Der Weg zum Chronographen - FL03 - Machen oder nicht?

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Dickmilch

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Etwas hat es schon gedauert, manchmal klappt auch nicht alles immer wie man es will und eigentlich fehlt natürlich auch die Zeit für so einen"Blödsinn", aber wenn man Ende doch was herauskommt dann hat sich doch alles gelohnt.
An der Stelle würde ich das Projekt einmal kurz vorstellen, vielleicht ist das ja mal eine kleine Abwechslung zu den ganzen Rolex Submariners, aber vielleicht interessiert es auch keinen, wer weiß.
Kurze Vorwarnung vorab, es geht hier nicht um irgendeinen professionellen Bau einer Uhr, ich bin absoluter Laie, habe weder eine Werkstatt noch irgendwelche Maschinen, leider auch keinen Zugriff z.b. auf eine CNC-Fräse oder ähnliches, da muss man sich eben auch mal etwas behelfen und das ist eben auch die Schwierigkeit so ein Projekt umzusetzen, in manchen Augen ist das natürlich absoluter Pfusch, das tangiert mich jedoch wenig, da die Uhren ja nur für mich sind ;)
Es geht ja auch darum etwas zu lernen, es ist bis jetzt das 3. umgesetzte Projekt und jedes wurde anders angegangen und da habe ich schon gelernt was ich besser und was ich schlechter umsetzen kann.
Eine Uhr zu designen und zu konstruieren, ausgenommen davon ist natürlich das Uhrwerk selber, ist ja an sich nicht schwer, da brauch man auch kein Hintergrundwissen, da kann man echt einfach mal loslegen, so mache ich das auch immer, vom Beruf her bin ich mit 31 Jahren junger Architekt und Plane ja eher was größeres, aber selbst bei einem 100 Mio. € Projekt kommt es auf jede Schraube an und jeder Fehler oder Fehlentscheidung, auch direkt auf der Baustelle zieht ein riesen Rattenschwanz hinter sich her, passend hierzu hat ja heute der BER eröffnet.
Aber was nützt einem das tollste Design, wenn man es nicht selber bauen kann?
Also muss man weiter denken, wie kann ich meinen Entwurf selber bauen, das ist nämlich das wirklich schwere und da muss ich zumindest mit meinen Möglichkeiten erhebliche Abstriche machen, was mir trotzdem nicht weh tut, man entwickelt sich ja auch weiter.

Bei dem Projekt ging es um einen Chronographen, ich wollte was altes mit Handaufzug, ich wurde hier im Forum auf ein Landeron 248 aufmerksam gemacht, für den Tipp bin ich einerseits dankbar, auf der anderen Seite könnte ich denjenigen auch verfluchen, warum habe ich denn nicht einfach ein Valjoux 7733 genommen, das hätte mir die größten Probleme wohl erspart, aber zum Glück hat es ja noch irgendwie geklappt.
Uhrwerk war gewählt und gekauft, jetzt muss ein Gehäuse her, da ich niemanden kenne, der mir was drehen oder fräsen kann, bleibt ja einem nur das Internet, hatte bei dem vorherigen Projekt auch auf ein Dienstleister für Drehteile zurückgegriffen, was auch super geklappt hat, wenn man etwas Zeit hat und vom Preis ist das echt in ordnung.
Also entschied ich mich für ein einteiliges Gehäuse als einfaches Drehstück aus Edelstahl 1.4404, sowie Boden mit Glas, nur wie bekommt man da ein Armband dran? Verschraubte Bandanstöße, entweder aus Bronze eckig oder aus Titan rund, es wurde am Ende Bronze Eckig, habe ich mir einfach aus einem Stück Bronze rausgesägt und solange gefeilt bis es ungefähr passt.
Was wirklich schwierig war für mich war, in dem absolut runden Gehäuse die passenden Löcher zu bohren, erstmal überhaupt mit einem Proxxon Industrieschleifer in hochlegierten Edelstahl löcher zu bohren ist schon extrem schwierig, dann gibt es für das Uhrwerk keine technische Zeichnung, also musste die 5 € Schieblehre herhalten, muss ich auch noch auf dem komplett runden Gehäuse die Maße mit einem Geodreieck aus meiner Kindheit übertragen und dann auch noch passend bohren, dazu bin ich noch sehr ungeduldig, daher gibt es da Abzüge in der B-Note, das Gehäuse war erschaffen, simpel massiv und haptisch eine wucht.

Die Augen einer Uhr ist wohl das Zifferblatt, das große Problem bei einem Zifferblatt ist es zu beschriften, Tampondruck kommt da für ein Einzelstück eigentlich nicht in Frage, ich hatte mal ein paar Preise angefragt, dann hatte sich es erledigt, UV-Druck wäre wohl eine gute Möglichkeit, aber habe bis heute keinen Dienstleister gefunden, der direkt auf ein kleines Stück Metall druckt, auf Transferfolie habe ich auch keine Lust, daher gab es wieder eine Laser-Tiefengravur auf Edelstahl war das echt spitze.
Diesmal wollte ich aber das Ziffernblatt aus Bronze fertigen ggf. noch plattieren / brünieren, das ging eher schlecht als recht bis ich das gewünschte Ergebnis erreicht hatte, ich habe auch ein Talent dafür wenn etwas schon gut ist beim verbessern wieder kaputt zu machen.
Jetzt wollte ich noch die Stunden-Indexe sichtbar machen, zuerst hatte ich versucht mit kleinen Stahlkugeln, die ich gebläut hatte, sah nicht gut aus, dann habe ich mal gedacht versuch es mit Leuchtmasse, habe ich noch nie benutzt, dabei habe ich festgestellt, dass das ja sehr einfacht geht, daher wird meine nächste Uhr auch mehr Leuchtmasse tragen.
Das Zifferblatt hatte ich noch platiniert und hat jetzt echt einen tollen Schimmer, sieht immer anders aus, aber sehr schwer zu fotografieren, langsam wird der Ruf nach einer Stiftgalvanik größer.

Ja Zeiger brauch man ja auch, die zu dem Zifferblatt passen und zu dem Uhrwerk, wie ich festgestellt habe, das gibt es nicht und nun?
Hatte Zeiger in Spanien gefunden, passten zu dem Uhrwerk und von der Größe und Design, war wohl doch nicht so, der Stundenzeiger passte, der Minutenzeiger nicht, beim Versuch den Minutenzeiger aufzubohren, bin ich leider abgerutscht und naja dann war es das auch, ein Versuch den Zeiger zu retten scheiterte, dann habe ich mal geschaut was nahe dran kommt und da vielen mir die Zeiger für ein ETA eta 6497 ein, der Minutenzeiger musste zwar auch aufgebohrt werden, diesmal war ich aber vorsichtiger.
Auch bei den übrigen Zeiger musste man mehr oder weniger improvisieren, an der Stelle habe ich echt verflucht dieses Uhrwerk genommen zu haben.

Als ich dann mal endlich alles zusammen hatte muss man es auch alles zusammen bauen, Bandanstöße dran, Gläser einbauen, sowie Drücker Tubus etc., das Werk muss ja auch irgendwie fest im Gehäuse montiert werden, also muss man auch einen Haltering gebaut werden, eine Coole Krone muss her.
Hatte dann endlich alles zusammen und dann geht die Stellwelle nicht fixiert, ich kam in Hektik und habe dann auch noch die Schraube vernuddelt, bevor ich noch mehr Schaden anrichte, hat sich der Legolas hier aus dem Forum erbarmt mir zu helfen, dafür erstmal noch vielen Dank!
Es stellte sich heraus, dass die neue Stellwelle wohl nicht passend gearbeitet worden war und daher einfach nur nicht passte, lag gar nicht an meiner Inkompetenz, aber zum Glück konnte da Abhilfe geschaffen werde.
Zuletzt fehlte nur noch das Armband, typisches Lederarmband, welches ich passend auf de Bandanstöße zugeschnitten hatte.
Am Ende darf ich noch sagen, die Uhr läuft auch :)

Daten zu der Uhr:

Uhrwerk Landeron 248, also Version wahrscheinlich schon 60 Jahre alt
Gehäuse aus Edelstahl 1.4404, Durchmesser 42 mm
Bandanstöße aus Bronze geschraubt, Länge insgesamt 52 mm
Oben Saphirglas entspiegel, Unten Mineralglas
Zifferblatt aus Bronze platiniert, Lasertiefengravur und Leuchtmasse

Könnte noch viel mehr schreiben, aber würde erstmal behaupten Bilder sagen mehr als 1000 Worte, erst ein paar Bilder vom Bau und dann Bilder von der fertigen Uhr, das Ziffernblatt ist echt schwer zu fotografieren, hatte es mit einem alten Aufsteckblitz versucht, daher sind die Bilder etwas Kühl.

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Tom-Wien

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Junge, junge.....Du bist ja schräg drauf! Und das meine ich als Kompliment. Der Chrono ist das Highlight der Kollektion. Respekt. Geschmackvoll, bissl schräg, einfach geil!
 

kreindinho67

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Wow! Deine bisherigen zwei Projekte waren nicht ganz nach meinem Geschmack, aber dieser Chrono gefällt mir außerordentlich gut! Besonders durch das Zifferblatt mit der Lasergravur erhält die Uhr einen ganz eigenen Charakter. Deine Uhren sind definitiv keine Stangenware und das ist das, was mir bei deinen Uhren am besten gefällt.
 

Boston72

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Ich kann da Tom nur beipflichten.

Sensationell abgefahren dein Chrono.
Den würde ich auch tragen.

Gratulation dazu. Und Hut ab vor der Arbeit. :super:
 

mcgregg

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Es gibt genügend Stümper, die sich genial finden. Was Du machst ist genial. Und als Autodidakt hast Du interessante Lösungsansätze. 👍
 

Speedmaster Tobias

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Meine Fresse,was bist du doch für eine coole Socke! Dieser Chrono ist ja mal echt ein starkes Stück und sieht extrem gut aus. Mein aller höchster Respekt! Einfach eine Idee im Kopf und losgelegt. Super und mach weiter so,du baust tolle Uhren!
LG Speedmaster Tobias
 

CFG

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Toll, was Du da gemacht hast und auch unterhaltsam-entspannend geschrieben.
 

Mausbiber

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Also ich ziehe den Hut vor deinem Können, auch wenn die Uhren nicht nach meinem Geschmack sind, so ist dein handwerkliches Geschick beachtenswert.
Es ist schon zu sehen das jemand den Mainstream durchbricht und sich verwirklicht. Viel spass mit deinen Kreationen.
 

Dickmilch

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Erstmal vielen Dank für die Blumen!
Natürlich ist das Design Geschmackssache, gerade bei selbstgebauten Uhren, abseits vom Mainstream, das ist aber auch nicht nur bei Uhren so, bei der Architektur ist das ja auch oft so.

Aber finde ich auch nicht unbedingt verwerflich.

Das Design entwickelt sich ja hier aus dem für mich selber umsetzbaren, ein freies Design würde auch anders aussehen.

Improvisieren muss man halt schon, z.b. das Werk wird hier durch einen dünnen Streifen Bronzeblech gehalten, welches wiederum durch den Boden gehalten wird usw.

Das mag ich auch bei meinem Beruf, jedes Gebäude ist ja eine individuelle Sonderanfertigung.
Man hat eine Idee und man muss genau überlegen wie man es umsetzen kann, es ist ja oft auch was neues, was man vorher noch nie gemacht hat.

Interessant ist, bei einer Baubesprechung tragen eigentlich so gut wie alle eine Rolex, als ob es keine anderen Uhren geben würde.

Bei jedem Projekt versuche ich auch immer was neues in Kombination mit den Erfahrungen aus den vorherigen Projekten.

Beim nächsten Projekt wollte ich mal versuchen ein Zifferblatt selber zu lackieren und mit leuchtmasse auszulegen.

Hier noch 2 Handy Schnappschüsse
 

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Spezimatiko

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Deine Herangehensweise gefällt mir junger Mann.
Mutig werden die Pläne umgesetzt und auch am Material wird sich ausprobiert.
Dein Chronograph gefällt mir und es ist ein schönes Unikat.
Gratuliere :super: und weiter so im Beruf und dem Hobby.
 

watchhans

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Meinen Glückwunsch!
Vintage trifft modern.
Man sieht den Architekten in dem Projekt.
Jedenfalls besser als jede Baubesprechungs-Rolex.
 

Lebel

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Schließe mich an, Respekt vor Kreativität und der Eigenleistung. Knaller!
Entspannt abgeliefert, toller Chrono, würde ich auf jeden Fall tragen!
Punkt.
 

PaulePauländer

Gesperrt
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10.05.2020
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908
Nicht nur schnacken, machen.
Dieses hast du beeindruckend umgesetzt.
Es hat mir Freude bereitet, diesen Beitrag zu lesen.
Meinen Glückwunsch zu den Resultaten.
 

watchhans

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Bloß nicht zuviel Leuchtmasse. Bröselt schlimmstenfalls nur ins Werk.

Außerdem: nachts sollst Du schlafen und nicht auf die Uhr gucken! :lol:
 

plarmium

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Das ist ziemlich abgefahren. Eigenbauten gibt es hier immer mal wieder, ber spätestens bei den Zeigern trennt sich die Spreu vom Weizen.
Bei dir ist das alles aus einem Guss und von vorne bis hinten überlegt. Wirklich einsame Klasse, sowas habe zumindest ich bisher ganz selten gesehen!

Und ich bin schon jetzt neugierig auf deine nächsten Projekte. :-)
 
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