investieren. Im Lauf der Zeit gab es zwar leichte Modifikationen zu diesen Regeln, aber der Grundlinie bin ich treu geblieben.

Als nächstes fand die erste Mido (Commander II) den Weg zu mir. Im selben Jahr kaufte ich mir als das Höchste meiner Gefühle eine LC, die mir nach wie vor sehr gut gefällt. Zu dem Zeitpunkt war ich der (irrigen) Meinung, ich wäre mit der Sammlung fertig, sobald noch eine weitere Mido Ocean Star 200 mit Powermatic 80 dabei wäre. Die einzige Automatic-Tissot, die den Weg zu mir gefunden hat, ist eine PR100 Powermatic 80 mit blauem ZB. Diese erfüllte zwar die erwähnten Regeln zu 100%, war aber dennoch ungeplant.
Im Lauf der Zeit erwarb ich diverse weitere Automatik-Uhren, die in das Regel-Schema passten. Bei der oben erwähnten Jacques Lemans Derby habe ich bei einem Uhrmacher das Hardlexglas gegen Saphirglas ohne Lupe austauschen lassen, weil mich die Lupe genervt hat.
Es hat nach dem Anfang der Uhrensammel-Leidenschaft mindestens zwei Jahre gedauert, bis mir eine Rolex gefiel und ich diese gekauft habe.

Ich habe nicht drumherumgekauft. Die Rolex erfüllte die 80%-Regel von Anfang an, aber es dauerte einige Zeit, bis sie mir gefiel. Es hätte aber auch anders ausgehen können - mit einer anderen Marke oder gar dem Ende der Sammelleidenschaft.

Hier hat es einige, die sich als Exit-Uhr eine teure Uhr geholt und den ganzen anderen "Uhrenkram" verkauft haben. Schon möglich, dass sie vorher "drum herum gekauft" haben. Alle anderen, die nach wie vor eine oder mehrere Uhrenboxen voll diverser Uhren haben, erfreuen sich hoffentlich nach wie vor an ihren Uhren. Dabei ist es egal, ob es sich um "billige Ticker" oder teure "hochwertige Luxusuhren" handelt. Die stehen dem Begriff des "Drumherum-Kaufens" vermutlich ebenfalls skeptisch gegenüber.
Wie seht Ihr das?
 
T. Freelancer

T. Freelancer

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Genau wie Du im letzten Absatz schreibst. Erfahrung sammeln ist alles und kann man nur selbst machen. Eine bestimmte Marke ins Zentrum zu stellen auf die alles zuläuft, ist eben mit Scheuklappen durch die Uhrenwelt irren.
Von daher: ich kann mich an einem Seiko Mod auf NH35 Basis, einer G-shock und einer Militäruhr aus Ende der 40er Jahre immer noch erfreuen. Wo habe ich da bitte schön um irgendetwas herum gekauft?
Bei der Letztgenannten kann ich noch nicht mal von Kaufen sprechen: sie drängte sich quasi auf :ok:
 
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CertinaLover

CertinaLover

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Ich verstehe unter drummherumkaufen wenn man z.b. gerne eine Rolex Submariner möchte, sich aber aus welchen Gründen auch immer mit Homagen oder Ähnlichen versorgt, bis man nach oft zig dieser Uhren draufkommt, man hätte sie gleich kaufen sollen.

Oft kommt es aber auch darauf raus, daß man eben erst so wie Du schreibst sich mit vielen Uhren aller Preisklassen und verschiedensten Stilrichtungen versorgt und dann den Stil und die Marke findet, die man möchte.

Zweiteres habe ich gerne gemacht, auch wenn es kostspielig wurde. Aber das ist ja das Schöne an diesem Hobby ;-)
 
gandalf123

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Kann dir nur zustimme. Egal ob ich günstige Uhren wie meine Orient, Seiko usw., oder mittelpreisige wie Mido, Rado und Konsorten kaufe, tue ich das nicht weil ich insgeheim die eine teure haben möchte, sondern weil mir die Uhren gefallen und das P/L Verhältnis für mich stimmt.

BTW: Ich habe auch mit Jaques Lemans angefangen, die sind aber mittlerweile alle verkauft.
 
bachmanns

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Ich habe einmal drumherum gekauft: es sollte unbedingt eine Speedmaster werden, aber erstens mochte ich damals Handaufzug nicht und wollte eine Automatik und war zweitens der Meinung, daß mir die Moonwatch zu groß wäre. So habe ich mir statt der Professional eine Reduced gekauft

Das entpuppte sich aber alles als Irrtum:) Im Frühjahr habe ich nun die Reduced verkauft und mir im Sommer die Moonwatch gekauft. Jetzt hat die liebe Seele endlich Ruh‘.

Leider war der Irrtum sehr teuer: für das Geld der Reduced plus deren anschließender Revision hätte ich damals noch eine neue Moonwatch bekommen. Der Verkauf der Reduced brachte jetzt einen ordentlichen Verlust und die Moonwatch war in der Zwischenzeit auch noch rund einen Tausender teurer als 2017.

„Aus Fehlern lernt man“ und „Lernen durch Schmerz“ :)
 
Mueller27

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Der Ausdruck des "Drumherumkaufens" ist korrekt und dürfte in der Praxis bei vielen hier, auch bei mir, auftreten.
Es ist eine der ersten Dinge und Begrifflichkeiten die ich hier nach dem Anmelden im Forum gelernt haben.

Wobei ich besagtes Drumherumkaufen gar nicht negativ sehe. Im Grunde ist das eine coole Sache.

Auch das immer wieder wortgreich beklagte "Geldverbrennen" gibt es in der Realität - wenn man immer gebraucht kauft - nicht wirklich, zumindest nicht in den Jahren, in denen das allgemeine Preisniveau von Uhren, vor allem im Vintagebereich über alle Marken hinweg kontinuierrlich gestiegen ist, und das war in den letzten 15 Jahren ja eigentlich immer der Fall.

Was wäre es langweilig, wenn man sich einfach schnurstracks seine Exitwatch beim Konzi holt.

Und jeder weiß:
Ein Downgrading ist schwierig, wer einmal den teuren Ticker besessen hat, wird dann in der Regel an der günstigen Variante keine echte Freude haben.
Andersrum geht es aber wunderbar: Und so steigt mancher - obwohl das Geld von Anfang an da wäre - eben ganz bewusst klein ein, und steigern sich dann. Und genießt die Freude bei jedem Modell-Upgrade aufs Neue. Sowas wie eine über Jahre hinausgezögerte Vorfreude.
 
T-Freak

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Hatte ich zwar kürzlich schon anderswo geschrieben, passt aber:

Ich habe 17 Jahre um meine Traumuhr - eine Breitling Navitimer - herumgekauft. So zogen bei mir immer wieder Uhren mit Rechenschieberlünette ein, es müssen unzählige gewesen sein. Als ich mir im Herbst 2017 dann endlich meine Navitimer B01 46 holte, war ich für einen ganz kurzen Moment happy und dann lag die Traumuhr fast nur noch in der Box herum.

Warum?

Zum einen war mir diese teure Uhr für viele Gelegenheiten zu schade oder aber ich wollte nicht unangenehm damit auffallen. Dann kam noch dazu, dass ich sie entgegen meiner Vorliebe für Stahlbänder am Lederband gekauft habe. Vor ca. einem Jahr dachte ich gar über einen Verkauf der praktisch unbenutzten Uhr nach.

Anfang diesen Jahres habe ich die Uhr mit dem sündteuren Stahlband nachgerüstet. Seit dem bin ich mit der Uhr versöhnt und sie nimmt definitiv den Königsplatz in meiner Sammlung ein. Zwar ist sie mit dem Stahlband noch viel auffälliger, aber ich habe relativ gut gelernt damit umzugehen, Luxusuhren am Handgelenk zu tragen und missbilligende Blicke zu ignorieren. Zudem sind mit der Navitimer bei mir jegliche Hemmungen zu teuren Uhren gefallen und die Kaufintervalle werden ebenso kürzer wie die Uhren teurer werden.

Ich schätze, dass meine Kurzgeschichte ziemlich typisch und beispielhaft für viele Uhrenwahnsinnige hier im Forum ist.
 
certinho

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Ich glaube da gibt es verschiedene Ansätze.
1. Man will eine bestimmte Uhr, kann (a) oder will (b) aber nicht soviel Geld ausgeben und kauft eine ähnliche günstigere.
(a) Es ist nicht sinnvoll dann den Personen zu raten "Spare doch 5 mal soviel für das Original, sonst bist du nicht zufrieden"
(b) Auch hier sollte man die Budgetvorgabe akzeptieren. Meiner Meinung nach, hat es mit dem eigenen Bezug zu Uhren zutun, ob man mit einer günstigeren Uhr zufrieden ist.
  • Jemand hat eine Uhr gesehen die ihm gefallen hat, hat aber nicht so den Bezug zu Uhren. Er wird wahrscheinlich genauso glücklich mit einem lookalike, das Original ist es ihm nicht wert, obwohl er es sich leisten könnte.
  • Jemand steht sowieso auf Uhren und verliebt sich in eine bestimmte Uhr. Hier ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass er irgendwann das Original erwerben wird.

Vorallem am Anfang ist es meiner Meinung nach nicht immer sinnvoll voll einzusteigen. Ist man nicht "geübt" im Uhren tragen, so wird die Uhr Spuren davontragen, ausserdem passiert es glaube ich oft am Anfang, dass einem etwas gefällt, steigt man jedoch tiefer in die Materie ein, so entwickelt sich der Geschmack evtl. in eine andere Richtung. Dann ist es kein drumrumkaufen, sondern Erfahrung sammeln.

2. Man findet eine Uhr, die einem gefällt und kauft diese, ohne den Gedanken zu haben das Original besitzen zu wollen, bzw. zu wissen, dass es ein Original gibt.
- Man kann glücklich werden oder irgendwann vielleicht doch das Original wollen. Das hängt davon ab, welche Einstellung man zu solchen Sachen (unbedingt das Original besitzen zu müssen) hat und wieviel Interesse man für Uhren hat.
Als Schlussfolgerung finde ich, kann man nicht genau sagen, wer am Ende bei welcher Uhr endet und ob es drumrumkaufen ist oder Erfahrung sammeln. Das ist sehr individuell. Was ich nicht mag und schrecklich finde ist folgendes Szenario.
"Suche Diver bis 1000 Euro"
- Kauf dir eine Sub, alles andere ist drumrumkaufen und du wirst nicht glücklich.
Solche Antworten sind völlig realitätsfern, kommen jedoch hier im Forum oft vor.
 
PAM127

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Kauf dir eine Sub, alles andere ist drumrumkaufen und du wirst nicht glücklich.
Solche Antworten sind völlig realitätsfern, kommen jedoch hier im Forum oft vor.
Erstaunlicherweise führen diese Antworten aber oft zu dem Geratenen und man fragt sich, wieso man vorher seitenweise die verschiedensten Optionen vorgestellt und besprochen hat.
 
certinho

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Erstaunlicherweise führen diese Antworten aber oft zu dem Geratenen und man fragt sich, wieso man vorher seitenweise die verschiedensten Optionen vorgestellt und besprochen hat.
Ich denke das hat viel damit zutun, wie weit budgetmäßig das Original entfernt ist. Ganz oft ist es halt völlig unpassend, wie ich finde.
  • Gefällt mir die Steinhart für 400,- und ich habe kein riesen Interesse an Uhren, werde ich mir nie eine Sub für 9000,- kaufen.
  • Habe ich Interesse für Uhren und verdiene 2000 Euro monatlich, habe Kinder und Familie, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass ich mir irgendwann eine Uhr für 9000 kaufe, obwohl die mir gefällt. Da kommen zuerst Kinder, Urlaub mit der Familie, benötigtes Auto, evtl. Haus usw. Wieso soll ich dann mit einer Alternative nicht glücklich werden?
Ich gönne jedem seine Uhr, das Forum lebt von den tollen Berichten und Fotos, aber manche haben halt den Bezug zur Realität verloren und sehen nicht, dass es Leute mit Familie und weniger als 10000 Nettoeinkommen im Monat gibt.
Die Beträge sind nur beispielhaft.
 
Kronenfan

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Dieses "drumherum kaufen" hat es bei mir weder in der Vergangenheit gegeben, noch aktuell. Als langjähriger Uhrenliebhaber und -sammler mit über 40 Jahren Erfahrung habe ich von Anfang an immer viel Zeit investiert, um mich am Markt umzutun, mir für verschiedene Marken und Modelle auf allen verfügbaren Wegen Informationen zu beschaffen und dann zu entscheiden, ob eine bestimmte Uhr meine Erwartungen erfüllt und in die Sammlung passt. Das schloß Fehlkäufe weitestgehend aus.
Von Anfang an habe ich mich nicht auf bestimmte Marken oder Modelle festgelegt, allerdings haben sich im Laufe der Zeit Prioritäten und damit Häufungen ergeben, so dass inzwischen 27 Rolex, 26 Sinn, 19 Breitling, 16 Orient, 13 Omega, 11 Seiko, 11 Tudor und 39 Russenuhren sowie Uhren vieler anderer Marken und Modelle in meiner Sammlung von aktuell 375 Uhren vertreten sind.

Da ich finanziell zum Glück nie Engpässe hatte, musste keine Uhr für eine andere weichen, weil es an Budget gefehlt haben könnte. Uhren flippern ist auch nicht mein Ding und so wuchs die Sammlung auf ihren heutigen Umfang.
 
Ruebennase

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"Suche Diver bis 1000 Euro"
- Kauf dir eine Sub, alles andere ist drumrumkaufen und du wirst nicht glücklich.
Solche Antworten sind völlig realitätsfern, kommen jedoch hier im Forum oft vor.

Ich persönlich finde diese hier schon so gelesenen Äußerungen einfach nur engstirnig und borniert. Aus meiner Sicht heraus ist dieser Antworter davon überzeugt ist das seine Weltansicht bzw. Wahrnehmung die einzig Richtige auf der Welt ist.
Wäre ich Vermögender stände da bei mir persönlich eine ganz andere Uhr auf dem Zettel und so wie es ist kaufe ich was mir gefällt und im Spielgeld -Budget liegt. Ist es versenkt. dann ist es eben so und tut nicht weh. Das wird die Zeit zeigen und man ist um eine Erfahrung reicher. Ich hätte keine Lust ewig und drei Jahre auf eine einzige Uhr zu sparen und erst recht nicht auf die, die laut marktlage "Alle haben wollen" .

Grüße Rübe
 
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xenonrot

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Ich hab mir nie etwas aus Uhren gemacht. Das teuerste an meinem Handgelenk war eine Swatch. Eines Tages sah ich dann eine Tudor Sub in der Auslage beim Konzi im Abverkauf ( Ja, das gab es in den 90er-Jahren..:D ) 13.000 Schilling statt 26.000 Schilling. Ich hab sie probiert und es war Liebe auf den ersten Blick. Damals waren aber 13.000S nicht nur für einen Studenten viel Geld.
Bin ab zur Bank, hab die 13k abgehoben und der netten Dame versprochen, dass wenn sie mir die Uhr für 11k verkauft, ich meine erste echte Rolex bei ihr kaufen werde sobald ich das Studium abgeschlossen habe und gut verdienen werde.
"Wenn sie mir das versprechen, gerne!"
Ich hab mein Versprechen gehalten - wieder und wieder und wieder und wieder.
Erst vor ein paar Tagen hab ich mein Treuegelübte der Marke gegenüber mit einer GMT BLRO erneuert. EIn "drumherumkaufen" ist mir nie in den Sinn gekommen. Edit: natürlich kannst du "Rolex" gegen jede beliebige Uhrenmarke tauschen, darum geht es mir nicht.
Da halte ich es mit Khalill Gibran:

„Wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil. Und wenn ihre Flügel dich umhüllen, gib dich ihr hin, auch wenn das unterm Gefieder versteckte Schwert dich verwunden kann. Und wenn sie zu dir spricht, glaube an sie, auch wenn ihre Stimme deine Träume zerschmettern kann wie der Nordwind den Garten verwüstet.“
 
L

Leopard

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Das Problem ist meistens jenes, dass der Rat mit dem "Kauf nicht drum herum" zwar tendenziell richtig ist, jedoch oft nicht umsetzbar.

Viele Anfänger beginnen ja mit "Mir gefällt Uhr xy, ich möchte bzw. kann aber nur 500€ ausgeben." Bsp. es gefällt die Submariner, wird dann aus monetären Gründen allerdings doch die günstige Hommage. Diese Leute könnten sich ja das "nicht drumherum kaufen" gar nicht leisten, somit würden sie sonst wahrscheinlich nie mit mechanischen Uhren in Berührung kommen.

Ist "drum herum kaufen" also schlimm? Nein, gar nicht!
Es ist wie überall, jeder fängt klein an. Aber es braucht einen Impuls zum Anfangen.
Ich habe tatsächlich auch einmal, und zwar bei meiner allerersten Automatikuhr, drum herum gekauft. Genau aus oben genannten Gründen. Letztlich trage ich die zwar nicht mehr, allerdings hat sie mich doch zu diesem schönen Hobby gebracht.
 
T-Freak

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Ich gönne jedem seine Uhr, das Forum lebt von den tollen Berichten und Fotos, aber manche haben halt den Bezug zur Realität verloren und sehen nicht, dass es Leute mit Familie und weniger als 10000 Nettoeinkommen im Monat gibt.
Die Beträge sind nur beispielhaft.
Da ich in einfachsten Verhältnissen aufgewachsen bin, ist mir das immer bewusst. Und so ganz kann ich es nicht ablegen, dass mir sehr teure Uhren am Handgelenk manchmal peinlich sind. Besonders Leuten gegenüber, die so eben mit ihren finanziellen Mitteln um die Runden kommen. Es ist zwar viel besser geworden, aber ein wenig schwingt das immer noch mit. Nach jedem Kauf einer teuren Uhr plagt mich das schlechte Gewissen, bei jedem Blick auf meine reichlich gefüllten Uhrenboxen schäme ich mich ein wenig ob der damit verbundenen Dekadenz. Diese Peinlichkeit empfinde ich mir selbst gegenüber, denn die meisten Mitmenschen realisieren das glücklicherweise ohnehin nicht.

Andererseits habe ich so viel Freude an den Uhren. Am liebsten aber ganz allein für mich. Ich müsste sie noch nicht einmal tragen um sie zu genießen. Publikum brauche und will ich dafür nicht. Deshalb mache ich in meinem Bekanntenkreis auch keinerlei Aufhebens um die Uhren. Einige wenige wissen um meine Leidenschaft. Die meisten interessieren sich ohnehin nicht dafür und sehen auch nicht den Unterschied zwischen einer billigen und einer teuren Uhr.
 
certinho

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@T-Freak
Das macht dich sympathisch, aber ich finde, dass man sich dafür nicht schämen muss. Meistens hat man es sich erarbeitet und verdient. Man sollte dann jedoch nicht jedem eine Rolex empfehlen, wenn er eine Uhr in einem bestimmten Preisbereich sucht und im Hinterkopf behalten, dass für die meisten Leute eine Uhr für 500 Euro schon Luxus ist. Es ist eben ein Unterschied, ob ein Familienvater mit normalem Einkommen 2000 Euro für eine Uhr gespart hat und und dann nochmal 4000 sparen soll. Dann zu behaupten du kaufst eh nur drumrum, ist halt auch ein bisschen Miesmacherei und könnte dem potentiellen Käufer ein bisschen die Freude vermiesen.
 
Ruebennase

Ruebennase

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Es ist aber auch durchaus zu beachten, dass nicht für Jeden Image und Luxus die Freude an einer Uhr primär bestimmt. Es kann auch ein Design sein oder einfach das Gefühl, dass genau Diese zu Einem passt.
Liebe Grüße Rübe
 
Tob-IT

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Interessantes Thema! Ich schließe mich den meisten hier an.

Ich bin noch ganz am Anfang und kann von mir behaupten, noch nicht drumherum gekauft zu haben. Sicher kommt das aber noch vor. Bspw. ein "anderer" blauer Diver, da ich mir in absehbarer Zeit keine Weißgold Submariner kaufen möchte.

Beim Drumherum-Kaufen sehe ich aktuell auch das Thema der Verfügbarkeit. Das genannte Beispiel "Suche 1000 € Diver - Spar auf ne Rolex". Hier sprechen wir vom ~ 8 fachen, wenn der Käufer bereit ist, unbestimmt lange zu warten, oder vom mind. 10-fachen, wenn er sie umgehend möchte. Das ist ja mittlerweile nichtmal mehr nur bei Rolex so. Sich aufgrund einer Ablehnung ggü. Wartelisten oder überzogener Graumarktpreise eine Alternative zu besorgen (ob Hommage oder ganz was anderes), sehe ich nicht mehr als drumherum kaufen. Wie seht ihr das?
 
Lzypher

Lzypher

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Wenn es wirklich die eine Uhr ist, die man unbedingt haben möchte und danach seinen Seelenfrieden hat, würde ich auch eher zum sparen raten. So weit die Theorie.
In der Praxis klappt es meistens aber nicht!
Bei mir war es die Speedmaster, von der ich dachte, danach ist alles gut, mehr braucht man nicht. Allerdings muss man sich als Einsteiger erstmal dran gewöhnen, mit einer 4000€ Uhr durch die Gegend zu laufen und auszublenden, dass auch mal Kratzer drankommen. Daher lag sie lange rum, bis ich die Speedy verkauft habe. Danach habe ich mich ausgetobt und alles ausprobiert, Größe, Stil, Farbe, Marke etc. was der Markt hergibt. Es sind viele Uhren gekommen und gegangen, viel Geld wurde verbrannt und bei unserer Post wurde ich mit Namen begrüßt. Ich bezeichne das heute als Lehrgeld, denn jetzt weiß ich was ich möchte und habe klare Vorstellungen, wie eine Uhr aussehen muss, damit ich sie trage. Weiterhin kann ich jetzt in aller Ruhe die Angebote hier studieren, ohne das Gefühl haben zu müssen, die muss ich jetzt haben.
Daher denke ich, gerade als Einsteiger, ist es schwer, ein drumherumkaufen zu vermeiden.
Abgesehen davon, macht es ja auch Spaß! Gibt doch nichts schöneres, man kommt nach Hause, Paket ist da, öffnet den Karton und holt die Uhr (egal welche Preiskategorie) aus der Box und legt diese um.
 
Osyrys

Osyrys

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Meine Meinung zu dem Thema sieht wie folgt aus:
Ich glaube schon, dass es bei den einen oder anderen den Fall gibt, dass er drumherum gekauft hat, doch ob das tatsächlich der Fall war, weiß man in vielen Fällen erst, wenn man sich tatsächlich irgendwann die eigentliche Wunschuhr dann auch gegönnt hat.

Was ich damit sagen will. Es gibt Personen (auch in meinen Bekanntenkreis) für die eine Rolex Sub ein großer Traum war. Zum Teil auch sehr stark wegen den Hype der auf diese Uhr zurück zu führen ist, war das Verlangen sehr groß, irgendwann mal eine solche Uhr zu besitzen. Einige von denen haben tatsächlich keine Uhren gekauft und lange dann auf diese Uhr gespart. Nach dem Kauf und nach dem sie die Uhr dann auch eine zeit lang besessen und getragen haben, kam aber doch bei manchen die Ernüchterung, dass zumindest für sie, doch nicht so viel an der Uhr dran ist, als sie die ganzen Jahre gedacht haben und so wurde die Uhr wieder verkauft. Selbst hier im Biete-Bereich sind so paar Modele in den letzten Jahren aus ähnlichen Gründen verkauft worden.

Einige wiederum haben sich eine Hommage gekauft oder Uhren, welche sehr ähnlich aussehen mit gleichen Ergebnis. Nach paar Wochen haben sie sowohl an der Hommage als auch an der Original-Rolex dann das Interesse verloren, weil sie gesehen haben, dass die Uhr einfach nicht zu Ihnen passt.

Je nach Situation würde ich es also gar nicht so sehen, dass man beim drumherum Kaufen Geld verbrennt. Diese Erfahrungen, welche man hier sammelt (vor allem wenn man hier erst mit dem Hobby anfängt) führt oft in diesem Reife-Prozess dazu, dass die jeweilige Person oft feststellt, dass die Traumuhr, welche immer ganz weit oben auf der Wunschliste stand, evtl. die falsche war und man ganz was anderes haben möchte.

Ich würde behaupten, dass dies sehr stark damit zusammen hängt, wie lange man schon dieses Hobby pflegt. Ist man länger dabei, dann hat man sich mit der Materie schon stärker befasst und weiss eher, was man tatsächlich möchte und was nicht. Bei Personen, welche gerade in dieses Hobby einsteigen oder noch nicht so lange dabei sind, denen würde ich, unabhängig von deren finanziellen Situation, nie dazu raten, gleich viel Geld für eine Uhr auszugeben, eben aus den oben aufgeführten Gründen.
 
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