Dieselbe Uhr? Sinn 757 Diapal

Diskutiere Dieselbe Uhr? Sinn 757 Diapal im Uhrenvorstellungen Forum im Bereich Uhren-Forum; "Alte Liebe rostet nicht", sagen die Leute. Sie tut es auch nicht. Es ist wider ihre Natur. Ich drehe sie noch einmal in meiner Hand. Das...
MTBTier

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"Alte Liebe rostet nicht", sagen die Leute. Sie tut es auch nicht. Es ist wider ihre Natur. Ich drehe sie noch einmal in meiner Hand. Das metallische Rauschen des Rotors dringt durch ihren massiven Körper, scheint ihm sogar einen kleinen Impuls zu geben. So klang sie schon immer, weil sie fast schmiermittellos ihren Dienst verrichtet.

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Ich erinnere mich noch an unser erstes Zusammentreffen vor fast 10 Jahren. Wochenlang lag sie bereits zuhause bezahlt und zugestellt, während ich noch im Mittleren Osten in der Wüstensonne schuftete und den Tag des ersten Kontakts herbeisehnte. Sie war meine erste richtige Uhr: Von einer namhaften Marke. Mit eigenständigem Design. Gebaut für die Ewigkeit. Glaubte ich.

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Mein Blick fällt auf den Bandanstoß. Diese kleine Macke. Es ist nicht mehr als ein Pünktchen. War es 2011 oder 2012? Ein fast 50 kg schweres Bohrwerkzeug rutscht meinem Kollegen und mir vom Werkzeugstrang auf einer dieser verrotteten schottischen Jack-Up Rigs. Wir haben Glück. Nur ein blauer Fleck am Unterarm und ein Kratzer an der Uhr. Letzterer schmerzt mehr.
Alte Liebe hinterlässt Spuren. Man nimmt sie nicht wahr, weil man selbst Teil des Alterungsprozesses ist. Nur die Einschneidenden prägen sich ein. Manche fallen erst auf, wenn man nach langer Zeit wieder darauf schaut. Manche kommen einem unbekannt vor. Weil man ihren Ursprung vergessen hat? Oder weil sie tatsächlich unbekannt sind? So oder so, es sind wenige.

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„Für dein Alter siehst du immer noch ganz schön frisch aus“, denke ich mir. Kaum Kratzer am Band, obwohl ich sie fast täglich getragen hatte. Erst offshore in der Nordsee, später im Büro. Die zweite Zeitzone steht noch immer auf GMT. Mann, waren wir oft in Großbritannien! Damals. Vor diesem unsäglichen Referendum.
Ja. Fast täglich hatte ich sie am Handgelenk. Nur an wenigen Tagen hatte der linke Arm Pause vom mechanischen Kunstwerk mit dem Gewicht eines Butterstücks.

Wie an diesem einen Tag im Dezember 2014.

Ich stecke den Schlüssel in die Tür meiner damaligen Wohnung in Dänemark. Irgendwie fühlt es sich weich an. Dann spreizt sich mir ein Holzsplitter aus dem Türrahmen entgegen. Die Tür öffnet sich, ohne den Schlüssel drehen zu müssen. Sachen. Überall Sachen auf dem Fußboden: Kleidung, Schuhe, Bücher, Kisten.
Im Wohnzimmer liegt die unscheinbare schwarze Kiste mit der Aufschrift „Sinn“ offen vor mir. Daneben liegt das Handbuch der 757 Diapal. Das Zertifikatskärtchen ist noch da. Die Uhr ist weg. Die Polizei nimmt die Spuren auf. Viele Dinge fehlen. Die 757 ist einer der schmerzhaftesten Verluste. Im Uhrforum und bei Sinn melde ich ihre Seriennummer als gestohlen. Ich bin Realist. Sie ist weg. Eine Woche später zahlt die Versicherung.


Das Leben geht weiter. Aus Dänemark wird Deutschland. Aus Freundin wird Frau. Aus zwei Menschen werden vier. Bald sind es fünf. Uhren werden durch Uhren ersetzt. Manchmal denke ich an die 757. Am Schaufenster des ortsansässigen Konzis überlege ich ab und zu, ob ich nicht noch einmal eine Sinn kaufen sollte. Ich mag die Marke. Aber keine war so vollkommen in ihrer Kompromisslosigkeit wie meine 757 Diapal. Keine wird je so vollkommen sein.

Oktober 2020: Das Smartphone vermeldet den Eingang einer E-Mail. Eine private Nachricht im Uhrforum. Stimmt, da bin ich ja Mitglied.

Was ich dort lese, lässt meinen Atem stocken:
Ein Forenmitglied hat spaßenshalber Modell und Seriennummer im Internet gesucht und wurde auf dem Webportal eines dänischen Auktionshauses fündig. 2018 wurde sie dort mit genau dieser Seriennummer für einen Spottpreis verkauft. Die Fotos lassen hoffen. Sie sieht gut aus. Das Bild vom Boden zeigt ihre Seriennummer. Sogar die Macke vom Bohrwerkzeug ist zu erkennen. Sie ist es!

Es ist zwar schon nach 23 Uhr, aber ich krame trotzdem die alten Aktenzeichen aus den Unterlagen. Meine Frau raunt mir ihr Unverständnis von der Couch entgegen. Ich schreibe E-Mails an die dänische Polizei und meine ehemalige Versicherung. Dann warte ich.

Die Polizei reagiert zuerst. Man sei nicht zuständig, da die Uhr in einem anderen Bezirk verkauft wurde. Ich wende mich an den anderen Polizeibezirk. Man will der Sache nachgehen. Wenig später kommt ein offizielles Schreiben. Die Ermittlungen zu diesem Fall werden nicht aufgenommen. Der Verkauf läge schon zu weit in der Vergangenheit, aber ich könnte gern Einspruch gegen diesen Beschluss einlegen.
Die Versicherung reagiert nüchtern. Man wird hier keinen Druck auf die Polizei ausüben. Sollte ich die Uhr aber irgendwie wiederfinden, könne man sich auf einen Ablösebetrag verständigen.

„Dann erhebe ich eben selbst Einspruch!“ Gesagt, getan. Danach höre ich nichts mehr.

In der Woche vor Weihnachten klingelt mein Handy. Es ist eine dänische Nummer. Ein Herr mit typisch dänischem Namen meldet sich. Ich höre „Politi“. Er fragt, ob ich Englisch spräche, weil sein Deutsch so schlecht wäre. Ich stammele ihm auf Dänisch meine Freude über seinen Anruf entgegen. Er scheint mich zu verstehen und verkündet seine Erleichterung ob meiner Sprachkenntnisse. Dann eröffnet er mir, dass er der diensthabende Beamte ist, der sich um die Suche nach meiner Uhr kümmern wird. Ich freue mich. Er freut sich, dass ich mich freue. Alles ist hyggelig.

Im Januar 2021 meldet sich mein dänischer Lieblingspolizist wieder. Man habe den Käufer gefunden. Er hatte die Uhr damals im guten Glauben gekauft und kann sehr gut nachvollziehen, dass ich sie zurückhaben möchte. Wenig später gibt er sie in der Polizeidienststelle ab.

Parallel dazu kontaktiere ich die Versicherung. Wir einigen uns auf eine Ablöse. Der zuständige Sachbearbeiter holt die Uhr von der Polizei ab und lagert sie bei sich im Safe. Auch er kann gut verstehen, dass ich sie wiederhaben möchte.

Es folgt die letzte Hürde: Logistik in Zeiten der Corona-Pandemie. Die Grenzen sind zu. Wir sind im Lockdown. Die… meine Sinn 757 Diapal ist zum Greifen nah. Von einem deutschen Werttransportunternehmen bekomme ich ein faires Angebot für die Abholung aus Dänemark. Der freundliche Sachbearbeiter der Versicherung verpackt die Uhr gewissenhaft und instruiert seine Kollegen, falls er nicht bei der Abholung zugegen ist. Wahrscheinlich ist die gesamte Versicherungszentrale involviert.
Einen Tag nach Abholung klingelt es an meiner Tür. Der Fahrer des Transportunternehmens überreicht mir das Paket.

Nun ist sie hier. Über sechs Jahre sind seit unserer Trennung vergangen. Ich packe sie aus. Es ist, als ob ich sie erst gestern abgelegt habe.

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„Alte Liebe rostet nicht“, denke ich. Die Schließe klickt kernig am Handgelenk zusammen. Ich höre das vertraute Rauschen des Rotors und spüre einen leichten Impuls im Unterarm.

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Epilog:
Vielen Dank, dass ihr tatsächlich bis hierhin gelesen habt. Ich freue mich, meine Freude über diesen glücklichen Ausgang des Diebstahls meiner Sinn 757 Diapal mit euch teilen zu können.

Ist es dieselbe Uhr? Die Faktenlage ist eindeutig, aber da ist mehr. Aus einem stumpfen Metallklotz mit Seriennummer ist ein persönlicher Gegenstand mit einer außergewöhnlichen Geschichte geworden. Könnte das eine Voraussetzung für eine Exit Watch sein?

Am Ausgang dieser Geschichte gilt vielen Menschen großer Dank:
Da wären Rasmus von Politi Danmark, Bjarne von Vestjylland Forsikring, das Team vom INTEX Paketdienst und ganz besonders das Forenmitglied uwewoellner (melde dich bitte nochmal bei mir per PN!).

Hier erhaltet ihr noch den Link zur ursprünglichen Vorstellung.
Und nun die harten Fakten, die diesen Artikel auch zur Uhrenvorstellung machen:

Technische Daten:
Gehäusedurchmesser: 43 mm
Gehäusehöhe: 15 mm
Gehäuse- und Bandmaterial: satinierter Edelstahl mit SINN TEGIMENT-Technologie
Glas: beidseitig entspiegeltes Saphirglas
Uhrwerk: ETA Valjoux 7750 GMT veredelt mit SINN DIAPAL-Technologie
Wasserdichtigkeit: 20 bar & unterdrucksicher
Magnetfeldschutz: bis 80.000 A/m
Temperaturresistenz: von -45 bis +80 °C
Weitere konstruktive Besonderheiten:
unverlierbarer Drehring (beidseitig drehbar), Ar-Trockenhaltetechnik

Funktionen:
Uhrzeit, zweite Zeitzone, Datumsanzeige, Chronographenfunktion
 
Zuletzt bearbeitet:
Fritz Pomm

Fritz Pomm

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Klasse! Danke dir fürs Teilen dieses Erlebnisses!
Klasse Bilder!
Es muss sicher nicht die Exit-Uhr sein, aber da wird wohl keine andere jemals dran kommen.
(Ich habe meine erste SKX 009 auch in Dänemark zurückgelassen, aber leider auf dem Grund der Nordsee...)
 
datoni

datoni

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Unfassbar gute Geschichte, könnte aus Hollywood sein.
Ich wünsche dir, deiner Uhr und natürlich deiner Familie viele glückliche Erlebnisse zusammen!

Abgesehen von der starken Geschichte auch wirklich eine schöne Sinn die, dir hervorragend steht.
 
jubifahrer

jubifahrer

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Tolle Uhr mit Hammergeschichte

Ich habe beim lesen den Atem stellenweise angehalten.
Danke für die Vorstellung

Bitte füge trotzdem ein paar technische Details ein, um den Vorgaben gerecht zu werden.
Alternativ könnte man es auch an die alte Vorstellung hängen, was mir perönlich aber nicht so zusagt.

LG jubifahrer
 
Kungfu Panda

Kungfu Panda

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Wow, das ist echt mal eine Geschichte 😳
Ich freue mich sehr für euch beide über das gute Ende!
Auf viele weitere gemeinsame Jahre!
 
MTBTier

MTBTier

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@Zeitenjäger: Ich beobachte sie erst noch eine Weile, bevor ich mich für oder gegen eine Revision entscheide. Ihre Gangwerte sind derzeit tadellos. Insofern hat sie bislang nur eine gründliche Reinigung von möglichen Rückständen der Vorbesitzer erhalten.

@jubifahrer: Jawoll! Die Daten wurden bereits ergänzt.
 
Osyrys

Osyrys

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HAMMER Geschichte, welche nur das Leben schreiben kann! :prost: Vielen Dank an dieser Stelle an dich, dass du diese mit uns geteilt hast. Ich kann es nur zu gut nachvollziehen, welchen emotionalen Wert eine Uhr für einen hat, wenn man eine solche Geschichte dazu hat. Bei mir war es ebenfalls eine Sinn und zwar die 144 St Sa welche mein Leben grundlegend geprägt hat und ich diese Uhr hier im Forum auch u.a. deswegen vorgestellt habe. Es sind zwar bei mir viele Uhren von einigen Herstellern dazu gekommen, doch den größten emotionalen Wert wird immer die Sinn haben. Ich habe beim Lesen deiner Vorstellung richtig mitgefiebert und freue mich ungemein für dich, dass die Uhr wieder ihren Weg zu dir gefunden hat! :super:
Pass auf diesen Schatz auf! Ich bin mir sicher, dass die Freude nun die Uhr (wieder) tragen zu dürfen, mindestens genau so hoch ist, wie damals bei der Neuanschaffung!
 
Moviestar75

Moviestar75

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"Alte Liebe rostet nicht", sagen die Leute. Sie tut es auch nicht. Es ist wider ihrer Natur. Ich drehe sie noch einmal in meiner Hand. Das metallische Rauschen des Rotors dringt durch ihren massiven Körper, scheint ihm sogar einen kleinen Impuls zu geben. So klang sie schon immer, weil sie fast schmiermittellos ihren Dienst verrichtet.

Anhang anzeigen 3626725

Ich erinnere mich noch an unser erstes Zusammentreffen vor fast 10 Jahren. Wochenlang lag sie bereits zuhause bezahlt und zugestellt, während ich noch im Mittleren Osten in der Wüstensonne schuftete und den Tag des ersten Kontakts herbeisehnte. Sie war meine erste richtige Uhr: Von einer namhaften Marke. Mit eigenständigem Design. Gebaut für die Ewigkeit. Glaubte ich.

Anhang anzeigen 3626735

Mein Blick fällt auf den Bandanstoß. Diese kleine Macke. Es ist nicht mehr als ein Pünktchen. War es 2011 oder 2012? Ein fast 50 kg schweres Bohrwerkzeug rutscht meinem Kollegen und mir vom Werkzeugstrang auf einer dieser verrotteten schottischen Jack-Up Rigs. Wir haben Glück. Nur ein blauer Fleck am Unterarm und ein Kratzer an der Uhr. Letzterer schmerzt mehr.
Alte Liebe hinterlässt Spuren. Man nimmt sie nicht wahr, weil man selbst Teil des Alterungsprozesses ist. Nur die Einschneidenden prägen sich ein. Manche fallen erst auf, wenn man nach langer Zeit wieder darauf schaut. Manche kommen einem unbekannt vor. Weil man ihren Ursprung vergessen hat? Oder weil sie tatsächlich unbekannt sind? So oder so, es sind wenige.

Anhang anzeigen 3626742

Anhang anzeigen 3626743

„Für dein Alter siehst du immer noch ganz schön frisch aus“, denke ich mir. Kaum Kratzer am Band, obwohl ich sie fast täglich getragen hatte. Erst offshore in der Nordsee, später im Büro. Die zweite Zeitzone steht noch immer auf GMT. Mann, waren wir oft in Großbritannien! Damals. Vor diesem unsäglichen Referendum.
Ja. Fast täglich hatte ich sie am Handgelenk. Nur an wenigen Tagen hatte der linke Arm Pause vom mechanischen Kunstwerk mit dem Gewicht eines Butterstücks.

Wie an diesem einen Tag im Dezember 2014.

Ich stecke den Schlüssel in die Tür meiner damaligen Wohnung in Dänemark. Irgendwie fühlt es sich weich an. Dann spreizt sich mir ein Holzsplitter aus dem Türrahmen entgegen. Die Tür öffnet sich, ohne den Schlüssel drehen zu müssen. Sachen. Überall Sachen auf dem Fußboden: Kleidung, Schuhe, Bücher, Kisten.
Im Wohnzimmer liegt die unscheinbare schwarze Kiste mit der Aufschrift „Sinn“ offen vor mir. Daneben liegt das Handbuch der 757 Diapal. Das Zertifikatskärtchen ist noch da. Die Uhr ist weg. Die Polizei nimmt die Spuren auf. Viele Dinge fehlen. Die 757 ist einer der schmerzhaftesten Verluste. Im Uhrforum und bei Sinn melde ich ihre Seriennummer als gestohlen. Ich bin Realist. Sie ist weg. Eine Woche später zahlt die Versicherung.


Das Leben geht weiter. Aus Dänemark wird Deutschland. Aus Freundin wird Frau. Aus zwei Menschen werden vier. Bald sind es fünf. Uhren werden durch Uhren ersetzt. Manchmal denke ich an die 757. Am Schaufenster des ortsansässigen Konzis überlege ich ab und zu, ob ich nicht noch einmal eine Sinn kaufen sollte. Ich mag die Marke. Aber keine war so vollkommen in ihrer Kompromisslosigkeit wie meine 757 Diapal. Keine wird je so vollkommen sein.

Oktober 2020: Das Smartphone vermeldet den Eingang einer E-Mail. Eine private Nachricht im Uhrforum. Stimmt, da bin ich ja Mitglied.

Was ich dort lese, lässt meinen Atem stocken:
Ein Forenmitglied hat spaßenshalber Modell und Seriennummer im Internet gesucht und wurde auf dem Webportal eines dänischen Auktionshauses fündig. 2018 wurde sie dort mit genau dieser Seriennummer für einen Spottpreis verkauft. Die Fotos lassen hoffen. Sie sieht gut aus. Das Bild vom Boden zeigt ihre Seriennummer. Sogar die Macke vom Bohrwerkzeug ist zu erkennen. Sie ist es!

Es ist zwar schon nach 23 Uhr, aber ich krame trotzdem die alten Aktenzeichen aus den Unterlagen. Meine Frau raunt mir ihr Unverständnis von der Couch entgegen. Ich schreibe E-Mails an die dänische Polizei und meine ehemalige Versicherung. Dann warte ich.

Die Polizei reagiert zuerst. Man sei nicht zuständig, da die Uhr in einem anderen Bezirk verkauft wurde. Ich wende mich an den anderen Polizeibezirk. Man will der Sache nachgehen. Wenig später kommt ein offizielles Schreiben. Die Ermittlungen zu diesem Fall werden nicht aufgenommen. Der Verkauf läge schon zu weit in der Vergangenheit, aber ich könnte gern Einspruch gegen diesen Beschluss einlegen.
Die Versicherung reagiert nüchtern. Man wird hier keinen Druck auf die Polizei ausüben. Sollte ich die Uhr aber irgendwie wiederfinden, könne man sich auf einen Ablösebetrag verständigen.

„Dann erhebe ich eben selbst Einspruch!“ Gesagt, getan. Danach höre ich nichts mehr.

In der Woche vor Weihnachten klingelt mein Handy. Es ist eine dänische Nummer. Ein Herr mit typisch dänischem Namen meldet sich. Ich höre „Politi“. Er fragt, ob ich Englisch spräche, weil sein Deutsch so schlecht wäre. Ich stammele ihm auf Dänisch meine Freude über seinen Anruf entgegen. Er scheint mich zu verstehen und verkündet seine Erleichterung ob meiner Sprachkenntnisse. Dann eröffnet er mir, dass er der diensthabende Beamte ist, der sich um die Suche nach meiner Uhr kümmern wird. Ich freue mich. Er freut sich, dass ich mich freue. Alles ist hyggelig.

Im Januar 2021 meldet sich mein dänischer Lieblingspolizist wieder. Man habe den Käufer gefunden. Er hatte die Uhr damals im guten Glauben gekauft und kann sehr gut nachvollziehen, dass ich sie zurückhaben möchte. Wenig später gibt er sie in der Polizeidienststelle ab.

Parallel dazu kontaktiere ich die Versicherung. Wir einigen uns auf eine Ablöse. Der zuständige Sachbearbeiter holt die Uhr von der Polizei ab und lagert sie bei sich im Safe. Auch er kann gut verstehen, dass ich sie wiederhaben möchte.

Es folgt die letzte Hürde: Logistik in Zeiten der Corona-Pandemie. Die Grenzen sind zu. Wir sind im Lockdown. Die… meine Sinn 757 Diapal ist zum Greifen nah. Von einem deutschen Werttransportunternehmen bekomme ich ein faires Angebot für die Abholung aus Dänemark. Der freundliche Sachbearbeiter der Versicherung verpackt die Uhr gewissenhaft und instruiert seine Kollegen, falls er nicht bei der Abholung zugegen ist. Wahrscheinlich ist die gesamte Versicherungszentrale involviert.
Einen Tag nach Abholung klingelt es an meiner Tür. Der Fahrer des Transportunternehmens überreicht mir das Paket.

Nun ist sie hier. Über sechs Jahre sind seit unserer Trennung vergangen. Ich packe sie aus. Es ist, als ob ich sie erst gestern abgelegt habe.

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Anhang anzeigen 3626750

Anhang anzeigen 3626751

„Alte Liebe rostet nicht“, denke ich. Die Schließe klickt kernig am Handgelenk zusammen. Ich höre das vertraute Rauschen des Rotors und spüre einen leichten Impuls im Unterarm.

Anhang anzeigen 3626752

Anhang anzeigen 3626753

Epilog:
Vielen Dank, dass ihr tatsächlich bis hierhin gelesen habt. Ich freue mich, meine Freude über diesen glücklichen Ausgang des Diebstahls meiner Sinn 757 Diapal mit euch teilen zu können.

Ist es dieselbe Uhr? Die Faktenlage ist eindeutig, aber da ist mehr. Aus einem stumpfen Metallklotz mit Seriennummer ist ein persönlicher Gegenstand mit einer außergewöhnlichen Geschichte geworden. Könnte das eine Voraussetzung für eine Exit Watch sein?

Am Ausgang dieser Geschichte gilt vielen Menschen großer Dank:
Da wären Rasmus von Politi Danmark, Bjarne von Vestjylland Forsikring, das Team vom INTEX Paketdienst und ganz besonders das Forenmitglied uwewoellner (melde dich bitte nochmal bei mir per PN!).

Hier erhaltet ihr noch den Link zur ursprünglichen Vorstellung.
Und nun die harten Fakten, die diesen Artikel auch zur Uhrenvorstellung machen:

Technische Daten:
Gehäusedurchmesser: 43 mm
Gehäusehöhe: 15 mm
Gehäuse- und Bandmaterial: satinierter Edelstahl mit SINN TEGIMENT-Technologie
Glas: beidseitig entspiegeltes Saphirglas
Uhrwerk: ETA Valjoux 7750 GMT veredelt mit SINN DIAPAL-Technologie
Wasserdichtigkeit: 20 bar & unterdrucksicher
Magnetfeldschutz: bis 80.000 A/m
Temperaturresistenz: von -45 bis +80 °C
Weitere konstruktive Besonderheiten:
unverlierbarer Drehring (beidseitig drehbar), Ar-Trockenhaltetechnik

Funktionen:
Uhrzeit, zweite Zeitzone, Datumsanzeige, Chronographenfunktion
Top Geschichte mit tollem Happy End. Was Du alles mit gemacht hast. 👍👍👍
Was mich blendend interessiert ist..... Was ist eigentlich aus der Summe geworden welche Dir die Versicherung damals entschädigend für die Uhr ausgezahlt hat. Hast Du das Geld komplett zurückzahlen müssen oder lediglich anteilsmässig?
 
revvot

revvot

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20.05.2011
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Danke für die Geschichte mit glücklichen Ausgang die Du mit uns teilst. Ich glaube da die Offshore-Uhr viel mit Dir mit gemacht hat auch happy ist den Puls des ursprünglichen Besitzers zu fühlen. Wie Du Dich fühlst kann ja jeder herauslesen, denn vor langer Zeit vorgestellt, Freude gehabt, gestohlen, wahrscheinlich nicht an ein Wiedersehen geglaubt, und dann das Glück auf verschiedene Menschen zu treffen die Dir behilflich sind das die Uhr wieder bei Dir landet.

Ewig Freude mit der schönen Sinn wünsche ich Dir.
 
Vosas

Vosas

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01.01.2014
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Spannende Geschichte zu deiner Uhr!
Und eine mehr als gelungene Vorstellung der 757 mit schönen Bildern. Die würde ich mit der Story dahinter niemals freiwillig ziehen lassen. Ob Exit-Uhr weiß ich nicht. Für mich ist unser Hobby zu schön, als dass ich mich mit einer Exit-Uhr irgendwann dazu „zwingen“ möchte, mir niemals mehr danach eine neue Uhr anschaffen zu wollen.
Klasse Uhr mit aufregender Geschichte. Schön, dass ihr beide wieder vereint seid!
 
Mr. Venz

Mr. Venz

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15.01.2011
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Ohne Witz: ich habe Pipi in den Augen!

Das hängt aber auch ein bisschen mit meinen Erfahrungen mit den Menschen in Skandinavien zusammen. Als du schriebst, wahrscheinlich hing da die gesamte Versicherungs- Abteilung dran, damit der Versand funktioniert: das passt so unglaublich.

Sehr, sehr cool!

Einzig das Armband hätte der Dieb gegen ein H- Link austauschen können:lol::lol:

Ganz wunderbar, vielen Dank für deine Geschichte! 🙏🏻
 
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