Die klassische Zodiac Sea Wolf, oder: wie ich zu einer Taucheruhr kam

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Tscha…. Wie kommt man zu einer Zodiac Sea Wolf (nachfolgend auch abgekürzt als SW)? Nun, unerwartet bekam ich eine Zodiac „Triple Date“ Automatic mit Mondphasen-Kalender geschenkt. SEHR unerwartet, denn Zodiac passt(e) so gar nicht in meinen Beritt. Schöne Uhr, aber…. Zodiac? Konnte ich erst einmal nicht wirklich etwas mit anfangen. Aber ich hab’ mich dann mal über die Marke und ihre Produkte schlau gelesen und bin dann auf die Sea Wolf gestoßen. Wahrlich keine „Liebe auf den ersten Blick“ – aber irgendwie hat sie was.

Sea-Wolf-Still_03_1024x768.jpg

Nun bin ich auch kein Liebhaber von Taucheruhren. Die einzige, die ich bis dahin hatte, war als Kind von 9 oder 10 Jahren eine Timex – gleichzeitig meine erste Uhr überhaupt. Die hatte es mir durch die Fernsehwerbung angetan.


Timex02_534x768.jpg

Wer erinnert sich? Eine Faust, um die eine Timex geschlungen ist, schlägt – mit dem Glas der Timex voran – durch eine Glasscheibe. Der Timex passiert natürlich nichts. Ich war begeistert und wollte eine haben, was ich meinen Eltern nicht gerade subtil gelegentlich (täglich?) mitteilte. Naja, zum Geburtstag oder zu Weihnachten bekam ich eine. Oh große Freude! Mit Drehring und richtig „erwachsen“! Das mit der Glasscheibe musste dann natürlich ausprobiert werden. Die Scheibe der Terrassentür war groß genug, also die Uhr um die Faust und ab dafür. Was soll ich sagen? Die Timex hat’s erstaunlicherweise ausgehalten – die Scheibe nicht und meine Hand nur so mittelprächtig. Aus der Timex-Zeit ist noch ein reichlich unscharfes Foto vorhanden:

MK_Feb1973_m_Timex_02_Detail_1024x639.jpg

Das war bis dato meine einzige Erfahrung mit einer Taucheruhr. Sicherlich waren meine Eltern glücklich, dass die Werbung von Timex und nicht von einer hochpreisigen Marke geschaltet wurde. Über die Nummer mit der Scheibe waren sie aber nicht sonderlich erfreut. Aber als Kind war Timex das Non plus Ultra.

Schön….. also inzwischen hatte ich die Sea Wolf gesehen. Hmmmm…….. es ist nun so, dass ich bestimmten „Outdoor-Aktivitäten“ nachgehe, wo man eine robuste Uhr zu schätzen weiß. Hierfür hatte ich bislang 10Euro-Wecker von Lidl und Co. umgeschnallt. Schön ist so was ja nun nicht gerade.

Also: warum denn nicht mal was Besseres, das auch hart herangenommen werden kann?

Lange Rede, kurzer Sinn: eine Sea Wolf sollte es werden. Warum? Erstens: ich hatte ja schon eine Zodiac (naja…. inzwischen schon ein paar mehr) und zweitens und entscheidend: das Design ist schon einzigartig und hebt sich m. E. nicht unerheblich von anderen Taucheruhren ab. Die Kombination der vier großen (ehemals fluoreszierenden) Dreiecke in Verbindung mit den großen, rautenförmigen Zeigern..... das haben andere Taucher eben nicht. Aber bevor ich zu meiner bzw. meinen Sea Wolf komme: die Geschichte der Uhr. Hier verweise ich auf jene Seite, wo ein schöner Überblick gegeben wird:

The Classic Zodiac Sea Wolf

In Kurzzusammenfassung: die Sea Wolf wurde (angeblich!) 1953 in Basel präsentiert – seinerzeit noch ohne „Sea Wolf“ auf dem ZB, als Modellnummer 691 mit AS 1361 und noch ohne Dreiecke. Wasserdicht bis „10 Atmosphären“.
Ein Beispiel einer solchen frühen Sea Wolf (ohne Sea Wolf auf dem ZB) zeigt eine Annonce in „Esquire“ von Dezember 1958:

Esquire_Dec1958_Sea-Wolf_Detail.jpg

Ob die Sea Wolf wirklich – wie überall kolportiert wird – 1953 das Licht der Welt erblickte, erscheint mir etwas fraglich zu sein. Die Marke „Zodiac Seawolf“ wurde von Zodiac jedenfalls erst im September 1955 zur Marke angemeldet:

CH158157_Zodiac-Seawolf.jpg

Später kam „Sea Wolf“ auf dem ZB dazu; die Modellnummer wechselte zu 699 ebenfalls noch ohne Dreiecke (und mit AS 1624). Lünette bei den frühen Stücken als „Countdown Bezel“. Als Beispiel einer solchen frühen Sea Wolf ohne die Dreiecke (aber schon mit „Sea Wolf auf dem ZB) zeigt eine Annonce in „Lucky Bag“ aus dem Jahre 1959:

luckybag1959unse_0578_Zodiac-SeaWolf_Detail.jpg

So ca. 1959 kam die „klassische“ Sea Wolf mit leuchtenden Dreiecken heraus – jedenfalls gab es 1959 noch Annoncen mit dem alten ZB, aber auch schon welche mit dem neuen Dreieck-ZB. Beispielhaft eine Annonce aus „Sports Illustrated“ aus dem Jahre 1959 mit dem neuen ZB:

Sports-Illustrated-1959-07Dec.jpg

Die „normale“ Sea Wolf kam zunächst noch als Modell 699 mit dem AS 1624, aber schon mit Wasserdichtheit bis 20 Atm (=200m) und mit aufgepresstem Bodendeckel daher; die Zeiger hatten noch keine Mittelrippe. Hier eine Abbildung aus einem deutschsprachigen Zodiac-Katalog, welche das Modell 699 mit Zeigern ohne Mittelrippe zeigt:

Katalog_DE_Sea-Wolf_699_856x768.jpg

1961 wurde das neue Werk Zodiac Kaliber 70/72 eingeführt. Die Modellbezeichnung lautete nun 702-916 bzw. 722-916 beim Modell mit Kalenderkomplikation, Zifferblätter jeweils weiß oder schwarz. Die Zeiger jetzt mit Mittelrippe (welche übrigens die Leuchtmasse besser an den Zeiger haften lassen sollten, denn bei Zeigern ohne Mittelrippe fiel die Leuchtmasse relativ schnell heraus).
Jene meistproduzierte, aber auch meistgesuchte Variante, welche bis etwa 1969 im Programm blieb, ist insbesondere im amerikanischen Bereich als „Vietnam Era Sea Wolf“ bekannt, was daran liegt, dass die Sea Wolf in den PX-Shops der US-Armee zum halben Preis angeboten wurde und von den GIs massenhaft gekauft wurde.

Zum Kaliber 70/72 (das ich nicht genug rühmen kann) hatte ich ausführlicher schon im Zusammenhang mit der Olympos geschrieben, so dass ich auf jenen Beitrag verweisen kann:

Zodiac Olympos 1960 - 1972

Ab ca. 1969/70 erhielt die Sea Wolf eine geänderte Lünette; statt der bislang matt verchromten Messing-Lünette erhielt die Lünette nun einen Einsatz aus irgendeinem hellblauem Acrylmaterial. Tat dem Erscheinungsbild des Seewolfs m. E. nicht wirklich gut, allerdings ist es wirklich so, dass die mattverchromten Messinglünetten sehr unter Abrieb leiden. Die Acrylbeschichtung ist deutlich unempfindlicher.

Ab 1971 oder 1972 änderte sich das Design der Sea Wolf dramatisch und sie mutierte zum „Clockwork Orange“: breite Balkenzeiger, orange umrandete Balken-Indices und andere Details veränderten die Sea Wolf derart, dass vom ursprünglichen Erscheinungsbild nichts mehr übrigblieb. Auch alle nachfolgenden Modelle gleichen Namens hatten mit der klassischen Sea Wolf außer dem Namen nichts mehr zu tun. Dass es ab 1968 noch eine „Super Sea Wolf“ gab, sei nur am Rande erwähnt. Jenes Modell eignete sich für größere Tiefen, sieht konventionell aus und wird zu teilweise schwindelerregenden Preisen gehandelt.

Modellbezeichnungen

Wie oben bereits eingestreut, gab es die Sea Wolf unter verschiedenen Modellnummern. Hier eine Übersicht:

691 : früheste SW; „Ahnherrin“. Kaliber: AS 1361 oder AS1361N. Bodendeckel: verschraubt und außen ohne Beschriftung. Dichtheit: 10 Atmosphären (ca. 10 Bar). Bauzeit: 1953 (?) – 1958 (59?). ZB nur in weiß und ohne Dreiecke. Zeiger ohne Mittelrippe. Statt „Sea Wolf“ „10 Atm“ auf ZB oben. Ganz frühe Exemplare mit Count-Up-Lünette 15-30-45 und Seriennummer auf Deckel, spätere mit Countdown-Lünette 45-30-15 und Seriennummer zwischen den unteren Bandanstößen. Maße: Durchmesser (mit Drehring, ohne Krone) 34,5mm, Bandmaß 17,5 mm.

699 : frühe SW; „Übergangsmodell“. Kaliber: AS 1624. Bodendeckel: verschraubt (früh; mit Außenbeschriftung) oder gepresst (spät).Dichtheit: 10 oder 20 Atmosphären (ca. 10 bzw. 20 Bar). Bauzeit: 1958 (?) – 1961. ZB nur in weiß (?), ohne Dreiecke (früh) oder mit Dreiecken(spät). Zeiger ohne Mittelrippe.

702-916 : klassische SW; „Vietnam Era Sea Wolf“, Kaliber: Zodiac 70 (auf AS 1687 basierend). Bodendeckel: gepresst. Dichtheit: 20 Atmosphären (ca. 20 Bar). Bauzeit: 1961 – 1969. ZB weiß oder schwarz. Zeiger mit Mittelrippe. Maße: Durchmesser (mit Drehring, ohne Krone) 35mm, Bandmaß 17,5 mm.

712-916 : wie 702-916, aber mit Datum und daher mit Zusatz „Datographic“ (auf Uhr nicht angegeben). Kaliber: Zodiac 72 (auf AS 1688 basierend).

702-946 : die „Babyblaue“, Kaliber: Zodiac 70 (auf AS 1687 basierend). Bodendeckel: gepresst. Dichtheit: 20 Atmosphären (ca. 20 Bar). Bauzeit: ca. 1969 – 1971. ZB weiß oder schwarz. Zeiger mit Mittelrippe. Lünettendrehring mit Kunststoffeinsatz in hellblauem Acryl. Maße: Durchmesser (mit Drehring, ohne Krone) 35,5mm, Bandmaß 17,5 mm.

712-946 : wie 702-946, aber mit Datum und daher mit Zusatz „Datographic“ (auf Uhr nicht angegeben). Kaliber: Zodiac 72 (auf AS 1688 basierend).

Daneben gibt es noch eine Damenversion der „Klassischen“. Aufpassen! Ohne Maßstab oder Größenbezugspunkt kann man bei der Damenversion annehmen, dass es die Herrenversion wäre! Kann man nur aufgrund „merkwürdiger“ Zeiger und anhand der Modellnummer sicher unterscheiden. Modellnummer der Damenversion lautet: 492-916, Kaliber 49.

Zum Abschluss des historischen Exkurses noch eine eher ungewöhnliche Werbung von 1968, die ungewollt eine Menge Wahrheit enthält:

Sea-Wolf_ad_1968_Shower_Detail_871x1200.jpg

Abgesehen davon, dass wohl tatsächlich die allermeisten Taucheruhren maximal dem perlenden Nass einer Dusche ausgesetzt werden (wovon aber abzuraten ist), zeigt die Annonce ziemlich realistisch aber wohl ungewollt, welchen „Wassertiefen“ so eine Taucheruhr widerstehen kann. Denn seinerzeit ist mit den Angaben 10 atm = 100m Wassertiefe bzw. 20 atm = 200 m (bzw. 660 ft.) Wassertiefe sehr optimistisch umgegangen worden – milde formuliert. In Wirklichkeit bedeutet bspw. die Angabe „10 atm“ nur, dass die Dichtigkeit der Uhr bei einem Druck von etwa 10bar getestet wurde, was einer (theoretischen) Wassersäule von 100m entspricht.

Die Prüfung der Seewölfe auf Dichtigkeit wird in den zeitgenössischen Zodiac-Prospekten groß herausgestrichen:

Faltblatt_Sea-Wolf_DE_RS-Detail_769x768.jpg


Zum Tauchen ist so eine Uhr nicht geeignet, sondern nur zum Schwimmen und maximal Schnorcheln. Die 20atm-Sea Wolf eignen sich dann schon zum Tauchen, aber auch nur zum gerätefreien Tauchen in geringer Tiefe.
Heutzutage gilt eine Anpreisung „10 bar Prüfdruck = wasserdicht bis 100 m Tiefe“ als wettbewerbswidrig, wie das LG Berlin im Jahre 2015 entschieden hat. Das Urteil ist lesenswert, da es sich recht ausführlich mit den Prüfbedingungen der DIN 8310 und anderen einschlägigen Normen auseinandersetzt:
Bürgerservice Berlin - Brandenburg

Insofern erstaunt es wenig, dass der eine oder andere Taucher der 60er Jahre mit der realen Dichtigkeit seiner Sea Wolf nicht sooo glücklich war. Im Jahre 1968 hat der British Sub-Aqua Club eine Befragung unter (Hobby-)Tauchern durchgeführt, welche recht aufschlussreich ist:

1968: 93 Taucheruhren, 7'260 Tauchgänge - Dive into Watches

Bemerkenswert bei der Untersuchung von 93 Taucheruhren in 7260 Tauchgängen ist unter anderem, dass Zodiacs die weitaus häufigsten verwendeten Taucheruhren waren ( 13 von 93 der befragten Taucher), was für eine Markführerschaft von Zodiac im Bereich der Taucheruhren jener Zeit spricht. Auf der anderen Seite waren Nutzer der Sea Wolf nach 1900 Tauchgängen nur zu 31% „komplett zufrieden“, bei nur 23% der Taucher gab es niemals Undichtigkeiten – aber immerhin 93% der Befragten stuften sie als „zuverlässig“ ein.


Nun zu meinen bislang drei Seewölfen. Eigentlich wollte ich ja nur eine einzige haben… aber mit „eigentlich“ fangen wahrscheinlich die allermeisten erschütternden Geständnisse von Uhren-Junkies an. Egal. Hier mein Trio in der Reihenfolge des Erwerbs:

Nr. 1 - Die Babyblaue: Sea Wolf mit Acryl-Lünettenfüllung

Meine Erste, mehr aus „Ich-will-endlich-eine-haben“-Gründen gekauft.

Zodiac_Sea-Wolf_07_1024x768.jpg

Zodiac_Sea-Wolf_05_1024x768.jpg

Zodiac_Sea-Wolf_03_1024x768.jpg

Wobei ich Glück hatte, denn der Zustand ist gut und sie läuft auch ohne Revision spitzenmäßig.

Zodiac_Sea-Wolf_Zeitwaage_01_1024x767.jpg

Das rangeklöppelte Band ist zwar ein Zodiac-Armband, gehörte aber ursprünglich zu einem anderen Modell (evtl. Kingline?). Als ich das 17,5mm-Band kaufte, hing da noch eine völlig unpassende Hermetic im Zustand „hat’s hinter sich“ dran – aber dank „Zaubertuch“ ließ sich der Schmutz zwischen den Endgliedern schnell entfernen:

Zodiac-Bracelet_before_after05_1024x592.jpg

Ich kann mit dem Band gut leben. Wirklich stilgerecht wäre natürlich ein „Bead of Rice“-Armband, aber das ist im guten Zustand so gut wie überhaupt nicht aufzutreiben.

Zodiac-bracelet_01_768x768.jpg
 
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Teil2

Nr. 2 - Die Klassische: „Vietnam Era“ Sea Wolf in Idealkonfiguration

Sea-Wolf_mit_Taucher_01_576x768.jpg

„Idealkonfiguration“ ist natürlich Geschmackssache. Meinem persönlichen Geschmack entspricht sie aber voll und ganz und exakt so wollte ich sie haben: schwarzes Zifferblatt, kein Datum, vier grünlich schimmernde Dreiecke auf dem ZB, Drehring matt verchromt. Und so sieht sie im Detail aus:

Sea-Wolf_702-916_01_1024x768.jpg

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Sea-Wolf_702-916_08_1024x768.jpg

Der Drehring ist schon etwas abgegriffen, so dass an den Kanten Messing zum Vorschein kommt. Da ich die Uhr als Arbeitstier nutze, ist mir das aber eher recht. Und wenn ich sie im Neulook haben wollte: kein Problem, ein NOS-Gehäuse stünde zur Verfügung:

Zodiac_Sea-Wolf_Case_06_1024x767.jpg

(Anfragen wg. des Gehäuses leider zweckfrei – das behalte ich so oder so)

Innenseite des Bodendeckel s mit Modellnummer 702-916:

Sea-Wolf_702-916_09_1024x767.jpg

Als die Uhr eintraf, lag schon ein kuscheliges Bettchen bereit:

Sea-Wolf_702-916_in_Box_02_1024x768.jpg

Sea-Wolf_Box_gr_04_1024x768.jpg

Die Schachteln für die Sea Wolf unterscheiden sich nach ihrer Außenfarbe, je nachdem, wann die Sea Wolf hergestellt wurde. Es gibt sie in hellblau (frühes SW Modell 699), in grün (mittlere Bauzeit der 702-916) und in rot (späte SW). Bei den Kalender-Varianten ist auch ein Schriftzug „Datographic“ in der Schachtel vorhanden.


Nr. 3 - Die Ahnherrin: „Pre Sea Wolf“ Modell 691

Eigentlich…… eigentlich hatte ich mit Nr. 2 ja schon das, was ich erstrebte. Aber dann wurde zum erträglichen Kurs eine Ahnherrin angeboten. Ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte. Zumal ich schon 691er Devotionalien besaß, welche geradezu nach passender Dekoration für ein Stillleben schrien - was man sich halt so für Scheinargumente zurechtlegt, wenn man eine Uhr kauft, die man…. genau! …. eigentlich gar nicht haben wollte.

Was die Devotionalien betrifft: die hatte ich tatsächlich schon. Bei diesen handelt es sich um einen Kaufbeleg für eine 691er nebst Garantieurkunde, wobei angegebene Seriennummer 1.180.171 auf dem Garantieschein nur einen Tick höher ist als die Seriennummer meiner Ahnherrin (1.179.936).

PreSeaWolf-Box_Sales-Slip_555x768.jpg

PreSeaWolf-Box_Guarantee_01_999x768.jpg

PreSeaWolf-Box_Guarantee_02_1002x768.jpg

Interessant dabei: gekauft wurde jene „Pre Sea Wolf“ (amerikanische Sammler-Bezeichnung für jene Sea Wolf ohne „Sea Wolf“ auf dem Zifferblatt) in einem PX-Shop in Wiesbaden im Jahre 1958. Was meine Vermutung stützen könnte, dass die Sea Wolf tatsächlich deutlich später als 1953 auf den Markt kam, denn ich glaube kaum, dass die betreffende Uhr von 1953 bis 1958 als „betriebstreues Inventar“ (vulgo: Ladenhüter) im PX vor sich hindämmerte. Am Rande erwähnt: PX steht für „Post Exchange“; PX-Läden wurden von den amerikanischen Streitkräften für US-Soldaten betrieben, wobei die angebotenen Waren zum Einkaufspreis abgegeben wurden. Kostete eine Sea Wolf im regulären Handel 100$/110$ (ohne bzw. mit Datum), so wurden im PX nur 50$ bzw. 55$ verlangt.

Die beiden Belege kamen zusammen mit einer Zodiac-Schachtel, bei welcher es sich evtl. um eine originale 691er-Schachtel handeln könnte:

Zodiac_Sea-Wolf_691_Clamshell-Box_01_576x768.jpg

Ich weiß es aber nicht. Die Muschelform der Schachtel könnte dafür sprechen.

Nun zur Uhr:

Zodiac_Sea-Wolf_691_01_1024x768.jpg

Zodiac_Sea-Wolf_691_03_1024x768.jpg

Zodiac_Sea-Wolf_691_05_1024x767.jpg

Man beachte: kein „Sea Wolf“ auf dem ZB, stattdessen „10 atm“ oben, Drehring mit „Count-down“-Ziffernfolge 45-30-15, Zeiger ohne Mittelrippe, ZB mit Balken-Indices auf 1, 3, 5, 7, 9, 11 und 12.
Im Gegensatz zu allen anderen Varianten der Sea Wolf weist sie einen blanken Schraubboden auf (ganz frühe Modelle 699 haben ebenfalls einen Schraubboden, der allerdings auch außen beschriftet ist), welcher innen mit der Modellnummer 691 versehen ist:

Zodiac_Sea-Wolf_691_07_1024x768.jpg

Wo der Deckel schon mal ab ist – so sieht das Werk AS 1361N in der Zodiac-Version aus:

Zodiac_Sea-Wolf_691_08_1024x767.jpg

Der Drehring ist deutlich dünner als bei den nachfolgenden Modellen:

Sea-Wolf_Drehring-Varianten_582x768.jpg

Meine Ahnherrin kam in einer Zodiac-Pappschachtel daher. Keine Ahnung, ob das die originale Schachtel ist. Aber da ich bis dato so eine Zodiac-Schachtel noch nicht gesehen hatte, will ich sie mal zeigen:Zodiac_Sea-Wolf_691_Paperl-Box_01_1024x768.jpg

So, nun habe ich gleich drei „echte“ Taucheruhren. Mit denen könnte ich jetzt (erneut) den Scheibentest machen. Allerdings bin ich zum einen den Kindertagen längst entwachsen und zum anderen entstammen diese ja nicht dem Hause Timex. Also lasse ich es. Auch wenn ich’s könnte…

SeaWolf-Faust_04_SW-Logo_576x768.jpg
 
G

Gast001

Gast
Sehr schöne Darstellung meiner Lieblings-Taucheruhr. Vielen Dank dafür! (Ich mag die mit dem graublauen Ring am liebsten, zum Glück sind da die Geschmäcker verschieden.)

Auch deine persönliche TIMEX-Geschichte hat mir gefallen :super:

Viel Freude mit deinen Zodiacs!

Grüße
Andreas
 
earl grey

earl grey

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Das ist sehr informative und toll bebilderte Vorstellung, die ich mit Interesse gelesen habe!
Danke, dass du dein Wissen und die bestimmt in sehr viel Kleinarbeit gesammelten Informationen mit uns teilst!
Das sind attraktive Uhren und ein schönes (und überschaubares) Sammelgebiet.
Viel Freude mit deinen Schätzchen!
 
S

Steinchen

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Hallo Martin,

danke Dir für die schöne Vorstellung und das Teilen der vielen Informationen. An den "Timexhype" erinnere ich mich auch noch vage - mein Exemplar war allerdings maximal schlicht (Geschenk zur Einschulung, glaube ich). Dein "Tauchteil" muss auf dem Schulhof ziemlich gut gekommen sein.

Gruß

Steinchen
 
Mueller27

Mueller27

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Lieber Themenstarter, wenn das mal keine Bewerbung auf einen der Podiums-Plätze bei der Vorstellung des Jahres ist.
Das ersetzt ja einen kompletten Lexikon-Eintrag. :-)

Echte Traumuhren - bei mir hat es bisher nur zu einer der Re-Editionen der letzten Jahre gereicht.

Carsten
 
660feet

660feet

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Eine wunderbar geschriebene Vorstellung und hervorragende Abhandlung zur Zodiac Sea Wolf, die sogar den technisch-historischen Hintergrund meines Nicknames miteinbezieht! ;-)
Dafür gibt es von meiner Seite drei ganz dicke Daumen - und das wohlgemerkt ohne vohergegangenes Timex-Experiment, an das auch ich mich noch bestens erinnern kann. :D

:super::super::super:

Gruß, 660feet
 
Roger Ruegger

Roger Ruegger

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In Kurzzusammenfassung: die Sea Wolf wurde (angeblich!) 1953 in Basel präsentiert [...] Ob die Sea Wolf wirklich – wie überall kolportiert wird – 1953 das Licht der Welt erblickte, erscheint mir etwas fraglich zu sein. Die Marke „Zodiac Seawolf“ wurde von Zodiac jedenfalls erst im September 1955 zur Marke angemeldet:

Hallo Martin, vielen Dank für den Beitrag und Gratulation zur Sammlung! Zum obigen Punkt: Geht mir ähnlich. Ich meine mich zu erinnern, dass dazu eines der beiden frühen englischen Standard-Bücher über Militäruhren das Jahr 1953 erwähnt hatte, und es besteht durchaus die Chance, dass sich das in den letzten Jahren von dort durch alle anderen Quellen durchgezogen hat (selber Recherchieren tun ja bekanntlich nicht alle gleich gern). Zudem: Wie gross das Interesse oder die Möglichkeiten des derzeitigen Markeninhabers sind, dies zu verifizieren (oder Zugriff auf interne Archiv besteht), weiss ich nicht, ebenfalls auch nicht, was allenfalls als Vorgänger-Modell genommen wurde (ähnlich KonTiki mit und ohne Drehring). Ich selber konnte jedenfalls die Geschichte des Modells ebenfalls nur bis 1955 persönlich verifizieren, stiess aber auf eine Quelle aus 1964, die in diesem Jahr auf eine zehnjährige Geschichte der Sea Wolf verwiesen hatte, was somit 1954 bestätigen könnte. Und nimmt man das damalige Desinteresse der Fachpresse an Taucheruhren, könnte es im Prinzip möglich sein, dass nur ein Jahr zuvor irgendwo ein erstes Modell gezeigt worden ist. Aber eben, ich tendiere ebenfalls eher auf einen Zeitraum nach 1953.

Vielleicht für Dich noch interessant:

diveintowatches.com schrieb:
Übrigens: Noch weniger bekannt sein dürfte, dass [Helmut] Sinn zu Beginn auch Taucheruhren der Marke Zodiac im Sortiment hatte (was allenfalls auch den Prospekt in der zweiten Anzeige erklären könnte). Zum Vergleich: preislich gab’s die Sea Wolf Modelle im Jahr 1961 ab DM 240.00.
 
DRGM

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Ich danke Euch allen für Eure freundlichen Worte!

@Steinchen: soweit ich mich erinnern kann, hat sich niemand auf dem Schulhof für die Timex interessiert. Aber aufschlussreich, dass Du Dich (und 660feet) noch an die Timex-Werbung erinnern kannst. Dann seid Ihr wohl älter als 30….. ;-)

@Roger Ruegger: fühle mich geehrt, dass Du meine kleine Abhandlung mit lobenden Worten bedenkst! Ich stimme Dir auch herzlich zu: Eigenrecherchen tun sich die Wenigsten an. Auch das Zitieren aus sattsam bekannten Quellen trägt oft zur Legendenbildung bei. Aus einem ganz anderen Sammelgebiet ist mir da folgende Legende bekannt: Firma X hat Produkt Y im Jahre 1908 „als erste deutsche Firma“ herausgebracht. Das kann aus bestimmten Gründen aber nicht sein. Ich komme da auf maximal Ende 1910. Nun ist es aber so, dass die 1908er Legende seit wenigstens 1923 in der Fachliteratur erzählt wird und alle anderen schreiben munter ab bzw. fort. Auch die Fa. X hat sich nie gegen diese Legende gestemmt…… Honi soit qui mal y pense…. Von daher glaube ich auch nicht so recht daran, dass die heutige Inhaberin der Marke Zodiac ein großes Interesse daran haben könnte, bei der Korrektur der Geschichte um die 1953er Genese der Sea Wolf mitzuhelfen.

1955 kannst Du verifizieren? Äußerst interessant. Die ältesten Werbeanzeigen, die ich ausbuddeln konnte, stammen von 1958. Auch die (noch existierende) Akte zur 1960 angemeldeten US-Marke 720.978 „SEA WOLF“ gibt leider nichts her, außer dem Verweis auf die existierende Schweizer Marke 148157, welche ich oben schon gezeigt hatte. Sonst sind US-Marken immer eine sichere Bank, wenn es darum geht, den Zeitpunkt der ersten Markteinführung zu bestimmen, denn diesbezüglich bietet das US-Markenrecht einen echten Vorteil: da in den USA der Zeitpunkt der Erstbenutzung äußerst wichtig ist, muss dort eigentlich auch „First use in commerce“ angegeben werden. Geschah hier leider nicht. Ein weiterer Vorteil (für Sammler) des US-Markenrechts: Benutzungsnachweise sollten tunlichst mit Anmeldung eingereicht werden. Ein von Zodiac eingereichter Benutzungsnachweis ist dann eine Annonce zur Sea Wolf:

Zodiac_Sea-Wolf_Ad_USPTO.jpg

Man beachte bei dieser Annonce (direkt aus der Akte des US-Patentamtes):
„Introducing“
„Zodiac Watch Agency“

Ich weiß leider nicht, wann der Wechsel von „Agency“ (hinter „Agency“ verbarg sich der US-Importeur Edward Trauner, Inc.) zu „Company“ in den USA stattfand.

Noch eine kleine Ergänzung: das Band der Ahnherrin und der 702-916 hatte ich vergessen zu zeigen. Dieses Band ist das klassische Band der (frühen) Seewölfe. Eine recht merkwürdige Konstruktion: Stretcharmband, aber mit Faltschließe.

SeaWolf_Flex_01_1024x768.jpg

SeaWolf_Flex_03_1022x768.jpg

SeaWolf_Flex_04_1024x768.jpg
 
Faisaval

Faisaval

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Hallo Martin,

einmal mehr eine herausragende Vorstellung von Dir gespickt mit technisch wie geschichtlich fundierter Information und tollen Bildern zu einem absoluten Uhren-Klassiker der Unterwasserwelt. Für mich absolut preisverdächtig!:klatsch:
 
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Ich selber konnte jedenfalls die Geschichte des Modells ebenfalls nur bis 1955 persönlich verifizieren, stiess aber auf eine Quelle aus 1964, die in diesem Jahr auf eine zehnjährige Geschichte der Sea Wolf verwiesen hatte, was somit 1954 bestätigen könnte. Und nimmt man das damalige Desinteresse der Fachpresse an Taucheruhren, könnte es im Prinzip möglich sein, dass nur ein Jahr zuvor irgendwo ein erstes Modell gezeigt worden ist. Aber eben, ich tendiere ebenfalls eher auf einen Zeitraum nach 1953.

Mittlerweile kann ich zwar nicht 1955 verifizieren (von der Markenanmeldung „Zodiac Seawolf“ im September 1955 einmal abgesehen), aber ich kann inzwischen immerhin Presseveröffentlichungen aus dem Jahre 1957 anbieten. Da hätten wir zum einen kleinen Artikel zu „Neuheiten“ aus der Zeitung „The Tampa Tribune“ vom 14. August 1957, mit dem die Sea Wolf mit einer Wasserdichtigkeit bis 300 Fuß (ca. 100 Meter = 10 Atmosphären) angekündigt wird.

The_Tampa_Tribune_Wed__Aug_14__1957_Sea-Wolf-Announcement.jpg

Schräg ist die Beschreibung: “designed for frogmen, undersea divers and absent-minded swimmers“ - zu Deutsch: „entwickelt für Froschmänner, Tiefseetauacher und geistesabwesende (!) Schwimmer“. Wieso eine Taucheruhr für „geistesabwesende Schwimmer“ eine Hilfe sein soll?

Und - noch interessanter - eine Annonce veröffentlicht in der „Star_Gazette“ (Elmira, New York) am 17. Oktober 1957:

Star_Gazette_Thu__Oct_17__1957_Sea-Wolf.jpg

Interessant hierbei: Die Annonce zeigt die frühe Sea Wolf mit Lederarmband und es wird erwähnt, dass ein Edelstahlarmband $10 extra kosten würde.

Jedenfalls will mir erscheinen, als sei die Sea Wolf frühestens 1957 in den USA angerboten worden - sollte sie tatsächlich 1956, oder wirklich bereits 1955 angeboten worden sein, so scheinen sich solche Verkäufe auf den europäischen Markt beschränkt zu haben.
 
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