Der Zeit auf Augenhöhe begegnen

Diskutiere Der Zeit auf Augenhöhe begegnen im Sonstige Uhren Forum im Bereich Uhren-Forum; Als Künstler habe ich viel über den Zusammenhang von Kunst und Zeit nachgedacht. Zeit ist da, aber irgendwie auch nicht. Unsere Zeiteinteilungen...
Pkalb

Pkalb

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Als Künstler habe ich viel über den Zusammenhang von Kunst und Zeit nachgedacht. Zeit ist da, aber irgendwie auch nicht. Unsere Zeiteinteilungen geben nur wiederkehrende Abläufe wieder. Was jedoch innerhalb dieser regelmäßigen Abläufe geschieht, das erst ist die Geschichte der Welt. Kunstwerke werden geschaffen, um diese Zeit zu überdauern. Sie werden konserviert, gehegt, gepflegt und restauriert, um nachfolgenden Generationen einen Einblick in längst vergangene Zeitalter zu gewähren. Wohingegen der Künstler selbst nur seine vergleichsweise kurze Lebensspanne hat, um diese Kunstwerke zu erschaffen, welche der Gesellschaft seinen besonderen Blick auf die Welt vermitteln können.

Standuhr-PeterHKalb-1.jpg

Als ich mich 1997 entschloss, einen eigenen Zeitmesser zu bauen, wollte ich meine Gedanken dazu sichtbar machen. Eine Standuhr wurde es, um der Zeit auf Augenhöhe zu begegnen, denn erst der Mensch gibt der Zeit seine eigene und damit ihre Bedeutung.

Ich ließ den Korpus aus einem massiven Acrylglasblock schneiden, mit konisch nach hinten verlaufenden Seiten in satiniertem Finish. Sie verkörpern den Blick durch den Nebel der Zeit und richten den Fokus auf den transparenten Mittelteil der Standuhr, hinter dessen Durchblick in einem Ausschnitt der eigentliche Zeitmesser sitzt.*
Mit ihrem transparenten Acrylglaskorpus ist die Standuhr ständig da und dennoch bisweilen fast unsichtbar, je nachdem, vor welchem Hintergrund sie Platz findet. Sie verschleiert auch nichts von dem, was hinter ihr liegt, da sie jedes Objekt hinter ihr durch den klarsichtigen Mittelteil durchscheinen lässt.

Des Künstlers Farbigkeit mag man bei dieser Standuhr kaum vermuten, doch wenn ein Lichtstrahl genau passend einfällt, entlässt sie einem Prisma gleich regenbogenartige Spektralfarben in den Raum. Wie das Leben selbst, so zeigt sie optische Täuschungen und ungeahnte Tiefen, die eigentlich gar nicht vorhanden sind und dennoch in den Linien und der Transparenz der Uhr sichtbar werden. Das Spannungsfeld der Komplementäre dieser Welt findet sich in der Klarheit der Uhr und in der Verspieltheit des Ziffernblatts.

Standuhr-PeterHKalb-5.jpg

Bei der Wahl des Uhrwerks verließ ich mich auf professionelle Hilfe und suchte einen Spezialisten in Ruhla auf, der mir nach monatelanger Suche ein mechanisches Uhrwerk im vergoldeten Gewand der Marke Pontifa aus der Schweiz empfahl. Für den exakten Einbau des Werkes in den Acrylglasblock mit dem passenden Ausschnitt wurde extra ein Dummy angefertigt und für die Halterung wurden präzise Gewinde ins Glas geschnitten.*

Der Aufziehschlüssel musste speziell angefertigt werden. Es gibt also nur einen passenden Schlüssel, der die Messung der Zeit mit dieser Uhr in Gang setzen kann.

Standuhr-PeterHKalb-7.jpg

Da man das Werk sieht, lässt sich ihre Arbeit stets verfolgen, wenn sie läuft. Ein mechanisches Uhrwerk wählte ich aus, weil es um die Handlung geht, die ihre Spuren in der Zeit hinterlässt. Außerdem ist ein Künstler immer selbst auch ein Handwerker und weiß die Handwerkskunst eines Uhrmachers zu schätzen.

Das Gehäuse läuft an seiner Basis auf einen besonderen Punkt zu: ein handschriftliches und signiertes Zitat des Künstlers, das er im Sockel der Uhr einlegte und das man erst von einem bestimmten Blickwinkel aus lesen kann:*

„Die Zeit selbst ist nicht sichtbar, aber unser Umgang mit ihr.“
Peter H. Kalb
 
derTeichfloh

derTeichfloh

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Nun, gefält mir eigentlich.
Wenn du uns noch ein paar Maße (Höhe...) mitteilen könntes. So könnten die Standuhr auch 10cm groß sein...

Grüßchen
derTeichfloh
 
XELOR

XELOR

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Schöne Geschichte und schöne Uhr! Die Zeiger finde ich leider etwas unpassend da zu unruhig und zu lang!
 
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Pkalb

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Hallo Teichfloh,

natürlich gebe ich die Maße der Standuhr gerne durch.

Höhe ca. 183 cm
Breite Sockel: ca. 30 cm
Tiefe Sockel: ca. 28 cm
Breite Uhrblock: ca. 20 cm
Tiefe Uhrblock: ca. 7 cm
Gewicht: ca. 25 kg.

Ich hoffe damit alle offenen Fragen beantwortet zu haben.

Mit besten Grüßen
Peter H. Kalb

--- Nachträglich hinzugefügt ---

Danke für das Feedback, Christian!

Liebe Grüße
Peter H. Kalb
 
SINNy

SINNy

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Soll das (im 1. Beitrag zum Forum) jetzt Eigenwerbung oder eine versteckte Verkaufsofferte werden :hmm:

Frei heraus, der Anspruch
einen eigenen Zeitmesser zu bauen
korreliert für mich nicht mit der Aussage:

Ich ließ den Korpus aus einem massiven Acrylglasblock schneiden
oder gar mit:

Bei der Wahl des Uhrwerks verließ ich mich auf professionelle Hilfe
Daraus ergibt sich für mich nicht die geringste persönliche Leistung, über die sich ein Künstler letztlich definieren möchte.

Es bleibt schlicht eine schnöde Auftragsarbeit, kein Kunstwerk...


Grüße, Andi
 
muenchenmann

muenchenmann

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Hmm. Der Text (also der Startpost) erschien ja praktisch wörtlich so schon mal vor knapp zwei Jahren auf watchguide http://www.watchguide.de/news/artikel/leseruhr-von-peter-h-kalb-der-zeit-auf-augenhoehe-begegnen/.

Soweit ich das verstehe entstand diese Uhr ja nun vor zwanzig Jahren. Welchen Hintergrund hat denn dieses aktuelle Re-Publishing hier im Uhrforum?

Und um noch ein konkretes Feedback zu geben: Mich persönlich spricht es jetzt nicht an, aber ich bin auch ausgewiesener Kunstbanause ;-)
 
Nippon-Fan

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Daraus ergibt sich für mich nicht die geringste persönliche Leistung, über die sich ein Künstler letztlich definieren möchte.

Es bleibt schlicht eine schnöde Auftragsarbeit, kein Kunstwerk...
Naja. So brutal muss man das nicht sehen. Die Idee / das Design ist hier die künstlerische Leistung. Jeder Designer ist irgendwo auch Künstler.

Mir gefällt die Uhr allerdings auch nicht besonders. Die eigentliche Uhr, also Werk, Zifferblatt und Zeiger, sind mir im Verhältnis zum Rest einfach viel zu klein. Das wirkt auf mich so verloren. Die Zeiger finde ich ziemlich gruselig ... und zu lang.

Trotzdem danke fürs Zeigen, auch wenn die Erstellung des Textes anscheinend nicht so viel Mühe gemacht hat ;-)

Gruß!
Markus
 
Mueller27

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Also ich dachte zuerst bei dem Text - der sich wie eine Satire auf typsche 80/90er Jahre Kunst-Katalogs Lyrik liest - da steckt ein Scherz dahinter, so Loriot-mäßig, vielleicht einer unserer humoristisch veranlagten Forums-Member.

Der Blick auf die über Google gefundene Homepage des Künstlers hat mich eines besseren belehrt: Alles ernst gemeint! :-)


Carsten
 
Mr.Big

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Ich würde die Beauftragung von Herstellern der einzelnen Teile auch nicht so dramatisch bewerten,
die Kunst liegt auch meiner Meinung nach eher in der Idee. Auch wenn diese Uhr scheinbar schon alt ist,
ich kannte sie nicht.

Meine Meinung zum Designobjekt an sich:
Der Korpus aus Acryl gefällt mir sehr, auch die Idee dahinter ("Augenhöhe", "Nebel der Zeit").
Auch die Größe oder besser geringe Größe der Uhr selbst passt dazu.
Was mir aber gar nicht gefällt ist der Stil der Uhr im Kontrast zum Korpus. Auf der einen Seite
das schlanke, schlichte Acryl, und dann ein sehr verspieltes, fast barock wirkendes Zifferblatt
mit entsprechenden Zeigern. Da müsste imho ein schlichtes Ziffernblatt hin, dass mit klaren
Elementen aus Acryl und Stahl spielt.

Trotzdem danke für die Präsentation.
 
gufi

gufi

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So unterschiedlich sind die Geschmäcker ... mir gefällt die Uhr sehr gut.:super:

Mir gefällt der Kontrast von groß (Gehäuse) und klein (Uhr selbst), sowie der Kontrast von modern/geradlinig zu verspielt/"barock".

Danke fürs Zeigen!
 
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MRBIG

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183 cm und Augenhöhe?

Da bin ich mit meiner fast 200 cm Körperlänge definitiv raus. ;-)
 
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Dille

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Mir gefällt der Kontrast des barock-schnörkeligen Zifferblattes zum steril-stylischen Acrylkorpus. Die Länge der Zeiger über den Rand des Zifferblattes hinaus lässt die Zeit stärker in den Mittelpunkt rücken.

Ach ja, 1,83 m passt wie die Faust auf's Auge. ;)
 
Parameter

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Die Intention und deren Ausführung gefallen mir gut.:super:

Lediglich Zifferblatt und Zeiger mögen nicht so ganz zu der Strenge des eigentlichen Objektes passen.
Da wäre in der Gestaltung eine Reduktion mehr bzw. wirkungsvoller gewesen.;-)

Danke das du uns deinen Entwurf hier vorstellst.:klatsch:
 
Pkalb

Pkalb

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Vielen Dank für die Antworten auf meinen Beitrag und die vielen unterschiedlichen Blickwinkel auf meine Uhr. Das ist es was einen Künstler freut. Ob nun begeistert oder kritisch, die Auseinandersetzung damit bewegt den Geist, wie ein Uhrwerk die Zeiger bewegt (für die ganz Genauen ... sofern welche angebracht sind).

Es freut mich sehr, dass Sie sich die Zeit genommen haben Ihre Eindrücke hier zu beschreiben. Mir war nicht bewusst, dass ich hier nur vorstellen darf, was noch nie irgendwo gezeigt wurde. Doch dieses Forum wurde mir immer wieder empfohlen, um meine Uhr vorzustellen, weshalb ich es den Empfehlungsgebern gegenüber unhöflich empfunden hätte, es nicht zu tun. Hiermit entschuldige ich mich bei allen, die sich dadurch belästigt fühlen und nehme sie auch wieder aus dem Forum heraus, sofern das gewünscht ist.

Mit besten Grüßen
Peter H. Kalb
 
S

steffl62

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Hallo Hr. Kalb,
sehr schönes Design, gefällt mir wirklich gut!
Allerdings würde mir die Uhr mit Gewichtsantrieb (zentral) und einem Sekundenpendel noch besser gefallen. Der Wiederspruch zwischen der (auf den ersten Blick) statischen Zeitanzeige und den dynamischen, aber beim Sekundenpendel doch langsamen Pendelbewegungen würden dem ganzen noch etwas mehr Spannung geben.

lg Christian
 
Pkalb

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Hallo Christian,

ein Pendel hat in meiner philosophischen Betrachtungsweise keinen Platz gehabt, da eine gleichmäßige Pendelbewegung im Leben eher unwahrscheinlich ist, auch wenn sie hin und wieder vorkommt. Dennoch kann ich Ihren Ansatz verstehen.

Mit besten Grüßen
Peter H. Kalb
 
SINNy

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... entschuldige ich mich bei allen, die sich dadurch belästigt fühlen...
Ich glaube soweit muss man nicht gehen, ich zumindest fühle mich in keinster Weise belästigt. Neue Sichtweisen bereichern einen immer, was nicht bedeutet dass man ihnen zustimmt...

Meine Kritik bezieht sich hauptsächlich auf deinen Ehrgeiz, eventuell zukünftig eine gute Idee selbst umzusetzen.

Mehr Herzblut = Mehr Kunst , und Herzblut entspringt eher der eigenen Hände Arbeit als einer bemaßten Skizze (in meinen Augen).


Obwohl ich zugeben muß, die Idee an sich (Zeit auf Augenhöhe) überzeugt.
Die Umsetzung eher nicht.


Grüße, Andi
 
Pkalb

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Hallo Andi,

auch wenn ich den Anspruch alles selbst machen zu wollen nachvollziehen kann, muss man vor manchen Gegebenheiten die Segel streichen. Wer weiß, wie Acrylglas zu bearbeiten ist, wird verstehen, dass ich den Korpus aus dem Block schneiden ließ, weil ich mir für diese Arbeit keine Industriemaschine zulegen konnte, bzw. wollte. Und auch wenn ich Uhren liebe, bin ich kein Uhrmacher, der ein Uhrwerk bauen könnte, also verließ ich mich diesbezüglich auf einen Fachmann.

Aber was jemand als Leistung einschätzt ist ja ohnehin subjektiv.

Viele Grüße
Peter H. Kalb
 
derTeichfloh

derTeichfloh

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Interessante Ansichten hier.
Der Zeit auf Augenhöhe begegnen - darunter hab ich bislang etwas anderes verstanden.

Auch ich gebe zu: so ganz gefällt mir diese Verbindung nicht. Ich habe den Eindruck, dass das Zifferblatt samt Zeiger zu klein sind. Kommt mir irgendwie "verloren" vor.
Das kann aber auch daran liegen, dass ich ein großer Freund großer Uhren bin (siehe meiner Signatur...).
Auf jeden Fall: ein freundliches "Weiter So!" von mir.


mfg
derTeichfloh
 
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Der Zeit auf Augenhöhe begegnen

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