Die richtige Ölung fürs Federhaus: Fett, Öl oder garnichts?

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Moin Uhrenfachgemeinde,

im Jendritzki steht das alte Uhrmachersprichwort: „Die Reglage beginnt beim Federhaus“ (S.159).

Diesen Ratschlag befolgend habe ich einem alten Handaufzugswerk eine neue Feder spendiert, das Federhaus zuvor auf Macken untersucht (war ok) und die neue Feder eingedrückt. Eines alten Sprichworts aus der KFZ-Innung „Wer gut schmiert…“ eingedenk habe ich dem Federhaus dann noch eine kleine Menge B52 mit auf den Weg gegeben.

Ergebnis: Amplitude zwischen 210 und 224°. Enttäuschend.:wand:


Dann habe ich spaßeshalber ein komplettes Federhaus aus einem Spenderwerk eingesetzt, und siehe da:

Amplitude 250 bis 288°, je nach Lage. Die Feder habe ich so gelassen, wie sie war. Kein Fett, kein Öl, nix. Keine Ahnung, wieviel Betriebsstunden das Teil auf dem Buckel hat.


Welches Geheimnis steckt im Federhaus? Es würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir einen Hinweis gebt, wie diesem Thema beizukommen ist.

Lieben Dank im voraus.

Gruß Dirk
 
hermannH

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Hallo

Sind die Lager für den Federkern beim anderen FH in Ordnung?

Gruß hermann
 
Schraubendreher

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Hallo Dirk,

eine moderne Nivaflex-Feder bleibt normalerweise trocken. Es gibt aber eine Handvoll Dinge, die geprüft werden sollten:
  • Höhenluft des Federkerns im Federhaus,
  • Seitenspiel des Kerns in den Lagern,
  • Zustand der Zähne des Federhauses,
  • Höhenluft des Federkerns im Werk,
  • Streift das Federhaus an Grundplatine oder FH-Brücke?
  • ist das überhaupt die richtige Zugfeder? Stimmt die Breite und die Stärke?

Das fällt mir so spontan ein. Wenn es sich um eine alte Feder handelt (braun oder blau) kann sie tatsächlich überlagert sein. Generell würde ich bei einem alten Werk die Feder nur tauschen, wenn sie defekt oder sichtbar erschlafft ist. 210° in den Seitenlagen sind bei einem richtig alten Werk übrigens absolut akzeptabel. Wer weiß denn schon, was für einen Hebewinkel das Werk hat und im übrigen kann man froh sein, dass das Ding überhaupt noch läuft. ;)

Bis dann:
der Schraubendreher
 
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Hallo Hermann und Schraubendreher,

erstmal Dank für Eure Ausführungen, die mir ja nicht nur Aufschluß geben darüber, wie Ihr vorgeht, sondern auch, was die Bewertung von Beobachtungen/Messungen betrifft.

Im einzelnen:

- Federmaße: die an der alten Feder vorgenommenen Messungen der Maße stimmen mit den Ranfft-Werten überein: 1.20 x 10.0 x 0.11 x 320mm

- Lagerspiel seitlich: die Aufzugswelle läuft unten im Federhaus stramm, wie es wohl sein soll; oben ist die Welle fest mit dem Zahnrad vernietet

- Lager: das Kaliber hat beidseitig Lagersteine für das Federhaus; die Steine sind ok

- die Höhenluft des Federkerns im Werk ist bei beiden Federhäusern gleich

- Schleifspuren in der Platine bzw. der FH-Brücke sind nicht auszumachen

- beide Zahnräder des FH sind unversehrt



Die nachfolgenden Fotos zeigen die beiden Lagerzapfen des FH. Die sind m. E. ok, oder?


20200627225709 Federhauszapfen oben.jpg20200627225922 Federhauszapfen unten.jpg

Erfahren denn die neuen Aufzugsfedern keinerlei Schmierung? Warum gleiten dann die einzelnen Gänge aneinander naherzu reibungsfrei? Dauerschmierung? Graphit?

Das sind wiedermal Fragen, fast schäme ich mich... :roll:

Gruß Dirk




-
 
hermannH

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Hallo

Moderne Federn (seit den 70ern?) braucht man nicht mehr zu fetten. Genau weiß ich es auch nicht, denke aber das die Hochglanzpolierung ausreicht.
Einen wirklich kleinen(!) Tropfen halbfestes Fett gebe ich bei Handaufzug Federn auf die Innenfläche des Federhauses und auf die Innenseite des Deckels. Die Federkernlage mit 9020. Hier auch wieder die Devise, weniger ist mehr. ;-)

Eventuell hat ja Jemand mal eine stärkere Feder in das FH vom Spenderwerk verbaut?

Gruß hermann
 
DreizeigerFan

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Das sieht aus, wie das Federhaus aus einem PUW Werk. Ich bin mir da immer nicht ganz sicher, wo die beiden Teile des Federhauses (möglicherweise) aneinander reiben und wo man schmieren sollte.
3136260
Na gut, dieses Federhaus wird aus ganz anderen Gründen nicht mehr funktionieren.

Gruß,
Christian
 
Schraubendreher

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Moin,

ja, das sieht mir auch nach PUW aus. Die Federhäuser sind immer sehr ärgerlich. Wenn möglich nehme ich die Feder auch im Rahmen einer GÜ nicht raus, weil wir keinen passenden Federwinder haben. Ich hatte neulich eine 1270 automatic mit defekter ZF. Trotz passender neuer Feder laut Flume K3 kam die nicht auf Amplitude. Sie lief aber sicher und auch die Gangreserve war hinreichend. Ich habe das dann mit dem Kunden besprochen und er war zufrieden. Wie schon gesagt: man kann froh sein, dass die Werke überhaupt noch laufen.

Ich würde mir deshalb keine grauen Haare wachsen lassen. Wenn das Spenderfederhaus gut ist, lass das doch drin.
Wenn man bei den PUWs mit dem integrierten Sperrad eine Universalfeder einbaut, muss man meist die innere Endkurve sehr weit aufbiegen. Vielleicht wird dadurch im Haus starker seitlicher Druck auf den Federkern und seine Lager aufgebaut, wodurch die Reibungsverluste steigen. Aber das ist Spekulation.

Bis dann:
der Schraubendreher
 
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Das sieht aus, wie das Federhaus aus einem PUW Werk. Ich bin mir da immer nicht ganz sicher, wo die beiden Teile des Federhauses (möglicherweise) aneinander reiben und wo man schmieren sollte.
Anhang anzeigen 3136260


Gruß,
Christian
:-):-):-) An alle :-):-):-)

Es handelt sich um ein PUW560 :klatsch:

Konstruktiv gesehen ist die Lösung mit der radialen Führung ja nicht schlecht, aber, eben , die neue Aufzugsfeder muß ein Stück geweitet werden, damit der Kern hineingeht. Wie Schraubendreher ja geschrieben hat. Funktioniert bei vorsichtiger Herangehensweise.

Das Öffnen dieses Federhauses bereitete mir zunächst Kopfzerbrechen. Dank eines anderen lieben Mitglieds des UF, der mir schrieb, daß das obere Zahnrad mit der Welle vernietet ist, gelang mir dann das Zrlegen ohne fliegende Teile. Der Rat lautete außerdem, beide Zahnräder gegeneinander zu drehen (gegen die Aufzugsrichtung), denn dadurch "läßt" der Zahn in der Welle die Feder "los".

Also im Federhauszentrum habe ich dann B52 gegeben.

Moderne Federn (seit den 70ern?) braucht man nicht mehr zu fetten. Genau weiß ich es auch nicht, denke aber das die Hochglanzpolierung ausreicht.
Einen wirklich kleinen(!) Tropfen halbfestes Fett gebe ich bei Handaufzug Federn auf die Innenfläche des Federhauses und auf die Innenseite des Deckels. Die Federkernlage mit 9020. Hier auch wieder die Devise, weniger ist mehr. ;-)

Eventuell hat ja Jemand mal eine stärkere Feder in das FH vom Spenderwerk verbaut?
So wirds dann beim nächsten mal gemacht. Dank:super:

Eine stärkere Feder im FH des Spenderwerks würds natürlich erklären, warum die Amplitude erheblich höher ist. Die AF werd ich dann mal drin lassen in dem dann "frisierten" PUW.

Und dann für später: Glänzende Federn in Handaufzugswerken: NICHT fetten, wohl aber ganz wenig Federhaus innen oben und unten, und die Lagerstellen der Welle.
Automatic-Federn: Federhausinnenflächen und dort, wo der Zaum durchrutscht: 9020. Feder auch nicht fetten.
So richtig?

Gruß Dirk
 
Schraubendreher

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Die Lager des Federhauses würde ich mit dickflüssigem Öl schmieren. 9020 ist OK, Synth-HP 1000 ist noch etwas dicker und hat bei mir Visco-Lube komplett ersetzt.
An die Federhauswand einer Automatik würde ich immer ein spezielles Fett mit Trockenschmiereigenschaften geben und kein Öl. Moebius 8201 beispielsweise. Das ist auf Molybdänsulfid-Basis.

Bis dann:
der Schraubendreher
 
hermannH

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Automatic-Federn: Federhausinnenflächen und dort, wo der Zaum durchrutscht: 9020.
9020 halte ich für zu flüssig.
Ich verwende, wie z.B. Rolex, speziell dafür ausgelegtes Graphit.
Aber auch hier wieder, ein wenig Glaubenssache. Es gibt auch andere Fette die dafür geeignet sind.

Gruß hermann
 
Rainer Nienaber

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Für Schleppfeldern gibt es spezielle Fette. Ich benutze auch dieses Grafitfett. Es gibt auch Bremsfett, falls die Feder zu leicht durchrutscht. Vielleicht ist das der Grund für den Startpost.
 
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Graphit ist ja ein gutes Schmiermittel. An anderer Stelle im UF las ich kürzlich, daß ein Kollege Molykote-Paste (KFZ-Bedarf) verwendet, eventl. in Verbindung mit flüssigeren Schmierstoffen?

Rainer, von welchem Hersteller gibts dieses Fett, das Du verwendest?

Gruß Dirk
 
Sebastianauru

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Ich verwende dazu Klüber P125, eben ein spezielles Graphitfett genau für diesen Einsatzzweck an der Wandund von Automatikfederhäusern.

Hier ist aber auch die Menge und Positionierung des Schmierstoffs relativ wichtig, einfach draufknallen ist nicht;)
 
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Erstmal danke ich Euch für Eure Hinweise, Ratschläge und Fotos!

Die Sache ließ mir keine Ruhe:

  • altes Federhaus: geringe Amplitude
  • neue Feder von einem lieben Mitglied eingebaut: geringe Amplitude :shock:

- Federhaus ungeändert aus einem Spenderwerk probehalber eingebaut: Amplitude hoch um die 300° :-D

Ich hatte noch eine zusätzliche Feder im Netz bestellt und folgte damit dem hier geäußerten Hinweis, daß sich eine stärkere Feder im Spenderwerk befinden könnte. Die Feder aus dem Netz habe ich gemessen; stimmt mit den Ranfft-Daten überein.

Diese Feder habe ich eingebaut, Ergebnis: Amplitude bei 300° bei Vollaufzug.

Daraus folgere ich, daß die zuvor eingebaute Feder schlapp war.

Bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt.

Gruß Dirk
 
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Jetzt bin ich 18 Stunden weiter nach Vollaufzug.

Die Amplitude liegt zwischen 240° und 284°, je nach Lage. Gang bei -2 s/d (ZU) und -35 s/d (KU).


Und jetzt mal wieder Vollaufzug:
Amplitude liegt zwischen 334° :shock:, +22 s/d (ZU) und 286°, +3 s/d (KU).


(Abfallfehler jeweils nahe null)

Ich würde jetzt noch ein wenig Mühe in die Reglage stecken und dann die Uhr tragen.

Gedanken macht mir aber der große Amplitudenwert. Da bin ich vom Prellen nicht mehr so ganz weit entfernt, oder? Man sieht auf dem Bildchen kein Prellen, aber durch Stoß könnte man ggf. doch dahin kommen, oder?

IMG_20200630_134513  Ampli 332 grd.jpg

Gruß Dirk
 
Schraubendreher

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Hallo Dirk,

gegen hohe Amplituden auf der Zeitwaage gibt es ein bewährtes Mittel: nicht hingucken.
Eine Uhr prellt wenn sie prellt. Dann geht sie stark vor. Die Zeitwaage sagt Dir dann, dass sie ein Preller ist. Aber wenn sie nicht stark vorgeht, prellt sie auch nicht. Also entspannt bleiben und die Uhr erst mal tragen. Dann kannst Du weitersehen. Es ist recht wahrscheinlich, dass die Amplitude am Arm durch die Bewegung geringer ist als auf der Zeitwaage. Also auf jeden Fall ausprobieren.

Bis dann:
der Schraubendreher
 
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Ist der Hebewinkel mit 50° korrekt gesetzt? Zu PUW 560 hab ich gar nix gefunden :(
Das war auch mein Problem. Ich hatte hier im UF gefragt, und da verdichtete sich die Meinung: 50°.
Ich habe im Netz aber auch keine Angaben gefunden.

  • 52° Hebewinkel: Amplitude 329°
  • 50° Hebewinkel: Amplitude 319°

jetzt gerade gemessen.

Gruß Dirk
 
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