Deutsche Taschenuhr mit Leuchtziffern im ersten Weltkrieg

Diskutiere Deutsche Taschenuhr mit Leuchtziffern im ersten Weltkrieg im Taschenuhren Forum im Bereich Uhrentypen; Ich befasse mich gerade mit den Anfängen der deutschen Panzerwaffe im ersten Weltkrieg. Im Buch "Die Bayerische Sturm-Panzer-Kraftwagen-Abteilung...
kage-ul

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Ich befasse mich gerade mit den Anfängen der deutschen Panzerwaffe im ersten Weltkrieg. Im Buch "Die Bayerische Sturm-Panzer-Kraftwagen-Abteilung 13" von Thomas Müller findet sich auf Seite 127 der Beitrag "Leutnant Ludwigs letzter Tankangriff" in einem britischen Beutepanzer im Juli 1918 im Raum Reims, Frankreich.
Für die Panzerkommandanten auf beiden Seiten waren Taschenuhren von guter Qualität wichtig, die auch im Rauch und Dunkel eines alten "Tanks" abgelesen werden konnten. Für diesen Zweck bekamen die britischen und amerikanischen Panzerkommandanten die "Ingersoll Yankee Radiolite" mit ihren radioaktiv leuchtenden Zeigern und Ziffern dienstlich geliefert. Der deutsche Leutnant Ludwig verfügte bei dem geschilderten Angriff auch über eine Taschenuhr mit leuchtenden Zeigern und Ziffern.
Bei Knirim in der Geschichte der deutschen Militäruhren habe ich kein deutsches oder Schweizer Modell aus dieser Zeit gefunden, das der "Radiolite"-Serie von Ingersoll vergleichbar gewesen wäre. Kennt jemand im Forum ein derartiges Modell aus der Zeit des ersten Weltkriegs aus deutscher, österreichischer oder Schweizer Produktion?
Andernfalls wäre davon auszugehen, dass die deutschen Tankbesatzungen im ersten Weltkrieg nicht nur alliierte Beute-Tanks, sondern auch Beute-Uhren benutzt haben müssen.
 
Ruebennase

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Ingersoll war zu aller erst eine Warenhauskette und keine High-End Manufaktur für Beobachtungsuhren. Ich glaube die haben mit Waterbury produziert. Ein kurzer Blick in die Bucht bestätigt mein Gefühl. Das sind sehr preiswert gemachte 'Einweguhren' und weit weg vom zeitgemäßen Profil einer guten Uhr. Nicht desto trotz liefen diese Uhren oft sehr gut und genau. Wenn kaput dann eben kaputt bzw. heute in den unerschrockenen Händen der Sammler, die sich an diese strahlenden Blechbüchsen heran trauen. Immerhin noch verschraubt und nicht vernietet und mit reichlich Radium auf dem Blatt. Ich weiss nicht wie die Panzereinheiten ausgestattet waren, oder ob vergleichbares von z.B.Thiel oder Kienzle gefertigt wurde. Es gibt aber definitiv schweizer und deutsche Taschenuhren mit D H Kennzeichnung für das deutsche Heer, schwarzem Blatt und Radium. Die, die mir bisher vor die Linse gekommen sind, waren definitiv hochwertiger. Ich meine zu wissen, das ein Wicheisenkern zum Schutz von magnetischer Strahlung und eine Stosssicherung vorgeschrieben waren. So etwas kann sich natürlich im Kriegsverlauf verändern. Natürlich waren Uhren Kriegsgerät und wurden zu Hauff von allen Parteien geordert. Wer, wann,wo,wie, was kann ich Dir nicht sagen, weil das weniger mein Interessengebiet ist. Nur die Ingersoll ist eben eher Einweguhr als Fronteinsatzuhr dessen Verlust/Beschädigung einkalkuliert wurde und nicht ernsthaft zu Buche schlug.

Harte Zeiten
Rübe
 
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Unruhgeist

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Alles gut und schön, Rübe, aber die Rede ist vom WK I. Nicht WK II. Die Uhren mit Radium, Weicheisenkern usw. schweizerischer Herkunft waren alle im WK II im Einsatz.
Auf deutscher Seite gab es im WK I so gut wie keine schweizerischen Uhren, weil die Sperrliste des Deutschen Reichs die Einfuhr und den Verkauf von Uhren aus schweizerischer Produktion untersagte, da die Schweizer die damaligen Feinde Deutschlands mit Kriegsgütern unterstützen.
Ohne den Knirim selbst zu besitzen gehe ich aber davon aus, dass besagte Sperrliste dort auch irgendwo erwähnt ist.

Überhaupt ist es fraglich, ob es damals überhaupt schon ernsthafte Spezifikationen für Militäruhren der verschiedenen Waffengattungen gab. Die Panzerwaffen und die Luftwaffen der verschiedenen Länder waren ja gerade mal in der Entstehungsphase. Ob sich da schon ernsthafte Gedanken zu Spezifikationen von Uhren gemacht wurden (mit Ausnahme von Marineuhren, die ja nun wirklich auf die Sekunde angewiesen waren) weiß ich auch nicht.
Von den Engländern sind mir ein paar Uhren aus Zeiten des WK I bekannt, die alle mit Mark xy-Sonstwas bezeichnet waren. Mark I weiß ich gerade nicht, Mark II war eine Stoppuhr, Mark III hab ich auch nicht auf dem Schirm, Mark IV A war eine 8 Tage Uhr für die Luftwaffe und Mark V der Nachfolger davon. Nur als Standardwerk mit 30 Stunden Gangreserve.
Aber nach welchen Kriterien die klassifiziert wurden wissen selbst die Engländer nicht mehr. Die Odyssee hab ich schon durch.

Grüße,
Unruhgeist
 
Ruebennase

Ruebennase

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Upps richtig ...WK1 . Sorry @kage-ul . Ich war so erstaunt über die Lobpreisung des genannten Herstellers, dass ich erst einmal googeln musste, wie die Uhr bzw. Ihr Werk aus schaut und bin dann in der Zeitleiste verrutscht. Tatsächlich ist die selbstleuchtende Zeigermasse erstmals, wie ich gerade nachgelesen habe, 1914 von Guido Panerai patentiert worden und trat seinen Siegeszug erst im Krieg an. Ein preisgünstiges schnell zu produzierendes Produkt um die Leute 'vorne' zu versorgen machte Sinn. Da wurden ja keine Hochpräzisionsuhren benötigt wie auf hoher See. Was die Deutschen auf die Beine gestellt haben weiß ich nicht, aber einige Uhrenfabriken waren ja vorhanden.

Grüße Rübe
 
S

Stocki1990

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Anbei eine Taschenuhr aus meiner Sammlung:

Eine „Reichskrone“ von Huber München. Diese Uhr wurde mehr oder weniger als „erste deutsche Armee-Uhr“ bezeichnet.

Ob die erwähnte Zahl von über 100.000 Exemplaren stimmt, wage ich zu bezweifeln. Bis jetzt konnte ich kein zweites Exemplar dieser Taschenuhr finden. Kann aber auch daran liegen, dass im Inneren wohl ein Stiftankerwerk seinen Dienst verrichtet und die Uhren bei ihrem Lebensende einfach entsorgt wurden.

Auch die Messung mit dem Geigerzähler hat mich überrascht, da die gemessene Strahlung gar nicht mal so hoch war im Vergleich zu Armbanduhren aus den 1950ern.

Liebe Grüsse
Christoph

Bildquelle: (watch-wiki.org)

@Ruebe - Gab es nicht schon vor 1914 Leuchtmasse in den Uhren?
 

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Unruhgeist

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Schön wäre jetzt noch zu wissen von wann die Werbung ist. Muss ja ab 1914 gewesen sein. Könnte aber auch 1915 / 16 / 17 gewesen sein!?
Hast du da weitere Infos?

Grüße,
Unruhgeist
 
S

Stocki1990

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Leider nein, in der Werbung steht halt nur, dass diese Uhren sich seit Kriegsbeginn bewährt haben bzw bereits seit einem Jahr in Verwendung waren.

Würde also mal auf die Jahre 1915, 1916, 1917 oder eben 1918 tippen. Eher jedoch 1915, da in der roten Werbeanzeige von einem Jahr Einsatz samt Zitat eines Soldaten aus dem Jahre 1914 die Rede ist.

Interessant wäre halt zu wissen, ob wirklich 100.000 Exemplare produziert worden sind.

Liebe Grüsse
Christoph
 
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Ruebennase

Ruebennase

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@Stocki1990 Das mit der Leuchtmasse habe ich gegoogelt, aber da kann ich auf Werbung herein gefallen sein. Allerdings kenne ich Leuchtmasse tatsächlich erst vereinzelt in Uhren die aus der Zeit stammen. Die Mark V der Engländer gab es in leuchtender und nicht leuchtender Variante. In den 1920'ern war es auch im Zivilen schon weit verbreitet z.B. bei Taschenuhrweckern. Bei älteren Weckern kenne ich Leuchtpunkte wobei ich nicht weiß, ob die später drauf gesetzt wurden. Hohle Ziffern für Leuchtmasse kämmen m.E. auch erst so um 1915 auf. So richtig Tief stecke ich da nicht im Thema aber der Zeitrahmen passt. Wesentlich länger vorher kann ich ohne Tante Googel ausschließen.
Deine Haller ist in jedem Fall ein gutes Analogon zur Radiolite. Bei den Stiftankern der Zeit ist es schon sehr schwer auf ursprüngliche Herstellvolumen zu kommen, wenn keine Unterlagen vor liegen. Bei 100000 würde ich aber auch bei den Uhren davon aus gehen, dass noch welche zu finden sein sollten.

Grüße Rübe

Grüße Rübe
 
S

Stocki1990

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Hallo Leute!

Ich hab auch ein bisserl Recherche zu meiner Taschenuhr betrieben. Die Uhr wurde scheinbar von Haller in Schwenningen produziert und dann von Huber München vertrieben. Kann aber auch sein, dass Huber die Uhrwerke in Schwenningen beschafft hat und dann die Uhren selbst in München zusammengebaut hat. Die Marke „Reichskrone“ wurde von Huber 1913 eingetragen.

Hier sieht man eine ähnliche Uhr mit dem vermutlich identen Werk: Thomas Ernst Haller Kaliber „Meta“

Auch hier sieht man eine Werbeanzeige, welche mit Haller in Verbindung gebracht wird: Thomas Ernst Haller AG – Watch-Wiki

Ebenfalls eine Uhr von Haller mit militärischem / patriotischem Bezug: Taschenuhr, Thomas Ernst Haller, Schwenningen, um 1914 :: Deutsches Uhrenmuseum Furtwangen :: museum-digital:baden-württemberg

Dies wird sich leider nicht mehr klären lassen, wo genau die gegenständliche Uhr hergestellt worden ist. Für den Fall, dass es München war, wäre es dann die zweite größere Uhrenproduktion in Bayern neben „Libelle“ aus Würzburg.

In den Tiefen des Internets gibt es sogar eine Seite, welche eben die Fertigung für Huber ein bisschen beschreibt. Interessant ist aber jedoch, dass mit einem „Rubin-Ankerwerk“ ebenfalls geworben wurde. Ist halt die Frage, ob dies auf den Stiftanker bezogen ist.

Angeblich wurden über 100.000 Exemplare gebaut, aber wie gesagt, ich konnte leider keine weitere identische „Reichskronen“-Taschenuhr finden.

Interessant finde ich ebenfalls, dass wohl im Knirim keine Erwähnung über diese Armee-Uhr zu finden ist. Entweder war es ein damaliger Werbegag mit dem vorhandenen Patriotismus oder dieses Kapitel wurde eben nie behandelt.

@browntrout - Ist doch kein Problem, ein Forum lebt aus vielen Interaktionen und wenn eine Frage beantwortet wird, ist es im Interesse aller :super:

Liebe Grüsse
Christoph
 
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kage-ul

kage-ul

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Nach meinem Eindruck hat man herkömmliche Taschenuhren einfach mit neuen Zeigern versehen, die mit Radiumfarbe beschichtet wurden und gleichzeitig entsprechende Farbtupfer auf die Indexe des Zifferblatts gesetzt. Und fertig war die Einsatzuhr für das Schlachtfeld. Allerdings dürften sich die gegnerischen Scharfschützen auch über diese Leuchtpunkte gefreut haben, zumal überwiegend Offiziere diese relativ teuren Uhren getragen haben dürften.
 
andi2

andi2

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Hier ein kurzer Auszug aus einer Veröffentlichung einer US-Universität. Der ganze Text war noch vor kurzem frei verfügbar, jetzt leider grossteils hinter einer Paywall. Das Publikationsjahr findet man nicht (ohne zu zahlen).
Demnach gab es Radium-Leuchtfarbe (Radium-226-carbonat und Zinksulfid) seit 1902. Es gibt wohl auch ein US(?)
Patent, patentiert durch George Kunz für Tiffany & Co (Jahr?).
Radio luminescent Paint

Paul Frame, Oak Ridge Associated Universities

"Radio luminescent paint consists of a radioactive material mixed together with a luminescent crystalline powder. The first radioactive material to be used was radium-226 (Ra-226), but it hasn't been employed since the 1970s, at least in the U.S. Today, tritium (H-3) and promethium-147 (Pm-147) are the radionuclides of choice. Other radionuclides have also been used, e.g., strontium-90 (Sr-90) and carbon-14 (C-14). Zinc sulfide powder has been the most widely used luminescent material."

"The invention of radioluminescent paint can be attributed to William J Hammer who mixed radium with zinc sulfide (in1902), and applied the paint to various items including watches and clock dials. In a case of bad judgment, he failed to patent the idea. Recognizing a good opportunity, a gemologist at Tiffany & Company, by the name of George Kunz, did patent it. Kunz and Charles Baskerville, a chemist, made their paint by mixing radium-barium carbonate with zinc sulfide and linseed oil. (...) At that time, at least in the US, radio luminescent paint saw little application. It stayed in the bottle. But in Europe, especially Switzerland, things were different. Quoting Ross Mullner "therewere so many radium painters in that country that it was common to recognize them on the streets even on the darkest nights because of the glow around them: their hair sparkled almost like a halo."In the US, the first company to produce radio luminescent paint was the Radium Luminous Material Corporation in Newark New Jersey. It was founded in 1914"


Gruss Andi
 
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