Die Uhren der 50er und 60er Jahre

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Uhrensammer R

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Hurra wir leben noch

Liebe Freunde hier in der Vintage Ecke,

wie sicher einige von Euch wissen, hat sich im Laufe dieses Jahres bei mir eine besondere Leidenschaft für eine bestimmten Uhrentyp entwickelt.

Die „kleinen Golduhren“ die mir so am Herzen liegen, stammen fast alle aus den fünfziger und sechziger Jahren.
Sie repräsentieren einen ganz bestimmten Zeitgeschmack und die Epoche, die wir heute

Wirtschaftswunderzeit

nennen.

Doch so sehr sie auch in diese Epoche gehören, so unvollständig ist es, sie als alleinige „Musterstücke“ dieser Zeit zu betrachten.
Die Zeit von der Gründung der Bundesrepublik bis zum Beginn der siebziger Jahre stellt sich ja auch in anderen Beziehungen sehr vielschichtig dar.

Daher würde ich mich sehr freuen, wenn wir diese Zeit gemeinsam ein wenig genauer beleuchten und diskutieren würden.

So wie es unser Freund Marcus (MaJoLa) im nun schon seit Mitte 2012 tut, möchte ich hier einen Dauerfaden ins Leben rufen, der an die vom ihm bearbeitete Epoche der zwanziger/ dreißiger und vierziger Jahre anschließt.

Damit würde sich auch die, so wie ich es sehe, vorhandene Lücke zwischen 1950 und 1970 (hier gibt es ja einen wunderschönen Bilderfaden) schließen.



Worüber können wir uns austauschen, um hier in einem, hoffentlich langen Informations und Bilder-Faden auf die Beine zu stellen??

1. Die Entwicklung der Uhrenindustrie nach dem 2. Weltkrieg. Oder von der Mangelwirtschaft bis hin zum einsetzenden Sterben so vieler großer Marken.

2. Die unterschiedliche Entwicklung der Uhrenindustrie in Ost- und Westdeutschland.

3. Der beginnende Einfluss Asiatischer Uhren auf den europäischen Markt

4. Formensprache, oder wie sich der Geschmack der Kundschaft ändert.

5. BMW V8 Barockengel für den „Herrn Direktor“ bis zur Isetta für den „Mann im Blaumann“ seiner Fabrik, oder vom billigen Stiftankerwerk im verchromten Gehäuse bis zur
komplizierten Luxusuhr. Oder: Für jeden was dabei.

6. Von Rudi Schurickes „Capri Fischern“ bis zu „Paranoid“ von Black Sabbath. Oder: Mode im Wandel der Zeit.

7. Der stete Weg von der Mechanik zur Elektronik

8. usw.



Und natürlich müssen wir uns die Uhren zeigen, weil wir an ihnen die Entwicklung nachvollziehen können.

Was ich mir auch wünschen würde, sind Eure persönlichen Geschichten zu den Uhren, denn manche von ihnen mag ja als "Erbstück", oder als Eure erste Uhr zu Euch gekommen sein.
Auch sonstige "Zeitzeugen- Berichte" können und sollen das Bild ergänzen.

Dass Verknüpfungen mit Vorstellungen von Euch ausdrücklich gewollt sind, ebenso, wie sonstige "sachdienliche" Verlinkungen brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen.

Ich würde mich also sehr über jede Hilfe von Euch freuen.

Grüße

Roland

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Alius

Alius

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Finde ich eine sehr gute Idee ;). Dann fange ich mal mit eine DER Ikonen an, die besonders im Jahre 1969 Weltruhm erlang. Meine Speedy 145.022 von 1969
 

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falko

falko

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Ein interessantes Thema! In der frühen Nachkriegszeit findet man Uhren, die die technischen Errungenschaften der Militäruhren aufgriffen und für den zivilen Markt nutzten. Dazu zähle ich wasserdichte Edelstahlgehäuse, stoßgesicherte Werke und Zentralsekunden, die damals meist noch mit indirektem Antrieb auf die vorhandenen Werke aufgesetzt wurden. Kleine Gehäuse erhöhten die Robustheit und entsprachen dem Zeitgeschmack. Mit dieser Lemania zeige ich ein typisches Beispiel. Das Zifferblatt ist schon etwas aufgelockert, es finden sich aber, wie bei Fliegeruhren, deutliche Radium-Markierungen auf Zeigern und Zifferblatt. Der hohe Preis einer solchen Schweizer Uhr wird sie aber für die breite Masse in der unmittelbaren Nachkriegszeit nicht zugänglich gemacht haben.

 
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Tomcat1960

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Hm ... ehrlich? Ich glaube, es gab im letzten Jahrhundert keine zwei weiter auseinander liegenden Jahrzehnte als die Fünfziger und Sechziger. Eben noch schwülstiger Gelsenkirchener Barock, im nächsten Moment Dessauer Nüchternheit. Eben noch "wir sind wieder wer", im nächsten Moment "das haben wir alles nicht gewusst". Eben noch Rudi Schuricke, im nächsten Moment Beatles und Stones. Es gibt nur ganz wenig, was eine Brücke zwischen den beiden Jahrzehnten schlägt - Elvis vielleicht, dessen Musik irgendwie zeitlos war, oder die Borgward Isabella, der selbst heute ein leichtes Facelift reichen würde, um sie zu einem Auto des 21. Jahrhunderts zu machen.

Und genau so gilt das meiner Meinung nach auch für Uhren. Es ist dein Faden, Roland, und natürlich beteilige ich mich. Aber ich fände mich eher wieder in zwei getrennten Fäden. Auf ihre Weise waren die Fünfziger typisch, und die Sechziger eben auch. Zusammen waren sie's nicht ;-)

Der Chronograph meines Vaters ...



... ist ein typischer Fünfzigerjahrechrono. Er symbolisiert das "wir sind wieder wer, wir können uns was leisten und wir zeigen es auch" ... obwohl er natürlich nur aus sehr dünnem Gold gefertigt war und ein Massenwerk trug (das Landeron 48), das mit dem Geldbeutel der Käferfahrer in Deutschland kompatibel war, die ein Häuschen im Grünen abbezahlen mussten.

Aus den Sechzigern stammt dagegen diese E.R.C. mit Stiftankerwerk - nüchtern, frugal fast. Der einzige Luxus, den sie sich leistet, ist das von Fortis inspirierte Zifferblatt:



Ich glaube, unterschiedlicher können Uhren nicht sein.

Viele Grüße
Andreas
 
Königswelle

Königswelle

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Hallo Roland,

da hast du dir ein tolles Thema ausgedacht. Das verspricht ein super Faden zu werden. Zwangsläufig unstrukturiert, aber dafür mordsinteressant. :super:

Was ich zum Thema beizutragen habe, sind zwei Seikos. Seiko hatte in den 50er Jahren auch schon eine Tradition im Uhrenbau von mehr als einem halben Jahrhundert, aber obwohl man dort wirklich gute Uhren produzierte, galten doch die Schweizer Produkte vor allem im Highendbereich immer noch als überlegen.

Schließlich entschloss man sich bei Seiko, endlich auch in diesem Bereich Zenith, Omega und all den anderen Oberklassemarken Paroli bieten zu wollen und Uhren zu produzieren, die sich qualitativ vor der schweizer Oberklasse nicht verstecken müssten. Seiko hatte seinerzeit zwei Uhrenfabriken, die Suwa Seiko und die Daini Seiko, die zwar durchaus zusammenarbeiten konnten, aber doch auch einen gewissen interen Wettbewerb ausfochten und jeweils versuchten, das gesetzte Ziel zu erreichen. Hier ging es weniger darum, besonders wirtschaftlich zu sein, vielmehr sollte das technisch maximal mögliche erreicht werden, ohne sich dabei von Kostenrechnern oder Bedenkenträgern ausbremsen zu lassen.

Bei der Suwa sollte die Grand Seiko Reihe die Speerspitze des Machbaren bilden, bei der Daini war es die King Seiko, die beide Anfang der 60er Jahre letztendlich auf den Markt kamen.

Hier ist das erste Grand Seiko Modell mit dem Kaliber 3180, in einer frühen Ausführung, was man an dem Zifferblatt mit dem eingeschnittenen bzw. gravierten "Grand Seiko" Schriftzug sehen kann. Diese Fertigung wurde bald aufgegeben, da sie offenbar doch zu schwierig und fehleranfällig oder zu teuer war. Spätere Modelle tragen den Schriftzug als aufgebrachtes Relief, auch gedruckt habe ich es schon gesehen (weiß aber nicht, ob das original ist).

NIK_2107.JPG

Hier nochmal das Zifferblatt:

NIK_2105.JPG

Und auch die Rückseite ist nicht zu verachten. Der Seiko Löwe soll wohl den Chronometerstatus verdeutlichen:

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Die hausinterne Konkurrenz der Daini Seiko sah folgendermaßen aus (es handelt sich um eine frühe King Seiko, die noch nicht über einen Sekundenstopp verfügt, der be den späteren Ausführungen obligatorisch wurde):

NIK_2073.JPG

Die Rückseite zeigt, wie es sich für eine königliche Uhr gehört, ein Wappen: ;-)

NIK_2080.JPG

Beide Uhren zeigen bereits das, was für die Grand Seiko und King Seiko Reihe fast als typisch gelten darf; ein schlichtes, ja beinahe schon langweiliges Aussehen, das aber eine hervorragende Ablesbarkeit garantiert. Beide sind mit Handaufzugswerken bestückt, was bei den Verantwortlichen bei Seiko wohl als die einzig mögliche Ausstattung für eine Uhr für den wahren Gentleman angesehen wurde (andere hätten sich diese Uhren eh nicht leisten können ;-) ).

Erst Mitte der 60er setzte sich die neumodische Auffassung gegenüber der alten konservativen Ansicht durch, dass auch ein Automatikwerk einer Grand Seiko für würdig erachtet werden konnte, wenn es denn die erforderliche Qualität aufweisen sollte. Man wurde im eigenen Hause fündig. Flugs wurde der gerade auf den Markt gekommene Seikomatic Chronometer... (Kaliber 6245 [Datum] bzw. 6246 [Tag/Datum])

P1030891.JPG

befördert und quasi zur Grand Seiko geadelt:

NIK_2049.JPG

Einfach eine neue Beschriftung aufs Zifferblatt und das Löwenemblem auf dem Rückdeckel durch ein "GS"-Emblem ersetzt und fertig war die erste Automatik Grand Seiko, die sich durch die fehlende Handaufzugsmöglichkeit und ein völlig anderes Design von all ihren Nachfolgerinnen deutlich unterscheidet. Heute haben wir die etwas paradoxe Situation, dass für den Chronometer oft höhere Preise aufgerufen werden als für die baugleiche Grand Seiko, einfach weil er noch seltener ist.

Intern hatte bald die Suwa das Rennen gemacht, deren Grand Seiko Reihe noch einen Tick besser war, als die King Seikos der Daini, was sich daraus zeigt, dass der King Seiko Chronometer Kaliber 44 ebenfalls zur Grand Seiko Seiko befördert wurde.

Ein neues Gehäuse, dass schon deutlich die Formensprache der späteren Modelle und schon hatte auch die Daini Ihre Grand Seiko:

P1030934.JPG

Letztere Modelle waren zwar nicht vergoldet, aber ich hoffe, sie dürfen trotzdem hier rein. ;-)
 
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Wenn man 1960 auch als Teil der 50-er Dekade zählt:

Eine Werba Geneve mit dem seltenen "Springkaliber" chezard 7400 und die gerade erstandene, konservativere Mido Ocean Star Powerwind mit AS Kaliber.
Hier ein link zur Modellbeschreibung. Die 50-er auch schon ganz zukunftsorientiert.
Zitat:wtchtime.ch aus obigem link

Die Mido Ocean Star ist eine der wenigen Uhren, die seit vielen Jahren nahezu unverändert gebaut werden. Das Design, typisch für die späten 50er Jahre, fällt durch ein sehr groß wirkendes Zifferblatt mit breiten Zeigern und Indices auf. War die Uhr bei ihrem Erscheinen 1959 noch eine preiswerte Alternative zur superflachen Eternamatic, die es nur in Gold zu kaufen gab, so ist sie heute in ihrer Form und Ausführung einzigartig.

Das Gehäuse besteht aus einer Schale, das Werk wird also von oben eingesetzt und mit dem Hesalithglas wasserdicht verschlossen. Zum Ausbau des Werks wird das Glas abgehoben, die Reißkrone läßt sich dabei mit einem beherzten Ruck lösen. Die Kronendichtung, bestehend aus pulverisiertem und mit einem Kleber vermengten, Naturkork, hält ewig dicht und muß nie ausgetauscht werden.

SAM_2998_1.jpg


IMG_1701

Zitat watch-wiki zu chezard:

(ab 1937 erfolgte die Angliederung an Ebauches SA. 1951 folgte die Konstruktion der legendären Armbanduhrenkaliber 115, 116 und 118 mit „springender Zentralsekunde“. In den fünfziger Jahren wurden dann auch mehrere Armbanduhrenkaliber mit springender Zentralsekunde produziert, die beispielsweise von DOXA und Arsa verwendet wurden. 1955 folgte das Werk der 7400er Serie mit „springender Zentralsekunde“ (auch „jumping second“, “dead beat seconds“ oder „seconde morte“ genannt) und Sekundenstopp. Diese sehr seltene Komplikation wurde nur von sehr wenigen Herstellern gefertigt. Später wurde das Werk 7400 von Chézard auch von Panerai und weiteren renomierten Herstellern verwendet (Panerai PAM00080 Radiomir Independent).

1969 folgte die Auflösung der Uhrenmanufaktur Mader & Co. Chezard, doch im Jahre 1983 kam es zu ein fortführung des Unternehmens unter der Firmenbezeichnung Chezard. 2010 übernimmt Axesus GmbH die Firma Chezard. 2011 entwickelt Chezard eine Tiefseetaucheruhr mit über 1.000 Meter Wasserdichte, die komplett mit einem speziellen Öl gefüllt ist.
Bei den 60-ern geht es bei mir erst richtig los. Dann aber zeittypisch.

Gruß
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falko

falko

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Ich sehe zwar die stilistische Zäsur zwischen den 50er und 60er Jahren nicht so ausgeprägt wie Tomcat, aber bleiben wir zunächst in den 1950er Jahren.
Wer Anfang dieses Jahrzehnts schon etwas auf der hohen Kante hatte, kaufte gerne eine Golduhr. Man trug sie nur Sonntags und zu besonderen Anlässen. Klein und elegant musste sie sein. Ein Schweizer Werk galt als Qualitätsmerkmal und hob den Preis. Hauchdünne Goldgehäuse ohne besondere Abdichtung waren weit verbreitet und genügten den Ansprüchen. Die hier gezeigte Berg macht da eine Ausnahme, da sie mit Schraubboden wasserdicht ausgerüstet war. Der Hersteller, die Beutter KG in Rosenfeld, war Spezialist für goldene Uhren und hatte mit Militäruhren Erfahrungen sammeln können. Verbaut wurden dort zugekaufte Werke, in dieser arbeitet ein ETA 1080.


 
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Uhrmensch12

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Ich möchte euch zwei Vertreter deutscher Uhrenundustrie aus dem geteilten Deutschland der 50er Jahre zeigen:
Osco Parat (Kaliber 52) aus dem württembergischen Ort Schwenningen
IMG_2209.jpg

Und eine GUB (Kaliber 60.1) aus der sächsischen Kleinstadt Glashütte, noch mit aus dem Westen importierten Gehäuse
GUB_60.1.jpg

Ich wünsche allen Frohe Weihnachten!
 
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bghdh

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Hier eine erschwinglichere Uhr für die Mittelschicht

Bifora mit zeitgenössischer Werbung



in ihr schlägte ein BIFORA 91/1

weiter gehts mit einer BIFORA 113




...und hier das "Flaggschiff"

Bifora Unima



die gabs bauartgleich auch als Chronometer ;-)


ja und nicht zu vergessen;

BIFORA TOP




Gruß
Bernd
 
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Kaliber 66

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Valletta, Malta 1963. Eric B., ein britischer Civil Engineer kauft sich eine Uhr in dem Laden im Hintergrund. Maerz 2014 - Eric schenkt mir die Uhr mit der Wegbeschreibung zum Laden. Sommer 2014: Die Uhr bekommt eine Revision und Minireparatur in der Tschechischen Republik.
October 2014 - Sie fliegt zurueck nach Valletta und trifft ihren damaligen Verkaeufer, der noch mit 80 Jahren seinen Laden betreibt. Schoener und lebendiger kann Geschichte kaum sein;-)
 

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UNO1

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Ich hätte da noch eine Dugena aus den 60ern am Bed of Rice!
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Gruß
Ingo
 
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So ab 1962 wurden auch diese superflachen Mikrorotoren erschwinglich; auch für richtig harte Männer





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cae-35.jpg

cae-33.jpg





Geschichtliches:

Das fast zeitgleiche Erscheinen der ersten Mikro-Rotor Automatikwerke von Uhrenfabrik Büren AG und Universal 1957 patentiert galt als kleine Sensation in der Uhrenbranche.
Das von Burens Chefkonstukteur Hans Kocher als "Planetenrotor" bezeichnete Kaliber 1000A konnte im Vergleich zum Vorgänger „Rotowind 543“ um ganze 1,15 Millimeter in der Höhe reduziert werden.
Das Kaliber wurde 1957 in der Hamilton "Super Slender" Linie veröffentlicht und war damit eines der flachsten Automatikwerke dieser Zeit und konkurrierte mit den Mikro-Rotoren der Universal Geneve über viele Jahre um die Krone der flachsten automatischen Werke der Welt.

Hamilton (später Hamilton International SA in 1968) baute auch komplette Uhren mit den Mikrorotorkalibern unter dem Buren Label als eine ihrer "Budget" Modellinien (neben z.B. Huguenin, deren Namensrechte sie 1959 übernommen hatten) und Vantage (1962)).
Hans Kocher (Buren-Chefdesigner) fungierte weiter als Präsident der Buren Watch Company SA, bis Hamilton ihrerseits von der SIHH im Jahr 1971 gekauft (später SMH, heute Swatch Group) Ab 1974 wurden alle Firmenwerte der SMG überschrieben. Buren ging innerhalb weniger Monate in Liquidation.

Gegründet im Jahr 1873 von F. Suter, hat Buren sein erstes Automatikwerk (Kal. 525) im Jahr 1945 veröffentlicht und zeigte damit einen neuartigen Ansatz zur automatischen Aufzug, Es verwendete eine schwere Pendelmasse, was insgesamt zu einer dünneren automatische System als andere Uhrwerke seiner Zeit führte. Es war eine fragile und nicht besonders effiziente Konstruktion, auch wenn in den frühen Hammerautomatikuhrwerken anderer Hersteller gefunden wird. Im Jahr 1952 stellte Buren ihre erstes Rotor vollautomatisches Rotoruhrwerk mit bi-direktionalen Aufzug (Kal. 541) vor. Es verfügte über einen massiven Rotor um ein kleines (9 1/4-linigen) Uhrwerk. Die kleineren Automatikwerke wurden durch das Verwenden von Glucydur Unruhen und Nivarox Spiralfedern immer ganggenauer und mündeten in die Entwicklung des Kal. 538 im Jahre 1953. Das war das kleinste Automatik-Kaliber mit Gangreserveanzeige; ein Feature, um die Öffentlichkeit zu überzeugen, dass dieses neumodische „Automatik Zeug“ wirklich funktionierte.
Im Jahr 1954 patentiert Buren nach den Plänen von Hans Kocher, ein Mikroaufzugssystem ( damals "Planetenrotor" genannt), das schließlich 1957 in Produktion ging. Bis 1962 wurde das Design in Form des Kal. 1280 verfeinert.

Die „Intramatic", gewann 1964 den Prix d'Honneur bei der Schweizer Landesausstellung in Lausanne. Im Jahr 1965 wurde das Kaliber weiter in Form der Kal. 1320 ( 1321 und 1322).verfeinert. Beide Ausführungen (die 1280 und 1320) erhieltten einen etwas größeren schwingenden Masse als die früheren Modelle, die nun über die Mittellinie des Werkes reichte.


Quelle: Ein Artefakt der Innovation: Die Hamilton / Buren Intramatic
Teil I
von John Davis
21. Mai 2001


Konstruktives:

Möglich wurden alle diese Bemühungen zur Reduktion der Gehäusehöhe dank des konstruktiven Kniffs: eben dieses Mikrorotos.
Es handelte sich wie gesagt um einen echten 360-Grad-Rotor, der außermittig gelagert und in das Werk integriert wurde. Somit liegt er nicht auf, sondern neben dem Großbodenrad. Neben der geringeren Höhe macht er das Werk auch übersichtlicher.

Wechselgetriebe. Räderwerk und Hemmung werden nicht verdeckt und lassen sich gut bei der Fehlersuche beobachten. Das Nebeneinanderlegen der Lager erlaubt darüberhinaus größere Abstände und eine hohe Stabilität des Uhrwerks.


Weiterentwicklung und Aufbau zum ersten automatischen Chronografenuhrwerk "Chronomatic"

Es war das "Intramatic" Uhrwerk, das Buren in einem Joint Venture mit Breitling-Leonidas, Dubois-Depraz, Hamilton (die Buren damals im Besitz hatte s.o ) und Heuer zu einem der weltweit ersten automatischen Chronographen im Jahr 1969 führte, die "modifizierten Chronomatic " . Das in den "Chronomatic" vorgestellten eine Dubois-Depraz Chronographenmodul (8510), das an der Rückseite der Werks aufgesetzt wurde und durch 3 Triebe mit dem Grundkaliber verbunden wurde verdeckt dadurch den Mikrorotor vollständig.




Das war dann am Ende des Jahrzehnts.


Gruß
T. Freelancer
 
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lennox

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Nach 45 begann man mit dem einfachsten Mitteln unter Aufsicht der Russen in Glashütte eine Uhrenproduktion auf die Beine zu stellen. Zur dieser Zeit waren die meissten früheren Fachkräfte gefallen, oder noch in der Kriegsgefangenschaft. Die forderung der Russen war Uhren . Die meissten Pläne Maschienen und Halbzeuge hatt man nach Moskau geschafft, und dort wie das Tutima Kal69und das Einheits Schffschronometer, weiter zu Bauen. Mit einer handvoll ehem Mittarbeiter wurde die Uhrenproduktion wieder aufgenommen . Weil Maschienen fehlten wurde ein einfaches Kal entwikelt das Kal 61, und mit der produktion begonnen . Die Uhren gingen alle nach Russland . Auf den ersten Werken war noch ne Gravur Wiederaufbau. Dann musste ein Logo gefunden werden . Da hatt man den Russen das alte UFAG logo vor 33 untergejubelt . Es wurden aber auch wellche ohne jeglicher Beschriftung bebaut ,Hautsache die Russen bekammen ihre Uhren . Bis zum Ende der Firma Awtowelo wurden mehrere Verbesserungen gemacht . Dann wurde das Kal 61 vom GUB kal 60 abgelöst .Die Kleinste auf dem Bild, ist ein UFAG kal mit dem UFAG Logo vor 33
Gruß
lennox
 

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Scholle

Scholle

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Hallo Roland, hier von mir einige Vertreter der deutschen Uhrenindustrie.
Amado Wilhelm Beutter oHG aus Pforzheim
Amado TU.jpg
Blumus Adolf Blümelink aus München
Blumus TU II.jpg
Cito Uhrenfabrik Keppler&Merkle aus Pforzheim.
Cito TU III.jpg
Dietz Dimar Uhren GmbH Ludwigshafen
Dietz TU.jpg
EFrico Erich Fröhlich aus Conweiler und Straubenhardt
EFrico TU.jpg
Felsus Augustus Felss Felss & Co aus Pforzheim
P1050668.jpg
Gama G. A. Müller aus Pforzheim
Gama TU.jpg
Homa Rudolf Holzmann aus München
Homa TU.jpg
Das soll erstmal reichen für den Anfang.
Viele Grüße Alex
 
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falko

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Bleiben wir in Deutschland der frühen 50er Jahre. Junghans entwickelte das wunderschöne Kaliber J82 mit Kleiner Sekunde und mit Zentralsekunde. Für die Anhänger sehr präziser Uhren liess man dieses Kaliber in recht grosser Stückzahl vom Landesgewerbeamt Stuttgart zertifizieren. Typisches Stilmerkmal dieser Zeit war der durch rote Farbe hervorgehobene Sekundenzeiger, der die angestrebte, sekundengenaue Anzeige betonen sollte.
Hier ein nicht zertifiziertes Modell aus dem Jahre 1953:


 
Wristwatch

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Stuttgart Ø
Hallo liebe Gemeinde,

Geburtenstarker Jahrgang, Sturmflut Hamburg, Gründung Rolling Stones, Spiegelaffäre, Kubakrise, Tod Marylin Monroes, Gründungsjahr Bundesliga, Unabhängigkeit Jamaika, 1. Single Beatles (Love Me Do), Uraufführung "Der Schatz im Silbersee", die Kinder heißen Susanne und Thomas (Ralf war Nr. 8), es regieren Konrad Adenauer und John F. Kennedy...

...dies waren Schlagzeilen und Namen des Jahres 1962 in welchem ich geboren wurde und bin somit ein Kind der 60er-Jahre, nicht zuletzt deshalb faszinieren mich die Uhren aus den 60-er Jahren und deren Design. Geringschätzig kann man viele Uhren dieser Zeit aus heutiger Sicht als langweilige Opa-Uhren bezeichnen, für mich sind sie einfach schön.

Hier schlage ich dann die Brücke von der Opa-Uhr zur Omi..., in dem ich Euch meine 2 Omegas aus 1962 als typische Uhren der frühen 60er zeigen darf:

IMGA0045.jpg

IMGA0039.jpg

IMGA0038.jpg

P5141879.jpg


@ All: Sehr interessante und fachlich fundierte Beiträge hier, ach und natürlich sehr schöne Uhren!

Grüßle

Ralf
 
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ca_ffm

ca_ffm

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Nicht aus Deutschland, aber trotzdem schön.

Omega Seamaster aus 1952, mit Hammerautomatik.

DSC_5137_.JPGDSCF1452_.jpg

Grüße Christian
 
EDNX

EDNX

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EDNX
Servus,

die Idee ist sehr gut und auch die Beiträge zeigen, daß diese Epoche in Sachen Uhren einiges an Potenzial hat. Ich fasse mal einen kurzen Abriss der Geschichte von Hanhart lose zusammen, ohne auf Quellenangaben einzugehen - so wie Sebastian Haffner das Zeit seines Lebens gemacht hat;-)

Westliche Besatzungszone 1948: Willy Hanhart kehrt zurück nach Gütenbach, dass er nach Kapitulation 1945 in Richtung Schweiz verlassen hat. Mit einfachsten Mitteln und Restbeständen aus der Weltkriegsproduktion beginnt man bei Hanhart in Gütenbach wieder mit der Produktion von Stoppuhren und Chronographen.

Die Gehäuse der Chronographen sind anfangs noch mit unterschiedlichem Drückerabstand, mit oder ohne Drehlünette. Das Kal. 41 wurde modifiziert auf gleichen Drückerabstand. Die Platinen haben anfangs zwei aneinandergrenzende Bohrungen für den langen und den kurzen Schalthebel. Chronobrücken mit Steinen und Zentrumsschraube sowie die 4- und 5-stelligen Werknummern sind die Anzeichen für die neuen Kal. 42 Uhrwerke. Verbaut wurde, was da war!

Anfang der 1950er Jahr wurden Chronographen in "alten" Gehäusen an das MdI (Ministerum des Inneren) der DDR geliefert. Das dürfte der erste große militärische Auftrag nach dem Krieg an Hanhart gewesen sein. Die Uhren wurden an die KVP ausgegeben und auf dem Stahlboden mit MdI und einer fortlaufenden Nummer gestempelt. Derzeit liegt die höchste Nummer bei ca. 350 und damit ist die MdI mit Sicherheit die seltenste aller Hanhart Militär Chronos:super:

Hanhart hat (oder "musste" als Reparation) mehrere tausend Garnituren der 417ES an die L'Armee de L'Air geliefert. Diese waren mit Vixa im Blatt gekennzeichnet, wurden nahe Paris montiert und wiesen auf der Platine höchstens "Germany" auf. Der Nummernbereich liegt bei 3tausend bis 8tausend.

1955 wurde bei der "neuen" Luftwaffe der Hanhart 417 Chronograph in zwei Ausführungen eingeführt, 417E beschichtetes Gehäuse mit Druckboden und 417ES Stahlgehäuse mit Schraubboden. Einige Modelle waren für den medizinischen Dienst mit hellem ZB vorgesehen, der sogenannte Moby Dick der Hanharts;)

Zusätzlich zur Regelversorgung durch Hanhart wurde bereits Ende der 1950er bei der BW Luftwaffe die Junghans 088/110 und 088/111 angeschafft, da Hanhart anscheinend nicht genügend liefern konnte.

1963 war dann endgültig Schluss mit der Produktion von Chronographen für den zivilen und den militärischen Bereich. Anfang der 1970er wurde nochmal eine kleine Serie mit Valjoux Werken aufgelegt.

Hanhart Kal. 41 MdI ca. 1950 DDR, Junghans Luftwaffe 088/111 Kal. J88 ca. 1957 BRD, Hanhart 417ES Kal. 42 ca. 1955 BRD



Frohe Weihnachten!
 
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Uhrensammer R

Gast
Da habe ich ja was angefangen;-)

Lasst mich Euch ersteinmal einen herzlichen Dank sagen dafür, dass Ihr Euch auch in dem, meistens ja etwas hektischen Vorweihnachtgeschehen, die Zeit genommen habt, zu antworten.

Dann möchte ich um Verständins dafür bitten, dass meine ausführliche Rückantwort wohl erst morgen, oder übermorgen erfolgen kann.
Ich verspreche aber, dass ich mich mit jeden Text und jede Uhr ganz genau befassen werde, denn ich glaube, dass wir hier noch viel spannendes zu lesen und zu sehen bekommen werden.

Für heute wünsche ich allen einen wunderschönen Heiligen Abend und die Erfüllung Eurer Wünsche.

Liebe Grüße

Roland
 
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