Die schöne Unbekannte

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Tomcat1960

Gast
So, hier ist sie nun, meine schöne Unbekannte. Ich stelle sie Euch vor, weil ich so wenig über sie weiß und von den Experten gerne das eine oder andere über sie lernen möchte. Vorausschicken möchte ich auch noch mal, dass ich blutiger Laie bin, keine Ahnung von Uhrmacherwerkzeug habe und auch keine professionelle Kamera mein Eigen nenne. Ich liebe schöne Uhren, das ist alles.

Nun zur schönen Unbekannten: auf der Suche nach einer ganz anderen Uhr habe ich sie in meinem Safe wiederentdeckt. Sie gehörte meinem Vater, der sie aber schon viele Jahre vor seinem Tod in Rente geschickt hatte - vermutlich weil ihn die Verfärbungen am Zifferblattrand und das lahm gewordene Scherenband gestört haben. (Mein Vater kaufte sich dann einen Citizen-Chronographen, an den Typ erinnere ich mich nicht mehr - meine aber, es sei eine Bullhead gewesen. Ich muss mal meinen Bruder danach fragen.)

Unbekannte Uhr 031.jpg
Unbekannte Uhr 037.jpg

Wie Ihr alle sehen könnt, trägt sie keine Markenbezeichnung. Zifferblattauslegung und die Form des Zeigers im Minutentotalisator brachten mich nach der Lektüre einiger Uhrenvorstellungen (und des "Welche Vintage-Uhr tragt Ihr heute"-Threads) auf den Gedanken, dass möglicherweise ein Landeron Kal. 48 verbaut sein könnte. Leider habe ich kein schönes Foto des Werks hinbekommen, aber sie läuft einwandfrei mit nur minimaler Gangabweichung (< 3 sec/d), was in diesem Alter und in diesem Zustand für ein Qualitätswerk spricht.

Unbekannte Uhr 049.jpg

Sie hat zwei Drücker - der obere startet den Sekundenzeiger, der untere stoppt und stellt zurück, übrigens einwandfrei auf die "12". Der Minutentotalisator läuft einwandfrei mit und stellt ebenfalls einwandfrei zurück.

Das etwas patinierte Zifferblatt hat eine Telemeterskala innen und eine kombinierte Sekunden-/Tachymeterskala außen. Dies lässt mich an eine Sportuhr denken. Auf dem Deckel steht eine Nummer ("1380137"), darüber ist eine Punze (in der "18K" über "0,750" eingeschlagen ist), und oberhalb der Punze kann man eine Schildform erkennen. Unter der Seriennummer ist eine weitere Punze mit der Nummer "167" eingeschlagen.

Das Gehäuse sieht aus, als sei es aus Gold, zumindest aber innen und außen vergoldet, ebenso der Deckel. (Der Deckel ist innen auch noch einmal bearbeitet - wie nennt man diesen Schliff?)

Unbekannte Uhr 050.jpg
Unbekannte Uhr 051.jpg

Ich beabsichtige, dieser Uhr nur eine milde Aufarbeitung - äußerliche Reinigung, Werksreinigung und -ölung, Instandsetzung des Scherenbandes - angedeihen zu lassen. Die Patina darf sie behalten, sie ist in Ehren erworben (mein Vater war Sportler) und sie stört mich nicht.

Leider habe ich meinen Vater nie nach dieser Uhr gefragt, und so kann ich über ihre Geschichte nur Mutmaßungen anstellen. Daher ein paar Fragen an die Experten für Vintage-Uhren hier:

Ist es denkbar, dass diese Uhr von einem ganz normalen Uhrmacher hergestellt wurde? Gab es damals schon "Aftermarket"-Zifferblätter für Standardwerke (wie das Landeron 48)? Gehäuse wurden ja sicher schon damals fremdgefertigt, oder hat man in den Fünziger- und Sechzigerjahren bei den Uhrenfabriken die Gehäuse selbst gegossen?

Konnte man in den Fünfzigerjahren Uhren beim Uhrmacher so konfektionieren wie heute (bspw. bei Artego?)

Die Konstruktion des Armbandes scheint mir auch alles andere als konventionell zu sein - ein normales Gliederband in Kombination mit einem Scherenband. Da man in den Sechzigern ja allgemein zu Fixoflexbändern überging, wenn man ein elastisches Band haben wollte, würde ich die Uhr schon in die Fünziger datieren.

Unbekannte Uhr 047.jpg
Unbekannte Uhr 048.jpg

Wer kann einen Uhrmacher empfehlen, der Scherenbänder repariert? Was wird so etwas kosten?

Vielen Dank schon im Voraus für viele sachkundige Antworten ;-)

Grüße
Tomcat
 
BSBV

BSBV

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Hallo,
schöner Ticker. Wenn Du uns sagst wie die Punze aussieht oder welcher(n) Buchstabe(n) zu sehen sind, dann weiss man welches Werk drin ist.

Das Band wurde sicherlich später an die Uhr gebracht. Ich würde da ein Lederband dranmachen, obwohl ich nicht ein Fan von Lederbänder bin.
 
Mücke

Mücke

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Schöne Erinnerung an Deinen Vater.
Ich würde Werk, Gehäuse und evtl. Zifferblatt überholen lassen (und das sekundäre Armband austauschen).
 
GUB Kaliber

GUB Kaliber

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Hallo
Richtig , laß das Werk machen und dann ein schönes Lederband wenn Du sie tragen willst.
Gruß Peter
Ps. Bei unseren Uhrmachern liegen gebrauchte Flexbänder ohne Ende in den Krabelkisten.
 
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Tomcat1960

Gast
Hallo zusammen,

könnt Ihr mir Hinweise geben, was eine Revision dieser Uhr kosten darf? Kuhnle in Fürth will 300 € dafür haben ... das finde ich nun ein wenig teuer (ganz abgesehen davon, dass ich das nie an meiner Finanzministerin vorbei bekomme ;-)) (Falls jemand einen Tip für einen günstigeren Uhrmacher hat, idealerweise im Großraum Nürnberg oder München, oder falls jemand von Euch das Werk für einen angemessenen Preis reinigen und ölen würde, bitte PN.)

Das Flexband bieten sie für 30 € an - mal schauen, was sie da haben. (Ich weiß, dass mir alle zu einem Lederband raten, aber ich kenne die Uhr nun mal nur mit diesem Band an meines Vaters Arm und deswegen darf es auch bleiben.)

Viele Grüße
Tomcat
 
Bruce Wayne

Bruce Wayne

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Da wo viele andere Urlaub machen ...
Ich denke bei einer Vollrevision (evtl. inklusive Blattrestauration) durch eine fähigen Uhrmacher kommst Du schnell in die 300-Euro-Ecke. In München wird sich da sicher ein guter Restaurator finden lassen. Hier kommen doch einige aus München, siehe den aktuellen Thread " Uhrentreffen in München" von Frank (carpediem). Bei dem emotionalen Hintergrund der Uhr wäre es mir das vermutlich wert. Ist aber eine persönliche Entscheidung. Der monetäre Wert der Uhr würde es aus meiner Sicht auch rechtfertigen.
 
Hands

Hands

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Chronographe Suisse ist eine Handelsmarke. Mit dem Werk hast du recht. Man bediente sich bei Landeron, ich vermute ein 248. Das Goldgehäuse ist in den meisten Fällen so dünn, das zur Verstärkung oft noch ein Edelstahlboden unter dem Goldboden zum Vorschein kommt.
Trotzdem ein sehr schöner Chrono:super:
 
yakuza

yakuza

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Sehr sehr schönes Erinnerungsstück.

Ich finde das immer wieder faszienierend, was früher schon möglich war, ohne die modernen Maschinen von heute!

echte Handarbeit eben
 
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saabguru

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@Tomcat1969

am Ende der Lessingstr.(kurz vor der Ludwigstrasse) ist ein kleiner Uhrenladen.
Dort werden noch richtige Reparaturen dürchgeführt.
Ist allerdings schon ein bis zwei Jahre her das ich das Letzte mal dort war,
hoffe den Laden gibt es noch weil die Besitzerin war schon etwas älter.

Gruß
SaabGuru

Hallo zusammen,

könnt Ihr mir Hinweise geben, was eine Revision dieser Uhr kosten darf? Kuhnle in Fürth will 300 € dafür haben ... das finde ich nun ein wenig teuer (ganz abgesehen davon, dass ich das nie an meiner Finanzministerin vorbei bekomme ;-)) (Falls jemand einen Tip für einen günstigeren Uhrmacher hat, idealerweise im Großraum Nürnberg oder München, oder falls jemand von Euch das Werk für einen angemessenen Preis reinigen und ölen würde, bitte PN.)

Das Flexband bieten sie für 30 € an - mal schauen, was sie da haben. (Ich weiß, dass mir alle zu einem Lederband raten, aber ich kenne die Uhr nun mal nur mit diesem Band an meines Vaters Arm und deswegen darf es auch bleiben.)

Viele Grüße
Tomcat
 
T

Tomcat1960

Gast
Hallo ralroh, danke für den Tip. Die Zeiger passen ja wie die Faust auf's Auge ... schrecklich :-( Ob er bei geforderten 350 Euro einen Abnehmer dafür findet?

Interessant ist das Bild des Stahldeckels - ich habe zwar schon mehrfach darüber gelesen, aber die Uhr meines Vaters hat sowas offenbar nicht. Wurden die schon auch mal weggelassen?

Grüße
Tomcat

Edit: nun, offenbar schon. 367 € sind ja schon eine Ansage.

Immerhin hat er zwei weitere im Angebot. Diese hat zwar ein interessantes ZB, aber die Zeiger hätte ich irgendwie anders angemalt oder in Gold oder Messing gelassen, und das Armband ist einfach scheußlich. Sowas käme mir nie an den Arm.
Dafür sieht jene ganz nett aus, im großen, ganzen scheint sie auch original zu sein, mit sanfter Patina am ZB und einem tragbaren Armband. Der Preis ist natürlich eine richtige Ansage ;-), ebenso wie die Wertangabe bei dieser hier.
Den Vogel abschießen tut freilich die hier: selbstbewusste 3.300 Teuronen ruft der Verkäufer auf :shock:, und immerhin noch 2.650.- für ihre Schwester. Da schau ich zu :-)

Und schlussendlich habe ich auch noch die Zwillingsschwester der Uhr meines Vaters gefunden. Schade, ich hatte mir so eine schöne Geschichte zurechtgelegt, wo die Uhr her und in den Besitz meines Vaters kam :-D

Um ein Langes kurz zu machen: ich finde diese Uhren überaus bemerkenswert und freue mich, dass eine davon bei mir aufgetaucht ist. Ich verspreche, dass ich sie in Ehren halten werde.

Grüße
Tomcat
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
malikka

malikka

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Hallo. Andreas . Schöne Uhr mit dem Landeronwerk . Laß sie machen . Ich will dir mal meine Fertige zeigen mit dem Landeron 189 mit Rotvergoldetem Werk .. Komplette Revi mit Ersetzen der Zugfeder .
 

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ralroh

ralroh

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Super! Beim Anblick solcher schönen Werke krieg ich immer große Augen. Eine Frage hab ich allerdings noch: Wie ist denn der Durchmesser der Uhr?

LG
 
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Tomcat1960

Gast
@ saabguru: Du meinst in Fürth?
@ malikka: hast eine PN. Deine ist ja wirklich wunderwunderschön. Wie sah sie denn aus, als sie in Deinen Besitz gelangt ist?
@ ralroh: ca 38 mm. Sie galten zu ihrer Zeit als "große Uhren" :-) Wenn sie Dir gefällt, biete doch bei der "Zwillingsschwester" von oben mit ;-) - die ist wirklich ein bezahlbarer Traum.

Grüße
Tomcat
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
ralroh

ralroh

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Wahrlich schöne Uhren. Leider ist mein Budget diesen Monat (insgesamt 9 ticker!! gottogott...und heute ist erst der 3.) schon deutlich überschritten. Ich muss erstmal wieder was ablegen. :-D
 
D

Dsigner

Gast
Hallo Tomcat,

ein schöner Chrono. Das Meisste wurde ja schon geschrieben. Habe auch so ein Erbstück und es hatte einen Wasserschaden. Flexband war auch dran. Habe mich für die Totalrestauration entschieden und ein neues Landeron 248 rein bekommen. Glas, Zifferblatt und Krone wurden ebenfalls gemacht. Das Flexband kam runter und ein schönes Lederband dran. Und zu dem Stahldeckel. Nein die wurden eigentlich nicht absichtlich weggelassen. Der Golddeckel ist aus dünnem Goldblech und neigt zum verbeulen, schlimmsten Falls bis aufs Werk runter. Deshlab gehört er da rein. Vorsicht übrigens auch mit den Hörnen der Bandstege. Die sind innen hohl und nicht massiv gearbeitet. Die reissen schon mal gerne an der Innenseite vom Gehäuse ab.

Da meine ja auch noch ein neues Werk bekommen hat, kann ich zu Preisen nichts sagen, aber vom hören/sagen und nach persönlichem Kontakt wärest Du bei malikka sicher gut aufgehoben.

Hier mal zwei Bilder von meinem restaurierten Schätzen.
Anhang anzeigen 217417

Anhang anzeigen 217418

Lass sie machen es lohnt sich:super:
 
ralroh

ralroh

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Tolle Fotos! Das Eidechsenband passt imho auch sehr gut. Restaurierte Erbstücke sind immer etwas besonderes und lohnenswertes.
 
T

Tomcat1960

Gast
Superfrech finde ich dieses Angebot. Lest Euch mal den Text durch ;-)

Aber die Uhr sieht nett aus...

Grüße
Tomcat
 
ralroh

ralroh

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623
Man könnte ja mal einen Preisvorschlag von 250€ abschicken.;-)
 
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Tomcat1960

Gast
@Dsigner: ja, sehr gelungen! Nicht überrestauriert, eine in Würde gealterte Dame... Das Band steht ihr gut - das Flexband hast Du wohl nicht mehr :-)?

@ ralroh: In der Bucht tummeln sich auch eine ganze Menge Mitglieder der Landeron 48-Familie zu Preisen, die sich auch unsereiner leisten kann. Einfach mal hier nach unten scrollen. Vielleicht gibt's ja Dein Budget im nächsten Monat her.

Viele Grüße
Tomcat
 
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