Die «verbesserte Roskopf-Uhr»: ‘F. Bachschmid Etat’ mit Ankerhemmung und indirekter Zentralsekunde (Patent CH 27553, 1904)

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Im Jahr 1867 brachte G.F. Roskopf eine Taschenuhr mit einem neuartigen Werksaufbau auf den Markt. Seine ‘Montre Prolétaire’, die er selbst noch weiterentwickelte, wurde ein grosser Erfolg und noch jahrzehntelang fast unverändert oder später auch vereinfacht von verschiedenen Herstellern weitergebaut.

In einem älteren Thread habe ich schon eine typische Uhr nach Roskopf-Bauweise gezeigt und die Merkmale einer Roskopf-Uhr erläutert. Dort kann man auch das Ur-Modell sehen, die ‘Montre Prolétaire’ von 1867:

Chronometro Naval ‘Perfecto Vallès Ayerbe’ und das Roskopf-Prinzip

Neben den typischen Roskopf-Uhren, die jahrzehntelang von G.F. Roskopfs Nachfolgern (Wille Frères) und, nach Ablauf der relevanten Patente, von zahlreichen Nachahmern in verschiedenen Qualitätsstufen gebaut wurden, gab es auch ungewöhnliche Werkskreationen, die auf das Roskopf-Prinzip zurückgehen.

Ich möchte euch heute eine neue Uhr aus meiner Sammlung mit einem technisch ungewöhnlichen Werk zeigen, das einen Aufbau wie ein Roskopf-Werk hat, ohne Zentrumsrad und mit indirektem Zeigerantrieb durch das Federhaus, aber mit einer Schweizer Palettenankerhemmung und einer Kompensationsunruh. Anstatt also dem üblichen Trend anderer Hersteller bei der Weiterentwicklung von Roskopf-Werken zu folgen, möglichst viel zu sparen und alles noch einfacher und billiger zu bewerkstelligen, was sich natürlich nicht positiv auf die Qualität auswirkte, entwickelte die Uhrenfabrik F. Bachschmid in Biel, später umbenannt in Orion Watch Co., besonders hochwertige Roskopf-Werke. Diese gemeinfreie Abbildung einer Bachschmid-Werbung von 1890 habe ich den unten zitierten Watch-Wiki-Artikeln entnommen:

Bachschmid.Inserat.1890.Watchwiki.jpg


Gründer der Uhrenfabrik, die seit 1880 bestand, war Ferdinand Bachschmid (geboren 1848 in Kempten D, gestorben 1911 in Biel CH). Er besass mehrere Patente für «verbesserte Roskopfuhren», das Patent für meine Uhr von 1904 wurde aber schon von den Herren Brandt und Hofmann, den nachfolgenden Firmenbesitzern eingereicht. In diesen zwei Watch-Wiki-Artikeln kann man mehr erfahren über Ferdinand Bachschmid und seine Uhrenfirma:

Uhrenfabrik F. Bachschmid – Watch-Wiki

Bachschmid, Ferdinand – Watch-Wiki

Die Uhr hat ausserdem eine indirekte Zentralsekunde und die ist natürlich ganz anders ausgeführt als bei einem Werk mit normalem Räderwerksaufbau und mit zentralem Minutenrad. Diese Technik möchte ich kurz darstellen.

Doch hier zunächst ein paar Bilder vom Äusseren der Uhr, die nicht nur technisch ausgefallen und interessant ist, sondern mir auch noch sehr gut gefällt:

Bachschmid.1.png


Bachschmid.2.png


Bachschmid.4.png


Bachschmid.5.png


Die Uhr hat einen Durchmesser von 51mm, ist 16mm dick und wiegt genau 90g.

Das Zifferblatt besteht aus weissem Emaille. Unter der Zwölf ist es beschriftet mit ‘F.Bachschmid / Etat’. Ganz aussen gibt es eine ‘Minuterie’, besser gesagt eine Skala für die Minuten und die Sekunden, denn die Uhr hat ja einen zentralen Sekundenzeiger. Nach Art einer Chronographen-Anzeige sind die Sekunden noch durch Teilstriche in je 5 Teile unterteilt (bei einer Schwingfrequenz von 18'000 A/h entspricht diese Anzeige den Schritten des Sekundenzeigers). Jede fünfte Minute bzw. Sekunde ist fett durch ein kleines Dreieck hervorgehoben, dies sind auch die Stundenmarkierungen. Die Ante-Meridiem Stunden von I bis XII sind römisch, die Post-Meridiem-Stunden von 13 bis 24 sind arabisch, beide gleich gross dargestellt. Die arabischen Zahlen sind rot, der Rest des Blattdekors schwarz gefärbt. Die Zeiger bestehen aus gebläutem Stahl, der Stundenzeiger ist ein Birnenzeiger, der Minutenzeiger ein taillierter, zugespitzter Stabzeiger (Poirés Anglaises / Spade and Whip), nur der schmale Zentralsekundenzeiger ist geschwänzt, am Ende mit einer kleinen blattförmigen Kelle.

Das Zifferblatt war an zwei Stellen über den Zifferblattfüssen beschädigt und schlecht geflickt. Ich habe das so gut kaschiert, wie ich konnte und das Gehäuse neu poliert.

Bachschmid.6.png


Das Gehäusematerial ist nicht spezifiziert, aber es handelt sich sicher um Argentan. Beide Deckel sind Pressdeckel, einen inneren Staubdeckel gibt es nicht. In der Mitte des Rückendeckels ist die Handelsmarke von F. Bachschmid eingepunzt, innen im Deckel ist eine Nummer eingepunzt.

Die Krone aus Messing (konisch, ehemals wohl silberfarben beschichtet) ist leider schon sehr stark abgenutzt, oben wurden auch schon neue Kerben eingefeilt, um die Griffigkeit wieder zu erhöhen.

Bachschmid.9.png


Bachschmid.10.png


2725602

Das Werk besteht aus Messing ohne Vergoldung oder andere Oberflächenvergütung und hat einen Aufbau wie ein Roskopf-Werk: ohne Zentrumsrad, das grosse Federhaus geht über die Werksmitte, Zeigerantrieb (Minute / Stunde) indirekt über ein Wechselrad mit 2 Trieben auf der Federhausvorderseite, alle Räder dezentral angeordnet, ein Rad eingespart im Räderwerk.

Die Uhr hat eine Kupplungsschaltung per Drücker.

Das Design des Werks orientiert sich ebenfalls am Roskopf-Vorbild mit der aufgeschraubten Brücke für Kronrad, Sperrad und das zweiteilige Gesperr aus Sperrhaken und Sperrfeder. Auf dieser Brücke ist die Handelsmarke von F. Bachschmid eingepunzt.

Bachschmid.14.png


Aber es gibt keine Stiftankerhemmung mit einem Seitenanker, sondern eine Kolbenzahnhemmung 'à ligne droite' mit einem kurzen Anker. Die symmetrische halbkreisförmige Ankerbrücke mit ihren zwei Schrauben befindet sich unter dem Unruhreif und ist auf dem ersten Werksfoto oben durch die Beleuchtung hell hervorgehoben. Leider ist das Ankerlager und die Spitze des Ankers mit den Paletten durch den Unruhreif und seine Schrauben auf allen Fotos teilweise verdeckt.

Bachschmid.11.png


Auf diesem Detailfoto ist die Unruh gut zu erkennen, eine bimetallische, angeschnittene Kompensationsunruh mit 16 Schrauben und einer gebläuten Flachspirale. Links im Bild neben der Unruh ist der schön geschwungene massive Ankerradkloben zu sehen. Der Anker ist auf allen Fotos grossteils verdeckt, aber man erkennt auf einigen Fotos deutlich Teile des Ankerrades mit den typischen Kolbenzähnen einer Schweizer Ankerhemmung. Das Ankerrad besteht nicht aus Stahl, sondern aus einer Bronze / Messing-Buntmetalllegierung. Dies könnte einerseits aus Gründen der Kostenersparnis erfolgt sein, ist aber auch andererseits ein verbreitetes Merkmal für Uhren der Jahrhundertwende, die unempfindlich sein sollten gegen Magnetismus (F. Bachschmid warb u.a. mit der Eigenschaft «Nicht magnetische Uhren»). Die übrigen Räder und das Federhaus liegen unter einer gemeinsamen Deckplatine, dieser Teil des Werkes ist als Pfeilerwerk ausgeführt, wie allgemein bei einem Roskopf-Werk üblich.

Das Werk entspricht genau dem geschilderten Werk in dem Schweizer Patent 27553 von 1904. Bei der Patentschrift (Brevet additionnel 27553/463 datiert auf den 29.Februar 1904) wird als Autor / Patent-Antragsteller die ‘Orion Watch Co Brandt & Hofmann’, Biel genannt. Dort wird vor allem auf die Anordnung und Form des Ankers eingegangen. Die Lager des kurzen Ankers liegen noch innerhalb des Radius des Unruhreifs, es ist ein gerader Anker, kein Seitenanker. Unruhachse, Ankerachse und Ankerradachse liegen auf einer Linie (ancre à ligne droite). Auf den Zeichnungen ist die Ankerform gut zu erkennen (a = Anker, c = Ankerrad, b = Unruh, d = halbkreisförmige Ankerbrücke).

Patent.CH27553.png


Der Werksdurchmesser des realen Werks beträgt gesamt: 44 mm = 19 ½ Linien, Einbaudurchmesser hinter der Grundplatine 42 mm.

Da ich das Zifferblatt nicht abgenommen und die Unruh nicht ausgebaut habe, kann ich die Anzahl der Steine nicht sicher angeben. Mal angenommen, die Unruh hat eine Hebelscheibe mit Ellipsenstein und die unsichtbaren vorderen Lager sind gleich besteint wie die sichtbaren hinteren, so hätte die Uhr 13 Rubis (Unruh 5, Anker 4, Ankerrad 2, zweites Rad 2)

Von dem Werk gibt es verschiedene Varianten: ohne Sekunde, mit Zentralsekunde wie bei meiner Uhr und mit kleiner Sekunde und dafür einem zusätzlichen Rad im Räderwerk.

Werk.Varianten.png

linkes Foto: Des montres de gousset en veux-tu ? en voila ! - von User galuppiau
rechtes Foto: delcampe.net, zitiert auf der Seite: [ICI vos demandes d'IDENTIFICATION de Montres de Poches] - part 3 - Page 39 von User ThomasBXL


Man findet auch verschiedene Qualitätsstufen bezüglich der Unruh. Es gibt 1) Kompensations-Schraubenunruh mit Breguetspirale, 2) Kompensations-Schraubenunruh mit Flachspirale (wie mein Exemplar), 3) dreispeichige Ringunruh mit Flachspirale (wie die beiden Fotos oben und in der Patentzeichnung).

Besonders interessant finde ich die indirekte Zentralsekunde. Bei einem Werk nach Roskopf-Bauart gibt es ja kein Zentrumsrad, die Zeiger werden indirekt vom Federhaus angetrieben. Es gibt auf der Zifferblattseite einen festen zentralen Zapfen, auf den das Minutenrohr und Stundenrohr locker aufgesteckt werden.

Ich habe meine Uhr nicht zerlegt. Da werde ich mich hüten, da sie hervorragend funktioniert. Sie soll bald eine Revision durch einen richtigen Uhrmacher bekommen. Dann werde ich noch einige Informationen und wohl auch Bilder nachliefern können.

Trotzdem kann ich hier schon schildern, wie die indirekte Sekunde ausgeführt ist. Ich hatte eine kurze Schilderung meiner Bachschmid-Uhr bereits im PocketWatch-Forum gepostet:
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(man muss als User dort angemeldet sein, um das lesen zu können, empfehlenswertes Forum!). Das dortige Forumsmitglied Peter (beta21) hatte erst neulich eine Bachschmid (nicht das gleiche Kaliber, aber ähnlich, indirekte Sekunde quasi gleich) zerlegt und revidiert. Er konnte noch weitere Details des Aufbaues nennen und sogar ein Bild der indirekten Sekunde bei dem zerlegten Werk zeigen. Dieses Bild von Peter (beta21) darf ich mit seiner Erlaubnis auch hier zeigen. Dafür noch einmal vielen Dank!

Bei einer indirekten Zentralsekunde für ein konventionell aufgebautes Werk mit zentralem Minutenrad, wird die Sekundenwelle von ganz hinten durch die hohle Minutenradwelle hindurchgesteckt. Die Bauteile der indirekten Zentralsekunde befinden sich deutlich sichtbar als zusätzlicher Aufbau hinten auf dem Werk. Bei einem Werk mit Roskopf-Aufbau gibt es hingegen kein Zentrumsrad in der Werksmitte. Die Welle der Zentralsekunde geht durch den zifferblattseitigen hohlen Zapfen, auf dem Minuten- und Stundenrohr sitzen, nur bis auf die Werksseite der Grundplatine, das Sekundentrieb läuft am Werksboden und die Bauteile der Zentralsekunde sind fast ganz oder vollständig im Werksinneren verborgen.

Bei der Bachschmid ist der zentrale Zapfen auf der Zifferblattseite, der die Achse für das Minuten- und das Stundenrohr bildet, nicht massiv, sondern ein hohles Rohr . Auf der Werksseite gibt es ein zentrales Loch in der Grundplatine. Die Sekundenwelle, auf deren vorderer Spitze der Zeiger sitzt und das Sekundentrieb, ein flaches Zahnrad an der hinteren Spitze der Welle, sind nicht zusammengenietet, sondern sind zwei getrennte Bauteile. Die Welle wird von der Vorderseite her ins zifferblattseitige Rohr geführt, und durch das zentrale Loch in der Grundplatine bis auf die Werksseite, die Welle hat einen Ansatz, der die Höhenluft nach oben bestimmt. Das Sekundentrieb-Zahnrad wird danach von der Hinterseite her auf die Welle festgeschlagen (die beiden Teile sind dann fest aber lösbar miteinander verbunden). Dadurch fällt die Notwendigkeit einer werkseitigen Brücke weg, durch den Ansatz auf der Sekundenwelle wird die Höhenposition des Sekundentriebs fixiert, sodass es im Eingriff mit dem zweiten Rad bleibt und nicht am Federhaus reibt.

Auf diesem Detailfoto kann man in der Werksmitte am Boden das Sekundentrieb erkennen, ein flaches Zahnrad, darüber erkennt man den mächtigen Zahnkranz des Federhauses, von dem das Sekundentrieb teilweise verdeckt wird:

Bachschmid.12.png


Ich habe hier einmal versucht, der Patentzeichnung das Sekundentrieb hinzuzufügen und ein Schema von der Seite anzufertigen (stark vereinfachtes Schema, Zifferblattseite oben).

Schema.Sekunde.png


Alle Räderwerksräder liegen dezentral. Das Sekundentrieb erhält seinen Antrieb vom zweiten Rad des Räderwerks, das neben dem Ankerrad liegt (auf der Position, die sonst das Sekundenrad hat), dessen äusserer grosser Zahntrieb am Radreif und die Zähne des Sekundentriebs greifen ineinander.

Zur Verdeutlichung der Details kann ich hier das Foto von Peter (beta21) eines bis auf die Grundplatine zerlegten Bachschmid-Werkes zeigen. Man sieht das Sekundentrieb in der Werksmitte und im Eingriff der Verzahnung das etwas grössere fünfspeichige zweite Rad des Räderwerks, das noch grössere erste Rad des Räderwerks ist gekippt.

Bachschmid.zerlegt.beta21.png


Das Sekundentrieb mit einem Umlauf pro 60 sec hat 45 Zähne. Das zweite Rad von dem es den Antrieb erhält, hat 72 Zähne. Das Zahlenverhältnis der beiden Räder gibt Auskunft über ihre Umlaufgeschwindigkeit. Das zweite Rad braucht die 1,6fache Zeit des Sekundentriebs, also 96 Sekunden, deshalb wäre die Bezeichnung ‘Sekundenrad’ für dieses zweite Rad irreführend, auch wenn es neben dem Ankerrad sitzt (Das Zahnzahlverhältnis und die Umlaufzeit könnte bei meinem Bachschmid-Kaliber etwas anders sein als bei dem fotografierten Werk, es ist aber als sicher anzunehmen dass das zweite Rad auch hier langsamer ist als das Sekundentrieb). Das zweite Rad läuft ausserdem in der Gegenrichtung eines normalen Sekundenrades, würde man darauf einen Zeiger stecken, liefe er im Gegenuhrzeigersinn. Wenn das nicht so wäre, müsste bei der Konstruktion der indirekten Zentralsekunde noch ein Zwischenrad eingeschaltet werden.

Die Übersetzung in dem Bachschmid-Kaliber ist anders als in einem konventionellen Ankerwerk, keines der Räder im Räderwerk hat eine Umlaufdauer von einer Minute (Sekundenrad) oder von einer Stunde (Minutenrad).

Das Ankerrad des Bachschmid-Werks hat nur 15 Zähne. Bei einem normal aufgebauten Werk mit zentralem Minutenrohr und einer Schwingungsfrequenz von 18'000 A/h hat das Ankerrad 16 Zähne. Herkömmliche Roskopf-Werke mit Stiftankerhemmung haben Ankerräder mit 18 Zähnen und schwingen langsamer als 18'000 A/h..

Christoph Lorenz beschreibt und zeigt in seinem Uhrwerksarchiv ein später, ca. in den 1930ern entstandenes, ähnliches Werk mit Roskopf-Aufbau und ganz ähnlicher indirekter Zentralsekunde, das AS 1199:

AS 1199

Anders als beim Bachschmid-Kaliber, bei dem das Trieb der indirekten Zentralsekunde werksseitig auf der Hinterseite der Grundplatine gelagert ist, ist das Sekundentrieb beim AS 1199 vorn auf der Zifferblattseite gelagert. Der zentrale hohle Zapfen, durch den hindurch die Sekundenwelle geführt wird und der als Achse für das Minuten- und Stundenrohr dient, befindet sich auf einem Plättchen und wird am Schluss darüber festgeschraubt (beim Bachschmid-Kaliber ein fester hohler Zapfen auf der Zifferblattseite).

Das Ankerrad des AS 1199 hat 15 Zähne wie das ähnliche Bachschmid-Kaliber. Dieses Werk schwingt mit 18'000 A/h. Ich besitze leider keine Zeitwaage, deshalb bleibt die Frequenz des Bachschmid-Kalibers noch bis zur bevorstehenden Werksrevision unbekannt.

Ui, nun habe ich sogar noch einen Cliffhanger hinbekommen, der eine schier unerträgliche Spannung bis zur Fortsetzung erzeugt. Was mag nur die Frequenz des Werkes sein?

Da soll noch einer sagen, die Verzahnung im Räderwerk sei ein trockenes Thema!

Gruss Andi
 
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Was für ein Vortrag! Klasse!
 
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bilewaz

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Ein ganz besonders interessanter und sehr ausführlicher Fachartikel. Herzlichen Dank für diese enorme Arbeit.

Grüsse, Gerd
 
Ruebennase

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Hallo Andy ,
wahrlich eine grandiose Vorstellung und ich denke ich habe den versteckten Antrieb der indirekten Zentralsekunde gerallert. Wegen der Frequenz frag doch mal bei Peter/beta21 an. Die sollte unabhängig von der Hemmung sein. Die Konstruktion der Zentralsekunde ist wahrlich sehr interessant.
Ich habe selber nur im suboptimalem Zustand das jüngere Werk indem ein zusätzliches Rad eingefügt wurde rechts auf deinem Bild (Ankerhemmung mit einfacher Flachspirale und Ringunruh - keine Zentralsekunde). Ursprüngich waren es wohl mal mehr Steine aber bei mir hat das "Kleinbodenrad" ein Messingfutter als Ersatz bekommen. Das "Kleinbodenrad" ist deshalb in Anführungsstrichen denn wie man bei Dir sieht, ist die Stelle wo Trieb der in die Hemmung eingreift, oberhalb des Ankerrades. Schon sehr eigenwilig. Es ist wirklich spannend das dieser Hersteller im Gebrauchsuhrensegment qualitativ gut verarbeitete Kaliber entwickelt hat, die auch vom Aufbau des Räderwerkes eigenständig sind.

Vielen Dank für die erhellende Vorstellung die weitere Fragen auf wirft
Silke
 
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andi2

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Hallo Silke,
ja, man kommt immer wieder auf neue Fragen, wenn man sich eingehend mit einem Werk beschäftigt. Diese Uhr hab ich mir vor allem gekauft, weil ich wissen wollte, wie eine indirekte Zentralsekunde bei einem Roskopf-Werk gemacht ist...
Weil wir gerade bei den Rädern sind: Wenn man genau schaut, sieht man ein interessantes Detail bei der Variante mit dem zusätzlichen Rad im Werk:
Bei deiner Uhr ist ja ein zusätzliches Rad da für eine direkte dezentrale Sekunde. Nur bei diesen Uhren läuft der Reif des Rades neben dem Ankerrad (Sekundenrad) oberhalb des Ankerradreifs. Bei den Uhren ohne Sekunde oder mit indirekter Zentralsekunde läuft der Reif des Rades neben dem Ankerrad (zweites Rad mit 96sec Umlaufzeit) ganz am Werkboden und unter dem Ankerradreif.
Du könntest hier gern mal ein Foto deines Werkes (und der Uhr) zeigen. Deine Variante ohne die Sperrradbrücke scheint nicht gerade häufig zu sein. Wurde die noch als 'Bachschmid' vermarktet?
Gruss Andi
 
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Ruebennase

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Sie hat leider keine so spannende indirekte Zentralsunde. Das Alter vermag ich nicht genau bestimmen, aber sie wurde unter Bachschmid vermarktet und 1909 mit dem Diplome de Honneur in Milan ist erwähnt. Ich habe Sie ohne Glasring fotographiert weil der Cjip lose durch die Uhr wandert. Ich habe mich noch nicht entschlossen ob ich sie behalte oder passig weiter gebe und daher wollte ich nicht rum basteln. So recht paßt sie nicht in meine Sammlung und liegen lassen konnte ich sie auch nicht. Ärgerlicher Weise ist das Argentangehäuse auch stark von Öffnungsspuren gezeichnet. Der eine Stein ein Messingfutter und der Deckstein sieht ein wenig nach Glas aus.

2727228

Grüße Silke
 
andi2

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Sehr schön! Äusserlich ist das ja eine ganz traditionelle Bachschmid-Uhr mit der Handelsmarke auf dem Zifferblatt. So sehen viele Uhren aus, die mutmasslich zur Zeit Bachschmids als Firmeninhaber entstanden, also früher als meine, die erst entstand, als schon die Nachfolger übernommen hatten. Da habe ich mich oben wohl zu weit aus dem Fenster gehängt, als ich geschrieben habe "vermutlich spätere Variante". Aber unsere beiden Uhren sind nicht vor 1904 entstanden, aus diesem Jahr stammt das Patent für das Werk. Bei deiner Uhr steht ja sogar die Patentnummer auf dem Blatt.
Das Sekundenrad hat ein Messinglager, das sieht tatsächlich aus, als wäre es nachträglich so ausgestattet worden.
Man kann auf deinem Foto gut das modern erscheinende rundliche Gesperr mit darunter verborgener Sperrfeder erkennen, dass deine Werksvariante ohne Sperrradbrücke hat.
So modern ist es aber gar nicht, denn das Werk, das in F. Bachschmids Patent 4554 von 1892 beschrieben ist, hatte schon genau so eins (Ausschnitt aus den Patentzeichnungen (CH4554 in depatisnet):

2727242
Das ist ja übrigens das Kaliber, das von Peter (beta21) revidiert wurde (aber das weisst du ja ;).
 
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Ruebennase

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Peter hat eine mit Zentrasekunde und Roskopfhemmung die äußerlich Deiner entspricht.

Grüße Silke
 
andi2

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Das müsste schon die aus dem Patent 4554 von 1892 sein. So hat mir das Peter auch schon durch seine Beschreibung bestätigt. Oben auf dem Foto von Peter sieht man, dass sie ein Echappement-Modul hat (ist noch drin) und dass das Ankerradlager nicht mit auf dem Modul ist. Das ist die spezielle Anordnung wie im Patent beschrieben. Die Anordnung der Lager zeigt, dass das ein Seitenanker sein muss.
Die Zentralsekunde dürfte aber genauso ausgeführt sein wie bei meiner.
 
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